Auf keinen Fall verpassen! No. 6

Auf keinen Fall verpassen! No. 6

3 Tipps unserer Redaktion zu Kulturevents, die du auf keinen Fall verpassen solltest.
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In der neuen Rubrik von Faust Kultur „Auf keinen Fall verpassen“ stellt unsere Redaktion einen bunten Mix an Kulturangeboten aus ganz Deutschland vor. Von Literatur über Kino und Theater bis hin zu Konzerten und Ausstellungen – alles hat hier Platz. Ein kuratiertes, wöchentliches Format mit dem Ziel, unsere liebsten Kulturerlebnisse zu teilen und weiterzuempfehlen.

Literatur: Sechzehnte Hochstädter Lyriknacht in Erinnerung an Horst Bingel

Die Hochstädter Lyriknacht in Erinnerung an Horst Bingel gibt es seit 2010. Namhafte Lyriker, aber auch Preisträgerinnen und Preisträger des Jungen Literaturforums Hessen- Thüringen stellen ihre Gedichte vor. Die Lesungen werden von Musik begleitet, und in der Pause bleibt bei Snacks und Getränken ausreichend Zeit für Gespräche. Die Lyriknacht ist Teil des Kultursommers Main-Kinzig-Fulda.

Der Lyriker und Erzähler Horst Bingel veranstaltete in den 60er und 70er Jahren mit dem »Frankfurter Forum für Literatur« Lesungen auf U-Bahn-Baustellen und in Straßenbahnen, schlug Gedichte an Litfasssäulen an. In Hochstadt begann Bingels schriftstellerische Laufbahn, indem er sein erstes Gedicht auf die Tapete an der Wand schrieb.

Die Horst Bingel-Stiftung für Literatur e.V. fördert Literatur im Sinne ihres Namensgebers, der im April 2008 verstarb. Sie veranstaltet einzelne Projekte und vergibt im zweijährigen Abstand den mit 12.000 € dotierten Horst Bingel-Preis für Literatur. 2024 wurde er zu gleichen Teilen vergeben an Alexandru Bulucz, Björn Kuhligk und Katja Petrowskaja, deren Werke in unterschiedlichen Gattungen der „Kleinen Form“ gesellschaftlich relevante Themen aufgreifen.

Moderation: Alexandru Bulucz
Musikalische Begleitung: Bernhardt Brand-Hofmeister (Orgel), Stephan Völker (Saxofon)
Es lesen: Tamara Labas, Gino Leineweber, José F. A. Oliver, Silke Scheuermann, Daniela Seel, Nasrin Siege, Antje Stehn und die Preisträgerinnen des Jungen Literaturforums Hessen-Thüringen Flora von Herwarth und Manon Hopf

Tamara Labas kam im Alter von 2 Jahren aus Kroatien nach Deutschland und hat sowohl hier als auch in Zagreb Germanistik, Anglistik und Psychoanalyse studiert. Sie hat mit Labas‘ Lab ihr eigenes Kreativlabor gegründet. Im Oktober 2026 wird ihr vierter Gedichtband »ein windstoß aus fehlern und zeit« erscheinen, den sie bei der Lyriknacht schon vorstellen wird.

Gino Leineweber ist Mitglied im PEN-Zentrum deutschsprachiger Autoren im Ausland. Er schreibt vorrangig Gedichte sowohl auf Deutsch als auch auf Englisch. Die Übersetzung seines Bandes »Silberfäden« ins Bosnische wurde 2017 als »Lyrikbuch des Jahres« ausgezeichnet. Sein jüngster deutscher Lyrikband heißt »Wo die Zeit im Wege steht«.

José F. A. Oliver liebt w:ort-Spiele und ist laut FR »der Mann, der dichten und singen kann«. Er ist seit Juli 2025 der 52. Stadtschreiber von Bergen, wurde auch davor vielfach ausgezeichnet u.a. mit dem Thaddäus-Troll- und dem Heinrich-Böll-Preis der Stadt Köln. Mit dem Hausacher »Leselenz« hat er in seiner Heimatstadt eine muntere Institution der Literatur- und Leseförderung geschaffen. Sein jüngster Gedichtban heißt »wundgewähr«.

Silke Scheuermann erhielt zahlreiche Literaturpreise, u.a. den Hölty-Preis und den Bertolt-Brecht-Literaturpreis. Sie hatte die Poetikdozentur der Frankfurter Goethe-Uni inne, und wurde mit der Goethe-Plakette der Stadt Frankfurt ausgezeichnet. Ihr neuer Gedichtband »Zweites Buch der Unruhe« ist Ergebnis eines Lyrikprojekts, für das sie mit dem Robert-Gernhardt-Preis ausgezeichnet wurde.

Daniela Seel erhielt 2019 den ersten Deutschen Verlagspreis für den von ihr gemeinsam mit einem Illustrator gegründeten Independent-Verlag kook-books. Ihr Schreiben wurde u.a. mit dem Ernst-Meister-Preis, dem Mondseer Lyrikpreis und dem Kleist-Preis geehrt. Ihr jüngster Lyrikband trägt den Titel »Nach Eden« und will Eva ernst nehmen.

Nasrin Siege sammelte afrikanische Märchen und hatte sich bereits als Kinder- und Jugendbuchautorin einen Namen gemacht, als sie 2022 den Lyrikband »Mandeln und Rosinen« herausbrachte. Sie ist Mitglied PEN-Zentrum deutschsprachiger Autoren im Ausland. »Vor mir die Reise« ist ihre Autobiographie, in der ihre Erlebnisse durch zahlreiche Gedichte verdeutlicht werden.

Antje Stehn lebt in Italien. Übersetzt und schreibt Gedichte auf Deutsch und Italienisch. Sie ist Mitglied PEN-Zentrum deutschsprachiger Autoren im Ausland, und wurde u.a. mit einem indischen und einem chinesischen Literaturpreis ausgezeichnet. Ihre Gedichte werden Teil ihrer Performances wie »Hair in the Wind«. Zuletzt erschien ihre Lyrik in Anthologien und auf Deutsch und Italienisch im Band »Grotesk!«.

Eine gemeinsame Veranstaltung der Horst Bingel Stiftung für Literatur e.V. und der Bürgerstiftung Maintal in Kooperation mit Hessisches Literaturforum im Mousonturm e.V.
Mehr Informationen finden Sie auf: www.horstbingel.de
Kontakt:

Infos zur Veranstaltung: 21. August 2026 / 19.00 Uhr / Eintritt 5,– €, ermäßigt 3,– € passend zu entrichten bei Eintreffen ab 18.30 Uhr / Evangelische Kirche Hochstadt (Am Kirchberg 2, 63477 Hochstadt)

Voranmeldung bis zum 15. August hier:

 | © Foto: Charlotte Werndt

Kunst: Ausstellung „Zum Mondjahr des Pferdes. Ein Galopp durch Zeit und Raum“ – Museum für Ostasiatische Kunst Köln

Seit über zwei Jahrtausenden prägt das Pferd die Künste und Kulturen Ostasiens – als himmlisches Reittier, Statussymbol und Sinnbild für Stärke, Macht und Tugend. Zum Mondjahr des Feuerpferdes, das in China, Korea und Japan der Tradition nach am 17. Februar 2026 beginnt, veranschaulichen Malereien und Holzschnittdrucke, Keramiken und Porzellane, Bronzeskulpturen und Lackobjekte die vielschichtige Bedeutung des Pferdes vom 3. Jahrhundert v. Chr. bis in die Moderne.

Die mythologische Bedeutung des Pferdes illustrieren skulpturale Grabbeigaben für das Leben im Jenseits sowie Darstellungen, in denen es Gottheiten und Menschen auf übernatürlichen Himmelsreisen begleitet.

Die Verwendung von Pferden im Militär machte den Besitz starker Pferde seit der Frühzeit zur Voraussetzung für die erfolgreiche Verteidigung des Staates und Eroberungszüge. Dies wird durch Schlachtenszenen sowie Generals- und Beamtenporträts veranschaulicht.

Die Kunst der Tang-Dynastie (617–907) bezeugt eindrucksvoll die Bedeutung des Pferdes als wichtige Handelsware der Seidenstraße und als Tributgeschenk zwischen dem chinesischen Kaiserhof und den nördlichen Steppenvölkern. Über seine militärische und ökonomische Nutzung hinaus wurde das Pferd unerlässlich für die Jagd, was sich vor allem in der Kunst der Qing-Dynastie (1644–1912) widerspiegelt.

In der japanischen und koreanischen Malerei begegnet man dem Pferd vor allem als Begleiter von Samurais, Gelehrten und Reisenden. Seit der Meiji-Zeit (1868–1912) wird es auf profanen Holzschnitten abgebildet, beispielsweise auf einer Pferderennbahn, sowieals Ornament kunsthandwerklicher Objekte. Kunstvoll gefertigte Reitaccessoires, wie Sattel, Steigbügel und Zaumzeug veranschaulichen seine Rolle als Macht- und Statussymbol der Oberschichten.

Für die Ausstellung „Zum Mondjahr des Pferdes“ hat die Filmemacherin Jie Lu einen Abschnitt aus der Querrolle Herbstliche Treibjagd , einem Werk anonymer Hofmaler aus dem 18. Jahrhundert, künstlerisch bearbeitet und animiert.

Für Familien ist ein kostenfreies Mitmach-Heft zur Ausstellung an der Kasse erhältlich.
Kurator: Dr. Daniel Suebsman
Unterstützung: Orientstiftung zur Förderung der Ostasiatischen Kunst, Fördererkreis des Museums für Ostasiatische Kunst Köln

Infos zur Veranstaltung: 03. Dezember 2025 bis 31. Januar 2027 / Eintritt 9,50 €, ermäßigt 5,50 € / Museum für Ostasiatische Kunst Köln (Universitätsstraße 100, 50674 Köln)

 | © Foto: Historisches Archiv der Stadt Köln mit Rheinischem Bildarchiv, T. Kreusler

Theater: “Der blinde Passagier” von Maria Lazar – Münchner Volkstheater

1938. Ein dänisches Paketboot liegt vor der deutschen Küste bereit zur Abreise in die Heimat. An Bord befinden sich Kapitän Petersen, seine Kinder Carl und Nina sowie Steuermann Jörgen, Ninas Verlobter. Am frühen Morgen hat Carl einen Mann aus dem kalten Wasser gezogen und ihm so das Leben gerettet. Der fremde Mann heißt Fritz Hartmann und wird als jüdischer Arzt von den Nationalsozialisten verfolgt. Er braucht Hilfe und hofft auf einen Weg über die Grenze. Ohne zu zögern versteckt Carl ihn unter Deck. Doch lange bleibt der blinde Passagier an Bord des kleinen Schiffs nicht unentdeckt und das eben noch sichere Versteck wird zunehmend zur Gefahr. Denn auch wenn Carl und Nina dem Mann in Not über die deutsche Grenze helfen wollen, möchte vor allem Jörgen kein Risiko eingehen. Die Situation spaltet die vierköpfige Crew und drängt sie in eine moralische Zerreißprobe, deren Ausgang womöglich über Leben und Tod entscheidet.

“Der blinde Passagier” ist eines von insgesamt drei Theaterstücken aus dem erst kürzlich veröffentlichten Nachlass der österreichischen Schriftstellerin Maria Lazar. 1938 / 1939 im dänischen Exil entstanden, zu einer Zeit also, in der Lazar selbst aufgrund ihrer jüdischen Herkunft verfolgt wurde, fragt die Autorin in diesem Stück in aller Schärfe und mit viel Präzision nach Menschlichkeit und gesellschaftlicher Verantwortung im Angesicht faschistischer (Un-)Rechtssysteme. Denn: Halten Werte stand, auch wenn sie das eigene Wohl bedrohen? Und wie viel ist man tatsächlich bereit, für einen Fremden zu riskieren? Ein dichtes und poetisches Drama über Widerstand und Zusammenhalt, das von erschütternder Aktualität ist.

Regie: Adrian Figueroa / Bühne: Irina Schicketanz / Kostüme: Malena Modéer / Musik: Ketan Bhatti / Video: Benjamin Krieg / Mitarbeit Video: Elena Tilli / Lichtdesign: Anja Sekulic / Dramaturgie: Anouk Kesou / Regieassistenz: Yuan Yi Danneil, Rebecca Fischer / Bühnenbildassistenz: Ines Grassmann / Kostümassistenz: Julie Fritsch

Besetzung
Petersen, Kapitän: Jonathan Müller / Nina, seine Tochter: Lola Dockhorn / Carl, sein Sohn, Leichtmatrose: Cedric Stern / Die Mutter: Carolin Hartmann / Jörgen, Steuermann: Alexandros Koutsoulis / Hartmann, ein Fremder: Silas Breiding / Hafenpolizei: Frederik Itzenplitz, Mark Olaf Schmitz, Pascal Teichmüller, Oliver Wütscher

Infos zur Veranstaltung: 17. Juli 2026 / 19:30 Uhr Bühne 1 / 1 Stunde 45 Minuten, keine Pause / Münchner Volkstheater (Tumblingerstraße 29, 80337 München)

Tickets finden Sie hier.

Lola Dockhorn, Jonathan Müller, Silas Breiding | © Foto: Marcella Ruiz Cruz

Letzte Änderung: 09.07.2026  |  Erstellt am: 06.07.2026

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