Erstes Europäisches Forum für Umweltmenschenrechte: Wie geht es jetzt weiter?
Vergangene Woche kamen in Straßburg Hunderte Umwelt- und Menschenrechtsverteidiger:innen, Vertreter:innen von Institutionen sowie politische Entscheidungsträger:innen zusammen, um über die Zukunft des Schutzes von Umweltmenschenrechtsverteidiger:innen und die Stärkung ihrer Rechte zu beraten.
Der Schutz der Umwelt ist entscheidend, um die Rechte aller Menschen auf unserem Planeten zu gewährleisten. Dennoch stehen Umweltmenschenrechtsaktivist:innen aufgrund dessen, wofür sie eintreten, unter ständiger Beobachtung durch Regierungen und Institutionen.
Da die Sicherheit der Aktivist:innen zunehmend gefährdet ist, braucht es jetzt Lösungen, um ihre unverzichtbare Arbeit zu schützen. Vergangene Woche kamen 400 Aktivist:innen, Whistleblower:innen und Vertreter:innen von Institutionen zusammen, um über die Zukunft des Aktivismus in Europa und weltweit zu beraten.
Unter der Leitung des Europarats war das zweitägige Forum für Umweltmenschenrechtsverteidiger:innen das erste seiner Art in Europa. Es ebnete den Weg dafür, dass die Verteidiger:innen ihre Herausforderungen benennen können und echte Reformen möglich werden.
Eine gesunde Umwelt ist ein Menschenrecht
Am 28. Juli 2022 verabschiedeten die Vereinten Nationen die historische Erklärung, dass eine gesunde Umwelt ein grundlegendes Menschenrecht ist. Die Erklärung rief die Mitgliedstaaten dazu auf, sicherzustellen, dass Bürger:innen Zugang zu einer „sauberen, gesunden und nachhaltigen Umwelt“ haben, während der Klimawandel weiterhin die Zukunft der Welt bedroht.
Beim Forum der vergangenen Woche sagte Michael O’Flaherty, Menschenrechtskommissar des Europarats:
… jeden Tag sehe ich das Zusammenspiel von Angriffen auf die Umwelt und das menschliche Wohlergehen. Ich sehe auch, dass die Verteidigung des Planeten zutiefst eine menschenrechtliche Verantwortung ist.
Die Umweltstrategie des Europarats hebt die dringende Notwendigkeit eines gesunden Planeten zum Wohl der gesamten Menschheit hervor. In der Strategie fasste es der Generalsekretär des Europarats, Alain Berset, so zusammen: „Der Klimazusammenbruch schwächt Gemeinschaften, verschärft Ungleichheit und bedroht Menschenrechte, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit.“
Ziel 3 dieser Strategie ist darauf ausgerichtet, „Umweltmenschenrechtsverteidiger:innen, Umweltverteidiger:innen und Whistleblower:innen zu unterstützen und zu schützen“ – der zentrale Schwerpunkt des Forums in Straßburg.
Das Forum untersuchte die Herausforderungen, mit denen Aktivist:innen konfrontiert sind, und die Frage, wie Regierungen und Institutionen Klimaverteidiger:innen schützen können.
Herausforderungen für Umweltverteidiger:innen
Umweltmenschenrechtsverteidiger:innen (Environmental Human Rights Defenders, EHRDs) sind entscheidend, um demokratische Rechenschaftspflicht zu stärken und Umweltschäden aufzudecken. Dennoch sind sie ständig der Gefahr von Verfolgung ausgesetzt. Weltweit werden jede Woche etwa drei Umweltverteidiger:innen getötet.
In manchen Ländern werden Klimaaktivist:innen häufiger getötet als Soldat:innen, wie eine 2019 veröffentlichte Studie in Nature Sustainability zeigte. Jedes Jahr sterben fast 200 Menschen, weil sie die Umwelt verteidigen.
Süd- und Mittelamerika gehören zu den gefährlichsten Regionen für Umweltverteidiger:innen: Über 70 Prozent der Tötungen ereignen sich in Mexiko, Honduras, Kolumbien und Brasilien.
Indigene Menschen sind von Umweltschäden und den Folgen ihres Widerstands dagegen am stärksten betroffen. Von den in Mexiko getöteten Umweltverteidiger:innen waren über 40 Prozent indigen. Neben der höheren Zahl an Angriffen beeinträchtigen Klimawandel und industrielle Expansion ihre Lebensgrundlagen drastisch.
Auf dem Forum kritisierte Karin Kvarfordt Niia, Mitglied des schwedischen Sami-Parlaments und Rentierhirtin der Gabna-Sami-Gemeinschaft, die Verdrängung der indigenen Sami durch die Ausweitung der Bergbauindustrie in Schweden.
Der Beratende Ausschuss zum Rahmenübereinkommen zum Schutz nationaler Minderheiten stellte fest, dass Roma-Gemeinschaften in ganz Europa überproportional stark der Verschmutzung durch Mülldeponien und Industrieanlagen ausgesetzt sind.
Indigene Menschen und Umweltmenschenrechtsverteidiger:innen kämpfen dafür, diese Bedingungen zu verbessern – und stoßen dabei auf zahlreiche Hindernisse.

In einer Ansprache an die Verteidiger:innen auf dem Forum sagte Petra Bayr, Präsidentin der Parlamentarischen Versammlung des Europarats (PACE):
Sie werden schikaniert. Sie werden überwacht. Sie werden vor Gericht gezerrt – nicht, weil Sie gegen das Gesetz verstoßen hätten, sondern weil jemand mit Geld und bestimmten Interessen entschieden hat, dass Ihre Stimme unbequem ist.
Bayr hob SLAPP-Klagen hervor – strategische Klagen gegen öffentliche Beteiligung – und bezeichnete sie als Waffen gegen Klimaverteidiger:innen. Die Coalition Against SLAPPs in Europe berichtete, dass 2024 insgesamt 167 missbräuchliche Klagen registriert wurden, gegenüber 166 im Vorjahr. Seit 2010 wurden 1.303 SLAPP-Klagen erfasst.
Global Witness stellte fest, dass Umweltverteidiger:innen im Vereinigten Königreich dreimal so häufig verhaftet werden wie rechtsextreme Agitator:innen. Seit 2019 wurden fast 7.000 Verteidiger:innen festgenommen. Allein zwischen 2022 und 2025 wurden in London 2.226 Klimaaktivist:innen verhaftet, verglichen mit 309 rechtsextremen Aktivist:innen.
Seit der Einführung des Police, Crime, Sentencing and Courts Act im April 2022 geht das Vereinigte Königreich verstärkt gegen friedliche Proteste vor. Das Gesetz gab der Polizei die Befugnis, Demonstrierende festzunehmen, wenn sie zu viel Lärm machen oder an einem Ein-Personen-Protest teilnehmen.
Da Regierungen, Polizei und wohlhabende Unternehmer:innen immer wieder versuchen, Klimaaktivist:innen zum Schweigen zu bringen, ist es wichtiger denn je, diese Verteidiger:innen zu schützen.
Ergebnisse des Forums
Das vom Europarat, dem Hohen Kommissar der Vereinten Nationen für Menschenrechte, der Agentur der Europäischen Union für Grundrechte sowie dem Sonderberichterstatter für Umweltverteidiger:innen im Rahmen der Aarhus-Konvention organisierte Forum fand am 3. und 4. Juni über zwei Tage hinweg statt.
Das Forum eröffnete einen Dialog zwischen Umweltmenschenrechtsverteidiger:innen, politischen Entscheidungsträger:innen und internationalen Organisationen aus den 46 Mitgliedstaaten des Europarats.

Die erste Ausgabe des Europäischen Forums für Umweltmenschenrechtsverteidiger:innen bot einen geschützten Raum, in dem sie ihre Erfahrungen teilen und Lücken in der Gesetzgebung aufzeigen konnten.
Der zweite Tag des Forums konzentrierte sich darauf, „Schutzmechanismen und Umweltstandards in ganz Europa zu stärken“ sowie „konkrete Folgemaßnahmen und Empfehlungen für künftige Ausgaben des Forums zu identifizieren“.
Eine dieser Maßnahmen wird der Neue Demokratische Pakt für Europa sein. Der Pakt zielt darauf ab, die Grundlagen der Demokratie zu stärken, indem er Dialoge fördert und Europas Jugend ermächtigt.
Zu den weiteren Maßnahmen gehören eine nachhaltige Finanzierung von Interessenvertretung und Schutz sowie ein verbessertes Monitoring. Die FRA will einen Indikatorenrahmen entwickeln, um den zivilgesellschaftlichen Raum zu beobachten und Daten sowie Belege zur Bewältigung bestehender Herausforderungen bereitzustellen.
Durch das Forum haben Umweltmenschenrechtsverteidiger:innen in Europa endlich eine Stimme und eine Plattform, um Erfahrungen auszutauschen, Bündnisse zu bilden und ihren Schutz zu stärken. Mit stärkeren Mechanismen können sie ihre Arbeit für eine gesündere Umwelt und eine bessere Welt fortsetzen.
Petra Bayr schloss ihre Rede mit folgenden Worten:
Verteidiger:innen der Umwelt sind Verteidiger:innen der Zukunft. Und die Zukunft verdient einen Rechtsrahmen, der den Menschen gerecht wird, die für sie kämpfen.
Das Forum war ein bedeutender erster Schritt in einem langen Prozess zum Schutz jener Menschen, die die Menschheit schützen.
Die nächste Ausgabe des Forums wird 2028 stattfinden.
Letzte Änderung: 22.06.2026 | Erstellt am: 22.06.2026
Den Originalartikel von Sarah Perras finden Sie hier beim IMPAKTER Magazine.
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