27. April 2019 bis 28. April 2019 - Theater Bonn (Opernhaus), Am Boeselagerhof 1, 53111 Bonn

Foto: Theater Bonn / Thilo Beu

CALLAS – Ein Tanzstück von Reinhild Hoffmann

27. April 2019, 19.30 Uhr + 28. April 2019, 18.00 Uhr


Am 18. September 1983 wurde Reinhild Hoffmanns Choreographie „CALLAS“ in der Bremer Concordia uraufgeführt. Im Jahre 2012 rekonstruierte sie diese Arbeit mit dem Ensemble des Tanztheater Bremen. 2017 – fünfunddreißig Jahre nach der Uraufführung – wird Reinhild Hoffmann von Philippe Cohen, dem künstlerischen Direktor des Genfer Balletts, eingeladen, ihr choreographisches Meisterwerk mit dem Ballet du von Grand Théâtre de Génève erneut einzustudieren.

Reinhild Hoffmann, geboren 1943, war neben Pina Bausch und Susanne Linke eine Pionierin des modernen Tanztheaters. Dreimal waren Inszenierungen von ihr zum Theatertreffen nach Berlin eingeladen: 1983 „Könige und Königinnen“, im Jahr darauf „CALLAS“ und 1986 „Föhn“.

 

In acht Bildern lässt Reinhild Hoffmann den Kult um die Diva Maria Callas und deren Abgründe Revue passieren. Eine Tänzerin betritt für ihre Arie eine weiße Papierbahn. Reihenweise sinken die Männer vor dieser Operndiva zu Boden. Sie schreitet über sie hinweg. Eigentlich ein großer Auftritt, wären da nicht ihre weißen Schuhe, die vorher blutrot eingefärbt wurden und die sie nur widerwillig anzog. Außerdem wird ihr glamouröser Auftritt immer wieder durch eine zweite Tänzerin im weißen Kinderkleidchen gestört.

 

Verschiedene Spielorte – Opernbühne, Revuetheater, Zirkusarena, Konzertpodium und das Foyer mit Premierenfeier – sind Schauplätze eines Lebensentwurfes, der einerseits für eine außergewöhnlich talentierte Künstlerin steht, andererseits aber auch ganz allgemein beispielhaft für Lebenswege im Opernbetrieb. Auf die Frage, wie viel Tanztheater und wie viel Oper in „CALLAS“ stecke, antwortete Reinhild Hoffmann: „Mehr Tanztheater. Die Oper war der Stimulus, hat die Idee geliefert, mit den Arien zu spielen.“

 

Maria Callas ist den ganzen Abend mit ihrer Stimme präsent. Was Reinhild Hoffmann dabei zu den von Maria Callas (1923-1977) gesungenen Arien zeigen lässt, ist keine Biografie der Primadonna Assoluta, sondern setzt sich auseinander mit dem Leben draußen und der fiktiven Welt des Theaters. Das Stück macht deutlich, wie schwer es ist, als Ausnahmekünstler*in eine Balance zu finden zwischen Privat- und Berufsleben – besonders dann, wenn man in beiden auf höchste Perfektion aus ist.

 

„CALLAS“ ist ein Ensemblestück mit insgesamt zwanzig Tänzern und Tänzerinnen, bei dem neben den tänzerischen Fähigkeiten von allen Beteiligten auch genaues Rollenspiel abverlangt wird – sowohl in ihren Soli als auch in den Gruppenchoreographien. Die Rekonstruktion des zweistündigen Bilderbogens über die Scheinwelt des Theaters ist dabei ganz nebenbei auch die Huldigung einer Frau, die Muse und Pionierin zugleich ist. Nach Aussage der Dramaturgin Patricia Stöckemann gehört CALLAS zu den Werken, die das Ansehen der Bremer Tanzsparte begründeten. Und es zähle zu den Choreographien, die ästhetisch wegweisend waren und es wert sind, im Gedächtnis zu bleiben. (Walter H. Krämer)

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Literaturempfehlung zum Stück


erstellt am 10.6.2015