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Eine ganze Reihe russischer Pianisten bewährt sich auf interessante Weise an Sergej Rachmaninows Klavierkonzerten und Soloklavierstücken. Nun hat der in Israel lebende Boris Giltburg Rachmaninows Préludes eingespielt. Thomas Rothschild stellt die Aufnahme vor.

Klassik-CD

Jenseits von Routine

Für russische Pianisten ist Rachmaninow der Prüfstein, wie es Chopin für polnische und Bartók für ungarische Pianisten ist. Zurzeit scheinen sich die russischen Virtuosen der jüngeren Generation einen Wettbewerb zu liefern. Wer darf den Anspruch stellen, sich als der führende Rachmaninow-Interpret zu vermarkten? Im Grunde ist das eine idiotische Frage, deren Antwort lediglich für die Plattenfirmen von Interesse ist. Tatsache ist, dass eine ganze Reihe von Pianisten sich auf interessante Weise an Rachmaninow bewährt, und zwar an seinen Klavierkonzerten ebenso wie an seinen Soloklavierstücken, darunter insbesondere den Préludes. Der in Israel lebende, mehrfach preisgekrönte Boris Giltburg ist einer von ihnen.

Eröffnet wird die CD mit dem berühmten Prélude cis-Moll op. 3 Nr. 2 aus den „Morceaux de fantaisie“. Darauf folgen die kompletten Zyklen der 10 bzw. 13 Préludes von op. 23 und op. 32, die man wegen ihrer systematischen Durchschreitung sämtlicher Dur- und Molltonarten trotz der zeitlichen Distanz ihrer Entstehung als einen einzigen Zyklus betrachten kenn. Das cis-Moll Prélude spielt Giltburg eher heiter bewegt als auftrumpfend dramatisch. Damit gibt er seinen Stil für die folgenden Préludes von op. 23 vor. Er spielt sie als graziöse Miniaturen, vorwiegend verhalten und abwechselnd in sich gekehrt und tänzerisch. Von dem forcierten Gepräge, den manche Pianisten bei Rachmaninow entdecken, bleibt kaum etwas. Bei Giltburg verweist Rachmaninow zurück auf Chopin und dessen Vorläufer, wirkt er eher elegant als expressiv. Obgleich ein Prélude von einem Bild Arnold Böcklins inspiriert ist – Giltburg geht darauf im Text des Beihefts ausführlich ein –, ist die Düsternis von Böcklins „Toteninsel“, die Rachmaninow „vertont“ hat, doch weit entfernt.

Den zweiten Zyklus von 1910 spielt Giltburg kraftvoller, mit schärferen Kontrasten zwischen den einzelnen Préludes und unter Betonung ihres moderneren Charakters. Routine jedenfalls ist seine Sache nicht.

Boris Giltburg spielt Rachmaninows Préludes (London, 2013)

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erstellt am 08.5.2019

Boris Giltburg
Rachmaninow: 24 Préludes
CD
Naxos 8.574025

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