Zwischen Zeitgeist, Zorn und bitterer Satire entwirft Wolf Christian Schröder in „Wenn Russen kommen“ das Porträt einer radikalisierten Jugend, die sich in Weltrettungsfantasien und ideologischer Verblendung verliert. Hans Christoph Buch liest den Roman als provokante, scharfzüngige Abrechnung mit den moralischen Gewissheiten der einer Generation, die Moral mit Erlösung und Aktivismus mit Wahrheit verwechselt.
In seinem Erstlingswerk Dronte, 1980 erschienen in der heute legendären Collection Fischer, porträtiert Wolf Christian Schröder sich als Oblomow, der lieber im Bett liegenbleibt, als sich ins pralle Leben einzumischen. Kein Zufall, denn Schröder hatte eine englische Boarding School besucht und an der Berliner FU-Slawistik studiert, bevor er den britischen Dramatiker Tom Stoppard übersetzte. Anders als andere Alt-68er mied er das obligatorische Engagement wie der Teufel das Weihwasser und schrieb lieber Krimis und Filmszenarien. Das änderte sich erst in seinem neuesten Buch mit dem sprechenden Titel „Wenn Russen kommen“, einer Generalabrechnung mit woke, Fridays for Future und anderen Modetrends, die Schröder scharfzüngig und bitterböse parodiert und karikiert.
Das Alleinstellungsmerkmal des Textes ist, dass er unter jungen Mädchen spielt, Teenagern genauer gesagt, deren Welterlösungsstrategie so naiv wie blauäugig ist: “Sag einfach, was du immer sagst, hatte Margarete mir geraten, das mit dem Klimawandel und dem Untergang der Welt. Und dann noch, wer schuld daran ist; und dass man die Herrschaft der Männer nur brechen könne, wenn man das Militär abschafft. Erst dann könne es Frieden zwischen den Geschlechtern geben.”
Isabella, so heißt die Protagonistin des Buches, tritt in die Fußstapfen der Protest-Ikone Greta Thunberg, und ihre autistisch wirkende Unbedingtheit, das wird schnell klar, entspringt einer pubertären Sehnsucht nach dem andern Geschlecht. Der nachzugeben verbietet sie sich, indem sie Männer verteufelt bis zum geht nicht mehr: “Mia sagt, viele beim Fernsehen hätten ihren Job durchs Ficken bekommen. Aber davon will ich nichts hören. Ich will an die Aktivistinnen denken, die über die Grenze gegangen sind, um in den uneinsichtigen Nachbarländern etwas für die Rettung der Erde zu tun.”
Auch die blindwütigen Gewaltakte der RAF und der Bewegung 2. Juni waren Produkte fehlgeleiteter Nächstenliebe. Wem dieser Vergleich abwegig oder zu weit hergeholt scheint, möge bedenken, dass Ulrike Meinhof und Gudrun Ensslin überzeugte Pazifistinnen waren, ehe sie den bewaffneten Kampf propagierten.
Wolf Christian Schröder, „Wenn Russen kommen“, Roman, 222 Seiten, PalmArtPress, Berlin 2026. Preis: 25.00 Euro
Letzte Änderung: 08.06.2026 | Erstellt am: 08.06.2026
Kommentare
Es wurde noch kein Kommentar eingetragen.