In seiner Kolumne „Kontrapunkt“ weist Thomas Rothschild auf die Glanz- und Schattenseiten eines global agierenden Nahrungsmittelkonzerns hin.

Kontrapunkt

Der einen Freud

(Salzburg, 17. August 2018) Die Salzburger Festspiele geben gemeinsam mit Nestlé bekannt, dass ihre langjährige und erfolgreiche Zusammenarbeit um weitere zwei Jahre fortgesetzt wird.

Der soeben unterzeichnete Vertrag sieht vor, dass Nestlé 2019 und 2020 eine der großen Neuproduktionen in der Oper bei den Salzburger Festspielen finanziell unterstützen wird.

„Ich freue mich, dass unser treuester und längster Partner, Nestlé, sein Engagement 2019, wie auch im Jahr des 100-Jahr Jubiläums fortsetzt“, bedankt sich die Präsidentin der Salzburger Festspiele, Dr. Helga Rabl-Stadler. „Mit unserem Sponsoring Engagement bei dem weltweit bedeutendsten Musikfestival, den Salzburger Festspielen, konnten wir immer wieder herausragende Initiativen und Projekte realisieren. Der Erfolg dieser Maßnahmen hat uns bewogen auch zukünftig ein bedeutender Partner der Festspiele zu sein“, erläutert Paul Bulcke, Chairman Nestlé S.A., die Beweggründe für die weitere Zusammenarbeit.

Pressemitteilung der Salzburger Festspiele

„Nach einer intensiven Überprüfung und Abwägung der Situation hat Nestlé entschieden, die Planung zur Schließung des Werks in Ludwigsburg zum Jahresende 2018 aufzunehmen.“

Einen exakten Termin gibt es demnach noch nicht, aber damit steht fest: Eine der traditionsreichsten Fabriken in Ludwigsburg wird geschlossen, rund 100 Mitarbeiter sind betroffen. Die Belegschaft wurde eine Stunde, bevor die Mail verschickt wurde, über den Schritt informiert. Abgezeichnet hat sich das Aus nicht. Zwar kursierten Anfang 2017 entsprechende Gerüchte, doch Nestlé dementierte damals vehement. „Das ist nicht geplant“, sagte der Werksleiter Thomas Mathar. (…) Schon da war klar, dass Ende 2017 ein Nestlé-Werk in Mainz geschlossen wird. Das dort wegfallende Volumen sollte fortan in Ludwigsburg gestemmt werden. (…)

Die Marke Caro soll trotzdem gerettet werden. In einer Mitarbeiterversammlung am Dienstag wurde erklärt, dass die Produktion nach Portugal verlagert wird. „Wir bedauern das zutiefst“, sagt der Ludwigsburger Oberbürgermeister Werner Spec. Damit ende die stolze Geschichte eines Unternehmens, das im 19. Jahrhundert dazu beigetragen habe, „dass Ludwigsburg wirtschaftlich und sozial wachsen und sich entwickeln konnte“.

Die Hauptleidtragenden sind die Mitarbeiter, für die nun, so steht es in der Mitteilung, „sozialverträgliche Lösungen auf Basis eines Sozialplans gesucht“ werden. „Die beinhaltet auch die Prüfung von Beschäftigungsmöglichkeiten in anderen Nestlé-Standorten.“ Alexander Knoch, der Vorstand Technik der Nestlé AG, versichert: „Wir werden diese Maßnahmen verantwortungsvoll umsetzen.“

Beruhigen wird das Mitarbeiter, von denen viele seit Jahrzehnten in der Ludwigsburger Fabrik arbeiten, wohl nicht. Nestlé ist mit 413 Fabriken der größte Nahrungsproduzent des Planeten, aber nur zwölf davon befinden sich in Deutschland, am wenigsten weit entfernt sind die Standorte im rheinhessischen Osthofen und in Singen im südlichen Baden-Württemberg. Entsprechend düster ist die Atmosphäre auf dem Werksgelände. „Damit hat niemand gerechnet, die Leute sind total gefrustet“, sagt Hartmut Zacher, der als Regional-Geschäftsführer der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG) an der kurzfristig anberaumten Mitarbeiterversammlung teilnahm. „Es ist ja nicht so, dass es Nestlé schlecht geht. Es geht hier um die Steigerung der Rendite durch Personalabbau.“ Das Argument, das Werk sei „unterausgelastet“, lässt er nicht gelten. „Dagegen hätte man ja etwas tun können. Hat man aber nicht.“

Stuttgarter Nachrichten, 12. Juni 2018

„Menschen geht es gut, wenn es Unternehmen gut geht“

Irmgard Abt, Präsidentin der Industrie- und Handelskammer Rhein-Neckar von 2015 bis 2017

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erstellt am 06.9.2018

Nestlé-Plakat von Alfons Mucha, 1897
Nestlé-Plakat von Alfons Mucha, 1897