bis 14. April 2019 - Museum Angewandte Kunst, Schaumainkai 17, 60594 Frankfurt am Main

Gestaltung: Werner Epstein

Moderne am Main 1919–1933

Liest man den Begriff Bauhaus – und man liest ihn derzeit oft anlässlich des 100-jährigen Jubiläums – fallen einem sofort die Städte Weimar und Dessau ein. Dass auch Frankfurt am Main in den Zwanzigern ein bedeutendes Zentrum moderner Gestaltung war, führt die Ausstellung „Moderne am Main 1919–1933“ – kuratiert von Grit Weber, Annika Sellmann, Klaus Klemp und Matthias Wagner K – deutlich vor Augen. War das Bauhaus die Akademie vieler Gestaltungsideen, so war Frankfurt die Werkstatt, in der diese praktisch umgesetzt wurden: „Das Bauhaus hat gedacht, und Frankfurt hat gemacht!“

 

Die Schau zeichnet dabei in acht thematischen Kapiteln – darunter: Grundlagen des Neuen Frankfurt / Experimentieren und Forschen / Netzwerke und Gesellschaften / Lehren und lernen / Großstadt gestalten / In Produktion gehen – ein facettenreiches Bild von diesem Aufbruch in Produkt-, Raum- und Werbegestaltung, Mode, Musik, Film und Fotografie.

 

Im Einklang mit einer fortschreitenden Industrialisierung und dem Ausbau kommunaler Bereiche sollte das Neue Frankfurt eine moderne städtische Gesellschaft werden – dabei wesentlich unterstützt und geprägt von einer wiedererstandenen Messe, dem städtischen Hochbauamt sowie der Kunstschule Frankfurt.

 

Die Utopie einer modernen Großstadt ging einher mit einem universalen Anspruch im Bereich von Mode-, Interieur-, Industrie-, Produkt- und Kommunikationsdesign – ausgestellte Stücke belegen das auf anschauliche Weise.

 

Die Kunstschule Frankfurt wurde ebenso wie die wiedererstandene Messe neu ausgerichtet und es stand die Frage im Raum, ob und in welcher Weise grundlegende gesellschaftliche Veränderungen auch einen ästhetischen Wandel mit sich bringen.

 

Das Neue Frankfurt war auch eine Zeit von Umbrüchen in der Kunst und die Zeit, in der sich neue Medien – insbesondere Film und Ton – etablierten. So sind beispielsweise Experimentalfilme von Oskar Fischinger zu sehen, Kompositionen von Paul Hindemith und das erste überhaupt gesendete Hörspiel „Zauberei auf dem Sender“ vom Oktober 1924 zu hören und Ausstellungsbesucher*innen können mittels eines Theremin-Synthesizers selbst elektronische Klänge erzeugen.

 

Gleich zu Beginn des Rundgangs durch die Ausstellung eröffnet eine VR-Installation von Nadine Auth den Besucher*innen die Möglichkeit, nahezu alle an der Moderne am Main beteiligten Personen – u. a. Ludwig Landmann, Paul Renner, Ilse Bing, Lucy Hillebrand, Hans und Margarete Leistikow, Frank Schuster, Walter Gropius – und ihr weitverzweigtes Netzwerk kennenzulernen.

 

Eine weitere Multimediainstallation zeigt den Blick in mehrere heute noch bestehende Frankfurter Küchen – die wohl berühmteste und bekannteste Erfindung des Neuen Frankfurt! – in privaten Wohnräumen, Büros und Museen.

 

Die insgesamt mehr als 500 Objekte, Reproduktionen, Entwürfe, Fotografien, Filme und Tonaufnahmen eröffnen einen bisher meist unbekannten Blick auf das moderne Frankfurt in der Zeit von 1919 bis 1933.

 

Auf einer nachgebauten Parkbank – der Entwurf stammt von Ferdinand Kramer– kann man sich bequem niederlassen und die bereitgelegten Ausgaben der Zeitschrift „DAS NEUE FRANKFURT“ studieren und so die gewonnenen Eindrücke vertiefen.

(Walter H. Krämer)

 

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erstellt am 10.6.2015