Klimazustandsbericht 2026 zeigt einen Planeten, der an seine Grenzen stößt
Die siebte Ausgabe eines jährlichen Berichts zur Analyse der „planetaren Vitalzeichen“ der Erde weist darauf hin, dass sich die Erdsysteme rapide destabilisieren – einige davon in einem sich beschleunigenden Tempo. Der heute in »BioScience« veröffentlichte Bericht untersuchte 16 dieser Indikatoren, darunter die Treibhausgas-Emissionswerte, den Wärmegehalt und den Säuregehalt der Ozeane, die Masse bedeutender Eisschilde, die Anzahl der Hitzetage, die Oberflächentemperatur der Erde und weiteres.
Indem diese Vitalzeichen jedes Jahr erfasst werden, „können wir sehen, wo sich die Lage verschlechtert und wo Fortschritte erzielt werden“, schrieb der Koautor des Berichts, William Ripple, in einer E-Mail an Eos. Ripple ist Ökologe an der Oregon State University.
In diesem Jahr erreichen der globale Meeresspiegel, der weltweite Wärmegehalt der Ozeane, die weltweite Dicke der Gletscher, die Masse des grönländischen Eisschilds sowie die atmosphärische Konzentration jedes der drei häufigsten Treibhausgase historische Rekordextreme. Der Bericht hält fest, dass die Kohlendioxidkonzentration in der Atmosphäre im Mai dieses Jahres 428 ppm (parts per million) überschritt, was rund 50 % über dem vorindustriellen Niveau des Gases liegt.

Besorgniserregende Beschleunigung
Dem Bericht zufolge beschleunigt sich das Tempo der globalen Erwärmung und hat sich von etwa 0,19 °C (0,34 °F) pro Jahrzehnt im Zeitraum 1970–2010 auf etwa 0,36 °C (0,65 °F) pro Jahrzehnt von 2010 bis heute annähernd verdoppelt. Auch der Wärmegehalt der Ozeane nimmt in einem sich beschleunigenden Tempo zu.
Fossile Brennstoffe, deren Nutzung bei Weitem der Haupttreiber des vom Menschen verursachten Klimawandels ist, bleiben die vorherrschende Energiequelle für die Weltbevölkerung. Der Bericht stellt fest, dass der weltweite Verbrauch von Öl, Kohle und Gas im Jahr 2025 um 0,9 % gestiegen ist.
Die Autorinnen und Autoren des Berichts warnen davor, dass sich beschleunigende Erwärmungstrends das Risiko erhöhen, dass Teile des irdischen Klimasystems sogenannte Kipppunkte überschreiten – Schwellenwerte, an denen die betroffenen Prozesse so stark destabilisiert sind, dass sie nicht mehr in den Zustand vor dem Klimawandel zurückkehren können. Die Verlangsamung der Atlantischen Meridionalen Umwälzzirkulation (AMOC), das unaufhaltsame Austrocknen und Abholzen des Amazonas-Regenwaldes sowie das abrupt beschleunigte Abschmelzen des grönländischen und des westantarktischen Eisschilds zählen zu den Kipppunkten des Erdsystems, die von Forschenden identifiziert wurden.
Ripple schrieb, dass die im jüngsten Bericht festgestellten Beschleunigungstrends angesichts der drohenden Annäherung an diese Kipppunkte besonders besorgniserregend seien: „Eine anhaltende Erwärmung könnte zusätzliche Rückkopplungen und Kipppunkte auslösen, die es zunehmend schwieriger machen würden, den Klimawandel zu kontrollieren.“
Nico Wunderling, ein Klimawissenschaftler am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, der nicht an dem Bericht in BioScience beteiligt war, schrieb in einer E-Mail an Eos, dass die im Bericht dargelegten „besorgniserregenden negativen Trends genau beobachtet werden müssen“ – insbesondere weil die Gefahr des Erreichens von Kipppunkten mit zunehmender Erwärmungsgeschwindigkeit steigen könnte. Es gebe beispielsweise Hinweise darauf, dass eher das Tempo des Klimawandels als die eigentliche globale Durchschnittstemperatur die Verlangsamung der AMOC auslösen könnte.
Boom der erneuerbaren Energien
Dennoch gibt es auch ermutigende Entwicklungen, vor allem den rasanten Ausbau der Kapazitäten für erneuerbare Energien und Batteriespeicher. So übertrafen die erneuerbaren Energien im Jahr 2025 beispielsweise die Kohle bei der weltweiten Stromerzeugung – ein „wichtiger Wendepunkt“, wie Ripple schrieb. „Diese Entwicklungen zeigen, dass wir über einige der Technologien verfügen, die für eine Abkehr von fossilen Brennstoffen erforderlich sind. Die Herausforderung besteht nun darin, sie schnell genug zum Einsatz zu bringen, um den Verbrauch fossiler Brennstoffe tatsächlich zu senken.“
Wunderling stimmte zu, dass das Ausmaß und das Tempo der im BioScience -Bericht beschriebenen Lösungsansätze „besonders ermutigend“ seien.
Obwohl die Reduzierung von Emissionen notwendig ist, um den Klimawandel zu verlangsamen, wird sie allein nicht ausreichen, betonen die Autorinnen und Autoren des Berichts. Diese Schlussfolgerung deckt sich mit einem aktuellen Bericht der Vereinten Nationen, der darauf hinweist, dass Verfahren zur CO₂-Entnahme (carbon removal) unerlässlich sein werden, um die schlimmsten Folgen des Klimawandels abzuwenden.
Ripple hofft, dass Wissenschaftskolleginnen und -kollegen weiterhin erkennen, wie wichtig es ist, sowohl die Risiken zu vermitteln, denen die Menschheit durch den Klimawandel ausgesetzt ist, als auch die verfügbaren Lösungen aufzuzeigen. „Wir müssen unsere Forschungsergebnisse für die Öffentlichkeit und die Politik verständlich machen“, schrieb er. „Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler tragen eine große Verantwortung – nicht nur dafür, Forschung zu betreiben, sondern auch dafür, das zu kommunizieren, was sie herausfinden.“
Letzte Änderung: 02.11.2026 | Erstellt am: 02.11.2026
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