Kunst als Aneignung.

Kunst als Aneignung.

Zwischen Cowboy-Mythos und Konsumkritik: Richard Princes Werke hinterfragen die Bildsprache Amerikas
 | © ALBERTINA/Richard Prince

Die Wiener Albertina widmet dem amerikanischen Fotokünstler Richard Prince eine Retrospektive. Stefana Sabin hat sie besucht.

Es waren Cowboys, die den amerikanischen Fotokünstler Richard Prince in den 1970er Jahren berühmt machten. Er fotografierte die bekannten Werbebilder erneut ab und fügte ihnen kleine Veränderungen zu und verwandelte die ikonischen Werbemotive in eigenständige Kunstwerke. Princes Re-Fotografien, wie er seine Bilder nannte, zeigen einsame Reiter in dramatischen Landschaften und hinterfragen implizit den amerikanischen Mythos von Freiheit und Abenteuer, auf dem die Werbung basierte.

Die Cowboy-Serie ist ein Beispiel für jene Kunstrichtung, die medial existierende Bilder übernimmt, bearbeitet und dabei neu interpretiert ─ eine Untergattung der Pop Art, die man „appropriation art“ nennt. Prince ist einer der bekanntesten und umstrittensten Vertreter dieser Gattung ─ und einer der teuersten (die Cowboy-Bilder erzielen auf Auktionen bis zu 8 Millionen Euro!). Die Retrospektive in der Wiener Albertina bietet mit rund 150 Werken aus mehreren Jahrzehnten einen Überblick über das vielschichtige Schaffen von Richard Prince von den bekannten Serien ─ Cowboys, Fashion, Gangs ─ bis zu den Social media-Porträts.

Die Fotografie ist das wichtigste Medium von Prince, doch auch Collagen, Malereien und installatorische Arbeiten werden gezeigt, so dass man die Entwicklung seines Werks von den frühen 1970er-Jahren bis in die Gegenwart verfolgen kann.

In den 1980er Jahren fotografierte Prince Fotoporträts einiger seiner Freunde ab, nannte sie ‚Untitled‘ und schenkte sie ihnen zurück: so machte er aus banalen Fotos Porträtkunst! Bilder aus Reiseprospekten für Florida gestaltete er zu einem verstörenden Tableau mit zerstückelten Körpern und Gummitieren und rückte den Massentourismus in einen surrealen Kontext. Für die ‚New Portraits‘ fotografierte Prince Porträts, die auf Instagram hochgeladen werden, und fügte ihnen Kommentare hinzu, die flapsig, manchmal geschmacklos sind. Diese veredelten Bilder erzielen inzwischen auf dem Kunstmarkt hohe Summen ─ und der Abfotograf avancierte in den sozialen Medien, die er bloßstellen wollte, zum „meistgehassten Fotografen der Welt“.

Es sind medial hergestellte und vertriebene Klischees ─ ob Männlichkeitsbilder wie in ‚Cowboys‘ oder Weiblichkeitsbilder wie in ‚Fashion‘ ─ , die Prince in seinen Bildern vorführt und dabei als solche entlarvt. Diese Bilder bewegen sich programmatisch auf dem Grat zwischen Original und Kopie, zwischen Realität und Inszenierung ─ sie stellen die Frage nach der Authentizität und Originalität von Kunst, aber ihre Wirkung entfalten sie durch die Verstörung, die sie erzeugen. So sind Princes Bilder implizit gesellschaftskritisch.

Dieser gesellschaftliche Bezug verleiht den Bildern von Richard Prince eine anhaltende Aktualität. Vor allem heute, in Zeiten sozialer Medien und digitaler Bilderfluten, zeigen diese Kunstwerke, wie Zitieren, Kopieren und Wiederverwenden die gegenwärtige Weltwahrnehmung beeinflussen können. So regt die Ausstellung zu einer kritischen Reflexion darüber an, wie Bilder das heutige Denken formen.

ALBERTINA, Wien. Bis 16. August. Der Katalog kostet 39,90 Euro.

Letzte Änderung: 26.05.2026  |  Erstellt am: 26.05.2026

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