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16. November 2019 bis 24. November 2019 - Opernhaus Wuppertal, Kurt-Drees-Straße 4, 42283 Wuppertal

© Tanztheater Wuppertal Pina Bausch

Wiesenland

Ein Stück von Pina Bausch

 

Entstanden ist das Stück im Jahr 2000 in Zusammenarbeit mit dem Goethe Institut Budapest und dem Théâtre de la Ville Paris. Einmal mehr ging es bei diesem Stück darum, die Atmosphäre und gewonnenen Eindrücke eines mehrwöchigen Aufenthaltes in einem fremden Land – diesmal war es Ungarn – in eine wirkungsvolle Choreographie mit ausdrucksstarken Bildern zu übertragen. Für die heutige Sicht auf dieses Stück ist zu bedenken, dass Ungarn im Jahr 2000 weitaus weltoffener und liberaler war als heute, und die Musik von ungarischen Sinti und Roma in der aktuell nationalistischen Stimmung als Inspirationsquelle nur noch schwer vorstellbar wäre.

 

Unabhängig von diesen Bedenken ist allerdings bei diesem Stück grundsätzlich zu fragen, inwieweit Ungarn als Land überhaupt sicht- und hörbar wird. Am deutlichsten vielleicht noch im Bühnenbild von Peter Papst: eine riesige mit Gräsern und Moos bewachsene Platte mit Wasserrinnsalen, die im ersten Teil senkrecht an der Bühnenrückwand steht, in der Pause eindrucksvoll und von den Zuschauer*innen oft mit Beifall bedacht, in die Waagrechte gekippt und als begehbare Hügellandschaft im zweiten Teil genutzt wird.

 

In Wiesenland gibt es viele Moment die einmal mehr von der Suche nach Liebe handeln – mit all ihrer Sehnsüchten und Verletzungen. So betritt beispielsweise eine Tänzerin mit Teegedeck und Kerze die Bühne – bereit für ein gemütliches Tête-à-Tête und bekommt prompt einen Eimer Wasser über den Kopf. Davon unberührt geht sie lächelnd vor bis zum Bühnenrand – eine Einladung an das Publikum also, das sich später auch noch bei einer Befragung in Sachen Liebe herausgefordert sieht.

 

In einer anderen Szene steigt eine Tänzerin auf einen Stuhl und wird damit von den Herren über deren Köpfe gehoben – wobei eine höchst fragile Skulptur entsteht, die jederzeit in sich zusammenfallen kann.

 

Tanzfreund*innen kommen bei diesem Stück voll auf ihre Kosten. Unzählige Soli werden getanzt – hier Ausdruck der Schwierigkeit, Zwei- und Mehrsamkeit herzustellen und zu erfahren. Gleichwohl gibt es Paar- und Gruppentänze auch hier.

 

Mit der Reihung und Verflechtung einer Vielzahl von Einzelsequenzen bei diesem Stück zeigt sich der Tanzkritiker Jochen Schmidt nicht zufrieden: „Aus schönen Szenen und einer Menge Tanz wird kein Stück“.

 

So kommt diese Arbeit von Pina Bausch scheinbar leicht und oberflächlich daher. Die Erkundung von Höhen und Tiefen in Liebesbeziehungen mündet in einen Ausflug auf das Land und endet mit einem großen Fest. Doch Vorsicht ist geboten bei diesem vordergründigen „Lächeln am Fuße der Mooswand“: Pina Bausch zeigt mit dieser Choreographie auch, wie hohl das Leben in der sogenannten Spaßgesellschaft ist, wo Probleme einfach verdrängt werden und man sich keine Sorgen um ein Morgen macht. Kein Wunder also, wenn junge Menschen derzeit massenhaft auf die Straße gehen um ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen.

(Walter H. Krämer)

 

Gezeigt wird Wiesenland am 16. / 17. / 19. / 20. / 22. / 23. + 24. November 2019 jeweils um 19:30 Uhr, sonntags bereits um 18 Uhr. Karten für alle Vorstellungen ab dem 20. September 2019.

 

Weitere Informationen zum Stück


erstellt am 10.6.2015