Fantastische Tiere (und wo sie zu finden sind)

Fantastische Tiere (und wo sie zu finden sind)

Werke von Raymond E. Waydelich

Seine kuriosen Geschöpfe - eine ganze Arche voller Tiere, ein ausgestopfter Vogel in einem Objektkasten, ein grinsender Hund aus Bronze, ein schwarzer Rabe auf weißem Grund - begrüßen den Besucher gleich beim Betreten der neuen Ausstellung "Fantastische Tiere". Obwohl es sich um eine Gruppenausstellung handelt, zählt Raymond E. Waydelich mit über 35 ausgestellten Arbeiten zweifellos zu den Hauptakteuren der Werkschau. DIE GALERIE möchte das Werk dieses witzigen, eklektischen Künstlers genauer unter die Lupe nehmen.

1938 in Straßburg im Elsass geboren, machte Raymond Emile Waydelich seine ersten Schritte in der Kunstwelt in der Werkstatt seines Vaters, wo er bereits in jungen Jahren zum Holzbildhauer ausgebildet wurde. Ab 1953 besuchte Waydelich die Ecole des Arts Décoratifs in seiner Heimatstadt und später die Ecole Nationale Supérieure des Arts Décoratifs in Paris. In den frühen 1960er Jahren diente er als Armeefotograf in Algerien. Dort entstanden seine ersten Fotoreportagen von Ausgrabungsstätten und er begann allmählich, die Archäologie – die ihn schon als Kind faszinierte – in seine künstlerische Arbeit mit einzubeziehen. Es folgten weitere Reisen, unter anderem nach Tunesien, Marokko, Griechenland und in die Türkei. All die gesammelten Eindrücke und Erfahrungen spielen bis heute eine wichtige Rolle in seinem Schaffen. Und doch bleibt seine Heimatregion, das Elsass, mit ihren herrlichen Landschaften, ihrer Flora, Fauna und ihrer genussvollen Weinkultur, Raymond Waydelichs größte Liebe und ist häufig Schauplatz seiner Bilder.

Raymond-Émile Waydelich: Wildschwein, 2021

In seiner Kunst vereint der Künstler Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Ein wesentlicher Meilenstein seiner Karriere war die Aktion “Gruft der Zukunft” 1995, die sich in sein Projekt Archäologie der Zukunft einreiht. In diesem Rahmen wurden eine ganze Reihe Alltagsgegenstände in einer luftdichten Betonkammer in Straßburg eingeschlossen, die erst im Jahr 3790 wieder geöffnet werden soll. Eine ebenso zentrale Rolle in Waydelichs Werk spielt die Gestalt der 1876 geborenen Schneiderin Lydia Jacob, auf deren Tagebuch der Künstler 1973 auf einem Flohmarkt durch Zufall stieß. Ab dem Moment dieser unerwarteten Entdeckung beschloss Raymond Waydelich, Lydia Jacob wieder aufleben zu lassen, indem er sie zur Protagonistin, ja zur Muse seiner phantasievollen Bilderzählungen machte. In der Ausstellung spiegeln dies u.a. die Objektkästen wider.

In einer beeindruckend vielfältigen Palette unterschiedlicher Medien (Druckgraphik, Malerei, Collagen, Assemblagen, Objektkästen, Skulpturen, Installationen und Happenings) begegnen sich verschiedene räumliche und zeitliche Ebenen, die von bizarren, zuweilen sprechenden Tierwesen, Kreaturen aus der klassischen Mythologie, historische Persönlichkeiten und Ikonen der Popkultur gleichermaßen bewohnt und belebt werden.

Letzte Änderung: 07.07.2023  |  Erstellt am: 07.07.2023

Fantastische Tiere

Dauer der Ausstellung:
bis 13. September 2023

DIE GALERIE
Grüneburgweg 123
60323 Frankfurt am Main

www.die-galerie.com

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