Auf keinen Fall verpassen! No. 4
In der neuen Rubrik von Faust Kultur „Auf keinen Fall verpassen“ stellt unsere Redaktion einen bunten Mix an Kulturangeboten aus ganz Deutschland vor. Von Literatur über Kino und Theater bis hin zu Konzerten und Ausstellungen – alles hat hier Platz. Ein kuratiertes, wöchentliches Format mit dem Ziel, unsere liebsten Kulturerlebnisse zu teilen und weiterzuempfehlen.
Kunst: “Fragile Landschaften – Was sich zwischen Körper und Wolken berührt” geht noch bis 27. Juni!
Im Rahmen der Dialogausstellung im Japanischen Kulturinstitut Köln erschaffen Gabi Schillig und Yui Kawaguchi einen sich transformierenden Raum – eine fragile Landschaft aus Stoffen, Worten, Klang und Bewegung, in der Erinnerung, Verwandlung und Vergänglichkeit körperlich erfahrbar werden.
Ist das Tragen, das Umhüllen, das Halten von etwas eine Fessel oder eine Befreiung? Sind Kleidung und Stoff schützende Hüllen – oder Membranen, die uns mit der Welt verbinden? Und vergeht schließlich alles Leid und alle Freude wie der Tau am Morgen?
Inspiriert von der japanischen Hagoromo -Legende und Grimms Die sechs Schwäne erkunden die Künstlerinnen die verborgene Kraft des „Tragens“ – und bringen eine Vorstellung von Vergänglichkeit zum Vorschein, die sich wie ein unsichtbarer Faden durch deutsche und japanische Mythen zieht. Zwei Geschichten, in denen ein magisches Gewand, eine zweite Haut aus Stoff, das Leben seiner Träger*innen wendet.
Aus weichen, flüchtigen Stoffen, Licht, Raum und Bewegung entsteht eine atmende Architektur – durchlässig, geschichtet im Raum, strömend, fließend in der Zeit und sich schließlich auflösend. Das Innen wird zum Außen, das Selbst zur Welt. Die Weichheit der Materialien lässt vermeintliche Grenzen verschwimmen: Zwischen Du und Ich, Natur und Mensch, Innen und Außen. Die Ausstellung verwandelt Leben und Sprache in eine Erfahrung von Freiheit.
In dieser transluzenten Landschaft verschmelzen tänzerische Erzählung und architektonische Fragilität zu einem poetischen Geflecht, in dem Stoffe Worte tragen, Bewegungen Erinnerungen hinterlassen und der Raum zum Resonanzkörper des Flüchtigen wird.
Gabi Schillig ist Gestalterin und Künstlerin. Sie erkundet Raum und Architektur als Erweiterung des Körpers und Medium der Kommunikation. Ihre soft architectures – von textilen Hüllen bis zu immateriellen Membranen – machen Raum- und Körpergrenzen durchlässig und vergänglich. In ihrer künstlerischen Forschung zu topologies of softness entwickelt sie experimentelle dialogische und performative Räume. Sie ist Professorin an der Universität der Künste Berlin.
Yui Kawaguchi ist eine vielfach ausgezeichnete Tänzerin und Choreografin. Sie arbeitet unter anderem mit Aki Takase, den Flying Steps und Nico and the Navigators. 2024 choreografierte und tanzte sie Anna II in „Die sieben Todsünden“ im Berliner Konzerthaus unter der Leitung von Joana Mallwitz. Darüber hinaus erweitert sie ihre Tanzsprache in die 3D-Animation und entwickelte Virtual Reality- (VR-) und Augmented Reality- (AR-) Tanzausstellungen.
Der Begriff moroyaka im japanischen Titel ist eine Wortschöpfung von Yui Kawaguchi.
Mit freundlicher Unterstützung durch The PhotoBookMuseum. Gefördert von JTI.
Infos zur Veranstaltung: 11. März 2026 bis 27. Juni 2026 / Eintritt frei / Japanisches Kulturinstitut (Universitätsstraße 98, 50674 Köln)

Musik: Die Band MARILLION kehrt im Sommer 2026 für eine umfangreiche Open-Air- und Hallentour nach Deutschland zurück!
Nach über 10 Jahren kommen MARILLION im Sommer 2026 erstmals auf große Sommertour nach Deutschland. Das Urgestein und Flagschiff der Prog Szene wird das Beste aus 47 Jahren und 20 Studio-Alben präsentieren. MARILLION sind ein Kunstwerk, eines der Letzten, die in Hallen in denen andere Bands vergleichbarer Größe nur eine Standard-Rockshow zeigen, ein Feuerwerk aus Sound, Licht & Video abbrennen. Jede Show ist voller Emotionen und etwas Besonderes! MARILLION, eine Band, die sich nach dem Abgang von Fish neu erfunden und ihren neuen Weg mit Steve Hogarth konsequent bis heute fortgesetzt haben. Steve Hogarth, ein Bühnen-Monster, der mit seinem einzigartigem Gesang, seiner Energie und Power jedes Publikum in seinen Bann zieht und mitreißt. Die Band zeigt, dass man abseits der Mainstream-Pfade Jahrzehnte bestehen kann. Wer hätte das nach dem Abgang von Fish 1987 gedacht. MARILLION haben in jeder Dekade ein herausragendes Album veröffentlicht. In den 80ern war das „Misplaced Childhood“ in den 90ern „Brave“. 2004 folgte „Marbles“, gefolgt von „F.E.A.R.“ im Jahr 2016. Im März 2023 erschien ihr 20stes Studioalbum mit dem sehr zeitgemäßen Titel: „An Hour Before It´s Dark“, das von den Kritikern zurecht abgefeiert wird.
Folgende Termine stehen auf dem Tourneeplan:
04.07.2026: Rastatt (Open Air)
05.07.2026: Bonn (Kunstrasen Open Air)
07.07.2026: Frankfurt am Main (Jahrhunderthalle)
08.07.2026: Hamburg (45Hertz Open Air)
10.07.2026: Nürnberg (Stadionpark Open Air)
11.07.2026: Hannover (Gilde Parkbühne)
14.07.2026: Berlin (Tempodrom)
15.07.2026: Leipzig (Haus Auensee)
Infos zur Veranstaltung in Frankfurt: 07. Juli 2026 / 20:30 Uhr / Jahrhunderthalle (Pfaffenwiese 301, 65929 Frankfurt am Main West)
Tickets finden sie hier.

Kunst: Ausstellung “Zwischen Atemzügen – il mio canto libero” in Berlin
Die erste Reaktion ist körperlich.
Ein tiefer Atemzug.
Jener Atemzug, der instinktiv kommt vor einer offenen Landschaft, in der Gegenwart von etwas Lebendigem, etwas, das die Lungen klärt und zugleich etwas weniger Greifbares berührt. Der Brustraum öffnet sich, der Rhythmus verlangsamt sich, die Wahrnehmung schärft sich.
Das Werk von Luisella Traversi Guerra beginnt genau dort.
Es verlangt nicht, gelesen zu werden. Es verlangt, geatmet zu werden.
Ihre Malerei konstruiert keine Bilder. Sie lässt sie entstehen. Sie beschreibt die Welt nicht, sondern tritt in sie ein und löst die Distanz zwischen Betrachterin oder Betrachter und Phänomen auf. Was auf der Leinwand erscheint, ist niemals statisch: ein Feld in Bewegung, in dem Farbe, Materie und Geste in fortwährender Transformation bleiben.
Natur ist hier nicht Motiv. Sie ist Zustand.
Blüten, Zweige, Felder in voller Blüte werden nicht als solche dargestellt. Sie dehnen sich aus, lösen sich auf, formieren sich neu, bis sie etwas anderes werden: Schwingung, Dichte, Rhythmus. Das Sichtbare ist nur die erste Schicht. Was sich dahinter öffnet, geht über das Wiedererkennen hinaus.
Die Ausstellung entfaltet sich in den vier Räumen der Luisa Catucci Contemporary in Berlin, wobei jeder Raum einer Jahreszeit entspricht. Nicht als Abbild, sondern als Erfahrung. Jeder Raum wird zusätzlich durch ätherische Öle und Ikebana-Kompositionen aktiviert, die von der Künstlerin selbst geschaffen wurden. Dadurch erweitert sich das Werk in den sinnlichen Raum und vertieft seinen Dialog mit dem Kreislauf der Jahreszeiten.
Der Frühling ist das Einatmen. Ein Moment der Öffnung. Die Formen sind noch ungewiss, treten hervor, schwebend zwischen Erscheinung und Auflösung. Alles ist möglich, noch nichts festgelegt.
Der Sommer ist der volle Atemzug. Ausdehnung, Sättigung, Eintauchen. Der malerische Raum wird dicht, beinahe überwältigend. Die Farbe intensiviert sich, Materie verdichtet sich, der Körper wird hineingezogen und aufgenommen.
Der Herbst ist das Langsamerwerden des Atems. Eine Rückkehr nach innen. Schichten setzen sich ab, die Töne werden tiefer, die Gesten bedachter. Was bleibt, ist nicht weniger, sondern konzentrierter. Das Werk beginnt, die Zeit zu entschleunigen.
Der Winter ist der angehaltene Atem. Ein Moment der Schwebe. Das Bild wird wesentlich, reduziert und zugleich aufgeladen. Stille erscheint, doch sie ist nicht leer. Sie ist präzise. Sie ist Stille.
Durch all diese Übergänge wird das Werk von einer meditativen und beharrlichen Disziplin getragen. Nicht sichtbar als Kontrolle, sondern als Hingabe. Eine fortwährende Rückkehr zur selben inneren Notwendigkeit, jedes Mal aus einem anderen Blickwinkel angegangen, bis etwas mit Klarheit zu schwingen beginnt.
Im Laufe der Zeit hat sich die Malerei vom Bedürfnis entfernt, Form festzulegen. Was bleibt, ist Materie als Sprache. Pigment verdichtet sich oder löst sich auf, Oberflächen öffnen oder schließen sich, Farbe wird mehr Rhythmus als Beschreibung.
Die Betrachtenden stehen dem Werk nicht gegenüber, sondern befinden sich in ihm. Das Werk zeigt sich nicht als Objekt, sondern als Raum. Es verlangt Zeit, Aufmerksamkeit, Präsenz. Es verändert sich je nachdem, wie man es durchschreitet.
Was hervortritt, ist kein Bild, sondern ein Zustand.
Ein Zustand, in dem Atmen und Sehen beginnen, sich anzugleichen. In dem Wahrnehmung nicht nur visuell, sondern körperlich wird. In dem Malerei zu etwas wird, das nicht nur betrachtet, sondern erlebt wird.
Zwischen Atemzügen – il mio canto libero ist keine Ausstellung über die Jahreszeiten.
Es ist eine Ausstellung über Zyklen von Ausdehnung und Rückkehr, über die Bewegung zwischen Öffnung und Innehalten, zwischen Eintauchen und Klarheit.
Über jenen Moment zwischen einem Atemzug und dem nächsten, in dem etwas innen und außen für einen Augenblick zusammenfällt.
Künstlerin: Luisella Traversi Guerra
Kuratorinnen: Claudia Santeroni, Luisa Catucci
Galerieleitung: Luisa Catucci
Infos zur Veranstaltung: 26. Juni 2026 bis 31. Juli 2026 / Eintritt frei / Luisa Catucci Contemporary (Brunnenstraße 170, 10119 Berlin)

Letzte Änderung: 18.06.2026 | Erstellt am: 18.06.2026
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