bis 24. Juni 2020 - Staatstheater Mainz, Kleines Haus, Tritonplatz, 55116 Mainz

Foto: Staatstheater Mainz

Soul Chain

Eine Choreografie von Sharon Eyal & Gai Behar

Sharon Eyal und Gai Behar, mittlerweile Weltstars des Tanzes und mit ihrer eigenen Kompanie L-E-V an vielen Orten unterwegs (gerade haben sie im Rahmen der Ruhrtriennale 2019 den Abschluss ihrer Liebestrilogie „Chapter 3 – The Brutal Journey of the Heart" erfolgreich aufgeführt) pflegen seit langem eine freundschaftliche Zusammenarbeit mit dem Tanzdirektor Honne Dohrmann von tanzmainz. So ist es denn kein Wunder, dass auch Eyal und Behar diese Verbundenheit schätzen und nach „Plafona Now" mit „Soul Chain" im Jahr 2017 eine weitere abendfüllende Kreation für tanzmainz geschaffen haben.

„Soul Chain" erhielt 2018 den Theaterpreis „Faust", eine der begehrtesten Trophäen in der deutschsprachigen Theaterwelt, in der Kategorie Beste Choreografie.

Jetzt wurde die Choreografie aufgrund großer Nachfrage und zur Freude des Publikums in Mainz wiederaufgenommen und ist auch im nächsten Jahr weiter zu sehen. Womit sich einmal mehr die Bedeutung von tanzmainz und das Konzept einer eigenen Kompanie, die immer wieder neu mit renommierten Choreograf*innen zusammenarbeitet, als Erfolgsmodell erweist.

Inspiriert von starken Emotionen rund um das Thema Liebe, hat das Choreografenpaar Sharon Eyal und Gai Behar Ballett und Techno zu packendem zeitgenössischen Tanz verbunden. Entstanden ist eine suggestive Arbeit mit hypnotischen Anklängen, zu der nicht unwesentlich Ori Lichtik beiträgt, der für die Musik und die Klangcollage zuständig ist. Techno, House, Elektro, Tango – ein bunter Mix, der selbst die Zuschauer*innen in Trance versetzt.

Die 16 Tänzer*innen von tanzmainz sind aufgeladen mit intensiven Gefühlen und erscheinen vordergründig als gleichförmige Masse mit exzentrischen Bewegungen, unentwegt auf halber Spitze tanzend. Und das alles auf einer Bühne, durch die schwach der Nebel wabert. Viele der Bewegungen wirken vertraut – kommen doch viele dieser Schritte auf Zehenspitzen aus dem reichen Fundus der Tanzgeschichte und des Balletts – jetzt jedoch, getanzt unter den treibenden Beats der Musik, erscheinen sie seltsam neu und mitreißend.

In einem Augenblick pulsieren die Körper der Tänzer*innen präzise und gleichförmig zum Beat, in einem anderen schlägt ein Tänzer / eine Tänzerin plötzlich und beinahe unmerklich seinen / ihren eigenen Weg ein. „Soul Chain" arbeitet unentwegt mit diesem Kontrast zwischen dem Einzelnen und der Gruppe und macht ihn sichtbar. Je länger sich die Gruppe Unisono bewegt, desto mehr Zeit bleibt, die Unterschiede zu entdecken. Denn im Gleichen, so die Choreografin, sehe man erst recht, wie unterschiedlich wir alle sind.

„Soul Chain" – zu übersetzen mit Seelenkette – ist kein zufällig gewählter Titel. In einem Interview brachte es die Choreografin auf diesen Punkt: „Erst wenn man sich ankettet, kann man frei sein!". Sie gibt als Choreografin ein System vor, innerhalb dessen sich ihre Tänzer*innen frei bewegen können. Frei bewegen innerhalb einer von ihr geschaffenen Welt. Dabei fließen die Gefühle der Tänzer*innen – die bei jeder Vorstellung auch andere sein können – immer mit in die Bewegungen ein.

„Soul Chain" ist kein romantisches Stück über Liebe und Sehnsucht – aber ein überwältigendes. Man sieht es den Tänzer*innen an, wie sie schweißgebadet darum ringen, dass sich ihr Inneres Bahn brechen kann, sich ihre Sehnsucht erfüllt.

(Walter H. Krämer)

Die nächsten Vorstellungstermine in Mainz sind am 22. + 28.05. + 15. + 24.06.2020. Der Vorverkauf für diese Vorstellungen läuft bereits.

Die nächsten Gastspieltermine sind: 06.11.2019 Karlsruhe, Tollhaus; 06.06.2020 Oldenburgisches Staatstheater; 17. + 18.06.2020 Depot 1, Köln

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erstellt am 10.6.2015