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17. Januar 2019 bis 20. Januar 2019 - Opernhaus Wuppertal, Kurt-Drees-Straße 4, 42283 Wuppertal

© Tanztheater Wuppertal Pina Bausch

1980 – Ein Stück von Pina Bausch

Auch fast vierzig Jahre nach der Entstehung zeigt „1980“ – lapidar nach dem Entstehungsjahr so genannt – kaum Alterserscheinungen. Für die 2009 für alle überraschend verstorbene Pina Bausch war „1980“ eine ihrer wichtigsten Choreografien. Nicht verwunderlich, wenn man erfährt, dass im Jahr der Entstehung ihr Lebenspartner, Bühnen- und Kostümbildner Rolf Borzik, verstarb.

Pina Bausch stürzte sich in Arbeit und schuf mit „1980“ ein Werk, das Trauer und Abschied genauso thematisiert wie die Sehnsucht nach der Unbeschwertheit der Kindheit. Dabei geht es durchaus auch humorvoll zu. So etwa in einer Szene, in der sich einer der Tänzer nackt wie ein Baby mit Rassel auf ein kleines Fell legt.

Für „1980“ schuf erstmals Peter Pabst das Bühnenbild für das Tanztheater Wuppertal. Er lässt die Bühne bis auf die Brandmauern offen und bedeckt den Boden mit einer echten Rasenfläche, auf der einsam ein Reh steht. Der Bühnenraum also als Spielwiese für die Mitglieder der Company, einen Zauberkünstler und einen älteren Turner am Barren.

 

Es geht um Kindheitserinnerungen und kindliche Rituale. Kindliche Rituale, die einem bekannt vorkommen und an die eigene Kindheit erinnern. Ein Tänzer steht auf einem Stuhl und löffelt mit Eifer seine Suppe: „Ein Löffel für Mama, ein Löffel für Papa, …!“ bis endlich der Teller leer und er sich für jedes Familienmitglied einen Löffel Suppe einverleibt hat.

 

„1980“ spannt einen Bogen von der Geburt, über die Kindheit, das erwachsen werden bis hin zum Lebensende. Körperbilder – die des alternden Turners und der jungen Tänzer beispielsweise – werden gegenübergestellt. Altern wird sichtbar. Jugendlicher Spieltrieb und gelebte Erfahrungen treffen aufeinander und ergeben reizvolle Kontraste. Auch die Stimmen ändern sich, werden älter. Das Lied „Somewhere Over The Rainbow“ bewusst zwei Mal kurz hintereinander gesungen und dadurch deutlich hörbar – von Judy Garland als Mädchen mit 16 Jahren und dann im Alter mit brüchiger und verlebter Stimme.

Es wird viel getanzt und noch mehr Theater gespielt. Szenen, die einen Blick auf unseren Alltag, auf unsere Befindlichkeiten werfen. Einsamkeit beispielsweise. Mangels Gratulanten singt eine Tänzerin sich selbst das „Happy Birthday“ und eine Liebeserklärung gilt nicht einem Menschen, sondern einem Stuhl. Die Menschen auf der Bühne sind nie allein, aber immer auf sich gestellt. Einerseits hektische Betriebsamkeit – besonders dann, wenn die 19 Tänzer*innen gleichzeitig auf der Bühne aktiv sind – andererseits Stille in den Momenten, wenn sich einzelne Tänzer*innen zu ruhigem Paartanz zusammenfinden.

Liegt der Schwerpunkt im ersten Teil des Abends auf Erinnerungen an die Kindheit und deren Spiel so geht es nach der Pause um Frage- und Ratespiele und wir erleben eine Leistungsschau. So gilt es beispielsweise, ein Land mit drei Wörtern zu beschreiben.

 

Das Prinzip der Montage und Collage betrifft auch die Auswahl der Musik. Hier finden wir sowohl Stück aus der E- als auch aus der U-Musik und der Stimmungswechsel in der Musik erweist sich als richtungsweisend für die atmosphärisch sehr unterschiedlichen Szenen, die keiner stringenten Erzählung folgen. Pina Bausch findet immer wieder Themen und Bilder die universell und zeitlos sind – kein Wunder also, dass sie auch in aller Welt verstanden werden. „1980“ – mit dreieinhalb Stunden Spieldauer eines ihrer längsten Stücke – macht nachdenklich, wühlt auf und lässt einem auch lange nach Ender der Vorstellung nicht los.

(Walter H. Krämer)

 

Vorstellungen vom 17. bis 21. Januar 2019 / Vorverkauf läuft bereits

 

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erstellt am 10.6.2015