Sonja Bata, die Gründerin des Bata Shoe Museum in Toronto, ist am 20. Februar 2018 im Alter von 91 Jahren gestorben. Stefana Sabin würdigt ihr Leben und Werk.

Sonja Bata (1926-2018)

Ein besonderes Leben

Aus einer Zürcher Anwaltsfamilie stammend, heiratete Sonja den Erben der Bata Schuh Manufaktur und zog mit ihm kurz nach Beginn des Zweiten Weltkriegs nach Kanada, wo die Firma im südlichen Ontario umsiedelte. Die vielen Geschäftsreisen gestalteten sich zu ethnologischen Unternehmungen, von denen Sonja Bata immer wieder Schuhe mitbrachte: historische, folkloristische und kunsthandwerkliche Objekte, die auf besonderer Weise Menschheitsgeschichten erzählten. Die Sammlung wuchs und wuchs, und auf Anraten einer Anthropologin gründete Sonja Bata schließlich 1979 die Bata Shoe Museum Foundation, die 1992 in provisorischen Räumen ein Museum eröffnete. 1995 eröffnete das Bata Shoe Museum in einem eigens dafür entworfenen spektakulären Gebäude des japanisch-kanadischen Architekten Raymond Moriyama im Zentrum von Toronto, nur einige Schritte vom Ontario Royal Museum entfernt: Ein vierstöckiges Gebäude, das an eine Schachtel erinnert, dessen Deckel nicht ganz drauf liegt: an einen leicht geöffneten Schuhkarton! Es sei das einzige Schuhmuseum in der Welt, wie Sonja Bata immer wieder stolz behauptete.

© Bata Shoe Museum, Toronto, Canada
© Bata Shoe Museum, Toronto, Canada

Etwa 13.000 Objekte sind ausgestellt: Schuhe aus allen Kulturen und allen Zeiten, aber auch Utensilien, die mit der Schuhherstellung und dem Beruf des Schusters zusammenhängen, oder auch Bilder, Objekte, Kinder- und Erwachsenenspielzeuge und allerlei Geschenkartikel, die Schuhe zum Gegenstand haben. Neben historisch bedeutenden Objekten beherbergt das Museum viele Kuriositäten: Schuh-Entwürfe, die einer blühenden schusterlichen Fantasie entstammen und niemals getragen wurden (oder getragen werden können!), Schuh-Objekte, die für eine bestimmte Gelegenheit geschaffen wurden, wie zum Beispiel den Ballschuh von Königin Victoria oder den Astronautenstiefel, und Schuh-Kreationen, die für einen bestimmten Träger entworfen wurden und durch diesen Besitzer in die Geschichte eingegangen sind, zum Beispiel Elvis Presleys blauweiße Lackschuhe oder die silbernen Plateau-Stiefel von Elton John. Noch zwei Wochen vor ihrem Tod am 20. Februar hatte Sonja Bata der Sammlung ein Paar hochhackige Schuhe aus dem 18. Jahrhundert hinzugefügt. Jenseits der ethnographischen Geschichten dokumentiert das Bata Shoe Museum auch das besondere Leben der Sonja Bata.

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erstellt am 06.3.2018

Sonja Bata (1926-2018), Foto: Bata Shoe Museum
Sonja Bata (1926-2018), Foto: Bata Shoe Museum
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Bata Shoe Museum

Bata Shoe Museum in Toronto, Kanada, Foto: Eberhard J. Wormer / Wikimedia