Christa von Schnitzler zum 100. Geburtstag

Christa von Schnitzler zum 100. Geburtstag

Ausstellung im Frankfurter Institut für Stadtgeschichte / Karmeliterkloster
Christa von Schnitzler | © Margarete Zahn, Frankfurt am Main

Christa von Schnitzler (1922–2003) hat kontinuierlich menschliche Figuren geschaffen, trotz weitgehender Abstraktion. Auf frühe Skulpturen folgten informelle Plastiken und Torsi: hochabstrahierte Köpfe und Körper. Ihre formal durch radikale Einfachheit geprägten Stelen entstanden in Frankfurt, wo sie seit Mitte der 60er Jahre lebte und arbeitete - sie erscheinen nahezu körperlos und behaupten sich doch unverkennbar als menschliche Gestalten. Charakteristisch für die Skulpturen der Künstlerin wurde genau dieses „strenge Stehen“ im Raum. In Frankfurt hatte sie bereits in den 1940er Jahren an der Städelschule bei Toni Stadler studiert. Anlässlich des 100. Geburtstages der Bildhauerin widmet ihr das Institut für Stadtgeschichte eine Schau mit Skulpturen aus ihren wichtigsten Werkgruppen.

Die Bildhauerin Christa von Schnitzler hat sich in ihrem künstlerischen Werk mit der menschlichen Figur auseinandergesetzt. Die Reduzierung der Figur auf das Wesentliche wird erst allmählich, dann aber konsequent erreicht.

Von Schnitzler begann ihr Werk in den 1940er-Jahren, wobei die während der Studienjahre entstandenen Skulpturen noch stark dem Figürlichen im Sinne ihres Lehrers Toni Stadler verhaftet sind. Sie modellierte zunächst in Wachs. Ihre ersten eigenständigen Skulpturen entwickelte sie aus hohlen Formen, bei denen sie zuerst eine Form in Ton drückte, die sie dann mit Wachs auspinselte. Von diesen informellen Arbeiten verläuft die Entwicklung über Torsi und Fragmente, die in Bronze – seltener in Eisen oder Kunststoff – gegossen wurden, zu den für sie heute typischen, völlig abstrahierten Stelen aus Holz, einem Material, mit dem sie bis zuletzt bevorzugt arbeitete. Bei den Stelen handelt es sich um Christa von Schnitzlers größte Werkgruppe, der sie sich über 35 Jahre lang widmete. Dabei ging es ihr um das „strenge Stehen der Figur im Raum“. Die aufrechte, abstrakte Figur wurde zu ihrem Markenzeichen, und sie hinterließ der Nachwelt damit ein bedeutendes bildhauerisches Œuvre.

Ein weiterer wichtiger Impuls für ihr Schaffen ging von der Zusammenarbeit mit ihrem Mann aus. Christa von Schnitzler, die aus einer wohlhabenden, einflussreichen Familie stammte, lernte den jüngeren, eigenwilligen Michael Croissant in der Klasse von Toni Stadler in München kennen, als sie schon viele Jahre dessen Schülerin war. Croissants Karriere setzte etwas später ein als ihre; 1968 trat er zudem eine Professur für Bildhauerei an der Frankfurter Städelschule an. In den frühen gemeinsamen Jahren, im Anschluss an die Studienzeit, modellierten Schnitzler und Croissant informell geprägte Plastiken, die einen eigenständigen Beitrag zur Bildhauerei der späten 1950er- und 1960er-Jahre leisteten. Neben dieser engen und wichtigen Zusammenarbeit waren sie natürlich auch Konkurrenten. In der Münchner Zeit entwickelte von Schnitzler eine mit Croissant sehr verwandte Formen- und Figurensprache, die sich in ihrem Hauptwerk vor allem in der bevorzugten Verwendung des Materials Holz von dessen Werken unterschied – wobei es ihr nicht um die künstlerische Qualität des Materials ging, es war lediglich Träger der Idee. Lenkte das Material zu sehr von dieser Idee ab, wurde es kurzerhand mit Farbe überdeckt. Trotz dieser radikalen Einfachheit im Arbeitsprozess zeugen ihre Werke von großer Sensibilität und Sicherheit der Künstlerin im Umgang mit ihrer Formensprache.

Christa von Schnitzler: Stele in der Frankfurter Sandgasse (im Hintergrund eine Skulptur von Hans Steinbrenner) | © Foto: Wolfgang Günzel, Offenbach am Main

Ab den späten 1960er-Jahren entwickelte Christa von Schnitzler die Werkgruppe der sogenannten Stelen, mit denen sie den höchsten Bekanntheitsgrad erreichte. Sie fertigte sie aus Holz, manche wurden auch in Bronze oder Eisen gegossen. Zentrales Thema ihres Schaffens wurde die stilisierte Darstellung der aufrecht stehenden, menschlichen Figur, mit der sie sich fortan intensiv auseinandersetzte.

Anfang 1984 lernten sich Christa von Schnitzler und Gisela Nietmann kennen, woraus sich eine Zusammenarbeit entwickelte. Laut eigenen Aussagen war das Arbeiten mit anderen zusammen vor dem Objekt für Schnitzler ganz selbstverständlich. Und nachdem Michael Croissant in das Haus bei München zurückgekehrt war, intensivierte sich die Zusammenarbeit mit Gisela Nietmann. Beide verband das Streben nach Reduktion auf das Wesentliche – auf unterschiedliche Art und Weise. Anfangs arbeiteten beide immer gleichzeitig an einem Werk, später nebeneinander an verschiedenen, gemeinsam konzipierten Figuren.

Im Jahr 1993 wurden schon einmal Skulpturen von Christa von Schnitzler in einer Ausstellung im Karmeliterkloster gezeigt, die damals ausgestellten Stelen waren in Zusammenarbeit mit Gisela Nietmann entstanden. Auch im Jahr 2022 kann wieder nur ein kleiner Teil des Gesamtwerkes Christa von Schnitzlers gezeigt werden. Zum 100. Geburtstag der Künstlerin soll die neu erscheinende Publikation allerdings einen größeren Teil des Œuvres abbilden und somit wieder zugänglich machen, verbunden mit dem Wunsch, das Werk der Künstlerin neu zu entdecken.

Letzte Änderung: 27.06.2022  |  Erstellt am: 01.06.2022

Christa von Schnitzler | © Foto: Ursula Seitz-Gray, Institut für Stadtgeschichte, Ffm. (Sign. S7P Nr. 17360).

Mit Köpfen und Körpern:
Christa von Schnitzler zum 100. Geburtstag

Institut für Stadtgeschichte
Frankfurt am Main
Karmeliterkloster, Kreuzgang und Garten
https://www.stadtgeschichte-ffm.de/

Dauer der Ausstellung:
13.7.2022 – 30.4.2023
Ausstellungseröffnung: 12.7.2022
Eintritt frei

Anmeldungen unter:
https://pretix.eu/isgfrankfurt/schnitzler/

Führungen:
23.7.2022, 15 Uhr
22.10.2022, 15 Uhr
28.1.2023, 15 Uhr
29.4.2023, 15 Uhr

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