17. Mai 2019 bis 26. Mai 2019 - Opernhaus Wuppertal, Kurt-Drees-Straße 4, 42283 Wuppertal

© Tanztheater Wuppertal Pina Bausch

Er nimmt sie an der Hand und führt sie in das Schloss, die anderen folgen

Ein Stück von Pina Bausch

Große Erwartungen sowohl seitens des Ensembles als auch von Seiten einer interessierten Öffentlichkeit richten sich auf die Neueinstudierung des Pina-Bausch-Stücks „Er nimmt sie an der Hand und führt sie in das Schloss, die anderen folgen“ im Opernhaus Wuppertal. Zu sehen ab dem 17. Mai 2019 – mehr als 40 Jahre nach der Uraufführung am 22. April 1978.

Damals – im Jahre 1978 – ein Theaterskandal mit Türen schlagen, erbosten Zuschauer*innen, Buh-Rufen und dem drohenden Abbruch einer Vorstellung. Heute, nach Jahrzehnten veränderter Sichtweisen auf Theater, veränderter Sehgewohnheiten der Zuschauer*innen und den Erfahrungen mit Stücken von Pina Bausch, kaum mehr vorstellbar.

Der Titel – „Er nimmt sie an der Hand und führt sie in das Schloss, die anderen folgen“ – ist eine Regieanweisung von William Shakespeare am Ende der sechsten Szene des ersten Aktes von „Macbeth“. Und genau um dieses Stück und dessen Paraphrasierung in Tanz geht es auch in der Choreografie von Pina Bausch.

 

Eingeladen von Peter Zadek, dem damaligen Intendanten von Schauspiel Bochum, sollte das Stück im Rahmen einer Tagung der Shakespeare Gesellschaft dort gezeigt werden.

 

Wohlwissend, dass sie keine Schauspielregisseurin war, entwickelte die Choreografin Pina Bausch ihre – mit den Jahren immer wieder verfeinerte – Fragetechnik, um sich dem Stück und seinen Themen zu nähern, sich mit diesen auseinanderzusetzen und für die Bühne zu adaptieren. Pina Bausch begann, ihren Darsteller*innen assoziative Fragen zu stellen, um so eine eigene Bild- und Bewegungssprache zu finden. Eine Arbeitsweise, die alle weiteren Stücke des Tanztheater Wuppertal prägte und beeinflusste.

 

In einen Salon, vollgestellt mit Möbeln aus unterschiedlichen Stilepochen (Bühnenbild von Ralf Borzik) rinnt aus einem Gartenschlauch unaufhörlich Wasser und sammelt sich in einer riesigen Lache. Dann werden Menschen sichtbar und erste Worte hörbar: „Macbeth hat den Schlaf gemordet … Ein Märchen ist’s, erzählt von einem Dummkopf, das nichts bedeutet … Morgen, Morgen …“

 

Pina Bausch mutet den Zuschauer*innen mit ihrer Choreografie – getragen von einem Ensemble bestehend aus vier Frauen und sechs Männern – etwas zu: „Den Blick auf und in uns selber. Sie nimmt die Zuschauer an die Hand und führt sie – nein, in kein Schloss, sondern in die abgetakelte Pracht bürgerlicher Welt, in das Chaos, das wir in der einstmals ‘guten Stube‘ unseres gesellschaftlichen Lebens angerichtet haben.“ (Rolf Michaelis)

 

In gut dreieinhalb Stunden entwirft Pina Bausch Bilder von großer Heftigkeit und erzählt mit Satz-Fragmenten der Shakespeareschen Tragödie Geschichten von Mord und Tod. Geschichten von Angst und Schuld. Und kommt damit dem heutigen Zustand der Welt ziemlich nahe.

 

Die Neueinstudierung wird geleitet von Josephine Ann Endicott und Hans Dieter Knebel – beide gehörten zur Besetzung der Uraufführung 1978.

 

Die beiden Schauspielrollen übernehmen Johanna Wokalek (für Mechthild Großmann) und Maik Solbach (für Vitus Zeplichal).

 

Es tanzen Michael Carter / Julian Stierle, Jonathan Fredrickson, Douglas Letheren / Michael Strecker, Breanna O´Mara / Stephanie Troyak, Julie Shanahan, Oleg Stepanov, Julian Stierle, Tsai-Wei Tien.

 

Es wird interessant sein, zu erleben, wie das Stück heute – vier Jahrzehnte nach der Uraufführung – auf die Zuschauer*innen wirkt und welche Reaktionen es auslöst.

(Walter H. Krämer)

 

Aufführungen am 17., 18., 19., 21., 22., 24., 25. und 26. Mai 2019

 

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erstellt am 10.6.2015