bis 20. September 2020 - Frankfurt, Karlsruhe, Wiesbaden, Hamm, Recklinghausen ...

Der Zirkus Flic Flac

Frankfurt, Karlsruhe, Wiesbaden, Hamm, Recklinghausen, Wuppertal, Aachen, Wesel, Göttingen und Hildesheim

Der Zirkus Flic Flac – schon von weitem erkennbar an den schwarz-gelben Zeltaufbauten - steht für actionreiche und außergewöhnliche Zirkusatmosphäre. Und – Tierfreunde können sich freuen – kommt dabei ganz ohne Tiere aus.  

Die neue Show – die noch bis zum 1. März in Frankfurt am Main gastiert und danach bis zum 20. September 2020 in weiteren Städten der  Republik zu sehen ist - zeichnet sich aus durch gewagte Stunts und – darüber informiert gleich zu Beginn der gut zweistündigen Show eine Stimme über Lautsprecher - „Artistik am Rande des Nervenzusammenbruchs!“

 

Kaum gehört, fliegen auch schon zwei Motorradfahrer knapp unter der Zirkuszeltdecke durch die Lüfte – gestartet hinter den Zuschauerreihen und landen hinter der Bühne.

Die überwältigende Überraschung ist gelungen und nun geht es Schlag auf Schlag. Minutiös geplant, choreographiert, mit besonderen Lichteffekten und Soundcollagen ausgestattet.

Taktgeber und Drummer Romain Vicente, der nach der Pause mit einer gut zehnminütigen Trommelsession das Publikum begeistert, unterstützt die Soundcollage dabei mit live eingespielten Trommelschlägen.

Die Brüder Benno und Lothar Kastein – ehemals selbst Artisten - gründeten 1989 den Zirkus Flic Flac (nach dem englischen Namen einer Turnübung) mit der Idee, etwas gänzlich Neues in die Manege zu bringen. Angefangen mit Punk landen sie diesmal wieder bei Punk aber bei PunkXXX  – für 30 (XXX) Jahre Zirkus Flic Flac. Und das ist eine Erfolgsgeschichte, die nicht unverdient ist. Erlebt man hier doch sensationelle Akrobatik mit Seltenheitswert.

Mit dröhnenden Motoren, begleitet von lauten Rockbeats, rasen die Motorradfahrer der Helldriver durch den „Globe Of Speed“ – auf engsten Raum in Höchstgeschwindigkeit kreuz und quer durch die Stahlkugel drehen sie ihre Runden. Ganz am Ende sind es acht - darunter auch eine Frau. Der absolute Wahnsinn und Nervenkitzel pur!

Wie überhaupt Frauen eine große Rolle spielen und sehr präsent sind – und das nicht nur als schmückendes Beiwerk.

Großartig das G3 Trio aus der Ukraine. Die drei Frauen bringen als weibliche Straßengang athletisch-artistische Hand auf Hand, Fuß auf Nacken Akrobatik in die Manege. Equilibristik vom Feinsten – kraftvoll, tänzerisch mit viel Charme und Poesie.
Perfekte Körperkunst zeigt auch die Artistin Ohla an der Stange – untermalt von dem Song „Purple Rain“ von Prince. Und da es um Regen geht, fällt der tatschlich herab von der Zirkuskuppel. Technisch perfekt mit einem Hauch Erotik und Sinnlichkeit wird ein Klassiker der Rockgeschichte neu interpretiert.

Und auch die Strapatenkünstler*innen Julia Galenchyk und ihr Partner Dmytro Turkeev zeigen hoch über den Zuschauern ihre außergewöhnliche Performance im strömenden Regen.

Wasser spielt auch bei zwei weiteren Artistinnen eine große Rolle. Nur fällt es diesmal nicht vom Himmel, sondern die beiden tauchen ein in einen kleinen Pool, in dem sie kunstvolle Formen bilden und synchrone Artistik bieten. Ein Hauch von Meerjungfrau durchweht das Zirkuszelt.

Der 22jährige Tscheche Zdenek Polách hält sechs Weltrekorde der Jonglage. Kein Wunder, jongliert er doch zu jazzig-rockigen Klängen am Ende seiner Performance mit acht großen Bällen. Und das scheinbar mühelos.

Zehn chinesische Artisten - The Holy Warriors – verblüffen mit zielgenauen Sprüngen durch mobile und rotierende Reifen. Dabei springt einer der Artisten aus dem Stand durch einen Reif in vier Meter Höhe. Beeindruckend.
   
Rollen, Ringe und Teppiche wirbelt Romy Meggiolaro über Füße und Hände. Und das mit einer Schnelligkeit - auch in luftiger Höhe, der man kaum mit den Augen folgen kann.

Der Brasilianer Alex Michael zeigt unter den Kuppeln des Zirkuszeltes seinen Trapez-Kunstlauf und wechselt mittels Hände und auch Füßen die Seiten. Und das alles – auf eigenen Wunsch - ohne Netz und doppelten Boden.

Was auch nicht fehlt ist das „Todes Rad“ - eine Stahlkonstruktion, die sich um die eigene Achse dreht und in und auf deren zwei Außenzylindern sich die beiden Artisten bewegen. Völlig frei ohne abgesichert zu sein. Adrenalin pur – das hier noch gesteigert wird, dass man die Atemgeräusche der Artisten verstärkt im Zuschauerraum hören kann.

Und sicher macht das einen Teil der Faszination Zirkus aus, dass Menschen stunden- tage- und jahrelang trainieren für einen kurzen Augenblick der Perfektion und sich dabei in Gefahr begeben, ihre Haut zu Markte tragen. Ein Leben im Moment, im Hier und Jetzt – das jederzeit zu Ende sein kann.

Doch auch die Komödianten und / oder Clowns dürfen im Zirkus nicht fehlen. Bei Flic Flac tragen Colm O ?Grady und Simon Mark Llewellyn irisch-britischen Humor in die Manege und sind als Kochs – gegen Ende fast ganz nackt – virtuose Musiker auf Töpfen und Pfannen. Diese dienen gegen Ende dann auch dazu, ihre Blöße immer wieder vor den Zuschauerblicken zu verdecken – eine wahre Freude, ihnen dabei zuzusehen.
 
In Zeiten wie diesen - nach vielen Anschlägen und rechtem Terror – sind entschiedene Statements gefragt und auch notwendig. Selbst im Zirkus sollten sie nicht fehlen. Und der Zirkus Flic Flac baut diese geschickt ein. Anfangs – nach der Ankündigung, dass Rassismus, Sexismus und Homophobie keinen Platz im Zelt haben. sieht man einen Mann mit Trump Maske zur Begeisterung der Zuschauer*innen fluchtartig das Zelt verlassen und gegen Ende die Ansage, dass ohne ausländische Künstler*innen die Vorstellung schon nach fünf Minuten zu Ende gewesen sei. Kein Wunder denn der Zirkus Flic Flac beschäftigt knapp 100 Mitarbeiter*innen aus 20 Nationen, davon 35 Artisten aus 13 Ländern.

Den Besuch von Flic Flac kann ich nur empfehlen. Mehr und bessere Artistik gepaart mit Nervenkitzel geht nicht.

Walter H. Krämer

www.flicflac.de

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erstellt am 10.6.2015