„Sie sind jetzt mein liebster russischer Dichter“

„Sie sind jetzt mein liebster russischer Dichter“

Lesung im Frankfurter Holzhausenschlösschen
Holzhausenschlösschen | © Barbara Staubach

Die zwei großen russischen Dichter Marina Zwetajewa und Boris Pasternak waren sich einige Male flüchtig in Moskau begegnet, ohne sich wirklich wahrzunehmen. Ab 1922 traten sie durch einen Briefwechsel in Kontakt. Die Lesung der Frankfurter Bürgerstiftung findet im Holzhausenschlösschen statt und ist ebenfalls über einen kostenlosen Livestream abrufbar.

Zwei große russische Dichter: Marina Zwetajewa und Boris Pasternak. Sie waren sich einige Male flüchtig in Moskau begegnet, ohne sich wirklich wahrzunehmen. Aber dann schrieb Pasternak im Juni 1922 an die nach Berlin emigrierte Marina Zwetajewa, von der kurz zuvor in Moskau neue Gedichte veröffentlicht waren. Mit seiner Ergriffenheit über Zwetajewas Poesie beginnt der Briefwechsel, erschienen im Wallstein Verlag, der über alle Entfernungen hinweg 14 Jahre andauerte. Die Briefe ersetzten die persönlichen Gespräche über Dichtung, über Politik und sie wurden gleichzeitig Bestandteil ihrer literarischen Werke.

Boris Pasternak, der von 1890 bis 1960 lebte, veröffentlichte 1914 seine erste Gedichtsammlung. Weltberühmt wurde er aber weniger mit seinen Gedichten, sondern mit dem einen Roman, den er schrieb: Doktor Schiwago. 1958 erhielt er dafür den Literaturnobelpreis. Pasternak lehnte den Preis ab, gezwungenermaßen, denn der Druck der sowjetischen Obrigkeit ließ ihm kaum eine andere Chance. Nichtsdestotrotz wurde er aus dem Schriftstellerverband ausgeschlossen und erst 27 Jahre nach seinem Tod, 1987, im Zuge der kulturpolitischen Liberalisierung rehabilitiert.

Marina Zwetajewa war eine Dichterin, bzw. ein Dichter – sie bestand auf der männlichen Form – wie es wohl kaum eine/n zweite/n gab. Ihre Erzählungen, ihre Essays, vor allem aber ihre Gedichte treiben einem, wie Pasternak es beschrieb, die Freude und die Tränen in die Augen. Es sind meistens Liebesgedichte, geschrieben für oder an Männer und Frauen, die sie liebte. Und sie liebte heftig, Männer wie Frauen.

Sie war verheiratet, hatte drei Kinder. Nach langen Aufenthalten in Berlin, Paris, Prag, kehrte sie 1939 in die Sowjetunion zurück. 1941 nahm sie sich das Leben, sie erhängte sich.

In den 1960er Jahren wurde Zwetajewa in der Sowjetunion rehabilitiert.

Paula Hans war von 2013 bis 2017 festes Ensemblemitglied am Schauspiel Frankfurt. Seit 2018 arbeitet sie freischaffend, unter anderem am Theater Basel, am Residenztheater München und weiterhin am Schauspiel Frankfurt. Aktuell spielt sie in der Romanadaption „Meine geniale Freundin“ am Nationaltheater Mannheim die Rolle der Lila. Im Kino ist sie zurzeit in „Lieber Thomas“, einem Film über den DDR-Dichter Thomas Brasch zu sehen. Paula Hans arbeitet außerdem für das Fernsehen (zB.“Tatort“) und als Sprecherin u. a. für den Hessischen Rundfunk, verschiedene Hörbuchverlage und als Synchronsprecherin.

Moritz Pliquet, geboren 1986, absolvierte seine Ausbildung zum Schauspieler an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt am Main. Es folgten Engagements u.a. in Mainz, Frankfurt und Göttingen. Als Sprecher von Dokumentationen und Features ist er regelmäßig für die ARD, das ZDF und Arte tätig. Außerdem wirkte er in zahlreichen Hörspiel- und Hörbuchproduktionen mit. Zuletzt erschien u.a. das Hörbuch „Die Natur der Zukunft“.

Letzte Änderung: 20.02.2022  |  Erstellt am: 20.02.2022

Marina Zwetajewa
Boris Pasternak

Salon kontrovers: Briefe – schreiben und lesen

„Sie sind jetzt mein liebster russischer Dichter“
Briefwechsel zwischen Marina Zwetajewa und Boris Pasternak

Donnerstag, 24. Februar 2022
19.30 Uhr

Gelesen von Paula Hans und Moritz Pliquet
Konzeption: Hanne Kulessa
Einführung: Thedel von Wallmoden, Verleger des Wallstein Verlags

Frankfurter Bürgerstiftung im Holzhausenschlößchen
Justinianstraße 5
60322 Frankfurt am Main

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