Zehn Fragen an Elvira M. Gross

Was steht außer dem Computer, der Schreibmaschine, dem Schreibblock oder dem Diktiergeräte noch auf Ihrem Schreibtisch?

Elvira M. Gross: Eine alte Portiersklingel, die ich in Izola am Flohmarkt erstanden habe. Eine Tasse Tee. Ein paar Bücher, Zettel und Briefe. Tears-again-Augenspray.

Was tun Sie am liebsten, wenn Sie nicht schreiben?

Lesen, laufen, schwimmen, kochen, die Vögel beobachten.

Gibt es ein Heilmittel gegen Schreibblockaden?

Nein, nur Schreiben. Lesen vielleicht. Musik. Aufräumen. Gehen.

Wo sammeln Sie Ideen für Ihre Texte?

In Gesprächen, Selbstgesprächen, im Zufall. Vermutlich vergesse ich mehr, als ich sammle.

Welche fünf Bücher möchten Sie nicht missen in Ihrer Bibliothek?

Valéry Monsieur Teste („Das Universum existiert nur auf dem Papier“), Camus L‘Étranger, Büchner Lenz, Nietzsche Also sprach Zarathustra, Bernhard Auslöschung, Bachmann Malina, Kierkegaard Die Krankheit zum Tode, Dostojewski Schuld und Sühne, Proust À la recherche du temps perdu, Hölderlin Hyperion, Kafka Tagebücher.

Welches Buch oder welchen Autor oder welche Autorin können Sie nicht ausstehen?

Da gibt es wohl einige. Von den gepriesenen Büchern zuletzt Herkunft von Saša Stanišić, da ging es mir ähnlich wie mit Die Hauptstadt von Robert Menasse. Für meinen Geschmack zu aufdringlich in Sprache, Form und Intention.

Welchen Autor oder welche Autorin beneiden Sie und warum?

Beneiden eher nicht … vielmehr bewundern: Thomas Bernhard. Weil sein Denken, seine Sprache aus der Musik geboren ist, er in ihr auslotet, was der Mensch ist, als Möglichkeit, Unmöglichkeit, sprachlich wie räumlich aufs äußerste konzentriert.

Wer oder was hat Sie zum Schreiben gezwungen?

Das Lesen, das Leben, zwanghaftes Freiheitsdenken (l‘absurde).

Kann Bildende Kunst zum Schreiben anregen – wenn ja, an welche Künstler oder Künstlerin denken Sie dabei?

So vieles kann anregen, sofern es anzieht, gleichzeitig Widerstand bietet. Studieren von Komposition und Wirkung. Ich denke hier an: Bosch, Bruegel, Goya, Tintoretto, Tizian, Botticelli, Caravaggio, Velázquez, Vermeer, Caspar David Friedrich, Delacroix, Balthus, Edward Hopper, Millet, Picasso, Dali, Matisse, Magritte, Schiele, Maria Lassnig.

Mit welcher Autorin oder mit welchem Autor würden Sie gerne einen trinken gehen?

Mit Patrick Modiano in Paris.

Siehe auch:

Faust-Redaktion

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erstellt am 22.3.2020

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Elvira M. Gross

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