Unter den politischen Kulturzeitschriften Italiens, die in Deutschland nicht erhältlich sind, ist eine mit einem besonderen Profil bemerkenswert: MicroMega, Zeitschrift für Philosophie, Politik, Kultur und Wissenschaft. Bernd Leukert sprach mit der Redakteurin Cinzia Sciuto über ihre Arbeit und die Ausrichtung der Zeitschrift.

Cinzia Sciuto im Gespräch über die Zeitschrift MicroMega

Immer Partisan

Bernd Leukert: Eines dieser Themenhefte über Camilleri habe ich in einer Buchhandlung des Vatikan gefunden. MicroMega ist laizistisch ausgerichtet. Wie ist die Position von MicroMega gegenüber der Kirche?

Cinzia Sciuto: MicroMega hat eine klare laizistische Ausrichtung. Die Kirche ist eine Macht. Wir denken, dass Kirche und Staat ganz getrennt gehören und dass sich die Kirche aus politischen Entscheidungen heraushalten muss. In Italien hat die Kirche sehr viel Macht über die Politik. MicroMega kämpft für die Unabhängigkeit der Politik von der Kirche. Aber MicroMega ist nicht nur laizistisch, sondern hat sozusagen auch eine atheistische Seele.

Nun muss der Laizismus nicht unbedingt antiklerikal sein.

Atheismus und Antiklerikalismus sind nicht das gleiche. Laizismus muss nicht unbedingt atheistisch sein, aber in gewissem Sinne antiklerikal schon. Denn der Klerus ist eine Struktur der Macht, die immer noch in der Politik intervenieren möchte. Natürlich, wenn der Klerus nur bei den Gläubigen bleibt, ist das für die Ungläubigen völlig egal. Aber der Kern des Klerus ist eine Machtstruktur, von der immer der Bereitschaft ausgeht, in den Staat einzugreifen. Das gilt für alle Religionen. Sie versuchen immer, ihre moralischen und religiösen Ansichten zu sozialen und politischen Normen zu machen. Es gibt zwei verschiedene Ebenen. Die Laizität hat mit der Beziehung von Staat und Kirche zu tun und mit der Rolle des Staates gegenüber den Religionen, den verschiedenen Gemeinschaften und gegenüber den Individuen im Staat. Eine andere Ebene – und MicroMega vertritt darin eine starke Position – ist die Frage, was heißt religiöses Denken in unserer Zeit? Zum Beispiel: Ist die Religion wirklich mit der Demokratie kompatibel? Tatsächlich sieht es so aus, als ob die Religionen kompatibel sind. Aber wenn wir an den Kern gehen, sehen wir, dass die Religionen sehr dogmatische Auffassungen vertreten, die mit der Demokratie in Einklang zu bringen sehr schwierig ist.
Dann gibt es noch eine andere Ebene, auf der zu fragen ist: Was bedeutet religiöses Denken gegenüber der Wissenschaft? MicroMega ist eine rationalistische Zeitschrift, die sich sehr für die Wissenschaften engagiert. Wir machen jedes Jahr einen „Almanacco della scienza“, also ein Heft nur über wissenschaftliche Themen, das eine der bekanntesten Publikationen ist, also am besten verkauft wird. Ist religiöses Denken kompatibel mit einer rationalistischen und wissenschaftlichen Weltanschauung? Wenn wir mit einer wissenschaftlichen Untersuchung befasst sind, wissen wir nicht, welche Ergebnisse daraus hervorgehen. Das wissenschaftliche Denken muss offen sein für alle möglichen Ergebnisse, die wir bekommen. Doch religiöses Denken hat immer ein Vor-Ergebnis. – Aber wir streiten gern darüber. Wir veröffentlichen oft Gespräche zwischen laizistischen und rationalistischen, atheistischen Leuten mit Bischöfen und Priestern. Wir lieben den philosophisch-theologischen Dialog. Unser Chefredakteur, Paolo Flores d’Arcais, hat letztes Jahr an einer Veranstaltung mit Domenico Mogavero, Bischof in Sizilien, unter dem Titel „Brauchen wir noch Gott?“ teilgenommen. Vor längerer Zeit hat Paolo Flores d’Arcais auch ein Gespräch mit Joseph Ratzinger geführt, bevor er Papst wurde, natürlich. Für solche Dialoge bleiben wir immer offen.

Die Themen bei MicroMega sind auch sonst sehr weit gestreut. Wie kommen sie zustande?

Wir treffen uns und überlegen, worüber wir schreiben könnten. Natürlich hat der Chefredakteur seine eigene Vorstellung und er macht, wie wir auch, seine Vorschläge. Normalerweise haben unsere Themen irgendwie einen Bezug zur Aktualität, aber nicht in dem Sinne, dass wir uns an das, was gestern oder heute passiert ist, hängen. Zum Beispiel wird in den Heften zur Legalität diskutiert, was heißt das, dass wir die Gesetze respektieren müssen in dem Fall, wenn ein Gesetz ungerecht ist? Was ist dann zu tun? – Das hatte mit dem Fall in Riace zu tun. Riace ist ein kleines Dorf in Kalabrien, wo der Bürgermeister ein sehr gutes Projekt für die Migranten auf die Beine gestellt hat. Das hat lange Jahre sehr gut funktioniert. Der Bürgermeister wurde nun vor Gericht gebracht wegen einiger ungeklärter Mängel. Der Prozess läuft noch. Das Problem ist, wir haben Gesetze, die widersprüchlich sind, und es ist sehr schwer, unsere Grundgesetz und die Menschenrechte mit diesen Gesetzen zu vereinbaren. Die Frage war also nicht, ob er im Recht ist oder nicht. Das wissen wir nicht. Wir warten auf das Ergebnis des Prozesses. Aber das Rechtssystem unterliegt einer Hierarchie: das Grundgesetz ist unsere Grundnorm. Und was passiert, wenn einige Gesetze gegen das Grundgesetz verstoßen? Natürlich es gibt die Corte costituzionale (Verfassungsgerichtshof), die dafür zuständig ist. Aber es gibt immer wieder unklare Rechtsräume, in denen die Bürgermeister Entscheidungen treffen müssen. Mit solchen komplexen Themen beschäftigen wir uns aus politischer und philosophischer Perspektive.

Die Thematik in MicroMega geht oft ins Allgemeine, wie bei der „Politischen Korrektheit“, – die ein Problem sein kann, wenn sich die politische Korrektheit gegen die Vernunft richtet, weil sie in einer Anpassung besteht. Das sind viele grundsätzliche Themen, die bei uns oft modisch oder auf Skandale ausgerichtet abgehandelt werden. Sie sind Philosophin, Paolo Flores d’Arcais ist Philosoph. Eine Publikumszeitschrift, die von Philosophen geleitet wird, gibt es bei uns nicht. Hat das Fach einen Einfluss darauf, das solche grundsätzlichen, uns alle interessierenden Themen im Heft abgehandelt werden?

Eines der Merkmale von MicroMega ist, dass wir aus der Akademie rausgehen. Denn wir sind überzeugt davon, dass die Intellektuellen eine wichtige Rolle in der Demokratie spielen sollten. Aber sie treten immer weniger in Erscheinung. Und gerade jetzt ist das ein Problem für uns, Leute zu finden, die große Intellektuelle sind, aber keine Akademiker. Es ist immer schwieriger geworden. Im letzten Jahrhundert war die Figur des Intellektuellen sehr bekannt. Und es gab viele, die zwar einen akademischen Hintergrund hatten, aber sich sehr offen in der öffentlichen Debatte engagiert haben. Für uns ist wirklich das wichtigste, immer Partisan zu sein, immer auf einer Seite zu sein, auch wenn wir dann mit Leuten sprechen, die von einer anderen Seite kommen.
Die Antwort auf Ihre Frage ist: Wir glauben, dass die Philosophie oder die intellektuelle Arbeit der Gesellschaft helfen kann, Themen auf den Tisch legen und einen Beitrag leisten kann, um diese Themen gründlich und grundsätzlich zu reflektieren. Unsere Zielgruppe sind nicht die Akademiker und Universitätszirkel, sondern Leute aus verschiedenen Bereichen, die sich als Bürger verstehen, also sich immer in politische, gesellschaftliche Angelegenheiten einmischen wollen.

Also das, was der Begriff des Politischen sagt. – Nun ist dieser Begriff bei uns ein wenig – um es salopp zu sagen – auf den Hund gekommen. Denn was in der Regierung und in den Parteien Politik heißt, beruht auf kaum verschleierten Hierarchien und Durchsetzungsprozessen Mächtiger. Man kann das in den Medien verfolgen, wenn Politiker uns etwas sagen, von dem sie selbst wissen, daß es nicht glaubhaft ist. Es ist ein dünner Firniss über den Machtstrukturen, die man überhaupt nicht demokratisch nennen kann. Nun stellt sich die Frage, ob das demokratische Prinzip wirklich auf alle Lebensgebiete anwendbar ist, etwa, was die Verantwortung in der Familie betrifft oder Intimität oder Religion. Eine demokratische Entscheidung für den einen Gott oder den anderen ist unsinnig. Das heißt, gibt es eine Vorstellung davon, wo demokratische Prinzipien wünschbar sind und welche Bereiche man vor diesem Zugriff schützen muss?

Wenn wir über Demokratie sprechen, dann meinen wir immer den öffentlichen Raum (l’agorà pubblica), also die sozialen Beziehungen zwischen den Menschen. Trotzdem finde ich, dass zumindest die demokratische Tendenz auf alle Bereiche ausstrahlen sollte. Denn – wenn Sie zum Beispiel die Familie nennen – wir haben über die Jahrhunderte in der Familie eine Entwicklung bemerkt, auch in den letzten Jahrzehnten, in denen wir in der Familie an Demokratie gewonnen haben. Und wenn ich von Demokratie spreche, meine ich nicht nur das Prinzip der Mehrheit. Das sollte zwar Element der Demokratie sein, aber das ist nicht die Demokratie, die wir heutzutage haben. Die ist nicht nur an Mehrheitsentscheidungen gebunden, sondern an die Garantie der Minderheiten und deren Grundeinheit: das Individuum. Und so haben wir in der Familie für die Rechte der Kinder viel gewonnen. Am Anfang des 19. Jahrhunderts hatten die Kinder gar keine Rechte. Sie waren Eigentum der Eltern, genauer: des Vaters. Seither haben wir viel für die Rechte der Kinder bekommen und der Frauen in der Familie. Deshalb würde ich nicht sagen, dass es Bereiche gibt, die vor dem demokratischen Prinzip geschützt werden müssen. Im Gegenteil: Das demokratische Prinzip in diesem Sinne, im Sinne der Garantie der Rechte der Individuen, muss mehr in alle Bereiche wirken. Auch in die Religion hinein! Ich denke, wie auch Norberto Bobbio, dass auch die Körperschaften (i corpi intermedi), die sich zwischen dem Individuum und dem Staat befinden – Gemeinschaften, Parteien, Vereine –, zunehmend demokratisch werden müssen. Wir können uns eine Partei nicht mehr vorstellen, die innerparteilich nach undemokratischen Regeln arbeitet.

Demokratie und Kunst? Der gesamte künstlerische Bereich müsste ja auch im Zentrum von MicroMega stehen. Wie greift das ineinander?

Das hängt davon ab, wovon wir sprechen. Demokratie und Kunst in dem Sinne, dass wir demokratisch entscheiden, was Kunst ist, das ist gar nicht sinnvoll. Aber trotzdem: Demokratische Bedingungen zu schaffen, um beispielsweise jungen Künstlern zu helfen, – oder zu verhindern, dass der Markt entscheidet, was Kunst ist oder nicht, das können wir. Oder sollten versuchen, das zu schaffen.

Ein wichtiges Thema von MicroMega ist die Philosophie. Es gibt ja auch eine eigene Sparte, Il rasoio di Occam, Ockhams Rasiermesser, in die viele unterschiedliche Positionen hereingeholt werden. Gibt es da eine Zielrichtung? Was will man mit der Philosophie?

Es gibt einen Unterschied zwischen der Online- und der Druckversion. Online haben wir ein viel breiteres Spektrum an Positionen. Die Zielrichtung aber ist: Der Mensch steht im Zentrum, der Mensch als materielles Sein, – nicht als metaphysische Erscheinung. Der Mensch ist Körper und Geist, also Verstand. Die geistige Dimension ist immer auch Teil der materialistischen Perspektive. Wir sind zum Beispiel sehr interessiert daran, was im Bereich der kognitiven Wissenschaften geschieht. Und wir sind sehr neugierig, wissenschaftlich zu verstehen, wie unser Denken arbeitet. Dabei stoßen wir auch immer wieder auf interessante Nebenergebnisse, etwa bei der Frage der Vererbung: ob nicht nur das, was unsere genetische Ausstattung angeht und in der DNA kodiert ist, sondern auch die Erfahrungen, die unsere Vorfahren und wir gemacht haben, an unsere Töchter und Söhne weitergegeben werden. Und wenn ja, wie? Das ist sehr interessant. Das heißt, deine Verantwortung für deine Kinder ist nicht nur in deiner DNA, was du nicht verhindern kannst. Etwas, was du in deinem Leben machst, kann an deine Kinder genetisch weitergegeben werden! Und wir sind sehr interessiert an dieser wissenschaftlichen Entwicklung.

In welchem Bereich arbeiten Sie als Philosophin?

Ich habe vor allem Politische Philosophie und Rechtsphilosophie studiert. Die Themen, die mich besonders interessieren, sind die Beziehungen zwischen Religion, Menschenrechten und Demokratie, der Kosmopolitismus und Frauenrechte. Immanuel Kant ist mein Referenzautor.

Aus welchen Fachrichtungen kommen denn die anderen Redaktionsmitglieder?

Wir haben einen anderen Philosophen, der ist Professor in Venedig und für die Reihe „Il rasoio di Occam“ zuständig. Dann gibt es noch einen Historiker und eine Politikwissenschaftlerin. Die Kernredaktion ist sehr klein. Ein Kollege kümmert sich fast nur um die website. Alles andere machen wir zusammen.

Ich habe das so aufgefasst, dass der Laizismus eine der programmatischen Hauptachse der Zeitschrift ist.

Das stimmt. Eine zweite ist sicher das Thema Legalität: Gerechtigkeit. MicroMega hat sich damit sehr klar in der Zeit der „Tangentopoli“, also in den 1990er Jahren, positioniert und ist vielleicht die einzige Zeitschrift, die das Thema permanent zur Sprache gebracht hat. Damals waren viele Zeitungen auf der Seite der Richter. Es gab auch viele Demonstrationen für die Richter. Dann aber haben viele die Position geändert. In Italien ist das Thema „Politik und Justiz“ immer präsent. MicroMega hat, vereinfacht ausgedrückt, ihre Unterstützung der Richter stets beibehalten. Politiker sein heißt nicht, außerhalb der Gesetze zu stehen. Zum Beispiel gibt es jetzt den Fall von Matteo Salvini, der wegen La nave ‘Diciotti’, dem Schiff der italienischen Küstenwache mit geretteten 177 Flüchtlingen, denen er etwa eine Woche lang die Aufnahme verweigerte, vor Gericht erscheinen sollte. Der Richter von Catania hatte Salvini wegen Menschenraubes angeklagt. Aber Salvini ist in der Regierung, und die Richter brauchen eine Vollmacht vom Parlament, um eine solche Anklage auch wirksam werden zu lassen. Viele Politiker wollen diese Vollmacht aber nicht erteilen, weil sie sagen, Politiker sollten ihre politische Verantwortung wahrnehmen, aber nicht von einem Gericht verurteilt werden. Wir sind der Meinung, es gibt Gesetze, die auch Politiker nicht ignorieren dürfen, und dafür sind Gerichte zuständig. Diese Position hat MicroMega immer vertreten. Deshalb hat man sie eine „giustizialista“ Zeitschrift bezeichnet. Der Hintergrund sind die langen Prozesse über drei Instanzen, die zehn oder fünfzehn Jahre dauern können. Die „garantisti“ argumentieren mit der von der Verfassung garantierten Unschuldsvermutung über die ganze Zeit hinweg. Die betroffenen Politiker können also unbesorgt weiter regieren. Die „giustizialisti“ aber sagen, wenn ein Politiker in einem wichtigen Fall, wie dem der Verletzung der Gesetze, angeklagt wird, gibt es eine politische Verantwortung, die vor der Entscheidung der letzten Gerichtsinstanz liegt. Wenn der Politiker so schwerwiegend angeklagt wird, muss er zurücktreten. Mag sein, dass er unschuldig ist. Aber es gibt Fälle, in denen die Schuld sehr klar ist. Rechtlich gilt die Unschuldsvermutung bis zuletzt. Aber wir sprechen hier über Politik! In Italien ist es sehr schwer, über solche Themen zu sprechen. Und MicroMega hat immer gefordert, Politiker müssen ehrenhaft und redlich sein. Das gehört zu den Themen, die MicroMega charakterisieren. Und wir werden uns in den nächsten Heften mit den Themen Mafia, Legalität, Korruption beschäftigen.

Zurück zum Thema Laizität: Wir sehen eine etwas widersprüchliche Entwicklungen in Italien. Italien war meines Wissens das erste Land, in dem katholische Kirchen an private Leute oder Firmen verkauft wurden, weil sie nicht mehr finanzierbar waren. Gottes Wohnungen wurden verkauft. Die Frage, die sich angesichts dieses mächtigen Vatikans mit seinem Einfluss auf das ganze Land, andererseits einer Armut – sonst würde man die Kirchen nicht verkaufen (vielleicht gibt es auch einen Priestermangel? Auch das kann sein.) – stellt, ist, welchen Einfluss eine solche anspruchsvolle Zeitschrift wie MicroMega hat, die sich den Laizismus auf die Fahnen geschrieben hat? Gibt es da ein Echo?

Leider wenig. Es hängt immer davon ab, in welcher Zeit wir uns befinden. Es gab wohl eine Zeit, in der diese Zeitschrift mehr Einfluss hatte, nämlich als Berlusconi der Regierungschef in Italien war. Das war unsere goldene Zeit, weil wir die einzigen waren, die die Prinzipien der Legalität und der Moralität verfochten haben. Es ist immer schwierig zu messen, wieviel Einfluss man mit einer solchen Zeitschrift hat.

Einfluss lässt sich vielleicht erspüren in den Reaktionen der Kollegen in den Tageszeitungen oder in anderen Medien, die Artikel in MicroMega für wichtig oder skandalös halten. Gibt es solche Reaktionen?

In der letzten Zeit immer weniger. Wir haben ein großes Publikum, insbesondere im Netz. Das unterscheidet sich aber sehr von dem, das MicroMega im Print liest. Das sind sehr verschiedene Typen von Leuten. Die, die die Zeitschrift in gedruckter Form lesen, sind homogener. Das sind gebildete Leute, die sich für die Politik engagieren, die links sind, die sich für den Laizismus einsetzen usw. Im Netz aber passiert alles. Im Netz beteiligen sich auch alle. Manche interessieren sich nur für eines dieser Themen, und es ist fast ein Zufall, dass sie dabei auf MicroMega stoßen. Es gibt natürlich auch Leute, die da immer noch dazukommen. Aber es ist schwieriger geworden. Das hat auch nicht unmittelbar etwas mit MicroMega zu tun, sondern mit der Rolle der Intellektuellen und der geistig Arbeitenden insgesamt.

Wie sieht denn Ihre Rolle bei MicroMega aus? Haben Sie ein Aufgabengebiet, das Sie betreuen?

Wenn ich schreibe, dann schreibe ich über meine Themen: den Laizismus, Frauenrechte, Zivilrechte und Demokratie. Als Redakteurin in MicroMega habe ich keinen Bereich, weil wir sehr wenige sind. Und wir kümmern uns eben um alles. Aber ich koordiniere die Redaktion. Ich habe also die Übersicht über das, was in der Redaktion geschieht.

Das ist doch eine zentrale Position!

Doch, ja. Zusammen mit meinen Kollegen, kümmere ich mich um die Autoren, sammle alle Artikel, lese und korrigiere alles. Ich bin also an dem ganzen Prozess beteiligt, von der Entscheidung für ein Thema bis zum Druck der Artikel. Und ich komme auch jedesmal zur Schlussredaktion nach Rom.

Das Gespräch führte Bernd Leukert

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erstellt am 16.3.2019

MicroMega, Umschlag der Ausgabe 1/2019
Umschlag der Ausgabe 1/2019

MicroMega, Zeitschrift für Philosophie, Politik, Kultur und Wissenschaft wurde, zusammen mit dem Ökonomen, Journalisten und Politiker Giorgio Ruffolo, 1986 von dem Philosophen Paolo Flores d’Arcais, gegründet und versteht sich als Forum linker Opposition. Sie erscheint zweimonatlich im Verlag der Gruppo Editoriale L’Espresso. Darüberhinaus werden Themenhefte, wie das über ‚Legalität und Ungehorsam’ oder ‚Gegen die politische Korrektheit’, veröffentlicht und Sonderausgaben, wie ‚La Biblioteca di MicroMega’, in der bekannte internationale Intellektuelle klassische Bücher rezensieren, – und Almanache für Philosophie, Journalismus und Wissenschaften.

Neben MicroMega in gedruckter Form gibt es eine Online-Version, die sich inhaltlich und formal nach den Erfordernissen des Mediums vom Heft unterscheidet. Die Redaktion trifft sich hauptsächlich zur Heftproduktion in Rom, sonst ist man über digitale Kommunikationswege miteinander verbunden. Die Philosophin Cinzia Sciuto ist Redakteurin bei MicroMega.

Cinzia Sciuto, Foto: privat
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