bis 17. November 2019 - Deutsches Theatermuseum, Galeriestr. 4a (Hofgartenarkaden), München

Ödön von Horváth, 1928

»Ich denke ja gar nichts, ich sage es ja nur.«

Ödön von Horváth und das Theater

 

Theaterkunst sammelnd zu bewahren und für die Nachwelt zu erhalten, hat sich das Deutsche Theatermuseum in München zur Aufgabe gemacht. Immer wieder überrascht das Museum mit eindrucksvoll gestalteten Ausstellungen zu Theaterhäusern, Schauspielern*innen, Kostüm- und Bühnenbildner*innen, Regisseur*innen, verschiedenen Genres oder zu einzelnen Autoren. Derzeit ist eine Ausstellung dem 1901 geborenen Ödön von Horváth und drei seiner wichtigsten Theaterstücke gewidmet.

 

Der Titel der Ausstellung „Ich denke ja gar nichts, ich sage es ja nur“ – ein Zitat aus dem Stück Kasimir und Karoline von 1932, bildet zusammen mit den beiden anderen berühmten „Volksstücken“ Horváths, Italienische Nacht und Geschichten aus dem Wiener Wald (beide aus dem Jahr 1931), die Grundlage der Ausstellung.

 

Konzipiert wurde die intelligent zusammengestellte und sinnlich erfahrbare Schau 2018 für das Theatermuseum Wien. In München wird sie ergänzt um speziell Münchner und Murnauer Aspekte in Horváths Schaffen. Kuratiert von Nicole Streitler-Kastberger und Martin Vejvar – beide ausgewiesene Horváth-Kenner – und von dem Bühnenbildner Peter Karlhuber gestaltet, setzt man sich in drei aufwendig inszenierten Räumen jeweils mit einem der drei Stücke auseinander: In einer Metzgerei mit Schweinskopf mit den Geschichten aus dem Wienerwald, ein verwüstetes Bierzelt verweist auf die Italienische Nacht und ein Kettenkarussell lenkt den Blick auf Kasimir und Karoline.

 

Anhand von verschiedenen Objekten, Dokumenten, Audio- und Videobeispielen wird die politische Substanz und brisante Aktualität von Horváths Dramatik deutlich, die sich wesentlich um Erotik, Ökonomie und Politik und deren Zusammenhänge dreht.

 

An den tragischen Tod des Autors – er wird 1938 gegenüber dem Theater Marigny in Paris von einem herabstürzenden Ast erschlagen – wird man gleich am Eingang zur Schau erinnert, schwebt doch ein Ast von der Decke und droht, jeden Augenblick herabzustürzen.

 

Zur Ausstellung ist ein umfangreicher und reich bebilderter Katalog erschienen. In einzelnen Beiträgen werden sowohl Fragen der Theaterästhetik und Aufführungspraxis, als auch Fragen zur historischen und politischen Verortung von Horváths Texten thematisiert – ergänzt durch Essays und literarische Texte.

(Walter H. Krämer)

 

Foto: © Literaturarchiv/Österreichische Nationalbibliothek

 

Weitere Informationen zur Ausstellung


erstellt am 10.6.2015