bis 11. Februar 2019 - Fritz Rémond Theater / Schauspiel Frankfurt, Frankfurt am Main

„Furor“, Foto: Thomas Aurin

Furor / Willkommen

Sarah Nemitz und Lutz Hübner – beide 1964 geboren – arbeiten seit 2001 kontinuierlich zusammen und schreiben Stücke, die sich mit brennenden Fragen und angesagten Themen der Zeit beschäftigen. Und sie sind damit äußerst erfolgreich, denn ihre Stücke sind derzeit die meistgespielten unter den noch lebenden Autor*innen.

Voraussetzung ihres gemeinsames Schreiben ist das permanente Gespräch untereinander und auch mit den Auftrag gebenden Theatern. So ist „Furor“ ein Auftragswerk von und für Schauspiel Frankfurt und das derzeit (bis einschließlich 10. Februar) im Fritz Rémond Theater gezeigte Stück „Willkommen“ ursprünglich eine Auftragsarbeit für das Schauspielhaus Düsseldorf.

 

Den Prozess ihres Schreibens beschreiben Autor und Autorin mit „dialektisch und dialogisch“. Dabei gehen sie sehr diszipliniert vor: Der Morgen ist meist dem Schreiben gewidmet, der Nachmittag der Recherche und der Lektüre. Mit dem erklärten Ziel, jeden Tag ein Stück voranzukommen.

 

In „Furor“ (Wut) gehen sie der Frage nach, wie demokratische Werte in unserer Gesellschaft zunehmend in Frage gestellt werden und welche Verhaltensweisen dem Ansehen von Politiker*innen schaden und politisches Handeln insgesamt in Misskredit bringt. Ein Stück, in dem Themen wie Wutbürgertum, Radikalisierung, Politikverdrossenheit und die Macht des immer aufnahmebereiten Smartphones verhandelt werden

 

Im Stück „Willkommen“ geht es um Geflüchtete und unser Umgang mit diesen Menschen. Beim WG-Abendessen verkündet Benny die Neuigkeit: Er wird für ein Jahr als Dozent in die USA gehen. Für die Zeit seiner Abwesenheit macht er den Vorschlag, sein Zimmer Flüchtlingen zur Verfügung zu stellen. Dieser Vorschlag bringt das gesamte WG-Gefüge durcheinander und die unterschiedlichsten Argumente zum Vorschein. Wo ist unsere Toleranzgrenze? Inwieweit sind wir bereit, unsere Komfortzone zu verlassen und uns zu engagieren?

 

Was die Stücke von Sarah Nemitz und Lutz Hübner auszeichnet, ist ihr Gespür für Komik und relevante Themen. Sie erschaffen lebensnahe Figuren, die oft mehr mit uns gemein haben, als uns lieb ist. Die Dialoge sind messerscharf, gut recherchiert und bringen unterschiedliche Meinungen und Haltungen auf den Punkt. Man merkt den Texten an, dass beide früher Schauspieler waren und wissen, was man als Spieler braucht um lebensnah und echt über die Rampe zu kommen.

 

Die Inszenierungen sind dabei meist konventionell – wie die beiden in Frankfurt – und vertrauen ganz dem Text und seinen Figuren. Zu recht.

(Walter H. Krämer)

 

„Willkommen“ noch bis zum 10.02. täglich – außer montags – im Fritz Rémond Theater

„Furor“ im Schauspiel Frankfurt. Die nächsten Termine: 23. + 27. +31.01. / 10. + 11.02


erstellt am 10.6.2015