bis 12. Februar 2020 - Staatstheater Mainz, Kleines Haus, Tritonplatz, 55116 Mainz

Foto: Andreas Etter

Zanaida

Das Staatstheater Mainz entdeckt eine verschollen geglaubte Oper von Johann Christian Bach wieder.

Der jüngste Bach-Sohn, Johann Christian (1753-1782), galt vor allem als Opernkomponist. In Turin und Neapel waren seine Opern schon erfolgreich aufgeführt worden, als er 1762 nach London ans King's Theatre berufen wurde und den Auftrag erhielt, zwei neue Opern zu komponieren. In Februar 1763 hatte Orione, ossia Diana vendicata Premiere, im Mai Zanaida. Von letzterer folgten fünf Aufführungen vor dem Ende der Saison in Juni 1763, dann geriet diese Oper in Vergessenheit und galt fortan als verschollen. Erst 2010 wurde die Partitur wiederentdeckt und ediert und 2011 wieder zur Aufführung gebracht. Nun zeigt das Staatstheater Mainz diese „tragic opera", so die ursprüngliche Gattungsbezeichnung, in einer fröhlich-bunten Inszenierung von Max Hopp.

Hopp hat die Handlung, die im 16. Jahrhundert in Isfahan spielt, in eine unklare Vergangenheit verlegt und ihr gleichzeitig eine modern-antikriegerische Note verliehen, die in Doris Deckers deutschsprachiger Neudichtung des ursprünglich italienischen Librettos erkennbar wird. Zu dem Lavieren zwischen Vergangenheit und Gegenwart passen das futuristisch-archaische Bühnenbild und die Kostüme von Madis Nurms, die Mittelalter und Krieg der Sterne ironisch verbinden. Zanaida ist in dieser Inszenierung eine heilig-gütige Figur, die sich gegen das Böse durchsetzt und die Zuneigung des ihr zuerst feindlich gesinnten Tamasse gewinnt. Sie wird von einer Mädchenschar in weißen Kleidern begleitet (der Mainzer Mädchenchor am Dom), die gewollt an Nonnen erinnern und die zur Handlungsverzögerung ein Ave generosa von Hildegard von Bingen intonieren. Mit Gianguir wird Zanaida eine Art Leibwächter an die Seite gestellt, der, wiewohl Krieger, Frieden propagiert – in zwei eingeschobenen Monologen, die der Schauspieler David Bennent mit an der Rampe deklamiert.

Die Oper hat zwanzig Arien, die schon den Belcanto ankündigen – und die beiden Soprane Alexandra Samouilidou als Zanaida und Hege Tjonn als Roselane sind musikalisch und schauspielerisch überzeugende Besetzungen. Philipp Mathmann beeindruckt als Cisseo und Zvi Emanual-Marial als Tamasse, beide Kastraten- bzw. Sopran- und Mezzosopranpartien. Der Dirigent Adam Benzwi hat neue Übergänge zwischen Arien und Rezitative komponiert und führt das Orchester ebenso sicher wie die Sänger, und alle agieren mit spürbarem Spaß am Spiel – und werden dafür mit großem Applaus bedacht. (sab.)

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erstellt am 10.6.2015