„Lassen wir die Hilfszeitworte weg!“
Jeannie Ebners Erzählungen Die neue Penelope bei Manesse, herausgegeben von Horst Lauinger und versehen mit einem Nachwort von Monika Bargmann, liest unser Autor mit großer Begeisterung. In dieser Prosa von archaischer Schönheit begegnet er einer Geistesverwandten und entdeckt eine Dichterin, die ihm bislang unbekannt war. Entstanden ist eine leidenschaftliche Hommage an Ebners poetische Erzählungen über Liebe, Vergänglichkeit sowie weibliche Lust und Erfahrung. Der Rezensent zeigt sich tief beeindruckt von ihrer literarischen Kraft.
„Der Mond mit seinem kalten Zauber zieht und beunruhigt die Tiere, und die Frauen macht er süchtig und sehnsüchtig, weil sie zweierlei Blut im Leibe haben: dunkles, das heilend ist, und hellrotes, das sie versehrt.“
Der schwarze Hahn (1975)
Bestürzt und berauscht, berückt, becirct, erschreckt und, im Wortsinn, begeistert – denn Geist, während ich las, floß erst und stürzte schon in mich ein. Lange, sehr lange habe ich solch magische Prosa nicht mehr gelesen. Oder ist es so, daß mich Jeannie Ebners Erzählungen die anderen alle – alle, die ich kenne, ja der Welt! – einfach vergessen haben lassen, indem sie sie überblendet haben die vollen anderthalb Tage lang, die sie meinem Leben hinzuerschaffen haben? – „Was ist an einem Buche gelegen“, hat Nietzsche schon gefragt, „das uns nicht einmal über alle Bücher hinwegträgt?“
Göttin, ich mußte über siebzig Jahre alt werden, um von dieser Dichterin zu erfahren! Jetzt denke ich: Selbst das, es zu verhindern, ist meiner Krebsin nicht gelungen, die mich, fast sieben Jahr’ ist’s nun her, gen Thanatos verschippern wollte. Thanatos, so heißt denn auch eine der Geschichten, in der eine Frau den Geliebten sucht, den sie, weil, als sie ihn traf, Nacht war, niemals sah und nach einem Zugunglück nun sucht und sucht und sucht, doch
nichts (…) blieb übrig als ihr erschöpfter Körper, bloß wie ein Weichtier ohne Schale, und das Herz, das hoffend verirrte, das weiterhin in die Liebe zu einem vollkommenen Geliebten aussichtslos verstrickt war.
Selbst, hätte ich’s gewollt, niemals, niemals mehr hätte ich das Buch da weglegen können – und tat es auch nicht … okay, für sechs Stunden denn doch, nachts, um zu schlafen. Am Morgen aber las ich sofort weiter. Bis ich mich trennen mußte, weil
Letzte Änderung: 20.10.2026 | Erstellt am: 20.10.2026
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