Gespräch mit der Dokumentarfotografin Valerie Leray

Orte, die Geschichte schreiben

Die in Frankreich geborene Dokumentarfotografin Valérie Leray setzt sich mit Orten der Erinnerung auseinander. Ausgehend von der Lebensgeschichte ihres Großvaters recherchiert sie über die Verfolgung der Sinti und Roma während des Vichy-Regimes. Ina Rosenthal und Cornelia Wilß haben mit Valérie Leray über die Voraussetzungen ihrer Arbeit gesprochen. mehr

Eine Reise nach Grenoble und Tunis

Paul Klee hatte keine Ahnung

Der Verdacht, dass alles mit allem zusammenhängt, entsteht nicht nur in Träumen. Detlef zum Winkel trifft im alpinen Voreppe einen Mann, der in St. Germain aufgewachsen ist und als Kind vor einem Haus gespielt hat, das Paul Klee 1914 malte. Dieses St. Germain heißt jetzt Ezzahra und liegt im Süden von Tunis. Kunst und Kriege setzen sich unversehens in Beziehung. mehr

Gespräch mit dem Schriftsteller Andreas Maier

»Ich schreibe ohne jegliche Konzeption«

Zuweilen geht Andreas Maier »Zur Buchscheer Apfelweinwirtschaft« zum Arbeiten. Aber wie und unter welchen Umständen kann er schreiben? Wie stattet er die Personen in seinem enormen Romanzyklus »Ortsumgehung« mit Leben aus? Geschieht das durch Anverwandlung? Der Schriftsteller beantwortet diese Fragen im Gespräch mit Barbara Englert und äußert sich zu seinem beruflichen Ethos. mehr

Schwerpunkt Syrien: Neunter Brief an Samira

»Das Leben als Leben leben.«

»Mächtige geben offenbar als Allerletztes ihre Macht über das Schicksal anderer ab«, schreibt Yassin Al Haj Saleh in seinem neunten Brief an seine entführte Frau Samira Khalil. Die Kompliziertheit der Lage werde zudem, so Yassin, außerhalb der Gefängnismauern immer häufiger als Vorwand genutzt, um sich abzuwenden und die Unterdrückten ihrem Schicksal zu überlassen. mehr

Gernot Böhme: Philosophieren für die Enkel

Botschaften vom Dreimeter-Mann

Wie sag ich’s meinem Kinde? Oder gar meinem Enkelkind? Diese Aufgabe hat sich der Darmstädter Emeritus Gernot Böhme vorgenommen, wenn sich die Frage stellt, was denn das ist: Philosophie. Wahrscheinlich wird es einfacher sein, Enkeln die Relativitätstheorie zu erklären. Aber der Philosoph hat es gewagt und den Politikwissenschaftler und Schriftsteller Paul-Hermann Gruner angeregt, mit dem Üben anzufangen. mehr

Über Victor Otto Stomps

Zwischen den Zeilen

Der Verleger und Schriftsteller Victor Otto Stomps hatte schon 1926 in Berlin »Die Rabenpresse« gegründet, 1949 in Frankfurt am Main die »Eremitenpresse«. Um beide Verlage bildeten sich literarische Kreise, aus denen später namhafte Autoren hervorgingen. Harry Oberländer erinnert mit seinem Essay an den Begründer der Handpressenkunst und der Mainzer Minipressen-Messe, an den »Anarchen« V.O.Stomps. mehr

Zum Tod des Dichters Werner Söllner

Frei und glücklich

Am Freitag, den 19. Juli 2019, ist Werner Söllner gestorben. Er hat es sich nicht leicht gemacht. Jedes seiner Worte war bedacht. Und selbst, wenn er übermütig ins Komische trat, ließ er uns durch die kunstvollen Sinnverwerfungen ins Abgründige sehen. Faust-Kultur und der Verlag Edition Faust verlieren mit ihm einen erfahrenen Berater, einen literarischen Entdecker und einen großen Dichter. Die Redaktion würdigt den Menschen und sein Werk. mehr

Fürst Metternich über Napoleon Bonaparte

Sohn des Glücks

Vor fast 150 Jahren sind im Wiener Verlag Wilhelm Braumüller die Aufzeichnungen des Fürsten Klemens Wenzel Lothar von Metternich über den französischen Kaiser Napoleon Bonaparte erschienen. Anlässlich des 250. Geburtstags Napoleons erscheinen sie erneut, und zwar unverändert und im selben Verlag. Martin Lüdke hat Metternichs Charakterstudien gelesen. mehr

Festival von Aix-en-Provence 2019

Festival ohne Eitelkeiten

Der neue Intendant des Festivals von Aix-en-Provence, Pierre Audi, hat sich offenbar nicht vorgenommen, alles anders zu machen als seine Vorgänger. Wie zuvor stehen sechs Bühnenwerke im Vordergrund, umrahmt von Konzerten. Wie zuvor gibt es eine Mischung von Repertoireknüllern – in diesem Jahr ist es »Tosca« – und wenig bekannten oder aktuellen Stücken. Thomas Rothschild hat das Festival besucht. mehr

Gespräch mit Ilona Lagrene

»Die Bürgerrechtsarbeit war der Inhalt unseres Lebens«

Ilona Lagrene wurde 1950 in Heidelberg geboren. Schon als kleines Mädchen war sie mit den Folgen des Manuschengromarepen, wie Roma und Sinti den nationalsozialistischen Völkermord bezeichnen, konfrontiert. Als sie Reinhold Lagrene, den Aktivisten der Bürgerrechtsbewegung, heiratete, widmete das Paar sein gemeinsames Leben der Bürgerrechtsarbeit. Cornelia Wilß und Romeo Franz haben mit Ilona Lagrene gesprochen. mehr

Walt Whitmans 200. Geburtstag

»Das Tagwerk der Sonne«

Walt Whitman verstand sich als homerischer Volksdichter, als Barde einer »athletischen Demokratie«, wie er es in seinem Zyklus »Grasblätter« ausdrückte. Vielleicht auch deshalb erinnert sich das gebildete Amerika in diesem Jahr, da die US-Demokratie kriselt, mit besonderem Pathos an Whitmans 200. Geburtstag. Stefana Sabin fragt sich, ob er auch gelesen wird. mehr

Essay aus »Trigger Warnung«

Aufstieg von rechts. Welche Schuld trägt links?

Wie konnte es so weit kommen? Diese Frage, verbunden mit dem folgenden ›Was tun?‹, ist nach fast 75 Jahren wieder aktuell und nach dem Stimmenzuwachs der AfD dringlicher als zuvor. Unterschiedliche Interessen legen entsprechende Erklärungsmodelle nah, und guter Rat ist nicht möglich. In ihrem Essay fasst die Politikwissenschaftlerin Hadija Haruna-Oelker die unterschiedlichen wissenschaftlichen Positionen zusammen und beschreibt die Hindernisse für eine Einigung der Linken. mehr

Romanauszug

Der tiefere Grund

Im letzten Kapitel seines neuen Buches »Brüder im Geiste. Heidegger trifft Hölderlin« kommt Otto A. Böhmer auch auf die letzten Dinge zu sprechen. Es heißt »Der tiefere Grund« und beantwortet mit poetischer Melancholie die Frage, die sich wie ein Lebensfaden durch die Philosophiegeschichte zieht, nämlich, woran das Glück nicht hängt. mehr

Gespräch mit dem Künstler Alfred Ullrich

Über das Konkrete entsteht eine Idee im Kopf

Mütterlicherseits stammt Alfred Ullrich aus einer Wiener Sinti-Familie. Auch wenn sich seine Druck-Kunst auf den ersten Blick nicht mit seiner Herkunft beschäftigt, so bewegen sich seine abstrakten Formationen im reizvollen Spannungsfeld zwischen Schönem und Grobem, zwischen Anmut und Provokation, um, wie Alfred Ullrich sagt, herauszufinden, in welchem Verhältnis sich die deutsche Gesellschaft zu den Sinti und Roma heute befindet. Cornelia Wilß und Romeo Franz sprachen mit dem Künstler. mehr

30 Jahre Verlag Bibliothek der Provinz

Das Buch seines Lebens

Der in Niederösterreich ansässige Verlag Bibliothek der Provinz feiert sein 30-jähriges Bestehen. Anlässlich dieses Jubiläums widmet Axel Ruoff dem Verleger Richard Pils und seinem Verlag eine ausführliche Hommage. mehr

50 Jahre Verlag der Autoren

»Ich ziehe meinen Hut vor Euch«

Der Verlag der Autoren feiert 2019 sein fünfzigjähriges Bestehen. Am 14. Juni kamen Autoren aller Verlagssparten ins Frankfurter Schauspielhaus zur Präsentation des Jubiläumsbandes »Fundus«. Einer der dienstältesten Gesellschafter, die immer noch aktiv mit dem Verlag verbunden sind, der Filmregisseur Wim Wenders, hielt eine futuristische Rede, die zu lesen dringend geboten ist. mehr

INNERE SICHERHEIT

Die Unschärfe des Wissens

Wo verläuft die Grenze zwischen Wissen und Nichtwissen? Mit dieser philosophischen Frage mussten sich in letzter Zeit auch Sicherheitsbeamte beschäftigen. Anhand von Äußerungen führender deutscher Staatsschützer zur NSU-Mordserie und zum Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt zeigt Detlef zum Winkel, wie fragil unsere Demokratie ist. mehr

Alternativer Literaturnobelpreis für eine Rebellin

»Ich schreibe in Maryse Condé«

Seit Maryse Condé im Oktober 2018 von der Neuen Akademie in Stockholm den Alternativen Literaturnobelpreis verliehen bekam, zeigt sich die erkrankte Autorin in der Öffentlichkeit wieder wie gewohnt rebellisch und fordert für ihre Heimatinsel Guadeloupe die Unabhängigkeit. Marlène Seraphin hat die Autorin porträtiert (deutsche und französische Fassung). mehr

Claudius Seidls Feuilletons

Sinn am Sonntag

Claudius Seidl hat für ein Buch Texte aus zwei Jahrzehnten ausgewählt, die er für das Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung geschrieben hat. Bescheiden ist der Titel, »Die Kunst und das Nichts. Nahezu klassisches Feuilleton«, nicht gerade. Aber er passt, meint Vincent Sauer. mehr

EUGH-URTEIL

Politikum Zeit

Der Europäische Gerichtshof verpflichtet in einem Urteil die in der EU agierenden Unternehmen, die Arbeitszeit ihrer Beschäftigten zu erfassen. Das Recht auf arbeitsfreie Zeit und auf Vergütung der Überstunden werde sonst ausgehöhlt. Peter Kern verteidigt das Urteil gegen die teils kontroversen Reaktionen. mehr

Kunstbiennale in Venedig 2019

Mit wehender Mähne

»May You Live in Interesting Times« lautet das Motto der diesjährigen Venedig-Biennale. Interessantes gibt es auf Biennalen naturgemäß so einiges. Doch taugt es auch als Eigenschaft von Kunst? Darüber denkt Ellen Wagner anhand einer auch 2019 überfordernden internationalen Großausstellung nach. mehr

ZEIT:GEIST – Kulturmagazin DIE GAZETTE

Einst großartig

Es gibt sie noch, die gedruckten Kulturzeitschriften. Doch muss man sie wegen ihrer relativ kleinen Auflagen zumeist im großen Angebot der gewerblichen Publikationen suchen. In loser Folge werden in Faust-Kultur solche Zeitschriften vorgestellt, um sie sichtbar zu machen. Zum Auftakt liest Bernd Leukert das Kulturmagazin DIE GAZETTE. mehr

Theatergeschichte: Gespräch mit Karlheinz Braun

Die Originale fehlen nicht

Der Theaterverleger Karlheinz Braun hat ein Erinnerungsbuch geschrieben. Es heißt »Herzstücke. Leben mit Autoren« und ist im Schöffling Verlag erschienen. Darin verzeichnet der Chronist unendlich viel Theatergeschichte, Biographisches und Anekdotisches über Intendanten, Schauspieler und vor allem über Autoren. Und man erfährt, wie Frankfurt am Main einst zur Stadt des deutschen Avantgardetheaters wurde. Walter H. Krämer und Bernd Leukert haben mit dem Autor gesprochen. mehr

Dilek Güngör: »Ich bin Özlem«

(K)ein Merkmal unter vielen

Die Protagonistin des neuen Romans von Dilek Güngör ist in Deutschland aufgewachsen und kennt das Geburtsland ihrer Eltern nur von Urlaubsreisen. Für ihre Umgebung ist Özlem dennoch immer auch eine Türkin, und das macht sie wütend. Riccarda Gleichauf hat »Ich bin Özlem« gelesen. mehr

KUNSTBIENNALE IN VENEDIG

Die Auferstehung des Surrealismus

Die Kunstwelt blickt dieses Jahr wieder nach Venedig. Die Hauptausstellung der dortigen Biennale trägt den Titel »May You Live In Interesting Times«, parallel präsentieren unzählige nationale Pavillons künstlerische Beiträge. Thomas Rothschild hat sich auf die Suche nach aktuellen Tendenzen begeben. mehr

SEPP DREISSINGER IM GESPRÄCH

Da wurde ich hellhörig!

Mit dem Satz, Thomas Bernhard drohe, ein neues Buch über Salzburg zu schreiben, begann ein neuer Abschnitt im Leben des Fotografen und Filmemachers Sepp Dreissinger. Von da an wusste er, wer Bernhard war, und wurde zum publizistischen Begleiter des Schriftstellers. Elvira M. Gross hat sich von ihm den Hergang erzählen lassen. mehr

Yassin Al Haj Salehs achter Brief an Samira

Vier Jahre und vier Wörter

Im achten Brief, den Yassin Al Haj Saleh an seine entführte Frau Samira Khalil richtet, erklärt er, welche Leitmotive ihm inmitten bedrängender Sorgen und einer tiefen Sehnsucht nach der Verschwundenen das Überleben ermöglichen. Diese sind Schmerz, Hoffnung, Arbeit und Liebe. Mit diesen Energien richtet sich Yassin an die Öffentlichkeit, um das Wissen über Samira und jede Person, deren Präsenz vernichtet werden sollte, wach zu halten. mehr

Graciela Iturbide im Fotografie Forum Frankfurt

In Fridas Badewanne

Erstmalig wird die 1942 in Mexiko-City geborene Fotografin Graciela Iturbide mit einer Retrospektive in Deutschland geehrt. Ihr in über fünf Jahrzehnten entstandenes Œuvre gilt als grundlegend für das Verständnis der lateinamerikanischen Fotografie. Isa Bickmann spürt Iturbides ikonenhaften und intimen Bildern nach. mehr

Gespräch mit dem Musiker Dejan Jovanovic

»Ich bin befreundet mit dem Leben«

Dejan Jovanovic gilt als Meister der Akkordeons. Der 1978 in der Nähe von Belgrad geborene Künstler lebt in Berlin. Immer wieder zieht es ihn in die Landschaften und zu den Menschen seiner Heimat. Aus dem dort empfundenen Gefühl von Freiheit schöpft er Kraft für die Dinge, die ihn als Künstler und Musikpädagogen beschäftigen und über die er im Gespräch mit Cornelia Wilß und Romeo Franz erzählt. mehr

Elizabeth Bishops Gedichte

Ich bin eine Elizabeth

Die US-amerikanische Schriftstellerin Elizabeth Bishop, die 1979 starb, hat lange und akribisch an ihren Gedichten gearbeitet. Autobiographische Bezüge hat sie bedacht vermieden. Dafür hat sie viele Hinweise auf ihre literarischen Traditionszusammenhänge über ihr Werk verstreut. 2018 erschien eine zweisprachige Ausgabe ihrer Poesie, ausgewählt und übersetzt von Steffen Popp. Marcel Inhoff hat sich damit auseinandergesetzt. mehr

Zur »Kopftuch-Konferenz« an der Uni Frankfurt

Wer rettet hier wen?

Mit Spannung war der Beitrag des Exzellenzclusters Normative Orders zur Diskussion um die Bedeutung des Kopftuchs in unserer Gesellschaft erwartet worden. Leider wurde die Hoffnung, Erkenntnisse zu gewinnen, die den jetzigen Stand der wissenschaftlichen Diskussion vermitteln, enttäuscht, meint Miryam Schellbach. mehr

Theater in München

Bittere Tränen und Zidanes Kopfstoß

Im Gegensatz zum Fußball weiß der Spielleiter im Theater, wie das Spiel ausgeht. Er legt sogar jeden Spielzug fest, wenn er ihn nicht der Improvisation überlässt. Nicht jedes Theaterstück ist also ein Sportstück und umgekehrt, außer vielleicht in München, wo Walter H. Krämer von der Theaterliga berichtet. mehr

Uraufführung von Detlef Glanerts Oper OCEANE

… daß alle Natur zu klagen begönne

Die Okeaniden sind Töchter des Okeanos, also Meernymphen, die der Naturreligion und der Literatur angehören. Einer romantischen Idee zufolge möchten diese verführerischen Frauen aus der Literatur über die Liebe ins Leben kommen und Männer, umgekehrt, vom Leben ins nasse Grab ziehen. Alban Nikolai Herbst hat nun in Detlef Glanerts Oper »Oceane« weitere Umkehrungen ausgemacht. mehr

Warum die Welt weniger Religion braucht

Glaube. Macht. Gott.

Politik bedeutet permanentes Aushandeln von verbindlichen Vereinbarungen, um selbstzerstörerische Konflikte der Gesellschaft zu vermeiden. Mit ihrem Gottesbezug greifen die Religionen in diese Vereinbarungen ein und verstoßen damit gegen die Verfassung. In seinem Essay »Glaube. Macht. Gott.« zeigt Helmut Ortner in Beispielen, wo dies geschieht. mehr

Gespräch mit Oliver Georgi über Phrasen der Politik

»Wir haben verlernt zu streiten«

Seit einigen Jahren wird die Forderung nach Klartext in der Politik laut. Die Wähler fragen sich, ob Politiker nicht die Probleme beim Namen nennen können. Der Journalist Oliver Georgi hat ein Buch über Phrasen der Politik veröffentlicht. Im Gespräch mit Dominik Irtenkauf erläutert er seine Thesen. mehr

Essay

Achsenzeit, Achsenbruch

Epochenumbruch, Zeitenwende, Achsenzeit, Transformation, Disruption: Eine Zäsur steht an, und die deutsche Gesellschaft wird danach, so ahnt man, ihrer Vorgängerin nicht mehr gleichen. In seinem Essay skizziert Peter Kern die gegenwärtigen und zukünftigen Umbrüche in Wirtschaft und Politik. mehr

Ausstellung in Mainz

Standbein, Spielbein, Arbeitsbein

Im Mittelpunkt der Ausstellung »Between Us« in der Kunsthalle Mainz steht eine von Taneli Törmä einstudierte Choreografie. Mehrere Künstler haben die digitale Übersetzung der Tänzerbewegungen in Installationen transformiert. Ellen Wagner hat die ambitionierte Ausstellung besucht. mehr

Weltkulturen in Museen

Eine moralische Verantwortung

Es geht nicht mehr darum, Exotisches zur Schau zu stellen. Es geht um die Auseinandersetzung unserer Gesellschaft mit anderen Kulturen. Wie man Sammlungen zeigen kann und im ständigen Dialog einen Wissenstransfer erreicht, daran arbeitet das Linden-Museum in Stuttgart. Clair Lüdenbach hat mit der Direktorin Inès de Castro gesprochen. mehr

DER DICHTER YEVGENIY BREYGER

»Lyrik erfordert eine andere Aufmerksamkeit«

Der Leonce-und-Lena-Preis 2019 für junge deutschsprachige Lyrik ging an den Frankfurter Autor Yevgeniy Breyger. Eugen El hat mit dem 1989 geborenen Lyriker über die Tücken des Schreibens, seinen neuen Gedichtzyklus und den Wert der Dichtung gesprochen. mehr

EUROPOESIE: DIE LYRIKERIN MOYA CANNON

Goldköpfige Basstölpel

Die Provinz Ulster ist nicht Teil des britischen Nordirland, aber man spricht dort Englisch. Das County Donegal gehört dazu, die Heimat der Lyrikerin Moya Cannon. Fünf Gedichtbände hat sie bisher veröffentlicht. Daraus haben Eva Bourke und Eric Giebel eine Auswahl ins Deutsche übersetzt, und offensichtlich ist es ihnen leichtgefallen. Bernd Leukert hat sich im »Privaten Land« umgesehen. mehr

Gespräch mit dem Schriftsteller Artur Becker

Zum andern ist er eher besorgt

Das zärtliche Masuren ist voll von Opfern der Kriege, der Flucht, der Vertreibung und der Gewalt. Artur Becker, Sohn deutsch-polnischer Eltern, begann, auf Polnisch Gedichte zu verfassen; heute schreibt er auf Deutsch Romane. In seinem neuen Buch mit dem Titel »Drang nach Osten« zeichnet er vor allem die Geschichte seiner Familie nach. Im Gespräch mit Eric Giebel erzählt er von den Widersprüchen im kleinen und großen Europa. mehr

Die Geschichte der deutschsprachigen Popmusik

Geschichte wird nacherzählt

Das Schreiben über Pop-Musik ist nicht mehr nur das Refugium von Musikjournalisten. Im Internet kann jede/r seine Gedanken über Bands, Platten und Konzerte verbreiten. Auch die Kulturwissenschaften haben Pop als Thema entdeckt. Der Journalist Manfred Prescher hat nun eine Geschichte der deutschen Pop-Musik vorgelegt. Uwe Schütte hat sie gelesen. mehr

Gespräch mit dem Dirigenten Riccardo M Sahiti

»Die Leidenschaft für die Musik hat mich gerettet«

Riccardo M Sahitis Leidenschaft gilt der Freiheit der Musik, dem großen musikalischen Erbe der Roma und seinem Credo, dass die Roma die wahren Bürger Europas sind. Darüber sprachen Romeo Franz und Cornelia Wilß mit dem Dirigenten, aber auch über sein Engagement für die Roma und Sinti Philharmoniker und die Vertreibung seiner Familie aus der serbischen Stadt Kosovska Mitrovica. mehr

Gespräch mit Jacques Derrida

Über die Grenzen der Verdauung

1990 sprachen Daniel Birnbaum und Anders Olsson mit Jacques Derrida über die Grenzen der Verdauung und die religiösen sowie philosophischen Dimensionen dieser »humanistischen« Ökonomie der Verwertung. Ingo Ebener hat das Gespräch ins Deutsche übersetzt. mehr

Alle Spielfilme von Konrad Wolf auf DVD

Talent, Überzeugungen und Charakter

Wer sich für den deutschen Film interessiert, kennt die Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf. Aber wer kennt noch ihren Namensgeber? Als Filmregisseur erntete Konrad Wolf Anerkennung, nicht nur in der DDR, wo er lebte und arbeitete, sondern auch im Westen. Jetzt sind alle Spielfilme, die Wolf zwischen 1955 und 1980 gedreht hat, auf 14 DVDs erschienen. Es ist ein Leckerbissen für alle Filmfreunde, meint Thomas Rothschild. mehr

Kontroverse Songs

Jenseits von Scha-la-la-Land

Michael Behrendts Buch »Provokation! Songs, die für Zündstoff sorg(t)en« spannt den Bogen von Stöhn-Grooves bis Anarcho-Hymnen, von Rechtsrock bis Gangsta-Rap. Faust-Kultur veröffentlicht einen Auszug, der ausgehend vom ›Echo‹-Skandal 2018 einen Überblick über das Thema liefert. mehr

Essay

Totem und Tattoo

Spätestens im Sommer werden sie wieder sichtbar. Viele Menschen bedecken ihren Körper mit Tattoos. Woher kommt diese Mode? Welche Botschaft will der oder die Tätowierte aussenden? In seinem Essay denkt Peter Kern über die soziologische Dimension des Tattoos nach. mehr

CINZIA SCIUTO IM GESPRÄCH ÜBER DIE ZEITSCHRIFT MICROMEGA

Immer Partisan

Unter den politischen Kulturzeitschriften Italiens, die in Deutschland nicht erhältlich sind, ist eine mit einem besonderen Profil bemerkenswert: MicroMega, Zeitschrift für Philosophie, Politik, Kultur und Wissenschaft. Bernd Leukert sprach mit der Redakteurin Cinzia Sciuto über ihre Arbeit und die Ausrichtung der Zeitschrift. mehr

Opernfestival in Lyon

Russische Wirtin und karthagische Königin

Die Opéra de Lyon veranstaltet einmal im Jahr ein kurzes Festival. Diesmal stand es unter dem Motto »Leben und Schicksale«. Thomas Rothschild hat sich die Premieren von Tschaikowskis »Zauberin« und »Dido und Aeneas, remembered« nach Purcell angesehen. mehr

ULRIKE ALMUT SANDIGS LYRIK

Teilhabe an der Welt

Das lyrische Ich ist bei Ulrike Almut Sandig ständig in Bewegung. Ihre Texte nehmen ihre Leser mit auf rasante Reisen durch Zeit und Raum, Realität und Traum in Gefilde, die auf keiner gültigen Landkarte verzeichnet sind, wie sie selbst bekennt. Nun erhielt die Berliner Autorin den Horst Bingel-Preis für Literatur. Faust-Kultur dokumentiert die Laudatio der in Nottingham lehrenden Germanistin Dr. Heike Bartel. mehr

GESPRÄCH ÜBER SPENGLERS »UNTERGANG DES ABENDLANDES«

»Die Demokratie ist unser Optimum«

1918 erschien der erste Band von Oswald Spenglers »Untergang des Abendlandes«. In seinem Buch »Spenglers Visionen« blickt der Philosoph Peter Strasser auf Entstehung und Wirkung der vieldiskutierten Schrift. Gudrun Braunsperger sprach mit ihm darüber. mehr

Yassin Al Haj Salehs fünfter Brief an Samira

Paradoxe Realität

Im fünften Brief, den Yassin Al Haj Saleh an seine entführte Frau Samira Khalil geschrieben hat, beschreibt er, wie unfassbar es ist, dass der Krieg in Syrien ohne Folgen bleibt für diejenigen, die ihn verursachen. Im Gegenteil, die Geflohenen selbst hält man weithin für schuldig. Sie werden, so Yassin, »gefoltert und schuldig gemacht, getötet und schuldig gemacht«. mehr

Über Duftmittelbarkeiten

Niemand kommt durch die Nase denn durch mich

Der Riechsinn hat neuerdings eine Aufwertung erfahren, ebenso Duft und Düfte, die dem Flüchtig-Fluiden unserer Kultur schmeicheln. Dass hier Korrekturen und Unterscheidungen nottun, meint, mit Blick auf Kulturgeschichte wie auch Inszenierungspraxis der Wohldüfte, der Kunsthistoriker Christian Janecke. mehr

Todesstrafe in Japan

»Tradition der Wahrheit«

Japan gehört neben den USA zu den wenigen Demokratien, die noch an der Todesstrafe festhalten. Doch der internationale Druck, die Todesstrafe abzuschaffen, wächst. Helmut Ortner unternimmt eine Bestandsaufnahme. mehr

Weltmuseum Wien

»Bei uns ist alles ruhiger«

Heute stehen alle ehemaligen Völkerkundemuseen unter Verdacht: Wurden Teile ihre Bestände unrechtmäßig erworben? Im Weltmuseum Wien reagiert man differenziert auf diese Frage. Clair Lüdenbach sprach mit dem Direktor Dr. Christian Schicklgruber. mehr

WERNER HAMACHERS TEXTE ZU CELAN

Vor-Rede

Der Komparatist und Literaturtheoretiker Werner Hamacher, ein Erster ohnegleichen unter den Sprachphilosophen, ist 2017 nach relativ kurzer Krankheit gestorben. Nun ist unter dem Titel »Keinmaleins« eine Auswahl an Texten zu Paul Celan erschienen. Der französische Philosoph Jean-Luc Nancy beschreibt in seinem Vorwort, wie Hamacher, dem Dichter nachspürend, sich Celan anverwandelt hat. mehr

Werner Fritschs »Faust Sonnengesang«

Mephisto in Amerika

Seit vielen Jahren arbeitet der Schriftsteller Werner Fritsch an einem Filmgedicht, das »Faust Sonnengesang« heißt. Acht Teile à drei Stunden sind geplant. Der erste Teil ist auf DVD erschienen. Im aktuellen, dritten Teil kommt Fritsch in die USA. Dieses Filmgedicht sollte man sehen, findet Vincent Sauer. mehr

Reportage: EGON SCHIELE IM GEFÄNGNIS

Bilder einer Ausnahme

1990 wurde die österreichische 500-Schilling-Gedenkmünze Egon Schiele in Silber geprägt. Zu Lebzeiten hatte die staatliche Exekutive den später gefeierten Maler hinter Gitter gebracht. Der starb 1918 mit 28 Jahren an der spanischen Grippe. Johannes Winter war in Neulengbach im Wienerwald, auf den Spuren der Affäre Schiele. mehr

Briefe an Thomas Bernhard

Territorium der Haifische

Anneliese Botond war Lektorin bei Insel und Suhrkamp und begleitete über mehrere Jahre Thomas Bernhards Werk. Zwischen 1963 und 1970 verfasste sie mehr als 140 Briefe an Bernhard, dessen vermutlich wenige Antwortschreiben sich nicht erhalten haben. Im Korrektur-Verlag sind Botonds Briefe nun erschienen. Alexandru Bulucz hat sie studiert. mehr

Schwerpunkt Syrien

Yassin Al Haj Saleh: Dritter Brief an Samira

Seit 2011 ist Syrien Schauplatz eines von regionalen und internationalen Kräften genährten Krieges. Zahllose Menschen wurden getötet oder entführt und vermisst. Wie es sich anfühlt, auf der Suche nach den Vermissten selbst von guten Freunden ohne Hilfe zu bleiben, unerwartet hingegen von Unbekannten unterstützt zu sein, erzählt Yassin Al Haj Saleh in dem dritten Brief an seine Frau Samira Khalil, die am Abend des 9. Dezember 2013 in Douma entführt wurde. Die arabische Fassung wurde von Larissa Bender übersetzt. mehr

Uraufführung sklaven leben

Sensationelle Einblicke

Zur Frage, wie De-facto-Sklaverei mitten in Europa wirkt, haben Konstantin Küspert (Text) und Jan-Christoph Gockel (Regie) zusammen mit ihrem Ensemble ein neues Stück entwickelt, das im Rahmen der Frankfurter Positionen 2019 unter dem Titel »sklaven leben« am Schauspiel Frankfurt mit Komplexität und Komik überzeugend uraufgeführt worden ist. Andrea Pollmeier hat die Premiere im Kammerspiel gesehen. mehr

Kunst

Reflexionen zu Bruegel

Vor kurzem zeigte das Kunsthistorische Museum Wien eine umfangreiche Ausstellung mit Gemälden und Graphiken von Pieter Bruegel dem Älteren. Ein Besuch der Blockbuster-Schau regte Gudrun Braunsperger zu Beobachtungen über die Wahrnehmung der Kunst und ihre Rolle in der Gegenwart an. mehr

GESPRÄCH MIT DER AUTORIN MAREN KAMES

»Es gibt mir nichts, über Gattungen zu sprechen«

Vor einiger Zeit führten Vincent Sauer und Matthias Ubl ein Interview mit der Autorin Maren Kames. Sie sprachen über ihren preisgekrönten Band »halb taube, halb pfau«, aber auch (ihre) Poetik und das Schreiben im Allgemeinen. Faust-Kultur dokumentiert das bisher unveröffentlichte Gespräch. mehr

Essay über das Smartphone

Heilig und verdammt

Das Smartphone ist ein Alleskönner. Es bündelt Information, Kommunikation, Navigation und Unterhaltung. Es verlängert und intensiviert jedoch auch die Arbeitszeit. In seinem Essay denkt Peter Kern über Fluch und Segen des zum Minicomputer weiterentwickelten Mobiltelefons nach. mehr

Elektroakustische Musik

Den Puls fühlen

Alles, was nicht massentauglich ist, gerät in die Defensive, – zunehmend auch künstlerische Aktivitäten, mit deren Fülle und Reichtum wir sonst gerne argumentieren. Exemplarisch dafür ist die elektroakustische Musik, deren Organisation DEGEM eine eigene CD-Reihe, aktuell die 16. CD, herausgibt. Der Komponist Clemens von Reusner, der ebenfalls der DEGEM angehört, hat jetzt seine eigenen Werke veröffentlicht. Bernd Leukert stellt die Aufnahmen vor. mehr

Gespräch über Einar Schleef

Dem leidenden Menschen eine Stimme geben

Am 17. Januar 2019 wäre der Regisseur, Autor, Maler, Darsteller, Filmer und Fotograf Einar Schleef 75 Jahre alt geworden. Corinne Orlowski hat mit Suhrkamp-Lektor Hans-Ulrich Müller-Schwefe über Schleefs vielfältiges Schreiben und die Arbeit als dessen dramaturgischer Berater gesprochen. mehr

WARTEN AUF GODOT

Es wird ihm doch nichts passiert sein?

Die erste Premiere am großen Haus des Schauspiel Frankfurt im neuen Jahr: Becketts »Godot« – ein Stück, das nur vom Warten handelt und den Zuschauer mit einbezieht. Und das, nach Tausenden von Inszenierungen weltweit, immer noch Erwartungen wecken – und enttäuschen – kann. Martin Lüdke berichtet von der Premiere. mehr

Neue Gedichte von Sascha Anderson

»zu Lebzeiten mit ohne Ich.«

Sascha Andersons neue Gedichte, die mit Vignetten von Alissa Walser unter dem Titel »So taucht Sprache ins Sprechen ein, um zu vergessen.« erschienen sind, gilt es zu erobern. Denn sie bilden die Denkbewegung mit ab, die sie hervorgebracht hat. Der Lyriker Marcus Roloff hat sie nachgelesen. mehr

Der Film »DER DOLMETSCHER«

Roadmovie aus der Slowakei

Mit seinem jüngsten Film »Der Dolmetscher« könnte Martin Šulík Beachtung erfahren. In den Hauptrollen sind der Burgschauspieler Peter Simonischek und der tschechische Regisseur Jirí Menzel zu sehen. Dieses Roadmovie sollte man sich nicht entgehen lassen, meint Thomas Rothschild. mehr

Gewandhausorchester Leipzig

Musikalisch in die Zukunft blicken

Mit einem Fokus auf die Komponisten Felix Mendelssohn Bartholdy und Robert Schumann setzt Andris Nelsons im Januar 2019 seine zweite Saison als Gewandhaus-Kapellmeister fort und begeistert das Leipziger Publikum. Stefana Sabin stellt das Orchester und seinen Dirigenten vor. mehr

ZEITGENÖSSISCHE KUNST

Von innen nach außen verkühlt

Zu ihrem Einstand als Direktorin des Frankfurter Museums für Moderne Kunst (MMK) zeigt Susanne Pfeffer Werke der Künstlerinnen Marianna Simnett und Cady Noland. Ellen Wagner hat beide Ausstellungen besucht und denkt über deren programmatische Coolness nach. mehr

Kunqu-Oper bei den Berliner Festspielen

Von fremden Ländern und Menschen

Es ist durchaus nicht selbstverständlich, »Die vier Träume aus Linchuan« des Shakespeare-Zeitgenossen Tang Xianzu, aufgeführt von der Shanghai Kunqu Opera, angeboten zu bekommen, und zwar Anfang Dezember 2018 in Berlin. Bernd Leukert hat sich die Opern angesehen. mehr

DIE KÜNSTLERIN FLORENTINA PAKOSTA

Fratzen der Abstraktion

Anlässlich ihres 85. Geburtstags zeigt das Sprengel Museum Hannover eine Werkschau der österreichischen Malerin Florentina Pakosta. 2018 ist ihr Buch »Vorsicht Mensch«, eine Sammlung von Kurzprosa, Autobiographischem, Aphorismen und Tagebuchaufzeichnungen aus sechs Jahrzehnten erschienen. Axel Ruoff stellt die Künstlerin vor. mehr

Autoritarismus-Studie

Deutscher Eintopf

Seit 2002 untersuchen Leipziger Wissenschaftler die Verbreitung rechtsextremer Einstellungen und die Zufriedenheit mit demokratischen Institutionen in Deutschland. Nun ist die neunte Studie erschienen. Anhand ihrer Ergebnisse denkt Peter Kern über autoritäre Tendenzen in der Mitte der Gesellschaft nach. mehr

ZUM TOD VON HANS-KLAUS JUNGHEINRICH

Eleganz und Haltung

Sein Leben lang hat er das musikalische Geschehen beobachtet, über Musik und Musiktheater nachgedacht, suchte sowohl die großen Festivals auf, deren Programme Auskunft über den Stand der Dinge gaben, aber auch die kleinen, in denen mit Engagement und Hingabe musiziert wurde. Er war der prägende Musikredakteur der Frankfurter Rundschau und schrieb bis zuletzt für Faust-Kultur. Bernd Leukert erinnert an Hans-Klaus Jungheinrich. mehr

Zur Erinnerung an Wilhelm Genazino

Der Text ist klarer als das Leben

Die Lust an aphoristischen Formulierungen hat Wilhelm Genazino stets begleitet und, was seine Sinne auf der Straße aufsammelten, in melancholisch-groteske Detailbeschreibungen verwandelt; seine Reflexionen und inneren Monologe verraten, was wir sonst lieber verschweigen. Nun ist er in Frankfurt am Main gestorben. Im Gespräch mit Harry Oberländer sprach er einst über Ängste, Erfolg und den Zusammenhang von Leben und Literatur. mehr

Gespräch und Fragebogen

»Was möchten Sie sein? – Robert Spaemann«

Im einflussreichen Kreis der nichtmetaphysischen Philosophen war Robert Spaemann wohl der interessante Außenseiter, weil er nie aufhörte, teleologisch zu denken und nach der Bedeutung der Argumente zu fragen. Vor einigen Jahren hatte Alexandru Bulucz den katholischen Denker, der am 10. Dezember 2018 in Stuttgart gestorben ist, nach seinem Selbstverständnis befragt. mehr

Essay zur mehrsprachigen Literatur

Schrille Töne auf engen Bühnen

Was bedeutet es für deutschsprachige Schriftsteller, unter dem Label »mehrsprachige Literatur« eingeordnet zu werden? Sind sie für Exotismen zuständig? Müssen sie sich literarisch zu Fragen der Migration und der Integration äußern? In ihrem Essay betrachtet Sudabeh Mohafez ein wirkmächtiges Phantom. mehr

ERINNERUNG AN DEN DICHTER PAULUS BÖHMER

Meister des langen Atems

Lange galt das Werk des Dichters Paulus Böhmer als Geheimtip. In den letzten Jahren aber entzündete sich eine jüngere Generation literaturinteressierter Menschen am schillernden Lavastrom seiner Poesie. Jan Volker Röhnert hat »dem Meister des langen Atems«, der am 5. Dezember 2018 in Frankfurt am Main gestorben ist, ein einfühlsames, kenntnisreiches Porträt gewidmet. mehr

Meinungsjournalismus

»Umverteilen und Ausbremsen«

Wenn es eine Goldene Himbeere für schlechten Meinungsjournalismus gäbe, ginge sie in diesem Jahr an Ulf Poschardt, Autor des Artikels »Gebt uns mehr Verbote!«. Um der Aufmerksamkeit willen nimmt er den Vergleich von Verkehrs- und sozialer Umverteilungspolitik in Kauf. Alexandru Bulucz unterzieht Poschardts Text einer kritischen Analyse. mehr

Ausstellung in Frankfurt

Blütenduft, Sonnenlicht und Zwiebelschalen

Im Frankfurter Kunstverein ist zu sehen, wie sich die physikalisch-chemischen Prozessen innewohnende Poesie und die Verwendung naturhafter Mittel in der Kunst auf grundlegende Erkenntnisse über unsere Existenz zurückführen lassen. Isa Bickmann empfiehlt die Ausstellung, bedauert allerdings, dass die KünstlerInnen-Auswahl überkommene Geschlechterrollenstereotypen bestätigt. mehr

FICHTE UND DER URGRUND DES WIRKLICHEN

Am warmen Winterofen

Johann Gottlieb Fichte hatte wohl einige soziale Defizite; und wenn nicht Kant, den er um Geld anging, ihm nicht mit einer Empfehlung den Weg in die Öffentlichkeit geebnet hätte, wäre er möglicherweise im Heer der reisenden Hauslehrer verschwunden. Das unterhaltsam aufklärende Fichte-Kapitel stammt aus dem neuen Buch »Lichte Momente«, in dem Otto A. Böhmer Dichter und Denker von Platon bis Sloterdijk Revue passieren lässt. mehr

Chotjewitz-Häfner-Preis an ANNEGRET HELD

»Dieses Land aus Wind, Nebel und Schnee«

Am 24.November 2018 war der 10. Todestag von Renate-Chotjewitz-Häfner. An diesem Tag wurde in der Denkbar Frankfurt der Förderpreis verliehen, der ihren Namen trägt. Diesjährige Preisträgerin ist die 1962 in Pottum im Westerwald geborene Schriftstellerin Annegret Held. Faust-Kultur dokumentiert Martin Lüdkes Laudatio. mehr

GEDANKEN ZUM ALLTAG EINES MUSEUMSMENSCHEN IM JAHR 2025

Die Kulturmanagerin von morgen

Lange Zeit konnten Kulturmanager und -managerinnen sich auf die traditionellen Aufgaben des Museums beschränken: Sammeln, Bewahren, Erforschen und Vermitteln. In der digitalen Transformation werden sie zusätzlich auf fünf Ebenen gleichzeitig und verschränkt agieren müssen, um museale Sammlungen im Bewusstsein des Publikums zu halten. Barbara Fischer stellt die Ebenen dar und zeigt Chancen und Anforderungen auf. mehr

THEATERPREMIEREN IN STUTTGART

Paradigmenwechsel in Stuttgart

Mit sechs Premieren an zwei Wochenenden beginnt am Stuttgarter Schauspiel die Intendanz von Burkhard C. Kosminski. Thomas Rothschild sah die deutsche Erstaufführung des Stücks »Vögel« von Wajdi Mouawad, eine Bearbeitung der »Orestie« durch Robert Icke und die Uraufführung eines neuen Stücks des österreichischen Schriftstellers Clemens J. Setz. mehr

Politik

Rechts rockt – was tun, SPD?

Wie die Wahlforschung belegt, sind Arbeiter für die rechtspopulistische Agenda der AfD besonders anfällig. Wie soll die stolze, alte Arbeiterpartei SPD damit umgehen? Nach den jüngsten Landtagswahlen und dem sozialdemokratischen Debattencamp formuliert Peter Kern mögliche Antworten. mehr

MUSIK FÜR SCHWERE (JAHRES-)ZEITEN

Lockerer November

E, die Ernste Musik, und U, die Unterhaltungsmusik, das entspricht den Absichten des Apollinischen und des Dionysischen. Ist das Ernste stets einer geschichtsphilosophischen oder religiösen Moralvorstellung unterworfen, beharrt das Unterhaltende auf unbekümmerte Körperlichkeit und dem Vergnügen des Hier und Jetzt. In der Überschneidung beider Sphären hat Hans-Klaus Jungheinrich hörenswerte CD-Neuveröffentlichungen gefunden. mehr

GESPRÄCH MIT DEM KULTURWISSENSCHAFTLER MAGUEYE KASSE

Das Sichtbarwerden der Schwarzen Zivilisationen

Cornelia Wilß sprach im Rahmen einer vom Berliner Verein »FuturAfrik« organisierten Reise zur Dak’Art 13 unter Leitung von Dr. Ibou Coulibaly Diop mit Professor Maguèye Kassé über das afrikanische Erbe, neue Denkräume, nachhaltige Gesellschaftsentwürfe und warum er skeptisch ist, was die viel diskutierte Rückgabe gestohlener Kulturgüter angeht. mehr

Theater

Aktuelle Inszenierungen in Wien

In die Zwischenkriegszeit und zugleich in unsere Gegenwart führen die Theaterinszenierungen von Klaus Manns »Mephisto«, »Glaube Liebe Hoffnung« nach Ödön von Horváth und das Flüchtlingsdrama »Die Reise der Verlorenen«. Thomas Rothschild hat an der Wiener Burg, im Akademietheater und in der Josefstadt diese und weitere aktuelle Stücke gesehen. mehr

Schwerpunkt Syrien

Zweiter Brief an Samira von Yassin al Haj Saleh

Lange Zeit hat die westliche Welt die Krise im Innern Syriens ignoriert. Erst, nachdem die USA in den Konflikt eingreifen, ändert sich dies. In seinem zweiten Brief an Samira beschreibt Yassin Al Haj Saleh, wie sich die Situation durch die Globalisierung des Konflikts verändert und Syrien zum Epizentrum einer von regionalen und internationalen Kräften genährten Gewalt wird. mehr

Lüdkes liederliche Liste

Mein Gott! Ach Gott!

Lange Zeit blieb Denis Diderots brillantes Schelmenstück verschollen. Jetzt hat Hans Magnus Enzensberger den Dialog wieder entdeckt, aus dem Französischen übersetzt, einige Anmerkungen hinzugefügt und allgemein zugänglich gemacht: »Die Unterhaltung eines Philosophen mit der Marschallin de Broglie wider und für die Religion«. Martin Lüdke empfiehlt das Buch. mehr

Hans-Klaus Jungheinrichs CD-Empfehlungen

Die Klänge aus der Tiefe

Der Bass, dessen Register Arthur Schopenhauer sich weit weg von den anderen Stimmlagen, geradezu unterirdisch, im Reich der Mineralien vorstellte, vor allem der Kontrabass, dessen unhandliche Dimensionen eine Spielfertigkeit mit fliegenden Händen erfordert, steht im Mittelpunkt der Betrachtung, die Hans-Klaus Jungheinrich anhand neuer CD-Veröffentlichungen mit Musik von Barre Phillips und Stefano Scodanibbio vornimmt. mehr

Die Baustelle SPD

Amüsiere dich, kritisiere!

Die Sozialdemokraten haben es in unserem Land nicht leicht. Es wäre wohlfeil, spottend über ihren Misserfolg bei den heutigen Wählern herzuziehen. Stattdessen beschreibt Peter Kern in seinem Essay kritisch die Baustelle SPD und benennt ihre zukünftigen Aufgaben. mehr

Interview mit Christina Leber, 25 Jahre DZ Bank Kunstsammlung

Fotografie ist eine Infragestellung des Sehens

Fotokunst ist das alleinige Sammlungsgebiet der DZ Bank Kunstsammlung, die 2018 Jubiläum feiert. In regelmäßigen Ausstellungen ist sie auch für die Öffentlichkeit sichtbar. Über die Konzeption der inzwischen auf 7800 Werke angewachsenen Kollektion, die wissenschaftliche Erforschung von Firmensammlungen und aktuelle Fragen der Fotokunst sprach Isa Bickmann mit der Leiterin Christina Leber. mehr

Essay

Keine Juden mehr für Deutsche?

Das deutsch-jüdische Verhältnis charakterisiert Max Czollek als »Gedächtnistheater«. Juden kommen dort in ihrer symbolischen Bedeutung als Vertreter der Vernichteten vor. Sie spielen eine Rolle als Juden für Deutsche. In seinem Essay analysiert Czollek, wie es dazu kommen konnte und versucht, Wege aus den Rollenklischees aufzuzeigen. mehr

Jan Kjaerstad, Das Norman-Areal

Nach dem Holozän

Jan Kjærstads Roman »Das Norman-Areal« handelt von John Richard Norman, der als leidenschaftlicher Leser in Oslo aufwächst. Der Protagonist wird Lektor bei einem renommierten Verlag, bis seine Lesefähigkeit unerwartet schwindet. Alban Nikolai Herbst hat sich mit dem Roman auseinandergesetzt und ordnet ihn der phantastischen Literatur zu. mehr

Autorinnen aus vier Kontinenten

Liebhaberinnen und Mütter

Die Anthologie »Vollmond hinter fahlgelben Wolken« versammelt Kurzgeschichten von Autorinnen aus vier Kontinenten. Die Innen- und Außenansichten der Protagonistinnen eröffnen neue Wahrnehmungswelten und brechen mit stereotypen Rollenbildern, findet Riccarda Gleichauf. mehr

Schwerpunkt Syrien

Erster Brief an Samira von Yassin al Haj Saleh

In den Briefen, die Yassin al Haj Saleh an seine im Syrienkrieg entführte Frau Samira richtet, versucht der Autor, die politische Lage im Rückblick zu deuten. Zugleich übermitteln seine Zeilen ein bis in die Gegenwart reichendes Gefühl der Nähe zu dieser geliebten Person. Sieben Briefe sind von Yassin überliefert und werden in der Übersetzung von Larissa Bender in den nächsten Wochen auf Faust-Kultur dokumentiert. mehr

»Die Perser« von Aischylos in Frankfurt

Vier Stunden zu Fuß unterwegs

Ulrich Rasche hat am Schauspiel Frankfurt »Die Perser« inszeniert. Die Tragödie des griechischen Dichters Aischylos gilt als das älteste Drama der Welt. Die Begeisterung über die knapp vierstündige Aufführung war mächtig, die Erschöpfung trotz hoher Lautstärke deutlich, berichtet Martin Lüdke. mehr

EINE »VORBILDLICH« ETWAS PLANLOSE CD-PARADE

Bunte Reihe

Es erinnert ein wenig an die einstige taz-Kolumne »Scheibengericht«, was Hans-Klaus Jungheinrich da mit seinen CD-Entdeckungen beginnt: Der Verzicht auf thematische oder formale Verklammerungen ist auch die Befreiung vom Exempeldienst der einzelnen und zuweilen einzigartigen Komposition oder Einspielung für die musikalische Betrachtung. So erhält jedes Werk der Tonkunst seine eigene Geltung. mehr

In eigener Sache

Presseecho auf die Textland-Veranstaltung

Beim zweitägigen Textland-Literaturfest in der Evangelischen Akademie Frankfurt am Main diskutierten und lasen am 15. und 16. September 2018 über 20 Autorinnen und Autoren. Das Festival wurde umfangreich von Journalisten und Journalistinnen begleitet. Faust-Kultur dokumentiert ausgewählte Pressestimmen sowie Originaltexte von Textland-Autoren – und eine Bildergalerie von Alexander Paul Englert. mehr

75. Filmfestspiele von Venedig

Eine Liebesgeschichte aus Guatemala

Der Film »José« erzählt die (Liebes-)Geschichte eines 19-jährigen homosexuellen Mannes, der in Guatemala lebt. Bei den 75. Filmfestspielen von Venedig gewann »José« den »Queer Lion Award«. Felix Ernesto Arias Hück hat mit Li Cheng, dem Regisseur des preisgekrönten Films, über dessen Entstehung gesprochen. mehr

Gespräch mit der Dramaturgin Marion Tiedtke

»Unterschiedliche Stile kommen zusammen«

Die zweite Saison der Intendanz von Anselm Weber am Frankfurter Schauspiel hat gerade begonnen. Marion Tiedtke ist seit 2017 Chefdramaturgin am Schauspiel und leitet das Haus zugleich als Co-Intendantin mit. Vor dem Hintergrund der zurückliegenden Spielzeit und am Beginn der neuen Saison spricht Andrea Pollmeier mit Marion Tiedke über die Ziele, die sie am Frankfurter Theater realisieren möchte. mehr

NOTIZEN VOM LUCERNE FESTIVAL 2018

Der Sommer der Lehrmeister

Musikjournalisten benutzen gerne das Juwelierwort ‚hochkarätig’, wenn es um Bekanntes und Begehrtes geht: wenn Wolfgang Rihm und Dieter Ammann junge Komponisten unterrichten, Bronfman Liszt, Aimard und Stefanovich Stockhausen spielen, Petrenko Franz Schmidt, Nézet-Séguin Haydn und Tschaikowskij dirigieren. Hans-Klaus Jungheinrich hat auf dem Lucerne Festival den Meistern zugehört. mehr

RECHTSPOPULISMUS UND GEWERKSCHAFTEN

Die Falschmünzer der neuen Rechten

Eine auf zahlreichen Interviews mit Betriebsräten und Gewerkschaftssekretären basierende Studie untersucht die Affinität von Industriearbeitern zur rechtspopulistischen Partei »Alternative für Deutschland«. Peter Kern empfiehlt die Lektüre der Studie nicht nur Gewerkschaftlern. mehr

Die Leben des Käpt’n Bilbo

Das Leben, ein Abenteuerroman

Jack Bilbo wurde 1907 als Hugo Cyrill Kulp Baruch in eine großbürgerliche jüdische Familie in Berlin geboren. Mit wechselnden Identitäten schlug er sich durch das Zeitalter der Extreme. Bekannt wurde er als Schriftsteller, Maler, Galerist und Kneipier. Ludwig Lugmeier widmet Bilbo einen »Faktenroman«, den Dominik Irtenkauf gelesen hat. mehr

Frauen in der Evangelischen Kirche

Frauen der Bewegung

Die früheren Frankfurter Pfarrerinnen Ute Knie und Helga Engler-Heidle haben dafür gesorgt, dass die Geschichte der Frauenbewegung in der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) dokumentiert wird. Inzwischen gibt es mehrere Wikipedia-Artikel und Porträts, Interviews und Dokumente auf der Webseite der Landeskirche, berichtet Antje Schrupp. mehr

»RARITÄTEN DER KLAVIERMUSIK« IN HUSUM

Am Originalschauplatz des schön Unbekannten

Die Kenner der klassisch-romantischen Musik, umso mehr die Kenner der Moderne, kennen nur einen kleinen Teil des Repertoires. Wenige kleine Festivals, wie die Klavierraritäten in Husum, versuchen, dieses Ungleichgewicht wenigstens erkennbar zu machen. Hans-Klaus Jungheinrich konnte dort Schätze entdecken. mehr

Essay von Jean-Luc Nancy zur Heidegger-Debatte

Eine Wahrheit über die Wahrheit

Der französische Philosoph Jean-Luc Nancy unterzieht den Wahrheitsanspruch des Buches »Martin Heidegger: Die Wahrheit über die Schwarzen Hefte« von Friedrich-Wilhelm von Hermann und Francesco Alfieri einer genauen Prüfung und erläutert, warum der Mangel an Diskussionsbereitschaft der beiden Autoren und ihre sich selbst zerstörende These weder der Wahrheit noch Heidegger dient. mehr

Buchbesprechung

Tod eines Kommunisten

In einer Trilogie erzählt die deutsch-rumänische Schriftstellerin Carmen-Francesca Banciu von der ideologischen und geographischen Emanzipation einer Tochter von ihren Eltern. Der dritte Band ist in diesem Frühjahr erschienen und wurde für den Deutschen Buchpreis nominiert. Stefana Sabin hat »Lebt wohl, Ihr Genossen und Geliebten!« gelesen. mehr

ERINNERUNG AN DEN DIRIGENTEN JOSEPH KEILBERTH

Tot beim Liebestod

Für einen Dirigenten ist er früh gestorben. Joseph Keilberth war 60, als Tristan »Lass mich sterben!« sang und der Maestro verschied. Dass er ein bedeutender Musiker war, daran erinnert eine Sammlung von zehn CDs, die Hans-Klaus Jungheinrich empfiehlt. mehr

BERLIN BIENNALE

Wenn das Playback ausfällt, muss man lauter singen

»We don’t need another hero« lautet der Titel der 10. Berlin Biennale für zeitgenössische Kunst. Er verweist auf Tina Turners gleichnamigen Song aus dem Jahr 1985. Die Berlin Biennale findet an fünf Ausstellungsorten statt. Ihr gelingt vieles, was der letzten Documenta an thematisierten Problematiken über den Kopf wuchs, meint Ellen Wagner. mehr

Gespräch mit Laura Haber und Christiane Quandt

»Wir können machen, was uns gefällt«

Seit 2012 möchte die in Berlin ansässige Zeitschrift »alba.lateinamerika lesen« neue, noch nicht entdeckte Stimmen der lateinamerikanischen Literatur ins Deutsche bringen. Anlässlich des Erscheinens der elften alba-Ausgabe hat Eric Giebel mit den Redaktionsmitgliedern Laura Haber und Christiane Quandt über ihre Arbeit gesprochen. mehr

GESPRÄCH MIT DEM VERLEGER LUCIEN LEITESS

Unter dem Paradiesbaum

Der Züricher Unionsverlag ist seit Jahrzehnten die deutschsprachige Heimat zahlreicher Autoren von Weltrang. Im Gespräch mit Andrea Pollmeier spricht Verlagsgründer Lucien Leitess (rechts) über die Kunst, an unvermuteten Orten einen Schatz zu heben, die Bedeutung der Übersetzung und die Steinzeit-Phase des e-Books. mehr

Salzburger Festspiele 2018

Shylock zu Besuch bei Sarastro

Frank Castorf adaptiert Knut Hamsuns Romane »Hunger« und »Mysterien« für die Bühne, Sandra Hüller und Jens Harzer sind Penthesilea und Achilles in Johan Simons'Fassung von Kleists eigenwilligem Drama, Lydia Steier scheitert an Mozarts Oper »Zauberflöte«: Thomas Rothschild berichtet von den Salzburger Festspielen 2018. mehr

Ralf Rothmanns Roman »Der Gott jenes Sommers«

Kein Mond über den Feldern

Im Mittelpunkt von Ralf Rothmanns neuem Roman »Der Gott jenes Sommers« steht ein zwölfjähriges Mädchen, das Anfang 1945 mit ihrer Mutter und der älteren Schwester aus Kiel aufs Land fliehen muss. Rothmann beschreibt einen Mikrokosmos des Schreckens. Otto A. Böhmer hat den Roman gelesen. mehr

Hans-Klaus Jungheinrichs Musik-Empfehlungen

Utopien des Hörens

Musik, die auf der Höhe der Zeit komponiert wurde, rutscht, da letztere stetig weiterzieht, talwärts. Dem Altern der Neuen Musik haftet so, anders als der Alten Musik, etwas Melancholisches an. Bei Neueinspielungen aber ist oft ein Reifungsprozess zu hören. Hans-Klaus Jungheinrich hat Musik von Stockhausen, Lachenmann und Luke Bedford auf sich wirken lassen. mehr

W. G. Sebald-Debatte

Zähmung eines Widerspenstigen

W.G. Sebald ist ein Ausnahmeautor, auch weil er zeitlebens streitbarer Auslandsgermanist war und spät erst zum gefeierten Schriftsteller wurde. Die deutsche Germanistik hat ihn erst lange mit Misstrauen beäugt. Nun hat sie ihn in einem Handbuch verzerrend monumentalisiert, meint Sebalds Doktorand Uwe Schütte. mehr

30 JAHRE »ROSSINI IN WILDBAD«

Ein Herrscher der Oper

Die oft bestaunte kulturelle Dichte in Deutschland verdankt sich nicht nur ihrer finanziellen Unterstützung, die in anderen Ländern größer und nachhaltiger ist, sondern der Initiative einzelner Persönlichkeiten, die das unbedingt wollen. Eine dieser Unternehmungen ist das Schwarzwaldfestival »Rossini in Wildbad«, dessen Aufführungen zum 30-jährigen Bestehen Hans-Klaus Jungheinrich genossen hat. mehr

500. Geburtstag von Jacopo Tintoretto

Sintflut im Zeitraffer

Es gibt Gemälde, die sehr modern wirken, obwohl sie schon Jahrhunderte alt sind. Der Venezianer Jacopo Tintoretto malte um 1556 ein solches Bild. Es heißt: »Das Jüngste Gericht« und hängt in der gotischen Kirche Madonna dell`Orto. Zum bevorstehenden 500. Geburtstag Tintorettos blickt Ria Endres auf das dramatische Gemälde und das Venedig seiner Entstehungszeit. mehr

DAS GESAMTKUNSTWERK KRAFTWERK

Diskurs – Maschinen – Sinfonie

Ein vom Literaturwissenschaftler, Kulturessayisten und Musikjournalisten Uwe Schütte herausgegebener Essayband widmet sich der Krautrock- und Elektropop-Band »Kraftwerk« und beleuchtet sie als »Gesamtkunstwerk«. Der Herausgeber hat ein hochinteressantes und anregendes Buch auf die Beine gestellt, findet Michael Behrendt. mehr

Essay zum NEUE-MUSIK-FESTIVAL »Bridges« in Wien

Neue Musik, die Fahnenflüchtige

Die Brücken, die Musik zwischen Völkern schlagen soll, sind keine komponierten Menschen- oder Lichterketten. Sie ähneln eher Zugbrücken. Leon Ackermann hat in seinem Essay das Wiener Festival für neue Musik »Bridges« dessen verbindende und entbindende Qualitäten reflektiert. mehr

Khaled Khalifa: Der Tod ist ein mühseliges Geschäft

Ein Ende im Nichts

Wann beginnt eine Revolution? In Khaled Khalifas Roman »Der Tod ist ein mühseliges Geschäft«, der in Syrien spielt, lange vor dem sogenannten »Arabischen Frühling« 2011. Riccarda Gleichauf hat sich mit der schwer erträglichen Lektüre auseinandergesetzt. mehr

»TONALI«-KONZERTEREIGNIS IN DER ELBPHILHARMONIE

Soziale Großplastik

Ein wagemutiger Erziehungsversuch: Kinder nehmen ihre Eltern mit ins Konzert. Die von Amadeus Templeton gegründete Hamburger Initiative »TONALI« veranstaltet ein Wettbewerbs-Finale für junge Cellisten als Konzertereignis in der Hamburger Elbphilharmonie. Hans-Klaus Jungheinrich war dabei. mehr

Zum Tod von Oleg Jurjew

Die schönste Stadt des Exils

Am 5. Juli 2018 ist der Romancier, Lyriker, Dramatiker, Übersetzer und Essayist Oleg Jurjew gestorben. 1959 in Leningrad (heute: St. Petersburg) geboren, lebte er seit 1991 mit seiner Frau, der Autorin Olga Martynova und seinem Sohn, dem Übersetzer Daniel Jurjew, in Frankfurt am Main. Harry Oberländer erinnert an Jurjew und würdigt sein literarisches Werk. mehr

DIE SLIXS-CD »QUER BACH 2«

Sinnliche Vokalisten

Sie sind vielleicht nicht die ersten, die Johann Sebastian Bachs Instrumentalmusik singen. Aber sie sind unvergleichlich: Das A-cappella-Sextett SLIXS hat die zweite Bach-CD veröffentlicht, »Quer Bach 2«. Bernd Leukert ist entzückt. mehr

Saskia Hennig von Lange: »Hier beginnt der Wald«

In die Wildnis

Saskia Hennig von Lange beherrscht die Technik des Suspense, ohne einen Krimi zu schreiben. Der Protagonist ihrer Romanparabel »Hier beginnt der Wald« bewegt sich heraus aus einer Gesellschaft, die das Unbewusste unter Kontrolle hat, hinein in dessen wilde und gefährliche Zone. Gudrun Braunsperger hat das Buch gelesen. mehr

Mallorca: The Mouth Journal

Ein verheißungsvoller Auftakt

Mit »The Mouth« belebt ein neues Journal die Sprach- und Kulturwissenschaften. Es widmet sich der Mittelmeerinsel Mallorca als (post)kolonialem Schwellenraum zwischen Nord und Süd. Bruno Laberthier stellt das unkonventionelle Magazin vor. mehr

LUDWIGSBURGER SCHLOSSFESTSPIELE 2018

Drumming for Beethoven

Klassik und Folklore, Tanztheater und Minimal Music: Thomas Rothschild hat Konzerte und Aufführungen der Ludwigsburger Schlossfestspiele besucht, die sich mitunter auch gegen die Fußball-Konkurrenz behaupten konnten. In Stuttgart sah er außerdem eine gelungene Wiederaufnahme von Frank Wedekinds Handlungsballett »Lulu«. mehr

TSCHAIKOWSKIJ-OPERN IN HISTORISCHEN AUFNAHMEN

Ein Kontinent der Kontraste und Leidenschaften

Dass sich die Ästhetik musikalischer Aufführungen verändert und die technische Entwicklung hörbar daran beteiligt ist, belegen allein historische Aufnahmen. Aber nicht nur deshalb sind solche ›Ausgrabungen‹ wie die sämtlichen Opern von Pjotr Iljitsch Tschaikowskij, 1936 bis 1963 eingespielt von bedeutenden Künstlern und Kollektiven, wahre Schatztruhen. Hans-Klaus Jungheinrich hat sich darin umgehört. mehr

Feuilleton: Zwischen Literatur und Journalismus

Eine bedrohte Art

Für manche bezeichnet der Begriff einen locker-verspielten Schreibstil, andere verstehen darunter den Kulturteil überregionaler Zeitungen. Fest steht, dass das Feuilleton in Zeiten medialer Umbrüche zunehmend unter Druck gerät. Eugen El stellt einen Sammelband vor, der aktuelle Texte zu Geschichte, Gegenwart und Zukunft des Feuilletons zusammenträgt. mehr

PREIS DER AUTOREN 2018 an Lola Arias

Lola Arias seziert Mechanismen des Kriege

Die argentinische Regisseurin Lola Arias ist für ihr komplexes Anti-Kriegs-Projekt »Theatre of War: Minefield/Campo Minado« mit dem Preis der Autoren 2018 ausgezeichnet worden. Die Laudatio von Jurymitglied Annette Reschke und ein Videogespräch (Regie: Harald Ortlieb) über die Arbeitsweise von Lola Arias führen in das Werk der Künstlerin ein. mehr

DIE CAUSA ÖZIL UND GÜNDOGAN

Zweierlei Maß

In den vergangenen Wochen wurde das Treffen der beiden deutschen Nationalspieler Mesut Özil und Ilkay Gündogan mit dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan kontrovers diskutiert. Anlässlich des Auftaktspiels der deutschen Elf bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland blickt Gregor-Sönke Schneider auf die Diskussion zurück und kritisiert deren Doppelmoral. mehr

Bellinis »Norma« in der Regie von Christof Loy

Zerrissen zwischen Liebe und Verrat

Mit der jüngsten Premiere in der Frankfurter Oper ist »Norma« aus der Ferne vergangener Keltenmystik in der Neuzeit gelandet und verständlich geworden. Christof Loy hat Vincenzo Bellinis letztes Meisterwerk zu einem politisch wie emotional extremen Stück gemacht. Warum es neben dem verdienten Jubel auch Buhrufe für die Inszenierung gab, ist Andrea Richter schleierhaft. mehr

Alban Nikolai Herbst: Axel Ruoff, Apatit

Stein aus Frau

Die künstlerische Verwandlung einer Statue in einen Menschen ist, seit der mythische Bildhauer Pygmalion auf Zypern dieses Wunderwerk vollführte, immer wieder imitiert und variiert worden. Der umgekehrte Weg, nämlich der in die mineralische Erstarrung, ist wegen geringerer Attraktivität nicht gerne beschritten worden. Axel Ruoff aber hat das in seinem Roman »Apatit« mit guten zeitgenössischen Gründen gewagt, und Alban Nikolai Herbst ist davon beeindruckt. mehr

Giwi Margwelaschwili: Bedeutungswelten

Leselebenswelten

Im Jahr 2016 besuchte der Verleger Jörg Sundermeier Giwi Margwelaschwili in Georgien. Er befragte den 1927 geborenen, in Berlin aufgewachsenen Autor nach seinem Leben und Werk. Herausgekommen ist der Band »Bedeutungswelten«: Ein lebendiges Porträt eines aufgeweckten Geistes, meint Dominik Irtenkauf. mehr

PETER KURZECK ZU EHREN

Wohin mit der Zukunft?

Am 10. Juni 2018 wäre Peter Kurzeck 75 Jahre alt geworden. Seine Romane atmen Gegenwart, meint Arno Dahmer, der dem großen Frankfurter Autor in seiner Betrachtung noch einmal schreibend begegnet. +mehr

Theaterabend in Zürich: Und was erlöst uns heute?

Die Crew gibt keine Antwort

Erlösung ist ein religiöser Begriff. »Es ist offensichtlich unerträglich, unser Dasein.«, schreibt der Schweizer Komponist, Kulturwissenschaftler, Philosoph und Soziologe Patrick Frank. Deshalb realisierte er das Projekt »Und was erlöst uns heute?« in der Gessnerallee Zürich. Rumora Mottenfrass schildert ihre Eindrücke. mehr

Lusophone Literatur: Gespräch mit Mia Couto

»Die Unsichtbarkeit der Besiegten«

Wer Mia Couto begegnet, erlebt einen zurückhaltenden Menschen, der Lesungen in großen Auditorien eher meidet. Während seiner Lesereise zu seinem neu auf Deutsch erschienenen Buch „Imani” war das Besucherinteresse jedoch außergewöhnlich. Der in Mosambik als Sohn portugiesischer Einwanderer geborene Autor zählt heute zu den bedeutendsten Schriftstellern der Lusophonie. Michael Kegler hat mit dem Autor über sein neues, als Trilogie geplantes Werk gesprochen. mehr

CD-Neuheiten mit Schubert, Pärt, Glass und Korngold

Symphonie – Hauptsache, Nebensache?

Die Musikgeschichte ist ungerecht. Werke, die die Tür zu neuen ästhetischen Entwicklungen öffneten, selbst aber vor der Schwelle verblieben, versetzt sie gerne und bestenfalls in die Fußnoten. Hans-Klaus Jungheinrich hat sich daraufhin auf CD veröffentlichte Musik von Arvo Pärt, Louis Glass und Erich Wolfgang Korngold (Foto), aber auch von Franz Schubert angehört. mehr

Hallig Hooge oder: der Maler und seine »Grotesken Bilder«

Wo Emil Nolde Gespenster sah

Dunkelglühendes Rot, Lila, Orange und düsteres Blau, Blumenbilder, verhangene Sonnenuntergänge am Meer. Daran erkennen wir die Arbeit des Expressionisten Emil Nolde. Doch dann offenbarte eine Ausstellung in Wiesbaden eine ganz andere Seite des Malers, die Johannes Winter zur Hallig Hooge führte und zu den Gespenstern. mehr

Die Realität der Literatur

Zum Tod von Philip Roth und Nathan Zuckerman

Er war assimiliert, aber nicht angepasst. Seine Herkunft kam ihm wie eine vorprogrammierte Entfremdung vor, die ihm einen kritischen Blick auf die amerikanische genauso wie die jüdische Welt ermöglichte. Am 22. Mai 2018 ist der Schriftsteller Philip Roth im Alter von 85 Jahren gestorben. Stefana Sabin erinnert an Roths Leben und Werk. mehr

Buchbesprechung

Auf Schatten gewachsen

Die Geschichte, die zwei Psychotherapeuten sich und uns in Gert Heidenreichs neuem Roman »Schweigekind« erzählen, handelt von einer Generation, die auf Schatten gewachsen ist, ohne zu wissen, wer sie geworfen hatte. Das Buch ist ein Krimi, zugleich ein Gesellschaftsroman des gehobenen Kunst- und Kulturbetriebs. Harry Oberländer findet es lesenswert. mehr

Botho Strauß: Der Fortführer

Die alten Töne

In seinem neuen Buch »Der Fortführer« äußert sich Botho Strauß zum Großen und Ganzen und auch zu Kleinkram, den er bedenklich oder gerade noch erträglich findet. Der Titel ist Programm: Strauß führt fort, was die großen Alten einmal begonnen haben, ehe man ihnen das Wort entzog. Otto A. Böhmer hat das Buch mit Gewinn gelesen. mehr

Lehárs Operette über Geld und Liebe an der Oper Frankfurt

Ein zwiespältiges Happy End

Franz Lehárs Operette »Die lustige Witwe« war in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ein Riesenerfolg. Manche Arie ist zum Schlager, manche Zeile aus dem Libretto zum geflügelten Wort geworden, so die Lebensweisheit des Grafen Danilo: »Verlieb' dich oft, verlob' dich selten, heirate nie!« Nun wird Lehárs Operette an der Oper Frankfurt auf ihre Wirkung im 21. Jahrhundert getestet. Stefana Sabin sah die Premiere der neuen Inszenierung. mehr

Badenweiler Musiktage 2018

Handgemacht

Klassische Musik von der Stange ist fast überall zu haben. Aber ein intelligent gemachtes Programm, mit dem Entstehung, Geschichte und Bedeutung der Musik reflektiert wird, muss man suchen. Gefunden hat Hans-Klaus Jungheinrich ein solches Vorgehen bei den Badenweiler Musiktagen, die im Frühjahr 2018 erstmalig von SWR-Redakteurin Lotte Thaler geleitet wurden. mehr

Ausstellung: Power to the People. Politische Kunst jetzt

Kunst mit politischem Antrieb

Der Titel »Power to the People« impliziert es bereits: Eine Ausstellung in der Schirn Kunsthalle Frankfurt konzentriert sich auf politische Kunst in Zeiten, in denen die Demokratie sich als zerbrechlich zeigt und aktives Engagement nötiger denn je scheint. Im Ganzen ist das eine recht sehenswerte, wenn auch überraschend leise Ausstellung, findet Isa Bickmann. mehr

Austausch mit irakischen Autorinnen

»Jedes Thema ist vermint«

Am 12. Mai finden unter schwierigen politischen Bedingungen im Irak Parlamentswahlen statt. Sechs Monate zuvor kamen drei irakische Autorinnen, Zainab Alaeani, Nidaa Hasan und Suhad Issa, die an einer Schreibwerkstatt der Initiative elbarlament im Irak teilgenommen hatten, nach Frankfurt. Andrea Pollmeier dokumentiert ihr Gespräch mit ihnen. mehr

Max Winters Expeditionen ins dunkelste Wien

Ein Wallraff in Wien

Mit seinen Sozialreportagen aus der Wiener Unterwelt wurde Max Winter (1870-1937) vor gut hundert Jahren berühmt. Kürzlich wurde er wiederentdeckt. Nun ist ein Buch mit ausgewählten Reportagen Winters erschienen, und Martin Lüdke empfiehlt es. mehr

Ein Philosoph der handfesten Dinge

Warum es sich wieder lohnt, Marx zu lesen

Der Philosoph, Ökonom, Gesellschaftstheoretiker, politische Journalist und Protagonist der Arbeiterbewegung, Karl Marx, wurde vor 200 Jahren geboren. Nach den Katastrophen, die in seinem Namen stattfanden, findet sein Werk heute wieder seriöses Interesse. Der 2014 verstorbene Publizist Hans-Martin Lohmann erinnerte einst an den wortgewaltigen Schriftsteller und brillanten Theoretiker. mehr

MUSIKTHEATER in Stuttgart

Eine Welt hinter Gittern

In Stuttgart werden die Kurzopern »Der Gefangene« von Luigi Dallapiccola und »Das Gehege« von Wolfgang Rihm zu einem zweistündigen Abend zusammengefasst, an dem Andrea Breth Regie führt. Die Junge Oper zeigt das dystopische Stück »Krieg. Stell dir vor, er wäre hier« von Marius Felix Lange. Thomas Rothschild hat beide Inszenierungen besucht. mehr

Postmigrantisches Erzählen

Der Pferdeschwanz der Anderen

Nava Ebrahimi hat 2017 für »Sechzehn Wörter« den Österreichischen Buchpreis in der Kategorie Debüt bekommen. In ihrem Erstling schickt die Wahl-Grazerin ihre Erzählerin Mona auf eine Reise zwischen Köln und Iran. Warum der Roman mehr ist als eine Homecoming-Story und trotz einiger gängiger Iran-Motive keine Klischees reproduziert, beleuchtet Maryam Aras. mehr

50 Jahre 1968

Daniel Cohn-Bendit erzählt

Als im Mai 1968 die Pariser Studenten aufbegehrten, war Daniel Cohn-Bendit ihr prominenter Wortführer. Auf dem Höhepunkt der Proteste wurde Cohn-Bendit aus Frankreich ausgewiesen. Für Jonas Englerts Online-Video-Archiv »Zoon Politikon« beschreibt Daniel Cohn-Bendit innerhalb von fünfzig Minuten sein Leben als politisches Lebewesen. Faust-Kultur dokumentiert das Video. mehr

OP-Verse von Endres, Gernhardt und Campbell

Aus tiefster Not

Chirurgen greifen in unser Leben ein. Und es besteht die Gefahr, dass es sich nach dem Eingriff ganz anders oder gar nicht fortsetzt. Bernd Leukert hat Verse aus dem Klinikbett von Ria Endres, Robert Gernhardt und Paul-Henri Campbell gelesen, in denen die Gefahr präsent ist. mehr

Konzert: Arcade Fire in Frankfurt

Performing In The Round

»Wenn ihr diesen Song nicht schnell abmischt, werde ich ihn euch klauen!«, soll David Bowie über »Reflektor« gesagt haben. Daraus wurde dann ein gesanglicher Gastbeitrag des erklärten Arcade-Fire-Fans. Für das einzige Deutschland-Konzert ihrer Europa-Tour im April kam die kanadische Band nun in die Frankfurter Festhalle. Claudia Olbrych war bei dem Auftritt dabei. mehr

Heinz Götze: Was aus der Heimat wurde ...

Die Lehre des Reinhardswaldes

Im Buch »Was aus der Heimat wurde, während ich lange weg war« kehrt der Germanist Karl Heinz Götze nach fast vierzig Jahren in seinen nordhessischen Geburtsort zurück. Das Buch ist eine Mischung aus Kindheitserinnerung und soziologischer Analyse, aus Autobiographie und kritischer Landschaftsbeschreibung. Harry Oberländer findet es lesenswert. mehr

Gerlind Reinshagens gedichte »Atem anhalten«

Verramschte Leben

Die 1926 geborene, seit langem in Berlin lebende Autorin Gerlind Reinshagen hat Theaterstücke und Hörspiele, Romane und Geschichten geschrieben. Nun sind bei Suhrkamp ihre gesammelten Gedichte erschienen: »Atem anhalten«. Reinshagen hat gerade auch jüngeren Generationen etwas zu sagen, meint Riccarda Gleichauf. mehr

Zum 50. Todestag Martin Luther Kings

I´ve been to the mountaintop

Vor fünfzig Jahren, am 4. April 1968, wurde der US-Bürgerrechtler Martin Luther King auf dem Balkon eines Motels in Memphis (Tennessee) erschossen. Der Pfarrer Jeffrey Myers denkt in seinem Essay über die Aktualität der Botschaft Kings nach und würdigt dessen Einsatz für gewaltlosen Widerstand. mehr

Buchkritik: »Das schwarze Paradies«

Insel des Teufels

Ein Zahnarzt verlässt die Großstadt und wandert auf eine einsame Insel aus. Seine Robinsonade steht am Beginn einer zwischen Phantasie und Wirklichkeit changierenden Erzählung über »das schwarze Paradies«. Gudrun Braunsperger hat den gleichnamigen Roman der 1981 geborenen norwegischen Autorin Ida Hegazi Høyer gelesen. mehr

»Falstaff« an der Staatsoper Unter den Linden

Fassbinders Falstaffs böser Triumph

Die commedia lirica »Falstaff« war Giuseppe Verdis letztes Bühnenwerk, das er nur komponieren wollte, um sich zu vergnügen und die Zeit zu vertreiben. Der Librettist Arrigo Boito hatte den Stoff aus Shakespeares’ »Lustigen Weibern von Windsor« und Fragmenten aus »Heinrich IV« zusammengefügt. Alban Nikolai Herbst hat Mario Martones Inszenierung an der Staatsoper Unter den Linden in Berlin unter dem Dirigat von Daniel Barenboim gesehen. mehr

Porträt der Krimiautorin Merle Kröger

Klarer Blick auf gesellschaftliche Brüche

Im dritten Teil der vierteiligen Serie über deutschsprachige Krimiautorinnen stellt Kirsten Reimer die 1967 geborene Wahlberlinerin Merle Kröger vor. Deren multiperspektivisch aufgebaute Romane gehen von realen Begebenheiten aus. Sie verbinden historische Aufarbeitung, individuelles Erleben und politische Analyse mit Elementen des Krimis und des Thrillers. mehr

Konflikt zwischen Barcelona und Madrid

Spaniens Mühsal mit Dialog und Kompromiss

Wenn wir nicht mehr wissen, wer die Guten und wer die Bösen sind, können wir uns nicht einmal engagieren. Johannes Winter hat die Fakten im Konflikt der autonomen Katalanen mit der spanischen Zentralregierung zusammengetragen, die eine Parteinahme für diese franquistisch belastete Regierung oder für die republikanisch irrlichternden Separatisten nicht nahelegen. mehr

Neue Musikbücher

Fürs Leben, zum Überfluss

Musikbücher sind selten Bücher über Musik. Dafür finden in ihnen Komponisten- und Musikerbiographien und deren soziopolitische Einbettungen Platz, Anekdoten, Künstlerfreundschaften in Briefen und Zeugnissen oder musikgeschichtliche Erzählungen. Hans-Klaus Jungheinrich hat fünf Lexika, Handbücher, Komponistenportraits und historische Untersuchungen gesichtet. mehr

SYRISCHE LITERATUR IN DER DIASPORA

Schreiben in Freiheit

Das Jahr 2011 markiert in Syrien nicht nur den Beginn des zunächst friedlichen Aufstands gegen das Regime des Diktators Baschar al-Assad. Auch das literarische Schaffen nahm in dieser Zeit einen enormen Aufschwung. Die meisten Schriftsteller leben allerdings heute im Exil – viele von ihnen in Deutschland. Larissa Bender gewährt Einblicke in die Szene syrischer Diasporakünstler. mehr

Kafkas Amerika am Theater Willy Praml

Finsternis des modernen Lebens

Franz Kafkas postum veröffentlichtes Romanfragment »Amerika oder Der Verschollene« erzählt von Ankunft und Abstieg des 16-jährigen Pragers Karl Rossmann im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Das Frankfurter Theater Willy Praml adaptiert »Amerika« zu einem vierstündigen Parcours. Walter H. Krämer hat die facettenreiche Inszenierung besucht. mehr

Roy Ascott und die Kunst des Transhumanismus

Der Künstler als Knoten im Netzwerk

Wie sich Kunst und Wissenschaft bei der Vorstellung von der Maschinisierung des Menschen gegenseitig beeinflusst haben und wie sich die Technozukunft in der künstlerischen Praxis zeigt, dem ging Hubertus Kohle in einem Vortrag nach, den er Anfang Februar in München gehalten hat. Transhumanistische Kunst sei noch immer eine sehr esoterische Angelegenheit, meint der Kunsthistoriker. Faust-Kultur dokumentiert den Text. mehr

Gespräch mit dem Literaturkritiker Michael Braun

Wunderbarer Eigensinn

Am 15. März 2018 wird in Leipzig der Alfred-Kerr-Preis an Michael Braun vergeben. Das Fachmagazin Börsenblatt ehrt damit den Heidelberger Rezensenten für seinen jahrzehntelangen Einsatz für die Gegenwartslyrik. Bernd Leukert hat aus diesem Anlass mit Michael Braun ein Gespräch geführt, das schnell ins Grundsätzliche geriet. mehr

Ausstellung in Ludwigshafen

Der Orphismus und der Beginn der Abstraktion

Der Orphismus ist einer der vielen Ismen, mit denen man der Vielfalt der modernen Kunstströmungen zu begegnen suchte. Sein Name wurde 1912 vom Dichter Guillaume Apollinaire gefunden für jene Richtung des Kubismus, die das Licht als den die Farben in Bewegung bringenden Faktor sieht. Das Wilhelm-Hack-Museum in Ludwigshafen zeigt erstmals eine Überblicksausstellung dieser Richtung, und Isa Bickmann hat sie gesehen. mehr

Oper L`Africaine

Von Irdischen und Außerirdischen

Niemand weiß, ob es Außerirdische gibt, und falls ja, wie sie singen. Wer sich »L` Africaine – Vasco da Gama« von Giacomo Meyerbeer in der Frankfurter Oper ansieht, bekommt eine Gewissheit: Sie singen wunderbar. So gut wie die Irdischen. Das beweisen sie in einer ungewöhnlichen und grandiosen Inszenierung von Tobias Kratzer, meint Andrea Richter. mehr

EIN ETWAS ANDERES SCHMETTERLINGSBUCH

Falsche Apollofalter und Felsenhexen

Schon als Kind fing er die ersten Schmetterlinge. Nun hat sich der Schriftsteller Peter Henning einen Traum erfüllt: Er ist zu einer großen Falter-Expedition kreuz und quer durch Europa aufgebrochen. Seine Reiseerlebnisse sind in das Buch »Mein Schmetterlingsjahr« eingeflossen, Faust-Kultur dokumentiert daraus die Einleitung. mehr

Aufnahmen von Tippett, Dukas, Schwarzkopf

Vom Wühltisch

Nicht immer entspricht der Inhalt den Versprechungen auf der Verpackung. Und wenn es sich um CDs handelt, ist eine Überprüfung an Ort und Stelle meist nicht möglich. Aber mit schrumpfenden Preisen wächst die Versuchung. Hans-Klaus Jungheinrich ist ihr erlegen, und er hat mit »Midsummer Marriage« von Tippett, »Ariane« von Dukas und Elisabeth Schwarzkopf Überraschungen erlebt. mehr

Detlev Claussen zum 70. Geburtstag

Fortzusetzen …

Am 24. Februar 2018 feiert Detlev Claussen seinen 70. Geburtstag. Er studierte in Frankfurt unter anderem bei Theodor. W. Adorno und Max Horkheimer. 1994 wurde Claussen Professor für Gesellschaftstheorie, Kultur- und Wissenschaftssoziologie an der Universität Hannover. Gregor-Sönke Schneider würdigt das Werk des Kritischen Theoretikers. mehr

Österreich nach der Wahl – Tage der Unruhe in Wien

»Was passiert eigentlich mit uns?«

Eine Veranstaltungsreihe im Wiener Theater Nestroyhof sucht nach Antworten angesichts der jüngsten politischen Entwicklungen – nicht nur in Österreich. Bewusst werden nicht Journalisten, sondern Autoren eingeladen. Elvira M. Gross berichtet vom Premierenabend mit dem Essayisten Franz Schuh. mehr

Gespräch mit Inez Florschütz

»Ich erlebe immer wieder Überraschungen«

Im Jahr 2017 feierte das Deutsche Ledermuseum in Offenbach sein hundertjähriges Bestehen. Zwei Sonderausstellungen boten einen Vorgeschmack auf die zukünftige Ausrichtung des Museums. Eugen El hat mit Direktorin Inez Florschütz über ihre Pläne, sensible Sammlungsobjekte und das Leben in der Rhein-Main-Region gesprochen. mehr

Essay zum Festival für neue Musik »Ultraschall«

Flug und zerbrochener Flügel

Weil das Lesen für zu viele Leute zu anstrengend ist, hören sie lieber. Aber weil das Hinhören genauso anstrengend ist, erfordert das Schreiben über Musik eine doppelte Anstrengung: Leon Ackermann ist mit seinem großen Essay über das Festival »Ultraschall Berlin«, das von den Rundfunksendern rbb und Deutschlandfunk Kultur im 20. Jahrgang veranstaltet wurde, dem Wahrnehmungsverfall entgegengetreten. mehr

ESSAY ZUR LEITKULTUR-DEBATTE

Beschädigte Selbstachtung

Gegenwärtig wird immer wieder gefordert, Fremde, die bei uns Schutz und Heimat suchen, müssten sich unseren Sitten und Gebräuchen »anpassen«. Dabei ist auch von »Leitkultur« die Rede. Die Frage, wie es dabei um die Selbstachtung der Betroffenen steht, bewegt die Öffentlichkeit hingegen kaum, meint Peter Strasser. mehr

Der Autor Wolfgang Hilbig

Aus der Asche

Sprachgewaltig und metaphernstark hat er in kulturfeindlichem Ambiente sich selbst erschrieben. Wolfgang Hilbig, 1941 in Meuselwitz geboren und 2007 in Berlin gestorben, hat niemandem gedient, nicht einmal sich selbst. Harry Oberländer hat sich mit dem ost- und westdeutschen Schriftsteller beschäftigt und sich mit der Hilbig-Biographie von Michael Opitz befasst. mehr

Nachträgliches zu einem Briefroman

»Leben, solange wir leben«

Er hatte die Begabung für die virtuose Schmähung und war ein Meister der elaborierten, »Gebetsmühlenprosa«, wie Siegfried Unseld schrieb. Thomas Bernhard, der am 9. Februar 1931 geboren wurde, schreckte vor Drohungen und Erpressungsversuchen nicht zurück, um mit aristokratischer Attitüde zu Geld zu kommen. Theresia Prammer hat sich mit dem Briefwechsel des schwierigen Autors mit seinem Verleger vertraut gemacht. mehr

Ilijas Shansugirow, Das Lied von Kulager

Der Helden Freund

»Das Lied von Kulager« ist ein modernes Epos, das 1936 in Fortsetzungen in einer kasachischen Zeitung veröffentlicht wurde. Sein Autor, Ilijas Shansugirow, war Lyriker und hat unter anderem Puschkin ins Kasachische übertragen. Gert Heidenreich hat Shansugirows Epos auf Deutsch nachgedichtet, und Thomas Rothschild empfiehlt den Band. mehr

Gespräch mit dem Maler Adam Jankowski

Jedes gemalte Bild ist ein Fetisch

Der in Gdansk geborene Maler Adam Jankowski wird am 1. Februar 2018 siebzig Jahre alt. Er wuchs in Wien auf, studierte in Hamburg und unterrichtete von 1987 bis 2013 in Offenbach. Heute lebt und arbeitet Jankowski in Hamburg und Berlin. Eugen El hat mit Adam Jankowski über die Städte seines Lebens und über gesellschaftlich relevante Malerei im digitalen Zeitalter gesprochen. mehr

LAUDATIO AUF ARIANE MNOUCHKINE

Das muss man sich vorstellen

Ariane Mnouchkine und das Théâtre du Soleil sind den aufmerksamen Zeitgenossen ein Begriff. Aber wüssten sie die Besonderheit dieses innovativen Theaterkollektivs zu erklären? Rembert Hüser hat in seiner Laudatio bei der Verleihung des Goethepreises der Stadt Frankfurt am Main an die Compagnie Proben seiner Erkenntnisse preisgegeben. mehr

Essay

Migrationshintergrund und Zuwanderungsgeschichte

»Der Fremde, der bleibt« ist eine Denkfigur des Philosophen Georg Simmel aus dem Jahr 1908. Heute spricht man scheinbar neutral vom »Migrationshintergrund«. Was steckt hinter diesem Begriff? In ihrem Essay denkt Stefana Sabin über Einwanderung, Multikulturalität und das Hybride nach. mehr

Gespräch mit dem Philosophen Hermann Lübbe

»Die Nation ist eine Erbschaft der DDR«

Der 1926 geborene Philosoph Hermann Lübbe hat sich gründlich mit den Konditionen politischer Urteilskraft auseinandergesetzt, die weit über die einer unabhängigen Presse hinausreichen. Alexandru Bulucz sprach mit dem ideologiekritischen Denker über die unterschiedlichen Schulen deutscher politischer Philosophie, den Postsozialismus und die Zukunft des Nationalstaats. mehr

CD-Empfehlungen – Highlights der Oper

Fokus auf das Seltene

Dass die Zeit die zeitgenössischen Kunstwerke mit der Zeit in zu recht zu vergessende und in als Kulturgüter zu bewahrende sortiert, ist zu jeder Zeit unrecht, ungerecht und unter Qualitätskriterien unverantwortlich. Hans-Klaus Jungheinrich zieht musikalische Werke ans Licht, die die blinde und taube Zeit glaubte ignorieren zu müssen, diesmal Highlights der Oper Frankfurt und Jaromir Weinbergers »Wallenstein«. mehr

Zur Vorgeschichte der jüdischen Kontingentflüchtlinge

Verantwortung und Asylpolitik

In ihrer Studie betrachtet Ljudmila Belkin die Vorgeschichte der 1991 einsetzenden Einwanderung von etwa 200.000 Juden aus der ehemaligen Sowjetunion, der sogenannten »Kontingentflüchtlinge«, nach Deutschland. Die öffentliche Debatte über die postsowjetische jüdische Einwanderung rekonstruiert Belkin anhand der Begriffe »Verantwortung« und »Asylpolitik«. mehr

Schopenhauer als Lebensberater

Ein blauer Fleck am Himmel

»Jeder denke, dass sein innerster Kern etwas ist, das die Gegenwart enthält und mit sich herumträgt.«, schreibt der Privatgelehrte Arthur Schopenhauer in seinen Senilia-Notizen. Und das ist durchaus nicht die einzige Sentenz, die den Philosophen als Lebensberater tauglich macht. Otto A. Böhmer hat in den Altersweisheiten des großen Pessimisten auf die Botschaften geblickt. mehr

Europoesie

Musikalität und Gefahr

Es sind vor allem die kleinen Verlage, die sich um die Lyrik der Gegenwart kümmern. Darunter gibt es nicht wenige, die mit ihren zweisprachigen Ausgaben bewirken, womit sich die Politik schwertut: unsere Kenntnis der Eigenarten und Traditionen unserer nichtdeutschen Nachbarn, der kulturellen Differenz. Bernd Leukert stellt die russischen Dichter Dmitri Dragilew und Gleb Schulpjakow vor, die im hochroth Verlag erschienen sind. mehr

Georg Eisler in Salzburg

Ein politischer Künstler

Der österreichische Künstler Georg Eisler (1928-1998) hielt unbeirrt an einer eigenen Auffassung von Realismus fest, als die Anhänger des Informel und die Vertreter der Wiener Schule des Phantastischen Realismus um die Vorherrschaft kämpften. Nun widmet ihm das Museum der Moderne in Salzburg eine umfangreiche Ausstellung, und Thomas Rothschild hat sie besucht. mehr

Neue Blicke auf Mendelssohn Bartholdy

Tatzenhiebe des Wunderkindes

Ein Komponist aus jüdischer Familie konvertiert zum Protestantismus und beschenkt die evangelische Gesellschaft mit herrlicher, kühn zwischen Vergangenheit und Zukunft entworfener Musik. Man soll nicht glauben, was das für Folgen für Felix Mendelssohn Bartholdy und sein Werk hatte. Hans-Klaus Jungheinrich berichtet von Peter Gülkes Mendelssohn-Monographie und der Einspielung sämtlicher Symphonien mit den Heidelberger Sinfonikern unter der Leitung von Thomas Fey. mehr

DER DICHTER FRIEDRICH HÖLDERLIN

Das unschuldigste aller Geschäfte

Die Gottesschau bewirkt, dass man danach nicht mehr ganz von dieser Welt ist. Der mystische Seitensprung entrückt und verrückt. Otto A. Böhmer hat sich in seinem Essay Leben und Werk Friedrich Hölderlins auf diese Verrücktheit hin angesehen und sie plausibel belegt. mehr

Der Hirnforscher Eric Kandel

Gedächtnis und Vertreibung

Eric Kandel, Jahrgang 1929, ist Nobelpreisträger und einer der bedeutendsten Neurobiologen und Gehirnforscher. 2008 hat die Dokumentarfilmerin Petra Seeger unter dem Titel »Auf der Suche nach dem Gedächtnis« ein Porträt von Eric Kandel gedreht, das nun als DVD erhältlich ist. Thomas Rothschild empfiehlt den Film. mehr

Architektinnen-Ausstellung in Frankfurt

»Ich muss drei Mal besser sein als jeder Mann!«

Als erste Frau wurde Elisabeth von Knobelsdorff zur Diplomprüfung im Fach Architektur zugelassen. Das war im Jahre 1911. Was hat sich seitdem getan? Eine Ausstellung im Deutschen Architekturmuseum zeigt, wie Frauen den Architekturberuf eroberten und welchen Schwierigkeiten sie sich zu stellen hatten. Isa Bickmann sieht in Schau und begleitender Publikation einen wichtigen Beitrag, auf die bis heute fehlende Sichtbarkeit von Architektinnen aufmerksam zu machen. mehr

100 Jahre Heinrich Böll

»Polen, ein Blumenbeet der Freiheit«

Heinrich Böll wäre am 21. Dezember 2017 einhundert Jahre alt geworden: »sto lat«. Das runde Jubiläum, das im polnischen Geburtstagslied gefeiert wird als guter Wunsch und fröhliche Verheißung, ist beim Literaturnobelpreisträger Anlass für vielfältige Würdigungen. In seinem Essay widmet sich Bruno Arich-Gerz Heinrich Bölls schriftstellerischen und publizistischen Bezugnahmen auf Polen. mehr

DIE GEDICHTE DOROTHY PARKERS

Liebe ist für die Unglücklichen

Dorothy Parker, die Ikone der New Yorker Literaturszene, hatte enormen Erfolg mit ihren Gedichten. Diese Gedichte aber waren Ergebnis der erfolglosen Seite ihres Lebens, der Suche nach dem Glück. Bernd Leukert hat ihr poetisches Werk in der zweisprachigen Ausgabe gelesen. mehr

Arthur Millers »Alle meine Söhne«

Arme Würstchen im leeren Raum

Der neue Intendant Anselm Weber hat aus Bochum fast das halbe Ensemble nach Frankfurt mitgebracht, dazu Teile seines Stabs und einige fertige Inszenierungen. Auch die jüngste Premiere von Arthur Millers Klassiker »Alle meine Söhne« ist eine Übernahme aus Bochum. Der Ansatz der Inszenierung, die Handlung zu enthistorisieren, ist problematisch, meint Martin Lüdke. mehr

RENATE-CHOTJEWITZ-HÄFNER-FÖRDERPREIS 2017

Eine Sprachmacht

Mit dem Renate-Chotjewitz-Häfner-Förderpreis 2017 wurde Ingrid Mylo ausgezeichnet. Die Frankfurterin, die beim legendären Theater am Turm arbeitete und im »Strandgut« und »Pflasterstrand« publizierte, lebt seit 1992 in Kassel. Die Laudatio, die Faust-Kultur dokumentiert, hielt die Kulturwissenschaftlerin Hazel Rosenstrauch. mehr

Vortrag zur deutschen Geschichte in Japan

Die Gegenwart der Vergangenheit

Es gibt Staaten, die ihre Genozide und Kriegsverbrechen als heroische Großtaten feiern. Die meisten allerdings verschweigen sie nachhaltig. Helmut Ortner blickt auf die mühsamen Anfänge der Aufklärung in der Nachkriegszeit. In einem Vortrag zur Jahrestagung einer großen japanischen Juristenvereinigung erzählt er von der gelegentlich schmerzhaften Auseinandersetzung mit der deutschen Vergangenheit. mehr

75. Geburtstag von Peter Handke

»Dieses Buch wird seine Leser finden«

Nüchtern betrachtet findet nicht das Buch seinen Leser, sondern der Leser sein Buch, – wenn er Glück hat. Dass der Verleger Siegfried Unseld das Buch den Leser finden lassen wollte, hat den Schriftsteller Peter Handke nachhaltig verstört. Raimund Fellinger bringt in seiner Klagenfurter Einlassung diese und andere Empfindlichkeiten zur Sprache. mehr

Ausstellung Pluriversum in Essen

Denken mit allen Sinnen

Das Essener Museum Folkwang widmet dem Filmemacher und Schriftsteller Alexander Kluge eine üppige Ausstellung, die um sein multimediales Schaffen kreist. Es treffen aufeinander: das Museum mit seinen Jahrhundertschätzen und Kluge mit seinen Montagen aus Film, Literatur und Philosophie. Harry Oberländer hat die Ausstellung besucht. mehr

Yello-Tourstart

Oh Yeah!

In der Frankfurter Festhalle startete die Tour der Band YELLO, der danach Auftritte in Zürich, Hamburg, München, Wien, Stuttgart und Köln folgen werden. Die Pioniere des Elektro-Pop haben im fortgeschrittenen Alter ihre Bühnenängste abgelegt und – mit Ausnahme in New York 1983 – noch nie gemeinsam auf der Bühne gestanden. Isa Bickmann war Zeugin ihres Frankfurter Auftritts. mehr

200. Geburtstag des Malers Carl Engel v.d. Rabenau

Ein hessischer Maler im Biedermeier

Carl Engel (1817-1870) zählt zu den weitgehend vergessenen Malern. Vielleicht weil er dem Biedermeier zugeordnet wird, oder weil er als Heimatmaler gilt. Eine wissenschaftliche Neubewertung und Würdigung seines Werks wäre lohnens- und wünschenswert. Dagmar Klein nimmt Engels 200. Geburtstag zum Anlass, an ihn zu erinnern. mehr

Eva Novak im Gespräch mit Bodo Kirchhoff

Fast etwas Altertümliches

»Widerfahrnis«, Bodo Kirchhoffs Geschichte zweier betagter Menschen, die sich nach ihrem glücklosen Berufsleben kennenlernen, der Sonne entgegenfahren und im Abenteuer landen, ist ins Tschechische übersetzt worden. Aus diesem Anlass spricht Eva Novak mit dem Autor über die Entstehung seiner Bücher, die tschechische Kultur und Übersetzungen als Einbahnstraße. mehr

Wiener Kaffeehaus

Ein Treffpunkt der Zufälligkeiten

Das Wiener Kaffeehaus ist eine Institution. Es ist nicht das Wohnzimmer, dort ist man nicht zu Hause, sondern oft bei der Denk- und Schreibarbeit. Das kürzlich erschienene Buch »Im Kaffeehaus« von Sepp Dreissinger enthält seine Porträtfotografien und 35 Gespräche mit den Protagonisten des Wiener Kulturlebens. Elvira M. Gross empfiehlt den Band. mehr

Gespräch mit der Liberaturpreisträgerin Fariba Vafi

Frauen treten hervor

Fariba Vafi zählt zu den wichtigsten Schriftstellerinnen des Iran. In ihren Romanen beschreibt sie Menschen, die es zum Aufbruch drängt. Für ihren 2015 von Jutta Himmelreich übersetzten Roman »Tarlan« wurde sie mit dem LiBeraturpreis 2017 ausgezeichnet. In diesem Buch zeigt sie eine junge Frau, der es gelingt, ihr Schicksal zu wenden. Auf welche Weise dies möglich ist, erzählt Fariba Vafi im Gespräch mit Andrea Pollmeier. mehr

Glanz und Elend in der Weimarer Republik

Bilder einer fragilen Demokratie

Die Frankfurter Ausstellung »Glanz und Elend in der Weimarer Republik« beleuchtet die veristisch-gesellschaftskritische Strömung der »Neuen Sachlichkeit« mit einer Fülle von rund 190 Werken – und einem eindrucksvollen Anteil von weiblicher Hand. Es gibt wohl kaum einen besseren Zeitpunkt, diese Ausstellung zu zeigen, meint Isa Bickmann. mehr

Essay: »Sie können aber gut Deutsch!«

Probleme (mit) der deutschen Sprache

Das Beherrschen der deutschen Sprache, so heißt es, sei die Voraussetzung für gelingende Integration. Wie funktioniert das im Alltag? Wenn man nicht perfekt oder schlecht oder mit Akzent Deutsch spricht, ist man dann ein schlechterer Mensch? In ihrem Essay plädiert die Schriftstellerin Lena Gorelik für mehr Offenheit und Geduld gegenüber Menschen, deren Muttersprache nicht Deutsch ist. mehr

Henning Burk: Hitler, Braunau und ich

Ein Buch der Aufklärung

In Braunau am Inn wurde genau fünf Monate nach dem Tod Adolf Hitlers der Autor und Regisseur Henning Burk geboren, dessen Urgroßmutter bei den Hitlers Haushälterin und möglicherweise des Diktators Hebamme war. Burk fragt: Kann man eigene Schuldlosigkeit ertragen? – Boris von Brauchitsch, Kunsthistoriker, Fotograf und Schriftsteller, bespricht Burks Buch »Hitler, Braunau und ich«. mehr

Jazz – Out of Land

So streifen junge Kater

Wenn vier Musiker zueinander finden, die zuvor schon Meister ihrer instrumentalen oder vokalen Disziplin waren, und dennoch ihr Können einem gemeinsamen Wagnis öffnen, wie der Sänger Andreas Schaerer, der Saxophonist Emile Parisien, der Pianist Michael Wollny und der Akkordeonist Vincent Peirani auf ihrer balladesken CD »Out of Land«, dann inspiriert, das heißt, begeistert das nicht nur Alban Nikolai Herbst. mehr

Essay: Über das Weltfremde in uns

Die Schöpfung ist kein Werk der Liebe

Diejenigen, die von der Schöpfung an den Rand gedrängt wurden, oder schlichter: die, die nicht in das Denken und Meinen der Mehrheit passen und deshalb zu Weltfremden werden, hat der Philosoph Peter Strasser zum Thema seines Buches »Idioten des Absoluten« gemacht. Hier ist ein Auszug. mehr

AUSSTELLUNGEN ZUM REFORMATIONSJUBILÄUM

Der Hammer

Die Legende mit dem Hammer an der Schlosskirche zu Wittenberg war sicher wirkungsmächtiger als jede historische Wahrheit. Martin Luthers Vorschläge »wider das Ablas« aber war eine Anzeige wegen kirchlichen Betrugs. Drei nationale Ausstellungen zum Reformationsjubiläum hat Harry Oberländer besucht und Bedenkenswertes gesehen. mehr

Franz Grillparzer – Selbstbiographie

Ein stiller Rebell

Dass Franz Grillparzer mit Beethoven verkehrte, selbst auch komponierte, ist hinter dem Bild verschwunden, das wir von ihm als Dramatiker haben, nicht aber, dass wir sein Drama »König Ottokars Glück und Ende« der Kaiserin verdanken. Gudrun Braunsperger erzählt, was die eben erschienene Selbstbiographie Grillparzers offenbart. mehr

ZEITSCHRIFT NEUE LITERATUR

»Das Land ist vertrieben, wir sind geblieben«

Die Literaturzeitschrift »Die Wiederholung« hat ihre vierte Ausgabe dem Werk des Lyrikers Werner Söllner gewidmet. Faust-Kultur stellt einige Textbeiträge vor und beginnt mit einem Stück deutsch-rumänischer Literaturgeschichte: Michael Gratz erinnert an die zwischen 1949 und 1995 in Rumänien erschienene deutschsprachige Zeitschrift »Neue Literatur«, in der nicht nur rumäniendeutsche, sondern auch deutsche Autoren veröffentlicht haben. mehr

THEATER: Rose Bernd in Frankfurt

Das Leben ist kein Kinderspiel

Anselm Weber, neuer Intendant des Frankfurter Schauspiels, brachte einiges aus Bochum mit: Schauspieler, Regisseure, Inszenierungen. Mit Shakespeare, Büchner und Hauptmann hat er ein klassisches Programm mit sensiblen Eingriffen in die Gegenwart vorgelegt. Nun hatte Gerhart Hauptmanns »Rose Bernd« in Frankfurt Premiere – eine atemberaubende Inszenierung, meint Martin Lüdke. mehr

Ausstellung: I AM A PROBLEM

Wurmbefall im Museum

Der Theaterregisseur Ersan Mondtag hat im MMK 2, einer Dependance des Frankfurter Museums für Moderne Kunst, die Ausstellung »I AM A PROBLEM« inszeniert. Großes Thema der Ausstellung ist unser Umgang mit der eigenen Vergänglichkeit sowie den Schattenseiten der Selbstoptimierung. Ellen Wagner hat die buchstäblich laute Schau besucht. mehr

Lüdkes liederliche Liste: Baudelaires „Die Blumen des Bösen“

Sie blühen dauerhaft

1857 erschien die erste Ausgabe von Charles Baudelaires »Die Blumen des Bösen« / »Les Fleurs du Mal«. Sie umfasste exakt hundert Gedichte. Nur wenig später wurden sechs Gedichte verboten. Simon Werle hat zum 150. Todestag Baudelaires »Die Blumen des Bösen« neu ins Deutsche übersetzt. Martin Lüdke empfiehlt den Band. mehr

Benjamin Britten: Peter Grimes

Der Außenseiter

Seit Henry Purcells Tod 1695 hatte kein Engländer ein nennenswertes Opernwerk komponiert. Erst 250 Jahre später sollte sich das mit der Uraufführung von Benjamin Brittens »Peter Grimes« ändern. Diese Oper verhalf dem Komponisten schlagartig zu Weltruhm und hatte nun Premiere in Frankfurt. Zeitlos realistisch inszeniert von Keith Warner und ergreifend musiziert unter der Leitung von Generalmusikdirektor Sebastian Weigle – ein Muss für jeden Opernfreund, meint Andrea Richter. mehr

Tom Malmquist: In jedem Augenblick unseres Lebens

Das Leid annehmen

Von einer Prüfung, die über Verlust und Trauer in ein neues Leben führt, berichtet der Debütroman des 1978 geborenen schwedischen Autors Tom Malmquist. Erzählt wird die Geschichte von Karin und Tom, die als Liebesgeschichte nicht ins Glück, sondern in den Tod führt. »In jedem Augenblick unseres Lebens« ist ein bewegender Roman, meint Otto A. Böhmer. mehr

Markus Orths Roman „Max"

Rebell und Provokateur

Markus Orths hat einen Roman über das Leben von Max Ernst (1891-1976) geschrieben. Darin verfolgt Orths nicht nur die Lebensstationen des Künstlers zwischen Deutschland, Frankreich und den USA. Er folgt auch allen Verästelungen, die sich durch die Begegnungen mit dessen Lebens- und Liebesbegleiterinnen ergeben. Gudrun Braunsperger hat den Roman gelesen. mehr

Volker Elis Pilgrims Hitler-Projekt

Die Formel vom Serienkiller

Dass sexuelle Enthaltsamkeit in Verbindung mit großer Machtfülle ein explosives Potential bergen kann, überrascht nicht. Dass die gefährliche Ladung im Fall Adolf Hitlers sich in den größten Massenmord entlud, wie Volker Elis Pilgrim in seiner gigantischen, sexualwissenschaftlichen Untersuchung »Hitler 1 und Hitler 2« nahelegt, verblüfft doch. Hans-Klaus Jungheinrich hat sich durch den ersten Band der auf vier Bände angelegten Studie gelesen. mehr

Documenta 14

Ende einer Ausstellung

Kunst und Geld ist kein schönes Thema, weil dabei entweder die Kunst bedroht oder verdinglicht wird. Dass nun am Ende der wichtigsten internationalen Kunstschau, der documenta, wieder die Finanzierungsdiskussion steht, ist nicht nur dem Kurator anzulasten. Was war denn das für eine Kunst? Vom Parthenon bis in die Katakomben hat Harry Oberländer die documenta abgeschritten und hier kommentiert. mehr

EUROPOESIE: ANNEKE BRASSINGA

Schimmernde Täublein

Der Tod des Vergil brachte die Lyrikerin Anneke Brassinga hervor: Als Übersetzerin von Hermann Brochs bekanntestem Roman beschloss sie, Gedichte zu schreiben. Eine Auswahl ihrer Gedichte sind wiederum für eine zweisprachige Ausgabe ins Deutsche übersetzt worden. Bernd Leukert hat sich in das Buch »Fata Morgana, dürste nach uns« und in die Übersetzungsprobleme versenkt. mehr

SKULPTUR PROJEKTE MÜNSTER

Zeit, Raum, Körper

Zum fünften Mal finden in Münster die Skulptur Projekte statt. Die 1977 gegen alle Widerstände erstmals initiierte Ausstellung dreidimensionaler Werke setzte von Anfang an auf Raumerfahrung und Wahrnehmung der Betrachter und Betrachterinnen. Ursula Grünenwald hat beim Besuch der aktuellen Ausgabe komplexe Handlungs- und Wahrnehmungsgefüge im Zusammenwirken von Körper, Raum und Zeit beobachtet. mehr

Porträt: Jose Eduardo Agualusa

Eine angolanische Perspektive

Seit bald dreißig Jahren schreibt der 1960 geborene José Eduardo Agualusa sein Angola – früher eine portugiesische Kolonie, heute Kleptokratie und Erdöl-Dorado, Kulturmetropole und vieles mehr – in die Weltliteratur ein. Jüngst ist sein Roman »Eine allgemeine Theorie des Vergessens« in deutscher Übersetzung erschienen. Michael Kegler stellt den Autor vor. mehr

200. Geburtstag von Theodor Storm

Du graue Stadt am Meer

Der kleine Häwelmann, die Regentrude, Immensee, Pole Poppenspäler und selbstverständlich der Schimmelreiter: Theodor Storm begleitete uns von der Kinderstube bis in die Schullektüre. Vor 200 Jahren ist er geboren und fasziniert bis heute. Otto A. Böhmer skizziert sein Leben. mehr

Gespräch mit dem Schriftsteller Gary Victor

Phantasien über Gut und Böse

In seinen Kriminalromanen rückt der haitianische Autor Gary Victor nah an die soziale Wirklichkeit des Karibikstaates heran. Kenntnisreich analysiert er dessen Wandel. Im Gespräch mit Andrea Pollmeier spricht Gary Victor über seine Rolle als Autor und postkoloniale Mechanismen im französischsprachigen Raum. mehr

Erinnerung an John Ashbery

Gedankennetz ohne Boden

Einst gehörte John Ashbery zusammen mit Lawrence Ferlinghetti und Allen Ginsberg zu den einflussreichen Beat-Poeten der Neuen Welt. Nun ist der größte lebende US-amerikanische Dichter der Gegenwart 90-jährig gestorben. Bernd Leukert hat sich mit seinem letzten auf Deutsch erschienen Buch, dem Langgedicht »Flussbild/Flow Chart«, auseinandergesetzt. mehr

Wittgenstein und Heidegger

Solitäre der Philosophie

Zwei exemplarische Lebensgeschichten der Philosophie erzählt Manfred Geier in dem Buch »Wittgenstein und Heidegger«. In einer Art Doppelbiographie bringt es zwei Denker zusammen, die auf den ersten Blick nicht viel miteinander zu tun haben. Otto A. Böhmer hat das Buch gelesen und empfiehlt, genauer hinzuschauen. mehr

Die Philosophin Agnes Heller

Im Denken zu Hause

1929 in Budapest geboren, überlebte Ágnes Heller den Holocaust. Sie promovierte bei Georg Lukács, lehrte Soziologie und Philosophie in Melbourne, New York und Budapest. Zu sagen, was man denkt, diese Freiheit hat sich Ágnes Heller auch unter widrigen Umständen stets genommen. Gudrun Braunsperger stellt die Philosophin vor. mehr

Essay: Philosophie des Scheins

Schönheit zum Schaudern

Eine Utopie zu leben, ist unsinnig. Denn die Utopie ist der Nicht-Ort. Es mag aber geschehen, dass wir einer Gewissheit habhaft werden, die uns der Existenzsorgen enthebt. Was es mit diesem schönen Schein auf sich hat, schildert Otto A. Böhmer in seinem Essay. mehr

Nancy Hüngers neuer Gedichtband

Die Stille dazwischen

Nancy Hüngers Gedichte sind ausgefeilte Wortkompositionen, die oft schwerelos und improvisiert wirken. Wer sich ihnen widmet, nimmt teil an ihrer Sprachlust und der Melancholie, die das Komische und das Leidvolle zusammensieht. Bernd Leukert hat Hüngers neues Buch gelesen. mehr

Erinnerung an Eunice de Souza

»Sind das Gedichte?«

Als goanesisch-indische Autorin gehörte Eunice de Souza einer schmalen, als englischsprachige Lyrikerin einer noch schmaleren Minderheit an und wirkte doch allein durch Herkunft und Lebenssituation in ihren Gedichten reicher als indische Schriftsteller repräsentativer Majorität. Clair Lüdenbach erinnert an die kurz vor ihrem 77. Geburtstag verstorbene Dichterin. mehr

Karl Heinz Bohrer: Jetzt

Ganz der Alte

Der 1932 geborene Literaturwissenschaftler Karl Heinz Bohrer hat seine Autobiografie mit dem Titel »Jetzt. Geschichte meines Abenteuers mit der Phantasie« vorgelegt. Bohrer blickt unter anderem auf seine Anfänge bei der FAZ, spätere Auslandserfahrungen und seine Zeit an der Universität Bielefeld zurück. Otto A. Böhmer empfiehlt das Buch. mehr

Documenta 14 in Kassel

Geschichte ohne Zukunft

Als Präsentation weltgeschichtlicher Verläufe und wiederkehrender Katastrophen mit den Mitteln der Kunst stellt sich die in Kassel und Athen stattfindende Documenta 14 dar. Im kuratorischen Konzept der Ausstellung vermisst Ursula Grünenwald einen Blick in die Zukunft. mehr

Essay Von Alissa Maxman

Ein stiller Ort der Erinnerung

Wie verändert sich die Erinnerungskultur in unserer Einwanderungsgesellschaft? Dieser Frage widmet sich das Buch »Neues Judentum – altes Erinnern«. Es versammelt Stimmen junger jüdischer Intellektueller und Künstler sowie etablierter Wissenschaftler. In ihrem Essay denkt Alissa Maxman über ein angemessenes Gedenken an den Holocaust aus dem Blickwinkel ihrer Familiengeschichte nach. mehr

GESPRÄCH MIT DER ÜBERSETZERIN KARIN BETZ

Wie viel Chinesisches ist zumutbar?

Im Gefängnis arbeitete der chinesische Autor Liao Yiwu heimlich an seinem Roman »Die Wiedergeburt der Ameisen«. Jetzt, im Exil in Deutschland, hat er das Werk vollendet und mit Hilfe der Übersetzerin Karin Betz erstmals veröffentlicht. Wie viel Gedankenfreiheit in dem Werk bewahrt ist und welche Hürden es beim sprachlichen Transfer gab, erzählt Karin Betz im Gespräch mit Andrea Pollmeier. mehr

EUROPOESIE: JOHN BURNSIDE

Haarlose Engel

John Burnside ist wohl der bekannteste Schriftsteller Schottlands. Eine Auswahl seiner Gedichte mit dem Titel »Anweisung für eine Himmelsbestattung« ist in einer englisch-deutschen Ausgabe erschienen, die dem Übersetzer Iain Galbraith wohl gelungen ist. Bernd Leukert stellt das Buch in der Reihe Europoesie vor. mehr

Zur materiellen Situation von Komponisten

Komponieren ist nicht genug

Nach Max Reger haben das Schwein und der Künstler gemeinsam, dass sie erst nach ihrem Tod geschätzt werden. Für beide Gattungen gelten natürlich auch Ausnahmen, selbst unter Komponisten soll es einige geben, die sich auch über Wertschätzung im materiellen Sinne nicht zu beklagen haben. Aber wie leben die anderen? Stefan Fricke beschreibt deren Situation. mehr

JAN WAGNER IM GESPRÄCH

Pure Sprachlust

Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung zeichnet Jan Wagner mit dem Georg-Büchner-Preis 2017 aus. Der Preis wird am 28. Oktober 2017 in Darmstadt verliehen. Im Gespräch mit Bernd Leukert gibt Jan Wagner Auskunft darüber, wie er zum Dichter wurde und warum es für ihn keinen Grund gibt, nicht Dichter zu sein. mehr

ESSAY von Lena Gorelik

Was ist Heimat?

Ein schwer zu fassender, umkämpfter Begriff hat derzeit wieder Konjunktur: Heimat. Ist Heimat ein Gefühl? Kann die (deutsche) Sprache Heimat sein? Oder ist vielmehr Europa unsere gemeinsame Heimat? Diesen Fragen spürt die 1981 in Sankt Petersburg geborene Schriftstellerin Lena Gorelik in ihrem Essay nach. mehr

Daniel Schreiber: Zuhause

Wo geht es nach Hause?

In seinem neuen Buch erzählt der Kunstkritiker und Essayist Daniel Schreiber von der Suche nach einem Zuhause. Schreiber changiert dabei zwischen autobiografisch gefärbten Betrachtungen und Paraphrasen aus Philosophie, Soziologie und Psychoanalyse. »Zuhause« ist eine angenehme, nur selten schwergewichtige Lektüre, meint Eugen El. mehr

Philipp Mosetter: Die Einladung

Ein erträgliches Unheil

Ein Mann, der eigentlich nie Geburtstag feiert, lässt sich dazu hinreißen, Freunde einzuladen, um seinen Geburtstag zum ersten Mal mit ihnen zu begehen. Philipp Mosetter erzählt von Begegnungen, die besser hätten vermieden werden sollen. »Die Einladung« ist ein witziges, auch wehmütig stimmendes Buch, meint Otto A. Böhmer. mehr

Interview mit Heiner Blum

»Eine wahnsinnig glückliche Fügung«

»Offenbach ist ganz okay«, hieß es 2016 im Deutschen Pavillon auf der Architekturbiennale in Venedig. Die Kuratoren stellten Offenbach als beispielhafte »Arrival City« vor, die Neuankömmlingen gute Voraussetzungen für eine gelingende Integration bietet. Über eine Stadt im Wandel hat Eugen El mit Heiner Blum, Künstler und Professor an der Hochschule für Gestaltung Offenbach, gesprochen. mehr

ESSAY: WAS IST HEIMAT?

Im Camp der Bestmöglichangekommenen

Seine Eltern kamen 1994 mit wenig Gepäck, einem Hund und einer Katze nach Deutschland. Der Autor Dmitrij Kapitelman, 1986 in Kiew geboren, verortet sich und andere Zugezogene aus den Nachfolgestaaten der Sowjetunion heute in einem »Camp der Bestmöglichangekommenen«. In seinem Essay denkt Kapitelman über Heimat, Identität und Loyalität nach. mehr

Gespräch mit dem Dichter Werner Söllner

Der Tod ist okay

Der Dichter Werner Söllner hat mit seinem in der Edition Faust erschienenen Band »Knochenmusik« große Resonanz ausgelöst. Anlässlich seines 65. Geburtstags hat Alexandru Bulucz ein sehr persönliches Gespräch mit ihm geführt. Es geht darin um Dichtung und Klarheit, die letzten Dinge und Hunde. mehr

GESPRÄCH MIT DER KÜNSTLERIN KATRIN PAUL

Vom künstlerischen Umgang mit der Katastrophe

Die in Frankfurt am Main lebende und arbeitende Künstlerin Katrin Paul nahm im Winter 2015/16 an einem Artist-in-Residence-Programm in dem 2011 vom Tsunami verwüsteten Gebiet in Japan teil. Im Gespräch mit Isa Bickmann berichtet sie von der heutigen Situation vor Ort, von den Begegnungen mit den Überlebenden und wie sie darauf und auf ihre eigene Betroffenheit angesichts der zum Zwecke der neuen Tsunami-Schutzmaßnahmen totalen Landschaftszerstörung künstlerisch reagiert hat. mehr

Gespräch mit dem Philosophen Dieter Henrich

Sterbliche Gedanken

Alexandru Bulucz besucht den Philosophen Dieter Henrich. Der Dialog, den sie führen, bringt tatsächlich Einsichten hervor, die der einsame Schreibakt nur schwer ermöglicht. Anlässlich des 89. Geburtstags des Philosophen veröffentlicht Faust-Kultur einen Gesprächsausschnitt, der von Celibidache über Heidegger und den Tod zu Kafka und Hölderlin führt. mehr

VIDEOPROJEKT »ZOON POLITIKON«

Lehrstück und Gedächtnismaschine

Jonas Englerts Projekt »Zoon Politikon« ist ein Online-Video-Archiv, das beständig erweitert wird. Ausgewählte Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Politik und Kunst werden gebeten, über ihr Leben und Wirken zu berichten. Bereits teilgenommen haben Bazon Brock, Daniel Cohn-Bendit, Frigga Haug, Hilmar Hoffmann, Oskar Negt, Burghart Schmidt und Christina Thürmer-Rohr. Ralph Fischer stellt das Projekt vor. mehr

erstellt am 02.8.2010

SALZBURGER FESTSPIELE: OPER FÜR KINDER

Ungehörte Seufzer, gehört.

Kürzlich erlebte der Komponist Marius Felix Lange die Uraufführung seiner neuen »Oper für Kinder« bei den Salzburger Festspielen 2019. »Der Gesang der Zauberinsel oder: wie der Rasende Roland wieder zu Verstand kam« heißt sein auf der Folie Ariosts' geschriebenes Stück. Es geht weit über das hinaus, was gemeinhin als Kinderoper gilt, meint Alban Nikolai Herbst. mehr

Violaine Huisman, Die Entflohene

Maman bleibt Violaines Heldin

In ihrem Debüt »Die Entflohene« erzählt die New Yorker Autorin Violaine Huisman die dramatische Geschichte ihrer emotional unberechenbaren Mutter, die in Frankreich der späten Sechziger selbstbestimmt ihren Weg einschlug. Gudrun Braunsperger hat die poetische Dokumentation einer wahren Geschichte gelesen. mehr

Österreichische Literatur

Kerschbaumer liest Heller

Die österreichische Schriftstellerin Marie-Thérèse Kerschbaumer hat ein schmales Bändchen über André Hellers 2016 erschienener Roman »Das Buch vom Süden« veröffentlicht. Kerschbaumer kümmert sich dabei nicht um die in den Feuilletons ausgetragene Kontroverse. Thomas Rothschild hat über das Büchlein und seine Vorgeschichte nachgedacht. mehr

Leila Slimanis neuer Roman

Wie eine Sprechblase

Leila Slimanis 2014 auf Französisch erschienener Roman »All das zu verlieren« sorgte in ihrem Geburtsland Marokko für Aufregung, weil die Autorin sexuelle Begierden einer verheirateten Frau auf direkte Weise ausspricht. Jetzt liegt das Buch in deutscher Übersetzung vor. Ruthard Stäblein hat es einer kritischen Lektüre unterzogen. mehr

Zum Tod von Gerlind Reinshagen

Stark, souverän und freundlich

Am 8. Juni 2019 ist Schriftstellerin Gerlind Reinshagen im Alter von 92 Jahren gestorben. Sie schrieb Theaterstücke, Hörspiele, Prosatexte und Gedichte. Reinshagens Lektor Hans-Ulrich Müller-Schwefe würdigt in seiner Trauerrede Leben und Werk der Berliner Autorin. mehr

Popsplitter

Sweet Streams Are Made of This

Ein Plattenvertrag, dann Tonträger- und Tournee-Umsätze, schließlich Superstar-Ruhm? Diese Zeiten sind längst vorbei. Heute wollen sich aufstrebende Musiker immer weniger auf die Musikindustrie verlassen. Lieber suchen sie auf eigene Faust in den Weiten des Internets ihren Weg. Michael Behrendt liefert Einblicke in die Musikproduktion der Gegenwart.

DIE FILMREGISSEURIN AVA DUVERNAY

Kino der Aufklärung

Vor fünf Jahren gelang der US-Filmregisseurin Ava DuVernay mit »Selma«, einem Biopic über Martin Luther King, der Durchbruch. Mit »Der 13.« folgte 2016 eine Doku über die Entwicklung des amerikanischen Rassismus. Seit kurzem ist ihre Miniserie »When They See Us« auf Netflix zu sehen. Jens Balkenborg stellt die politisch engagierte Regisseurin vor. mehr

Zum Tod von Brigitte Kronauer

Mit anderen Augen sehen

Die besondere Art der Wahrnehmung bringt den erzählerischen Ton einer Schriftstellerin und eines Schriftstellers hervor, der das lesende Publikum packt – oder nicht. Brigitte Kronauer hat sich diesen Stil erarbeitet und wandelbar gehalten. Otto A. Böhmer zeichnet die literarische Arbeit der Autorin nach, die jetzt im Alter von 78 Jahren gestorben ist. mehr

Schulpolitik

Wege aus der Verdummung

»Ist die Schule zu blöd für unsere Kinder?« heißt das neue Buch von Jürgen Kaube. In vierzehn Kapiteln zeigt der FAZ-Feuilletonherausgeber, was die Pädagogen aus seiner Sicht seit den ersten Pisa-Tests falsch machen. Jutta Roitsch hat sich mit Kaubes Thesen zum Bildungswesen auseinandergesetzt. mehr

Die Besiedlung des Mondes

Astropoetische Vermessungen

Als am 21. Juli 1969 Neil Armstrong als erster Mensch mit einem kleinen Schritt den Mond betrat, sprang die Menschheit noch nicht auf die Idee einer außerirdischen Landnahme. Das hat sich geändert. Politiker, Wissenschaft und SF-Literatur beschäftigen sich mit dieser Option. Dominik Irtenkauf hat sich mit den Zusammenhängen und dem Buch »Die Besiedlung des Mondes« von Florian M. Nebel auseinandergesetzt. mehr

»Vier Geschichten vom Rand der Tage«

Wo früher das Denkmal war

Der 1967 geborene, in Berlin lebende Autor und Übersetzer Lothar Quinkenstein arbeitet an einer Sammlung von kurzen Prosatexten. Faust-Kultur veröffentlicht daraus vier Geschichten. »Wo früher das Denkmal war« heißt die vierte Erzählung, in der Quinkenstein über die fortwährende Gegenwart der Vergangenheit nachdenkt. mehr

Dieter M. Gräf: Falsches Rot

recension

Mit Gedichten und Fotografien folgt Dieter M. Gräf in seinem Buch »Falsches Rot« der blutigen Farbe vom Täuferreich von Münster bis Sarajewo durch die Jahrhunderte. Harry Oberländer hat es rezensiert, und zwar, nach edlem Modus unter Lyrikern, im poetischen Gewande. mehr

Der Besuch der alten Dame

Verspäteter Besuch

Der Bezug zu Ort und Zeit war wohl gegeben: Esslingens Fachwerk spielte sich selbst, und menschenverachtende Korruption und die damit erzeugte Rache sind höchst aktuell, weil zeitlos. Dürrenmatts Claire Zachanassian besuchte also die schwäbische Stadt, und Thomas Rothschild war Zeuge beim Besuch der alten Dame. mehr

Der Pavillon Le Corbusier in Zürich

Rot, Gelb, Grün auf der Wiese

Der letzte Bau von Le Corbusier war ein Pavillon, den die Galeristin und Mäzenin Heidi Weber auf der Blatterwiese am Zürcher See 1967 errichten ließ. Nach einer umfangreichen Renovierung ist der Pavillon, der zum Museum für Gestaltung Zürich gehört, wieder eröffnet und dokumentiert in der Ausstellung »Mon univers« die Sammelleidenschaft und die gestalterischen Vorbilder von Le Corbusier. Stefana Sabin war im Zürcher Pavillon. mehr

LOB DER NURSERY RHYMES

Wenn Kühe über den Mond springen

Viele deutsche Kinderverse setzen auf Belehrung und Disziplinierung. Der englische »nursery rhyme« lebt von originär literarischen Mitteln und dem, was manche als Nonsens empfinden. Thomas Rothschild zeigt anhand von Textbeispielen, welche Wirkung »nursery rhymes« entfalten können. mehr

Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb 2019

1. Preis: Birgit Birnbacher

Alle Augen waren auf Klagenfurt gerichtet, alle Klagen an die Jury. Der Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb um den gleichnamigen Preis ist oft demütigend für die dort lesenden Autorinnen und Autoren, mit am Pranger stehen aber immer die Mitglieder der Jury. Marcel Inhoff aber hörte hin und nahm kein Blatt vor den Mund. mehr

Briefwechsel Hanne Trautwein – Hermann Lenz

»Das Geistige ist trotz allem unzerstörbar.«

1937 hatte der Schriftsteller Hermann Lenz die Kunsthistorikerin Johanna Trautwein kennengelernt, 1940 aber wurde er als Soldat nach Frankreich und in die Sowjetunion geschickt. 1946, nach seiner Entlassung aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft, heiratete Lenz seine Briefpartnerin Trautwein. Und damit endet auch die Korrespondenz. Marion Gees hat sich in den ungewöhnlichen Briefwechsel eingefunden. mehr

AUSSTELLUNG „SILENCES" IM GENFER MUSEUM RATH

Stille als Seinszustand

Das Genfer Museum Rath untersucht in seiner Sommer-Ausstellung die verschiedenen Arten der Darstellungen von Stille in der Kunst. Stefana Sabin hat die Ausstellung Silences gesehen. mehr

Poetischer Reiseessay, Teil 3

Nach Nordkorea

»Nach Nordkorea« ist ein Reise-Essay von Michael Ostheimer. Er besuchte das totalitär regierte Land als Teil einer internationalen Gruppe. Im dritten und letzten Teil des Essays in Versform beschäftigt sich der Autor mit den langanhaltenden Nachwirkungen seiner Reise. mehr

Peer Gynt von Henrik Ibsen in Frankfurt

Da muss doch etwas sein

Henrik Ibsens dramatisches Gedicht »Peer Gynt« stellt mit dem Bauernsohn Peer einen traumtänzerischen Antihelden in den Mittelpunkt des Geschehens, dessen wahres Selbst nur im Herzen der Gefährtin Solvejg existiert. Berenike Berentzen hat die Frankfurter Aufführung besucht. mehr

Oper »Norma« in Frankfurt und Zürich

Vorchristliches Liebesdreieck

Sie gehört zum Repertoire aller europäischen Opernhäuser: In Frankfurt und Zürich wird zum Saisonende Vincenzo Bellinis »Norma« in den Inszenierungen von Christof Loy und Robert Wilson wieder aufgeführt. Stefana Sabin hat die geradezu gegensätzlichen Inszenierungen gesehen. mehr

Das Gartenreich Dessau-Wörlitz

Eine Landschaft der Aufklärung

Inmitten der Auenlandschaft des Biosphärenreservats Mittelelbe, in Sachsen-Anhalt, liegt das Gartenreich Dessau-Wörlitz – eine im 18. Jahrhundert angelegte, einzigartige Kulturlandschaft. Als Naturschutzgebiet und als Weltkulturerbe steht sie unter dem Schutz der UNESCO. Walter H. Krämer unternimmt einen Ausflug in Geschichte und Gegenwart des Gartenreichs. mehr

Acht Kandidatinnen für den LiBeraturpreis 2019

Die Angst vor der Angst

Es ist wieder soweit: Der LiBeraturpreis 2019 sucht eine Gewinnerin, und Sie können online mitentscheiden, welche Autorin ihn dieses Jahr auf der Frankfurter Buchmesse bekommt. Riccarda Gleichauf war beim großen Kick-Off-Event in Frankfurt dabei, wo die diesjährigen Kandidatinnen von der Weltempfänger-Jury vorgestellt wurden. Vier Minuten Vorlesezeit pro Titel inklusive. mehr

Filme über Kriegsreporter

Sie sehen Hässliches

Warum begeben sich Menschen freiwillig in Krisenregionen, um sich unter Lebensgefahr mit menschlichen Abgründen, Tod und Zerstörung zu beschäftigen? Jens Balkenborg nimmt den Film »Another Day of Life« über den polnischen Kriegsreporter Ryszard Kapu?ci?ski zum Anlass für Überlegungen zu einem besonderen Beruf. mehr

Lüdkes Liederliche Liste: Schuldts neues Buch

Lebensgeschichte in der Sortiermaschine

Der Künstler und Schriftsteller Schuldt wurde 1941 in Hamburg geboren und lebte lange im Ausland. Mittlerweile ist er in seine Geburtsstadt zurückgekehrt. »Hamburgische Schule des Lebens und der Arbeit« heißt Schuldts neues Buch, in dessen Mittelpunkt der Hamburger Hafen mit seinen Menschen und Geschichten steht. Martin Lüdke empfiehlt den Band. mehr

SPD nach der Europawahl

The thrill is gone

Bei der jüngsten Europawahl fanden nur noch 15,8 Prozent der Wähler die Angebote der deutschen Sozialdemokratie überzeugend. Die SPD ist am Boden. Ist ein wirklicher Neuanfang möglich? Ja, meint Peter Kern und formuliert Vorschläge für den zukünftigen Kurs der Partei. mehr

Kultur in der Bundesrepublik der 1970er

Mit Beuys, Grass und Hegel

Wer will, kann die kulturelle Entwicklung in Deutschland seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs an vielen gesellschaftspolitischen und künstlerischen Neuerungen markieren. Sie ist letztlich nicht so zielgemäß verlaufen, wie mancher gefürchtet hatte. Der im letzten Jahr gestorbene Kulturpolitiker und Publizist Hermann Glaser beschrieb die Bedingungen und die Motive der Protagonisten. mehr

Erzählung

Haltung bewahren in unsicheren Zeiten

In einer Zeit, in der philosophische Tröstungen noch geholfen haben, spielt Bülent Kacans Erzählung, »Haltung bewahren in unsicheren Zeiten«. Und doch handelt sie von Beschleunigung und rücksichtslosen Raubbau an der Natur, also heute. Ein Philosoph, der sich angesichts der ungewissen Zukunft ängstigt, wird von einem anderen Philosophen erfolgreich beschwichtigt. Womit? mehr

Schriftstellerporträt

Die Wandlung des Karl-Heinz Jäger

Henry Jaegers Romane erreichten einst Millionenauflagen. Seine Bücher wurden in viele Sprachen übersetzt, einige in Starbesetzung verfilmt. Erste Berühmtheit erlangte er jedoch als Kopf einer Räuberbande. Jaeger starb 2000 in Ascona. Jakob Stein erinnert an die bewegte Lebensgeschichte des Autors. mehr

Bernhard H.F. Taureck, Hamlet

Schlag nach bei Shakespeare

Welches Theaterstück hat die schreibende Zunft mehr beschäftigt als Shakespeares »Hamlet«? Und es beschäftigt weiter. Bernhard H.F. Taureck hat mit »Hamlet. Widerstand gegen den Überwachungsstaat« nicht nur ein Netz fabelhafter Analogien im Schrifttum aufgetan; er hat auch im Hamlet den ersten Auftritt des modernen Menschen auf der viktorianischen Bühne erkannt. Enno Rudolph hat das Buch gelesen. mehr

DJ BoBo in Nürnberg

Raumschiff, Flammen, Konfetti, Dance!

DJ BoBo ist nie weg gewesen: 2017 feierte der Schweizer Popstar sein 25-jähriges Bühnenjubiläum. Jüngst trat er in der ausverkauften Arena Nürnberg auf. Andreas Thamm hat den eindrücklichen Abend protokolliert und über das musikalische Comeback der Neunziger nachgedacht. mehr

Liu Xia und Ai Weiwei in Frankfurt

With my eyes closed

Ai Weiwei und Liu Xia, zwei der renommiertesten chinesischen Künstler der Gegenwart, kamen auf Einladung des Galeristen Peter Sillem nach Frankfurt, um mit einem der besten Kenner der chinesischen Demokratiebewegung, dem Wissenschaftler Perry Link, zu sprechen. Andrea Pollmeier hat die bewegende Begegnung miterlebt. mehr

Angela Lehners Roman „Vater unser"

Welt des Wahns

Eva Gruber wird in eine geschlossene Anstalt eingeliefert, weil sie eine Kindergartengruppe erschossen hat. Das jedenfalls behauptet sie. Ist es Wahrheit oder Lüge, Überzeugung oder Phantasie? Diese Fragen tauchen auf während der Lektüre von Angela Lehners Debütroman »Vater unser«. Gudrun Braunsperger stellt das Buch vor. mehr

Literaturfestival »Europa in versi« 2019

Vater, Mutter, Sternenstaub

Seit der Gedanke an eine nationale Grenzen überschreitende, europäische Gemeinschaft Kontur gewann, wird beklagt, dass es dabei hauptsächlich um ein Krämer- und Händler-Europa geht. Die Frage, inwieweit es bei kulturellen Unternehmungen möglich ist, gegen alle Widerstände europäisch zu denken, beantwortet, wie Bernd Leukert berichtet, »Europa in versi« in Como. mehr

CD: Deutsche Winterreise

Herzen im Winter

2017 widmete die Alte Oper Frankfurt dem romantischen Liederzyklus »Winterreise« eine Veranstaltungsreihe mit Beiträgen aus unterschiedlichen künstlerischen Gattungen. Zwischen 2008 und 2018 hat der Autor Stefan Weiller in einem großangelegten Projekt einen anderen Zugang zu Schuberts Liedern gewählt, das kürzlich unter dem Titel »Deutsche Winterreise« als Hörbuch erschienen ist. Ulrich Breth hat es sich angehört. mehr

Filmkritik Atlas mit Rainer Bock

Ein Leben am Abgrund

In David Nawraths Spielfilmdebüt »Atlas« verkörpert Rainer Bock einen Möbelpacker, den vielbeschworenen ›kleinen Mann‹. Nawrath bringt eine Vater-Sohn-Geschichte mit einem Immobilien-Thriller zusammen. Jens Balkenborg hat den Film gesehen. mehr

Richard Strauss‘ »Salome« an der Wiener Staatsoper

Der bittre Geschmack der Ekstase

Die Oper »Salome« von Richard Strauss erscheint nach dem ersten Eindruck psychologisch so widersprüchlich, dass ein Regisseur zunächst Plausibilität zu inszenieren hätte. Alban Nikolai Herbst, der wegen der Sopranistin Gun-Brit Barkmin gekommen war, sah in der Wiener Staatsoper, über dem Orchestergraben sitzend, genau hin. mehr

Erzählung von Alban Nikolai Herbst

Ein Freund erzählt

Gastfreundschaft ist Egoismus auf Gegenseitigkeit, denn jeder könnte einmal auf sie angewiesen sein. So bindet ein ungeschriebener Vertrag alle, die sie in Anspruch nehmen, an alle, die sie gewähren. Neben den harmlosen Gastfreundschaften soll es aber auch unheimliche oder ruppige geben. In seiner Erzählung hat der Schriftsteller Alban Nikolai Herbst einen unheimlich-ruppigen Familiendank gestaltet. mehr

Der Film »Ayka« von Sergey Dvortsevoy

Ein Leben am Abgrund

Die Kirgisin Ayka, Protagonistin des gleichnamigen Films von Sergey Dvortsevoy, versucht, sich im Moloch Moskau durchzuschlagen. In der russischen Hauptstadt kann sie auf wenig hoffen, gibt jedoch nicht auf. »Ayka« ist ein eindrücklicher, wahrhaftiger Film, meint Jens Balkenborg. mehr

Stummfilme von Murnau und Pick auf DVD

Perfektes Stummfilm-Handwerk

Friedrich Wilhelm Murnaus »Der Gang in die Nacht« von 1920 galt seinerzeit als künstlerisches Experiment. Kürzlich ist der Stummfilm in restaurierter Fassung zusammen mit Lupu Picks »Scherben« auf DVD erschienen. Thomas Rothschild stellt die Filme vor. mehr

Yassin Al Haj Saleh siebter Brief an Samira

In einer fremden Stadt

Im siebten Brief, den Yassin Al Haj Saleh an seine entführte Frau Samira Khalil richtet, erzählt er von seinem Leben in Istanbul und analysiert unterschiedliche Formen des Herrscherkultes. Im Gestus der Statuen von Hafez al-Assad zeige sich bereits der Wille, Syrer durch omnipotente Autorität zu lähmen. Die Briefe werden in der Übersetzung von Larissa Bender in loser Folge auf Faust-Kultur publiziert. mehr

RAMIRERS »RICERCAR A 6« VON BACH

Ein geheimer Meister

Der 1970 geborene Wiener Maler und Musiker David Ramirer widmet sich der digitalen Interpretation von Johann Sebastian Bachs Musik. »Variation auf das Ricercar a sei voci« heißt Ramirers jüngste CD. Alban Nikolai Herbst nimmt sie zum Anlass, den zurückgezogen lebenden Künstler vorzustellen. mehr

JAZZ-CD PENG PENG PARKER

Ein Glanzstück

Dorothy Parker (1893-1967) war Journalistin, Dichterin, Drehbuchautorin und Salondame. Die Lyrikerin Nora Gomringer hat Parkers Gedichte in Liedform umgesetzt. In Zusammenarbeit mit dem Jazzschlagzeuger Philipp Scholz ist die CD „Peng Peng Parker“ entstanden. Karin Betz empfiehlt sie. mehr

Bernstein‘s Young People‘s Concerts auf DVD

Bernsteins Verführungen

Endlich kommt Leonard Bernsteins musikdidaktische Fernsehserie »Young People‘s Concerts« aus den Jahren 1958 bis 1972 auf den deutschen Markt. Kürzlich wurde der zweite Teil der Edition veröffentlicht. Thomas Rothschild empfiehlt die Aufnahmen. mehr

Der Choreograf Jacopo Godani

Das Ein-Mann-Orchester

Der Choreograf und frühere Tänzer Jacopo Godani ist das Gesicht der Dresden Frankfurt Dance Company. Seit der Spielzeit 2015/2016 ist er deren Direktor und künstlerischer Leiter. Walter H. Krämer stellt Godani vor und blickt auf seine Arbeitsweise. mehr

Theater „Zu der Zeit der Königinmutter" in Wien

Verpuffte Hoffnung

Fiston Mwanza Mujila ist ein kongolesischer, französischsprachiger Schriftsteller, der in Graz lebt. Er wollte ursprünglich Musiker werden. Weil es aber dort, wo er wohnte, keine Musikschule gab, improvisierte er mit der Sprache. Nun hat er sein erstes deutschsprachiges Theaterstück geschrieben. Im Wiener Akademietheater wurde es aufgeführt, und Elvira M. Gross hat es gesehen. mehr

Alice Grünfelder, Die Wüstengängerin

Chinas wilder Westen

In ihrem Roman »Die Wüstengängerin« verwebt Alice Grünfelder die Geschichte zweier Frauen, die ins westchinesische Gebiet Xinjiang reisen, in dem das Volk der Uiguren lebt. Grünfelders literarisches Debüt enthält viele differenzierte Wahrheiten über China, findet Karin Betz. mehr

Romanauszug

Gestern Abend, vor dem Krieg

Dieses Buch will gelesen werden mit seinem geradezu expressionistischen Furor und seiner zeitlosen Zeitlichkeit: Ein kurzer Auszug aus dem Roman »Niemand. Nirgends. Eine archäologische Erzählung« von dem serbischen Begründer der ›wesentlichen Dichtung‹, Bosko Tomasevic. mehr

Yassin Al Haj Salehs sechster Brief an Samira

Masken aller Art

Im sechsten Brief, den Yassin Al Haj Saleh an seine entführte Frau Samira Khalil richtet, beschreibt er die Schuldgefühle, die ihn als Geretteten heimsuchen. Elf Briefe hat Yassin an seine verschwundene Frau geschrieben. Sie werden in der Übersetzung von Larissa Bender in loser Folge auf Faust-Kultur publiziert. mehr

Reiseessay in Versform, Teil 2

Nach Nordkorea

»Nach Nordkorea« ist ein Reise-Essay von Michael Ostheimer. Er bereiste das totalitär regierte Land als Teil einer internationalen Gruppe von 9 Personen. Auch im zweiten Teil des Essays gibt der Autor seine Erfahrungen in Versform, ohne Satzzeichen und von Fotografien begleitet wieder. mehr

Thomas Sautner, »Großmutters Haus«

Sprung ins Leben

Zwischen Literatur und echtem Leben bewegt sich Malina, Ich-Erzählerin in Thomas Sautners Roman »Großmutters Haus«. Am Ende trauert sie um eine geliebte Autorin, hat aber auch ihre tot geglaubte Großmutter gefunden. Es ist ein vergnügliches wie tiefsinniges Buch, meint Gudrun Braunsperger. mehr

Festivalkongress »Fokus Lyrik« in Frankfurt

Der poetische Wanderzirkus

Im Schatten der Bankentürme hat sich Frankfurt ein Forum für die Lyrik eingerichtet, bisher mit großzügigen Lyriktagen, nun mit dem Festivalkongress »Fokus Lyrik«. Bernd Leukert hat notiert, was er da hören und sehen konnte. mehr

Filmkritik: Wintermärchen

Wintermärchen? Von wegen!

Jan Bonnys Film »Wintermärchen« erzählt von Becky und Tommi, einem gelangweilten Paar, das sich mit einem Freund zur Terrorzelle zusammenschließt, um öffentlichkeitswirksam Migranten zu ermorden. »Wintermärchen« ist radikales Kino am Abgrund, meint Jens Balkenborg. mehr

»Falsch« von René Kalisky in Wien

Blumen im brüchigen Frühling

René Kalisky war ein belgischer Schriftsteller polnisch-jüdischer Herkunft. Ein Jahr vor seinem Tod 1981 veröffentlichte er das Bühnenstück »Falsch«, in dem ein älterer Herr auf der Straße zusammenbricht und daraufhin in eine Welt gerät, in der Zeiten und Orte nicht mehr getrennt sind, aber die Individuen des familiären Umkreises unverändert bleiben. Elvira M. Gross hat sich die österreichische Erstaufführung im Wiener Theater Nestroy/Hamakom angesehen. mehr

»Medea« im Wiener Burgtheater

Wie ist sie, die Liebe Medeas?

Im Wiener Burgtheater hat Simon Stone die »Medea« des Euripides zeitgenössisch überschrieben. Zeit, Ort, Umstände und Personen sind verändert, der Plot aber ist der gleiche. Für Elvira M. Gross ist das neue Stück nicht ohne Wirkung geblieben. mehr

GESPRÄCH MIT DER MUSIKERIN IMOGEN GLEICHAUF

»Es fehlen Vorbilder«

Mit ihrer Band »Evas Apfel« möchte Imogen Gleichauf die verstaubte Männerdomäne Jazz aufmischen. Faust-Kultur hat mit der 1985 geborenen Schlagzeugerin und Sängerin über Frauen im Jazz und die Zukunft der Musikrichtung gesprochen. mehr

Brecht & Eisler

Krieg und Revolution

Bertolt Brechts Lehrstück »Die Maßnahme« hat kontroverse Reaktionen ausgelöst. Es fragt nach der Legitimation von Gewalt im Namen der Revolution. Jetzt ist Enrico Lübbes Leipziger Inszenierung der »Maßnahme«, verknüpft mit Aischylos' »Persern«, als DVD erschienen. Thomas Rothschild stellt die Aufnahme vor. mehr

Lyrikanthologie

Die 32 Schimmelarten des Joseph Brodsky

»Die 32 Schimmelarten des Joseph Brodsky« heißt eine experimentelle, digitale Lyrikanthologie, die kürzlich bei mikrotext erschienen ist. Faust-Kultur dokumentiert das Nachwort des Herausgebers Alexandru Bulucz sowie Gedichte von Ingo Ebener und Viktor Fritzenkötter. mehr

Smetanas Dalibor in Frankfurt

Ohne Witz und Wirkung

Mit ihrer Inszenierung von Smetanas Oper »Dalibor« hat Florentine Klepper wie selten Missmut und Ärger erzeugt. Stefana Sabin war bei der Premiere in Frankfurt dabei. mehr

»Der Menschenfeind« in Stuttgart

Die Lächerlichkeit des Affektierten

Herbert Fritsch hat an die historischen Mittel eines autonomen Theaters erinnert, das nicht auf Einfühlung und Nachahmung setzt. Bernadette Sonnenbichler verschreibt sich in ihrer Stuttgarter Inszenierung von Molières »Menschenfeind« dieser Methode. Wer sie nicht grundsätzlich ablehnt, hat seinen Spaß daran. Konsequenter jedenfalls war keine Regie in der ersten Saison von Burkhard C. Kosminski, meint Thomas Rothschild. mehr

Edouard Louis: Wer hat meinen Vater umgebracht

Macron stiehlt dir das Essen

Der Pariser Schriftsteller Édouard Louis ist ein Star der französischen Literaturszene. »Wer hat meinen Vater umgebracht« heißt sein dritter, kürzlich erschienener Roman. Darin klagt Louis die Präsidenten der Republik einschließlich Emmanuel Macron an. Walter H. Krämer hat die literarische Kampfansage gelesen. mehr

Schwerpunkt Syrien: Vierter Brief an Samira

Ohne Trost

Im vierten Brief, den Yassin Al Haj Saleh an seine entführte Frau Samira Khalil, geschrieben hat, gibt er einen Überblick über die am Syrien-Krieg beteiligten Interessengruppen. Statt eines mit friedlichen Mitteln angestrebten, politischen Pluralismus hat sich ein pluraler Krieg entwickelt. Die inzwischen entstandene Lage ist in seinen Augen zutiefst trostlos. mehr

Henrik Ibsens »Die Wildente« in Stuttgart

Wahrheit als Zumutung

Henrik Ibsens Stück »Die Wildente« fragt nach dem Wert der Wahrheit im Leben einer Familie. Burkhard C. Kosminski, seit kurzem Intendant des Schauspiel Stuttgart, hat Elmar Goerdens Inszenierung aus Mannheim an seinen neuen Wirkungsort mitgenommen. Thomas Rothschild sah die Premiere. mehr

BartolomeyBittmann Dynamo

Der katastrophische Groove

Seit 2012 arbeiten die österreichischen Musiker Matthias Bartolomey (Cello) und Klemens Bittmann (Violine & Mandola) im Duo zusammen. Mit »Dynamo« erscheint jetzt ihr drittes Album. Alban Nikolai Herbst hat sich die CD mehrfach angehört. mehr

Franz-Michael-Felder-Archiv

Das literarische Gedächtnis

Das Franz-Michael-Felder-Archiv in Bregenz hat sich um die Bewahrung von Geschichte und die zeitgenössische Literatur Vorarlbergs verdient gemacht. Gleichwohl wird es kaum wahrgenommen. Thomas Rothschild stellt die 1984 eröffnete Institution vor. mehr

Der FILM »Chris the Swiss«

Bilder der Beklemmung

Als junger Mann fuhr der Schweizer Journalist Christian Würtenberg nach Kroatien, um über die Jugoslawienkriege zu berichten. Er kam nie zurück. In ihrem Langfilmdebüt »Chris the Swiss« widmet sich Regisseurin Anja Kofmel der Ermordung ihres Cousins. Jens Balkenborg hat den Film gesehen. mehr

Deutschland zwischen Revolution und Versailles

Hundert Jahre Kriegsverlierer

Der Literaturkritiker Andreas Platthaus hat einen Versuch zum Ende des Ersten Weltkriegs 1918 sowie den darauffolgenden innenpolitischen Kämpfen und Auseinandersetzungen um den Versailler Vertrag vorgelegt. Platthaus‘ ausgewogene Studie animiert Bruno Laberthier zu einem Vergleich mit seinem Geschichtslehrer. +mehr

»DIE SIEBEN TODSÜNDEN« IN STUTTGART

Ach Brecht, ach Weill, ach Frank Zappa

In Stuttgart sind Bertolt Brechts und Kurt Weills »Sieben Todsünden« als Koproduktion von Staatsoper, Ballett und Schauspiel zu sehen. Anna-Sophie Mahler lässt das Stück in einem Boxring spielen und verschafft der Sängerin Peaches einen prominenten Auftritt. Thomas Rothschild vermisst das kritische Potential des Originals.

Lisa McInerney, „Glorreiche Ketzereien"

Das Böse ausräuchern

Die 1981 geborene Autorin Lisa McInerney hat zunächst als Bloggerin auf sich aufmerksam gemacht. In ihrem Romandebüt »Glorreiche Ketzereien« wirft McInerney einen humorvoll-entlarvenden Blick auf die irische Gesellschaft. Riccarda Gleichauf empfiehlt das Buch. mehr

Filmkritik

Ein schwarzer Tag

Am 30. Januar 1933, Adolf Hitler ist gerade Reichskanzler geworden, trifft sich die jüdische Familie Glickstein zum Abendessen. Zwei Themen dominieren die Tischgespräche: Die 19-jährige Tochter Leah will nach Palästina gehen, während Sohn Michael am Fackelzug der Nazis teilnehmen möchte. Jens Balkenborg hat Florian Frerichs' Spielfilm »Das letzte Mahl« gesehen. mehr

Das Luftschiff & Unbändiges Spanien auf DVD

Zwei Filmschätze aus der DDR

1974 ist Fritz Rudolf Fries' Roman »Das Luftschiff« erschienen, 983 drehte Rainer Simon danach einen Film. Nun ist die DEFA-Produktion zusammen mit dem 1962 entstandenen Film »Unbändiges Spanien« auf DVD erhältlich. Thomas Rothschild empfiehlt, Vorurteile zum DDR-Kino zu überdenken. mehr

BUCHKRITIK

Frauen sind stärker

In Christina Hesselholdts aus dem Dänischen übersetzten Roman »Gefährten« berichten Frauen und Männer aus wechselnden Perspektiven von dem, was gewesen ist, weniger davon, was noch kommen könnte. »Gefährten« ist ein Meisterstück spielerisch vereinnahmter Erinnerungskultur, findet Otto A. Böhmer. mehr

Lüdkes liederliche Liste: Matisse und Botho Strauß

Ein rundum schönes Buch

Zeichnungen und Druckgrafiken von Henri Matisse, ergänzt durch Texte von Botho Strauß – Überlegungen, die an Matisse anschließen, ihn zuweilen auch umschließen oder sogar aufschließen. Dazu ein Essay von Markus Müller, dem Leiter des Kunstmuseums Pablo Picasso in Münster. Martin Lüdke empfiehlt den von Josef Kleinheinrich verlegten Band. mehr

Peter Steins »Faust« auf DVD

Statt Gründgens

Auf der Weltausstellung Expo 2000 realisierte Peter Stein seinen alten Plan, die kompletten beiden Teile von Goethes »Faust« auf die Bühne zu bringen. Jetzt wurde die Inszenierung als DVD-Edition von vierzehneinhalb Stunden Spieldauer erneut veröffentlicht. Thomas Rothschild stellt die Edition vor. mehr

Etel Adnan über Einar Schleef

Aber wer war Einar?

Zum 75. Geburtstag Einar Schleefs am 17. Januar 2019 sind seine Erzählungen, Märchen, Berichte, Fremd- und Selbstbeobachtungen aus den Jahren 1973 bis 1998 erschienen. Hans-Ulrich Müller-Schwefe, Lektor und dramaturgischer Berater Einar Schleefs, hat den Band zusammengestellt. Faust-Kultur dokumentiert Etel Adnans Nachwort. mehr

Eine Frau flieht vor einer Nachricht

Natur ohne Grün

Mit dem Mut zur radikalen Adaption und Kürzung hat sich die Regisseurin Jessica Glause an den opulenten Roman des israelischen Autors David Grossman »Eine Frau flieht vor einer Nachricht« herangewagt. Entstanden ist in der deutschsprachigen Erstaufführung am Schauspiel Frankfurt eine überzeugend eigenständige Inszenierung. Andrea Pollmeier hat die Premiere gesehen. mehr

Freies Tanztheater

Vom Werden und Vergehen

Es war still geworden um die Frankfurter Choreographin und Tänzerin Marie-Luise Thiele. Nach dem Tod ihres langjährigen Lebensgefährten Michael Rieth nahm sie sich Zeit, den Verlust zu verarbeiten. Jetzt ist sie als Choreographin wieder da. Walter H. Krämer hat Thieles Stück »ver_ _gehen…« gesehen. mehr

Musik-Empfehlungen

Eine unendliche Klaviergeschichte

Wer auch nur ahnt, wie viel Musik für Klavier komponiert wurde und wie viel davon seit der Ära der Tonträger davon aufgezeichnet wurde, wird darüber staunen dürfen, wie viel davon aufgezeichnet, aber nicht veröffentlicht wurde. Was in letzter Zeit von Scarlatti bis Ligeti auf CDs erschien, eingespielt von bekannten Musikern von Walter Gieseking bis Yuja Wang, hat Hans-Klaus Jungheinrich in seinem letzten Beitrag vor seinem plötzlichen Tod assoziativ miteinander in Beziehung gesetzt. mehr

Zum Tod von Amos Oz

Sich mit dem Unglück arrangieren

Als einer der literarisch renommiertesten und politisch exponiertesten Schriftsteller seiner Generation hatte Amos Oz in der israelischen Öffentlichkeit eine ständige Präsenz. Am 28. Dezember 2018 ist er im Alter von 79 Jahren in Jerusalem gestorben. Stefana Sabin erinnert an den Autor und Aktivisten. mehr

Buchkritik: Frank Witzel, Vondenloh

»Na, Helga, kennst du mich noch?«

Frank Witzels neu aufgelegter Roman »Vondenloh« dreht sich um Leben und Werk einer geheimnisvollen Schriftstellerin, deren Romane 120 Seiten nie überschreiten und stets Bestseller werden. »Vondenloh« ist Kulturbetriebs-Krimi und Provinzsatire zugleich. Vincent Sauer empfiehlt den Roman. mehr

Filmkritik: Murer

Der Schrecken liegt in der Sachlichkeit

In einem bis heute nachhallenden Prozess wurde in Graz im Sommer 1963 Franz Murer, der »Schlächter von Vilnius«, freigesprochen. Die österreichisch-luxemburgische Koproduktion »Murer – Anatomie eines Prozesses« bringt den Fall nun ins Kino. Der Film ließ Jens Balkenborg fassungslos zurück. mehr

WILHELM GENAZINOS FRANKFURTER POETIKVORLESUNGEN

Unplugged

Oft sprach er so, wie er schrieb – Wilhelm Genazino verlieh seinen Einsichten und Entdeckungen Dringlichkeit und Gewicht. Schalkhaft und melancholisch zeichnete er die vergebliche Existenz. Dass dieser besondere Genazino-Ton in seinen Frankfurter Poetikvorlesungen das Publikum auch ratlos ließ, ist nachvollziehbar. Volker Breidecker erinnert sich. mehr

Tagebuch einer Reise von Frankfurt nach Rom

»O glückliche, reiche einzige Tage«

Die Grand Tour, jene seit der Renaissance zuerst vom Adel, später vom Bürgertum und von Künstlern getätigte Bildungsreise, hat ihre Spuren in der Kunstgeschichte hinterlassen. Aber die Frauen, wo waren sie? ist die Ausgangsfrage eines Reise- und Rechercheprojektes zum Sehnsuchtsziel Italien. Fünf Künstlerinnen und eine Musikerin waren eingeladen, sich auf Spurensuche zu begeben und nach Italien zu reisen. Faust-Kultur bringt Auszüge aus dem dazu erschienenen Reisetagebuch. mehr

70 Jahre Erklärung der Menschenrechte

Tod durch Strom

70 Jahre nach der Verabschiedung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte durch die UN-Generalversammlung ist die staatliche Anwendung der Todesstrafe weiterhin globale Realität. In den USA finden wieder Hinrichtungen auf dem elektrischen Stuhl statt. Helmut Ortner blickt auf die Entstehung und Entwicklung dieser Tötungsart. mehr

Zum Tod von Paulus Böhmer

No home

Über viele Jahre war Faust-Kultur-Redakteur Harry Oberländer im Hessischen Literaturforum Mitarbeiter von Paulus Böhmer. Der Erinnerung an sein letztes Treffen mit dem Meister des Langgedichts gibt er einen Auszug aus Böhmers Buch »No home« bei, das im nächsten Jahr im Verlag Peter Engstler erscheinen wird. mehr

LÜDKES LIEDERLICHE LISTE

Sündige Klosterbrüder

Der einäugige Ernest Herz tritt den Posten des Bibliotheksleiters in einem abgelegenen Kloster an. Sein Vorgänger beging Selbstmord. Mit Herz' Ankunft an seiner neuen Arbeitsstätte beginnt Marjana Gaponenkos jüngster Roman: »Der Dorfgescheite«. Die Autorin versteht es, Spannung aufzubauen und zu steigern, meint Martin Lüdke. mehr

I puritani (Die Puritaner)

Im Dunkel

Die Oper Frankfurt zeigt »I puritani«, die im englischen Bürgerkrieg zwischen Puritanern und Katholiken spielende, letzte Oper von Vincenzo Bellini. Während Sänger, Orchester und Chor vom Premierenpublikum mit viel Applaus bedacht wurden, erntete das Regie-Team laute Buhrufe – zu Recht, wie Stefana Sabin meint. mehr

Europoesie: Gedichte von Anna Maria Bacher

Zwischen Moos und Farn

In Anna Maria Bachers Gedichtband »Öigublekch/ Augenblicke/ Colpo d’occhio« ist die Natur so präsent, wie sie aus ihrem Walserdeutsch herauszubrechen scheint. Was geschieht damit im Deutschen und Italienischen? Die Übersetzungen erinnern an eine aussterbende Kultur. Bernd Leukert hat sich mit den fremden Welten befasst. mehr

Briefe: Rainer Maria Rilke und Erika Mitterer

Sinnlichkeit durch die Poesie

Mit der Dokumentation der poetischen Beziehung zwischen Rainer Maria Rilke und Erika Mitterer wurde eine Lücke in der Rilke-Forschung geschlossen. In diesem Briefwechsel werden Attraktion und Begehren ebenso thematisiert wie Hoffnung, Abgrenzung und Abschied, berichtet Gudrun Braunsperger. mehr

Porträt: Der Fotograf Peter Loewy

»Meine Eltern waren Flüchtlinge«

Für eine Ausstellung im Jüdischen Museum Hohenems fotografiert Peter Loewy verborgene Facetten der israelischen Metropole Tel Aviv-Jaffa. Eugen El hat mit Loewy über dieses und weitere Projekte sowie über seine deutsch-jüdische Familiengeschichte gesprochen. mehr

HERBERT ACHTERNBUSCH ZUM 80. GEBURTSTAG

Ich bin doch nur ein Depp.

Ruhig ist es um Herbert Achternbusch geworden in den vergangenen Jahren. Das hatte mit gesundheitlichen Problemen zu tun, aber auch dem Alter: Am 23. November 2018 wird der bayerische Anarcho-Gesamtkünstler 80 Jahre alt. Uwe Schütte nimmt Achternbuschs Jubiläum zum Anlass für eine ausführliche Würdigung seines Werks. mehr

»Vier Geschichten vom Rand der Tage«

Ein Abend im Mai

Der 1967 geborene, in Berlin lebende Autor und Übersetzer Lothar Quinkenstein arbeitet gerade an einer Sammlung von kurzen Prosatexten. Faust-Kultur veröffentlicht daraus vier Geschichten. Die junge Kunstszene einer polnischen Stadt ist Schauplatz der dritten Erzählung: »Ein Abend im Mai«. mehr

»Biedermann und die Brandstifter«

Zündhölzer und viele Wahrheiten

Die schlichte Fabel vom Biedermann und den Brandstiftern wird bei Max Frisch dramatisch, weil sie mit der Warnung vor den Menschenverächtern die Gastfreundschaft aufs Spiel setzt. Die Landungsbrücken Frankfurt, das offste Theater der Stadt, setzt damit die gegenwärtige Naivität aufs Spiel. Walter H. Krämer war dabei. mehr

Ausstellung Pieter Bruegel d. Ä. in Wien

Der »Bauernbruegel« komplett wie noch nie

Um Gemälde von Pieter Bruegel dem Älteren zu sehen, musste man schon immer nach Wien reisen. Das Kunsthistorische Museum besitzt die größte Sammlung seiner Werke. Jetzt hat es auch die übrigen zugänglichen Bilder des flämischen Meisters nach Wien geholt. Thomas Rothschild hat die Bruegel-Ausstellung besucht. mehr

80. GEBURTSTAG VON MICHAEL BUSELMEIER

Ein Indianerleben im Verborgenen

Michael Buselmeier hat Romane, Erzählungen, Gesprächs- und Sachbücher geschrieben und etwa zehn Bände mit Gedichten. Er hat die Heidelberger Stadtzeitung mitbegründet und macht literarische Stadtführungen durch Heidelberg. Zu seinem 80. Geburtstag ist nun eine Festschrift mit dem Titel »Nichts soll sich ändern« erschienen. Wir gratulieren mit einer Laudatio von Michael Braun und einem Gedicht von Harry Oberländer, die darin enthalten sind. mehr

Internationale Ferienkurse für Neue Musik

Mit Dionysos wider die Metaphysik des Klangs

Auch um Körperlichkeit und Sexualität ging es bei den Internationalen Ferienkursen für Neue Musik in Darmstadt 2018. Was die altgriechischen Götter Dionysos und Apollon damit zu tun haben, hat der Komponist Jakob Stillmark nicht nur bei Friedrich Nietzsche, sondern auch in der gegenwärtigen Kompositionspraxis gefunden. mehr

»KABALE UND LIEBE« AM STAATSTHEATER COTTBUS

Was Theater alles kann

Die Liebe in Zeiten der politischen Parteilichkeit wird schnell zum Skandal, wenn der oder die Falsche geliebt wird. Es sei denn, die Liebesbeziehung wird wieder zur Handelsbeziehung. Was hat das bürgerliche Trauerspiel, das sich in Schillers »Kabale und Liebe« darstellt, dem Publikum des Jahres 2018 zu sagen? Walter H. Krämer hat Jo Fabians Inszenierung in Cottbus gesehen. mehr

Neuinszenierung in Wien

Den Wurschtl kann keiner erschlagen

Albert Drach, 1902 in Wien geboren, 1995 in Mödling gestorben, hatte wegen seiner jüdischen Herkunft vor allem im französischen Exil während der deutschen Besetzung ein riskantes Leben, schrieb Romane, Erzählungen, Dramen, Essays und Gedichte. Jetzt hat das Wiener Theater Nestroyhof/Hamakom einen Drach-Schwerpunkt aufs Programm gesetzt. Elvira M. Gross hat sein »Kasperlspiel vom Meister Siebentot« gesehen. mehr

Calderóns Stück aus dem 17. Jahrhundert in Mainz

Ein Traum, im Theater gespielt

»Das Leben ein Traum« – Der Regisseur K. D. Schmidt hat sich dieser Einsicht gestellt. Am Staatstheater Mainz inszeniert er Calderóns gleichnamiges Stück aus dem Jahr 1635. Schmidt ist es gelungen, eine platte Aktualisierung und eine historistische Darstellung zu vermeiden, meint Martin Lüdke. mehr

REDE ZUR DEMOKRATIE

Wir alle können etwas tun

Zur Eröffnung der »Langen Nacht der Demokratie« in der Evangelischen Stadtakademie München hielt die Schriftstellern Lena Gorelik ein engagiertes Plädoyer, jeden Tag aufs Neue für Freiheit, Menschenwürde und Demokratie zu kämpfen. Faust-Kultur dokumentiert Goreliks Rede. mehr

Ballett »Shades of White«

Geordnete Welt

Zur Eröffnung der neuen Saison zeigt das Stuttgarter Ballett Choreographien von John Cranko, George Balanchine und Natalia Makarova nach Marius Petipa. Der mit »Shades of White« überschriebene Ballettabend steht im Zeichen von Tradition und Eleganz, berichtet Thomas Rothschild. mehr

Europoesie: Orsolya Kalasz

Hüterin der unbenannten Dinge

Die ungarische Lyrikerin Orsolya Kalász lebt in Budapest und Berlin, schreibt auf Ungarisch und auf Deutsch. Die Berührungspunkte, die beide Sprachen miteinander haben, sind beschränkt. Mit ihrer Verwandlungskunst findet die Poetin einen Ausweg aus dem Dilemma der Zweisprachigkeit. Bernd Leukert stellt Kalász’ zweisprachigen Band »alles, was wird, will seinen strauch« vor. mehr

Bodo Kirchhoff: Dämmer und Aufruhr

Wunden und Wunder

Bodo Kirchhoffs autobiographischer Roman »Dämmer und Aufruhr« ist ein Versuch, vor sich selbst Rechenschaft abzulegen, den Motiven der Rebellion eines Heranwachsenden der 68er-Generation auf den Grund zu gehen. Gudrun Braunsperger hat den »Roman der frühen Jahre« gelesen. mehr

Anne Reineckes Debüt »Leinsee«

Eine Beziehung mit Folgen

Anne Reineckes Debüt »Leinsee« erzählt vom Kunstbetrieb und von noch viel mehr. Die 1978 geborene Autorin führt ihre Leser durch eine ungewöhnliche Liebesgeschichte, die sich unbemerkt anbahnt und zusehends spektakulärer wird. »Leinsee« ist ein unterhaltsamer, fast märchenhaft anmutender Roman, meint Otto A. Böhmer. mehr

Lohengrin in Stuttgart

Rumpelstilzchen als Held

Mit Richard Wagners Oper »Lohengrin« stellt sich der neue Stuttgarter Generalmusikdirektor Cornelius Meister vor. Orchester und Chor sorgen für musikalischen Genuss, während der ungarische Regisseur Árpád Schilling beim Schlussapplaus auch Buhs erntet. Thomas Rothschild hat die „Lohengrin“-Premiere an der Staatsoper Stuttgart besucht. mehr

Marina Zwetajewas Prosa

»Die Wahrheit ist eine Überläuferin«

Marina Zwetajewa (1892-1941) gilt neben Anna Achmatowa als bedeutendste russische Dichterin des 20. Jahrhunderts. Dank einer neuen Übersetzung von Elke Erb, Ilma Rakusa, Margret Schubert und Marie-Luise Bott lässt sich jetzt ihre in den dreißiger Jahren entstandene Prosa entdecken. Gudrun Braunsperger empfiehlt den bei Suhrkamp erschienenen Band. mehr

Theater

Ionescos »Nashörner« trampeln durch Esslingen

Was als Komödie beginnt, wandelt sich zu einer Schreckensvision: »Die Nashörner«, Eugène Ionescos Parabel über Konformismus, Opportunismus und Massenhysterie, wurde 1959 uraufgeführt. Nun eröffnet der Dreiakter die neue Spielzeit an der Württembergischen Landesbühne Esslingen. Thomas Rothschild hat einen großen Theaterabend erlebt. mehr

»Der Theatermacher« in Dortmund

Geschichte einer Empörung

Kay Voges hat am Schauspiel Dortmund Thomas Bernhards Stück »Der Theatermacher« als Punk-Operette, Travestie, Splatter-Movie, Nummernrevue und Selbst-Zitat des Produktionsteams inszeniert. Walter H. Krämer spürt der Motivation des Dortmunder Regisseurs und Schauspieldirektors nach, das Stück auf die Bühne zu bringen. mehr

Günther Groissböck und Malcom Martineau

Wotan und Taschentücher

Es brauchte seine Zeit, bis der Bass Günther Groissböck sich in seine erkältete Stimme eingefunden hatte. Doch dann feuerte er beim Liederabend in der Frankfurter Oper zusammen mit seinem Klavierpartner Malcom Martineau ein Feuerwerk russischer Lieder ab, das es in sich hatte. Andrea Richter hat zugehört. mehr

Tri sestry / Drei Schwestern

Unerfüllte Katalogträume

20 Jahre nach der Uraufführung von »Tri sestry« in Lyon zeigt die Oper Frankfurt das zum modernen Klassiker avancierte Werk von Peter Eötvös erstmals wieder in der Urfassung. Regisseurin Dorothea Kirschbaum schlägt einen Katalog auf, der jeden der Protagonisten von seiner eigenen, neuen Lebens-Einrichtung träumen lässt. Alles andere als langweilig, meint Andrea Richter. mehr

Saint François d'Assise in Darmstadt

Hochamt in der Oper

Am Staatstheater Darmstadt beginnt die neue Saison mit einer Inszenierung der Oper »Saint François d’Assise« von Olivier Messiaen. Es ist ein Kraftakt, den Orchestermusiker und Sänger, vor allem der Bariton Georg Festl in der Titelpartie zum grandiosen Erfolg verwandeln, meint Stefana Sabin. mehr

Neue Spielzeit in Frankfurt

Wohin die Reise geht

Mit Eugene O’Neills Stück »Der haarige Affe«, übersetzt und bearbeitet von Clemens Meyer, und Ewald Palmetshofers »Räuber. Schuldenreich« startet das Schauspiel Frankfurt in die Spielzeit 2018/19. Beide Stücke kommentieren laut und deutlich die gegenwärtige politische Situation. Die zweite Spielzeit unter dem Intendanten Anselm Weber fängt gut an, findet Martin Lüdke. mehr

Irakische Schreibwerkstätten

Gedichte aus dem Arabischen

Schreiben kann in schwierigen Lebensphasen befreiend wirken. Gedichte, die von Suhad Issa, Zainab Aleani und Nidaa Hasan angeregt durch die Schreibwerkstätten der NGO elbarlament im Irak entstanden sind, werden in der Übersetzung von Leila Chammaa und Ilke S. Prick vorgestellt. mehr

Karin Bergmann an der Wiener Burg

Ein kleiner Sieg der Chancengleichheit

Seit 2014 leitet Karin Bergmann das Wiener Burgtheater. Der Tochter eines Bergarbeiters und einer gelernten Schneiderin aus dem Ruhrgebiet war eine Theaterdirektion nicht in die Wiege gelegt. Thomas Rothschild würdigt Bergmanns Werdegang und ihre erfolgreiche Arbeit. mehr

Schillers »Maria Stuart« in Mainz

Machtspiele am Königshof

Friedrich Schillers Drama um Maria Stuart, Königin von Schottland, wurde 1800 in Weimar uraufgeführt. Es erzählt vom Duell zweier Frauen im Kampf um Männer und Macht. Das betagte Trauerspiel erlebte nun am Staatstheater Mainz eine grandiose Wiedergeburt. Martin Lüdke sah die Premiere. mehr

Im Video

8. Hochstädter Lyriknacht

In dieser Hochstädter Kirche, deren Fundamente im 10. Jahrhundert gelegt wurden, bekommen Gedichte eine Aura. In der 8. Hochstädter Lyriknacht in Erinnerung an Horst Bingel lasen bekannte Autoren wie Jan Wagner und Guntram Vesper, aber auch noch zu entdeckende wie Julia Mantel, Jan Seibert u.a. Nina Werth hat in ihrem Video die besondere Wirkung der Lesungen eingefangen. mehr

CD-Box »9 Trajectoires«

Die dunklen Objekte

Neun internationale Komponisten bereichern das kreative Personal der »Groupe de Recherches Musicales«. Ihre akusmatische Arbeit wird nun mit der CD-Box »9 Trajectoires« vorgestellt. Bernd Leukert berichtet, was da vor sich geht. mehr

Kinder der Rückkehr

Nur bis zu einem gewissen Grad

Nach Kriegsende kehrten einige Juden, die man vertrieben hatte, nach Österreich zurück, um sich am Aufbau eines demokratischen Staates zu beteiligen. Ruth Wodak (Foto) und Ernst Berger haben Kinder von Rückkehrern und auch deren Kinder, also die dritte Generation der NS-Opfer, interviewt und daraus ein Buch gemacht. Thomas Rothschild stellt es vor. mehr

URAUFFÜHRUNG IN STUTTGART

Der Schoß ist fruchtbar noch

Zum Abschluss von sieben Jahren erfolgreicher Arbeit an der Oper Stuttgart zeigen Jossi Wieler und Sergio Morabito anspruchsvolles Musiktheater. Mit Toshio Hosokawas Oper »Erdbeben. Träume« setzen sie ein Zeichen für Menschlichkeit und eine offene Gesellschaft, meint Walter H. Krämer. mehr

Zum Tod von Aretha Franklin

Klingende Werte

Aretha Franklin war nicht nur die »Queen of Soul«, sondern eine wahre »Queen of Pop«, eine globale Ikone, gefeiert in Kritiker- und Musikliebhaberkreisen, aber auch von Rentnern und Teenies auf der ganzen Welt, nicht zuletzt von der Gay Community. Michael Behrendt erinnert an die Sängerin, Songwriterin, Pianistin und Entertainerin, die am 16. August 2018 gestorben ist. mehr

Biographie

Eine Erinnerung an Hugo Sinzheimer

Hugo Sinzheimer (1875–1945) vertrat als Anwalt streikende Arbeitnehmer und Gewerkschaften, als SPD-Politiker arbeitete er an der Weimarer Verfassung mit. Seine Vorstellungen des Koalitions- und Tarifrechts haben bis heute Bestand. Die Goethe-Universität Frankfurt und Otto Ernst Kempen widmen Sinzheimer eine Biographie. Peter Kern hat sie gelesen. mehr

Salzburger Festspiele: Kleists »PENTHESILEA« als pas de deux

Love is not a game, but I’m winning

Johan Simons hat Kleists »Penthesilea« in Salzburg als archaisch-modernes Beziehungsdrama inszeniert. Sandra Hüller spielt Penthesilea, während Jens Harzer die Rolle des Achilles übernommen hat. Trotz mancher Einwände ist es eine außerordentliche und fesselnde Produktion, meint Elvira M. Gross. mehr

Erzählung

»Vier Geschichten vom Rand der Tage«

Der 1967 geborene, in Berlin lebende Autor und Übersetzer Lothar Quinkenstein arbeitet gerade an einer Sammlung von kurzen Prosatexten. Faust-Kultur veröffentlicht daraus vier Geschichten. Der zweite Text trägt den Titel »1574«. mehr

»Stimmen einer Stadt«

Ein vielstimmiger Chor

Das Schauspiel Frankfurt startete unlängst das auf drei Spielzeiten angelegte Projekt »Stimmen einer Stadt«. Jeweils drei Autoren bekommen den Auftrag, nach ausführlichen Gesprächen mit einem Einwohner Frankfurts ein Monodrama für je einen Schauspieler zu schreiben. Walter H. Krämer blickt auf den ersten Teil des Projekts zurück. mehr

POLITIK IN FERNSEHSERIEN

Francis Underwood statt Trump

In den vergangenen Jahren wurden Fernsehserien mit erstklassigen Besetzungen, namhaften Regisseuren, raffinierter Dramaturgie und einer großen Nähe zur Politik produziert. Der Band »Politik in Fernsehserien« versammelt nun 18 Aufsätze und Analysen zu House of Cards, Borgen & Co. Thomas Rothschild kann den Band nicht uneingeschränkt empfehlen. mehr

ZUM TOD VON ROLF TIEDEMANN

Aus Persilkartons gezaubert

Rolf Tiedemann hat die Schriften, Nachlässe und Briefwechsel von Walter Benjamin und Theodor W. Adorno erschlossen und herausgegeben. Nun ist er im Alter von 85 Jahren gestorben. Volker Breidecker erinnert an das Werk des Philologen, Philosophen und Herausgebers. mehr

»STARS, STRIPES & SONGS«

Hey-ya!

Auf einer Musikgala in Würzburg präsentieren der Songschreiber Markus Rill und seine Gäste, wie der Rock’n’Roll-Urknall aus dem Gemisch von Blues und Country entstand, wie die Folkies und die Hippies gegen Vietnam protestierten und welche Lieder die Bürgerrechtsbewegung begleiteten. Faust-Kultur dokumentiert den lyrischen Essay von Martin Wimmer, der die Sozialgeschichte der US-Musik durchstreift. mehr

Harro Stammerjohann zum 80.Geburtstag

Im Spiegel der Sprache

Am 25. Juli 2018 feiert der in Frankfurt lebende Romanist Harro Stammerjohann seinen 80. Geburtstag. Aus diesem Anlass würdigt der Salzburger Romanistikprofessor Matthias Heinz, ein Schüler Stammerjohanns, dessen wissenschaftliches Werk. mehr

Ludwigsburger Schlossfestspiele 2018

Jazz auf der Gadulka

Mit einem umjubelten Konzert des Violinisten Pinchas Zukerman haben die Ludwigsburger Schlossfestspiele 2018 ein triumphales Ende genommen. Thomas Rothschild sah dort außerdem die Händel-Oper »Lucio Cornelio Silla«, einen von Igor Levit begleiteten Auftritt des Tenors Simon Bode und eine musikalische Balkanreise des Ensemble »L‘Arpeggiata«. mehr

ROMANAUSZUG: »FREI NACH SCHOPENHAUER«

Unglaublich sesshaft

Prof. Dr. Egidius Fitzroy ist ein Philosoph. Das ist kein Beruf, sondern ein denkwürdiger Zustand, – wenn er nicht mit den zweifelhaften Segnungen eines Lehrberufs behaftet ist. Ein qualifizierter, aber arbeitsloser Vertreter des Fachs heißt deshalb auch Privatgelehrter. Faust-Kultur veröffentlicht das erste Kapitel von Otto A. Böhmers vergnüglichem Roman »Frei nach Schopenhauer«. mehr

Ballettabend in Stuttgart

Goodbye Reid Anderson

Am Stuttgarter Ballett feiert Reid Anderson das Ende seiner langjährigen Intendanz. Unter dem Titel »Party Pieces« werden Höhepunkte der vergangenen Jahre rekapituliert, kleine »Gelegenheitsstücke« und zwei Ausschnitte aus größeren Balletten, Vorzeigestücke auch für die Solisten des Ensembles. Thomas Rothschild hat das Ballett-Varieté gesehen. mehr

Lucy Frickes Roman »Töchter«

Zum Heulen schön

Zwei Freundinnen um die vierzig und ein todgeweihter Vater, der es sich in den Kopf gesetzt hat, in der Schweiz zu sterben: Mit ihrem vierten Roman »Töchter« ist der 1974 geborenen, in Berlin lebenden Schriftstellerin Lucy Fricke eine furiose, an Volten reiche Road-Novel gelungen, findet Peter Henning. mehr

LÜDKES LIEDERLICHE LISTE: Enzensbergers Porträts

Ein Schelm, wer Böses denkt

Hans Magnus Enzensberger, der einst »zornige, junge Mann«, erreicht 2019 ein stattliches Alter: Neunzig. Er schreibt noch immer, wie er grinst: klug, funkelnd, verschmitzt. Sein neuestes Buch enthält 99 Porträts von Autoren des 20. Jahrhunderts. Das Buch lässt offen, warum es geschrieben wurde, macht aber klar, warum es Nicht-Leser lesen sollten, meint Martin Lüdke. mehr

CD-TIPP

Pop im Jazz-Duo

Der Kontrabassist Martin Wind und der Gitarrist Ulf Meyer haben ihr erstes Duo-Studioalbum seit 25 Jahren aufgenommen. Die Musik auf der CD mit dem Titel »Licorice & Beer« ist zugänglich, ohne niveaulos zu werden, meint Thomas Rothschild. mehr

Krimiautorinnen: Christine Lehmann

Das Aufbrechen von Herrschaftsstrukturen

Im vierten und letzten Teil der Serie über deutschsprachige Krimiautorinnen stellt Kirsten Reimers mit Christine Lehmann eine der profiliertesten deutschen Genreautorinnen vor. Ihre Kriminalromane rund um die fiktive Reporterin Lisa Nerz sprengen die Konventionen des Genres und spielen mit Leseerwartungen. mehr

Filme von James Benning auf DVD

Für eine Zigarrenlänge

Mit bewundernswerter Ausdauer veröffentlicht das Österreichische Filmmuseum seit Jahren die Arbeiten des US-amerikanischen Filmemachers James Benning. Die jüngste Doppel-DVD enthält die Filme »11 × 14« von 1977 sowie zwei der drei zwischen 1977 und 2012 entstandenen Varianten von »One Way Boogie Woogie«. Thomas Rothschild empfiehlt die DVD. mehr

Erzählung

Das Geheimversteck

Lothar Quinkenstein, 1967 geboren, ist Germanist, Übersetzer aus dem Polnischen und Schriftsteller. Der in Berlin lebende Autor arbeitet gerade an einer Sammlung von kurzen Prosatexten. Faust-Kultur veröffentlicht daraus vier Geschichten, »Das Geheimversteck« heißt die erste. mehr

GESPRÄCH MIT DER AUTORIN SABINE SCHOLL

Transnationale Weltliteratur

Die in Berlin lebende, österreichische Autorin Sabine Scholl hat seit vielen Jahren außergewöhnlich differenzierte Analysen zu Fragen der Transkulturalität publiziert. Für ihr Werk wurde sie jetzt in Wien mit dem Anton Wildgans Preis ausgezeichnet. Im Kontext des Internationalen Literaturpreis 2015 sprach sie mit Andrea Pollmeier über Kennzeichen einer transnationalen Weltliteratur. mehr

Die Künstlerin E. M. C. Collard

Mit Haut und Stengel

E.M.C. Collard widmet sich Pflanzenstudien, erstellt Modelle phantasievoller Organismen und untersucht und kreiert deren Lebensräume. In Zeiten von genveränderten Pflanzen entwickelt sie auf wunderbar spielerische Art und Weise Prototypen einer neuen Generation. Claudia Olbrych stellt das Werk der in Frankfurt lebenden und arbeitenden Künstlerin vor. mehr

Anne Wiazemsky: Paris, Mai '68

Mit Rollschuhen zur Revolte

2015 ist Anne Wiazemskys sympathisch unprätentiöser »Erinnerungsroman« im französischen Original erstmals erschienen. Fast fünfzig Jahre nach den Ereignissen: »Paris, Mai '68«, die von der Autorin naiv staunend und zugleich mit dem genauen Blick des unbestechlichen Beobachters wahrgenommen worden sind. Es ist sicher das schönste Buch über die Revolte von 1968 überhaupt geworden, meint Martin Lüdke. mehr

Europoesie: Pierre de Ronsards »Sonette für Hélène«

Gebildete Brüste

Ein alter Mann verliebt sich in eine junge schöne Frau. Das ist unmöglich und kommt immer wieder vor. Der französische Dichter Pierre de Ronsard hat diese Konstellation zur Basis seiner »Sonette für Hélène« und der »Verstreuten Amoren« gemacht. Und zwar meisterlich. Bernd Leukert empfiehlt das Buch nicht nur alten Männern und empfindsamen jungen Frauen. mehr

Pina Bausch

Die Suche hört nicht auf

Dass Pina Bausch sich nicht auf die Traditionen ihres Berufs verließ, sondern den Tanz neu ergründete, mit den Erfahrungen ihrer Compagnie begründete und dennoch die Verläufe neu montierte, brachte, wie gewöhnlich, Begeisterung und Ärger hervor. Walter H. Krämer beschreibt, warum die Arbeit der großen Choreographin bis heute sehenswert ist. mehr

Wiener Festwochen 2018

Remake urauf

Wer glaubt, etwas Neues zu machen, ist nicht genügend informiert. Noch hoffnungsloser stimmen die Versuche, »neue Publikumsschichten« mit Stroboskopen und Bühnennebel für das Theater zu »erschließen«. Elvira M. Gross hat sich die neuen Wiener Festwochen angeschaut und ist nicht begeistert. mehr

LÜDKES LIEDERLICHE LISTE: John Bergers letztes Buch

Sein Testament – ist ein Geschenk

Den größten Teil seines Lebens verbrachte John Berger abseits der Metropolen, in der Natur. Als Künstler, zeichnend, malend, schreibend. Er war Kunsthistoriker, Schriftsteller, Dichter – oft alles zugleich. Berger war in der europäischen Kunstgeschichte zu Hause, ein Europäer. Sein letztes Buch ist nun auf Deutsch erschienen. Martin Lüdke empfiehlt es. mehr

BUCH ZUM FILM »CASABLANCA«

Play It Again

Seit 1942 schafft es der Film »Casablanca« stets aufs Neue, Zuschauer zu faszinieren. Noah Isenberg, Professor an der New School in New York, hat dem unüberschaubaren Stapel von Büchern über »Casablanca« ein weiteres hinzugefügt, das die Tugenden und die Schattenseiten amerikanischer Filmliteratur in sich vereint. Thomas Rothschild hat es gelesen. mehr

Konferenz Writers and Translators in Sibiu

Zufriedenheit und Erfolg

Die Arbeit von Übersetzerinnen und Übersetzern ist keine einfache und wäre ohne Wissen aus der Linguistik unbefriedigend. Manuela Klenke, die soeben den Roman Null Komma Irgendwas aus dem Rumänischen ins Deutsche übersetzt hat, berichtet mit dem Blick einer Insiderin über die internationale Konferenz Writers und Translators 2018, die an der Lucian-Blaga-Universität in Sibiu (Rumänien) stattgefunden hat. mehr

Ausstellung: Helmuth Macke im Bonn

Der vergessene Cousin

Am 8. September 1936 kommt der Maler Helmuth Macke unter ungeklärten Umständen auf dem Bodensee zu Tode. Sieben Jahre später werden bei einem Bombenangriff auf seine Heimatstadt Krefeld gut zwei Drittel seiner Werke vernichtet. Nun zeigt das August Macke Haus in Bonn das Werk von Helmuth Macke im Kontext der expressionistischen Malerei. Stefana Sabin hat die Werkschau besucht. mehr

Theater: »Endstation Sehnsucht« in Berlin

Zauber statt Realismus

Wie bei der Fahrt zur Endhaltestelle einer Straßenbahn, die »Desire« heißt und dem Dramatiker Tennessee Williams zum Titel einer der erfolgreichsten Stücke der Nachkriegszeit verhalf, sind die dramaturgischen Gleise in »Endstation Sehnsucht« gelegt, wenn das Spiel beginnt. Über die aktuelle Inszenierung des über 70-jährigen Dramas am Berliner Ensemble berichtet Walter H. Krämer. mehr

Oper und Theater in Zürich

Charlotte durch die rosa Brille

Beim 5. Schweizer Theatertreffen konnten nur Karin Henkels »Beute Frauen Krieg« und »Grimmige Märchen« von Herbert Fritsch überzeugen. Da kann man gleich ins Zürcher Operhaus gehen: Dort sah Thomas Rothschild Tatjana Gürbacas kluge, aber keineswegs revolutionäre Inszenierung von Jules Massenets »Werther«. mehr

LYRIK

Gerd-Peter Eigners nachgelassenes Mammut

Möglicherweise verhält es sich mit Gerd-Peter Eigner wie mit dem Mammut in seinem gleichnamigen Gedicht: Es ist weiter da, das Tier, nur entzieht es sich aus Sanftmut und Diskretion den schwachen menschlichen Blicken. Alban Nikolai Herbst hat dem streitbaren Schriftsteller ein Epitaph geschrieben. mehr

Hans Pleschinski: Wiesenstein

Der Dichter geht am Stock

Im Deutschland und im Ausland galt er einst als Autor von Rang. 1912 erhielt Gerhart Hauptmann (1862-1946) den Literaturnobelpreis. Später verblasste sein Ruhm. Hans Pleschinski macht Hauptmann zum Protagonisten seines im letzten Kriegsjahr spielenden Romans »Wiesenstein«. Otto A. Böhmer empfiehlt das Buch. mehr

Gespräch mit dem Künstler und Filmemacher Jos Diegel

»Ist Kultur nur noch Zugpferd?«

»Der Herbst des Untergrunds« ist ein experimenteller Dokumentarfilm von Jos Diegel. Er basiert auf 16-mm-Filmaufnahmen einer inzwischen abgerissenen temporären Ausstellungshalle im Offenbacher Hafen. Eugen El hat mit Jos Diegel über die Entstehung des Films und die Rolle von Kunst und Kultur in der Stadtentwicklung gesprochen. mehr

Theater in Berlin

Echte und synthetische Menschen

Thomas Ostermeier machte mit dem Stück Furore: »Rückkehr nach Reims« (Foto) ist die massiv reduzierte Bühnenbearbeitung des gleichnamigen Buchs von Didier Eribon. Thomas Rothschild hat die erfolgreiche Inszenierung an der Berliner Schaubühne gesehen, ebenso Susanne Kennedys »Selbstmord-Schwestern« an der Volksbühne. mehr

Jean-Michel Basquiat in der Schirn

Basquiat: »Das Schwarze ist mein Protagonist«

Jean-Michel Basquiat gehört zu den bedeutendsten Künstlern der Gegenwart. Zugleich ist er der erste Maler mit afroamerikanischen Wurzeln, der sich im umkämpften Kunstmarkt New Yorks in den 80er Jahren behaupten konnte. Die Schirn gibt noch bis zum 27. Mai Einblick in Leben und Werk des Künstlers. Andrea Pollmeier hat eine Führung von Kurator Dieter Buchhart begleitet. mehr

LEONARD BERNSTEIN

Der Dirigent als Komponist

Der Dirigent, Komponist und Pianist Leonard Bernstein (1918-1990) war ein Ausnahmekünstler. Kürzlich sind sämtliche von seiner Meisterschülerin Marin Alsop dirigierten Aufnahmen von Bernstein-Kompositionen in einer Box auf 8 CDs erschienen, ergänzt um ein Beiheft und eine Film-DVD. Thomas Rothschild empfiehlt die Box. mehr

Oper King Arthur an der Staatsoper Unter den Linden

Merlin im Versehrtenheim

Ist es möglich, die Schaubühne als eine moralische Anstalt zu betrachten, ohne sie als eine didaktische zu missbrauchen? Jede Neuinszenierung alter Theaterstücke stellt diese Frage. Wenn dem Publikum die Übertragungsleistung nicht zuzutrauen ist, lautet die Antwort Nein. Alban Nikolai Herbst hat an der Berliner Staatsoper Unter den Linden kritisch Henry Purcells »King Arthur« gesehen. mehr

Theaterkollektiv RAUM+ZEIT

Die Suche nach Nähe

Im Jahr 2009 konnte man der wohl berühmtesten deutschen Prostituierten, Rosemarie Nitribitt, in ihrer Wohnung begegnen. Sie, die seit 1957 tot ist, wurde von Regisseur Bernhard Mikeska und den Dramaturgen Alexandra Althoff und Lothar Kittstein in einer szenischen Installation in Frankfurt am Main heraufbeschworen: Walter H. Krämer stellt das Kollektiv RAUM+ZEIT vor. mehr

Ekaterine Togonidze: Einsame Schwestern

Zweie, aber ach! doch eins.

Die 1981 geborene Schriftstellerin Ekaterine Togonidze hat mit ihrem Debütroman »Einsame Schwestern« das in Georgien bis heute verdrängte Thema Behinderung poetisch verarbeitet. Der Roman ist jüngst auf Deutsch erschienen, und Alban Nikolai Herbst hatte Freude an der Lektüre. mehr

WELTKRIEGSMUSIK

Zauber der Zweieinsamkeit

1915, Richard Strauss komponiert die Alpensinfonie, es ist Krieg, und selbst die meisten Komponisten sind davon begeistert. Und in Frankreich beziehen Claude Debussy und Reynaldo Hahn mit Hilfe von zwei Pianisten Stellung. Hans-Klaus Jungheinrich hat die vom Duo Tal & Groethuysen eingespielte und auf CD erschienene Weltkriegsmusik gehört. mehr

Zum Tod von Max Weinberg

Begegnungen mit Max Weinberg

Am 18. April 2018 ist der Maler Max Weinberg im Alter von 90 Jahren gestorben. In Kassel geboren, verbrachte er seine Jugend in Tel Aviv und kam 1959 nach Frankfurt. Vor allem dort wurde der stets bunt bekleidete und geschminkte Künstler zur Kultfigur. Detlef zum Winkel erinnert sich an seine Begegnungen mit Max Weinberg und würdigt dessen künstlerisches Werk. mehr

Kurzgeschichten von PH Gruner

In die Ferne

In dem jüngst erschienenen Band »Die extrem kurze Zeit der Seligkeit« versammelt der Darmstädter Wissenschaftler, Autor und Künstler PH Gruner zehn Kurzgeschichten und ein Hörspiel. Das Buch bedient extrem ansprechend die Bedürfnisse weit- und weltläufiger Seelen, findet Bruno Laberthier. mehr

THEATER: Juli Zehs Unterleuten

Solche Dramen braucht das Land

In ihrem 2016 erschienenen Roman »Unterleuten« zeichnet Juli Zeh ein Gesellschaftsporträt und erzählt vom Rückbau eines Dorfes in Brandenburg. Das Potsdamer Hans Otto Theater zeigt den Bestseller nun in eigener Bearbeitung. Walter H. Krämer hat die gelungene Inszenierung gesehen. mehr

Echo-Preis an die Rapper Kollegah und Farid Bang

Wie man in den Wald hineinruft …

Die Rapper Kollegah und Farid Bang haben trotz an Geschmacklosigkeit kaum zu überbietender Songverse den »Echo«-Musikpreis erhalten – und alle sind entrüstet. Michael Behrendt denkt aus diesem Anlass über den widersprüchlichen Umgang mit fragwürdigen Entertainern und die seltsame Kluft zwischen Verkaufs- und Radiocharts nach. mehr

Im Blickwinkel: Clare Langan

Im Meer von Unwägbarkeiten

Die Reihe »Im Blickwinkel« nähert sich erklärungsbedürftigen zeitgenössischen Kunstwerken. Diesmal stellt Sarah Leinweber die Videoarbeit »Flight from the City« der irischen Künstlerin Clare Langan vor. mehr

AUSSTELLUNG: William Kentridge im Liebieghaus

Gemischtes Doppel

Das Frankfurter Liebieghaus zeigt über 80 Arbeiten und Installationen des für seine Zeichnungen, Filme, Theater- und Opernproduktionen bekannten südafrikanischen Künstlers William Kentridge. Die Ausstellung nimmt nahezu alle Räume der Skulpturensammlung in der historistischen Villa Liebieg in Beschlag. Axel Dielmann hat sie besucht. mehr

Brad Mehldau und Keith Jarrett

Triumph der Tonalität

Der Jazzpianist Brad Mehldau nimmt die Musikgeschichte als Anregung für eigene, zeitgenössische Erfindungen. Diesmal hat er sich Johann Sebastian Bach als Modell gewählt. Thomas Rothschild hat sich die Mehldau-CD angehört, überdies eine erst nach zwanzig Jahren veröffentlichte Konzertaufnahme von Keith Jarrett. mehr

Theater in Wien

Dimensionen des Vergessens

In seinem Stück »Rosa oder Die barmherzige Erde« verknüpft der Regisseur Luk Perceval eine zeitgenössische Geschichte über Demenz mit William Shakespeares Liebesdrama »Romeo und Julia«. Elvira M. Gross hat die Aufführung im Wiener Akademietheater gesehen und erlebte eine Sternstunde des Schauspielers Tobias Moretti. mehr

Romanauszug

Das Geheimnis der Aale

In ihrem Debütroman »Das Geheimnis der Aale« erzählt die Kölner Autorin Verena Jütte einen Tag im Leben von drei Menschen, die ein lange verdrängtes Geheimnis nach 28 Jahren wieder einholt. Der Schriftsteller Peter Henning empfiehlt das Debüt, dessen Prolog Faust-Kultur hier dokumentiert. mehr

Vor sechzig Jahren: Flucht in Ketten

Lange vor Obama

1958 drehte Hollywood-Regisseur Stanley Kramer den Film »Flucht in Ketten«. Er bringt zwei sehr unterschiedliche Themen zusammen: die Flucht und den Rassismus in den USA. Nun ist der oscarprämierte Film auf DVD erschienen. Er hat nichts an Spannung verloren, meint Thomas Rothschild. mehr

Don Pasquale und Die fantastischen Fünf

Spott und Verehrung

Jossi Wieler und Sergio Morabito holen die Oper »Don Pasquale« aus der Welt der Commedia dell‘arte in unsere Gegenwart: Mehr noch als die Regie kann das hohe musikalische Niveau begeistern. Die Spannung zwischen Solotänzern und Ensemble prägt den Ballettabend »Die fantastischen Fünf«. Thomas Rothschild hat beide Stuttgarter Premieren besucht. mehr

Wer ist Blaze Foley?

Der Plastikpunk im Honkytonk

Im Januar 2018 stellte Ethan Hawke beim Sundance Film Festival seinen vierten Film vor: »Blaze«. Zeitgleich veröffentlichte das Rödermarker Ehepaar Carmen und Kai Nees ihr Buch »Blaze Foley. Ein Außenseiter, der zur Legende wurde.« Wer ist dieser Singer/Songwriter, von dem jetzt jeder spricht? Martin Wimmer geht der Frage nach. mehr

Handbook of Language and Politics

Nachhilfe aus Großbritannien

45 Aufsätze umfasst ein neues, englischsprachiges Handbuch über Sprache und Politik. Herausgeber sind die österreichische Linguistin Ruth Wodak und der um eine Generation jüngere Wissenschaftler Bernhard Forchtner. Die Fragestellung und der Fokus einiger Beiträge sind für den deutschsprachigen Raum von besonderem Belang, findet Thomas Rothschild. mehr

THEATER am Wiener Theater Nestroyhof

Reiner Guckkasten

»Verstehen Sie den Dschihadismus in acht Schritten / Zucken« heißt ein Stück von Sasha Marianna Salzmann, das Jana Vetten am Wiener Theater Nestroyhof / Hamakom inszeniert hat. Es erzählt von unterschiedlichen Arten der Radikalisierung. Das Stück wirkt wie eine Collage bloßer Versatzstücke und bleibt bis zum Schluss abstrakt, meint Elvira M. Gross. mehr

Jungheinrichs CD-Empfehlungen

Fußspuren in Südhessen

Das Seltene, fast schon Verschwundene und das Besondere wird von leidenschaftlichen Suchern entdeckt, von Musikern jenseits des Showbusiness realisiert und aufgenommen, von wenigen CD-Labels publiziert und von singulären Musikjournalisten an die Öffentlichkeit gebracht. Hans-Klaus Jungheinrich würdigt neu veröffentlichte Musik von Anton Urspruch, Georg Philipp Telemann, J.S. Bach und Bruno Maderna. mehr

DVD: Getanzte Live-Aufnahme Cosi fan tutte

So tanzen alle

»Così fan tutte« gilt mittlerweile als Mozarts schönste und reichste Oper. Das Bühnengeschehen ist allerdings schematisch. Die Choreografin Anne Teresa De Keersmaeker hat an der Pariser Oper den Sängern jeweils einen Tänzer zur Seite gestellt. Thomas Rothschild empfiehlt die DVD-Aufnahme der getanzten Inszenierung. mehr

Anna-Elisabeth Mayer: Am Himmel

Mordfall im kaiserlichen Wien

In ihrem Roman »Am Himmel« versucht Anna-Elisabeth Mayer, die Umstände des Mordes an einer Wiener Millionär im Jahr 1881 zu rekonstruieren. Der historische Kriminalfall bietet der Autorin reichlich Stoff. »Am Himmel« ist eine immer mal wieder langatmige Lektüre mit durchaus starken Passagen, findet Gudrun Braunsperger. mehr

Theater und Kabarett in Berlin

»Mensch! Das klingt… stolz!«

Menschen auf der Suche nach ihrem besseren Ich: Daniela Löffner inszeniert Maxim Gorkis »Sommergäste« am Deutschen Theater Berlin, das Kabarett »Distel« zeigt das Programm »Wenn Deutsche über Grenzen gehen« von Michael Frowin und Philipp Schaller. Thomas Rothschild hat beide Aufführungen besucht. mehr

Bilder und Zeichnungen von Odo Marquard

Von der Kunst zur Philosophie

Odo Marquard (1928-2015) war eine Institution in der deutschen Philosophie. Generationen von Studierenden hat er für sein Fach begeistern können. Unvergessen ist sein Aphorismus »Philosophie ist, wenn man trotzdem denkt«. Nun zeigt eine Ausstellung in Gießen erstmals Marquards zeichnerisches und malerisches Werk. Dagmar Klein hat die Schau besucht. mehr

Autorenprogramm am Berliner Ensemble

Neue Dramen braucht das Land

Oliver Reese, seit der Spielzeit 2017/18 Intendant des Berliner Ensemble, möchte die zeitgenössische Dramatik in der Tradition Bertolt Brechts und Heiner Müllers fördern. Unter Mithilfe von Moritz Rinke hat er ein Programm für Gegenwartsautoren aufgelegt, das zur Entstehung neuer Stücke beitragen soll. Walter H. Krämer stellt das Autoren-Programm des BE vor. mehr

Theater und Tanz

Stuttgarter Premieren

Claus Peymann kehrt mit »König Lear« an den Ort seiner größten Erfolge zurück, Eric Gauthier lässt Nadav Zelner sein erstes abendfüllendes Ballett choreographieren, während Schorsch Kamerun den »Sommernachtstraum« mit Kybernetik verbindet. Thomas Rothschild hat drei bemerkenswerte Premieren in Stuttgart besucht. mehr

Couragiert gegen den Strom

Literatur und Politik

Sahra Wagenknecht, 1969 in Jena geborene Politikerin der Partei »Die Linke«, gibt in einem Interviewband Auskunft über ihre intellektuelle Herkunft. Im Mittelpunkt steht der Einfluss der Literatur auf ihre politische Wahrnehmung. Das Buch liest sich wie ein Bildungsroman, findet Dominik Irtenkauf. mehr

Film: Die Pianistin Elly Ney

Klavierspiel und Gefolgschaft

Elly Ney (1882-1968) galt als eine der bedeutendsten Beethoven-Pianistinnen, sie war aber auch eine glühende Verehrerin Adolf Hitlers. In einem Dokumentarfilm geht Axel Fuhrmann der Dialektik von außergewöhnlichem Klavierspiel und NS-Gefolgschaft nach. Thomas Rothschild stellt die durch zwei CDs ergänzte DVD-Box vor. mehr

Gangster(-Rapper) in Kino und Serien

Verbrechen lohnt sich

Vom Rapper Bushido über die deutsche TV-Serie »4 Blocks« bis zum Kinothriller »Nur Gott kann mich richten«: Warum ist es plötzlich so schick, rappende Halbwelt-Machos zu Film- und Serienstars zu machen? Michael Behrendt geht dem Phänomen ausführlich nach. mehr

POETRY SLAM – Lautstärke ist weiblich

Poesie und Performanz

Lange galt Poetry Slam als ein von Männern dominiertes Format. Nun versammelt eine von Clara Nielsen und Nora Gomringer herausgegebene Anthologie Texte von fünfzig der besten deutschsprachigen Slampoetinnen. Der Sammelband ist eine schillernde Fundgrube und eröffnet neue Sichtweisen, meint Riccarda Gleichauf. mehr

LIEDERABEND: Damrau, Deutsch und Kaufmann

Dreifache Größe

Es ist nicht anzunehmen, dass sich 2.500 Menschen unter anderen Umständen in die Frankfurter Alte Oper gedrängt hätten. So populär ist das »Italienische Liederbuch« von Hugo Wolf nicht. Doch wenn ein Trio wie Damrau, Deutsch und Kaufmann sich ankündigt, ist das kein normaler Liederabend, sondern ein Event. Andrea Richter erlebte eine Lied-Show der besonderen Art. mehr

Krimiautorinnen: Simone Buchholz

Großstadtwesternkrimis

Im zweiten Teil der vierteiligen Serie über deutschsprachige Krimiautorinnen stellt Kirsten Reimers die 1972 geborene Wahlhamburgerin Simone Buchholz vor. Deren in St. Pauli angesiedelten Romane haben sich im Laufe der Zeit zu realitätsverankerten Großstadtkrimis mit erzählerischer Wucht entwickelt. mehr

Europoesie: Die Lyrikerin Rozalie Hirs

In Sprachen denken

Die Lyrikerin Rozalie Hirs ist in ihrer niederländischen Heimat mit fünf Gedichtbänden bekannt. Zwei Verlage in Deutschland haben ihre anspruchsvollen Gedichte in zwei und mehrsprachigen Ausgaben veröffentlicht. Bernd Leukert hat diese polyglotte Bibliothek staunend durchlesen. mehr

FRANZ SCHREKERS OPER »DIE GEZEICHNETEN«

Ach, Kinder zu begehren!

Franz Schrekers durch Symbolismus und Psychoanalyse inspirierte Oper »Die Gezeichneten« spielt im Genua der Renaissance-Zeit und wurde 1918 in Frankfurt uraufgeführt. Der als »Skandalregisseur« geltende Calixto Bieito hat »Die Gezeichneten« an der Komischen Oper Berlin inszeniert. Alban Nikolai Herbst hat sich das Lehrstück angesehen. mehr

Aktuelle Inszenierungen in Wien

Tanz nach rechts

Peter Turrinis geradlinige Absage an Chauvinismus und Fremdenhass am Theater in der Josefstadt, Georg Schmiedleitners Nestroy-Revision am Burgtheater und Christof Loys ideal besetzte Inszenierung der Oper »Maria Stuarda« im Theater an der Wien: Thomas Rothschild hat sich im Bühnenleben der österreichischen Hauptstadt umgesehen. mehr

Arundhati Roy, Das Ministerium des äußersten Glücks

Rettung auf der Endstation

Schonungslos beschreibt Arundhati Roy in ihrem Roman »Das Ministerium des äußersten Glücks« die Grausamkeiten im indischen Vielvölkerstaat. Doch im größten Leid lässt sie auch Zuneigung und Fürsorge entstehen. Das Geschehen gipfelt in einem Zentrum des Glücks und der Geborgenheit. Clair Lüdenbach hat Roys zweiten Roman gelesen. mehr

BALLETTABEND

Die Anmut des Flirts

Mit »Begegnungen« zeigt das Stuttgarter Ballett eine Wiederaufnahme von zwei einstündigen Stücken: John Crankos »Initialen R.B.M.E.« von 1972 und Jerome Robbins' »Dances at a Gathering« aus dem Jahr 1969. Die Musik von Brahms und Chopin verbindet die beiden Stücke im Zeichen der Romantik. Thomas Rothschild hat den Ballettabend besucht. mehr

Sasha Marianna Salzmann: »Außer sich«

Orte, Jahrzehnte, Gefühle

Die Theaterautorin, Essayistin und Dramaturgin Sasha Marianna Salzmann hat einen Roman geschrieben, der so ist wie sein Titel: »Außer sich«. Das Buch führt die Leser von der Sowjetunion über ein Asylheim in der westdeutschen Provinz bis ins heutige Istanbul. Es ist, als würde Salzmann einem mehrere Bücher in einem schenken, meint Lena Gorelik. mehr

Rodrigo Hasbuns Roman »Die Affekte«

Es könnte so gewesen sein

Die Familie Ertl emigrierte Anfang der fünfziger Jahre von München nach Bolivien, nachdem die Karriere des Bergsteigers und Dokumentarfilmers Hans Ertl in der Bundesrepublik ins Stocken geraten war. In seinem Roman »Die Affekte« unternimmt Rodrigo Hasbún den Versuch einer Annäherung an die Geschichte dieser Familie. Gudrun Braunsperger hat das Buch gelesen. mehr

PATRICK MODIANOS AUTOBIOGRAPHISCHE ROMANE

Stammbaum ohne Stamm

Wer ist Patrick Modiano und was ist über seine Biographie bekannt? Der Literaturnobelpreisträger von 2014 verlässt seinen Geburts- und Wohnort Paris nur ganz selten, mit Interviews ist er sparsam. Herbert Csef nähert sich dem Menschen Modiano über seine autobiographischen Romane »Familienstammbuch« und »Ein Stammbaum«. mehr

ZEICHNUNGEN VON JOZEF RICHTER IN MAJDANEK

Zeugnis ablegen

Eine Ausstellung im Staatlichen Museum Majdanek zeigt Zeichnungen von Józef Richter aus den frühen 1940er Jahren, welche die Verfolgung und Ermordung von Juden in der polnischen Region Lublin während der deutschen Besatzung schildern. Bruno Laberthier hat die Ausstellung besucht und wünscht ihr ein größeres Publikum. mehr

Bonnopoly am Theater Bonn

Der Ausverkauf der Stadt

Das Stück »Bonnopoly« bringt den Skandal um den Bau des Bonner World Conference Center (WCCB) auf die Bühne. Es prangert die Sparpolitik der Städte an, die sich mehr für die »schwarze Null« interessieren als für die Lebensqualität der Bewohner. Walter H. Krämer hat sich die Inszenierung angesehen. mehr

Salman Rushdie: Golden House

Die Tragödie des amerikanischen Traums

Die Gegenwart der Neuen Welt als epische Tragödie zu betrachten, das gelingt dem Märchenerzähler Salman Rushdie in seinem neuen Roman »Golden House«. Clair Lüdenbach hat die komplexe Geschichte, in der sich das heutige Amerika und die Geschichte und Gegenwart Indiens spiegeln, gelesen. mehr

Gespräch mit dem Kurator Fabian Schöneich

»In viele Richtungen denken«

Der 1985 geborene Kunsthistoriker Fabian Schöneich verlässt zum Jahresende die Frankfurter Kunsthalle Portikus. Als Kurator hat er dort seit Herbst 2014 etwa siebzehn Ausstellungen betreut. Eugen El hat mit Fabian Schöneich über seine Arbeit und über die aktuelle Ausstellung der kanadischen, in New York lebenden Künstlerin Moyra Davey gesprochen. mehr

Opern in Wiesbaden und Bern

Schöne Gefallene

Die tragischen Frauenfiguren in der Oper, an die Hans-Klaus Jungheinrich bei den Komponisten Jules Massenet und Jenö Hubay denkt, sind schön und gefallen als Gefallene. Jungheinrich hat sich die Inszenierungen von »Manon« in Wiesbaden und »Anna Karenina« in Bern angesehen. mehr

KAMMERKONZERT IN STUTTGART

Von wegen exotisch

Das Staatsorchester Stuttgart gab in einem Kammerkonzert unter dem Titel »Schlagzeug+« den zu wenig beachteten Musikern aus der hinteren Reihe Gelegenheit, ihr Können zu beglaubigen. Es wurden ausschließlich Werke russischer Komponisten des 20. Jahrhunderts gespielt. Das Publikum lauschte dem gesamten Abend gefesselt, berichtet Thomas Rothschild. mehr

Hedi Kaddour: Die Großmächtigen

Hollywood im Maghreb

Glaubt man heute eine gesellschaftspolitische Farce zu erleben, so vollzog sich in den 1920er Jahren die dazugehörige Tragödie. Hédi Kaddour beschreibt in seinem Roman »Die Großmächtigen« das nahende Ende einer kolonialen Großmacht und das politische Ränkespiel zwischen den Weltkriegen. Clair Lüdenbach hat das Buch gelesen. mehr

cresc. Biennale für Moderne Musik

Zwischen den Schwerpunkten

Musik und Politik – das ist ein heikles Verhältnis. Es gibt Musik, die ungewollt in politische Zusammenhänge gerät, und welche, die sich darein begibt und dann oft keine Musik mehr ist. Juliette Gruner hat die »cresc. Biennale für Moderne Musik Frankfurt Rhein Main« auf ihr Thema hin abgehört. mehr

URAUFFÜHRUNG IN Esslingen

Volkstheater auf Schwäbisch

Im Fernsehen hat sich Ulrike Grotes Film »Die Kirche bleibt im Dorf« zu einer 24-teiligen Serie erweitert. Nun reisen die Protagonisten mit der Württembergischen Landesbühne Esslingen in die schwäbische Provinz, wo ihre Geschichte spielt. Thomas Rothschild hat sich die Uraufführung angesehen und empfiehlt, nicht nach einem tieferen Sinn zu suchen. mehr

»Kukolka« von Lana Lux

Ein Kind ohne Kindheit

»Kukolka« bedeutet auf Russisch »Püppchen«. So wird Samira, die kindliche Protagonistin des gleichnamigen Romans von Lana Lux, genannt. Das Buch zeichnet ihren Weg ins soziale Milieu von Ausbeutung und Menschenhandel nach. Es ist die Geschichte des weiblichen Alter Egos von Oliver Twist, ins 21. Jahrhundert und in die Ukraine übertragen, meint Gudrun Braunsperger. mehr

Lüdkes liederliche Liste

Höhe gehalten, an Breite gewonnen

Die beiden großen Restaurantführer Gault&Millau und Guide Michelin für das Jahr 2018 sind erschienen. Der Michelin bewertet 1.700 Hotels und über 2.200 Restaurants. Im Gault&Millau werden 900 Adressen getestet, davon 749 mit einer »Kochmütze« ausgezeichnet. Martin Lüdke hat die Restaurantführer studiert und vergeblich nach Frankfurter Spitzenküche gesucht. mehr

Oper: Medea in Stuttgart und Maskenball in Venedig

Nicht immer einleuchtend

An der Stuttgarter Oper hat Peter Konwitschny Luigi Cherubinis »Medea« inszeniert. Dort stand ihm ein sängerisch hervorragendes Ensemble zur Verfügung. Am Teatro La Fenice in Venedig hat sich Gianmaria Aliverta mit Verdis »Maskenball« am Regietheater versucht. Thomas Rothschild hat beide Aufführungen gesehen. mehr

URAUFFÜHRUNG IN FRANKFURT

Das Ministerium der verlorenen Züge

»Das Ministerium der verlorenen Züge« des ungarischen Regisseurs Viktor Bodó handelt von einer Eisenbahnreise von Moskau nach Peking. Das Stück wurde im Bockenheimer Depot des Frankfurter Schauspiels uraufgeführt. Die Reise in die Phantasie, die das Programmheft verspricht, bleibt in der (banalen) Realität stecken. Sie lohnt sich trotzdem, meint Martin Lüdke. mehr

Lieder, Balladen und ein Melodram

Singen. Sprechen. Schweigen

Wer in Italien und Frankreich Stadtfestivals besucht, wird vielleicht bemerken, dass dort, anders als im deutschsprachigen Bereich, die Tradition des Melodrams fortlebt. Seltene Beispiele dieser losen Kunstgattung, aber auch der historisch gewordenen Ballade hat Hans-Klaus Jungheinrich anhand von CD-Neuerscheinungen mit Werken von Strauss, Schubert, Loewe und Schumann aufgegriffen. mehr

Warum läuft Kind C Amok?

Der Amokläufer in uns

»Warum läuft Kind C Amok?«: Der Titel des Debütromans von Kristina Nenninger stellt vordergründig eine Frage und enthält gleichzeitig eine Hoffnung. Er verspricht, Antwort(en) zu geben darauf, wieso Carla, ein pubertierendes, aber eigentlich liebenswertes Mädchen, irgendwann ihrem Hass freien Lauf lässt und tötet. Riccarda Gleichauf hat das Buch gelesen. mehr

DVD Verbotene Spiele

Kinder im Krieg

Der französische Regisseur René Clément hat mit »Verbotene Spiele« 1952 das Thema von Kindern im Krieg eindringlich gestaltet. Nun ist der oscarprämierte Film in restaurierter Fassung auf DVD erschienen. Thomas Rothschild hat ihn noch einmal gesehen. mehr

Die Krimiautorin Monika Geier

Subtilität und Subversion

Zum Auftakt ihrer vierteiligen Serie über deutschsprachige Krimiautorinnen stellt Kirsten Reimers die Pfälzerin Monika Geier vor. Bis heute hat die 1970 geborene Autorin acht Kriminalromane veröffentlicht. Reimers hebt Geiers unaufgeregte und pointierte Erzählweise, ihren schwarzen, trockenen Humor und ihre feine Ironie hervor. mehr

ERNEST JOUHY (1913-1988)

Ein Pädagoge, der Grenzen überschritt

Der Pädagoge Ernest Jouhy (1913-1988) sagte einmal, sein Zuhause sei »das gemeinsame öffentliche Engagement«. In der Provence gründete er eine deutsch-französische Begegnungsstätte, an der Uni Frankfurt den Fachbereich »Pädagogik in der Dritten Welt«. Johannes Winter stellt den weltgewandten Lehrer und Intellektuellen vor. Zwei Originaltexte ergänzen das Lebensbild. mehr

Beethoven-Streichquartette in Badenweiler

Musik, ein existentielles Abenteuer

Mit Klaus Lauer geht ein verdienstvoller Programmgestalter, ein Juwelenhändler klassischer und neuer Musik in Badenweiler, in den Ruhestand. Zu seinem Abschied führte das Quatuor Danel in sechs Konzerten an fünf Tagen alle Streichquartette Beethovens auf. Hans-Klaus Jungheinrich kam in ihren Genuss. mehr

Oper »Der Mieter« in Frankfurt

Psychothriller in Musik

So spannend wie in »Der Mieter« geht es auf Opernbühnen nur selten zu. Das, was man in der Oper Frankfurt erlebt, ist ein Gesamtkunstwerk vom Feinsten: Musik, Text, Regie und Bühnenbild aus einem selten gelungenen Guss. »Der Mieter« wird sich langfristig auf den Bühnen halten, auch wenn er schwere Kost ist. Davon ist Andrea Richter überzeugt. mehr

Philosophie Magazin – Die Existenzialisten

Die Möglichkeit, sich zu verhalten

Das seit November 2011 zweimonatlich erscheinende »Philosophie Magazin« möchte seinen Gegenstand einem breitem Publikum näherbringen. Nun ist eine Sonderausgabe des Magazins erschienen: »Die Existenzialisten. Lebe deine Freiheit«. Auf dem Umschlag sind Jean-Paul Sartre, Simone de Beauvoir und Albert Camus abgebildet. Riccarda Gleichauf empfiehlt das Heft. mehr

Sowjetischer Film

Der Traum vom neuen Menschen

In der filmedition suhrkamp sind zwei DVDs erschienen, die, in restaurierten Fassungen, einige Höhepunkte des frühen sowjetischen Films enthalten. Die Zusammenstellung trägt den Titel »Der Neue Mensch« und dokumentiert die filmischen Versuche, das nachrevolutionäre Streben nach einem neuen Menschentyps zu begleiten. Thomas Rothschild hat sich die Filme angesehen. mehr

Norbert Schwontkowski in Wilhelmshaven

Die ersten und die letzten Fragen

Norbert Schwontkowski (1949-2013) gehört zu den unbekanntesten deutschen Malern, die Beachtung verdienen. Fast sein gesamtes, ohnehin überschaubares Werk befindet sich in Privatbesitz. Die nun in Wilhelmshaven gezeigten Bilder gehören samt und sonders einem Sammler. Die Ausstellung ist eine Reise wert, meint Martin Lüdke. mehr

Ausstellung: Maria Sibylla Merian im Städel

Blumen und Schmetterlinge

Sie war Malerin und Naturforscherin, aber auch eine regelrecht selbstständige Frau – und als solche war Maria Sibylla Merian ihrer Zeit, der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts, voraus. Zu Merians 300. Todestag zeigt das Frankfurter Städel Museum ihre Blumenbilder und -bücher im Kontext der traditionellen Blumenmalerei. Stefana Sabin hat die Ausstellung besucht. mehr

Theater: Das siebte Kreuz

Entkernt und frisch aufgekocht

Anselm Weber inszeniert am Schauspiel Frankfurt das Hochamt des antifaschistischen Widerstands, die Theaterfassung von Anna Seghers einst berühmten Roman »Das siebte Kreuz«. Und er macht daraus, mit einigem Erfolg – eine Fluchtgeschichte. Der Beifall war nicht stürmisch, aber doch kräftig. So darf man von einem zwar klassisch abgefederten, nicht eben tollkühnen, aber doch gelungenen Neustart sprechen, meint Martin Lüdke. mehr

Das Verschwinden der Adèle Bedeau

Unter Beobachtung

Im Frühjahr 2017 erschien Graeme Macrae Burnets Thriller »Sein blutiges Projekt« in deutscher Übersetzung. Im Herbst folgte »Das Verschwinden der Adèle Bedeau«, ein intelligenter Kriminalroman und eine Hommage an den französischen psychologischen Krimi in Georges Simenons Tradition. Kirsten Reimers ist sehr angetan. mehr

Donaueschinger Musiktage 2017

Abgeschlagene Zöpfe, abgeschlagene Köpfe

Donaueschingen ist im Herbst die Pilgerstätte aller, die – unverbesserlich – an neuer Musik interessiert sind. Zwischen Konservativen, für die das Neue schon so klingen sollte wie das Alte, und den Stürmern und Drängern, die Musik überhaupt für gestrig halten, suchen die Neugierigen nach Klangkunst, die Zeitspannung reflektiert. Hans-Klaus Jungheinrich war unter ihnen und hat neue Tendenzen beobachtet. mehr

Premieren: Tanz und Oper

Das Fertige und das Fragment

Das Stück »Rosas danst Rosas«, das Anne Teresa De Keersmaeker 1983 entwarf, ist heute ebenso aufregend, wie es zur Zeit seiner Entstehung war. Die Wiederaufnahme ist im Wiener Odeon zu sehen. Die Stuttgarter Oper zeigt Kirill Serebrennikovs unvollendete Inszenierung von »Hänsel und Gretel«. Thomas Rothschild hat beide Aufführungen besucht. mehr

Aya Cissoko, Ma

Fremde Vertrautheit

In ihrem Roman »Ma« erzählt die 1978 geborene Autorin Aya Cissoko vom Aufwachsen in zwei Kulturen. Sie lässt den Leser in die teils fremden Welten einer Familie eintauchen, die aus Mali stammt und in Paris lebt. Das Buch zeigt, dass es eine Bereicherung ist, zweisprachig zu leben, meint Riccarda Gleichauf. mehr

Everly Brothers, Peggy Lee, Yves Montand

Vor sechzig Jahren

Rock‘n‘Roll und Jazz, Pop und Chanson: Thomas Rothschild stellt neu erschienene Aufnahmen von Peggy Lee, den Everly Brothers und Yves Montand vor, die ursprünglich zwischen 1956 und 1962 eingespielt wurden. mehr

Über die Notwendigkeit einer Zweiten Aufklärung

Fröhliche Wissenschaft der Weltverbesserung

Die bekannte Frage »Was tun?« wird so oft und so und so beantwortet, dass einem ganz schwindelig wird. Der Schwindel fliegt aber schnell auf, so dass ein paar seriöse Versuche, über die Zukunft nachzudenken, übrig bleiben. Einer davon ist Klaus Rolinskis »Über die Notwendigkeit einer Zweiten Aufklärung«, findet Hans-Klaus Jungheinrich. mehr

SAISONSTART IN STUTTGART

Bloß keine Klassik

Die neue Spielzeit eröffnet das Schauspiel Stuttgart mit Stephan Kimmigs Faust I. Am Stuttgarter Ballett präsentiert Reid Anderson den Abend Cranko pur – eine Reminiszenz an den Choreografen John Cranko. In einer Nebenspielstätte des Schauspiels ist zudem eine Bühnenfassung von Ágota Kristófs Roman Das große Heft zu sehen, berichtet Thomas Rothschild. mehr

Ria Endres’ Roman Roulett im Föhn

Die veruntreute Hölle

Das Glück, in einer Stadt am Lech zu wohnen, sich mit einem Spieler zu verbinden, in schweren Widerspruch zwischen Glauben und Kirche zu geraten, gemobbt und geächtet zu werden, dem Wunsch nach Selbsttötung und dem zu leben nachzugeben, ist endlich. Aber groteske Gegenkräfte führen Frieda in hohem Bogen aus dem Unglück: »Leben ist doch besser als tot sein.« Harry Oberländer begrüßt den Roman »Roulett im Föhn« von Ria Endres. mehr

Filmgeschichte

Letztes Jahr in Marienbad

Der 1961 entstandene Film »Letztes Jahr in Marienbad« ist ein singuläres Stück Kunst, das die Grenzen des Kinos sprengt. 2015 widmete die Kunsthalle Bremen diesem Film eine große Ausstellung. Thomas Rothschild stellt den aufwändig und liebevoll gestalteten Katalog vor. mehr

ZUM TOD DES KOMPONISTEN KLAUS HUBER

Polyphoner Feuerkopf

Klaus Huber, eine Institution der Neuen Musik, ist am 2. Oktober 2017 92-jährig in Perugia gestorben. Als engagierter Künstler, Hochschullehrer und spiritus rector einiger Musikergenerationen gehörte er zu den großen Persönlichkeiten einer zu Ende gehenden Epoche. Bernd Leukert erinnert an den Komponisten. mehr

Kunst im öffentlichen Raum, Teil 3

Vom Sockel geholt

»Es gibt nichts auf der Welt, was so unsichtbar wäre wie Denkmäler«, schrieb einmal Robert Musil. Ob seine These auch auf zeitgenössische Kunst im öffentlichen Raum zutrifft, wollte Eugen El herausfinden. Zum Abschluss der dreiteiligen Serie stellt er das Moritz-Daniel-Oppenheim-Denkmal in Hanau vor. mehr

JAZZ- UND KLASSIKLABEL ECM

Geister der Improvisation

Manfred Eicher ist mit seinem Label ECM eine ruhmreiche Institution der Musikproduktion geworden. Er hat nicht nur eine Vielzahl Jazzmusiker entdeckt, etabliert und immer wieder in sein Repertoire eingebunden, sondern auch die Kunstmusik vom Mittelalter bis heute auf überraschend sinnliche und ungewöhnliche Weise neu angeboten. Hans-Klaus Jungheinrich würdigt anhand letzthin erschienener CDs die Arbeit des eigenwilligen Produzenten. mehr

Erstaufführung: Händels Rinaldo in Frankfurt

Liebe auf der leeren Bühne

Als Deutschlanddebut inszeniert der amerikanische Regisseur Ted Huffman Händels Rinaldo in der Dépendance der Oper Frankfurt im Bockenheimer Depot und beschert dem gebeutelten Publikum einen wunderbaren Musikabend, findet Stefana Sabin. mehr

BRUNO MUNARI – Maschinen

Lob des Nutzlosen

Der Künstler und Designer Bruno Munari (1907-1998) bewegte er sich in seiner Jugend im Umfeld der Futuristen. 1942 veröffentlichte Munari ein schmales Buch, in dem er Fantasiemaschinen beschreibt und bebildert. Der Diaphanes Verlag hat das Buch jetzt in deutscher Übersetzung zugänglich gemacht. Thomas Rothschild stellt es vor. mehr

LÜDKES LIEDERLICHE LISTE

Der Nabel der Welt

Kall in der Eifel liegt nicht nur, wie Norbert Scheuers neuer Roman es im Titel verrät, »Am Grund des Universums«, sondern im Zentrum einer imaginär-realen Welt, die Scheuer mit seinen Romanen geschaffen hat: im Urftland. Das Buch hat keine Handlung, die man so einfach nacherzählen könnte. Dafür Spannung, die sich aus dem Personal entwickelt. Martin Lüdke empfiehlt es. mehr

KUNST IM ÖFFENTLICHEN RAUM, TEIL 2

Steine mit Symbolik

»Es gibt nichts auf der Welt, was so unsichtbar wäre wie Denkmäler«, schrieb einmal Robert Musil. Ob seine These auch auf zeitgenössische Kunst im öffentlichen Raum zutrifft, wollte Eugen El herausfinden. In einer dreiteiligen Serie stellt er jüngst eingeweihte Denkmäler vor. Diesmal hat sich El in Offenbach am Main umgesehen. mehr

Oper: Il Trovatore in Frankfurt

In Turnschuhen sterben

Mit Giuseppe Verdis »Troubadour« startet die Oper Frankfurt in die neue Saison. Regisseur David Bösch verlegte das Melodram über Grausamkeit und Rache vom 15. Jahrhundert in eine undefinierte moderne Kriegszone. Die geschmeidige Italinità des Dirigenten und die Brillanz der Sänger trösten über die unschlüssige Inszenierung hinweg, meint Stefana Sabin. mehr

Lucerne Festival 2017

Reichtum und Störfeuer

Mit repräsentativen Großwerken von Cerha, Ligeti, Kurtág und Holliger zeigt das Lucerne Festival nicht nur, dass es finanziell gut ausgestattet ist, sondern auch, dass die Neue Musik dort ernst genommen und optimal aufgeführt wird. Hans-Klaus Jungheinrich beschreibt die glücklichen Zustände und ihre Gefährdung. mehr

Hanns Eislers Filmmusiken

Immer noch unterschätzt

Der Komponist Hanns Eisler (1898-1962) schrieb im amerikanischen Exil die Musik zu Fritz Langs »Hangmen Also Die«. Weniger noch als diese Filmmusik sind sein Beitrag zum Dokumentarfilm »The 400 Million« von Joris Ivens und die Musik zu John Fords »The Grapes of Wrath« bekannt. Nun ist eine neue Aufnahme von Eislers Filmmusiken erschienen, und Thomas Rothschild hat sie sich angehört. mehr

Rufus Wainwright in Hamburg

Zufällige Songbekanntschaft

Am 25. August 2017 trat der Sänger, Komponist und Songwriter Rufus Wainwright in der Hamburger Elbphilharmonie auf. Michael Behrendt erhielt die Konzertkarten als Geschenk von Freunden, ohne mit Wainwrights Werk vertraut zu sein. Sowohl die »Elphi« als auch das Konzert konnten Behrendt überzeugen. mehr

KUNST IM ÖFFENTLICHEN RAUM, TEIL 1

Schreibtisch auf der Wiese

»Es gibt nichts auf der Welt, was so unsichtbar wäre wie Denkmäler«, schrieb einmal Robert Musil. Ob seine These auch auf zeitgenössische Kunst im öffentlichen Raum zutrifft, möchte Eugen El herausfinden. Er hat sich im Rhein-Main-Gebiet umgesehen und stellt in einer dreiteiligen Serie jüngst eingeweihte Denkmäler vor. Die Reise beginnt in Frankfurt. mehr

Rachel Cusks Roman Transit

Man bleibt unter sich

Von einer Selbstsuche, die keine sein will, erzählt Rachel Cusks jüngster Roman. Die Ich-Erzählerin Faye ist Schriftstellerin und hat eine Art Lebenskrise hinter sich. Mit ihren zwei Söhnen zieht sie vom Land zurück nach London, in ein Haus, das sich als Bruchbude erweist. »Transit« ist ein kluger wie unterhaltsamer Roman, meint Otto A. Böhmer. mehr

Kafka und der Stummfilm

Eine neue Perspektive

In einem Buch stellt Hanns Zischler Franz Kafka als leidenschaftlichen Kinogänger vor. Das Filmmuseum München hat nun die von Zischler recherchierten Stummfilme in restaurierter Fassung auf 4 DVDs zugänglich gemacht. Sie eröffnen dem Kafka-Liebhaber eine neue Perspektive auf den Jahrhundertschriftsteller, meint Thomas Rothschild. mehr

LÜDKES LIEDERLICHE LISTE

Reiten, reiten, reiten

Die kurze Erzählung »Das Pferd« des Literaturnobelpreisträgers Claude Simon ist kürzlich in deutscher Übersetzung erschienen. Sie handelt von Simons Zeit bei der französischen Kavallerie im Zweiten Weltkrieg. Die Erzählung kann als Keimzelle eines faszinierenden Werkes gesehen werden, meint Martin Lüdke. mehr

Emmanuel Carrère: Ein russischer Roman

Das Gespenst der Geschichte

Der Pariser Schriftsteller, Regisseur, Produzent und Drehbuchautor Emmanuel Carrère hat, von den russischen Wurzeln seiner Familie mütterlicherseits ausgehend, ein autobiographisches Buch geschrieben. Sein »russischer Roman« ist ein Bekenntnis und zugleich eine künstlerische Synthese, meint Gudrun Braunsperger. mehr

Festival für Zeitfragen

Musik als Zeitgenossin

Mit Musik geht alles besser, – wenn man sie als Kunstgattung nicht ernst nimmt, sie für andere Zwecke missbraucht und dem Zeitgeist opfert. Jim Igor Kallenberg zeigt in seinem Essay am Beispiel des Berliner MaerzMusik-Festivals für Zeitfragen, was mit Musik geschieht, wenn sie zeitgemäß angerichtet wird. mehr

LETTRE INTERNATIONALE

Eine einmalige Zeitschrift

Roman Léandre Schmidt hat der 1984 gegründeten Zeitschrift »Lettre internationale« eine umfangreiche und genaue Monographie gewidmet, die weit mehr ist als das Porträt eines Mediums. Sie spiegelt in der Geschichte eines Druckerzeugnisses die politische Geschichte der vergangenen Jahrzehnte, meint Thomas Rothschild. mehr

Larry Brown: Fay

Ein besseres Leben

2004 starb der US-amerikanische Autor Larry Brown im Alter von gerade einmal 53 Jahren. In den USA längst ein Klassiker des »Rough South«, der authentischen, ungeschönten Literatur der Südstaaten, ist er im deutschsprachigen Gebiet weitgehend unbekannt. Mit »Fay« erscheint erstmals eines seiner Werke in deutscher Sprache – eine Entdeckung, findet Kirsten Reimers. mehr

Kathy Zarnegin: Chaya

Abenteurerin der Sprachen

Als 14-Jährige wird Chaya, die in Teheran geborene Protagonistin des gleichnamigen Romans von Kathy Zarnegin, in die Schweiz geschickt. Dort lernt sie die deutsche Sprache, schreibt Gedichte, studiert Philosophie und bleibt dennoch eine Exotin. Riccarda Gleichauf hat den Roman mit Gewinn gelesen. mehr

Katja Kettu: Feuerherz

Ein genialer Roman

Die Finnin Verna, Protagonistin in Katja Kettus Roman »Feuerherz«, kommt ins nordrussische Dorf Lawra, um den Leichnam des Vaters zu identifizieren. Es ist das Jahr 2015, und Verna gerät in einen Politthriller, in dem sich die rätselhaften Lücken in ihrer Familiengeschichte schließen lassen. Gudrun Braunsperger empfiehlt das Buch. mehr

Szilard Borbely: Die Mittellosen

Eine abgestumpfte Welt

Aus der Perspektive eines Elfjährigen erzählt, ist Szilard Borbelys bitterböser Roman »Die Mittellosen« ein literarisches Dokument der menschlichen Niederungen. Der Autor, geboren 1963 im nordöstlichen Winkel Ungarns in dörflichen Verhältnissen, hat sich im Februar 2014 das Leben genommen. »Die Mittellosen« gehören zu den ganz wichtigen Büchern der Gegenwart, meint Ina Hartwig. mehr

Alissa Walsers Erzählungen

Lautes im Leisen

Alissa Walser hat einen neuen Erzählband vorgelegt: »Eindeutiger Versuch einer Verführung«. Walsers Texte sind Momentaufnahmen gescheiterter Kommunikation in zwischenmenschlichen Beziehungen. Riccarda Gleichauf hat das Buch mit Gewinn gelesen. mehr

DER DICHTER PAUL-HENRI CAMPBELL

Eine Kerze, die von beiden Seiten brennt

Der Dichter und Übersetzer Paul-Henri Campbell wurde sowohl in den USA als auch in Deutschland sozialisiert. 2015 erschien sein Gedichtband »space race«. Kurt Drawert sieht Campbells Stärke im Langgedicht mit seinen Motivketten und seriellen Ordnungssystemen. Drawert stellt den jungen Lyriker vor. mehr

DAS PHÄNOMEN BOB DYLAN

»Es ist noch nicht alles zu Ende, aber bald«

Bob Dylan ist ein Künstlername. Robert Zimmerman hat ihn sich von dem walisischen Poeten Dylan Thomas geliehen. Er sah sich also in einer Tradition, in der literarische Ehrungen nicht ganz ausgeschlossen sind, Nobelpreise aber eher wie Blitzeinschläge wirken. Was also ist an diesem Bob Dylan dran, dass er als erster Folk- und Rockmusiker den großen Literaturnobelpreis bekommt? Ria Endres hat bei einem Konzertbesuch das Phänomen Dylan zu fassen versucht. mehr