ERSATZKUNST in Frankfurt. Die Wüsten-Jahre 1975-1985

ERSATZKUNST in Frankfurt. Die Wüsten-Jahre 1975-1985

Ausstellung
Stephan Keller, Frankfurter Tango, 1985 (Performance) | © Horst Ziegenfusz

ERSATZKUNST als künstlerische Praxis entstand in einer Zeit, als Frankfurt für freie Künstler und Künstlerinnen ein eher unwirtliches Pflaster war. Außerhalb der Museen und Galerien fehlte es an Ausstellungsorten. Mitte der 1970er Jahre formten sich erste Künstler*innen-Initiativen, die abseits der Institutionen und dem Kunsthandel die Präsentation von Werken bildender Kunst möglich machten.

ERSATZKUNST als künstlerische Praxis entstand in einer Zeit, als Frankfurt für freie Künstler und Künstlerinnen ein eher unwirtliches Pflaster war. Außerhalb der Museen und Galerien fehlte es an Ausstellungsorten. Mitte der 1970er Jahre formten sich erste Künstler*innen-Initiativen, die abseits der Institutionen und dem Kunsthandel die Präsentation von Werken bildender Kunst möglich machten. Pioniere dieser später so genannten „Off-Räume“ waren in Frankfurt die Künstler Vollrad Kutscher und Stephan Keller. Sie luden 1975 Künstler*innen zu einer ersten „ERSATZKUNST-Ausstellung“ in die Werkstatt Stephan Kellers in Frankfurt-Sachsenhausen ein, der weitere folgten. Das Markante waren die künstlerischen Äußerungen, die aus ungewöhnlichem, häufig kunstfernen Materialien gefertigt und daher dem ERSATZ-Gedanken entsprachen. Performatives und Aktionskunst, Kabarett und Konzerte waren Ausdruck der Bewegtheit dieser Umbruchszeit.

Die nahe der ERSATZKUNST-Geburtsstätte stattfindende Ausstellung bereitet das ERSATZKUNST-Geschehen zwischen 1975 und 1985 auf. Videostationen werden die legendären Performances der ERSATZKUNST-Künstler in die Gegenwart holen: Darunter sind die politische Performance „Sack O Sacks Sacktheater“ (Keller, Kutscher, Schmitz) von 1975, Vollrad Kutschers „Kaugummirede“ (1975/92), der „Frankfurter Ersatztango“ mit einer Schweinehälfte (Stephan Keller, 1985) und die Aktion „Zwergen schlagen“ von Ottmar Hörl (1985) sowie ein Zeichentrickfilm von Nicole Guiraud. Den Auftritten des Ersatzorchesters von Heiner Goebbels (* 1952) und Alfred Harth (* 1949) sowie der Kabarettisten Matthias Beltz (1945–2002) und Heinrich Pachl (1943–2012) kann ebenfalls in Dokumenten begegnet werden. Installiert wird die „Kulturelle Verrichtung“ aus Mumien von Vollrad Kutscher, die 1978 gemeinsam mit dem großformatigen Tapetenhaus von Stephan Keller in der Kommunalen Galerie Frankfurt gezeigt worden ist. Die Ausstellung führt beide Werke erstmals nach über 40 Jahren wieder zusammen. Weitere Exponate sind die Setzkästen und Zigarrenkistenobjekte von Walter Hanusch, die Bronze- oder Keramik-Schrebergärten von Oskar Schmitz, Pappmachéobjekte der früh verstorbenen Annick Laforgue und die Einmachgläser sowie das Bildobjekt „Dschungel“ von Nicole Guiraud, das mit Coca Cola, Christus, Marx und Lenin einen sinnlichen Rückblick in die Diskurse der Zeit bietet.

Mitwirkende Künstler und Künstlerinnen: Nicole Guiraud (* 1946), Walter Hanusch (* 1934), Ottmar Hörl (* 1950), Stephan Keller (* 1937), Vollrad Kutscher (* 1945), Annick Laforgue (1945–1976), Oskar Schmitz (1947–2009), Alfred 23 Harth (* 1949)/Heiner Goebbels (* 1952), Matthias Beltz (1945–2002)/Heinrich Pachl (1943–2012) und andere.

Letzte Änderung: 17.09.2021  |  Erstellt am: 18.08.2021


Ausstellungsort:

AusstellungsHalle
Schulstraße 1 A
60594 Frankfurt
www.ausstellungshalle.info

Ausstellungsdauer: 3. bis 26. September 2021
Öffnungszeiten: Mi, Do 18–20 Uhr und Fr, Sa, So 14–18 Uhr

Am Mittwoch, 15. September, um 19 Uhr,
führt die Kuratorin Dr. Isa Bickmann durch die Ausstellung

Finissage am Sonntag, 26. September 2021, 17 Uhr

Zur Ausstellung ist der Katalog
ERSATZKUNST. Die Wüsten-Jahre 1975–1985
im Kann Verlag erschienen.
www.kann-verlag.de

divider

Kommentare

Es wurde noch kein Kommentar eingetragen.

Kommentar eintragen