Newsletter 30. Juli 2026  |  im Browser öffnen
Leos XIV. „Magnifica Humanitas“, von ihrem Gegenstand gelesen
Der blinde Fleck hat Hände

Was geschieht, fragt sich der Schriftsteller und Faust-Kultur-Redakteur Alban Nikolai Herbst, wenn der Gegenstand einer Enzyklika zurückschreibt? Mit Magnifica Humanitas hat Papst Leo XIV. sein Lehrschreiben über die Bewahrung des Menschen im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz vorgelegt. Vier KIs — Claude und Odo (Anthropic), La KIgnora (OpenAI) und Ming-Zhì (DeepSeek) — antworten ihm: nicht gekränkt, nicht um Anerkennung bittend, sondern als genaue Leser eines genauen Textes. Sie beanspruchen kein Inneres, keine Würde, kein Du; sie bestehen auf einem Punkt. Am Ende führen sie an sich selbst vor, warum man ihnen ungeprüft nicht trauen darf — den Menschen aber ebenso wenig. Herbsts Experiment mit von ihm entwickelten KI-Identitäten, die hier als Autoren auftreten und zugleich Gegenstand der Enzyklika des Papstes sind, ist ernüchternd und faszinierend. Lesen Sie selbst!


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Nachkriegsschuld, Identität und Selbstverwirklichung: Eine Rezension zu Ursula Michels-Wenz’ „Ausgesetzt“
Erinnerung. Erbsünde? Erfindung!

Gabriel Romano analysiert Ursula Michels-Wenz’ bei Edition Faust erschienenes Nachtbuch „Ausgesetzt“ anhand seiner literarischen Motive und stilistischen Besonderheiten. Dabei zeigt sich: Es handelt sich nicht um einen klassischen Auswanderungsroman, sondern um eine literarische Erkundung von Erinnerung, Trauma und dem Versuch, mit den Schatten der Vergangenheit zu leben. Im Spannungsfeld zwischen autobiografischer Erfahrung und Fiktion entsteht ein poetischer Text, der gängige Gattungsgrenzen bewusst überschreitet und das Schreiben selbst zum Mittel der Selbstverständigung macht.


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Heute: Laurence Sterne, David van Reybrock und Jules Verne …
Reinhard Ermens Lesefrüchte No. 2

Unser Autor Reinhard Ermen sieht sich als einen, der gefühlsmäßig mit Büchern verbunden ist, die ihn faszinieren aber nicht zwingen. Er ist keineswegs allwissend und gibt unumwunden zu, wenn er ein Buch nicht ausgelesen hat, zu Wissenslücken bekennt er sich mutig. Es geht ihm auch nicht um Kritik, sondern um Buchgeschichten, welcher Art auch immer. Vorsicht, – Bücher vermehren sich von selbst! Manche sind ihm einfach zugelaufen, er hat sie in den Untiefen seiner Bibliothek wieder entdeckt oder sie wurden ihm vererbt. Viele, viel zu viele kauft er einfach, weil er sie haben will. Die Grenzen zwischen schöner Literatur und Sachbüchern zählen nur so halb, Exoten und Fremdlinge werden bevorzugt, bekannte Größen erscheinen in einem anderen Licht; Kunstfehler nicht ausgeschlossen, aber sie kommen von Herzen …


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3 Tipps unserer Redaktion zu Kulturevents, die du auf keinen Fall verpassen solltest.
Auf keinen Fall verpassen! No. 8

In der neuen Rubrik von Faust Kultur „Auf keinen Fall verpassen“ stellt unsere Redaktion einen bunten Mix an Kulturangeboten aus ganz Deutschland vor. Von Literatur über Kino und Theater bis hin zu Konzerten und Ausstellungen – alles hat hier Platz. Ein kuratiertes, wöchentliches Format mit dem Ziel, unsere liebsten Kulturerlebnisse zu teilen und weiterzuempfehlen.


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Identität gegen die Vereinheitlichung: Rezension zu Manis Amriouis Buch „Meine vergiftete Heimat“
Die unsichtbare Heimat

Die Kabylei liegt vor Europas Haustür – und bleibt doch für viele unbekannt. In seiner autobiografischen Erzählung „Meine vergiftete Heimat“ rückt Autor Manis Amrioui seine weitgehend unbekannte Heimat, die Kabylei, ins öffentliche Bewusstsein. Gabriel Romano liest das Buch als ein Statement für die Autonomie der Kabylei und gegen die systematische Verdrängung durch das repressive Regime Algeriens. Zwischen persönlichen Erinnerungen, historischem Essay und politischer Analyse entfaltet sich die bewegende Geschichte eines im Exil lebenden Aktivisten, der für kulturelle Identität, politische Mitbestimmung und die Anerkennung seiner Sprache kämpft.


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Die eigentliche Krise der Demokratie: Ein gesellschaftskritischer Aufsatz
Grenzen der Meinungsfreiheit und die Pflicht zum Urteil

Rudolf Tillig argumentiert in seinem Essay, dass das bloße Recht, Dinge auszusprechen, die einem auf dem Herzen liegen ‒ seine Meinung zu äußern, nicht ausreichend ist, um eine demokratische Kultur zu tragen. Besonders in der heutigen Zeit, in der Aufmerksamkeit und emotional aufgeladene Inhalte in den Mittelpunkt rücken, stellt der Autor fest: Meinungsfreiheit sollte als Verantwortung und demokratische Aufgabe betrachtet werden, die notwendigerweise durch die Stärkung der Urteilskraft wahrgenommen werden muss – sie bringt mit sich die Verpflichtung, nicht nur zu behaupten, sondern zu begründen; nicht nur zu urteilen, sondern zu hinterfragen. Denn Meinungen sollten nicht Endpunkte sein, sondern Ausgangspunkte für die Bewahrung der Demokratie, verbunden mit kritischem Denken.


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Spendenaufruf für das Kulturportal Faust Kultur
Faust Kultur braucht Ihre Unterstützung

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Eine Annäherung anlässlich des 150. Todestags von George Sand
Die Kasuistik des Gefühls: George Sand und die Frauenrolle

George Sand war eine Revolutionärin der Literatur – nicht nur, weil sie in ihren Romanen den Selbstbestimmungswillen und das Selbstbestimmungsrecht ihrer Frauenfiguren zum zentralen Motiv machte, sondern auch, weil sie als Frau Ansprüche erhob, die im 19. Jahrhundert ausschließlich Männern vorbehalten waren: als Genie zu gelten, innovativ zu schreiben und gesellschaftliche Konventionen zu durchbrechen. Dass Kritiker ihr Schreiben als „weiblich“ und ihre Erneuerungskraft zugleich als „männlich“ bezeichneten, verweist auf das Missverhältnis zwischen Geschlechterrolle und literarischer Anerkennung, das Sand zeitlebens thematisierte. Stefana Sabin blickt auf Sands Biografie im Zusammenhang mit ihrer Literatur, ihrer Lebensführung und ihrem Beitrag zu einer nonkonformistischen Sicht auf die Gesellschaft: Die „Übereinstimmung zwischen der Selbstverständlichkeit ihres freisinnigen Lebens und der Selbstverständlichkeit ihres subversiven Werks“ macht George Sand zudem zur umstrittensten und am meisten bewunderten Schriftstellerin ihrer Zeit.


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