Der ROMANFABRIK-SchreiberInnen-Preis wird 2026 zum zweiten Mal ausgeschrieben — und bereits jetzt zeigt sich die außergewöhnliche Resonanz dieses bewusst klein gehaltenen, unabhängigen Literaturpreises. Bis heute sind 565 Einsendungen von Autorinnen und Autoren eingegangen. Für dieses große Interesse danken wir allen Beteiligten sehr herzlich.
Die Vielfalt per se sowie die Bandbreite der eingereichten Texte machen deutlich, wie lebendig die Form der Short Story gegenwärtig ist. Die kurzen, konzentrierten Erzählformen besitzen eine große literarische Tradition – von Jorge Luis Borges über Ernest Hemingway bis hin zu Lydia Davis – und eröffnen zugleich neue Möglichkeiten für experimentelles und zeitgenössisches Erzählen.
Der ROMANFABRIK-SchreiberInnen-Preis wird gemeinsam von der Romanfabrik Frankfurt, der Faust Kultur Stiftung sowie der Ardi Goldman Kunst- und Kulturstiftung getragen. Im Mittelpunkt des Wettbewerbs steht jeweils ein Themen-Triptychon: Drei Begriffe bilden die Grundlage der literarischen Arbeit. Die Autorinnen und Autoren wählen eines der vorgegebenen Triptychen aus und entwickeln daraus ihre Texte.
Die vier Preisträgerinnen und Preisträger erhalten neben einem Preisgeld eine sechswöchige Schreibresidenz in einer eigens eingerichteten Wohnung auf dem Union-Gelände mitten in Frankfurt am Main. Gerade diese Verbindung von kulturellem und urbanem Umfeld macht die Residenz zu einem besonderen Bestandteil des Preises.
Darüber hinaus werden die ausgewählten Texte der Longlist und Shortlist bei Faust Kultur veröffentlicht und erhalten so zusätzliche Öffentlichkeit und Sichtbarkeit.
Unser besonderer Dank gilt bereits jetzt auch der Jury, die angesichts der großen Zahl und Qualität der Einsendungen vor einer anspruchsvollen Auswahl steht. Wir wünschen der Jury für ihre Arbeit Konzentration, Neugier und viele überraschende Entdeckungen.
Über die weiteren Schritte des Wettbewerbs, die Longlist, die Shortlist sowie die ausgezeichneten Texte werden wir bei Faust Kultur kontinuierlich berichten. 565 Texte – und jede einzelne Einsendung ein Zeichen dafür, wie groß das Bedürfnis nach literarischen Räumen für neue Stimmen und zeitgenössisches Erzählen ist.
Angesichts der außerordentlichen Resonanz stellt sich allerdings auch eine kulturpolitische Frage mit zunehmender Dringlichkeit: Warum bleibt ein Projekt dieser Reichweite und Relevanz bislang ohne institutionelle Förderung durch die Stadt Frankfurt oder das Land Hessen? Gerade vor dem Hintergrund, dass der Preis im Umfeld des 40-jährigen Bestehens der Romanfabrik entstanden ist – eines Hauses, das bereits vor dem Frankfurter Literaturhaus bestand, allein aus privater Initiative hervorgegangen ist und seit Jahrzehnten dafür steht, Literatur und literarisches Schaffen einem breiten Publikum zugänglich zu machen sowie Menschen ausdrücklich zum eigenen Schreiben und literarischen Arbeiten zu ermutigen – erscheint diese Zurückhaltung schwer nachvollziehbar.
Zugleich lässt sich in den vergangenen Jahren beobachten, dass die Romanfabrik unter der Leitung von Gregor Praml wieder deutlich stärker in die öffentliche Wahrnehmung gerückt ist. Insbesondere die Verbindung von Literaturveranstaltungen mit Musik- und Diskussionsabenden an programmfreien Tagen hat sich als lebendige und zeitgemäße Öffnung des Hauses erwiesen. Die Verbindung von Literatur, Musik und demokratischer Gesprächskultur scheint sich dabei in besonderer Weise zu bewähren. Heute wird die Romanfabrik wieder verstärkt als ein Ort wahrgenommen, der unterschiedliche Generationen anspricht, Menschen zusammenführt und kulturelle Teilhabe in einem offenen und einladenden Rahmen ermöglicht.
Die hohe Zahl der Einsendungen zeigt deutlich, wie groß der Bedarf an offenen, zeitgenössischen Formen literarischer Förderung ist. Dass ein derart sichtbares und überregional wahrgenommenes Projekt bislang ausschließlich durch das Engagement unabhängiger Akteurinnen und Akteure getragen wird, verweist auf eine bemerkenswerte Leerstelle in der öffentlichen Kulturförderung. Gerade Institutionen und politische Verantwortliche, die regelmäßig die Bedeutung literarischer Vielfalt und freier Kunstproduktion betonen, sollten diese Entwicklung aufmerksam zur Kenntnis nehmen.
Der ROMANFABRIK-SchreiberInnen-Preis versteht sich ausdrücklich als Einladung an neue Stimmen und literarische Experimente.
Letzte Änderung: 03.06.2026 | Erstellt am: 03.06.2026
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