- An diversen Orte in Frankfurt

1:1 CONCERTS

Live-Konzerte

In den letzten zwei Monaten, als Museen, Kinos, Theater und Opernhäuser geschlossen wurden, ist das kulturelle Erleben größtenteils ins Internet abgewandert. Aber jetzt, da die Einschränkungen langsam gelockert werden, laden Museen wieder zu einem realen Besuch ein und bieten manche Konzerthäuser wieder Veranstaltungen an. In Säle, in denen normalerweise 1800 Zuschauer Platz haben, werden nur 100 zugelassen, die nur genau markierten Wegen in den Saal und wieder heraus folgen müssen – für Publikum und Interpreten eine gleichermaßen un-heimliche Bühnenerfahrung! Aber darstellende Künstler brauchen den realen, emotionalen Austausch mit dem Publikum und sind zu jedem Experiment bereit. So entstanden die „1:1 CONCERTS“.

Die Idee der „1:1 CONCERTS“ geht zurück auf die Performance „The Artist is Present“ der Konzeptkünstlerin Marina Abramovic, die sie 2010 im Museum of Modern Art in New York aufführte, wobei sie ihrerseits auf ein Konzept von Klaus Biesenbach aufbaute: Während der Öffnungszeiten saß Abramovic im Atrium des Museums an einem Tisch und schwieg, ihr gegenüber stand ein Stuhl, auf dem jeweils ein Besucher Platz nahm. Davon haben sich die Organisatoren des Kammermusikfestivals Volkenroda letztes Jahr inspirieren lassen und ein neues Konzert-Format erprobt: jeweils ein Musiker spielt für einen Zuhörer. Eine Verbeugung, ein Blickkontakt zum Beginn – dann das persönliche, ja private Konzert.


Nun haben mehrere Orchester in mehreren Städten dieses Format als eine Möglichkeit übernommen, das Virtuelle zu verlassen und wieder ins Reale zurückzukehren. Was als Notlösung entstand, scheint zum Erfolgsmodell zu werden. Für viele Zuhörer bieten diese „1:1 CONCERTS“ eine intensive musikalische Erfahrung, eine Nähe zum Interpreten und zur Musik, wie sie sie unter normalen Aufführungspraktiken nicht empfinden.


Um an einem solchen Konzert teilzunehmen, muss man sich online anmelden und bekommt ein genaues Zeitfenster und einen bestimmten Ort zugeteilt – ein Kunstmuseum, einen öffentlich oder auch privaten Garten, eine Galerie. In Stuttgart fanden „1:1 CONCERTS“ im leeren Flughafen und in Frankfurt im Eintracht Museum statt. Die Aufführungen dauern etwa 10 Minuten, es gibt keinen Anfangs- und keinen Schlussapplaus. Welchem Musiker und welcher Musik der Zuhörer begegnet, bleibt eine Überraschung. Mit diesem Format können unter Einhaltung aller offiziell geltenden Auflagen der Corona-Bestimmungen kleine Live-Konzerte stattfinden. Die Konzerte sind kostenlos, aber Spenden für den Nothilfefond der Deutschen Orchester-Stiftung sind willkommen.

Weitere Informationen und Termine auf der Website der Oper Frankfurt

Stefana Sabin


erstellt am 10.6.2015