03. Oktober 2019 bis 06. Oktober 2019 - Opernhaus Wuppertal, Kurt-Drees-Straße 4, 42283 Wuppertal

© Tanztheater Wuppertal Pina Bausch

como el musguito en la piedra, ay si, si, si ...

Das Tanztheater Wuppertal zeigt anlässlich des zehnten Todestages der Choreographin Pina Bausch – sie starb am 30. Juni 2009 in Wuppertal an Krebs – ihre letzte Arbeit „... como el musguito en la piedra, ay si, si, si ... (... wie das Moos auf dem Stein ...)“. Der posthum beigefügte Titel ist eine Zeile aus dem Lied „Volver a los 17“ der chilenischen Sängerin Violeta Parra.

 

Ausgangspunkt und Inspiration für diese Arbeit war ein mehrwöchiger Aufenthalt der Künstlerin mit ihren 21 Tänzer*innen in Chile. Dort gesammelte Erfahrungen und Eindrücke finden sich in dieser letzten Arbeit wieder, die am 12. Juni 2009 in Wuppertal uraufgeführt wurde.

 

Es ist eine Liebeserklärung an Chile: seine Bevölkerung, seine vielfältige Kultur und seine Tänze. Ausdruck findet dies in einer Aneinanderreihung von mehreren Episoden, Miniaturen, Sketchen – durchsetzt mit mal ironischen oder witzigen, aber auch bedrohlichen und tragischen Elementen – es geht also weit über das Lokale hinaus um universelle Befindlichkeiten des Menschen.

 

Entstanden sind schöne Bilder und Stimmungen, die an Pedro Almodóvar – den spanischen Filmemacher und Freund Pina Bauschs – ebenso denken lassen, wie an Inszenierungen von Herbert Fritsch mit dem ihm eigenen schrägen Humor oder an Zirkus- oder Varietévorstellungen. So etwa die Tänzerin, die einen riesigen Lebensbaum im Rucksack mit sich umherträgt oder das gemeinsame Kopfstreicheln der 21 Tänzerinnen und Tänzer.

 

Doch neben all der Leichtigkeit sind auch die Themen Tod und Gewalt präsent, und der Militärputsch am 11. September 1973 ein Thema. Der General Pinochet war dabei maßgeblich an dem von den USA geförderten Militärputsch gegen den demokratisch gewählten Präsidenten Salvador Allende beteiligt. Tausende Chilenen wurden während der Pinochet-Diktatur gefoltert und ermordet.

 

Die Choreographin erzählt mit ihren Arbeiten alltägliche Geschichten, die von Menschen handeln und findet für das Bühnengeschehen intensive und witzige, auch beklemmende und absurde Bilder, in denen oft auch die Elemente Erde, Feuer, Wasser und Luft eine Rolle spielen. Ihre Themen – das Zusammenleben von Mann und Frau, Liebe, Leid, Verzweiflung und Glück – waren und sind universell und das ihr eigene Medium war der Tanz / das Tanztheater.

 

Entstanden sind die Stücke in enger Kooperation mit den Tänzer*innen, die neben tanzen auch singen, sprechen und lachen durften. Und - das ein immer wieder gern zitierter Satz und Credo der Choreographin – "Mich interessiert nicht, wie die Menschen sich bewegen, sondern, was sie bewegt".

 

"...como el musguito en la piedra, ay si, si, si..." ist somit ein weiterer und letzter Mosaikstein in dem Vermächtnis der 2009 kurz nach der Uraufführung verstorbenen deutschen Tanztheater-Ikone. Gut, dass ihr Erbe gepflegt und immer wieder aufgenommen wird.

(Walter H. Krämer)

 

Der Vorverkauf hat am 4. Juni begonnen.


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erstellt am 10.6.2015