Der ewige Sonnenschein der Erinnerung
Ariana Grande zeigt sich auf „eternal sunshine“ so verletzlich wie nie zuvor: Mit ihrem siebten Studioalbum veröffentlicht die Sängerin ihre bislang persönlichste Arbeit. Von der globalen Hit-Single „we can't be friends (wait for your love)“ bis hin zu introspektiven Balladen entfaltet sich ein Album, das nicht nur eine sensible Darstellung von Liebe, Verlust und den Spuren, die Beziehungen in Erinnerungen hinterlassen, präsentiert, sondern auch mit einer eklektischen Musikalität überrascht, die in Grandes Diskografie bislang kaum zu finden war. Gabriel Romano nimmt „eternal sunshine“ unter die Lupe und beleuchtet popkulturelle Referenzen aus den 90er- und 2000er-Jahren sowie klangliche Hintergründe hinter Grandes Werk.
Ariana Grande ist eine anerkannte Pop-Diva. Die US-amerikanische Sängerin und Schauspielerin begann ihre Karriere mit der Nickelodeon-TV-Serie Victorious, in der sie ihre musiktheatralischen Begabungen einem breiteren Publikum präsentierte. Mit ihrem Albumdebüt Yours Truly aus dem Jahr 2013 und ihren darauffolgenden Arbeiten etablierte sie sich als eine der einflussreichsten Künstlerinnen der 2010er-Jahre, die weltweite Berühmtheit nicht nur in der Musikbranche, sondern auch in der Schauspielkunst erlangte – veranschaulicht durch ihren jüngsten Auftritt im Kinohit Wicked im Jahr 2024.
Wer mit Grandes Werdegang und Werk vertraut ist, dem ist bekannt, dass die Sängerin ihre persönlichen Erfahrungen mit Liebe, Trauma und der öffentlichen Wahrnehmung eines Popstars durch ihre Kunst ausdrückt. Seit ihrem vierten Studioalbum Sweetener bis hin zu ihren aktuellsten Projekten verbindet Grande eine poppige, tänzerische Musikalität mit emotionalen Themen, die – zusammen mit ihrer unverkennbaren Stimme – zur Wertschätzung ihrer Kunst sowie zur Identifikation unzähliger Fans beitragen. Ihr zuletzt erschienenes Album eternal sunshine folgt genau diesem Erfolgsrezept – enthält allerdings einige Elemente, die sich von Grandes früheren Produktionen abheben und gerade deshalb zu ihren hochgelobten Arbeiten zählen. Von der Kritik wird das Album als eine ihrer bislang reifsten Arbeiten betrachtet: Die Rolling-Stone-Redakteurin Brittany Spanos bezeichnet Grandes Album als einen „instant classic“ mit „some of the most honest and inventive music of her career“.
Wenig überraschend teilte Ariana Grande in verschiedenen Interviews mit, dass „eternal sunshine“ ihr bislang persönlichstes Album sei – eines, zu dem sie eine besonders starke emotionale Verbindung habe und auf das sie besonders stolz sei. Grande war an der Konzeption, Produktion und natürlich auch an der Aufnahme der Lieder beteiligt. Das lässt sich bereits am Albumtitel erkennen: eternal sunshine nimmt Bezug auf den Filmklassiker „Eternal Sunshine of the Spotless Mind“ aus dem Jahr 2004 (deutscher Titel: „Vergiss mein nicht!“), einen Film, der nicht nur die Karriere von Jim Carrey stark vorantrieb, sondern auch eine ganze Generation mit seiner sensiblen Betrachtung von Themen wie dem aktiven Eintauchen in Erinnerungen, dem Schmerz der Liebe und dem unvermeidlichen Schicksal prägte – einschließlich Grande selbst. Die Sängerin nutzt dies als Grundlage für die im Album ausgearbeiteten persönlichen Erfahrungen, indem sie eine menschliche Verletzlichkeit wie nie zuvor offenlegt.
Das Album eröffnet mit dem Intro „end of the world“, in dem sie sich selbst fragt, ob es überhaupt möglich ist zu wissen, ob man sich in der richtigen Beziehung befindet: „How can I tell if I’m in the right relationship?“. Das Intro endet mit der reflexiven Frage, ob sie sich an ihren Geliebten erinnern würde, wenn die Welt morgen endete. Der zweite Song „bye“, musikalisch geprägt von euphorischen Dance-Pop- und Disco-Elementen, ist Grandes Schrei nach Selbstbewusstsein und der nötigen Distanz zu Menschen, die uns nicht guttun. Der darauffolgende Song „dont wanna break up again“ berührt insbesondere Grandes Fans – nicht nur mit einer trübsinnigen, traumhaften R&B-/90s-Pop-Musikalität, sondern auch, weil Grande mit diesem Lied erstmals offiziell die Probleme ihrer gescheiterten Ehe mit Dalton Gomez behandelt. Obwohl der Song von einer „Situationship“ handelt, offenbart sie eine Zögerlichkeit gegenüber der endgültigen Beendigung einer Beziehung und beschreibt ihre Versuche, diese zu retten – unter anderem durch Therapie.
Das Interlude „Saturn Returns“ ist eigentlich ein Zusammenschnitt von Aussagen der Astrologin Diana Garland aus einem ihrer YouTube-Videos, in dem sie über die Bedeutung des Alters von 29 Jahren für die persönliche Weiterentwicklung spricht: Die Person müsse „aufwachen“ und selbst entscheiden, was sie mit ihrem Leben machen wolle – das Album erschien, als Grande 30 Jahre alt war. Der titelgebende Song „eternal sunshine“ thematisiert Grandes allmähliches Erkennen der Fehler ihres Ex-Ehemannes und ihrer Beziehung. Verbunden mit dem nächsten Song „supernatural“, der von Grandes Überwindung des Liebeskummers und ihrer Bereitschaft, wieder zu lieben, handelt, entsteht ein poetisch aufbereitetes Bild von Trauma und Liebeserfahrungen der Sängerin, die jahrelang nicht öffentlich thematisiert wurden.
Besonders erwähnenswert sind die Singles „yes, and?“, „the boy is mine“ – eine moderne Neuinterpretation des gleichnamigen Klassikers von Brandy und Monica aus dem Jahr 1998 – sowie „we can’t be friends (wait for your love)“, dessen Musikvideo deutlich an „Eternal Sunshine of the Spotless Mind“ erinnert und das Album künstlerisch stark ergänzt. Die Musik berührt bereits für sich genommen, doch die kombinierte visuelle, im Musikvideo veranschaulichte Verletzlichkeit menschlicher Beziehungen – die unter unterschiedlichen, unerwarteten Umständen auseinandergehen und dennoch in Erinnerung bleiben, selbst wenn man das nicht möchte – zerreißt einem das Herz.
Die Standardversion des Albums umfasst insgesamt 13 Lieder, die zwischen Rock-Ballade, 90s-R&B, Ballroom, Electro-Pop und Synth-House schweben. Das Album setzt dabei häufig auf weiche Synthesizer, luftige Harmonien und fast zerbrechliche Vocal-Performances, die Grande bewusst einsetzt, sodass die zurückhaltende Produktion die Intimität der behandelten Themen verstärkt. Klanglich wirkt eternal sunshine deutlich atmosphärischer als einige von Grandes früheren Projekten: Das Werk bringt eine gewisse Vielfalt in Grandes Diskografie, die zuvor mehrheitlich vom klassischen Pop dominiert wurde, und verleiht den Themen, die Grande mit hoher Sensibilität und Reife behandelt, zusätzliche musikalische Tiefgründigkeit.
eternal sunshine überrascht – es ist ein introspektives Album, in dem Grande mit angenehmer Musikalität über sich selbst, ihre Liebeserfahrungen sowie ihr neues Lebensjahrzehnt reflektiert. Obwohl das Album hauptsächlich emotionale, teilweise traumatische Themen mit sanfter, zurückgenommener und brüchiger Stimme behandelt, findet sie dabei auch Raum, sich mit Selbstbewusstsein und Unabhängigkeit im Dance-Pop auseinanderzusetzen – und das funktioniert. eternal sunshine präsentiert sich in diesem Sinne als ein eklektisches Kunstwerk, das die Grenzen der Liebe hinterfragt und Grandes eigene Musikalität erweitert. Dementsprechend bleiben die Erwartungen an ihr kommendes Album petal, das am 31. Juli erscheinen wird, hoch.
Letzte Änderung: 20.07.2026 | Erstellt am: 20.07.2026
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