Fachsymposium POLICING RACISM

Fachsymposium POLICING RACISM

Veranstaltung an der Goethe-Universität

Wie sich (strukturellem) Rassismus in der Polizei effektiv begegnen lässt, ist Thema einer Veranstaltung an der Goethe-Universität. Das Fachsymposium „Policing Racism“ wird von der Bildungsstätte Anne Frank in Kooperation mit der Professur für Kriminologie und Strafrecht der Goethe-Universität im Rahmen des Projektes „Gemeinsam stark im Amt“ veranstaltet. Das Projekt wird von der Bundeszentrale für politische Bildung gefördert.

Von rechten Chat-Gruppen bis zu „Racial Profiling“ – in den letzten Jahren ist eine große Anzahl rassistischer Vorfälle bei der Polizei öffentlich geworden. Dazu kommen immer wieder Fälle tödlicher Polizeigewalt, in denen überproportional häufig marginalisierte Menschen in psychischen Ausnahmesituationen ums Leben kommen – aktuell läuft etwa in Dortmund der Strafprozess gegen fünf Polizist*innen zum Fall des 2022 erschossenen Jugendlichen Mouhamed Dramé und in Mannheim stehen derweil zwei Polizisten wegen eines in Folge eines Polizeieinsatzes erstickten Psychiatriepatienten vor Gericht. Erst Anfang Januar starb zudem ein junger Schwarzer Mann in einer Geflüchtetenunterkunft in Mühlheim an der Ruhr nach einem Taser-Einsatz der Polizei, die genauen Todesumstände sind noch nicht geklärt.
Alles nur „Einzelfälle“? Die wissenschaftliche Forschung belegt, dass auch über diese skandalisierten Ereignisse hinaus rassistische und antidemokratische Einstellungen innerhalb der Polizei weit verbreitet sind. Diverse Studien machen deutlich, dass sowohl die Arbeitsbedingungen und Gruppendynamiken als auch die institutionelle Kultur als solche die Entstehung rassistischer Einstellungen bei der Polizei begünstigen können.
Die Bildungsstätte Anne Frank arbeitet deshalb seit Jahren aktiv mit Polizei und Sicherheitsbehörden zusammen: „Wir wollen bewusst jene Kräfte in den Behörden stärken, die bereits ein Problembewusstsein haben und die Institution Polizei von innen heraus gegen menschen- und demokratiefeindliche Haltungen stärken wollen – hier arbeiten wir sowohl mit Führungskräften als auch mit normalen Einsatzkräften zusammen“, erläutert Nicole Broder, pädagogische Leiterin der Bildungsstätte Anne Frank. „Neben vielen positiven Begegnungen, erleben wir in unseren Fortbildungen leider auch viel Abwehr dagegen, Rassismus und Antisemitismus als Probleme der eigenen Institution anzuerkennen, die über sogenannte Einzelfälle hinausgehen. Der Diensteid aufs Grundgesetz und polizeiliches Rechtsstaatsbewusstsein allein schützen aber nicht vor oftmals auch unbewusstem rassistischem und antisemitischem Gedankengut und diskriminierendem Verhalten – die sind in der ganzen Bevölkerung weit verbreitet und Studien zeigen, dass beispielsweise muslimfeindliche Einstellungen innerhalb der Polizei sogar überproportional häufig sind. Vertieftes Wissen über die Erscheinungsformen von Rassismus und Antisemitismus muss deshalb verpflichtender Bestandteil der Polizei-Ausbildung werden – einzelne Seminare reichen nicht aus, wenn der politische Wille für nachhaltige Veränderungen nicht vorhanden ist.“ Denn der verbreitete Korpsgeist in der Polizei und die Sorge, als Nestbeschmutzer*innen zu gelten, verhindere oftmals, dass jene Polizist*innen, denen problematisches Verhalten auffalle, aktiv dagegen vorgingen, so Broder weiter. „Beim Umgang mit Rassismus in den eigenen Reihen hat die Polizei noch einen weiten Weg vor sich, für den konkrete Schritte und Perspektiven entwickelt werden müssen“, folgert auch Prof. Dr. Tobias Singelnstein, Kriminologe und Strafrechtler, der seit Jahren zu Rassismus im Polizeiapparat, sowie zu übermäßiger polizeilicher Gewaltanwendung und ihrer Aufarbeitung forscht. Als Mitausrichter des Fachsymposiums wird er dieses nach einem Grußwort von Dr. Deborah Schnabel, Direktorin der Bildungsstätte Anne Frank, durch eine Keynote eröffnen.
Zu den Referent*innen einer anschließenden Podiumsdiskussion zählen neben der pädagogischen Leiterin der Bildungsstätte, Nicole Broder, die im Rahmen des Frankfurter Polizeiskandals vom selbsternannten NSU 2.0 bedrohte Rechtsanwältin Seda Başay-Yıldız, der Antirassismustrainer Abdou-Rahime Diallo (Diaspora Policy Interaction), Peter Römer (stellvertretender Leiter des Geschichtsorts Villa ten Hompel) und Julian Junk von der Forschungsstelle Extremismusresilienz der Hessischen Hochschule für öffentliches Management und Sicherheit. Die Journalistin Aida Baghernejad moderiert das Fachsymposium, das sich an eine Fachöffentlichkeit aus der Bildungspraxis, Wissenschaft und Forschung, von Betroffenenberatungsstellen sowie insbesondere auch an Mitarbeitende aus Sicherheitsbehörden unterschiedlicher Zuständigkeitsbereiche richtet.
Gemeinsam mit den Teilnehmenden soll kritisch und lösungsorientiert diskutiert werden, wie sich Rassismus und Antisemitismus in der Polizei effektiv adressieren lassen, welche Reformmöglichkeiten und Maßnahmen es bereits gibt – und welche davon politisch überhaupt gewollt sind.

Zeitplan und Programm:

11:00 Uhr
Eröffnung des Fachsymposiums durch Dr. Deborah Schnabel, Direktorin der Bildungsstätte Anne Frank, mit anschließender Keynote von Prof. Dr. Tobias Singelnstein (Professur für Kriminologie und Strafrecht, Goethe Universität Frankfurt)

12:30 Uhr
Gemeinsames Mittagessen

13:30 Uhr
Podiumsdiskussion mit: Nicole Broder (Leitung politische Bildung, Bildungsstätte Anne Frank), Seda Başay-Yıldız (Rechtsanwältin), Abdou-Rahime Diallo (Diaspora Policy Interaction), Peter Römer (Geschichtsort Villa ten Hompel) und Julian Junk (Forschungsstelle Extremismusresilienz der Hessischen Hochschule für öffentliches Management und Sicherheit)

15:00 Uhr
Raum für Fragen/Beiträge aus dem Publikum und Abschluss

16:00 Uhr
Möglichkeit zum Austausch und zur Vernetzung

Letzte Änderung: 22.01.2024  |  Erstellt am: 22.01.2024

Fachsymposium POLICING RACISM

Mittwoch, 24. Januar 2024

Goethe-Universität Frankfurt am Main
Raum Cas 823 im Casino
Theodor-W.-Adorno-Platz 2
Frankfurt am Main

https://www.bs-anne-frank.de/ueber-uns/projekte/gemeinsam-stark-im-amt

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