Die Politik der Luftverschmutzung: Die ungewisse Zukunft der Luftqualität in den USA
Ein neuer Bericht warnt davor, dass nahezu die Hälfte aller amerikanischen Kinder Luft einatmet, die geltende Grenzwerte überschreitet – während aggressive politische Rückschritte drohen, jahrzehntelange Fortschritte zunichtezumachen.
In den USA leben laut einem neuen Bericht der American Lung Association 46 % der unter 18-Jährigen in Bezirken, die mindestens einen Luftqualitätsstandard nicht erfüllen.
Der am 21. April veröffentlichte 27. „State of the Air“-Bericht ist die jährliche Bewertung der Luftqualität in den Vereinigten Staaten und der damit verbundenen Gesundheitsrisiken. Im Mittelpunkt stehen zwei der schädlichsten und am weitesten verbreiteten Schadstoffe: bodennahes Ozon (auch als Smog bekannt) sowie Feinstaubpartikel. Auf Grundlage qualitätsgesicherter Daten aus den Jahren 2022 bis 2024 bewertet die Analyse die Luftqualität nach Regionen und erstellt ein Ranking von Städten und Bezirken in den gesamten USA.
Trotz jahrzehntelanger Luftreinhaltevorschriften zeigt der Bericht, dass noch immer 152,3 Millionen Menschen – also 44 % der US-Bevölkerung – in Gebieten mit gesundheitsschädlichen Ozon- oder Feinstaubwerten leben. Kinder sind davon überproportional betroffen: Rund 33,5 Millionen leben in Bezirken, die mindestens einen Luftqualitätsstandard verfehlen, während mehr als sieben Millionen in Regionen leben, die bei allen drei Standards durchfallen.
Insgesamt zeichnen die Ergebnisse das Bild eines Landes, in dem Fortschritte bei der Luftqualität ungleich verteilt sind und zunehmend unter Druck geraten. Langfristige Verbesserungen konnten sich vielerorts nicht dauerhaft festigen, während klimabedingte Extremereignisse und ein sich wandelndes politisches Umfeld beginnen, die Grundlagen früherer Fortschritte auf die Probe zu stellen – und in manchen Fällen sogar rückgängig zu machen.
„Saubere Luft ist nichts, das wir als selbstverständlich ansehen können. Sie erfordert kontinuierliche Anstrengungen“, sagte Harold Zimmer, Präsident und CEO der American Lung Association. „Kinder brauchen saubere Luft, um zu wachsen und zu spielen, und Gemeinschaften brauchen saubere Luft, um sich entfalten zu können“, fuhr er fort und forderte politische Entscheidungsträger:innen „auf allen Ebenen“ dazu auf, „Maßnahmen zur Verbesserung und zum Schutz der Luftqualität in den USA zu ergreifen“.
Ozonwerte steigen wieder, während die Feinstaubbelastung leicht zurückgeht
Der Bericht nennt bodennahes Ozon als den am weitesten verbreiteten Luftschadstoff, der die öffentliche Gesundheit in den Vereinigten Staaten beeinträchtigt. Zwischen 2022 und 2024 waren rund 129,1 Millionen Menschen – 38 % der Bevölkerung – Ozonwerten ausgesetzt, die als gesundheitlich bedenklich gelten. Das ist der höchste Wert seit sechs Jahren und ein Anstieg um 3,9 Millionen gegenüber dem Vorjahr. Nach mehr als 55 Jahren stetiger Fortschritte, die durch die Vorgaben des Clean Air Act vorangetrieben wurden, weisen die „State of the Air“-Berichte 2025 und 2026 auf eine deutliche Trendwende hin. Sie zeigt, wie fragil frühere Verbesserungen angesichts veränderter Klimabedingungen bleiben.
Im Gegensatz dazu zeigt die Belastung durch Feinstaub zuletzt eine gewisse Verbesserung. Dem Bericht zufolge sind 75,9 Millionen Menschen ganzjährig Feinstaubwerten ausgesetzt, die die nationalen Standards nicht erfüllen – 9,1 Millionen weniger als im Vorjahr. Dennoch bleibt dies der dritthöchste Wert seit Beginn der Erhebungen.

Die gesundheitlichen Folgen verschmutzter Luft und die ungleiche Verteilung der Belastung
Ozon- und Feinstaubbelastung werden mit einer Reihe negativer gesundheitlicher Folgen in Verbindung gebracht. Ozon reizt die Atemwege, verschlimmert Asthma, verringert die Lungenfunktion und erhöht die Zahl der Krankenhauseinweisungen.
Feinstaubpartikel können in den Blutkreislauf gelangen und stehen dort im Zusammenhang mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, darunter Herzinfarkte und Schlaganfälle, ebenso wie mit Lungenkrebs und sogar vorzeitigen Todesfällen.
Kinder sind besonders anfällig für Luftverschmutzung, weil sich ihre Lungen noch in der Entwicklung befinden, sie im Verhältnis zu ihrer Körpergröße mehr Luft einatmen und häufiger der Außenluft ausgesetzt sind. Eine Belastung in frühen Lebensjahren wird mit vermindertem Lungenwachstum, dem Auftreten von Asthma und höheren Raten von Atemwegserkrankungen in Verbindung gebracht. Studien verweisen zudem auf längerfristige Folgen, darunter eine beeinträchtigte kognitive Entwicklung.
Auch ältere Menschen und Personen mit Vorerkrankungen wie Asthma, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Lungenkrebs sind ähnlich erhöhten Risiken ausgesetzt.
Die Belastung durch gesundheitsschädliche Luft ist keineswegs gleich verteilt. People of Color leben mehr als doppelt so häufig wie weiße Bevölkerungsgruppen in Gebieten, die bei allen drei Verschmutzungskennzahlen durchfallen; hispanische Gemeinschaften sind sogar einem mehr als dreifach erhöhten Risiko ausgesetzt. Dieselben Gemeinschaften haben zudem häufiger Vorerkrankungen, die ihre Anfälligkeit gegenüber Luftverschmutzung erhöhen.
Waldbrände und Klimawandel treiben die Luftverschmutzung voran
Extreme Hitze, Dürre und Waldbrände treiben in weiten Teilen der USA die Schadstoffbelastung in die Höhe und erhöhen die Exposition gegenüber gesundheitsschädlichem Ozon. Die am stärksten betroffenen Regionen reichen vom Südwesten, einschließlich Kalifornien und Texas, bis in große Teile des Mittleren Westens. Die kanadischen Waldbrände im Jahr 2023 spielten dabei eine bedeutende Rolle: Sie trugen ozonbildende Schadstoffe („Vorläuferemissionen“) über die Grenzen hinweg, während hohe Temperaturen und windstille Wetterlagen ideale Bedingungen für die Bildung von Ozon schufen.
Der Klimawandel wird als ein weiterer zentraler Treiber genannt, da er Waldbrandaktivitäten verstärkt und heißere, langsamere atmosphärische Bedingungen schafft, unter denen sich Schadstoffe ansammeln können.
Der Bericht weist außerdem auf das rasante Wachstum von Rechenzentren als aufkommendes Problem hin. Diese machen bereits etwa 4,4 % des US-amerikanischen Stromverbrauchs aus – ein Anteil, der bis 2028 stark steigen könnte, wenn die Nachfrage nach KI-Infrastruktur weiter wächst.

Politische Rückschritte bedrohen Fortschritte bei sauberer Luft
Mehr als fünf Jahrzehnte lang hat der Clean Air Act erhebliche Rückgänge der Verschmutzung durch Verkehr, Stromerzeugung, Gebäude und Industrie bewirkt. Dieser Kurs gerät nun unter Druck: Maßnahmen der Trump-Regierung auf Bundesebene schwächen, verzögern oder nehmen eine Reihe seit Langem bestehender Luftqualitätsstandards zurück. Dazu gehören die Aufhebung von Grenzwerten für Quecksilber und andere giftige Luftschadstoffe aus Kohlekraftwerken sowie Schritte, die Zuständigkeit der EPA bei der Bekämpfung des Klimawandels einzuschränken.
Weitere Änderungen haben die Kontrollen ozonbildender Emissionen abgeschwächt, zulässige Verschmutzungswerte im Öl- und Gassektor erhöht, Standards für saubere Fahrzeuge und Effizienzvorgaben aufgehoben sowie Ausnahmen von Vorschriften zu giftigen Luftschadstoffen ausgeweitet.
Gleichzeitig ist die EPA von ihrer langjährigen Praxis abgerückt, den gesundheitlichen und wirtschaftlichen Nutzen von Umweltvorschriften zu beziffern. In Kosten-Nutzen-Analysen wird geretteten Menschenleben oder verhinderten Erkrankungen kein monetärer Wert mehr zugewiesen.
Zusammengenommen markieren diese Entwicklungen einen deutlichen Bruch mit der politischen Ausrichtung der vergangenen Jahrzehnte und untergraben die Bemühungen, die Ozon- und Feinstaubbelastung landesweit zu senken. Wie Wimmer es formuliert: „Jetzt wäre der Zeitpunkt, die Standards zur Luftreinhaltung zu verschärfen – doch die EPA tut das Gegenteil.“
Ein Wendepunkt für die Luftqualität in den USA
Der „State of the Air“-Bericht 2026 erscheint zu einem kritischen Zeitpunkt. Die jahrzehntelangen Fortschritte bei der Verringerung der Luftverschmutzung sind real, aber ungleich verteilt – und zunehmend gefährdet. Verbesserungen, die einst dauerhaft schienen, werden nun auf die Probe gestellt. In einem Moment, in dem stärkere Schutzmaßnahmen nötig wären, bewegt sich die Politik in die entgegengesetzte Richtung und schwächt jene Regulierungssysteme, die die öffentliche Gesundheit schützen und die Belastung durch schädliche Luft begrenzen sollen.
Der Bericht endet mit einer eindringlichen Botschaft an die Regulierungsbehörden: „Die EPA darf den Nutzen, tödliche Schadstoffe aus der Atemluft von Kindern zu entfernen, nicht entwerten.“ Oder einfacher gesagt: „Die Gesundheit unserer Kinder zählt.“
Letzte Änderung: 11.05.2026 | Erstellt am: 11.05.2026
Den Originalartikel von Eve Coiley finden Sie hier beim IMPAKTER Magazine.
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