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20. Februar 2021 bis 26. März 2021 - Online-Livestream

Foto: Screenshot

Schauspielhaus Bochum: Online-Spielplan

Kreativität statt Lamento! So könnte man die derzeitigen Entwicklungen in etlichen Theaterhäusern beschreiben.

Nach anfänglicher Zurückhaltung kommen viele Theater mittlerweile in „digitale Strümpfe" und suchen einen kreativen Umgang mit der Situation der geschlossenen Spielstätten und dem dadurch bedingten eingeschränkten Kontakt zu ihrem Publikum.

Gleich zu Anfang des ersten Lockdowns machte sich die Schaubühne Berlin verdient mit einem Online-Spielplan. Täglich wechselnde Aufzeichnungen legendärer Inszenierungen aus unterschiedlichen Jahren trafen auf ein begeistertes und interessiertes Publikum. Andere Theater zogen nach, und einige Häuser stellten dabei fest, dass sie es in den zurückliegenden Jahren versäumt hatten, Inszenierungen Streaming-tauglich aufzuzeichnen.

Je länger der Lockdown dauerte, desto schmerzlicher wurde doch die Live-Atmosphäre und der direkte Kontakt zum Publikum vermisst, und die Theatermacher suchten nach kreativen Möglichkeiten und Lösungen. Allmählich findet daher die Digitalisierung mehr und mehr Eingang in die Theater, und man nutzt die Möglichkeiten des Internets auf vielfältige Weise.

Am Beispiel des Bochumer Schauspielhauses möchte ich hier eine – wie ich finde – ausbaufähige Form vorstellen: Wichtig ist und bleibt der Live-Gedanke.

Deswegen stehen die Schauspieler*innen live auf der Bühne, spielen in einen leeren Theatersaal und werden gleichzeitig von mehreren Kameras gefilmt. Bilder dieser live gefilmten Inszenierung erreichen dann nur die Zuschauer*innen, die sich vorher ein Ticket für diese Aufführung gekauft haben.

Anschließend gibt es noch ein Nachgespräch mit den Protagonisten. Mittels Chats können Fragen an die Macher*innen gestellt werden und ein direkter Austausch kann entstehen. Wichtig ist den Bochumern dabei, dass die Aufführung nur an diesem Abend gezeigt wird – also nicht anschließend noch Stunden, Tage oder sogar Wochen im Netz zur Verfügung steht.

So verständlich es ist, dass hier auf dem Live-Akt und einer gewissen Exklusivität bestanden wird, so hilfreich fände ich es, wenn die Inszenierung wenigstens noch zwei-drei Tage danach im Netz zur Verfügung stehen würde – so könnten sich die Vorteile des Theaters mit denen der digitalen Welt zum Wohle aller verbinden und nutzen lassen.

Ich empfehle den Online-Spielplan März aus Bochum und hier besonders die Inszenierung von Johan Simons „Iwanow" mit dem Iffland-Ring-Träger Jens Harzer in der Titelrolle.

Am Samstag, 20. Februar, um 19.30 Uhr eine Live-Übertragung von Yasmina Rezas Komödie „Drei Mal Leben". Das Stück seziert in messerscharfen Dialogen drei Versionen eines ungeplanten Abends unter Paaren – mit überraschenden Wendungen, wechselnden Bündnissen und immer neuen Varianten der Eskalation.

Es folgt am Samstag, 20. März, um 19.30 Uhr mit „Die Hydra" nach Heiner Müller ein musik-theatralischer Abend um die Sagengestalt des Herakles mit den Musiker*innen und Schauspieler*innen Moritz Bossmann, Michael Graessner, Sandra Hüller und Sandro Tajouri.

Am Freitag, 26. März, um 19 Uhr dann endlich eine Vorstellung von Johan Simons' schon erwähnter „Iwanow"-Inszenierung mit Jens Harzer in der Titelrolle.

Virtuelle Tickets für die Teilnahme an den Streaming-Angeboten können auf der Website des Theaters erworben werden.

Walter H. Krämer


erstellt am 10.6.2015
aktualisiert am 05.8.2015