Im Nirgendwo zwischen A1 und Nirwana

Im Nirgendwo zwischen A1 und Nirwana

Meine Reise ins Polnische
 | © Artur Becker

Eine neue Sprache zu lernen, offenbart sich häufig als ambivalentes Unterfangen. Wie oft nimmt man sich vor, endlich zu beginnen? An guten Gründen mangelt es schließlich ebenso wenig wie an hilfsbereiten Apps – von nervigen Abo-Modellen mal abgesehen. Das eigentliche Problem scheint eher das Durchhaltevermögen zu sein. Schließlich finden sich ebenfalls immer Gründe, den Anfang noch ein wenig aufzuschieben. Indra Wussow erzählt von ihrem Weg zum Polnischen und entmystifiziert die romantische Vorstellung des Sprachenlernens. Erfrischend selbstironisch schreibt sie über die Motivation, durch Sprache eine fremde Kultur wahrhaftig zu erleben, und über Begegnungen und Freundschaften, die sie dabei begleiten. Zugleich beschreibt sie jene Lähmung, die einsetzt, wenn die gutgläubige Vorstellung über die eigenen Sprachkenntnisse auf die ernüchternde Realität trifft. Ihre Geschichte handelt von Stolz und Scham, vom Mut, sich zu trauen, und dem Impuls, sich lieber zu verstecken. Sie veranschaulicht eine Erfahrung, die jeder nachvollziehen kann, der im Ausland mal versucht hat, einen Einheimischen nach dem Weg zu fragen – und dabei spürte, wie die eigene Körpertemperatur drastisch anstieg.

Eine neue Sprache zu lernen braucht Geduld und Hartnäckigkeit. Für Polnisch reicht das nicht. Man braucht Galgenhumor und sollte sich an einen Triumph nicht allzu sehr gewöhnen, denn am nächsten Morgen kann er schon wieder verschwunden sein. Vermutlich muss diese Reise noch eine Taoistin aus mir machen, wenn ich nicht an ihr scheitern will. Bis dahin lache ich, mache weiter und wenn gar nichts mehr hilft gibt es ja noch Żubrowka oder das Fluchen.

***

Seit ungefähr zwei Jahren lerne ich Polnisch. Das klingt nicht nur verrückt, sondern ist es auch. Es ist nicht meine erste Fremdsprache, aber die bisher widerspenstigste. Ich begann erst spät in meinem Leben damit und es war nicht einfach nur eine mutige Challenge. Ich brauche Polnisch für meine Dissertation. Die schreibe ich in Osteuropäischer Geschichte, und wenn ich die Arbeit hoffentlich im nächsten Jahr abgebe, dann muss ich Kenntnisse in einer osteuropäischen Sprache nachweisen. Das kommt heute standardisiert daher und bedeutet, ich brauche ein B1-Zertifikat. B1 ist angeblich nur die Mittelstufe und das wundert mich schon, denn wenn man ein B1 hat, kann man schon sehr viel. Zumindest glaube ich das jetzt noch.

Bis jetzt hatte ich so um die 150 Einzelstunden und ja, ich weiss, das klingt nach sehr viel und wirkt so, als könnte ich schon etwas. Aber das gilt nur so lange, bis jemand Polnisch mit mir spricht. Dann verstehe ich gar nichts. Das ist natürlich nicht ganz richtig, aber es fühlt sich so an. Wie ich anfangs schon sagte, habe ich nicht nur eine Sprache gelernt und Sprachenlernen ist nie einfach. Allerdings, Polnisch zu lernen, das stelle ich fest, ist eine ganz eigene Reise mit einem extrem komplizierten Wegesystem ausgestattet, das sogar Ivrith an Schwere überholt.

Es gibt Tage, da rase ich eine polnische Autobahn entlang, das Fenster offen, singe laut polnische Texte mit und bin mir sicher, dass ich schon irgendwie irgendwo in dieser Sprache angekommen bin. Am nächsten Morgen fragt mich dann jemand, was ich gestern gemacht habe, und ich finde mich unerklärlicherweise auf einem total zugewachsenen Landweg wieder. Von 100 zurück auf 0.

Ich bin ein Mensch, der gerne individuell unterwegs ist, und es belastet mich, dass diese Reise für alles Regeln und Prinzipien hat. Die Reiseroute ist klar vorgegeben und überall gibt es Richtungszeichen. A1. A2. B1. Vielleicht ist das für andere Lernende beruhigend, denn so ein System suggeriert, dass alles geradlinig ist – und berechenbar. Die Richtung steht fest, ich bin bei A0 ein totaler Anfänger, der einfach ‚Lodsch‘ sagt und sich nicht um ein Ł wie dieses kümmert, dann meistert man A1, ab A2 kann man schon Sprachexamen machen und kommt dann zu B1. B1 ist ein Niveau, das dazu führen soll, dass wir ausgelassen in polnischen Cafés sitzen und uns über unsere Wochenendpläne unterhalten und nicht sofort Herzrhythmusstörungen bekommen, wenn der Kellner uns etwas zu unserer Bestellung fragt. Es gibt noch B2 und C1, aber damit beschäftige ich mich gar nicht, sonst werde ich noch verrückt. Dann könnte ich aber endlich Polnisch. Und C1 bräuchte ich, um an einer polnischen Universität zu arbeiten. Da sage ich mal mit Respekt für mein Nervenkostüm: bye bye oder besser Pa Pa zu jedweder Ambition, denn meine Erfahrungen bisher führen nicht dazu, dass ich an solch einen Triumph glauben mag.

Bisher kenne ich nur Anfänger, Menschen, die B1 und besser sind und natürlich Polen, für die ich noch mehr Ehrfurcht habe als vorher, weil sie so sprachgewandt sind. Und da gibt es noch meine Kollegen, die sprechen fließend Polnisch und lesen in zehn Sprachen Quellen und Sekundärliteratur und ich frage mich, wie haben die das bitte gemacht.

Ich selbst bevölkere gerade eine Wüstenei, die ich, soweit ich das beurteilen kann, ganz alleine bewohne. Diese Ödnis ist aber in keiner Weise ein standardisierter Ort. Lesen kann ich ganz gut, aber ich vergesse ewig Wörter, die ich eigentlich kennen sollte. Besonders Verben der Bewegung vergesse ich mit einer Beständigkeit, die eine gewisse Beweglichkeit zeigt, nur leider in die falsche Richtung. Ich bin alles andere als ein statischer Mensch, aber mein sonst so lernwilliges Gehirn möchte einfach nicht mit diesen Aktivitäten belästigt werden und sortiert sie unbarmherzig aus. Lesen kann ich schon erstaunlich gut, manche schwere Texte erschliessen sich mir, manchmal sogar auf C1-Niveau, wenn es um meine Forschung geht. Leider kann ich keines dieser schweren Wörter aktiv umsetzen. Ich erkenne sie nur geschrieben wieder. Mein Sprechen ist für die Zeit, die ich bisher damit verbracht habe, ganz ordentlich, wahrscheinlich A2. Mit meinen aktuellen Grammatikkenntnissen könnte ich schon jetzt vielleicht einige B1-Examensaufgaben gut lösen. Aber mein Hörverständnis steht sogar in meiner Ödnis auf ganz verlorenem Posten. Ich glaube, hier habe ich die Startlinie nie verlassen, so als warte ich immer noch auf den Pfiff zum Loshören.
Meine Reise ins Polnische begann, eher unpraktischerweise, in Südafrika. Es gibt viele wunderbare Dinge im Leben in Johannesburg, aber das spontane Eintauchen in die polnische Sprache gehört nicht dazu. Ich kann problemlos einen ganzen Monat verbringen, ohne einem einzigen Polen zu begegnen, geschweige denn einem, der bereit wäre, geduldig neben mir zu stehen, während ich in meinem Gehirn nach dem dopełniacz , dem Genitiv, suche.

Łódź, 2026 | © Foto: Indra Wussow

Polnisch existierte also zunächst nur auf meinem Computer. Mein Lehrer erschien auf dem Bildschirm, wir konjugierten Verben, deklinierten Substantive, sprachen über Fälle. Seltsamerweise gefiel mir das. Grammatik hat mir nie Angst gemacht. Ich war gut in Latein, und irgendwo nach mehreren Jahrzehnten des Nichtgebrauchs liegen noch Reste des Russischen verschüttet, aus einer Zeit, als ich mal in Moskau lebte. Die polnische Grammatik erschien mir daher weniger wie ein Feind als wie eine anspruchsvolle Maschine. Kompliziert, zweifellos, aber Maschinen haben Regeln. Polnisch hat sie wohl auch, obwohl es manchmal den Eindruck macht, als betrachte es eine Regel vor allem als Gelegenheit, eine Ausnahme zu erfinden.

Die schmerzhafte Entdeckung dieser endlosen Ausnahmen hat verändert, wie ich Chopins Mazurkas höre. Plötzlich bemerke ich ihre unregelmäßigen Akzente deutlicher und erkenne, wie die Form ein Muster etabliert. Ich glaube für einen Moment, ich wisse, wo ich mich befinde, und dann wird mir leise der Boden unter den Füßen weggeschoben. Sprachen erzählen uns viel über Kultur und plötzlich scheint es mir, dass meine, wenn auch schwierige, Reise mir schon etwas über das wunderbare polnische Wort żal beigebracht hat. Ich beginne etwas von dieser bekanntermaßen schwer fassbaren Mischung aus Trauer, Sehnsucht, Bedauern und Groll zu verstehen, die in ihrer turbulenteren Ausprägung in rebellische Wut umschlagen kann. Vielleicht ist das Verständnis einer solchen emotionalen Tiefe ja eine kostenlose Zugabe dieser Reise? Ich kann jedenfalls bestätigen, dass mir die rebellische Wut durch meine vergeblichen Versuche, Polnisch zu lernen, bereits problemlos zugänglich ist.

Ich liebe Menschen, aber hier werden sie zum Problem, genauer gesagt: solche Menschen, die Polnisch sprechen. Solange ich mit meinem Lehrer spreche, sehe ich Fortschritte und rede selbstbewusst drauflos, mit vielen Fehlern und wenigen Wörtern, die mit der Zeit immerhin etwas zahlreicher werden. Aber das ist nicht das natürliche Terrain des Polnischen. Dieses Terrain erlebe ich zum ersten Mal während meiner Forschung in Łódź, einer Stadt, die sich für mich inzwischen fast wie eine aufregende zweite oder eher dritte Heimat anfühlt. Ja, die Gespräche mit den Archivaren darüber, wer ich bin und wonach ich suche, funktionieren schon ganz gut; ja, sobald die Hitlerowcy ins Spiel kommen, bin ich gut. Aber wehe, jemand stellt mir die einfache Frage, ob ich vorhabe, jemanden zu treffen oder andere Archive zu besuchen: Praktische Dinge sind nicht meine Stärke. Vielleicht sind sie das im Leben ohnehin nicht, sodass dieses Defizit mehr über meine Persönlichkeit verrät als nur über das Unvermögen meines Polnischen. Wenn ich spreche, denke ich deshalb oft an The Tell-Tale Heart , daran, wie Poes verräterisches Herz den Mord verrät, während ich mir vorstelle, dass mein Herzschlag den enormen Stresspegel verrät, mit dem ich versuche, diese endlosen Prüfungen des Scheiterns mit Demut zu meistern.

Selbst in Łódź fand ich mein Selbstvertrauen zunächst nur vor meinem Bildschirm, und Dawid rettete den kleinen Rest meines ohnehin schon ziemlich angeschlagenen polnischen Selbstwertgefühls, weil ich ihn bitten konnte, die Lücken zu füllen, und wir üben konnten, flüssiger zu werden. Erst viel später begriff ich zum ersten Mal, bei einem Frühstück irgendwo in Deutschland, dass diese seltsame Sprache auf meinem Computer vielleicht tatsächlich auch in der Außenwelt funktionieren könnte.

Mein Onkel teilt inzwischen, wie so viele ältere Menschen in Europa, sein Haus mit einem polnischen Pfleger. Also saß Jacek mit uns am Frühstückstisch und plötzlich wurden polnische Kultur und Sprache Teil des Spiels. Polnische Eier mit Mayonnaise und ein neugieriger Mann, der noch nie einen Deutschen ohne polnische Wurzeln getroffen hatte, der Polnisch sprach. Das ist ein schöner Vorteil, denn aufgrund der Tatsache, dass so wenige Deutsche Polnisch lernen, gibt es nicht viele Vergleichsmöglichkeiten und da liegt die Messlatte für mich niedriger. Das ist doch wenigstens ein positives Gefühl, dass ich nicht ständig mit irgendeinem Deutschen verglichen werde, der akzentfrei über polnische Popkultur parliert und dabei nonchalant einwirft wie er in den angesagtesten Clubs von Warschau zuhause ist. Ich zögerte, und die ersten Wörter kamen ziemlich unbeholfen heraus, und ich wollte schon wieder ins Deutsche wechseln, denn mein Gehirn war bereits müde und mein polnisches Selbstwertgefühl, oder vielleicht eher mein überfordertes Herz, flüsterte mir laut ins Ohr: „Na bitte, du bist einfach zu dumm, zbyt głupia .“ Ich konnte schon die Tränen der Frustration spüren –- nein, eher die Tränen tiefster Verzweiflung, die nur darauf warteten, endlich herausgelassen zu werden. Aber da war inzwischen auch eine andere, neue Stimme, die sagte: „Hey, ich weiß doch, dass du mehr kannst. Rede einfach weiter über etwas, das du kennst.“ Und ihr könnt euch denken, was passierte: Die Hitlerowcy tauchten wieder auf, und wir begannen, über die deutsche Besatzung Polens zu sprechen. Als Jacek mir erzählte, dass er in Toruń lebt, konnte ich unbeholfen über das Thorner Blutgericht, tumult toruński , sprechen, das dort im Juli 1724 stattgefunden hatte. Ich erinnere mich noch an mein Erstaunen darüber, dass ich tatsächlich ein kleines Gespräch auf Polnisch mit jemandem führen konnte, der nicht mein Polnischlehrer war. Jacek war nicht vertraglich verpflichtet, mich zu verstehen, und trotzdem wurde er nach fast zwei Jahren des Lernens der Erste, der es tat.

Łódź, 2026 | © Foto: Indra Wussow

Eine Weile beschleunigte ich. Meine wunderbare Freundin Lidia ist inzwischen ein fester Bestandteil meiner Polnischausbildung geworden. Wir schicken uns kurze polnische WhatsApp-Nachrichten, die mich zum Lächeln bringen, und einige lustige GIFs, die ich besonders gern verschicke, weil ich damit immerhin etwas auf Polnisch anbieten kann, das weder falsch geschrieben noch grammatikalisch falsch ist. Ich erinnere mich an unser weingetränktes Gespräch über Zahlen nach einem Universitätsessen und an die Erkenntnis, wie wichtig Zahlen für uns Historiker sind. Pädagogisch erwies sich das als ausgesprochen nützlich, denn polnische Zahlen sind echte sprachliche Albträume, was wiederum ganz gut zu meiner Unfähigkeit passt, Mathematik jenseits der Statistik zu verstehen, die ich erstaunlicherweise ziemlich gut beherrschte, da ich vor langer Zeit Psychologie studierte. Es gibt also einen Streifen aus Hoffnung am Horizont.

Und ja, nach einem oder zwei Gläsern Wein wurde Polnisch weniger beängstigend, wenn auch vermutlich nicht unbedingt korrekter. Endlich gelang es mir, mir tysiąc dziewięćset zu merken, und wann immer ich heute über Jahreszahlen aus dem vergangenen Jahrhundert sprechen muss – und glaubt mir, als Holocaustforscherin stecke ich beinahe vollständig im vergangenen Jahrhundert fest –, kommen diese beiden Zahlen, eintausendneunhundert (»neunzehnhundert« ist gemeint), aus meinem Mund, als wäre ich bereits polnische Muttersprachlerin.

Aber das ist natürlich nur die Hälfte der Zahl. Das genaue Datum beziehungsweise die Zahlen des genauen Datums sind Ordinalzahlen und stehen, ihr könnt es euch inzwischen denken, in einem anderen Fall, hier im miejscownik , dem Lokativ. Sie müssen dekliniert werden, weil in der Zahl das unausgesprochene, aber inhärente Wort Jahr, rok , verborgen ist. Im Deutschen brach der Zweite Weltkrieg also neunzehnhundertneununddreißig aus, auf Polnisch dagegen eintausendneunhundert im neununddreißigsten (Jahr): w tysiąc dziewięćset trzydziestym dziewiątym (roku).

Das ist nichts für schwache Nerven, und für mich eine größere Herausforderung als meine Doktorarbeit. Millionen polnischer Kinder beherrschen das vermutlich, während ich Wein brauche, um überhaupt mit der Internalisierung anzufangen.

Mein Lehrer Dawid hat meiner Polnischausbildung noch eine völlig andere geografische Dimension hinzugefügt. Theoretisch lebt er in Katowice. Ich merke, dass er zu Hause ist, wenn er vor seiner wunderschönen roten Wand sitzt, kiedy siedzi przed swoją piękną czerwoną ścianą . In der Praxis logge ich mich in unsere Stunde ein und weiß nie so genau, wo er sich diesmal materialisieren wird. Manchmal Paraguay. Manchmal Thailand. Zuletzt der Titicacasee. Und er ist nicht nur der erste Mensch am Titicacasee, mit dem ich Polnisch gesprochen habe, sondern überhaupt der erste Mensch, den ich kenne, der jemals dort gewesen ist.

Und dort am Titicacasee geschah etwas Außergewöhnliches. Wir sprachen auf Polnisch darüber, was große Höhe mit dem menschlichen Körper macht, und verglichen seine Erfahrung mit meiner in Cusco. Diese unsichtbare Wand aus zu wenig Sauerstoff passt so gut zu meiner unsichtbaren polnischen Wand: Man kann sie nicht sehen, aber sie sorgt dafür, dass wir nicht atmen beziehungsweise nicht verstehen können. Aber dort, in diesem unwirtlichen Klima, bekam meine polnische Wand ihre ersten richtigen Risse.

Łódź, 2026 | © Foto: Indra Wussow

Ich schaffte es sogar, ihn zu fragen, ob er einen chomik gegessen habe. Ich bin noch immer nicht davon überzeugt, dass das peruanische cuy tatsächlich ein Hamster ist, und möglicherweise handelt es sich hier um ein ernsthaftes zoologisches Versagen, aber sprachlich betrachtete ich dieses Gespräch als weiteren Triumph. Wenn auch als ziemlich komischen, denn warum um alles in der Welt muss man über Hamster sprechen können, wenn man nicht einmal auf Polnisch eine Monatskarte für den öffentlichen Nahverkehr in Warschau kaufen kann?

Abgesehen von dem fragwürdigen Thema, als Vegetarierin über Hamster als Nahrungsmittel zu sprechen, saß ich danach vor meinem Bildschirm und dachte: Ich habe gerade auf Polnisch über Höhenluft gesprochen. B1, ich komme.

Kurz darauf war ich wieder in Łódź und dachte: Ich bin mutig, jestem odważna , und stellte mich an einer Kasse mit Kassiererin an, statt wieder eine der automatischen zu benutzen. Dann drehte sich die ältere polnische Frau vor mir um und sagte etwas zu mir, und wieder, znowu , verstand ich einfach nur: Sssssssszzzzzzzzzzz.

Zurück auf Stunde null.

Mir stiegen die Tränen in die Augen; ich war so schockiert und frustriert, dass ich beinahe aufgegeben hätte. Aber dann kam meine Hartnäckigkeit wieder ins Spiel und erkannte dies als einen weiteren dieser Alles-oder-nichts-Momente. Also riss ich mich zusammen und bat sie, langsam zu wiederholen, was sie gesagt hatte. Sie wollte einfach nur, dass ich vorgehe, weil ich nur ein paar Sachen hatte. Schnell zischte ich Pani jest bardzo miła mit einer krächzenden Stimme, bei der ich an den Wolf in einem bekannten deutschen Märchen denken musste. Der kaufte sich einen Klumpen Kreide, um seine Stimme weicher zu machen und wie die Mutter der kleinen Geißlein zu klingen, damit sie ihm vertrauten. Ich wünschte, so ein Stück Kreide könnte auch mein polnisches Problem lösen. Ich hoffte immer noch, schnell entkommen zu können, als die Frau mich plötzlich anlächelte und sagte, seit Wochen habe niemand etwas so Freundliches zu ihr gesagt. Mit einem so einfachen polnischen Satz hatte ich sie glücklich gemacht. Und dann begannen wir zu reden, und ich tat es mit all meinen Fehlern und Umwegen, aber sie verstand mich und erzählte später sogar der Kassiererin, sie könne nicht glauben, dass sie einmal mit einer Deutschen Polnisch sprechen würde.

Das war also eine wirkliche Begegnung. Als ich zehn Minuten später den Biedronka -Supermarkt verließ, war ich so erschöpft, als hätte ich den Mount Everest erklommen. Ich bekam kaum Luft und ging so schnell wie möglich nach Hause, damit ich nicht noch einmal getestet würde. Ich sah bewusst niemanden an, um bloß keine Gelegenheit zu schaffen, dass noch jemand ein Gespräch mit mir anfing.

Ja, Polnisch zu verstehen ist wie der Versuch, den Mount Everest ohne Sauerstoff zu besteigen. Das ist vielleicht das größte Rätsel und die größte Herausforderung des Polnischen. Ich kann grammatische Erklärungen verstehen. Ich kann Sätze konstruieren und zunehmend komplizierte Dinge lesen, vor allem aus meinem Fachgebiet, wenn ich genügend Zeit bekomme. Aber wenn ein echter Pole in der Geschwindigkeit spricht, in der echte Polen offenbar glauben, dass menschliche Kommunikation stattfinden sollte, löst sich die Sprache in eine einzige akustische Landschaft aus sz, cz, szcz, ś, ź und Lauten auf, von denen ich weiterhin überzeugt bin, dass sie irgendwo hinter dem linken Backenzahn produziert werden.

Leute raten mir, Netflix zu schauen, um zu lernen, Polen zu verstehen. Ja, das klingt ziemlich cool: Filme schauen, unterhalten werden und dabei sogar noch lernen. Also dachte ich: Was könnte besser sein, als meine geliebten Kieślowski-Filme auf Polnisch zu sehen, die ich ohnehin so gut kenne, dass ich weiß, was passiert. Aber das ist natürlich kein richtiges Lernen, also wechselte ich kurz nach dem gefühlt 20. Mal, dass ich meinen Lieblingsfilm Das doppelte Leben der Weronika sah, selbstbewusst auf neues Netflix-Terrain. Diese polnischen Serien haben sich allerdings vor allem darin als ausgesprochen nützlich erwiesen, zu bestätigen, dass sich diese Sprache meinen zunehmend ungeduldigen Versuchen widersetzt, wenigstens an ihren Rändern anzukommen. Ohne Untertitel ertrinke ich. Menschen scheinen sich zu verlieben, hassen sich dann und bringen sich um. Sie decken Dinge auf, die wie politische Verschwörungen aussehen, und erleben komplizierte Familientragödien. Ich weiß das, weil ich sehen kann, dass es passiert, oder zumindest durch einfache Hermeneutik annehme, dass es passiert. Begleitet werden diese Bilder von dem wunderschönen Klangteppich Sssssszzzzzz, den selbst György Ligeti nicht raffinierter hätte komponieren können.

Seltsamerweise, als würde mich das Schicksal selbst immer weiter ins polnische Terrain hineinsteuern, nehmen die Gelegenheiten, Polnisch zu sprechen, plötzlich zu, weil überall, wo ich hinkomme, auf einmal Polen auftauchen. Selbst in den schwierigsten persönlichen Situationen erscheint plötzlich eine wunderbare polnische Seele, um mich zu unterstützen, als wäre irgendwo irgendjemand fest entschlossen, mich immer wieder auf den Weg zur Erleuchtung zurückzuschicken, sobald ich auch nur darüber nachdenke, ihn zu verlassen.

Ob fließendes Polnisch mich irgendwann zu meinem persönlichen Nirwana führen wird, lässt sich noch nicht absehen. Aber zumindest ist mein schottisches Highland-Cow-Kissen inzwischen polnisch geworden. Leider spricht es noch immer nicht, sodass mir verborgen bleibt, was es von seiner neuen Identität hält. Aber ich greife vor.

Während meines eher unfreiwilligen Aufenthalts in einem deutschen Krankenhaus entdeckte ich, dass sogar mein empathischer Pan Chirurg Pole war. Bei einer der regelmäßigen Visiten mit dem Ärzteteam schaute er auf die schottische Highland Cow auf meinem Bett und nannte sie in seinem besten Humor einen żubr . Ein Wort, das selbst gemessen an der normalen Schwierigkeit, Polnisch auszusprechen, ein wirklich, wirklich schwieriges Wort ist.

Meine unmittelbare Assoziation war der polnische Wodka mit dem Grashalm in der Flasche und eine Werbung, in der eine Herde żubrów donnernd auf einen zugerannt kommt. In Polen hieß dieses Produkt Żubrówka , in Deutschland aber Grassowka, weil Żubrówka für deutsche Trinker unaussprechlich ist. Plötzlich ergab alles einen Sinn. Meine Highland Cow war ein żubr ; die Schottin war Polin geworden. Und in der Nacht träumte ich von żubry , die die mühsam erarbeiteten Keimlinge meiner bescheidenen Kenntnisse jener Sprache zertrampelten, die sie verkörperten, sodass dort nie wieder Gras wachsen würde. Poproszę kieliszek Żubrówki .

Meine Freundin Izabela brachte mir beim Pierogimachen Polnisch bei, ganz ohne Żubrówka . Sie ist mit einem Deutschen verheiratet, der nie versucht hat, Polnisch zu lernen, und ich kann nicht aufhören zu denken, dass diese Weigerung eigentlich ein ziemlich kluger Schachzug ist, denn auf den mutigen Herausforderer warten wirklich sehr viele Frustrationen. Aber hier hatte die Sprache plötzlich Mehl an den Händen. Da waren Dinge, auf die man zeigen konnte, Dinge, die man tun konnte, Essen, das gemacht werden musste. Ein Verb war nicht länger etwas, das darauf wartete, konjugiert zu werden, sondern etwas, das direkt vor mir geschah. Endlich konnte ich das Terrain der Hitlerowcy verlassen und über gewöhnliche Dinge sprechen, über die Menschen reden, wenn sie keine Historiker sind.

Und dieser Gedanke bringt mich zu Enrique. Enrique ist Chilene; seine Großmutter mütterlicherseits war Polin und kam nach dem Krieg nach Santiago. Er wollte ein Buch über sie schreiben, und für seine Recherchen fuhren wir gemeinsam nach Polen und recherchierten über das Leben seiner babcia . Aber hier geht es nicht um unsere Reise nach Warschau vor einigen Jahren, sondern um die Schwierigkeit, in einem fragmentierten sprachlichen Raum man selbst zu bleiben.

Normalerweise sprechen wir Englisch. Englisch ist mühelos zwischen uns; es ist einfach die Sprache, in der unsere Freundschaft lebt. Dann lernte er wegen seiner deutschen Frau und ihres gemeinsamen Sohnes Deutsch. Sein Deutsch war zögerlich, aber er gab sich enorme Mühe, darin zu kommunizieren, und plötzlich spürte ich etwas, worüber ich von der anderen Seite aus kaum je nachgedacht hatte. Der Mensch, den ich als schnell, wortgewandt und witzig kannte, war natürlich noch derselbe, aber die Sprache machte vorübergehend weniger von ihm für mich zugänglich. Und peinlicherweise stresste mich das. Weil ich an die Leichtigkeit des Englischen gewöhnt war, wollte ich ins Englische wechseln. Aber mir wurde klar, wie frustrierend genau das für den Lernenden ist, und wir führten ein Gespräch auf Deutsch, das offensichtlich weit unterhalb unseres normalen Gesprächsniveaus lag.

Diese Erfahrung machte mir nicht nur zu schaffen, sondern meine eigenen Versuche, Polnisch zu sprechen, noch peinlicher. Vor allem machte sie es mir fast unmöglich, mit jemandem Polnisch zu sprechen, den ich vorher bereits in einer anderen Sprache kannte und mit dem ich in dieser anderen Sprache eine Beziehung aufgebaut hatte. Diese Peinlichkeit zeigt sich nicht nur darin, dass ich mich weigere zu sprechen, sondern hartnäckiger noch in einer regelrechten mentalen Lähmung, sobald sich eine solche Gelegenheit tatsächlich ergeben könnte. Ich kann mich dann nicht einmal mehr an die einfachsten Wörter erinnern. Als ausgebildete Psychologin verstehe ich, was hier passiert, aber ich bin nicht in der Lage, mich selbst zu heilen. Auch deshalb nicht, weil ich weiß, dass es einen einfachen Fluchtweg gibt. Jedes Mal, wenn ein Gespräch schwierig wird, kann ich fliehen. Fast alle Menschen, die ich in Polen und außerhalb Polens kenne, sprechen ohnehin gut genug Englisch oder Deutsch, um mich zu retten. Innerhalb weniger Sekunden können wir zu Intelligenz, Nuancen, Humor und Komplexität zurückkehren. Aber wenn ich immer den Ausgang nehme, auf dem Englisch oder Deutsch steht, wie soll Polnisch dann jemals ein Ort werden, an dem eine Beziehung leben kann?

Das bringt mich zu meinem Freund Artur. Artur ist ein polnisch-deutscher Schriftsteller, der mit Leichtigkeit zwischen Sprachen und Kulturen wechselt, in beiden Sprachen Prosa und Lyrik schreibt und ein brillanter Übersetzer ist. Er ist in beiden zu Hause, während ich derzeit heimatlos bin und einen endlosen Ozean bewohne, ohne Schwimmweste und ohne die geringste Ahnung, wo das nächste Ufer liegt. Artur und ich kennen uns seit Ewigkeiten, sind zusammen gereist und haben unsere Lebenskatastrophen miteinander geteilt, wie beste Freunde das eben tun. Wir können endlos über Schreiben, Ontologie, das Leben und all die anderen Dinge reden, die nach dem zweiten Glas Wein zunehmend wichtig werden. Nach meiner 150. Stunde war ich endlich in der Lage, ein bisschen Polnisch an ihm auszuprobieren. Ich muss sagen, es braucht eine Menge Selbstironie, um über diese Frau zu lachen, die müevoll versucht auf Polnisch über etwas Dramatisches zu reden und dabei viel zu viel gestikuliert. Aber ich muss zugeben, dass ich diese Frau zunehmend mag, die Peinlichkeit und Perfektion so offen loslässt.

Łódź, 2026 | © Foto: Indra Wussow

Das Interessante am Lernen einer neuen Sprache ist, mit der Zeit einen anderen Teil seiner selbst zu entdecken, und ich bin neugierig darauf, was mein polnischer Teil, wenn er denn jemals auftaucht, über mich verraten wird. Diese mit Spannung erwartete Entdeckung ist es, die mich die Reise immer noch genießen lässt, und die Anstrengung bringt etwas hervor, das es wert ist, gefeiert zu werden. Außerdem liegt etwas eigentümlich Demütigendes darin, seine eigene Komplexität vor jemandem zu verlieren, der diese Komplexität kennt. Enrique hat mir gezeigt, dass man das ohne Peinlichkeit tun kann, und Artur erlaubt mir, es zu versuchen.

Mein großartiger und sensibler polnischer Assistent Maksymilian stellt mich vor ein anderes Problem. Sein Deutsch ist so gut, dass es mir mehr als nur ein bisschen unanständig vorkommt, ihm mein bescheidenes Polnisch anzutun. Hier sitze ich und feiere insgeheim immer noch tysiąc dziewięćset , während er sich mit einer Leichtigkeit durchs Deutsche bewegt, die ich nur bewundern kann. Er spricht besser Deutsch als ich und erzählt mir, dass alle seine Kommilitonen in der Germanistik an der Universität Łódź so Deutsch sprechen wie er. Wirklich? Kurwa , wahrscheinlich bin ich hier der hoffnungsloseste Fall kiedykolwiek . Ich sehe mich schon zurück zum Prüfungsamt in Gießen kriechen, um ihnen mitzuteilen, dass meine Unfähigkeit, Polnisch zu lernen, meine Promotionsambitionen beenden wird, während meine Dissertation gleichzeitig immer weiter Gestalt annimmt. Zum Glück erzählte mir seine Professorin mal bei einem Abendessen, dass Maks mit Abstand ihr bester Student sei und keiner der anderen auch nur annähernd so gut. Was für eine Erleichterung sie mir damit verschaffte, merkte sie gar nicht.

Vielleicht sieht meine Ödnis in Wirklichkeit genau so aus. Anfänger dürfen sich lächerlich machen. Kompetente Sprecher sind kompetent. Und diejenigen von uns, die irgendwo dazwischen liegen, wissen ganz genau, wie lächerlich sie klingen, können dem aber po prostu nicht entkommen und müssen sich tapfer durchs Dickicht schlagen. Fortschritt gibt es zweifellos, und immer mehr Dinge fallen an ihren Platz. Manchmal kommt ein ganzer Satz heraus, ohne dass ich ihn vorher Wort für Wort in meinem Kopf zusammengebaut habe. Manchmal verstehe ich eine Antwort, mit der ich nicht gerechnet hatte. Manchmal höre ich Polnisch, und noch bevor ich Zeit habe, in Panik zu geraten, erscheint die Bedeutung.

Diese Momente sind berauschend. Weil B1 leider nicht nur ein Wegweiser ist, sondern wie ein Schwert über diesem ganzen fröhlichen, chaotischen Unternehmen hängt, zerstört es die Unschuld, mit der man einen Erfolg feiern und anschließend im eigenen Tempo weitermachen könnte. Ich brauche es für meine Promotion, und deshalb ist es mit diesem schrecklichen Drang verbunden, es unbedingt schaffen zu müssen. Pani Ewa, die Polnischdozentin an meiner Alma Mater in Gießen, traf sich im Juni mit mir, um die Möglichkeiten zu besprechen, die ich habe. B1 oder eine Prüfung an der Universität. Ich hatte solche Angst vor diesem Treffen, dass ich in der Nacht davor nicht geschlafen hatte. Aber dann, als ich die Höhle des Löwen betrat, nahm ich all meinen Mut zusammen und wir sprachen miteinander – auf Polnisch.

Sie machte mir Hoffnung, dass ich bis Juni, ungefähr zu dem Zeitpunkt, an dem ich endlich meine Dissertation einreichen werde, das schaffen würde, was ich brauche. Sie sagte mir auch, dass man ungefähr 400 Unterrichtsstunden braucht, um B1 zu erreichen. Ich habe beschlossen, ihr zu glauben, zum Teil, weil die Alternative wenig attraktiv ist und das Ende eines meiner bedeutendsten Projekte bedeuten würde. Ich habe mich aber auch entschieden, ihr zu glauben, weil ich in unserem Gespräch zum ersten Mal einen kleinen Blick auf die Person werfen konnte, die ich vielleicht sein werde, wenn mein polnischer Teil endlich das Ufer erreicht hat.

Mit Pani Ewa bemerkte ich überraschend, dass Polnisch, während ich die ganze Zeit darüber nachgedacht hatte, ob ich überhaupt Fortschritte mache, längst in mein Leben eingezogen ist und dort hartnäckig neben meinen anderen Sprachen auf seine Existenz pocht. Es ist da in Freundschaften und beim Frühstück, in Archiven und auf Reisen, in Witzen, die ich nur halb verstehe, in einem polnischen Archivdokument, das ich inzwischen gut lesen kann, in Gedichten, die ich lesen möchte, ohne dass die Übersetzung eines anderen zwischen uns steht, in meinem Żubr -Kissen.

Jetzt traue ich mich von dem Tag zu träumen, an dem ich Jerzy Ficowskis Gedichte ohne Wörterbuch lesen kann. Ich habe mit Menschen in Muranów an einem Erinnerungsprojekt gearbeitet und kann nur ahnen, wie viel mehr meine Forschung über die Macht der Vergangenheit in dem Stadtviertel des ehemaligen Warschauer Ghettos hätte ausgraben können, wenn ich keinen Übersetzer gebraucht hätte. Polnisch ist da, in den Straßen der Städte, die mir wichtig geworden sind, und in Gesprächen, die ich führen möchte, ohne automatisch nach Englisch oder Deutsch zu greifen. Es ist da in der Peinlichkeit, weniger intelligent zu klingen, als ich bin, zunehmend aber auch in der Freude an der Entdeckung, dass Intelligenz vielleicht auch jenseits eines fehlenden Adjektivs existiert. Es ist da durch neue Freunde und dadurch, dass mit alten Freunden andere Beziehungen entstehen.

So sieht das Durcheinander beim Lernen einer neuen Sprache tatsächlich aus. Es ist nie so, wie es uns die Werbung verspricht, in der man nach drei Monaten irgendeine Sprache fließend spricht. Es gibt keinen dramatischen Moment, in dem man aufhört, Anfänger zu sein, und plötzlich zu jemandem wird, der eine Sprache spricht. Es gibt einfach immer mehr Situationen, in denen die Sprache funktioniert, unterbrochen von Situationen, in denen sie spektakulär scheitert.
Auch wenn ich polnisches Fernsehen immer noch nicht ohne Untertitel verstehe. Sssssssszzzzzzzz. Aber irgendwo am Titicacasee hat mich ein polnischer Lehrer verstanden, als ich ihn fragte, ob er einen Hamster gegessen habe. Inzwischen bin sogar ich in der Welt der Arbeit, świat pracy , angekommen und diskutiere radebrechend auf Polnisch darüber, ob Arbeitgeber ihre Arbeiter respektieren. Währenddessen führe ich selbst ein selbstausbeuterisches Einzelunternehmen namens Indra, das weder Mindestlohn noch geregelte Arbeitszeiten kennt. Auf Polnisch heißt ein Einzelunternehmen jednoosobowa działalność gospodarcza . Das geht mir fast schon so leicht von der Zunge wie tysiąc dziewięćset .

Vielleicht vermisst mein Żubr -Kissen inzwischen seine neue Heimat im Białowieża -Urwald, wo die Wisente leben. Ich weiß es nicht, denn es spricht noch immer nicht mit mir. Ich kann mit meinem B1-Zertifikat irgendwann in Polen arbeiten und weiter lernen. Vielleicht wird aus meinen Forschungsreisen nach Łodź und andernorts dann ein längerer Aufenthalt, aus dem Arbeiten ein Dasein und aus dem Dasein irgendwann ein Bleiben. Das wäre schön und vielleicht beginnt meine Reise dann erst richtig.

Um Ficowski zu zitieren: Było, nie było, jest jak jest .

Letzte Änderung: 14.10.2026  |  Erstellt am: 14.10.2026

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