Gespräch mit Wilhelm Genazino

Der Text ist klarer als das Leben

Die Lust an aphoristischen Formulierungen hat Wilhelm Genazino stets begleitet und, was seine Sinne auf der Straße aufsammelten, in melancholisch-groteske Detailbeschreibungen verwandelt; seine Reflexionen und inneren Monologe verraten, was wir sonst lieber verschweigen. Nun ist er in Frankfurt am Main gestorben. Im Gespräch mit Harry Oberländer sprach er einst über Ängste, Erfolg und den Zusammenhang von Leben und Literatur. mehr

Gespräch und Fragebogen

»Was möchten Sie sein? – Robert Spaemann«

Im einflussreichen Kreis der nichtmetaphysischen Philosophen war Robert Spaemann wohl der interessante Außenseiter, weil er nie aufhörte, teleologisch zu denken und nach der Bedeutung der Argumente zu fragen. Vor einigen Jahren hatte Alexandru Bulucz den katholischen Denker, der am 10. Dezember 2018 in Stuttgart gestorben ist, nach seinem Selbstverständnis befragt. mehr

Essay zur mehrsprachigen Literatur

Schrille Töne auf engen Bühnen

Was bedeutet es für deutschsprachige Schriftsteller, unter dem Label »mehrsprachige Literatur« eingeordnet zu werden? Sind sie für Exotismen zuständig? Müssen sie sich literarisch zu Fragen der Migration und der Integration äußern? In ihrem Essay betrachtet Sudabeh Mohafez ein wirkmächtiges Phantom. mehr

ERINNERUNG AN DEN DICHTER PAULUS BÖHMER

Meister des langen Atems

Lange galt das Werk des Dichters Paulus Böhmer als Geheimtip. In den letzten Jahren aber entzündete sich eine jüngere Generation literaturinteressierter Menschen am schillernden Lavastrom seiner Poesie. Jan Volker Röhnert hat »dem Meister des langen Atems«, der am 5. Dezember 2018 in Frankfurt am Main gestorben ist, ein einfühlsames, kenntnisreiches Porträt gewidmet. mehr

Meinungsjournalismus

»Umverteilen und Ausbremsen«

Wenn es eine Goldene Himbeere für schlechten Meinungsjournalismus gäbe, ginge sie in diesem Jahr an Ulf Poschardt, Autor des Artikels »Gebt uns mehr Verbote!«. Um der Aufmerksamkeit willen nimmt er den Vergleich von Verkehrs- und sozialer Umverteilungspolitik in Kauf. Alexandru Bulucz unterzieht Poschardts Text einer kritischen Analyse. mehr

Ausstellung in Frankfurt

Blütenduft, Sonnenlicht und Zwiebelschalen

Im Frankfurter Kunstverein ist zu sehen, wie sich die physikalisch-chemischen Prozessen innewohnende Poesie und die Verwendung naturhafter Mittel in der Kunst auf grundlegende Erkenntnisse über unsere Existenz zurückführen lassen. Isa Bickmann empfiehlt die Ausstellung, bedauert allerdings, dass die KünstlerInnen-Auswahl überkommene Geschlechterrollenstereotypen bestätigt. mehr

FICHTE UND DER URGRUND DES WIRKLICHEN

Am warmen Winterofen

Johann Gottlieb Fichte hatte wohl einige soziale Defizite; und wenn nicht Kant, den er um Geld anging, ihm nicht mit einer Empfehlung den Weg in die Öffentlichkeit geebnet hätte, wäre er möglicherweise im Heer der reisenden Hauslehrer verschwunden. Das unterhaltsam aufklärende Fichte-Kapitel stammt aus dem neuen Buch »Lichte Momente«, in dem Otto A. Böhmer Dichter und Denker von Platon bis Sloterdijk Revue passieren lässt. mehr

Chotjewitz-Häfner-Preis an ANNEGRET HELD

»Dieses Land aus Wind, Nebel und Schnee«

Am 24.November 2018 war der 10. Todestag von Renate-Chotjewitz-Häfner. An diesem Tag wurde in der Denkbar Frankfurt der Förderpreis verliehen, der ihren Namen trägt. Diesjährige Preisträgerin ist die 1962 in Pottum im Westerwald geborene Schriftstellerin Annegret Held. Faust-Kultur dokumentiert Martin Lüdkes Laudatio. mehr

GEDANKEN ZUM ALLTAG EINES MUSEUMSMENSCHEN IM JAHR 2025

Die Kulturmanagerin von morgen

Lange Zeit konnten Kulturmanager und -managerinnen sich auf die traditionellen Aufgaben des Museums beschränken: Sammeln, Bewahren, Erforschen und Vermitteln. In der digitalen Transformation werden sie zusätzlich auf fünf Ebenen gleichzeitig und verschränkt agieren müssen, um museale Sammlungen im Bewusstsein des Publikums zu halten. Barbara Fischer stellt die Ebenen dar und zeigt Chancen und Anforderungen auf. mehr

THEATERPREMIEREN IN STUTTGART

Paradigmenwechsel in Stuttgart

Mit sechs Premieren an zwei Wochenenden beginnt am Stuttgarter Schauspiel die Intendanz von Burkhard C. Kosminski. Thomas Rothschild sah die deutsche Erstaufführung des Stücks »Vögel« von Wajdi Mouawad, eine Bearbeitung der »Orestie« durch Robert Icke und die Uraufführung eines neuen Stücks des österreichischen Schriftstellers Clemens J. Setz. mehr

Politik

Rechts rockt – was tun, SPD?

Wie die Wahlforschung belegt, sind Arbeiter für die rechtspopulistische Agenda der AfD besonders anfällig. Wie soll die stolze, alte Arbeiterpartei SPD damit umgehen? Nach den jüngsten Landtagswahlen und dem sozialdemokratischen Debattencamp formuliert Peter Kern mögliche Antworten. mehr

MUSIK FÜR SCHWERE (JAHRES-)ZEITEN

Lockerer November

E, die Ernste Musik, und U, die Unterhaltungsmusik, das entspricht den Absichten des Apollinischen und des Dionysischen. Ist das Ernste stets einer geschichtsphilosophischen oder religiösen Moralvorstellung unterworfen, beharrt das Unterhaltende auf unbekümmerte Körperlichkeit und dem Vergnügen des Hier und Jetzt. In der Überschneidung beider Sphären hat Hans-Klaus Jungheinrich hörenswerte CD-Neuveröffentlichungen gefunden. mehr

GESPRÄCH MIT DEM KULTURWISSENSCHAFTLER MAGUEYE KASSE

Das Sichtbarwerden der Schwarzen Zivilisationen

Cornelia Wilß sprach im Rahmen einer vom Berliner Verein »FuturAfrik« organisierten Reise zur Dak’Art 13 unter Leitung von Dr. Ibou Coulibaly Diop mit Professor Maguèye Kassé über das afrikanische Erbe, neue Denkräume, nachhaltige Gesellschaftsentwürfe und warum er skeptisch ist, was die viel diskutierte Rückgabe gestohlener Kulturgüter angeht. mehr

Theater

Aktuelle Inszenierungen in Wien

In die Zwischenkriegszeit und zugleich in unsere Gegenwart führen die Theaterinszenierungen von Klaus Manns »Mephisto«, »Glaube Liebe Hoffnung« nach Ödön von Horváth und das Flüchtlingsdrama »Die Reise der Verlorenen«. Thomas Rothschild hat an der Wiener Burg, im Akademietheater und in der Josefstadt diese und weitere aktuelle Stücke gesehen. mehr

Schwerpunkt Syrien

Zweiter Brief an Samira von Yassin al Haj Saleh

Lange Zeit hat die westliche Welt die Krise im Innern Syriens ignoriert. Erst, nachdem die USA in den Konflikt eingreifen, ändert sich dies. In seinem zweiten Brief an Samira beschreibt Yassin Al Haj Saleh, wie sich die Situation durch die Globalisierung des Konflikts verändert und Syrien zum Epizentrum einer von regionalen und internationalen Kräften genährten Gewalt wird. mehr

Lüdkes liederliche Liste

Mein Gott! Ach Gott!

Lange Zeit blieb Denis Diderots brillantes Schelmenstück verschollen. Jetzt hat Hans Magnus Enzensberger den Dialog wieder entdeckt, aus dem Französischen übersetzt, einige Anmerkungen hinzugefügt und allgemein zugänglich gemacht: »Die Unterhaltung eines Philosophen mit der Marschallin de Broglie wider und für die Religion«. Martin Lüdke empfiehlt das Buch. mehr

Hans-Klaus Jungheinrichs CD-Empfehlungen

Die Klänge aus der Tiefe

Der Bass, dessen Register Arthur Schopenhauer sich weit weg von den anderen Stimmlagen, geradezu unterirdisch, im Reich der Mineralien vorstellte, vor allem der Kontrabass, dessen unhandliche Dimensionen eine Spielfertigkeit mit fliegenden Händen erfordert, steht im Mittelpunkt der Betrachtung, die Hans-Klaus Jungheinrich anhand neuer CD-Veröffentlichungen mit Musik von Barre Phillips und Stefano Scodanibbio vornimmt. mehr

Die Baustelle SPD

Amüsiere dich, kritisiere!

Die Sozialdemokraten haben es in unserem Land nicht leicht. Es wäre wohlfeil, spottend über ihren Misserfolg bei den heutigen Wählern herzuziehen. Stattdessen beschreibt Peter Kern in seinem Essay kritisch die Baustelle SPD und benennt ihre zukünftigen Aufgaben. mehr

Interview mit Christina Leber, 25 Jahre DZ Bank Kunstsammlung

Fotografie ist eine Infragestellung des Sehens

Fotokunst ist das alleinige Sammlungsgebiet der DZ Bank Kunstsammlung, die 2018 Jubiläum feiert. In regelmäßigen Ausstellungen ist sie auch für die Öffentlichkeit sichtbar. Über die Konzeption der inzwischen auf 7800 Werke angewachsenen Kollektion, die wissenschaftliche Erforschung von Firmensammlungen und aktuelle Fragen der Fotokunst sprach Isa Bickmann mit der Leiterin Christina Leber. mehr

Essay

Keine Juden mehr für Deutsche?

Das deutsch-jüdische Verhältnis charakterisiert Max Czollek als »Gedächtnistheater«. Juden kommen dort in ihrer symbolischen Bedeutung als Vertreter der Vernichteten vor. Sie spielen eine Rolle als Juden für Deutsche. In seinem Essay analysiert Czollek, wie es dazu kommen konnte und versucht, Wege aus den Rollenklischees aufzuzeigen. mehr

Jan Kjaerstad, Das Norman-Areal

Nach dem Holozän

Jan Kjærstads Roman »Das Norman-Areal« handelt von John Richard Norman, der als leidenschaftlicher Leser in Oslo aufwächst. Der Protagonist wird Lektor bei einem renommierten Verlag, bis seine Lesefähigkeit unerwartet schwindet. Alban Nikolai Herbst hat sich mit dem Roman auseinandergesetzt und ordnet ihn der phantastischen Literatur zu. mehr

Autorinnen aus vier Kontinenten

Liebhaberinnen und Mütter

Die Anthologie »Vollmond hinter fahlgelben Wolken« versammelt Kurzgeschichten von Autorinnen aus vier Kontinenten. Die Innen- und Außenansichten der Protagonistinnen eröffnen neue Wahrnehmungswelten und brechen mit stereotypen Rollenbildern, findet Riccarda Gleichauf. mehr

Schwerpunkt Syrien

Erster Brief an Samira von Yassin al Haj Saleh

In den Briefen, die Yassin al Haj Saleh an seine im Syrienkrieg entführte Frau Samira richtet, versucht der Autor, die politische Lage im Rückblick zu deuten. Zugleich übermitteln seine Zeilen ein bis in die Gegenwart reichendes Gefühl der Nähe zu dieser geliebten Person. Sieben Briefe sind von Yassin überliefert und werden in der Übersetzung von Larissa Bender in den nächsten Wochen auf Faust-Kultur dokumentiert. mehr

»Die Perser« von Aischylos in Frankfurt

Vier Stunden zu Fuß unterwegs

Ulrich Rasche hat am Schauspiel Frankfurt »Die Perser« inszeniert. Die Tragödie des griechischen Dichters Aischylos gilt als das älteste Drama der Welt. Die Begeisterung über die knapp vierstündige Aufführung war mächtig, die Erschöpfung trotz hoher Lautstärke deutlich, berichtet Martin Lüdke. mehr

EINE »VORBILDLICH« ETWAS PLANLOSE CD-PARADE

Bunte Reihe

Es erinnert ein wenig an die einstige taz-Kolumne »Scheibengericht«, was Hans-Klaus Jungheinrich da mit seinen CD-Entdeckungen beginnt: Der Verzicht auf thematische oder formale Verklammerungen ist auch die Befreiung vom Exempeldienst der einzelnen und zuweilen einzigartigen Komposition oder Einspielung für die musikalische Betrachtung. So erhält jedes Werk der Tonkunst seine eigene Geltung. mehr

In eigener Sache

Presseecho auf die Textland-Veranstaltung

Beim zweitägigen Textland-Literaturfest in der Evangelischen Akademie Frankfurt am Main diskutierten und lasen am 15. und 16. September 2018 über 20 Autorinnen und Autoren. Das Festival wurde umfangreich von Journalisten und Journalistinnen begleitet. Faust-Kultur dokumentiert ausgewählte Pressestimmen sowie Originaltexte von Textland-Autoren – und eine Bildergalerie von Alexander Paul Englert. mehr

75. Filmfestspiele von Venedig

Eine Liebesgeschichte aus Guatemala

Der Film »José« erzählt die (Liebes-)Geschichte eines 19-jährigen homosexuellen Mannes, der in Guatemala lebt. Bei den 75. Filmfestspielen von Venedig gewann »José« den »Queer Lion Award«. Felix Ernesto Arias Hück hat mit Li Cheng, dem Regisseur des preisgekrönten Films, über dessen Entstehung gesprochen. mehr

Gespräch mit der Dramaturgin Marion Tiedtke

»Unterschiedliche Stile kommen zusammen«

Die zweite Saison der Intendanz von Anselm Weber am Frankfurter Schauspiel hat gerade begonnen. Marion Tiedtke ist seit 2017 Chefdramaturgin am Schauspiel und leitet das Haus zugleich als Co-Intendantin mit. Vor dem Hintergrund der zurückliegenden Spielzeit und am Beginn der neuen Saison spricht Andrea Pollmeier mit Marion Tiedke über die Ziele, die sie am Frankfurter Theater realisieren möchte. mehr

NOTIZEN VOM LUCERNE FESTIVAL 2018

Der Sommer der Lehrmeister

Musikjournalisten benutzen gerne das Juwelierwort ‚hochkarätig’, wenn es um Bekanntes und Begehrtes geht: wenn Wolfgang Rihm und Dieter Ammann junge Komponisten unterrichten, Bronfman Liszt, Aimard und Stefanovich Stockhausen spielen, Petrenko Franz Schmidt, Nézet-Séguin Haydn und Tschaikowskij dirigieren. Hans-Klaus Jungheinrich hat auf dem Lucerne Festival den Meistern zugehört. mehr

RECHTSPOPULISMUS UND GEWERKSCHAFTEN

Die Falschmünzer der neuen Rechten

Eine auf zahlreichen Interviews mit Betriebsräten und Gewerkschaftssekretären basierende Studie untersucht die Affinität von Industriearbeitern zur rechtspopulistischen Partei »Alternative für Deutschland«. Peter Kern empfiehlt die Lektüre der Studie nicht nur Gewerkschaftlern. mehr

Die Leben des Käpt’n Bilbo

Das Leben, ein Abenteuerroman

Jack Bilbo wurde 1907 als Hugo Cyrill Kulp Baruch in eine großbürgerliche jüdische Familie in Berlin geboren. Mit wechselnden Identitäten schlug er sich durch das Zeitalter der Extreme. Bekannt wurde er als Schriftsteller, Maler, Galerist und Kneipier. Ludwig Lugmeier widmet Bilbo einen »Faktenroman«, den Dominik Irtenkauf gelesen hat. mehr

Frauen in der Evangelischen Kirche

Frauen der Bewegung

Die früheren Frankfurter Pfarrerinnen Ute Knie und Helga Engler-Heidle haben dafür gesorgt, dass die Geschichte der Frauenbewegung in der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) dokumentiert wird. Inzwischen gibt es mehrere Wikipedia-Artikel und Porträts, Interviews und Dokumente auf der Webseite der Landeskirche, berichtet Antje Schrupp. mehr

»RARITÄTEN DER KLAVIERMUSIK« IN HUSUM

Am Originalschauplatz des schön Unbekannten

Die Kenner der klassisch-romantischen Musik, umso mehr die Kenner der Moderne, kennen nur einen kleinen Teil des Repertoires. Wenige kleine Festivals, wie die Klavierraritäten in Husum, versuchen, dieses Ungleichgewicht wenigstens erkennbar zu machen. Hans-Klaus Jungheinrich konnte dort Schätze entdecken. mehr

Essay von Jean-Luc Nancy zur Heidegger-Debatte

Eine Wahrheit über die Wahrheit

Der französische Philosoph Jean-Luc Nancy unterzieht den Wahrheitsanspruch des Buches »Martin Heidegger: Die Wahrheit über die Schwarzen Hefte« von Friedrich-Wilhelm von Hermann und Francesco Alfieri einer genauen Prüfung und erläutert, warum der Mangel an Diskussionsbereitschaft der beiden Autoren und ihre sich selbst zerstörende These weder der Wahrheit noch Heidegger dient. mehr

Buchbesprechung

Tod eines Kommunisten

In einer Trilogie erzählt die deutsch-rumänische Schriftstellerin Carmen-Francesca Banciu von der ideologischen und geographischen Emanzipation einer Tochter von ihren Eltern. Der dritte Band ist in diesem Frühjahr erschienen und wurde für den Deutschen Buchpreis nominiert. Stefana Sabin hat »Lebt wohl, Ihr Genossen und Geliebten!« gelesen. mehr

ERINNERUNG AN DEN DIRIGENTEN JOSEPH KEILBERTH

Tot beim Liebestod

Für einen Dirigenten ist er früh gestorben. Joseph Keilberth war 60, als Tristan »Lass mich sterben!« sang und der Maestro verschied. Dass er ein bedeutender Musiker war, daran erinnert eine Sammlung von zehn CDs, die Hans-Klaus Jungheinrich empfiehlt. mehr

BERLIN BIENNALE

Wenn das Playback ausfällt, muss man lauter singen

»We don’t need another hero« lautet der Titel der 10. Berlin Biennale für zeitgenössische Kunst. Er verweist auf Tina Turners gleichnamigen Song aus dem Jahr 1985. Die Berlin Biennale findet an fünf Ausstellungsorten statt. Ihr gelingt vieles, was der letzten Documenta an thematisierten Problematiken über den Kopf wuchs, meint Ellen Wagner. mehr

Gespräch mit Laura Haber und Christiane Quandt

»Wir können machen, was uns gefällt«

Seit 2012 möchte die in Berlin ansässige Zeitschrift »alba.lateinamerika lesen« neue, noch nicht entdeckte Stimmen der lateinamerikanischen Literatur ins Deutsche bringen. Anlässlich des Erscheinens der elften alba-Ausgabe hat Eric Giebel mit den Redaktionsmitgliedern Laura Haber und Christiane Quandt über ihre Arbeit gesprochen. mehr

GESPRÄCH MIT DEM VERLEGER LUCIEN LEITESS

Unter dem Paradiesbaum

Der Züricher Unionsverlag ist seit Jahrzehnten die deutschsprachige Heimat zahlreicher Autoren von Weltrang. Im Gespräch mit Andrea Pollmeier spricht Verlagsgründer Lucien Leitess (rechts) über die Kunst, an unvermuteten Orten einen Schatz zu heben, die Bedeutung der Übersetzung und die Steinzeit-Phase des e-Books. mehr

Salzburger Festspiele 2018

Shylock zu Besuch bei Sarastro

Frank Castorf adaptiert Knut Hamsuns Romane »Hunger« und »Mysterien« für die Bühne, Sandra Hüller und Jens Harzer sind Penthesilea und Achilles in Johan Simons'Fassung von Kleists eigenwilligem Drama, Lydia Steier scheitert an Mozarts Oper »Zauberflöte«: Thomas Rothschild berichtet von den Salzburger Festspielen 2018. mehr

Ralf Rothmanns Roman »Der Gott jenes Sommers«

Kein Mond über den Feldern

Im Mittelpunkt von Ralf Rothmanns neuem Roman »Der Gott jenes Sommers« steht ein zwölfjähriges Mädchen, das Anfang 1945 mit ihrer Mutter und der älteren Schwester aus Kiel aufs Land fliehen muss. Rothmann beschreibt einen Mikrokosmos des Schreckens. Otto A. Böhmer hat den Roman gelesen. mehr

Hans-Klaus Jungheinrichs Musik-Empfehlungen

Utopien des Hörens

Musik, die auf der Höhe der Zeit komponiert wurde, rutscht, da letztere stetig weiterzieht, talwärts. Dem Altern der Neuen Musik haftet so, anders als der Alten Musik, etwas Melancholisches an. Bei Neueinspielungen aber ist oft ein Reifungsprozess zu hören. Hans-Klaus Jungheinrich hat Musik von Stockhausen, Lachenmann und Luke Bedford auf sich wirken lassen. mehr

W. G. Sebald-Debatte

Zähmung eines Widerspenstigen

W.G. Sebald ist ein Ausnahmeautor, auch weil er zeitlebens streitbarer Auslandsgermanist war und spät erst zum gefeierten Schriftsteller wurde. Die deutsche Germanistik hat ihn erst lange mit Misstrauen beäugt. Nun hat sie ihn in einem Handbuch verzerrend monumentalisiert, meint Sebalds Doktorand Uwe Schütte. mehr

30 JAHRE »ROSSINI IN WILDBAD«

Ein Herrscher der Oper

Die oft bestaunte kulturelle Dichte in Deutschland verdankt sich nicht nur ihrer finanziellen Unterstützung, die in anderen Ländern größer und nachhaltiger ist, sondern der Initiative einzelner Persönlichkeiten, die das unbedingt wollen. Eine dieser Unternehmungen ist das Schwarzwaldfestival »Rossini in Wildbad«, dessen Aufführungen zum 30-jährigen Bestehen Hans-Klaus Jungheinrich genossen hat. mehr

500. Geburtstag von Jacopo Tintoretto

Sintflut im Zeitraffer

Es gibt Gemälde, die sehr modern wirken, obwohl sie schon Jahrhunderte alt sind. Der Venezianer Jacopo Tintoretto malte um 1556 ein solches Bild. Es heißt: »Das Jüngste Gericht« und hängt in der gotischen Kirche Madonna dell`Orto. Zum bevorstehenden 500. Geburtstag Tintorettos blickt Ria Endres auf das dramatische Gemälde und das Venedig seiner Entstehungszeit. mehr

DAS GESAMTKUNSTWERK KRAFTWERK

Diskurs – Maschinen – Sinfonie

Ein vom Literaturwissenschaftler, Kulturessayisten und Musikjournalisten Uwe Schütte herausgegebener Essayband widmet sich der Krautrock- und Elektropop-Band »Kraftwerk« und beleuchtet sie als »Gesamtkunstwerk«. Der Herausgeber hat ein hochinteressantes und anregendes Buch auf die Beine gestellt, findet Michael Behrendt. mehr

Essay zum NEUE-MUSIK-FESTIVAL »Bridges« in Wien

Neue Musik, die Fahnenflüchtige

Die Brücken, die Musik zwischen Völkern schlagen soll, sind keine komponierten Menschen- oder Lichterketten. Sie ähneln eher Zugbrücken. Leon Ackermann hat in seinem Essay das Wiener Festival für neue Musik »Bridges« dessen verbindende und entbindende Qualitäten reflektiert. mehr

Khaled Khalifa: Der Tod ist ein mühseliges Geschäft

Ein Ende im Nichts

Wann beginnt eine Revolution? In Khaled Khalifas Roman »Der Tod ist ein mühseliges Geschäft«, der in Syrien spielt, lange vor dem sogenannten »Arabischen Frühling« 2011. Riccarda Gleichauf hat sich mit der schwer erträglichen Lektüre auseinandergesetzt. mehr

»TONALI«-KONZERTEREIGNIS IN DER ELBPHILHARMONIE

Soziale Großplastik

Ein wagemutiger Erziehungsversuch: Kinder nehmen ihre Eltern mit ins Konzert. Die von Amadeus Templeton gegründete Hamburger Initiative »TONALI« veranstaltet ein Wettbewerbs-Finale für junge Cellisten als Konzertereignis in der Hamburger Elbphilharmonie. Hans-Klaus Jungheinrich war dabei. mehr

Zum Tod von Oleg Jurjew

Die schönste Stadt des Exils

Am 5. Juli 2018 ist der Romancier, Lyriker, Dramatiker, Übersetzer und Essayist Oleg Jurjew gestorben. 1959 in Leningrad (heute: St. Petersburg) geboren, lebte er seit 1991 mit seiner Frau, der Autorin Olga Martynova und seinem Sohn, dem Übersetzer Daniel Jurjew, in Frankfurt am Main. Harry Oberländer erinnert an Jurjew und würdigt sein literarisches Werk. mehr

DIE SLIXS-CD »QUER BACH 2«

Sinnliche Vokalisten

Sie sind vielleicht nicht die ersten, die Johann Sebastian Bachs Instrumentalmusik singen. Aber sie sind unvergleichlich: Das A-cappella-Sextett SLIXS hat die zweite Bach-CD veröffentlicht, »Quer Bach 2«. Bernd Leukert ist entzückt. mehr

Saskia Hennig von Lange: »Hier beginnt der Wald«

In die Wildnis

Saskia Hennig von Lange beherrscht die Technik des Suspense, ohne einen Krimi zu schreiben. Der Protagonist ihrer Romanparabel »Hier beginnt der Wald« bewegt sich heraus aus einer Gesellschaft, die das Unbewusste unter Kontrolle hat, hinein in dessen wilde und gefährliche Zone. Gudrun Braunsperger hat das Buch gelesen. mehr

Mallorca: The Mouth Journal

Ein verheißungsvoller Auftakt

Mit »The Mouth« belebt ein neues Journal die Sprach- und Kulturwissenschaften. Es widmet sich der Mittelmeerinsel Mallorca als (post)kolonialem Schwellenraum zwischen Nord und Süd. Bruno Laberthier stellt das unkonventionelle Magazin vor. mehr

LUDWIGSBURGER SCHLOSSFESTSPIELE 2018

Drumming for Beethoven

Klassik und Folklore, Tanztheater und Minimal Music: Thomas Rothschild hat Konzerte und Aufführungen der Ludwigsburger Schlossfestspiele besucht, die sich mitunter auch gegen die Fußball-Konkurrenz behaupten konnten. In Stuttgart sah er außerdem eine gelungene Wiederaufnahme von Frank Wedekinds Handlungsballett »Lulu«. mehr

TSCHAIKOWSKIJ-OPERN IN HISTORISCHEN AUFNAHMEN

Ein Kontinent der Kontraste und Leidenschaften

Dass sich die Ästhetik musikalischer Aufführungen verändert und die technische Entwicklung hörbar daran beteiligt ist, belegen allein historische Aufnahmen. Aber nicht nur deshalb sind solche ›Ausgrabungen‹ wie die sämtlichen Opern von Pjotr Iljitsch Tschaikowskij, 1936 bis 1963 eingespielt von bedeutenden Künstlern und Kollektiven, wahre Schatztruhen. Hans-Klaus Jungheinrich hat sich darin umgehört. mehr

Feuilleton: Zwischen Literatur und Journalismus

Eine bedrohte Art

Für manche bezeichnet der Begriff einen locker-verspielten Schreibstil, andere verstehen darunter den Kulturteil überregionaler Zeitungen. Fest steht, dass das Feuilleton in Zeiten medialer Umbrüche zunehmend unter Druck gerät. Eugen El stellt einen Sammelband vor, der aktuelle Texte zu Geschichte, Gegenwart und Zukunft des Feuilletons zusammenträgt. mehr

PREIS DER AUTOREN 2018 an Lola Arias

Lola Arias seziert Mechanismen des Kriege

Die argentinische Regisseurin Lola Arias ist für ihr komplexes Anti-Kriegs-Projekt »Theatre of War: Minefield/Campo Minado« mit dem Preis der Autoren 2018 ausgezeichnet worden. Die Laudatio von Jurymitglied Annette Reschke und ein Videogespräch (Regie: Harald Ortlieb) über die Arbeitsweise von Lola Arias führen in das Werk der Künstlerin ein. mehr

DIE CAUSA ÖZIL UND GÜNDOGAN

Zweierlei Maß

In den vergangenen Wochen wurde das Treffen der beiden deutschen Nationalspieler Mesut Özil und Ilkay Gündogan mit dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan kontrovers diskutiert. Anlässlich des Auftaktspiels der deutschen Elf bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland blickt Gregor-Sönke Schneider auf die Diskussion zurück und kritisiert deren Doppelmoral. mehr

Bellinis »Norma« in der Regie von Christof Loy

Zerrissen zwischen Liebe und Verrat

Mit der jüngsten Premiere in der Frankfurter Oper ist »Norma« aus der Ferne vergangener Keltenmystik in der Neuzeit gelandet und verständlich geworden. Christof Loy hat Vincenzo Bellinis letztes Meisterwerk zu einem politisch wie emotional extremen Stück gemacht. Warum es neben dem verdienten Jubel auch Buhrufe für die Inszenierung gab, ist Andrea Richter schleierhaft. mehr

Alban Nikolai Herbst: Axel Ruoff, Apatit

Stein aus Frau

Die künstlerische Verwandlung einer Statue in einen Menschen ist, seit der mythische Bildhauer Pygmalion auf Zypern dieses Wunderwerk vollführte, immer wieder imitiert und variiert worden. Der umgekehrte Weg, nämlich der in die mineralische Erstarrung, ist wegen geringerer Attraktivität nicht gerne beschritten worden. Axel Ruoff aber hat das in seinem Roman »Apatit« mit guten zeitgenössischen Gründen gewagt, und Alban Nikolai Herbst ist davon beeindruckt. mehr

Giwi Margwelaschwili: Bedeutungswelten

Leselebenswelten

Im Jahr 2016 besuchte der Verleger Jörg Sundermeier Giwi Margwelaschwili in Georgien. Er befragte den 1927 geborenen, in Berlin aufgewachsenen Autor nach seinem Leben und Werk. Herausgekommen ist der Band »Bedeutungswelten«: Ein lebendiges Porträt eines aufgeweckten Geistes, meint Dominik Irtenkauf. mehr

PETER KURZECK ZU EHREN

Wohin mit der Zukunft?

Am 10. Juni 2018 wäre Peter Kurzeck 75 Jahre alt geworden. Seine Romane atmen Gegenwart, meint Arno Dahmer, der dem großen Frankfurter Autor in seiner Betrachtung noch einmal schreibend begegnet. +mehr

Theaterabend in Zürich: Und was erlöst uns heute?

Die Crew gibt keine Antwort

Erlösung ist ein religiöser Begriff. »Es ist offensichtlich unerträglich, unser Dasein.«, schreibt der Schweizer Komponist, Kulturwissenschaftler, Philosoph und Soziologe Patrick Frank. Deshalb realisierte er das Projekt »Und was erlöst uns heute?« in der Gessnerallee Zürich. Rumora Mottenfrass schildert ihre Eindrücke. mehr

Lusophone Literatur: Gespräch mit Mia Couto

»Die Unsichtbarkeit der Besiegten«

Wer Mia Couto begegnet, erlebt einen zurückhaltenden Menschen, der Lesungen in großen Auditorien eher meidet. Während seiner Lesereise zu seinem neu auf Deutsch erschienenen Buch „Imani” war das Besucherinteresse jedoch außergewöhnlich. Der in Mosambik als Sohn portugiesischer Einwanderer geborene Autor zählt heute zu den bedeutendsten Schriftstellern der Lusophonie. Michael Kegler hat mit dem Autor über sein neues, als Trilogie geplantes Werk gesprochen. mehr

CD-Neuheiten mit Schubert, Pärt, Glass und Korngold

Symphonie – Hauptsache, Nebensache?

Die Musikgeschichte ist ungerecht. Werke, die die Tür zu neuen ästhetischen Entwicklungen öffneten, selbst aber vor der Schwelle verblieben, versetzt sie gerne und bestenfalls in die Fußnoten. Hans-Klaus Jungheinrich hat sich daraufhin auf CD veröffentlichte Musik von Arvo Pärt, Louis Glass und Erich Wolfgang Korngold (Foto), aber auch von Franz Schubert angehört. mehr

Hallig Hooge oder: der Maler und seine »Grotesken Bilder«

Wo Emil Nolde Gespenster sah

Dunkelglühendes Rot, Lila, Orange und düsteres Blau, Blumenbilder, verhangene Sonnenuntergänge am Meer. Daran erkennen wir die Arbeit des Expressionisten Emil Nolde. Doch dann offenbarte eine Ausstellung in Wiesbaden eine ganz andere Seite des Malers, die Johannes Winter zur Hallig Hooge führte und zu den Gespenstern. mehr

Die Realität der Literatur

Zum Tod von Philip Roth und Nathan Zuckerman

Er war assimiliert, aber nicht angepasst. Seine Herkunft kam ihm wie eine vorprogrammierte Entfremdung vor, die ihm einen kritischen Blick auf die amerikanische genauso wie die jüdische Welt ermöglichte. Am 22. Mai 2018 ist der Schriftsteller Philip Roth im Alter von 85 Jahren gestorben. Stefana Sabin erinnert an Roths Leben und Werk. mehr

Buchbesprechung

Auf Schatten gewachsen

Die Geschichte, die zwei Psychotherapeuten sich und uns in Gert Heidenreichs neuem Roman »Schweigekind« erzählen, handelt von einer Generation, die auf Schatten gewachsen ist, ohne zu wissen, wer sie geworfen hatte. Das Buch ist ein Krimi, zugleich ein Gesellschaftsroman des gehobenen Kunst- und Kulturbetriebs. Harry Oberländer findet es lesenswert. mehr

Botho Strauß: Der Fortführer

Die alten Töne

In seinem neuen Buch »Der Fortführer« äußert sich Botho Strauß zum Großen und Ganzen und auch zu Kleinkram, den er bedenklich oder gerade noch erträglich findet. Der Titel ist Programm: Strauß führt fort, was die großen Alten einmal begonnen haben, ehe man ihnen das Wort entzog. Otto A. Böhmer hat das Buch mit Gewinn gelesen. mehr

Lehárs Operette über Geld und Liebe an der Oper Frankfurt

Ein zwiespältiges Happy End

Franz Lehárs Operette »Die lustige Witwe« war in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ein Riesenerfolg. Manche Arie ist zum Schlager, manche Zeile aus dem Libretto zum geflügelten Wort geworden, so die Lebensweisheit des Grafen Danilo: »Verlieb' dich oft, verlob' dich selten, heirate nie!« Nun wird Lehárs Operette an der Oper Frankfurt auf ihre Wirkung im 21. Jahrhundert getestet. Stefana Sabin sah die Premiere der neuen Inszenierung. mehr

Badenweiler Musiktage 2018

Handgemacht

Klassische Musik von der Stange ist fast überall zu haben. Aber ein intelligent gemachtes Programm, mit dem Entstehung, Geschichte und Bedeutung der Musik reflektiert wird, muss man suchen. Gefunden hat Hans-Klaus Jungheinrich ein solches Vorgehen bei den Badenweiler Musiktagen, die im Frühjahr 2018 erstmalig von SWR-Redakteurin Lotte Thaler geleitet wurden. mehr

Ausstellung: Power to the People. Politische Kunst jetzt

Kunst mit politischem Antrieb

Der Titel »Power to the People« impliziert es bereits: Eine Ausstellung in der Schirn Kunsthalle Frankfurt konzentriert sich auf politische Kunst in Zeiten, in denen die Demokratie sich als zerbrechlich zeigt und aktives Engagement nötiger denn je scheint. Im Ganzen ist das eine recht sehenswerte, wenn auch überraschend leise Ausstellung, findet Isa Bickmann. mehr

Austausch mit irakischen Autorinnen

»Jedes Thema ist vermint«

Am 12. Mai finden unter schwierigen politischen Bedingungen im Irak Parlamentswahlen statt. Sechs Monate zuvor kamen drei irakische Autorinnen, Zainab Alaeani, Nidaa Hasan und Suhad Issa, die an einer Schreibwerkstatt der Initiative elbarlament im Irak teilgenommen hatten, nach Frankfurt. Andrea Pollmeier dokumentiert ihr Gespräch mit ihnen. mehr

Max Winters Expeditionen ins dunkelste Wien

Ein Wallraff in Wien

Mit seinen Sozialreportagen aus der Wiener Unterwelt wurde Max Winter (1870-1937) vor gut hundert Jahren berühmt. Kürzlich wurde er wiederentdeckt. Nun ist ein Buch mit ausgewählten Reportagen Winters erschienen, und Martin Lüdke empfiehlt es. mehr

Ein Philosoph der handfesten Dinge

Warum es sich wieder lohnt, Marx zu lesen

Der Philosoph, Ökonom, Gesellschaftstheoretiker, politische Journalist und Protagonist der Arbeiterbewegung, Karl Marx, wurde vor 200 Jahren geboren. Nach den Katastrophen, die in seinem Namen stattfanden, findet sein Werk heute wieder seriöses Interesse. Der 2014 verstorbene Publizist Hans-Martin Lohmann erinnerte einst an den wortgewaltigen Schriftsteller und brillanten Theoretiker. mehr

MUSIKTHEATER in Stuttgart

Eine Welt hinter Gittern

In Stuttgart werden die Kurzopern »Der Gefangene« von Luigi Dallapiccola und »Das Gehege« von Wolfgang Rihm zu einem zweistündigen Abend zusammengefasst, an dem Andrea Breth Regie führt. Die Junge Oper zeigt das dystopische Stück »Krieg. Stell dir vor, er wäre hier« von Marius Felix Lange. Thomas Rothschild hat beide Inszenierungen besucht. mehr

Postmigrantisches Erzählen

Der Pferdeschwanz der Anderen

Nava Ebrahimi hat 2017 für »Sechzehn Wörter« den Österreichischen Buchpreis in der Kategorie Debüt bekommen. In ihrem Erstling schickt die Wahl-Grazerin ihre Erzählerin Mona auf eine Reise zwischen Köln und Iran. Warum der Roman mehr ist als eine Homecoming-Story und trotz einiger gängiger Iran-Motive keine Klischees reproduziert, beleuchtet Maryam Aras. mehr

50 Jahre 1968

Daniel Cohn-Bendit erzählt

Als im Mai 1968 die Pariser Studenten aufbegehrten, war Daniel Cohn-Bendit ihr prominenter Wortführer. Auf dem Höhepunkt der Proteste wurde Cohn-Bendit aus Frankreich ausgewiesen. Für Jonas Englerts Online-Video-Archiv »Zoon Politikon« beschreibt Daniel Cohn-Bendit innerhalb von fünfzig Minuten sein Leben als politisches Lebewesen. Faust-Kultur dokumentiert das Video. mehr

OP-Verse von Endres, Gernhardt und Campbell

Aus tiefster Not

Chirurgen greifen in unser Leben ein. Und es besteht die Gefahr, dass es sich nach dem Eingriff ganz anders oder gar nicht fortsetzt. Bernd Leukert hat Verse aus dem Klinikbett von Ria Endres, Robert Gernhardt und Paul-Henri Campbell gelesen, in denen die Gefahr präsent ist. mehr

Konzert: Arcade Fire in Frankfurt

Performing In The Round

»Wenn ihr diesen Song nicht schnell abmischt, werde ich ihn euch klauen!«, soll David Bowie über »Reflektor« gesagt haben. Daraus wurde dann ein gesanglicher Gastbeitrag des erklärten Arcade-Fire-Fans. Für das einzige Deutschland-Konzert ihrer Europa-Tour im April kam die kanadische Band nun in die Frankfurter Festhalle. Claudia Olbrych war bei dem Auftritt dabei. mehr

Heinz Götze: Was aus der Heimat wurde ...

Die Lehre des Reinhardswaldes

Im Buch »Was aus der Heimat wurde, während ich lange weg war« kehrt der Germanist Karl Heinz Götze nach fast vierzig Jahren in seinen nordhessischen Geburtsort zurück. Das Buch ist eine Mischung aus Kindheitserinnerung und soziologischer Analyse, aus Autobiographie und kritischer Landschaftsbeschreibung. Harry Oberländer findet es lesenswert. mehr

Gerlind Reinshagens gedichte »Atem anhalten«

Verramschte Leben

Die 1926 geborene, seit langem in Berlin lebende Autorin Gerlind Reinshagen hat Theaterstücke und Hörspiele, Romane und Geschichten geschrieben. Nun sind bei Suhrkamp ihre gesammelten Gedichte erschienen: »Atem anhalten«. Reinshagen hat gerade auch jüngeren Generationen etwas zu sagen, meint Riccarda Gleichauf. mehr

Zum 50. Todestag Martin Luther Kings

I´ve been to the mountaintop

Vor fünfzig Jahren, am 4. April 1968, wurde der US-Bürgerrechtler Martin Luther King auf dem Balkon eines Motels in Memphis (Tennessee) erschossen. Der Pfarrer Jeffrey Myers denkt in seinem Essay über die Aktualität der Botschaft Kings nach und würdigt dessen Einsatz für gewaltlosen Widerstand. mehr

Buchkritik: »Das schwarze Paradies«

Insel des Teufels

Ein Zahnarzt verlässt die Großstadt und wandert auf eine einsame Insel aus. Seine Robinsonade steht am Beginn einer zwischen Phantasie und Wirklichkeit changierenden Erzählung über »das schwarze Paradies«. Gudrun Braunsperger hat den gleichnamigen Roman der 1981 geborenen norwegischen Autorin Ida Hegazi Høyer gelesen. mehr

»Falstaff« an der Staatsoper Unter den Linden

Fassbinders Falstaffs böser Triumph

Die commedia lirica »Falstaff« war Giuseppe Verdis letztes Bühnenwerk, das er nur komponieren wollte, um sich zu vergnügen und die Zeit zu vertreiben. Der Librettist Arrigo Boito hatte den Stoff aus Shakespeares’ »Lustigen Weibern von Windsor« und Fragmenten aus »Heinrich IV« zusammengefügt. Alban Nikolai Herbst hat Mario Martones Inszenierung an der Staatsoper Unter den Linden in Berlin unter dem Dirigat von Daniel Barenboim gesehen. mehr

Porträt der Krimiautorin Merle Kröger

Klarer Blick auf gesellschaftliche Brüche

Im dritten Teil der vierteiligen Serie über deutschsprachige Krimiautorinnen stellt Kirsten Reimer die 1967 geborene Wahlberlinerin Merle Kröger vor. Deren multiperspektivisch aufgebaute Romane gehen von realen Begebenheiten aus. Sie verbinden historische Aufarbeitung, individuelles Erleben und politische Analyse mit Elementen des Krimis und des Thrillers. mehr

Konflikt zwischen Barcelona und Madrid

Spaniens Mühsal mit Dialog und Kompromiss

Wenn wir nicht mehr wissen, wer die Guten und wer die Bösen sind, können wir uns nicht einmal engagieren. Johannes Winter hat die Fakten im Konflikt der autonomen Katalanen mit der spanischen Zentralregierung zusammengetragen, die eine Parteinahme für diese franquistisch belastete Regierung oder für die republikanisch irrlichternden Separatisten nicht nahelegen. mehr

Neue Musikbücher

Fürs Leben, zum Überfluss

Musikbücher sind selten Bücher über Musik. Dafür finden in ihnen Komponisten- und Musikerbiographien und deren soziopolitische Einbettungen Platz, Anekdoten, Künstlerfreundschaften in Briefen und Zeugnissen oder musikgeschichtliche Erzählungen. Hans-Klaus Jungheinrich hat fünf Lexika, Handbücher, Komponistenportraits und historische Untersuchungen gesichtet. mehr

SYRISCHE LITERATUR IN DER DIASPORA

Schreiben in Freiheit

Das Jahr 2011 markiert in Syrien nicht nur den Beginn des zunächst friedlichen Aufstands gegen das Regime des Diktators Baschar al-Assad. Auch das literarische Schaffen nahm in dieser Zeit einen enormen Aufschwung. Die meisten Schriftsteller leben allerdings heute im Exil – viele von ihnen in Deutschland. Larissa Bender gewährt Einblicke in die Szene syrischer Diasporakünstler. mehr

Kafkas Amerika am Theater Willy Praml

Finsternis des modernen Lebens

Franz Kafkas postum veröffentlichtes Romanfragment »Amerika oder Der Verschollene« erzählt von Ankunft und Abstieg des 16-jährigen Pragers Karl Rossmann im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Das Frankfurter Theater Willy Praml adaptiert »Amerika« zu einem vierstündigen Parcours. Walter H. Krämer hat die facettenreiche Inszenierung besucht. mehr

Roy Ascott und die Kunst des Transhumanismus

Der Künstler als Knoten im Netzwerk

Wie sich Kunst und Wissenschaft bei der Vorstellung von der Maschinisierung des Menschen gegenseitig beeinflusst haben und wie sich die Technozukunft in der künstlerischen Praxis zeigt, dem ging Hubertus Kohle in einem Vortrag nach, den er Anfang Februar in München gehalten hat. Transhumanistische Kunst sei noch immer eine sehr esoterische Angelegenheit, meint der Kunsthistoriker. Faust-Kultur dokumentiert den Text. mehr

Gespräch mit dem Literaturkritiker Michael Braun

Wunderbarer Eigensinn

Am 15. März 2018 wird in Leipzig der Alfred-Kerr-Preis an Michael Braun vergeben. Das Fachmagazin Börsenblatt ehrt damit den Heidelberger Rezensenten für seinen jahrzehntelangen Einsatz für die Gegenwartslyrik. Bernd Leukert hat aus diesem Anlass mit Michael Braun ein Gespräch geführt, das schnell ins Grundsätzliche geriet. mehr

Ausstellung in Ludwigshafen

Der Orphismus und der Beginn der Abstraktion

Der Orphismus ist einer der vielen Ismen, mit denen man der Vielfalt der modernen Kunstströmungen zu begegnen suchte. Sein Name wurde 1912 vom Dichter Guillaume Apollinaire gefunden für jene Richtung des Kubismus, die das Licht als den die Farben in Bewegung bringenden Faktor sieht. Das Wilhelm-Hack-Museum in Ludwigshafen zeigt erstmals eine Überblicksausstellung dieser Richtung, und Isa Bickmann hat sie gesehen. mehr

Oper L`Africaine

Von Irdischen und Außerirdischen

Niemand weiß, ob es Außerirdische gibt, und falls ja, wie sie singen. Wer sich »L` Africaine – Vasco da Gama« von Giacomo Meyerbeer in der Frankfurter Oper ansieht, bekommt eine Gewissheit: Sie singen wunderbar. So gut wie die Irdischen. Das beweisen sie in einer ungewöhnlichen und grandiosen Inszenierung von Tobias Kratzer, meint Andrea Richter. mehr

EIN ETWAS ANDERES SCHMETTERLINGSBUCH

Falsche Apollofalter und Felsenhexen

Schon als Kind fing er die ersten Schmetterlinge. Nun hat sich der Schriftsteller Peter Henning einen Traum erfüllt: Er ist zu einer großen Falter-Expedition kreuz und quer durch Europa aufgebrochen. Seine Reiseerlebnisse sind in das Buch »Mein Schmetterlingsjahr« eingeflossen, Faust-Kultur dokumentiert daraus die Einleitung. mehr

Aufnahmen von Tippett, Dukas, Schwarzkopf

Vom Wühltisch

Nicht immer entspricht der Inhalt den Versprechungen auf der Verpackung. Und wenn es sich um CDs handelt, ist eine Überprüfung an Ort und Stelle meist nicht möglich. Aber mit schrumpfenden Preisen wächst die Versuchung. Hans-Klaus Jungheinrich ist ihr erlegen, und er hat mit »Midsummer Marriage« von Tippett, »Ariane« von Dukas und Elisabeth Schwarzkopf Überraschungen erlebt. mehr

Detlev Claussen zum 70. Geburtstag

Fortzusetzen …

Am 24. Februar 2018 feiert Detlev Claussen seinen 70. Geburtstag. Er studierte in Frankfurt unter anderem bei Theodor. W. Adorno und Max Horkheimer. 1994 wurde Claussen Professor für Gesellschaftstheorie, Kultur- und Wissenschaftssoziologie an der Universität Hannover. Gregor-Sönke Schneider würdigt das Werk des Kritischen Theoretikers. mehr

Österreich nach der Wahl – Tage der Unruhe in Wien

»Was passiert eigentlich mit uns?«

Eine Veranstaltungsreihe im Wiener Theater Nestroyhof sucht nach Antworten angesichts der jüngsten politischen Entwicklungen – nicht nur in Österreich. Bewusst werden nicht Journalisten, sondern Autoren eingeladen. Elvira M. Gross berichtet vom Premierenabend mit dem Essayisten Franz Schuh. mehr

Gespräch mit Inez Florschütz

»Ich erlebe immer wieder Überraschungen«

Im Jahr 2017 feierte das Deutsche Ledermuseum in Offenbach sein hundertjähriges Bestehen. Zwei Sonderausstellungen boten einen Vorgeschmack auf die zukünftige Ausrichtung des Museums. Eugen El hat mit Direktorin Inez Florschütz über ihre Pläne, sensible Sammlungsobjekte und das Leben in der Rhein-Main-Region gesprochen. mehr

Essay zum Festival für neue Musik »Ultraschall«

Flug und zerbrochener Flügel

Weil das Lesen für zu viele Leute zu anstrengend ist, hören sie lieber. Aber weil das Hinhören genauso anstrengend ist, erfordert das Schreiben über Musik eine doppelte Anstrengung: Leon Ackermann ist mit seinem großen Essay über das Festival »Ultraschall Berlin«, das von den Rundfunksendern rbb und Deutschlandfunk Kultur im 20. Jahrgang veranstaltet wurde, dem Wahrnehmungsverfall entgegengetreten. mehr

ESSAY ZUR LEITKULTUR-DEBATTE

Beschädigte Selbstachtung

Gegenwärtig wird immer wieder gefordert, Fremde, die bei uns Schutz und Heimat suchen, müssten sich unseren Sitten und Gebräuchen »anpassen«. Dabei ist auch von »Leitkultur« die Rede. Die Frage, wie es dabei um die Selbstachtung der Betroffenen steht, bewegt die Öffentlichkeit hingegen kaum, meint Peter Strasser. mehr

Der Autor Wolfgang Hilbig

Aus der Asche

Sprachgewaltig und metaphernstark hat er in kulturfeindlichem Ambiente sich selbst erschrieben. Wolfgang Hilbig, 1941 in Meuselwitz geboren und 2007 in Berlin gestorben, hat niemandem gedient, nicht einmal sich selbst. Harry Oberländer hat sich mit dem ost- und westdeutschen Schriftsteller beschäftigt und sich mit der Hilbig-Biographie von Michael Opitz befasst. mehr

Nachträgliches zu einem Briefroman

»Leben, solange wir leben«

Er hatte die Begabung für die virtuose Schmähung und war ein Meister der elaborierten, »Gebetsmühlenprosa«, wie Siegfried Unseld schrieb. Thomas Bernhard, der am 9. Februar 1931 geboren wurde, schreckte vor Drohungen und Erpressungsversuchen nicht zurück, um mit aristokratischer Attitüde zu Geld zu kommen. Theresia Prammer hat sich mit dem Briefwechsel des schwierigen Autors mit seinem Verleger vertraut gemacht. mehr

Ilijas Shansugirow, Das Lied von Kulager

Der Helden Freund

»Das Lied von Kulager« ist ein modernes Epos, das 1936 in Fortsetzungen in einer kasachischen Zeitung veröffentlicht wurde. Sein Autor, Ilijas Shansugirow, war Lyriker und hat unter anderem Puschkin ins Kasachische übertragen. Gert Heidenreich hat Shansugirows Epos auf Deutsch nachgedichtet, und Thomas Rothschild empfiehlt den Band. mehr

Gespräch mit dem Maler Adam Jankowski

Jedes gemalte Bild ist ein Fetisch

Der in Gdansk geborene Maler Adam Jankowski wird am 1. Februar 2018 siebzig Jahre alt. Er wuchs in Wien auf, studierte in Hamburg und unterrichtete von 1987 bis 2013 in Offenbach. Heute lebt und arbeitet Jankowski in Hamburg und Berlin. Eugen El hat mit Adam Jankowski über die Städte seines Lebens und über gesellschaftlich relevante Malerei im digitalen Zeitalter gesprochen. mehr

LAUDATIO AUF ARIANE MNOUCHKINE

Das muss man sich vorstellen

Ariane Mnouchkine und das Théâtre du Soleil sind den aufmerksamen Zeitgenossen ein Begriff. Aber wüssten sie die Besonderheit dieses innovativen Theaterkollektivs zu erklären? Rembert Hüser hat in seiner Laudatio bei der Verleihung des Goethepreises der Stadt Frankfurt am Main an die Compagnie Proben seiner Erkenntnisse preisgegeben. mehr

Essay

Migrationshintergrund und Zuwanderungsgeschichte

»Der Fremde, der bleibt« ist eine Denkfigur des Philosophen Georg Simmel aus dem Jahr 1908. Heute spricht man scheinbar neutral vom »Migrationshintergrund«. Was steckt hinter diesem Begriff? In ihrem Essay denkt Stefana Sabin über Einwanderung, Multikulturalität und das Hybride nach. mehr

Gespräch mit dem Philosophen Hermann Lübbe

»Die Nation ist eine Erbschaft der DDR«

Der 1926 geborene Philosoph Hermann Lübbe hat sich gründlich mit den Konditionen politischer Urteilskraft auseinandergesetzt, die weit über die einer unabhängigen Presse hinausreichen. Alexandru Bulucz sprach mit dem ideologiekritischen Denker über die unterschiedlichen Schulen deutscher politischer Philosophie, den Postsozialismus und die Zukunft des Nationalstaats. mehr

CD-Empfehlungen – Highlights der Oper

Fokus auf das Seltene

Dass die Zeit die zeitgenössischen Kunstwerke mit der Zeit in zu recht zu vergessende und in als Kulturgüter zu bewahrende sortiert, ist zu jeder Zeit unrecht, ungerecht und unter Qualitätskriterien unverantwortlich. Hans-Klaus Jungheinrich zieht musikalische Werke ans Licht, die die blinde und taube Zeit glaubte ignorieren zu müssen, diesmal Highlights der Oper Frankfurt und Jaromir Weinbergers »Wallenstein«. mehr

Zur Vorgeschichte der jüdischen Kontingentflüchtlinge

Verantwortung und Asylpolitik

In ihrer Studie betrachtet Ljudmila Belkin die Vorgeschichte der 1991 einsetzenden Einwanderung von etwa 200.000 Juden aus der ehemaligen Sowjetunion, der sogenannten »Kontingentflüchtlinge«, nach Deutschland. Die öffentliche Debatte über die postsowjetische jüdische Einwanderung rekonstruiert Belkin anhand der Begriffe »Verantwortung« und »Asylpolitik«. mehr

Schopenhauer als Lebensberater

Ein blauer Fleck am Himmel

»Jeder denke, dass sein innerster Kern etwas ist, das die Gegenwart enthält und mit sich herumträgt.«, schreibt der Privatgelehrte Arthur Schopenhauer in seinen Senilia-Notizen. Und das ist durchaus nicht die einzige Sentenz, die den Philosophen als Lebensberater tauglich macht. Otto A. Böhmer hat in den Altersweisheiten des großen Pessimisten auf die Botschaften geblickt. mehr

Europoesie

Musikalität und Gefahr

Es sind vor allem die kleinen Verlage, die sich um die Lyrik der Gegenwart kümmern. Darunter gibt es nicht wenige, die mit ihren zweisprachigen Ausgaben bewirken, womit sich die Politik schwertut: unsere Kenntnis der Eigenarten und Traditionen unserer nichtdeutschen Nachbarn, der kulturellen Differenz. Bernd Leukert stellt die russischen Dichter Dmitri Dragilew und Gleb Schulpjakow vor, die im hochroth Verlag erschienen sind. mehr

Georg Eisler in Salzburg

Ein politischer Künstler

Der österreichische Künstler Georg Eisler (1928-1998) hielt unbeirrt an einer eigenen Auffassung von Realismus fest, als die Anhänger des Informel und die Vertreter der Wiener Schule des Phantastischen Realismus um die Vorherrschaft kämpften. Nun widmet ihm das Museum der Moderne in Salzburg eine umfangreiche Ausstellung, und Thomas Rothschild hat sie besucht. mehr

Neue Blicke auf Mendelssohn Bartholdy

Tatzenhiebe des Wunderkindes

Ein Komponist aus jüdischer Familie konvertiert zum Protestantismus und beschenkt die evangelische Gesellschaft mit herrlicher, kühn zwischen Vergangenheit und Zukunft entworfener Musik. Man soll nicht glauben, was das für Folgen für Felix Mendelssohn Bartholdy und sein Werk hatte. Hans-Klaus Jungheinrich berichtet von Peter Gülkes Mendelssohn-Monographie und der Einspielung sämtlicher Symphonien mit den Heidelberger Sinfonikern unter der Leitung von Thomas Fey. mehr

DER DICHTER FRIEDRICH HÖLDERLIN

Das unschuldigste aller Geschäfte

Die Gottesschau bewirkt, dass man danach nicht mehr ganz von dieser Welt ist. Der mystische Seitensprung entrückt und verrückt. Otto A. Böhmer hat sich in seinem Essay Leben und Werk Friedrich Hölderlins auf diese Verrücktheit hin angesehen und sie plausibel belegt. mehr

Der Hirnforscher Eric Kandel

Gedächtnis und Vertreibung

Eric Kandel, Jahrgang 1929, ist Nobelpreisträger und einer der bedeutendsten Neurobiologen und Gehirnforscher. 2008 hat die Dokumentarfilmerin Petra Seeger unter dem Titel »Auf der Suche nach dem Gedächtnis« ein Porträt von Eric Kandel gedreht, das nun als DVD erhältlich ist. Thomas Rothschild empfiehlt den Film. mehr

Architektinnen-Ausstellung in Frankfurt

»Ich muss drei Mal besser sein als jeder Mann!«

Als erste Frau wurde Elisabeth von Knobelsdorff zur Diplomprüfung im Fach Architektur zugelassen. Das war im Jahre 1911. Was hat sich seitdem getan? Eine Ausstellung im Deutschen Architekturmuseum zeigt, wie Frauen den Architekturberuf eroberten und welchen Schwierigkeiten sie sich zu stellen hatten. Isa Bickmann sieht in Schau und begleitender Publikation einen wichtigen Beitrag, auf die bis heute fehlende Sichtbarkeit von Architektinnen aufmerksam zu machen. mehr

100 Jahre Heinrich Böll

»Polen, ein Blumenbeet der Freiheit«

Heinrich Böll wäre am 21. Dezember 2017 einhundert Jahre alt geworden: »sto lat«. Das runde Jubiläum, das im polnischen Geburtstagslied gefeiert wird als guter Wunsch und fröhliche Verheißung, ist beim Literaturnobelpreisträger Anlass für vielfältige Würdigungen. In seinem Essay widmet sich Bruno Arich-Gerz Heinrich Bölls schriftstellerischen und publizistischen Bezugnahmen auf Polen. mehr

DIE GEDICHTE DOROTHY PARKERS

Liebe ist für die Unglücklichen

Dorothy Parker, die Ikone der New Yorker Literaturszene, hatte enormen Erfolg mit ihren Gedichten. Diese Gedichte aber waren Ergebnis der erfolglosen Seite ihres Lebens, der Suche nach dem Glück. Bernd Leukert hat ihr poetisches Werk in der zweisprachigen Ausgabe gelesen. mehr

Arthur Millers »Alle meine Söhne«

Arme Würstchen im leeren Raum

Der neue Intendant Anselm Weber hat aus Bochum fast das halbe Ensemble nach Frankfurt mitgebracht, dazu Teile seines Stabs und einige fertige Inszenierungen. Auch die jüngste Premiere von Arthur Millers Klassiker »Alle meine Söhne« ist eine Übernahme aus Bochum. Der Ansatz der Inszenierung, die Handlung zu enthistorisieren, ist problematisch, meint Martin Lüdke. mehr

RENATE-CHOTJEWITZ-HÄFNER-FÖRDERPREIS 2017

Eine Sprachmacht

Mit dem Renate-Chotjewitz-Häfner-Förderpreis 2017 wurde Ingrid Mylo ausgezeichnet. Die Frankfurterin, die beim legendären Theater am Turm arbeitete und im »Strandgut« und »Pflasterstrand« publizierte, lebt seit 1992 in Kassel. Die Laudatio, die Faust-Kultur dokumentiert, hielt die Kulturwissenschaftlerin Hazel Rosenstrauch. mehr

Vortrag zur deutschen Geschichte in Japan

Die Gegenwart der Vergangenheit

Es gibt Staaten, die ihre Genozide und Kriegsverbrechen als heroische Großtaten feiern. Die meisten allerdings verschweigen sie nachhaltig. Helmut Ortner blickt auf die mühsamen Anfänge der Aufklärung in der Nachkriegszeit. In einem Vortrag zur Jahrestagung einer großen japanischen Juristenvereinigung erzählt er von der gelegentlich schmerzhaften Auseinandersetzung mit der deutschen Vergangenheit. mehr

75. Geburtstag von Peter Handke

»Dieses Buch wird seine Leser finden«

Nüchtern betrachtet findet nicht das Buch seinen Leser, sondern der Leser sein Buch, – wenn er Glück hat. Dass der Verleger Siegfried Unseld das Buch den Leser finden lassen wollte, hat den Schriftsteller Peter Handke nachhaltig verstört. Raimund Fellinger bringt in seiner Klagenfurter Einlassung diese und andere Empfindlichkeiten zur Sprache. mehr

Ausstellung Pluriversum in Essen

Denken mit allen Sinnen

Das Essener Museum Folkwang widmet dem Filmemacher und Schriftsteller Alexander Kluge eine üppige Ausstellung, die um sein multimediales Schaffen kreist. Es treffen aufeinander: das Museum mit seinen Jahrhundertschätzen und Kluge mit seinen Montagen aus Film, Literatur und Philosophie. Harry Oberländer hat die Ausstellung besucht. mehr

Yello-Tourstart

Oh Yeah!

In der Frankfurter Festhalle startete die Tour der Band YELLO, der danach Auftritte in Zürich, Hamburg, München, Wien, Stuttgart und Köln folgen werden. Die Pioniere des Elektro-Pop haben im fortgeschrittenen Alter ihre Bühnenängste abgelegt und – mit Ausnahme in New York 1983 – noch nie gemeinsam auf der Bühne gestanden. Isa Bickmann war Zeugin ihres Frankfurter Auftritts. mehr

200. Geburtstag des Malers Carl Engel v.d. Rabenau

Ein hessischer Maler im Biedermeier

Carl Engel (1817-1870) zählt zu den weitgehend vergessenen Malern. Vielleicht weil er dem Biedermeier zugeordnet wird, oder weil er als Heimatmaler gilt. Eine wissenschaftliche Neubewertung und Würdigung seines Werks wäre lohnens- und wünschenswert. Dagmar Klein nimmt Engels 200. Geburtstag zum Anlass, an ihn zu erinnern. mehr

Eva Novak im Gespräch mit Bodo Kirchhoff

Fast etwas Altertümliches

»Widerfahrnis«, Bodo Kirchhoffs Geschichte zweier betagter Menschen, die sich nach ihrem glücklosen Berufsleben kennenlernen, der Sonne entgegenfahren und im Abenteuer landen, ist ins Tschechische übersetzt worden. Aus diesem Anlass spricht Eva Novak mit dem Autor über die Entstehung seiner Bücher, die tschechische Kultur und Übersetzungen als Einbahnstraße. mehr

Wiener Kaffeehaus

Ein Treffpunkt der Zufälligkeiten

Das Wiener Kaffeehaus ist eine Institution. Es ist nicht das Wohnzimmer, dort ist man nicht zu Hause, sondern oft bei der Denk- und Schreibarbeit. Das kürzlich erschienene Buch »Im Kaffeehaus« von Sepp Dreissinger enthält seine Porträtfotografien und 35 Gespräche mit den Protagonisten des Wiener Kulturlebens. Elvira M. Gross empfiehlt den Band. mehr

Gespräch mit der Liberaturpreisträgerin Fariba Vafi

Frauen treten hervor

Fariba Vafi zählt zu den wichtigsten Schriftstellerinnen des Iran. In ihren Romanen beschreibt sie Menschen, die es zum Aufbruch drängt. Für ihren 2015 von Jutta Himmelreich übersetzten Roman »Tarlan« wurde sie mit dem LiBeraturpreis 2017 ausgezeichnet. In diesem Buch zeigt sie eine junge Frau, der es gelingt, ihr Schicksal zu wenden. Auf welche Weise dies möglich ist, erzählt Fariba Vafi im Gespräch mit Andrea Pollmeier. mehr

Glanz und Elend in der Weimarer Republik

Bilder einer fragilen Demokratie

Die Frankfurter Ausstellung »Glanz und Elend in der Weimarer Republik« beleuchtet die veristisch-gesellschaftskritische Strömung der »Neuen Sachlichkeit« mit einer Fülle von rund 190 Werken – und einem eindrucksvollen Anteil von weiblicher Hand. Es gibt wohl kaum einen besseren Zeitpunkt, diese Ausstellung zu zeigen, meint Isa Bickmann. mehr

Essay: »Sie können aber gut Deutsch!«

Probleme (mit) der deutschen Sprache

Das Beherrschen der deutschen Sprache, so heißt es, sei die Voraussetzung für gelingende Integration. Wie funktioniert das im Alltag? Wenn man nicht perfekt oder schlecht oder mit Akzent Deutsch spricht, ist man dann ein schlechterer Mensch? In ihrem Essay plädiert die Schriftstellerin Lena Gorelik für mehr Offenheit und Geduld gegenüber Menschen, deren Muttersprache nicht Deutsch ist. mehr

Henning Burk: Hitler, Braunau und ich

Ein Buch der Aufklärung

In Braunau am Inn wurde genau fünf Monate nach dem Tod Adolf Hitlers der Autor und Regisseur Henning Burk geboren, dessen Urgroßmutter bei den Hitlers Haushälterin und möglicherweise des Diktators Hebamme war. Burk fragt: Kann man eigene Schuldlosigkeit ertragen? – Boris von Brauchitsch, Kunsthistoriker, Fotograf und Schriftsteller, bespricht Burks Buch »Hitler, Braunau und ich«. mehr

Jazz – Out of Land

So streifen junge Kater

Wenn vier Musiker zueinander finden, die zuvor schon Meister ihrer instrumentalen oder vokalen Disziplin waren, und dennoch ihr Können einem gemeinsamen Wagnis öffnen, wie der Sänger Andreas Schaerer, der Saxophonist Emile Parisien, der Pianist Michael Wollny und der Akkordeonist Vincent Peirani auf ihrer balladesken CD »Out of Land«, dann inspiriert, das heißt, begeistert das nicht nur Alban Nikolai Herbst. mehr

Essay: Über das Weltfremde in uns

Die Schöpfung ist kein Werk der Liebe

Diejenigen, die von der Schöpfung an den Rand gedrängt wurden, oder schlichter: die, die nicht in das Denken und Meinen der Mehrheit passen und deshalb zu Weltfremden werden, hat der Philosoph Peter Strasser zum Thema seines Buches »Idioten des Absoluten« gemacht. Hier ist ein Auszug. mehr

AUSSTELLUNGEN ZUM REFORMATIONSJUBILÄUM

Der Hammer

Die Legende mit dem Hammer an der Schlosskirche zu Wittenberg war sicher wirkungsmächtiger als jede historische Wahrheit. Martin Luthers Vorschläge »wider das Ablas« aber war eine Anzeige wegen kirchlichen Betrugs. Drei nationale Ausstellungen zum Reformationsjubiläum hat Harry Oberländer besucht und Bedenkenswertes gesehen. mehr

Franz Grillparzer – Selbstbiographie

Ein stiller Rebell

Dass Franz Grillparzer mit Beethoven verkehrte, selbst auch komponierte, ist hinter dem Bild verschwunden, das wir von ihm als Dramatiker haben, nicht aber, dass wir sein Drama »König Ottokars Glück und Ende« der Kaiserin verdanken. Gudrun Braunsperger erzählt, was die eben erschienene Selbstbiographie Grillparzers offenbart. mehr

ZEITSCHRIFT NEUE LITERATUR

»Das Land ist vertrieben, wir sind geblieben«

Die Literaturzeitschrift »Die Wiederholung« hat ihre vierte Ausgabe dem Werk des Lyrikers Werner Söllner gewidmet. Faust-Kultur stellt einige Textbeiträge vor und beginnt mit einem Stück deutsch-rumänischer Literaturgeschichte: Michael Gratz erinnert an die zwischen 1949 und 1995 in Rumänien erschienene deutschsprachige Zeitschrift »Neue Literatur«, in der nicht nur rumäniendeutsche, sondern auch deutsche Autoren veröffentlicht haben. mehr

THEATER: Rose Bernd in Frankfurt

Das Leben ist kein Kinderspiel

Anselm Weber, neuer Intendant des Frankfurter Schauspiels, brachte einiges aus Bochum mit: Schauspieler, Regisseure, Inszenierungen. Mit Shakespeare, Büchner und Hauptmann hat er ein klassisches Programm mit sensiblen Eingriffen in die Gegenwart vorgelegt. Nun hatte Gerhart Hauptmanns »Rose Bernd« in Frankfurt Premiere – eine atemberaubende Inszenierung, meint Martin Lüdke. mehr

Ausstellung: I AM A PROBLEM

Wurmbefall im Museum

Der Theaterregisseur Ersan Mondtag hat im MMK 2, einer Dependance des Frankfurter Museums für Moderne Kunst, die Ausstellung »I AM A PROBLEM« inszeniert. Großes Thema der Ausstellung ist unser Umgang mit der eigenen Vergänglichkeit sowie den Schattenseiten der Selbstoptimierung. Ellen Wagner hat die buchstäblich laute Schau besucht. mehr

Lüdkes liederliche Liste: Baudelaires „Die Blumen des Bösen“

Sie blühen dauerhaft

1857 erschien die erste Ausgabe von Charles Baudelaires »Die Blumen des Bösen« / »Les Fleurs du Mal«. Sie umfasste exakt hundert Gedichte. Nur wenig später wurden sechs Gedichte verboten. Simon Werle hat zum 150. Todestag Baudelaires »Die Blumen des Bösen« neu ins Deutsche übersetzt. Martin Lüdke empfiehlt den Band. mehr

Benjamin Britten: Peter Grimes

Der Außenseiter

Seit Henry Purcells Tod 1695 hatte kein Engländer ein nennenswertes Opernwerk komponiert. Erst 250 Jahre später sollte sich das mit der Uraufführung von Benjamin Brittens »Peter Grimes« ändern. Diese Oper verhalf dem Komponisten schlagartig zu Weltruhm und hatte nun Premiere in Frankfurt. Zeitlos realistisch inszeniert von Keith Warner und ergreifend musiziert unter der Leitung von Generalmusikdirektor Sebastian Weigle – ein Muss für jeden Opernfreund, meint Andrea Richter. mehr

Tom Malmquist: In jedem Augenblick unseres Lebens

Das Leid annehmen

Von einer Prüfung, die über Verlust und Trauer in ein neues Leben führt, berichtet der Debütroman des 1978 geborenen schwedischen Autors Tom Malmquist. Erzählt wird die Geschichte von Karin und Tom, die als Liebesgeschichte nicht ins Glück, sondern in den Tod führt. »In jedem Augenblick unseres Lebens« ist ein bewegender Roman, meint Otto A. Böhmer. mehr

Markus Orths Roman „Max"

Rebell und Provokateur

Markus Orths hat einen Roman über das Leben von Max Ernst (1891-1976) geschrieben. Darin verfolgt Orths nicht nur die Lebensstationen des Künstlers zwischen Deutschland, Frankreich und den USA. Er folgt auch allen Verästelungen, die sich durch die Begegnungen mit dessen Lebens- und Liebesbegleiterinnen ergeben. Gudrun Braunsperger hat den Roman gelesen. mehr

Schuberts Winterreise in Frankfurt

»Fremd bin ich …«

Zum Saisonauftakt stellte die Alte Oper Frankfurt in diesem Jahr zwei Wochen lang die Winterreise von Franz Schubert (1797-1828) in den Mittelpunkt einer Veranstaltungsreihe, in der der Liederzyklus mit Beiträgen aus unterschiedlichen Gattungen, Genres, Epochen und Kulturräumen beleuchtet wurde. Viermal war Andrea Richter dabei und kam zu dem Ergebnis: je mehr Winterreise, desto interessanter. mehr

Volker Elis Pilgrims Hitler-Projekt

Die Formel vom Serienkiller

Dass sexuelle Enthaltsamkeit in Verbindung mit großer Machtfülle ein explosives Potential bergen kann, überrascht nicht. Dass die gefährliche Ladung im Fall Adolf Hitlers sich in den größten Massenmord entlud, wie Volker Elis Pilgrim in seiner gigantischen, sexualwissenschaftlichen Untersuchung »Hitler 1 und Hitler 2« nahelegt, verblüfft doch. Hans-Klaus Jungheinrich hat sich durch den ersten Band der auf vier Bände angelegten Studie gelesen. mehr

Documenta 14

Ende einer Ausstellung

Kunst und Geld ist kein schönes Thema, weil dabei entweder die Kunst bedroht oder verdinglicht wird. Dass nun am Ende der wichtigsten internationalen Kunstschau, der documenta, wieder die Finanzierungsdiskussion steht, ist nicht nur dem Kurator anzulasten. Was war denn das für eine Kunst? Vom Parthenon bis in die Katakomben hat Harry Oberländer die documenta abgeschritten und hier kommentiert. mehr

EUROPOESIE: ANNEKE BRASSINGA

Schimmernde Täublein

Der Tod des Vergil brachte die Lyrikerin Anneke Brassinga hervor: Als Übersetzerin von Hermann Brochs bekanntestem Roman beschloss sie, Gedichte zu schreiben. Eine Auswahl ihrer Gedichte sind wiederum für eine zweisprachige Ausgabe ins Deutsche übersetzt worden. Bernd Leukert hat sich in das Buch »Fata Morgana, dürste nach uns« und in die Übersetzungsprobleme versenkt. mehr

SKULPTUR PROJEKTE MÜNSTER

Zeit, Raum, Körper

Zum fünften Mal finden in Münster die Skulptur Projekte statt. Die 1977 gegen alle Widerstände erstmals initiierte Ausstellung dreidimensionaler Werke setzte von Anfang an auf Raumerfahrung und Wahrnehmung der Betrachter und Betrachterinnen. Ursula Grünenwald hat beim Besuch der aktuellen Ausgabe komplexe Handlungs- und Wahrnehmungsgefüge im Zusammenwirken von Körper, Raum und Zeit beobachtet. mehr

Porträt: Jose Eduardo Agualusa

Eine angolanische Perspektive

Seit bald dreißig Jahren schreibt der 1960 geborene José Eduardo Agualusa sein Angola – früher eine portugiesische Kolonie, heute Kleptokratie und Erdöl-Dorado, Kulturmetropole und vieles mehr – in die Weltliteratur ein. Jüngst ist sein Roman »Eine allgemeine Theorie des Vergessens« in deutscher Übersetzung erschienen. Michael Kegler stellt den Autor vor. mehr

200. Geburtstag von Theodor Storm

Du graue Stadt am Meer

Der kleine Häwelmann, die Regentrude, Immensee, Pole Poppenspäler und selbstverständlich der Schimmelreiter: Theodor Storm begleitete uns von der Kinderstube bis in die Schullektüre. Vor 200 Jahren ist er geboren und fasziniert bis heute. Otto A. Böhmer skizziert sein Leben. mehr

Gespräch mit dem Schriftsteller Gary Victor

Phantasien über Gut und Böse

In seinen Kriminalromanen rückt der haitianische Autor Gary Victor nah an die soziale Wirklichkeit des Karibikstaates heran. Kenntnisreich analysiert er dessen Wandel. Im Gespräch mit Andrea Pollmeier spricht Gary Victor über seine Rolle als Autor und postkoloniale Mechanismen im französischsprachigen Raum. mehr

Stefanie Sargnagel: Statusmeldungen

Ein kotiges Ungeheuer

Die österreichische Autorin Stefanie Sargnagel nimmt die Leser ihres neuen Buchs auf eine Gedankenreise mit, die während der Flüchtlingskrise im Juli 2015 beginnt und Anfang 2017 in Klagenfurt endet. In kurzen Sentenzen kommentiert Sargnagel ihre Umgebung und mischt ihre »Statusmeldungen« mit persönlichen Details. Riccarda Gleichauf hat das Buch gelesen. mehr

Erinnerung an John Ashbery

Gedankennetz ohne Boden

Einst gehörte John Ashbery zusammen mit Lawrence Ferlinghetti und Allen Ginsberg zu den einflussreichen Beat-Poeten der Neuen Welt. Nun ist der größte lebende US-amerikanische Dichter der Gegenwart 90-jährig gestorben. Bernd Leukert hat sich mit seinem letzten auf Deutsch erschienen Buch, dem Langgedicht »Flussbild/Flow Chart«, auseinandergesetzt. mehr

Wittgenstein und Heidegger

Solitäre der Philosophie

Zwei exemplarische Lebensgeschichten der Philosophie erzählt Manfred Geier in dem Buch »Wittgenstein und Heidegger«. In einer Art Doppelbiographie bringt es zwei Denker zusammen, die auf den ersten Blick nicht viel miteinander zu tun haben. Otto A. Böhmer hat das Buch gelesen und empfiehlt, genauer hinzuschauen. mehr

Die Philosophin Agnes Heller

Im Denken zu Hause

1929 in Budapest geboren, überlebte Ágnes Heller den Holocaust. Sie promovierte bei Georg Lukács, lehrte Soziologie und Philosophie in Melbourne, New York und Budapest. Zu sagen, was man denkt, diese Freiheit hat sich Ágnes Heller auch unter widrigen Umständen stets genommen. Gudrun Braunsperger stellt die Philosophin vor. mehr

Essay: Philosophie des Scheins

Schönheit zum Schaudern

Eine Utopie zu leben, ist unsinnig. Denn die Utopie ist der Nicht-Ort. Es mag aber geschehen, dass wir einer Gewissheit habhaft werden, die uns der Existenzsorgen enthebt. Was es mit diesem schönen Schein auf sich hat, schildert Otto A. Böhmer in seinem Essay. mehr

Nancy Hüngers neuer Gedichtband

Die Stille dazwischen

Nancy Hüngers Gedichte sind ausgefeilte Wortkompositionen, die oft schwerelos und improvisiert wirken. Wer sich ihnen widmet, nimmt teil an ihrer Sprachlust und der Melancholie, die das Komische und das Leidvolle zusammensieht. Bernd Leukert hat Hüngers neues Buch gelesen. mehr

Erinnerung an Eunice de Souza

»Sind das Gedichte?«

Als goanesisch-indische Autorin gehörte Eunice de Souza einer schmalen, als englischsprachige Lyrikerin einer noch schmaleren Minderheit an und wirkte doch allein durch Herkunft und Lebenssituation in ihren Gedichten reicher als indische Schriftsteller repräsentativer Majorität. Clair Lüdenbach erinnert an die kurz vor ihrem 77. Geburtstag verstorbene Dichterin. mehr

Karl Heinz Bohrer: Jetzt

Ganz der Alte

Der 1932 geborene Literaturwissenschaftler Karl Heinz Bohrer hat seine Autobiografie mit dem Titel »Jetzt. Geschichte meines Abenteuers mit der Phantasie« vorgelegt. Bohrer blickt unter anderem auf seine Anfänge bei der FAZ, spätere Auslandserfahrungen und seine Zeit an der Universität Bielefeld zurück. Otto A. Böhmer empfiehlt das Buch. mehr

Lüdkes liederliche Liste

Ein Bild von Marcel Proust

Im Deutschen Kunstverlag ist der reich bebilderte Essay »Marcel Proust« des Literaturkritikers Andreas Isenschmid erschienen. Er erzählt Prousts Leben und die Entstehung seines Werkes in sechs »Geschichten«. Isenschmid zeigt sich als intimer Kenner des gesamten Proust, meint Martin Lüdke. mehr

Documenta 14 in Kassel

Geschichte ohne Zukunft

Als Präsentation weltgeschichtlicher Verläufe und wiederkehrender Katastrophen mit den Mitteln der Kunst stellt sich die in Kassel und Athen stattfindende Documenta 14 dar. Im kuratorischen Konzept der Ausstellung vermisst Ursula Grünenwald einen Blick in die Zukunft. mehr

Essay von Gert Heidenreich

Zur Wahrheit der Fiktion

Sogenannte bildungsferne Menschen sagen uns gerne, dass die Erfahrungen des Lebens in keinem Buch zu finden sind. Das können sie logischerweise nicht wissen. Und sie haben unrecht. Der Schriftsteller Gert Heidenreich bemerkt in seinem Essay über Wahrheit und Fiktion, dass der Verzicht auf das Leseerlebnis zu einer Dummheit führt, die jede Lüge glaubt. mehr

Gespräch mit Boniface Mongo-Mboussa

Afrika begehren

Muepu Muamba und Cornelia Wilß sprachen anlässlich der Frankfurter Litprom-Literaturtage »Weltwandeln in französischer Sprache« mit dem 1962 in Kongo geborenen Literaturwissenschaftler Boniface Mongo-Mboussa über falsche Mythen und Metaphern, Geschichte und Gedächtnis, Paris, seine Eliten und warum es dort kein Haus für die Kulturen Afrikas gibt. mehr

Essay Von Alissa Maxman

Ein stiller Ort der Erinnerung

Wie verändert sich die Erinnerungskultur in unserer Einwanderungsgesellschaft? Dieser Frage widmet sich das Buch »Neues Judentum – altes Erinnern«. Es versammelt Stimmen junger jüdischer Intellektueller und Künstler sowie etablierter Wissenschaftler. In ihrem Essay denkt Alissa Maxman über ein angemessenes Gedenken an den Holocaust aus dem Blickwinkel ihrer Familiengeschichte nach. mehr

GESPRÄCH MIT DER ÜBERSETZERIN KARIN BETZ

Wie viel Chinesisches ist zumutbar?

Im Gefängnis arbeitete der chinesische Autor Liao Yiwu heimlich an seinem Roman »Die Wiedergeburt der Ameisen«. Jetzt, im Exil in Deutschland, hat er das Werk vollendet und mit Hilfe der Übersetzerin Karin Betz erstmals veröffentlicht. Wie viel Gedankenfreiheit in dem Werk bewahrt ist und welche Hürden es beim sprachlichen Transfer gab, erzählt Karin Betz im Gespräch mit Andrea Pollmeier. mehr

Michael Gielen zum 90. Geburtstag

Gegensatz und Verbindendes

Der Dirigent Michael Gielen, langjähriger Leiter des Sinfonieorchesters Baden-Baden, wird am 20. Juli 2017 neunzig Jahre alt. Die CD-Edition, mit der sich der SWR bei Michael Gielen bedankt, widmet sich in der fünften Box den Komponisten Béla Bartók und Igor Strawinsky. Thomas Rothschild hat sich die Aufnahmen angehört. mehr

EUROPOESIE: JOHN BURNSIDE

Haarlose Engel

John Burnside ist wohl der bekannteste Schriftsteller Schottlands. Eine Auswahl seiner Gedichte mit dem Titel »Anweisung für eine Himmelsbestattung« ist in einer englisch-deutschen Ausgabe erschienen, die dem Übersetzer Iain Galbraith wohl gelungen ist. Bernd Leukert stellt das Buch in der Reihe Europoesie vor. mehr

TODESSTRAFE, DIE GLOBALE REALITÄT

Zeit der Hoffnung?

Jahr für Jahr die gleiche Dramaturgie: Vorne sitzen die Sprecher von Amnesty International, in den Stuhlreihen die Journalisten und Medienvertreter. Sie alle erwartet eine nüchterne, mitunter deprimierende Pressekonferenz. Die Menschenrechtsorganisation legt in Berlin ihren Bericht über Todesurteile und Hinrichtungen vor. Helmut Ortner fasst die aktuellen Erkenntnisse zusammen. mehr

50. Todestag von Albertine Sarrazin (1937-1967)

Schreiben in Aufruhr

»Ich bin Diebin gewesen, ich will Schriftstellerin werden: jede andere Tätigkeit scheint mir indiskutabel«, sagte Albertine Sarrazin in einem Interview. Wie ernst sie das Schreiben nahm, beweisen ihre Bücher »Der Astragal«, »Kassiber« und »Stufen«, die einst als eine Art existentialistische Sensation galten. Zum 50. Todestag erinnert Ria Endres an das kurze Leben und Schreiben der Albertine Sarrazin. mehr

Zur materiellen Situation von Komponisten

Komponieren ist nicht genug

Nach Max Reger haben das Schwein und der Künstler gemeinsam, dass sie erst nach ihrem Tod geschätzt werden. Für beide Gattungen gelten natürlich auch Ausnahmen, selbst unter Komponisten soll es einige geben, die sich auch über Wertschätzung im materiellen Sinne nicht zu beklagen haben. Aber wie leben die anderen? Stefan Fricke beschreibt deren Situation. mehr

SAID ZUM 70. GEBURTSTAG

Im Niemandsland, vorläufig für immer

Das Werk des iranisch-deutschen Dichters SAID bewegt heute mehr denn je, findet Maryam Aras und gratuliert SAID zu seinem siebzigsten Geburtstag. In seiner Lyrik und seinen Essays reflektiert er beharrlich über das Leben im Exil, sein mal liebevolles, mal leidvolles Verhältnis zur deutschen Sprache, und zu seinem Europa, dessen Idealen er sich trotz der aktuellen Politik verbunden fühlt. SAID lebt und arbeitet seit 1965 in München. mehr

JUNGHEINRICHS CD-EMPFEHLUNGEN

Opern-Schmerzenskinder

Die Vergangenheit ist ein Moloch, der alles vernichtet, was nicht aufgeschrieben, aufgenommen und aufgehoben wird. Besonders flüchtig ist die Musik, selbst wenn ihre Notate, die Noten, weiter vorhanden sind. Unter den Wiederentdeckungen auf CD, die Hans-Klaus Jungheinrich ins Bewusstsein zieht, sind diesmal zwei Opern: Pfitzners »Rose vom Liebesgarten« und Martinus »Griechische Passion«. mehr

JAN WAGNER IM GESPRÄCH

Pure Sprachlust

Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung zeichnet Jan Wagner mit dem Georg-Büchner-Preis 2017 aus. Der Preis wird am 28. Oktober 2017 in Darmstadt verliehen. Im Gespräch mit Bernd Leukert gibt Jan Wagner Auskunft darüber, wie er zum Dichter wurde und warum es für ihn keinen Grund gibt, nicht Dichter zu sein. mehr

ESSAY von Lena Gorelik

Was ist Heimat?

Ein schwer zu fassender, umkämpfter Begriff hat derzeit wieder Konjunktur: Heimat. Ist Heimat ein Gefühl? Kann die (deutsche) Sprache Heimat sein? Oder ist vielmehr Europa unsere gemeinsame Heimat? Diesen Fragen spürt die 1981 in Sankt Petersburg geborene Schriftstellerin Lena Gorelik in ihrem Essay nach. mehr

Bulgakows »Meister und Margarita« in Mainz

In Moskau ist der Teufel los

Von 1928 bis zu seinem Tod, 1940, schrieb Michail Bulgakow an seinem Opus magnum »Der Meister und Margarita«. Erst Ende der sechziger Jahre konnte der Roman erscheinen. In der neuen deutschen Übersetzung von Alexander Nitzberg diente er als Vorlage für die jetzt in Mainz gespielte Inszenierung von Jan-Christoph Gockel. Martin Lüdke hat einen vor allem unterhaltsamen Theaterabend erlebt. mehr

Carolee Schneemann in Frankfurt

Körperräume

Das Frankfurter Museum für Moderne Kunst zeigt die Ausstellung »Kinetische Malerei«, die dem Schaffen der 1939 geborenen Carolee Schneemann gewidmet ist. In atemberaubend radikaler Weise befasst sich die US-amerikanische Künstlerin seit den frühen 1960er Jahren in Performances, Filmen, Installationen und Texten mit dem weiblichen Körper. Ursula Grünenwald hat die Ausstellung besucht. mehr

LiBeraturpreis 2017 an Fariba Vafi

Dem Exil entgegen

Die iranische Schriftstellerin Fariba Vafi erhält für ihren Roman »Tarlan« den LiBeraturpreis 2017. Der Publikumspreis, der als einziger deutscher Literaturpreis ausschließlich Autorinnen aus Afrika, Asien, Lateinamerika oder der arabischen Welt ehrt, zeichnet ein Buch aus, das sich mit dem Ende der Schah-Ära auseinandersetzt. Maryam Aras stellt die Autorin vor.

Theater-Festival in Hamburg, Teil 3

Kunst kann keine Wunder vollbringen

Das Hamburger Festival »Theater der Welt« neigt sich dem Ende zu. Thomas Rothschild sah dort eine szenische Adaption von Haydns »Schöpfung«, eine dilettantische Aufführung des niederländische Kollektivs Wunderbaum sowie mit »Sanctuary« und »Burning Doors« zwei erschütternde, politische Inszenierungen. mehr

Dresdner Musikfestspiele 2017

Musikstadt im Licht

Auf Anweisung des Zentralkomitees der SED und des Ministerrates der DDR hatten, beginnend mit dem Jahr 1978, in Dresden als jährlich durchzuführendes Musikfestspiel internationalen Ranges die Dresdner Musikfestspiele stattzufinden. Sie finden bis heute statt. Hans-Klaus Jungheinrich hat sie besucht und zieht Vergleiche. mehr

Daniel Schreiber: Zuhause

Wo geht es nach Hause?

In seinem neuen Buch erzählt der Kunstkritiker und Essayist Daniel Schreiber von der Suche nach einem Zuhause. Schreiber changiert dabei zwischen autobiografisch gefärbten Betrachtungen und Paraphrasen aus Philosophie, Soziologie und Psychoanalyse. »Zuhause« ist eine angenehme, nur selten schwergewichtige Lektüre, meint Eugen El. mehr

Theater der Welt 2017 in Hamburg

Hyperrealismus und Revue

Thomas Rothschild berichtet vom Hamburger Festival »Theater der Welt«. Er wohnte dort unter anderem einer arabischen Interpretation des mittelalterlichen Rolandslieds bei, sah eine revueartige Inszenierung von Jules Vernes »In 80 Tagen um die Welt« und erlebte den Hyperrealismus des Konversationsstücks »The Gabriels«. mehr

ABSTRAKTE KUNST DER 1950ER JAHRE

Radikaler Neuanfang

Im Frankfurter Museum Giersch ist noch bis zum 9. Juli 2017 eine Ausstellung zu sehen, die unter dem Titel »Ersehnte Freiheit. Abstraktion in den 1950er Jahren« einen »neuen Blick« auf die wichtige Kunstströmung nach dem Zweiten Weltkrieg werfen will. Ob sie das wirklich einlöst, berichtet Isa Bickmann. mehr

Kunstbiennale in Venedig 2017

Die Folgen der Erschöpfung

Alle zwei Jahre trifft sich die Kunstwelt in Venedig zur Biennale. In den Giardini, dem Arsenale sowie im gesamten Stadtgebiet sind diesmal 86 Länderpavillons zu sehen, überdies die von Christine Macel kuratierte Hauptausstellung »Viva Arte Viva«. Thomas Rothschild begegnete in Venedig erschöpften lebenden Kunstwerken, teils Sehenswertem, teils Redundantem. mehr

Jungheinrichs CD-Empfehlungen

Autoritäten

Das gilt für die katholische Messe und das Konzert: Dass auch Rituale stets neu belebt werden müssen, um nicht für alle Beteiligten sinn- und wertlos zu werden, verdeutlicht Hans-Klaus Jungheinrich in seiner CD-Revue, die diesmal von Cage über Bach, Purcell bis zu Mozart reicht und darüber hinaus die Funktion der Konzertzugaben reflektiert. mehr

Zum 10. Todestag von Hans Wollschläger

Doppelte Heimkehr

Bekannt wurde der Schriftsteller, Publizist und Übersetzer Hans Wollschläger zunächst mit seiner Neuübersetzung des Romans »Ulysses«. Erst 1982 erschien sein Opus magnum, »Herzgewächse oder Der Fall Adams«. Anlässlich des 10. Todestages von Hans Wollschläger wandelt Sieglinde Oehrlein durch ihre Heimatstadt Bamberg, in der die »Herzgewächse« entstanden. mehr

Oper: La Traviata in Venedig

Es regnet Geldscheine

Das veneziansiche Teatro La Fenice hat die Inszenierung der Verdi-Oper »La Traviata« von Robert Carsen aus dem Jahr 2004 wiederaufgenommen. So stimmig, so am rechten Ort ist einem das herzergreifende Melodram, sind einem die vertrauten Melodien noch nie erschienen, meint Thomas Rothschild. mehr

Italienisch und Deutsch

Gedichte von Laura Garavaglia

Laura Garavaglia sieht einen wirksamen Zusammenhang zwischen Lyrik und Naturwissenschaften. Die italienische Dichterin, die in Como die ›Casa della poesia‹ leitet, hat diese Thematik in ihren Büchern immer wieder berührt. Ihr letzter Band, »Numeri e Stelle«, besteht aus poetischen Portraits namhafter Wissenschaftler. Hier sind einige davon. mehr

Steven Millhauser: Zaubernacht

Novellenwunder

Sie wurde missdeutet, missverstanden, missbraucht, geschmäht, verdammt und ist wohl dennoch nicht zu tilgen: Die Romantik lebt – von der Romantik. Der amerikanische Schriftsteller Steven Millhauser hat in seiner Novelle »Zaubernacht« literarische Figuren dieser Epoche für eine gemeinsame Handlung versammelt, und Alban Nikolai Herbst findet sie wunderbar. mehr

Martin-Luther-Biografien

Fünf Neuformen eines Reformators

Deutschland feiert 2017 das Reformationsjubiläum: Martin Luthers Thesenanschlag an der Schlosskirche zu Wittenberg jährt sich zum 500. Mal. Hans-Klaus Jungheinrich hat aus diesem Anlass fünf neue, groß angelegte Martin-Luther-Biografien sowie einige kleinere, nicht zu unterschätzende Schriften gelesen und ausgewertet. mehr

Philipp Mosetter: Die Einladung

Ein erträgliches Unheil

Ein Mann, der eigentlich nie Geburtstag feiert, lässt sich dazu hinreißen, Freunde einzuladen, um seinen Geburtstag zum ersten Mal mit ihnen zu begehen. Philipp Mosetter erzählt von Begegnungen, die besser hätten vermieden werden sollen. »Die Einladung« ist ein witziges, auch wehmütig stimmendes Buch, meint Otto A. Böhmer. mehr

Kaprow-Ausstellung in Esslingen

Vor dem Happening

Der Künstler Allan Kaprow (1927-2006) gilt als Erfinder und einer der bedeutendsten Repräsentanten des Happenings. Bevor er diese folgenreiche Kunstform mitbegründet hat, versuchte er sich als Maler. Nun zeigt die Esslinger Villa Merkel eine Werkschau von Bildern Allan Kaprows aus den Jahren 1946 bis 1957. Thomas Rothschild hat die Ausstellung besucht. mehr

Interview mit Heiner Blum

»Eine wahnsinnig glückliche Fügung«

»Offenbach ist ganz okay«, hieß es 2016 im Deutschen Pavillon auf der Architekturbiennale in Venedig. Die Kuratoren stellten Offenbach als beispielhafte »Arrival City« vor, die Neuankömmlingen gute Voraussetzungen für eine gelingende Integration bietet. Über eine Stadt im Wandel hat Eugen El mit Heiner Blum, Künstler und Professor an der Hochschule für Gestaltung Offenbach, gesprochen. mehr

Werke von Richard Strauss

Großes Behagen, große Trauer

Man hat sicher vergessen, dass Richard Strauss Ende des 19. Jahrhunderts als Avantgardist galt. Das poetische Programm seiner Musik nutzte er zur Formbildung, nicht aber, um »gewisse Vorgänge des Lebens« zu beschreiben.Hans-Klaus Jungheinrich* offenbart nun anlässlich einer Neuveröffentlichung der Metamorphosen und der Sinfonia domestica auf CD, wie indiskret diese Musik dennoch von den ›Vorgängen‹ plaudert. mehr

Gedichte von Andre Ughetto

Wolkengebäude

Was wissen wir von unseren Nachbarn? Etwa von der zeitgenössischen Dichtung in Frankreich? Beim letzten ›Festival della Poesia Europea‹ in Frankfurt machte der südfranzösischer Dichter André Ughetto auf sich aufmerksam, dessen anspruchsvolle Verse hier im Orginal und der deutschen Übersetzung vorgestellt werden. mehr

Feridun Zaimoglus Luther-Roman

Das kalte Feuer in Luthers Träumen

Feridun Zaimoglus Roman »Evangelio« handelt von Martin Luthers Aufenthalt auf der Wartburg in den Jahren 1521/22. Der Autor hat sich durch die Sprache des 16. Jahrhunderts gearbeitet, deren drastische Formulierungen und deren Grobianismus durch Überlieferung verbürgt ist. Harry Oberländer hat Zaimoglus Luther-Roman gelesen. mehr

Gisela von Wysocki, Wiesengrund

»Die Wirklichkeit legt eine Atempause ein«

Gisela von Wysockis Roman »Wiesengrund« handelt von einem Philosophen, den man zu kennen meint: Theodor W. Adorno. Die Autorin erzählt aus der Sicht einer zu Beginn des Romans siebzehn Jahre jungen, in Salzburg beheimateten Frau. »Wiesengrund« ist ein großartiger Roman, den zu lesen nur hartgesottenen Adorniten Missvergnügen bereiten dürfte, meint Otto A. Böhmer. mehr

Die Künstlerin Charlotte Salomon

»Ich habe genug von dieser Zeit.«

Auf der Flucht vor den Nazis erzählte die Berliner Künstlerin Charlotte Salomon die Geschichte ihres Lebens in Bildern und Texten, die das Ästhetische durch das Dokumentarische aushebeln. »Leben? oder Theater?« ist der Titel ihrer gemalten Autobiografie. Stefana Sabin erinnert an Charlotte Salomon, die am 16. April 1917, vor genau 100 Jahren, geboren wurde. mehr

ESSAY: WAS IST HEIMAT?

Im Camp der Bestmöglichangekommenen

Seine Eltern kamen 1994 mit wenig Gepäck, einem Hund und einer Katze nach Deutschland. Der Autor Dmitrij Kapitelman, 1986 in Kiew geboren, verortet sich und andere Zugezogene aus den Nachfolgestaaten der Sowjetunion heute in einem »Camp der Bestmöglichangekommenen«. In seinem Essay denkt Kapitelman über Heimat, Identität und Loyalität nach. mehr

30. Todestag von Primo Levi

»Damit niemand vergessen kann.«

Er wollte verstehen, wie Auschwitz passieren konnte, sagte der italienische Schriftsteller Primo Levi, der das Konzentrationslager überlebt hatte. Als er am 11. April 1987 in Turin starb, hinterließ er ein literarisches Werk, das in seiner stilistischen und psychologischen Nüchternheit der Moderne angehört. Stefana Sabin erinnert an Primo Levi. mehr

Raoul Schrott: Erste Erde Epos

Eine allumfassende Reise

Dass man Wissen auch zu Poesie, ja zu einem einzigen großen Weltgedicht machen kann, führt der österreichische Schriftsteller Raoul Schrott vor. Mit seinem monumentalen Buch »Erste Erde Epos« erzählt er die Geschichte der Menschwerdung unseres Wissens als Langgedicht. Otto A. Böhmer hat das wuchtige und Geduld erfordernde Werk gelesen. mehr

AUSSTELLUNG: Sechs Positionen zeitgenössischer Kunst

Vielstimmigkeit und Präsenz

Der Frankfurter Kunstverein zeigt eine Gruppenausstellung junger aufstrebender Künstler aus der Städelschule und der Hochschule für Gestaltung Offenbach. Die Kuratorinnen von »Things I Think I Want« verzichten auf griffige Thesen und bieten den sechs Positionen Raum zur Entfaltung. Eugen El hat sich die Ausstellung angesehen. mehr

Ed Atkins in Frankfurt

White Screen Virus

Der 1982 geborene Künstler Ed Atkins zeigt im Frankfurter Museum für Moderne Kunst zwei aufwendige Videoinstallationen. Ellen Wagner erlebte in der Ausstellung surreale Momente und brutal-poetischen Humor. In Atkins' Arbeiten entdeckte sie versteckte Bezüge zu Loriot und Salvador Dalí. mehr

Russische Geschichte: GESPRÄCH MIT VOUGAR ASLANOV

»Aus dem Funken wird das Feuer entflammen«

Im Herbst 2017 jährt sich die russische Oktoberrevolution zum 100. Mal. Im selben Jahr erscheint auch Vougar Aslanovs historischer Roman »Dekabristen«. Der Autor zieht im Gespräch mit Hansgeorg Marquard eine Verbindung zwischen dem Aufstand in Sankt Petersburg im Dezember 1825, den man wegen des Monats des Ereignisses als Dekabristenaufstand bezeichnet, und der Oktoberrevolution. mehr

Händel-Oper »Ariodante«

Die ganze Welt ist Bühne

Die Handlung der 1735 entstandenen Händel-Oper »Ariodante« beruht auf einer Episode aus Ariosts »Rasendem Roland«. In Stuttgart machen Jossi Wieler und Sergio Morabito aus der Geschichte über ein Rollenspiel eine Reflexion über die Schauspielkunst. In den Premierenapplaus mischten sich diesmal auch Buhrufe, berichtet Thomas Rothschild. mehr

Peter Sloterdijk: Das Schelling-Projekt

Die gelehrte Sau rauslassen

Der Philosoph Peter Sloterdijk hat, ungeachtet diverser anderer Projekte, die bedient werden wollten, der Literatur einen Besuch abgestattet. Ein Roman mit dem leicht verrätselten Titel »Das Schelling-Projekt« ist entstanden. Otto A. Böhmer hat Sloterdijks Buch gelesen und fand darin wenig Lobenswertes. mehr

Premierenkritik: Becketts „Glückliche Tage"

Ganz großes Theater

Samuel Becketts »Glückliche Tage« sind ganz großes Theater. Nun hat Armin Petras das Stück am Schauspiel Stuttgart inszeniert. Bei der Premiere durfte er sich den durch kein einziges Buh getrübten Applaus mit den Schauspielern teilen, ohne sich verleugnen zu müssen, berichtet Thomas Rothschild. mehr

Luther-Jahr

Ein Silberlöffel und seine Botschaft

Ein 1525 entstandener Löffel aus dem ehemaligen Besitz von Martin Luther, der auf der Wartburg zu sehen ist, hat Detlef zum Winkels Aufmerksamkeit erregt. Er stolperte über die auf dem Löffel eingravierten Sätze. Denn dort geht Luther an die Fundamente des Christentums. mehr

Europoesie: Giorgio Caproni

In die Mutter verliebt

Giorgio Capronis Gedichtband »Il seme del piangere / Die Saat des Weinens« aus dem Jahr 1959 ist, zum ersten Mal vollständig übersetzt, in einer zweisprachigen Ausgabe erschienen. Im umfangreichen Werk des großen, illusionslosen Lakonikers fällt dieses Buch mit einem anderen Ton auf. Denn es enthält die Livorneser Gedichte. Ein Beitrag aus der Reihe »Europoesie« von Bernd Leukert. mehr

Pawel Salzman: Die Welpen

Eine Welt der Unmenschlichkeit

Pawel Salzmans Romanfragment »Die Welpen« erschien 2012 im russischen Original, im Jahr des 100. Geburtstags des Autors. Der 1985 verstorbene Künstler und Schriftsteller hatte von 1932 an jahrzehntelang an dem Roman gearbeitet. Salzman dokumentiert die Düsternis einer von Revolution, Bürgerkrieg, Not und Entbehrung geprägten Epoche. Gudrun Braunsperger hat das Buch gelesen. mehr

Lessing-Preis 2017 an den Dichter Kurt Drawert

Die Aufklärung der Aufklärung

Der Lyriker, Dramatiker und Essayist Kurt Drawert wurde kürzlich mit dem Lessing-Preis des Freistaates Sachsen ausgezeichnet. In seiner Preisrede beklagt Drawert den Verfall der Sprache und die Marginalisierung der Ideale der Aufklärung im »postfaktischen« Zeitalter. Faust-Kultur veröffentlicht die Rede, die Kurt Drawert am 21. Januar 2017 in Kamenz hielt. mehr

Die Michael Gielen Edition Vol. 4

Romantische Überraschungen

Der Dirigent Michael Gielen wuchs in Gesellschaft klangvoller Namen auf. Der Vater war der Wiener Schauspieler und Regisseur Josef Gielen, die Mutter die Schauspielerin Rosa Steuermann, Schwester Salka Viertels, Eduard und Zygmunt Steuermanns. 1940 emigrierte die Familie nach Argentinien. Hans-Klaus Jungheinrich beschreibt anhand der 4. Ausgabe der Gielen-Edition die profilierte Position des »antitraditionalistischen« Dirigenten. mehr

Der Fall Claus-Peter Volkmann alias Peter Grubbe

Vom Nazi-Beamten zum »Stern«-Reporter

Nach 1945 stand er auf einer alliierten Liste gesuchter Kriegsverbrecher. Während der Nazijahre hatte Claus Peter Volkmann die Laufbahn des Verwaltungsjuristen im besetzten Polen eingeschlagen. Unter dem Namen Peter Grubbe brachte es Volkmann in den Nachkriegsjahrzehnten zum sogenannten ›linksliberalen‹ Reporter beim »Stern». Johannes Winter rekonstruiert Volkmanns Lebensweg. mehr

EUROPOESIE: GIOVANNI GIOVIANO PONTANO

Die Versuchung der Akademiker

Die Römer machten das Lateinische zur lingua franca in Europa, die Einwanderer das Englische in Amerika. Europa heute mit seiner Sprachenvielfalt braucht Übersetzung. Und nirgendwo tritt die Unmöglichkeit, aber auch der Reichtum der Verständigungsmöglichkeiten zutage, wie in zweisprachigen Gedichtbänden, die unter der Rubrik »Europoesie« besprochen werden. Bernd Leukert beginnt mit Giovanni Pontanos »Baiae«, – mit lateinischen Elfsilblern! mehr

GESPRÄCH MIT DEM SCHRIFTSTELLER BOUALEM SANSAL

Die Sprache – ein Palimpsest?

Auf den Frankfurter Litprom-Literaturtagen waren französisch schreibende Autoren eingeladen. Dort nahm u.a. auch der algerische Schriftsteller und Friedenspreisträger Boualem Sansal teil. Petra Kammann wollte von Sansal erfahren, warum er Französisch schreibt und welche Bedeutung die Sprache für ihn selbst hat wie auch für den Maghreb und insbesondere Algerien. mehr

Gespräch mit dem kamerunischen Rapper Hobskur

»Hör auf zu schießen!«

Aktuell entwickelt der kamerunische Hip Hop-Künstler Hobskur mit anderen Musikern in Berlin sein Musikprojekt gegen Gewalt weiter und nimmt die Auswirkungen des europäischen Neokolonialismus auf die Gesellschaften Afrikas kritisch in den Blick. Cornelia Wilß sprach mit Hobskur über Hip Hop als Jugendkultur, Musik als politische Emanzipation, Repression und Aufbruch in Kamerun, Neokolonialismus und afrikanische Selbstbestimmung (deutsch und französisch). mehr

Gespräch mit dem Dichter Werner Söllner

Der Tod ist okay

Der Dichter Werner Söllner hat mit seinem in der Edition Faust erschienenen Band »Knochenmusik« große Resonanz ausgelöst. Anlässlich seines 65. Geburtstags hat Alexandru Bulucz ein sehr persönliches Gespräch mit ihm geführt. Es geht darin um Dichtung und Klarheit, die letzten Dinge und Hunde. mehr

André Hellers »Buch vom Süden«

Feine Sehnsuchtsmischung

André Hellers neuer Roman erzählt von Julian, einem »fleißigen Taugenichts« im Nachkriegsösterreich, den es in den Süden zieht. Peter Strasser hat »Das Buch vom Süden« kritisch gelesen, nicht ohne die Kultur der Heller-Claqueure zu würdigen. Das Buch hat sich, laut Verlagsangabe, bereits mehr als fünfundsiebzigtausendmal verkauft. mehr

Der Maler Felix Nussbaum

Ein Ausdruck der Zeit

Das Leben des deutsch-jüdischen Malers Felix Nussbaum (1904-1944) ist vor allem eine Geschichte von Flucht, Verfolgung und Krieg. Der belgische Journalist und Autor Mark Schaevers erzählt sie in dem nun auf Deutsch vorliegenden Band »Orgelmann«. Eugen El hat das Buch gelesen und erinnert an das Leben und das künstlerische Werk Nussbaums. mehr

GEDICHTE VON THOMAS BERNHARD UND ZBIGNIEW HERBERT

Zuweilen bissig

Tatsächlich gibt es ›Gesammelte Gedichte‹ von noch lebenden Autoren. Man fragt sich also, mag die Dichterin oder der Dichter denn nicht mehr dichten? Bernd Leukert denkt über das Gesammelte nach und stellt die Gedichtsammlungen von Thomas Bernhard und Zbigniew Herbert vor. mehr

KLEINE WERKSCHAU BEIM MAINZER WERGO-LABEL

Eine Adresse für Neues

Hans-Klaus Jungheinrich hat sich beim Mainzer Musiklabel Wergo umgesehen. Entdeckt hat er Bemerkenswertes von Rolf Riehm, Aribert Reimann, Toshio Hosokawa, Rebecca Saunders, Brian Ferneyhough, Klaus Lang, Carola Bauckholt, Jorge E. López und Harry Partch. mehr

SHUMONA SINHA: ERSCHLAGT DIE ARMEN

Sprachgymnasten ohne Balance

Die Autorin Shumona Sinha wurde 1973 im indischen Kalkutta geboren, seit 2001 lebt sie in Paris. Sinha schreibt ihre Texte auf Französisch. In ihrem 2015 auf Deutsch erschienenen Skandalroman »Erschlagt die Armen!« erhalten die Leser Einblick in die Pariser Migrationsbehörde. Riccarda Gleichauf hat das Buch gelesen. mehr

Lüdkes Liederliche Liste

Deborah Vietor-Engländer: Alfred Kerr. Die Biographie

Alfred Kerr (1867-1948) war einer der mächtigsten Theaterkritiker Deutschlands im 20. Jahrhundert. Deborah Vietor-Engländer hat nun seine Biographie geschrieben. Sie schildert Kerrs Aufstieg, die Kämpfe, den Erfolg, die Anerkennung in aller Welt, aber auch das Exil und die nackte Not. Martin Lüdke empfiehlt das Buch. mehr

Lüdkes Liederliche Liste

Thomas Bernhard: Städtebeschimpfungen

Der Schriftsteller und Dramatiker Thomas Bernhard konnte ein überaus charmanter und auch freundlicher Mensch sein. Er konnte aber auch ein Grantler, Miesepeter und Misanthrop sein, der an nichts und niemanden ein gutes Haar ließ. Nun sind Bernhards gesammelte »Städtebeschimpfungen« erschienen, und Martin Lüdke hat sie studiert. mehr

Eric van Hove im Frankfurter Kunstverein

Always somewhere, always nowhere

Der Frankfurter Kunstverein präsentiert in der Ausstellung »Atchilihtallah – Von der Transformation der Dinge« eine umfassende Auswahl des Schaffens des belgisch-algerischen Künstlers Eric van Hove. Mit seinen Arbeiten verbindet van Hove Konzeptkunst, sozialpolitische Untersuchungen, Aktivismus und Ansätze alternativer Ökonomie, berichtet Claudia Olbrych. mehr

20. TODESTAG VON TOWNES VAN ZANDT

Der Traurigliedersänger

Seine Lieder sind nie auf eine Wirkung hin geschrieben, sie sind nie formelhaft. Er wollte nie Woody Guthrie sein, nie Elvis, nie Sinatra, nicht einmal Dylan. Am 1. Januar 2017 jährt sich der Todestag des texanischen Singer-Songwriters Townes Van Zandt zum 20. Mal. Martin Wimmer stellt Townes vor und würdigt die literarische Qualität seiner Liedtexte. mehr

Überlegungen zum Symposium »Newsflash Kunstkritik?«

Das Chamäleon und die Schildkröte

Ein Symposium diskutierte kürzlich in Frankfurt, wie die Kritik angesichts zunehmender Präsentation und Verbreitung zeitgenössischer Kunst in sozialen Netzwerken und Internetplattformen agieren kann. Man sollte die Kunstkritik als Informations- und Kommunikationsangebot sehen, das dienend und herausfordernd zugleich ist, meint Ellen Wagner in der Nachschau. mehr

Eine Spurensuche in Kunst und Literatur

Was aus Ochs und Esel wurde

Was wurde aus Ochs und Esel, als die Heilige Familie auf der Flucht vor den Häschern des Herodes nach Ägypten aufbrach? Die Wege der beiden Tiere bleiben dunkel, doch gibt es Vermutungen: Eine weihnachtliche Spurensuche in Kunst und Literatur von Jasmin Behrouzi-Rühl. mehr

Der Autor Wolfgang Hilbig über Bob Dylan

Solange es Rock'n'Roll gibt

Im Jahr 2003 besuchte der Schriftsteller Wolfgang Hilbig ein Bob-Dylan-Konzert in Berlin-Treptow. Danach schrieb er eine Liebeserklärung an den »Rock-Poeten« und »Songwriter«, der in seiner Unberechenbarkeit den Rock'n'Roll permanent revolutioniert, indem er das Bestehende, das von ihm selbst installierte, scheinbar Beständige immer wieder verändert und erneuert. mehr

Ein Gespräch mit Ulrike Guérot

Ist Europa noch zu retten?

Die deutsche Politikwissenschaftlerin und Publizistin Ulrike Guérot ist Professorin für Europapolitik und Demokratieforschung an der Donau-Universität Krems. Sie leitet das European Democracy Lab, das sie 2013 gründete, und forscht über europäische Integrationsprozesse. Petra Kammann interviewte sie im Anschluss an den Vortrag »Europa als Republik? Mehr als eine Utopie?«, den Guérot in Frankfurt gehalten hat. mehr

Das Wort des Jahres 2016

Fakten! Fakten? Fakten …

Die Gesellschaft für deutsche Sprache hat postfaktisch zum Wort des Jahres 2016 erklärt, wie schon ein Monat zuvor das Oxford English Dictionary post-truth zum Word of the Year 2016. In ihrem Beitrag zeigt Stefana Sabin, wie es dazu kommen konnte, dass sich Fakten und Fiktionen, Wahrheit und Lüge derart vermischen. mehr

WOLFGANG HILDESHEIMER ZUM 100. GEBURTSTAG

Wolfgang Hildesheimer und das Theater mit dem Absurden

Am 9. Dezember 1916, vor genau 100 Jahren, wurde Wolfgang Hildesheimer geboren. Der Schriftsteller, Künstler und Theaterautor starb im Jahr 1991. Karlheinz Braun, der seit 1959 den Suhrkamp Theaterverlag aufbaute, blickt auf seine Arbeit mit Wolfgang Hildesheimer und auf dessen Werk zurück. mehr

ARIOSTS RASENDER ROLAND

Von Frauen, Rittern und Schlachten

Seit dem mittelalterlichen altfranzösischen »Rolandslied« verkörperte der Roland, der Paladin Karls des Großen, ritterliches Heldentum – mit dem italienischen Epos »Der rasende Roland« von Ludovico Ariost wurde er zum ritterlichen Antihelden. Vor 500 Jahren erschien Ariosts Epos, in dem das Heldentum ironisiert und mit der mittelalterlichen Ritterliteratur endgültig gebrochen wird. Stefana Sabin erinnert an ein kanonisches Werk. mehr

GESPRÄCH MIT DER KÜNSTLERIN KATRIN PAUL

Vom künstlerischen Umgang mit der Katastrophe

Die in Frankfurt am Main lebende und arbeitende Künstlerin Katrin Paul nahm im Winter 2015/16 an einem Artist-in-Residence-Programm in dem 2011 vom Tsunami verwüsteten Gebiet in Japan teil. Im Gespräch mit Isa Bickmann berichtet sie von der heutigen Situation vor Ort, von den Begegnungen mit den Überlebenden und wie sie darauf und auf ihre eigene Betroffenheit angesichts der zum Zwecke der neuen Tsunami-Schutzmaßnahmen totalen Landschaftszerstörung künstlerisch reagiert hat. mehr

DER PHILOSOPH JÜRGEN HABERMAS

Sancho Pansa und Prometheus

Jürgen Habermas ist sicher der bekannteste der lebenden deutschen Philosophen und Soziologen. Viele seiner Begriffe und Thesen sind in den allgemeinen Sprachgebrauch übergegangen, ohne dass uns das bewusst wurde. Dass kommunikatives Handeln etwa eine starke Ich-Identität voraussetzt, war auch Otto A. Böhmer klar, – bis er den Denker auf einer Abendgesellschaft sah. mehr

Design in Frankfurt 1960-1969

Produkt und Protest

Die 1960er Jahre waren ein politisches und ein nicht minder visuelles und konsumorientiertes Jahrzehnt. In Frankfurt entstanden in dieser Zeit eine der weltweit wichtigsten Positionen des Produktdesigns, aber auch eine visuelle Protesthaltung gegen eine allzu fortschrittsorientierte Welt. Klaus Klemp lässt das Designgeschehen in Frankfurt der 1960er Jahre Revue passieren. mehr

CD: Ennio Morricone

Solitär der Filmmusik

Ennio Morricone ist wohl der bekannteste Filmmusikkomponist unserer Zeit. Mit seiner für das Genre innovativen Arbeit hat er einprägsame Klangikonen geschaffen, mit denen er das Gebot, gegenüber dem Bild unauffällig zu bleiben, konsequent übertrat. Hans-Klaus Jungheinrich hat sich das auf CD neu erschienene Titel-Potpourri des 88jährigen Meisters angehört. mehr

Donald Trump und die Folgen

Ein amerikanischer Albtraum

Der nächste Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika heißt Donald Trump. Wie konnte sich der Populist durchsetzen? Welche Rolle spielen die Medien? Wie will Trump es schaffen, gleichzeitig Staatsmann und »Rebell« zu sein? Detlev Claussen analysiert die US-amerikanische Wahlentscheidung und ihre noch immer unabsehbaren Folgen. mehr

Ausstellung »Schnitt Schnitt« in Darmstadt

Körper, Ornament und Rhythmus

Die Collage taucht seit ihrer Erfindung im frühen 20. Jahrhundert fortwährend in künstlerischen Produktionen auf. Gerade in den letzten Jahren erlebt sie eine Renaissance. So ist es folgerichtig, dass die verschiedenen Ausdrucksformen von Zerschnittenem und Zusammengesetztem in Themenausstellungen gebündelt werden. Isa Bickmann hat die Schau »Schnitt Schnitt« in Darmstadt besucht. mehr

100. Todestag von Jack London

Der schreibende Abenteurer

Als Abenteurer und Schriftsteller hat Jack London (1876-1916) einen besonderen Platz in der amerikanischen Literaturgeschichte. In seinem kurzen, unsteten Leben hat er ein umfangreiches Werk aus Erzählungen, Romanen, Gedichten, Stücken, Essays geschaffen – und dabei den amerikanischen Wohlstandsmythos und die amerikanische Männlichkeitsfantasie bedient. Stefana Sabin spürt seinem Leben und Werk nach. mehr

FILM über Peter Handke

Geglückte Tage

Der österreichische Schriftsteller Peter Handke kehrte nach seinem anfänglichen Erfolg schon bald dem Rummel den Rücken. Heute lebt und arbeitet er in der Nähe von Paris. Die Filmemacherin Corinna Belz hat Handke in seinem Haus Chaville besucht, ihn befragt und gefilmt. Im gerade angelaufenen Handke-Film geht es um das Sichtbarmachen des Schreibens. Petra Kammann hat sich die Frankfurter Premiere angeschaut. mehr

Neue Klassik-CDs

Goldesels Erben

Sicher gab es Leute, für die der klassische Kanon von Monteverdi bis Strawinsky auf CDs eine Frage des repräsentativ ausgestatteten Haushalts war. Aber es gab auch solche, für die das nachvollziehende Hören der Tonkonserven ein ästhetisches Training bedeutet und deshalb ein Bedürfnis ist. Beide sind nun offenbar von den zuständigen Plattenfirmen weltweit genügend bestückt. Und nun? Hans-Klaus Jungheinrich hat sich umgehört. mehr

Erinnerungen an Leonard Cohen

Nächte mit Leonard

Der Singer-Songwriter und Autor Leonard Cohen ist im Alter von 82 Jahren gestorben. Der Schriftsteller Gert Heidenreich erinnert sich an die langen Nächte des bewegten Jahres 1968, durch die Cohen ihn mit seiner Musik und seinen Versen begleitete. mehr

Zum hundertsten Geburtstag von Peter Weiss

»An kein Land gebunden«

Am 8. November 1916, vor genau einhundert Jahren, wurde Peter Weiss geboren. Er trat vor allem als Prosa- und Theaterautor in Erscheinung. Harry Oberländer zeichnet Weiss' Lebensweg und künstlerische Entwicklung anhand des autobiografischen Romans »Fluchtpunkt« aus dem Jahr 1962 nach. mehr

GESPRÄCH MIT DMITRIJ KAPITELMAN

Wir Juden, wir Russen, wir Deutschen

Dmitrij Kapitelman wurde 1986 in Kiew geboren und kam im Alter von acht Jahren als »Kontingentflüchtling« nach Deutschland. Heute arbeitet er als freier Journalist in Berlin. Kürzlich erschien sein Buch »Das Lächeln meines unsichtbaren Vaters«. Im Mittelpunkt stehen Kapitelmans jüdischer Vater und ihre gemeinsame Reise nach Israel. Eugen El hat mit Dmitrij Kapitelman über den Preis der Auswanderung, über Loyalität, Zugehörigkeit und öffentliche Rollen gesprochen. mehr

Bernd Leukert im Gespräch mit Klaus Reichert

Die Kissen der Frau Holle

Es muss eine Leidenschaft sein, die den Literaturwissenschaftler, Autor und Übersetzer Klaus Reichert zum Himmel aufschauen lässt. In einem Buch mit Essays, Tagebüchern, Prosagedichten, Aphorismen, Bildbeschreibungen und Zitaten hat er die stetige Verwandlung der Wolkenformen gefeiert und aus Literatur, Malerei, Fotografie und Musik eine bereichernde Wolkenschau komponiert. Im Gespräch mit Bernd Leukert lässt Reichert die zahllosen kulturellen Bezüge ahnen, die dort miteinander verwoben sind. mehr

FRIEDENSPREIS 2016 FÜR CAROLIN EMCKE

»Menschenrechte sind kein Nullsummenspiel«

2016 ging der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels an die Journalistin, Philosophin und Schriftstellerin Carolin Emcke. Am 23. Oktober 2016 wurde der Preis in der Frankfurter Paulskirche verliehen. Die Laudatio hielt die Philosophin Seyla Benhabib. Petra Kammann hat die Preisverleihung besucht und berichtet von ihren Eindrücken. mehr

LAUDATIO LIBERATURPREIS 2016

Keine Angst vor der Macht

Der LiBeraturpreis wird seit 1988 jährlich an eine freie Frau, aber auch für ein besonderes Buch verliehen. Die Preisträgerin 2016 ist die indonesische Schriftstellerin Laksmi Pamuntjak. Ihr Roman »Alle Farben rot« handelt von der jüngsten Geschichte Indonesiens. In seiner Laudatio würdigt Ruthard Stäblein den Mut der Autorin. mehr

Gespräch mit der Autorin Laksmi Pamuntjak

Ambas stille Stärke

Laksmi Pamuntjak zählt zu den renommiertesten Autorinnen Indonesiens. Nach dem Ende der Suharto-Diktatur gehörte sie zu der Gruppe Frauen, die an vorderster Front für die Redefreiheit kämpften. Jetzt warnt sie vor aktuellen Veränderungen und spricht von Selbstzensur, die in ihrer Heimat erneut das Schreiben beschränkt. Über Hintergründe ihres Schreibens spricht Laksmi Pamuntjak mit Andrea Pollmeier. mehr

Protest in Peru

Politik der roten Körper

Die massenhaften Zwangssterilisierungen unter dem Regime des peruanischen Präsidenten Alberto Fujimori (1990-2000) sind bis heute ungesühnt. Feministische Künstlerinnen haben eine ungewöhnliche Form des Protests entwickelt: Die »Alfombras Rojas«, rote Teppiche aus menschlichen Körpern. Alejandra Ballón Gutierrez berichtet über den Kampf gegen Straflosigkeit und patriarchale Gesundheitspolitik. mehr

ESSAY von Christian Janecke

Nichtberlinern

Es gibt kein kulturelles Segment, das vom anhaltenden Sog Berlins nicht betroffen wäre. Junge Künstler, Literaten, Musiker und Kreative ziehen unablässig in die Hauptstadt. Sie kommen aus Deutschland und aus aller Welt. Christian Janecke nähert sich dem Phänomen und zeigt seine Auswirkungen am Beispiel der Kunstwelt. mehr

Neuerwerbungen in Frankfurter Museen

Perfekte Ergänzungen

Museen leben – trotz sich häufender Ausstellungsspektakel – noch immer von ihren Sammlungen. Die eigenen Bestände zu pflegen und zu erweitern, gehört zu den wichtigsten Aufgaben eines Museums. Neue Sammlungsobjekte werden zwar nicht immer sogleich präsentiert, verdienen dennoch Aufmerksamkeit. Eugen El hat sich in einigen Frankfurter Museen nach solchen Neuerwerbungen umgesehen. mehr

STÉPHANE MALLARMÉ UND DIE MODERNE LYRIK

Der befreite Vers

Zum Auftakt ihrer Reihe »Meine Klassiker«, die in loser Folge bei Faust-Kultur erscheinen wird, erinnert Stefana Sabin an Stéphane Mallarmé als den Übervater der modernen Lyrik, von dem der Satz stammt: »Le monde est fait pour aboutir à un beau livre« – »Die Welt ist dazu da, um zu einem Buch zu werden.« mehr

Essay zur Flüchtlingsdebatte

Projekt Europa vor dem Ende

Auf der Balkanroute kommt niemand mehr durch, zehntausende Schutzsuchende sind im krisengeschüttelten Griechenland gestrandet und der schmutzige Flüchtlingsdeal mit der Türkei ist in Kraft. Nun arbeitet Europa daran, auch den zweiten zentralen Fluchtweg, die Route über das zentrale Mittelmeer, zu schließen, und zwar mit aller Gewalt. Europa zeigt sich von seiner hässlichen Seite, meint Karl Kopp. mehr

STIMMEN AUS SYRIEN

Der lange Weg der Frauen

Seit Beginn der Aufstände gegen das syrische Regime haben sich Syriens Frauen aktiv und mutig an verschiedensten Aktionen beteiligt. Die zunehmende Militarisierung der Revolution und die Entwicklung hin zu einem Krieg auf verschiedenen Ebenen hat den Frauen jedoch zusätzliche Bürden auferlegt und sie in prekäre Lebenssituationen gebracht, beschreibt die Sozialwissenschaftlerin Huda Zein. mehr

Ausstellung: Unter Waffen – Fire & Forget 2

Bummeln übers Minenfeld

»Unter Waffen – Fire & Forget 2« heißt eine Ausstellung in Frankfurt, die Waffen und Militärästhetik in Mode, Design, Kunst und Alltagskultur nachspürt. Die Schau beschäftigt sich auch mit der Frage, wie uns der Anblick von Waffen affektiv berührt. »Fire & Forget 2« ist unterhaltsam und tendiert stellenweise zu einem Kuriositätenkabinett, meint Ellen Wagner. mehr

80. GEBURTSTAG VON PAULUS BÖHMER

Dass es Dich gibt!

Der Schriftsteller Paulus Böhmer feierte am 20. September 2016, seinen 80. Geburtstag. Aus diesem Anlass erscheint beim Verlag Peter Engstler ein Band mit neuen Collagen Böhmers. Der Band stellt höchste formale und inhaltliche Meisterschaft unter Beweis, meint Harry Oberländer und gratuliert Paulus Böhmer. mehr

Von Arvo Pärt zum Basler Totentanz

Spirituell behaucht

Wenn wir zugeben, dass es eine von Religionen unabhängige Frömmigkeit gibt, die nach meditativer Einfachheit sucht oder nach mystischem Erleben, dann finden wir schnell eine Musik, die dieser Suche strukturell entspricht und sie andächtig unterstützt. In Aufnahmen der Werke von Arvo Pärt, Hans Abrahamsen, Bent Sörensen, Jan van Gilse und Frank Martin, die neu auf CD erschienen, hat Hans-Klaus Jungheinrich dieser Haltung nachgespürt. mehr

Gespräch mit dem Autor Lyonel Trouillot

»Das Ungesagte hören«

Das Werk des haitianischen Autors Lyonel Trouillot verbindet auf höchstem Niveau Literatur und gesellschaftspolitisches Engagement. Soeben erschien sein Roman »Yanvalou für Charlie« in deutscher Übersetzung. Andrea Pollmeier stellt Lyonel Trouillot in Zusammenarbeit mit Marlène Seraphin in einem Autorengespräch vor. (Deutsch und Französisch) mehr

Auszug aus Dmitrij Belkins neuem Buch

Deutsches Judentum 2.0

1971 in Dnepropetrowsk geboren, kam Dmitrij Belkin 1993 nach Deutschland. Der Historiker, Ausstellungsmacher und Publizist lebt heute mit seiner Familie in Berlin. Belkins Buch »Germanija« ist eine intellektuelle Autobiografie und ein Bildungsroman: »Wie ich in Deutschland jüdisch und erwachsen wurde.« Faust-Kultur veröffentlicht daraus einen Auszug, der zwischen 2010 und 2013 in Frankfurt spielt. mehr

Gespräch mit dem Autor Pankaj Mishra

»Es ist ein autoritäres Regime«

Der indische Autor Pankaj Mishra bekam für sein Buch »Aus den Ruinen des Empires« den Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung 2014. Im Gespräch mit Clair Lüdenbach erklärt Mishra die komplizierte und gefährliche politische Situation in Indien und wirft einen Blick auf die Perspektiven Englands nach der Entscheidung der Bevölkerung für den »Brexit«. mehr

Ausstellung in Frankfurt

Der Farbholzschnitt in Wien um 1900

Die Kunsthalle Schirn in Frankfurt zeigt eine Ausstellung mit Wiener Farbholzschnitten um 1900. Diese sind von bemerkenswerter Modernität, findet Isa Bickmann, doch mit der Ausstellungsarchitektur aus verschachtelt und schräg stehenden Wänden kann sie sich nicht anfreunden. Es gibt auch noch einen weiteren Umstand, der einen kritischen Kommentar geradezu herausfordert. mehr

FESTIVAL »RARITÄTEN DER KLAVIERMUSIK«

Ein ideales Forum für Entdeckungen

Das Klavier ist ein Meisterwerk des Kompromisses, – was seine Klangfarben angeht, die Ein- und Ausschwingprozesse, die Anschlagsmöglichkeiten und, vor allem, die Stimmung. Das macht sich besonders im Zusammenspiel mit anderen Instrumenten bemerkbar. Und deshalb hört man das Klavier gern solo gespielt, wie beim Husumer Festival »Raritäten der Klaviermusik«, das Hans-Klaus Jungheinrich besucht hat. mehr

ESSAY ÜBER DIE KRAFT DER LITERATUR

Die Wiederkehr der Nashörner

In seinem Essay zeigt sich der Schriftsteller Gert Heidenreich besorgt um die Demokratie in Deutschland und Europa. Angesichts wirtschaftlicher Ungleichheit, einer untätigen Jugend und des Aufstiegs des neuen Rechten sieht er die Errungenschaften der Aufklärung in Gefahr. Heidenreich setzt als Gegenmittel vor allem auf die Kraft der Literatur. mehr

48. INTERNATIONALE FERIENKURSE FÜR NEUE MUSIK

Es geht auch anders, doch so geht es auch

Das Interesse der jungen Leute ist gewaltig. Es geht aber nicht um ein Popfestival, sondern um die Darmstädter Ferienkurse. Zum 70. Jubiläum der Institution bot das Internationale Musikinstitut wieder ein enormes Angebot an Instrumentalkursen, Konzerten, Musiktheater, Tanz, Performances, Lectures und Diskussionen auf. Jim Igor Kallenberg zieht kritisch Bilanz. mehr

Reisebericht aus Syrien um 1700

Von Aleppo nach Paris

Hanna Diyab, ein junger syrischer Christ, der in den Bazars Aleppos aufwuchs, wird 1708 zum polyglotten Begleiter des französischen Sammlungsreisenden Paul Lucas, der im Auftrag Ludwig XIV. orientalische Kostbarkeiten an den Hof des Sonnenkönigs bringt. Diyab verdanken wir nicht nur die großen morgenländischen Erzählungen, sondern auch einen aufschlussreichen Reisebericht, den Gennaro Ghirardelli übersetzt hat. Wie es dazu kam, verrät er im Vorwort. mehr

ZWEI TSCHECHISCHE OPERN AUF CDS

Fern von Hain und Flur

Das 19. Jahrhundert ist voller Kuriositäten. Eine davon ist die Erfindung des Nationalstaates in Europa, die die Erfindung ethnischer Kunstmusik zur Folge hatte. Am Beispiel der böhmischen/tschechischen Musik von Smetana, Dvorzak, Martinu, Srnka und Fibich, die jetzt auf CD erschien, zeigt Hans-Klaus Jungheinrich, wie kurzlebig diese Idee war. mehr

Buch und Video zur Ausstellung »MenschenZoos«

Eine koloniale Begegnung

Heute reist man in die entlegensten Ecken der Welt, gierig nach einem Blick in die Lebenswelten fremder Menschen und Kulturen. Im 19. Jahrhundert importierte man afrikanische Stammesangehörige als Attraktion für Zoo und Zirkus. Das Buch »MenschenZoos. Schaufenster der Unmenschlichkeit« berichtet über diese dunkle Seite westlicher Sensationslust. Ein Ausschnitt daraus ist hier nachzulesen. mehr

48. Internationale Ferienkurse für Neue Musik

Höhere Offenbarung

Wenn sich Philosophie mit Ästhetik befasst, geht sie über ungesichertes Terrain. Da aber Philosophen sich neuerdings mehr für die flüchtige Musik interessieren, Komponisten andererseits an den aktuellen Reflexionen der Philosophen teilhaben möchten, haben die diesjährigen Darmstädter Ferienkurse mit »Excess« eine viertägige Podiumsdiskussion eingerichtet. Bernd Leukert hat sie besucht und darüber nachgedacht. mehr

60. TODESTAG VON BERTOLT BRECHT

Der Einzigartige

Bertolt Brecht wurde 1898 als Eugen Berthold Friedrich Brecht in Augsburg geboren. Die »Dreigroschenoper« von 1928 zählt zu seinen größten Erfolgen, aber auch die im Exil entstandenen Stücke »Das Leben des Galilei«, »Mutter Courage« und »Der gute Mensch von Sezuan«. Otto A. Böhmer erinnert an den am 14. August 1956 in Ost-Berlin verstorbenen Dramatiker und Lyriker. mehr

DER PHILOSOPH GIORDANO BRUNO

Schöne Träume

1590, zwei Jahre, bevor die Heilige Inquisition nach ihm griff, lebte der Philosoph Giordano Bruno in Frankfurt am Main. Dort, weiß Otto A. Böhmer, hatte der weise Ketzer, der schon in vielen europäischen Städten die Frommen gegen sich aufgebracht hatte, die Gelegenheit, sich mannhaft zu bewähren. mehr

RIA ENDRES’ ROMAN »FRESKO OHNE BLAU«

Die Bücher, die Bienen, der Tod

In einem klösterlichen Mädchengymnasium in Voralpenland entfaltet sich die Handlung von Ria Endres’ Roman »Fresko ohne Blau«. Endres erzählt von einer bewegten zweiten Hälfte der 1960er Jahre, von einer Welt, die ins Wanken gerät. Harry Oberländer hat das Buch gelesen. mehr

ESSAY ZU ULRICH VON HUTTEN

Der Dichter als Ritter gegen den Rest der Welt

Der bekannteste Holzschnitt zeigt Ulrich von Hutten in der Rüstung, auf dem Haupt aber trägt er die Dichterkrone aus Lorbeerblättern, die der vor allem lateinisch schreibende Renaissance-Humanist 1517 in Augsburg verliehen bekam. Der Literaturwissenschaftler Herbert Jaumann verweist auf die vertrackte Rezeption des Reichsritters von Hutten. mehr

100. Geburtstag Peter Weiss

Kopf hoch, wenn’s Wasser am Hals steht

Peter Weiss war einer der ganz Großen des 20. Jahrhunderts. Seine frühen Bücher, seine Theaterstücke und seine dreibändige »Ästhetik des Widerstands« waren Kunstwerke auf der Höhe ihrer Zeit. Die Zeitschrift »die horen« hat Weiss' 100. Geburtstag zum Anlass einer Bestandsaufnahme genommen. Faust-Kultur veröffentlicht daraus den Beitrag von Martin Lüdke, der im Untergang der Medusa, einem zentralen Motiv der »Ästhetik des Widerstands«, den Ansatz einer neuen Lesart sucht. mehr

platz(en)

du kannst auch drei jahre einfach nur fernsehen es fällt so schwer
sich selber etwas zu erlauben in deinem schneckenhaus
oder deinem hamsterrad versuche ich Dich nicht zu stören
damit hier mal jemand zur ruhe kommt zwischen winner und loser
scheint kaum noch platz zu sein.

Julia Mantel

AUSNAHMEPIANISTIN MARTHA ARGERICH

Frühe Vollkommenheit

Wir müssen einsehen, dass es Leistungen gibt, die nicht zu überbieten sind. Die Pianistin Martha Argerich, die sich mit guten Gründen vom Konzertbetrieb zurückgezogen hat, hat sie erbracht, und Hans-Klaus Jungheinrich empfiehlt ihre neue CD mit Werken von Mozart, Beethoven, Prokofiew und Ravel. mehr

Internationales Literaturfestival Leukerbad

Der Tod sattelt seine Pferde

Die antiken Römer hatten dort, in 1400 Meter Höhe, heiße, mineralreiche Quellen gefunden, zu denen bis heute Genießer und Bedürftige nach Leukerbad im Schweizer Kanton Wallis anreisen. Umfasst von einer hohen Felswand, findet dort jährlich das Internationale Literaturfestival Leukerbad statt. Bernd Leukert berichtet, was vom 1. bis 3. Juli 2016 geschah. mehr

Die Künstlerin HANNAH HÖCH

Die schrankenlose Freiheit der Kunst

Anlässlich des Jubiläums »100 Jahre Dada« stellt die Kunsthalle Mannheim das Werk Hannah Höchs (1889–1978) aus und konzentriert sich damit – nach der Präsentation der Bildhauerin Germaine Richier 2014 – erneut auf eine wichtige weibliche Protagonistin der Kunst des 20. Jahrhunderts. Die Ausstellung versucht, das nach 1945 entstandene Werk der Künstlerin erstmals umfänglich vorzustellen. Isa Bickmann berichtet. mehr

Porträt: E.T.A. Hoffmann

Eine Oper im Geiste

Als Kammergerichtsrat war er auch mit der Anklage gegen den nationalpatriotischen Agitator und Turnvater Friedrich Ludwig Jahn befasst, musste ihn aber wegen mangelnder Beweise laufen lassen. Sein Herz hängte E.T.A. Hoffmann allerdings ans Komponieren, und bekannt ist er uns bis heute als Verfasser ungeheuerlicher Geschichten wie »Der Sandmann« oder »Kater Murr«. Otto A. Böhmer stellt den mehrfachbegabten Künstler vor. mehr

Berlin Biennale 2016

Im Zeichen der Vorsilbe

Die 9. Berlin Biennale für zeitgenössische Kunst wurde vom New Yorker Künstlerkollektiv DIS kuratiert. Unter dem Titel »The Present in Drag« schwelgt die Schau in der Aneignung einer kapitalistischen Konsumästhetik. Sie ist weder kritisch noch ironisch und erst recht nicht provokativ, meint Ellen Wagner. mehr

GESPRÄCH MIT DEM AUTOR ANDREAS NEESER

Großmutters Mund war ein Keller

Der Schweizer Poet Andreas Neeser kann mit wenigen Zeilen verschlossene Erfahrungen in uns öffnen. Dennoch wird er, wie andere Autoren auch, nach der autobiographischen Wahrheit seiner Texte gefragt. Im Gespräch mit dem Schriftsteller Eric Giebel erklärt er, was es damit auf sich hat und wie es sich zwischen Literaturförderung und öffentlicher Anerkennung lebt. mehr

Zum Tod von Elie Wiesel

Gegen jede Demütigung kämpfen

Die Erfahrung des Schreckens hat ihn zum Moralisten gemacht: Elie Wiesel, der den Naziterror überlebt hatte und zum Aktivisten gegen Ungerechtigkeit und Demütigung wurde, ist am 2. Juli in New York gestorben. Schon in der Nacht trauerte Barack Obama auf Twitter um »das moralische Gewissen unserer Zeit«. Stefana Sabin erinnert an Elie Wiesels Leben und Werk. mehr

Shakespeare 400 – The Globe Collection

Shakespeare satt

Anlässlich des 400. Todestags von William Shakespeare ist eine Box mit 21 DVDs erschienen, die 19 Stücke Shakespeares sowie Christopher Marlowes »Doctor Faustus« in Aufführungen des Globe Theatre enthalten. Diese Box ist nicht nur eine Lektion in Shakespeare, sie liefert einen Einführungskurs in das Wesen des Theaters überhaupt, meint Thomas Rothschild. mehr

70. Geburtstag der Autorin Zsuzsanna Gahse

Ein gesatteltes Gespräch

Die Autorin und Übersetzerin Zsuzsanna Gahse ist heute 70 Jahre alt geworden. Faust-Kultur gratuliert ihr mit dem »gesattelten Gespräch« mit Bernd Leukert, in dem sie erzählte, was sie beim Schreiben bewegt und wie ihre Texte entstehen. mehr

REZENSIONSGESPRÄCH

Menschen in der Diktatur

Für seinen Roman »Die Wolfssymphonie« erhielt Marius Daniel Popescu 2008 den Robert-Walser-Preis. Darin geht es um das Leben in Ceausescus Diktatur, um das Land der Einheitspartei, der Popescu eine vielfältige Symphonie aus Wiederholungen, Variationen und Sprachspielen entgegenstellt. Hanne Kulessa ist begeistert. mehr

INGEBORG BACHMANN UND IHRE LYRIK

»Es kommen härtere Tage«

1954 war in einem deutschen Nachrichtenmagazin zu lesen, Ingeborg Bachmann sei philosophisch belastet. Sie hatte ihre Dissertation über die Rezeption Heideggers geschrieben und kannte ihren Wittgenstein. Ihre bezwingende Sprachkunst aber wirkt bis heute weiter. Ria Endres erinnert mit ihrem Essay an Ingeborg Bachmann, die nun 90 Jahre alt geworden wäre. mehr

Howard Jacobson, Shylock

Eine heikle Abmachung

In seiner Nacherzählung des »Kaufmann von Venedig« erweckt der britische Romancier Howard Jacobson Shakespeares Shylock zu neuem fiktionalen Leben. Jacobsons Roman ist eine Reflexion über jüdische Selbstzweifel und jüdische Werte, aber auch eine frische Deutung des Shakespeareschen Stücks, meint Stefana Sabin. mehr

Internationaler Literaturpreis – HKW 2016

Treue entsteht durch Freiheit

Das kreative Können literarischer Übersetzer ist einzigartig und erfordert kongeniale Kompetenzen. Zum achten Mal rückt darum in diesem Sommer der im Haus der Kulturen der Welt in Berlin verliehene Internationale Literaturpreis (ILP) Autor und Übersetzer gleichzeitig in den Blick. Über Details des Übersetzungsprozesses hat Andrea Pollmeier mit dem renommierten Literaturübersetzter Hinrich Schmidt-Henkel gesprochen. mehr

INTELLEKTUELLE UND DER FUSSBALL

Faszination und Skepsis

Anlässlich der diesjährigen Fußball-Europameisterschaft betrachtet Otto A. Böhmer in seinem Essay die Beziehung vor allem deutscher Intellektueller zum Fußball im Wandel der Jahrzehnte. Jürgen Roth und Eckhard Henscheid, Ror Wolf und weitere Autoren kommen dabei zu Wort. mehr

Carmen in Frankfurt

Auf der Treppe

Seit dem Riesenflop von 1992 hat es an der Oper Frankfurt keine Carmen-Inszenierung mehr gegeben. Nun verantworten der Regisseur Barrie Kosky und der Dirigent Constantin Cardys eine neue Inszenierung. In der gelungenen Mischung aus Irritation und Konvention verspricht sie ein Erfolg zu werden, meint Stefana Sabin. mehr

Eric Giebel: Im roten Sand

Bildungsroman en miniature

Im Zentrum der Erzählung »Im roten Sand« von Eric Giebel steht eine typisch deutsche Familie in den siebziger und achtziger Jahren: Großvater war im Krieg und später in Gefangenschaft, Großmutter im BDM. Eine Familie, die es geschafft hat, die Kriegserlebnisse zu verdrängen und sich nun den kritischen Fragen ihrer Enkel stellen muss. Elke Barker hat das Buch gelesen. mehr

Porträt des Autors Anthony Phelps

Ewiges Exil

In Haiti gehören Autoren wie Anthony Phelps zu einer besonderen Generation. Postkoloniale Fragen nach der eigenen Herkunft beeinflussten ihr Denken ebenso wie die Erfahrung der Okkupation durch die USA und das Leben in einer Diktatur. Zwei Werke von Phelps sind jetzt ins Deutsche übersetzt und werden von Marlène Séraphin und Andrea Pollmeier in deutsch- und französischsprachigen Beiträgen vorgestellt. mehr

Schweizer Theatertreffen 2016

Das Theater sucht sein Publikum

Zum dritten Mal fand, diesmal in Genf, das Schweizer Theatertreffen statt. Die Vorstellungen in fünf verschiedenen Häusern waren halbleer, Festivaleuphorie wollte nicht aufkommen. Als Höhepunkt des kleinen Theatertreffens erwies sich Ewald Palmetshofers Neufassung von Christopher Marlowes »Edward II«, berichtet Thomas Rothschild. mehr

Bob Dylans 75. Geburtstag

Alias in den Städten

Während viele Künstler ihr Leben lang von einer Geschäftsidee zehren und damit ihre Fans begeistern, verlässt Bob Dylan permanent seinen ästhetischen Ort und begibt sich weiter fort. Zum Geburtstag hat ihm Volker Breidecker ein Loblied geschrieben. mehr

George Steiner: Ein langer Samstag

Der Onkel Kafkas

Der hochbetagte Universalgelehrte George Steiner wurde 2014 von der Journalistin und Verlagsleiterin der Éditions du Seuil, Laure Adler, in ein Gespräch verwickelt, in dem er zu den verschiedensten Themen seine Ansichten verriet. Die Bekenntnisse sind nun als Buch auf Deutsch erschienen, und Otto A. Böhmer hat es gelesen. mehr

Gespräch mit Nanette Snoep, Dresden

Genres, Zeiten und Orte verwischen

Drei Völkerkundemuseen: Leipzig, Dresden und Herrenhut soll Nanette Jacomijn Snoep attraktiver machen. Wie das gehen soll, erläutert sie im Gespräch mit Clair Lüdenbach. mehr

90. GEBURTSTAG VON GERLIND REINSHAGEN

Beschwingtheit und Beweglichkeit

Am 4. Mai 2016 wird die Schriftstellerin Gerlind Reinshagen neunzig Jahre alt. Sie ist vor allem durch ihre gesellschaftskritischen Theaterstücke bekannt geworden. In vielen ihrer Stücke und Prosabücher, zuletzt in ihrem Roman »nachts« und dem jüngsten Theaterstück »Die Perseiden«, ist das Berlin der Gegenwart Handlungsort. Hans-Ulrich Müller-Schwefe würdigt die Schriftstellerin und stellt ihr Werk vor. mehr

Gespräch mit dem Dichter Robert Schindel

Hundert Blumen

Weil man im deutschsprachigen Bereich als zeitgenössischer Lyriker nahezu unbeachtet bleibt, wurde Robert Schindel 1992 mit dem Roman »Gebürtig« bekannt. Nach den ersten sechs Gedichtbänden, die im Band »Fremd bei mir selbst« (2004) zusammengefasst wurden, veröffentlichte Robert Schindel noch drei weitere, zuletzt »Scharlachnatter« (2015). Bernd Leukert erzählte er, wie bei ihm Gedichte entstehen. mehr

Ausstellung »ICH« in Frankfurt

Zartbunte, heiße Luft

Eine Ausstellung in der Frankfurter Kunsthalle Schirn zeigt Formen des Selbstporträts in der zeitgenössischen Kunst. Ellen Wagner hat sich die Schau angesehen. Sie vermisst in der Fülle und Dichte der Exponate die notwendigen Leerräume und kritisiert die kojenhafte Präsentation der Vorläufer der 1960er Jahre, mit denen die Ablösung von der Tradition des Selbstporträts einsetzte. mehr

Sigrid Damms neues Buch

Eine faszinierende Frau

Von der besonderen Beziehung Johann Wolfgang Goethes zur Hofdame Charlotte von Stein erzählt Sigrid Damms neues Buch »Sommerregen der Liebe«. Der Goethe-Kennerin par excellence ist ein wunderbares Buch gelungen, das in eine fein bemessene Welt zurückführt, meint Otto A. Böhmer. mehr

Claude Viviers Oper »Kopernikus«

Todeslust und Lebenshunger

Der Komponist Claude Vivier hatte im Einflussbereich der Nachkriegsavantgarde wohl keine Chance. Erst nach seinem Tod konnte man in Amsterdam hören, was für eine originäre und starke Musik er geschrieben hatte. Hans-Klaus Jungheinrich stellt nun eine neue CD mit Viviers Oper »Kopernikus« und anderes vor. mehr

JOSEPH ROTH UND STEFAN ZWEIG

Gespenster der Gegenwart

Im Briefwechsel Joseph Roths mit Stefan Zweig, in dem intensiven dialogischen Austausch dieser beiden so unterschiedlichen Temperamente, wird deutlich, wie früh Roth das Aufkeimen des Nationalsozialismus und die drohende Katastrophe vorausgesehen hat. Marion Gees hat den Briefwechsel noch einmal studiert und weist auf aktuelle Bezüge hin. mehr

ZUM GEBURTSTAG VON SAMUEL BECKETT

Geburt(s-tag) mit Fragezeichen

Samuel Beckett, der als Engländer geboren wurde, bevor er Ire wurde, gehört zur illustren Reihe stilbildender Iren. Eigensinnig, wie sie alle, schrieb er sich in eine formale Strenge hinein, die existentialistisch und absurd zugleich wirkt. 1969 erschien er nicht zur Entgegennahme des Nobelpreises. 20 Jahre später starb er. Ria Endres erinnert an ihn, der nun 110 Jahre alt sein müsste. mehr

THEATERGESCHICHTE

»Luzi, isch liebe disch unwahrscheinlisch!«

Hausbesetzungen, blutige Straßenschlachten, Proteste, Flugblätter, Demonstrationen; Wasserwerfer. Der Musiker, Komponist, Hörspielautor, Regisseur und Professor für Angewandte Theaterwissenschaft, Heiner Goebbels, erinnert sich im Vorwort zum Buch »Das TAT. Das legendäre Frankfurter Theaterlabor«, wie er damals aus dem Aufruhr in ein unvergessliches Bühnenerlebnis geriet. mehr

Frankfurter Poetikvorlesung, 6. Juli 1993

Die Entstehung der Wirklichkeit im Kaleidoskop

Vor fast 23 Jahren bestritten die rumäniendeutschen Dichter Klaus Hensel, Franz Hodjak, Richard Wagner und Werner Söllner die Frankfurter Poetikvorlesung. Wo das Dichten herrührt, welche Motive es antreibt und wie die Zeitumstände die künstlerischen Entscheidungen lenken, kurz: wie aus einem kleinen Jungen ein deutscher Dichter wurde, davon handelt der Beitrag Werner Söllners. mehr

500. TODESTAG VON HIERONYMUS BOSCH

Finstere Zeiten

Noch bis zum 8. Mai 2016 präsentiert das Noordbrabants Museum in ’s-Hertogenbosch die Ausstellung »Hieronymus Bosch – Visionen eines Genies«. Anlass ist der 500. Todestag des Malers. Mit neunzehn Zeichnungen und zwanzig Gemälden, die aus aller Weltzusammengetragen wurden handelt es sich um die größte Bosch-Ausstellung aller Zeiten. Martin Lüdke hat sie sich für Faust-Kultur angeschaut. mehr

GESPRÄCH MIT ROTRAUT DE CLERCK

»Jede Krankheit ist etwas Individuelles«

Vor 75 Jahren, am 28. März 1941, nahm sich Virginia Woolf in England das Leben. Die Psychoanalytikerin Rotraut De Clerck hat sich mit Leben und Werk der Autorin auseinandergesetzt. Andrea Pollmeier hat mit Rotraut De Clerck über die Rolle der Psychoanalyse in Virginia Woolfs Schaffen und über den heutigen Stellenwert der Schriften Sigmund Freuds gesprochen. mehr

DER ARCHITEKT FERDINAND KRAMER

»Wenn es allen gefällt, ist etwas falsch«

Nachdem das Museum Angewandte Kunst in Frankfurt bereits 2014 Einblick in Ferdinand Kramers gestalterisches Werk gegeben hatte, widmet sich das Deutsche Architekturmuseum noch bis zum 1. Mai 2016 den Bauten des »Architekten der Kritischen Theorie«. Geboten wird eine schlüssig aufbereitete Ausstellung und ein lesenswertes Begleitbuch, berichtet Isa Bickmann. mehr

Flüchtlinge in Europa

Anatomie einer globalen Krise

Die gegenwärtigen Flüchtlingsströme sind die Folgen der Destabilisierung des Nahen Ostens durch den Westen. Ein Blick auf die europäische Außenpolitik der letzten 20 Jahre genügt, um zu erkennen, dass Hilfe für Flüchtlinge keine Frage der Großzügigkeit ist, sondern Europas Verpflichtung, für die Ursprünge der Flüchtlingskrise einzustehen, meint Michele Sciurba. mehr

Der Dirigent Jewgenij Mrawinskij

Wiederkehr einer Legende

Der sowjetische Dirigent Jewgenij Mrawinskij kann jetzt wiederentdeckt werden. Eine CD-Kassette präsentiert rund sieben Stunden Musik mit Mrawinskij und seinen Leningrader Philharmonikern. Hans-Klaus Jungheinrich hat sich die Aufnahmen angehört und sieht in Mrawinskij einen vielseitigen Dirigenten und einen Pionier in Sachen Tschaikowskij. mehr

Gila Lustiger, Erschütterung

Gegen die Ohnmacht

Gila Lustiger hat die Pariser Terroranschläge am 13. November 2015 aus großer Nähe miterlebt. Die in Frankfurt am Main aufgewachsene Autorin hat nun einen großen Essay unter dem Titel »Erschütterung – Über den Terror« veröffentlicht. Gila Lustiger gelingt eine kluge Analyse der Ursachen des Terrors, meint Harry Oberländer. mehr

GESPRÄCH MIT DEM STREET-ART-KÜNSTLER KLONE

»Mein Zuhause ist in meinem Kopf«

Der 1983 im ukrainischen Charkow geborene, in Israel lebende Street-Art-Künstler Klone genießt ein internationales Ansehen. Bei einem Aufenthalt im russischen Nischni Nowgorod sprach er mit dem dortigen Internetportal »Culture in the City« über seine Herkunft und seinen künstlerischen Weg, über Subkultur und Street-Art in Israel. mehr

Ralph Dutli: Die Liebenden von Mantua

Göttliche Eiscreme

Im Februar 2007 wurden in Valdaro, einem Vorort der italienischen Stadt Mantua, zwei Skelette aus der Jungsteinzeit gefunden, die eng umschlungen in einem Grab lagen: »Die Liebenden von Mantua« oder auch »Die Liebenden von Valdaro«. Darauf basiert Ralph Dutlis neuer Roman, und er steckt voller Überraschungen, meint Harry Oberländer. mehr

Ausstellung: Painting 2.0

Aus dem Blauen heraus

Einen Überblick über die Malerei im Informationszeitalter zu geben, beginnend in den 1960ern, hat sich die Ausstellung »Painting 2.0« im Münchener Museum Brandhorst vorgenommen. Jede der drei Ebenen des Hauses widmet sich einem bestimmten Fragenkomplex. Dass die Ausstellung dabei auf klare Antworten verzichtet, ist ein Gewinn, meint Ellen Wagner. mehr

Peter Gülke: Musik und Abschied

Zurückbleiben. Und kein Trost

Der Dirigent, Musikologe und Schriftsteller Peter Gülke denkt Musik nie ohne ihre historischen, kulturellen und sozialen Kontexte. Und er überzeugt mit argumentativer Intelligenz. Sein Buch »Musik und Abschied« behandelt die letzten Dinge und hat Hans-Klaus Jungheinrich bewogen, es zu empfehlen. mehr

GESPRÄCH MIT THOMAS RÖSKE

»Ich hätte es nicht zu träumen gewagt«

Seit 2002 leitet der Kunsthistoriker Thomas Röske die Sammlung Prinzhorn in Heidelberg. Der historische Bestand der Sammlung wurde von Hans Prinzhorn in den frühen 1920er-Jahren zusammengetragen. Seit 1980 kamen etwa 17.000 weitere künstlerische Werke von Psychiatrie-Erfahrenen hinzu. Eugen El hat mit Thomas Röske über die aktuelle Ausstellung »Dubuffets Liste« und über die Arbeit der Sammlung gesprochen. mehr

Lyrik von T.S. Eliot

Der Tanz um den stillen Moment

Dass wir am Ende dort ankommen, wo wir begannen, gehört zu den mystischen Einsichten, die die »Vier Quartette« von Thomas Stearns Eliot als ›Summa‹ kennzeichnen, als Schlussstein seines poetischen Schaffens. Jan Volker Röhnert hat sich in das kunstvoll gebaute, von Norbert Hummelt neu übersetzte Werk vertieft und preist es wegen seiner Aktualität. mehr

Porträt des Malers Christian Schad

Der Maler mit dem Skalpell

Christian Schad (1894-1982) war ein Maler, der in die Avantgarde ebenso passte, wie ins Weltbild der Nationalsozialisten, aber gar nicht in unser Sortierkästchen von Freund und Feind passen will. Johannes Winter hat die Spuren der Bilder und des Künstlers aufgenommen und Fragen nach kunstgeschichtlichen Zusammenhängen gestellt. mehr

EXILGESCHICHTE

Unterschiedliche Blickwinkel

Als Monika Plessner 1951 ihren späteren Mann, den Philosophen und Soziologen Helmuth Plessner kennenlernte, entdeckte sie auf Long Island einen Dreh- und Angelpunkt des Exils. Ihre Aufzeichnungen vergegenwärtigen diese Welt, von Hannah Arendt bis Gershom Scholem, von Adorno bis Kracauer und Horkheimer. Detlev Claussen beleuchtet den ideengeschichtlichen Kontext der Aufzeichnungen. mehr

Ausstellung in Gießen

Peter Kurzeck als Maler und Zeichner

Vor kurzem erst wurde das bildnerische Werk des 2013 verstorbenen Schriftstellers Peter Kurzeck entdeckt. In Gießen zeigen nun mehrere Institutionen Kurzecks Arbeiten. Sein bildnerisches Werk ist vor allem für Literaturfreunde interessant, die posthum eine neue Facette aus dem Schaffen des Autors entdecken können, meint Dagmar Klein. mehr

Essay

Auf der Suche nach der Seele

Warum fragen in unserer computergesteuerten Lebenswelt auch aufgeklärte Bürger die Hirnforschung nach dem Sitz der Seele und sind enttäuscht, wenn kein Synapsenklumpen dafür dingfest zu machen ist? Otto A. Böhmer zeigt in seinem Essay, woher das Interesse kommt und wohin die Seelenreise geht. mehr

100 JAHRE DADA

Ein faszinierender Schatz

Am 5. Februar 1916 gründete Hugo Ball mit seiner Freundin Emmy Hennings in Zürich in der Spiegelgasse 1 das »Cabaret Voltaire«. Die »Dada«-Bewegung war geboren. Karl Piberhofer blickt auf die aktuelle Rezeption der Bewegung und empfiehlt Bücher zum Thema. mehr

In Erinnerung an Assia Djebar

Sich selbst Lebewohl sagen

Vor einem Jahr, am 6. Februar 2015, starb die algerisch-französische Schriftstellerin Assia Djebar. Riccarda Gleichauf hat ihren autobiographischen Roman »Nirgendwo im Haus meines Vaters« gelesen, in dem es um kulturelle Hybridität und um den Freiheitskampf einer Frau geht. mehr

Die »Klassische Documenta« von 1956

»Wie man Bilder nicht hängen sollte …«?

1956 erschreckte der Documenta-Gründer Arnold Bode Besucher des Hessischen Landesmuseums in Kassel mit einer modernen Inszenierung der während des Krieges ausgelagerten und damals gerade aus Wien zurückgekehrten alten Meister. Eine Kabinettausstellung im Schloss Wilhelmshöhe in Kassel gibt Einblick in diese Umbruchszeit, die zugleich auch ein Kapitel der Geschichte vom Ausstellungskuratieren einnimmt. mehr

Buchhandlung Parnassus Books

Der Laden brummt

Die amerikanische Erfolgsschriftstellerin Ann Patchett hat in Nashville einen Buchladen gegründet. In den USA kreierte sie damit einen neuen Trend: die Renaissance der kleinen, städtischen Buchhandlung. Martin Lüdke empfiehlt die Reise nach Nashville, hat aber auch einen Tipp für Zauderer. mehr

Gespräch mit Jean-Luc Nancy

Ja, es ist Krieg

Jean-Luc Nancy spricht mit Shoichi Matsuba über die Anschläge von Paris und geht vor diesem Hintergrund auf Krieg und Kriegsrecht, Gemeinsamkeiten und Unterschiede von Christentum und Islam, aber auch auf das Leben im gegenwärtigen Kapitalismus und in Zeiten von Angst und Verunsicherung ein. Dabei zeigt er die Logik der Ökonomie auf und erläutert, wie Star Wars unser Verständnis von Macht verändert hat und warum er mit dem »Unsichtbaren Komitee« sympathisiert. mehr

Gespräch mit dem Autor Patrick Chamoiseau

Kultur der Kulturen

Patrick Chamoiseau zählt zu den wichtigsten Autoren der Karibik und war mit seinem Buch »Die Spur des Anderen« auf der Shortlist des Internationalen Literaturpreises. Im Interview mit Andrea Pollmeier spricht er über die Herausforderung, nationale Denkmuster zu überwinden und im transkulturellen Umfeld weltweit individuelle Autonomie zu entfalten. Am Wochenende ist er Gast der Litprom-Literaturtage 2016 in Frankfurt. mehr

DER FILMEMACHER RAOUL PECK

Beben im Innenhof der Elite

Der aktuelle Film des haitianischen Regisseurs Raoul Peck ist ein sozialkritischer Spielfilm, der zeigt, wie sehr das Erdbeben in Haiti die Grenzen zwischen Arm und Reich verschoben hat. Der Film, der jetzt in die deutschen Kinos kommt, ist Teil einer Folge politischer Filmessays, in denen der Regisseur nach Art des französischen Autorenkinos zeitgeschichtliche Ereignisse analysiert, beschreibt Andrea Pollmeier. mehr

ZUM TOD VON DAVID BOWIE

Die Farbe der Trauer

Zwei Tage nach der Veröffentlichung seines neuen Albums ist David Bowie völlig überraschend gestorben. Isa Bickmann erinnert an Bowies letzten öffentlichen Auftritt und empfiehlt die gerade erschienene CD »Blackstar«. mehr

Abschied und Neuanfang: Harry Oberländer

Mit fliegenden Rockschößen

Harry Oberländer, der Soziologie studierte, im Buchhandel, als Journalist und als Logenschließer in der Oper arbeitete, bevor er zum Literaturbüro kam, schrieb früh Gedichte und hat mindestens drei Gedichtbände veröffentlicht. Nun wurde er als Leiter des Hessischen Literaturforums verabschiedet. Bernd Leukert hat einen farbigen Aspekt bei ihm ausgemacht. mehr

Gespräch mit dem Philosophen Dieter Henrich

Sterbliche Gedanken

Alexandru Bulucz besucht den Philosophen Dieter Henrich. Der Dialog, den sie führen, bringt tatsächlich Einsichten hervor, die der einsame Schreibakt nur schwer ermöglicht. Anlässlich des 89. Geburtstags des Philosophen veröffentlicht Faust-Kultur einen Gesprächsausschnitt, der von Celibidache über Heidegger und den Tod zu Kafka und Hölderlin führt. mehr

Gespräch mit dem Schriftsteller Bora Cosic

Epileptiker sind nicht melancholisch

Bora Cosics Monumentalroman »Die Tutoren«, der die Chronik einer in Slawonien angesiedelten Familie erzählt, galt als fast unübersetzbar. Seit letztem Herbst liegt er in der Übersetzung von Brigitte Döbert auf Deutsch vor. Im Gespräch mit Alexandru Bulucz spricht Cosic über Epilepsie, über das Knirschen des Kieses, auf dem Robert Walser spazierte, über Peter Handke, über dummes Geschwätz und über den Ernst. mehr

VIDEOPROJEKT »ZOON POLITIKON«

Lehrstück und Gedächtnismaschine

Jonas Englerts Projekt »Zoon Politikon« ist ein Online-Video-Archiv, das beständig erweitert wird. Ausgewählte Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Politik und Kunst werden gebeten, über ihr Leben und Wirken zu berichten. Bereits teilgenommen haben Bazon Brock, Daniel Cohn-Bendit, Frigga Haug, Hilmar Hoffmann, Oskar Negt, Burghart Schmidt und Christina Thürmer-Rohr. Ralph Fischer stellt das Projekt vor. mehr

NATUR UND POESIE

Ein dauerhaft goldener Schein

Brigitte Kronauer hat sich gerne in die Natur begeben und deren Wirkung mit ihrer Kunst verewigt. Nun sind zum 75. Geburtstag der Schriftstellerin ihre Essaybände »Poesie und Natur/Natur und Poesie« erschienen. Otto A. Böhmer nimmt sie zum Anlass für einen Streifzug durch philosophische Naturbetrachtungen. mehr

Wiederentdeckung: Henry James

Von Künstlern und Verzweifelten

Das Lavieren zwischen der amerikanischen Moderne und der europäischen Tradition war das prototypische Thema des Schriftstellers Henry James. Zwei gelungene Neuübersetzungen wollen nun die Wiederentdeckung des Erzählgroßmeisters anstoßen, berichtet Stefana Sabin. mehr

Das Gewicht unserer Geschichte, Teil II

Der Geist heute

Jean-Luc Nancy nimmt im zweiten Teil seiner Ausführungen zum »Gewicht unserer Geschichte« Marx‘ Rede vom »Geist geistloser Zustände« zum Anlass, um erneut nach dem Sinn des Wortes Geist zu fragen. Seine Überlegungen zeigen, dass Geist dort aufhört, Geist zu sein, wo dessen Sinn fixiert wird, so dass die Grundlage für Dogmen und Gesetze, ob religiöse oder politische, entstehen kann. Daher gelte es, den pluralen Sinn des Geistes zuzulassen. mehr

Gespräch mit Jan Kuhlbrodt

Verkappte Anarchisten

Jan Kuhlbrodt ist Philosoph und Poet. Er kam einst aus Chemnitz, studierte in Leipzig und in Frankfurt am Main. Er lebt in Leipzig, lehrte dort am Deutschen Literaturinstitut und schreibt gern über die Grenzen hinweg. Im Gespräch mit Bernd Leukert erklärt er, worum es ihm dabei geht. mehr

Essay zur Blindheit, Teil 2

Das Auge verschlingt sich selbst

Ein Aug, in Streifen geschnitten, / wird all dem gerecht – so lauten die letzten Verse aus Paul Celans Gedicht »Weißgrau«, die Ingo Ebener nicht nur zu verstehen versucht. Sie dienen ihm auch als Ausgangspunkt einer zweiteiligen, kurzen Geschichte der Blindheit. Teil II führt von Husserl zu Leibniz und Jean-Luc Nancy. mehr

Essay: Der Zuspruch der Erinnerung

Spiel auf Zeit

Rüdiger Safranski hat ein Buch geschrieben, das den Titel »Zeit« trägt. Otto A. Böhmer hat daraus den Aspekt der Erinnerung gefischt, die er in einem weiten Bogen philosophischer und literarischer Zeugnisse auffächert. Er weist uns damit nicht nur auf die Fragilität unserer Gedächtnisleistungen, sondern auch auf die letzten Dinge hin. mehr

Solitude Atlas

Kein Zentrum, keine Peripherie

Im 25. Jahr ihres Bestehens präsentiert die Akademie Schloss Solitude ihre Sicht auf die Welt mit einem großen Atlas. Der Band versammelt Schilderungen aus etwa hundert Städten und Orten der Welt, verfasst von rund zweihundert ehemaligen Stipendiaten der Akademie aus annähernd fünfzig Ländern aller Kontinente, berichtet Volker Breidecker. mehr

Kulturelles Selbstverständnis: Brüche und Chancen

Ist hier der Westen?

Wenn wir angesichts der Flüchtlingsströme um den Bestand unseres kulturellen Selbstverständisses fürchten, löst sich dieses Selbstverständnis gerne in Luft auf, falls wir erklären, was wir darunter verstehen. Wörter wie Moral, Recht, Patriotismus, Religion, Globalisierung, Nationalismus und Regionalismus, die Fremden, Furcht und Liberalismus werden zu oft unter der Flamme der Vorurteile zusammengekocht. Der österreichische Philosoph Peter Strasser hat sie ihrer Bedeutung nach sortiert und in einen klärenden Zusammenhang gebracht. mehr

Der Künstler Brian Eno in Frankfurt

Dark Room mit Entschleunigung

Mit einem groß angelegten Programm fand in Frankfurt vom 7. bis 11. Oktober 2015 die B3 Biennale des bewegten Bildes zum zweiten Mal statt. Zu dem diesjährigen Leitthema »Expanded Senses« passte wunderbar der Ehrengast Brian Eno, dessen Auftritte Isa Bickmann beobachtet hat. Seine Ausstellung »My Life in Light« ist noch bis zum 3. Januar 2016 im Museum Angewandte Kunst in Frankfurt zu sehen. mehr

70 Jahre UN-Gründung

Europas Flucht vor der Flüchtlingskrise

70 Jahre Vereinte Nationen in einer Welt, die an ihren Widersprüchen und dem Gefälle zwischen Arm und Reich fast zerbricht. Die Europäische Union ist bei der Flüchtlingsfrage uneins wie nie. Michele Sciurba geht der Frage nach, ob nach mehr als 20 Jahren EU der europäische Gedanke einer sozialen und gerechten Solidargemeinschaft am Ende ist. mehr

Friederike Mayröckers Prosa

Madonna und das Lämmchen

Die Grande Dame der österreichischen Poesie, Friederike Mayröcker, hat nach den »Études« den zweiten Band ihrer Prosa-Texturen vorgelegt, »Cahier«. In ihm führt die Autorin ihre eigenwillige und einzigartige Schreibweise fort. Bernd Leukert hat sich eingelesen. mehr

Erich Mühsams Tagebücher in der Festungshaft

»Und jetzt will ich an Zenzl schreiben«

Der Schriftsteller und Anarchist Erich Mühsam (1878-1934) war maßgeblich an der Ausrufung der Münchner Räterepublik im Jahr 1919 mitbeteiligt. Nach deren Niederschlagung kam Mühsam in Festungshaft. Im Verbrecher Verlag ist nun ein weiterer Band seiner Tagebücher erschienen, in dem Mühsam sein Leben in Haft festhält. Harry Oberländer hat das Buch gelesen. mehr

Rund um die ganze Musik und Georg Kreisler

Frido Mann trifft einen virtuosen Gratwanderer

Frido Mann, der Lieblingsenkel von Thomas Mann, studierter Musiker, katholischer Theologe und Psychologe, hat ein Buch geschrieben, das »An die Musik« heißt. Hans-Klaus Jungheinrich erzählt, was er darin gelesen hat. Darüberhinaus hat er eine CD-Neuerscheinung entdeckt, auf der erstaunlicherweise klassische Kompositionen von Georg Kreisler zu hören sind. mehr

Friedenspreis an Navid Kermani

Gläubiges Staunen

Mit Karl Kardinal Lehmann war er schon einmal so über Kreuz, dass ihm vorübergehend der Hessische Kulturpreis aberkannt wurde. Diesmal aber hat der in Siegen geborene Schriftsteller, Publizist und Orientalist Navid Kermani ohne Probleme den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels empfangen können. Petra Kammann war zugegen und stimmt in den Lobgesang ein. mehr

Zum 100. Geburtstag von Arthur Miller

Ein idealistischer Moralist

Arthur Miller hat ein Werk geschaffen, das das amerikanische Drama und das Theater geprägt hat. In seinen Stücken geht es immer um eine freie, mündige Entscheidung, um kollektive und um individuelle Moral. Stefana Sabin würdigt den Dramatiker, der vor hundert Jahren geboren wurde. mehr

Roman über den deutschen Spion Fritz Kolbe

Eine unbeugsame Seele

Per Zufall stieß der Hamburger Schriftsteller Andreas Kollender auf die Geschichte des Spions Fritz Kolbe, begann zu recherchieren und schrieb darüber einen Roman. Kollenders »Kolbe« zeigt, wie ein deutscher David todesmutig gegen den übermächtigen Goliath namens Naziregime agiert. Peter Henning empfiehlt das Buch. mehr

Zur Frühgeschichte der »Süddeutschen Zeitung«

Trübe Anfänge des liberalen Flaggschiffs

Knud von Harbou hat ein Buch über die Frühgeschichte der »Süddeutschen Zeitung« vorgelegt. Am Beispiel der SZ beschreibt Harbou, wie rasch sich im Pressewesen nach 1945 Mitläufer und Vorbelastete wieder breitmachten. Das Buch ist ein aufschlussreiches Stück deutscher Nachkriegs- und Pressegeschichte, meint Claudia Kühner. mehr

Steve Sem-Sandbergs Roman »Die Erwählten«

Die Literatur gibt den Opfern eine Stimme zurück

Steve Sem-Sandberg hat mit »Die Erwählten« einen Roman über die Verbrechen am Wiener Kinderkrankenhaus »Am Spiegelgrund« während der Nazizeit vorgelegt. Sem-Sandberg präsentiert die Geschichte als einfachen Bericht, lässt den Leser vor Wut beben, treibt ihm die Tränen in die Augen. »Die Erwählten« ist ein großer Roman, meint Martin Lüdke. mehr

Gespräch mit Emma Bonino

Europa im Stillstand

Emma Bonino ist eine Radikale im öffentlichen Dienst. Und das Schönste daran ist, dass sie dabei auf Rechtsstaatlichkeit pocht, die sich auf Toleranz, Respekt für die Rechte des Individuums und Rechtsgarantien gründet. Im Gespräch mit Giovanna Casadio macht sie deutlich, dass das kein Widerspruch ist und was Institutionen für Europa bedeuten. mehr

Zu Besuch bei Eldad Beck

»Hier zu leben, ist wirklich nicht einfach«

»Israel ist an allem schuld« lautet der provokante Titel einer Streitschrift der Journalisten Georg M. Hafner und Esther Schapira. Sie wollen aufzeigen, warum dieser Staat in Teilen der deutschen Öffentlichkeit so leidenschaftlich gehasst wird und was das mit Antisemitismus zu tun hat. Faust-Kultur veröffentlicht daraus das Porträt von Eldad Beck, dem in Berlin lebenden Deutschlandkorrespondenten der israelischen Tageszeitung »Yedioth Ahronoth«. mehr

Theater

Michael Eberths theatrale Wiedervereinigung

1990 beruft Thomas Langhoff den westdeutschen Dramaturgen Michael Eberth an das ehemalige Staatstheater der DDR. Eberth, getragen vom Erneuerungselan bundesrepublikanischer Bühnenkunst, stößt dort auf ein betagtes Konzept neuen Theaters und bestenfalls auf eine Mauer subversiven Gehorsams. In seinen Tagebüchern schreibt er alles auf. Und das könnte Ärger geben, meint Karlheinz Braun. mehr

Robert-Gernhardt-Preis 2015

Rest der Geretteten

Gila Lustiger ist auf Dokumente gestoßen, die ihr Vater Arno Lustiger einst im Displaced Persons-Camp Zeilsheim für die amerikanische Lagerbehörde ausfüllen musste. Die Rätsel, die sich für sie daraus ergeben, beschreibt sie in einem Buch, dessen Fertigstellung mit dem Robert-Gernhardt-Preis 2015 gefördert wird. In ihrer Dankesrede beschreibt die Autorin, worum es darin geht. mehr

Würdigung der italienischen Politikerin

La Bonino

Daniel Cohn-Bendit stellt anlässlich der Veröffentlichung des Buches »Freiheit verpflichtet« die Autorin, Politikerin und Aktivistin Emma Bonino vor. Bonino, die unerschütterlich für demokratische Verhältnisse kämpft, war für ein knappes Jahr, nämlich im Kabinett Letta, Italiens Außenministerin. mehr

Ulrich Beck über Zygmunt Bauman

Wer überlebt – gewinnt

Der Soziologie hat Zygmunt Bauman einen Weg aus der gegenwartsfixierten Generalisierung gewiesen mit der Transformationstheorie »Liquid Modernity«. Der zu Jahresbeginn 2015 gestorbene Soziologe und Philosoph Ulrich Beck fächert in seiner brillanten Laudatio Hintergrund und Kontext von Baumans Theorie auf. mehr

Ein Gespräch mit der Lyrikerin Anneke Brassinga

Ich gehe gern fort

Der Tod des Vergil brachte sie zum Dichten. Die niederländische Übersetzerin und Poetin Anneke Brassinga erzählt im Gespräch mit Bernd Leukert von der Literaturszene Amsterdams, von Liebe, Tod und der Kunst des lyrischen Schreibens. mehr

Georg Stefan Troller im Gespräch mit Harry Oberländer

Emigrant auf Lebenszeit

Georg Stefan Troller hat uns Deutschen seit 1962 mit seinem Pariser Journal Leben, Selbstverständnis und Kultur der Hauptstadt-Franzosen auf den Bildschirm gebracht, von 1971 an mit seiner sonoren Stimme 70 ungewöhnliche Interviews unter dem Serientitel Personenbeschreibung geführt. Mit dem Regisseur, Dokumentarfilmer und Schriftsteller sprach Harry Oberländer. mehr

Amos Oz im Gespräch mit Max Czollek

Dieses Buch ist wie ein Kammermusikstück

Der israelische Schriftsteller Amos Oz und die Übersetzerin Mirjam Pressler sind die Preisträger des Internationalen Literaturpreises – Haus der Kulturen der Welt 2015. Aus diesem Anlass sprach Max Czollek mit Amos Oz über seinen neuen Roman »Judas«, dessen historische und literarische Referenzen sowie über den Stellenwert von Übersetzungen. mehr

James Ensor, ein Leben in Ostende

Der Maler, das Meer, die Masken

Der Maler der Masken, James Sidney Ensor, der 1860 in Ostende zur Welt kam und dort nicht nur 1949 starb, sondern sein langes Leben hauptsächlich in dem westflandrischen Seebad verbrachte, war eine streitbare Persönlichkeit. Johannes Winter hat die Spuren des belgischen Künstlers in dessen Heimatstadt aufgesucht. mehr

Die Malerin Lotte Laserstein

Lottes lange Rückkehr

In der Weimarer Republik war sie eine gefeierte Malerin. 1937 musste Lotte Laserstein (1898-1993) nach Schweden fliehen. Nach langer Zeit in Vergessenheit wird Laserstein nun in Deutschland wiederentdeckt. Eugen El erzählt von seiner persönlichen Begegnung mit dem Werk der Malerin. mehr

Essay

Eine tragische Liebesgeschichte

Seit der Aufklärung haben sich viele jüdische Intellektuelle zu Martin Luther und zur Bedeutung der Reformation für die Moderne zu Wort gemeldet. Angesichts des Abgleitens maßgeblicher protestantischer Theologen in antisemitische Denkweisen seit 1933 kann man von einer großen Tragik der jüdischen Liebesgeschichte mit Luther sprechen, meint Christian Wiese. mehr

Erforscher der NS-Zeit

Ernst Klee: seine Bücher, sein Erbe

Ernst Klee war Investigativjournalist und Schriftsteller. In seinen Zeitungsartikeln, Filmen und Büchern befasste er sich mit Behinderten und psychisch Kranken, dann schrieb er über die Euthanasie und die Medizin im Dritten Reich. Ohne seine Arbeit wären viele NS-Verbrechen verborgen geblieben. Walter H. Pehle, sein Freund und Lektor beim S. Fischer Verlag, erinnert an den außergewöhnlichen Aufklärer. mehr

Faust-Gespräch mit dem Autor Dany Laferriere

»Das Rätsel der Rückkehr«

Dany Laferrière musste erst 18 Bücher auf Französisch publizieren, bevor ein Werk von ihm ins Deutsche übersetzt wurde. Dann allerdings bekam er gleich den Internationalen Literaturpreis. Haus der Kulturen der Welt in Berlin. Andrea Pollmeier hat mit dem Autor über seinen Roman »Das Rätsel der Rückkehr«, seine Heimat und seine Exilerfahrungen gesprochen. mehr

NSU und Verfassungsschutz

Nichts gesehen, nichts gehört

Die Geschichte des Andreas Temme: der Beamte des Hessischen Verfassungsschutzes war anwesend, als der NSU (Nationalsozialistische Untergrund) den 21-jährigen Halit Yozgat in dessen Internet-Café in Kassel erschoss, im April 2006. Temme war Augen- und Ohrenzeuge. Seitdem tobt ein Kampf um Deutungen, Gewissheiten, Wahrheiten, berichtet Johannes Winter. mehr

Huchel-Preis an Paulus Böhmer

Paulus Böhmers geheimer Pakt mit dem Unbegrenzten

Dem in Frankfurt lebenden Poeten Paulus Böhmer ist der diesjährige Peter-Huchel-Preis zuerkannt worden, der am 2. April in Staufen verliehen wurde. Ria Endres hat sich mit den Besonderheiten der Böhmerschen Dichtung befasst und berichtet in ihrem kurzen Essay von dessen »Universen, wo Schrecken und Schönheit dicht beieinander liegen.« mehr

Peter Strasser im Gespräch mit Alexandru Bulucz

Helligkeit und Trost

Der Widerspruch zwischen den eiskalt gezogenen Konsequenzen einer gerade relevanten Denkfigur und einer sozialen Verantwortung ist der Philosophie immer wieder vorgeworfen worden. Im Gespräch mit Alexandru Bulucz erläutert der österreichische Philosoph Peter Strasser seinen Blick auf die einfachen Dinge des Lebens. mehr

Porträt des jiddischen Dichters Avrom Sutzkever

Die Kette der Vergangenheit

1913 in Weißrussland geboren und in Wilna aufgewachsen, erlebte Abraham (Avrom) Sutzkever die Blütezeit der jüdischen Kultur in Osteuropa, ihre Zerstörung während der Schoah und den Neubeginn jüdischen Lebens in Israel. Daniel Kahn erzählt vom Leben und Werk des großen jiddischen Lyrikers am Beispiel des Gedichts »Vi Azoy«. mehr

Eva Demski im Gespräch mit Harry Oberländer

Ich habe keine Angst gehabt

Die Frankfurter Schriftstellerin Eva Demski, deren dritter Roman »Scheintod« jetzt wiederveröffentlicht wurde, erzählt im Gespräch mit Harry Oberländer von ihrem Vater, von Marcel Reich-Ranicki und davon, dass sie das ganze Idealismusgetue gründlich satt hat. mehr

erstellt am 02.8.2010

Tagebuch einer Reise von Frankfurt nach Rom

»O glückliche, reiche einzige Tage«

Die Grand Tour, jene seit der Renaissance zuerst vom Adel, später vom Bürgertum und von Künstlern getätigte Bildungsreise, hat ihre Spuren in der Kunstgeschichte hinterlassen. Aber die Frauen, wo waren sie? ist die Ausgangsfrage eines Reise- und Rechercheprojektes zum Sehnsuchtsziel Italien. Fünf Künstlerinnen und eine Musikerin waren eingeladen, sich auf Spurensuche zu begeben und nach Italien zu reisen. Faust-Kultur bringt Auszüge aus dem dazu erschienenen Reisetagebuch. mehr

70 Jahre Erklärung der Menschenrechte

Tod durch Strom

70 Jahre nach der Verabschiedung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte durch die UN-Generalversammlung ist die staatliche Anwendung der Todesstrafe weiterhin globale Realität. In den USA finden wieder Hinrichtungen auf dem elektrischen Stuhl statt. Helmut Ortner blickt auf die Entstehung und Entwicklung dieser Tötungsart. mehr

Zum Tod von Paulus Böhmer

No home

Über viele Jahre war Faust-Kultur-Redakteur Harry Oberländer im Hessischen Literaturforum Mitarbeiter von Paulus Böhmer. Der Erinnerung an sein letztes Treffen mit dem Meister des Langgedichts gibt er einen Auszug aus Böhmers Buch »No home« bei, das im nächsten Jahr im Verlag Peter Engstler erscheinen wird. mehr

LÜDKES LIEDERLICHE LISTE

Sündige Klosterbrüder

Der einäugige Ernest Herz tritt den Posten des Bibliotheksleiters in einem abgelegenen Kloster an. Sein Vorgänger beging Selbstmord. Mit Herz' Ankunft an seiner neuen Arbeitsstätte beginnt Marjana Gaponenkos jüngster Roman: »Der Dorfgescheite«. Die Autorin versteht es, Spannung aufzubauen und zu steigern, meint Martin Lüdke. mehr

I puritani (Die Puritaner)

Im Dunkel

Die Oper Frankfurt zeigt »I puritani«, die im englischen Bürgerkrieg zwischen Puritanern und Katholiken spielende, letzte Oper von Vincenzo Bellini. Während Sänger, Orchester und Chor vom Premierenpublikum mit viel Applaus bedacht wurden, erntete das Regie-Team laute Buhrufe – zu Recht, wie Stefana Sabin meint. mehr

Europoesie: Gedichte von Anna Maria Bacher

Zwischen Moos und Farn

In Anna Maria Bachers Gedichtband »Öigublekch/ Augenblicke/ Colpo d’occhio« ist die Natur so präsent, wie sie aus ihrem Walserdeutsch herauszubrechen scheint. Was geschieht damit im Deutschen und Italienischen? Die Übersetzungen erinnern an eine aussterbende Kultur. Bernd Leukert hat sich mit den fremden Welten befasst. mehr

Briefe: Rainer Maria Rilke und Erika Mitterer

Sinnlichkeit durch die Poesie

Mit der Dokumentation der poetischen Beziehung zwischen Rainer Maria Rilke und Erika Mitterer wurde eine Lücke in der Rilke-Forschung geschlossen. In diesem Briefwechsel werden Attraktion und Begehren ebenso thematisiert wie Hoffnung, Abgrenzung und Abschied, berichtet Gudrun Braunsperger. mehr

Porträt: Der Fotograf Peter Loewy

»Meine Eltern waren Flüchtlinge«

Für eine Ausstellung im Jüdischen Museum Hohenems fotografiert Peter Loewy verborgene Facetten der israelischen Metropole Tel Aviv-Jaffa. Eugen El hat mit Loewy über dieses und weitere Projekte sowie über seine deutsch-jüdische Familiengeschichte gesprochen. mehr

HERBERT ACHTERNBUSCH ZUM 80. GEBURTSTAG

Ich bin doch nur ein Depp.

Ruhig ist es um Herbert Achternbusch geworden in den vergangenen Jahren. Das hatte mit gesundheitlichen Problemen zu tun, aber auch dem Alter: Am 23. November 2018 wird der bayerische Anarcho-Gesamtkünstler 80 Jahre alt. Uwe Schütte nimmt Achternbuschs Jubiläum zum Anlass für eine ausführliche Würdigung seines Werks. mehr

»Vier Geschichten vom Rand der Tage«

Ein Abend im Mai

Der 1967 geborene, in Berlin lebende Autor und Übersetzer Lothar Quinkenstein arbeitet gerade an einer Sammlung von kurzen Prosatexten. Faust-Kultur veröffentlicht daraus vier Geschichten. Die junge Kunstszene einer polnischen Stadt ist Schauplatz der dritten Erzählung: »Ein Abend im Mai«. mehr

»Biedermann und die Brandstifter«

Zündhölzer und viele Wahrheiten

Die schlichte Fabel vom Biedermann und den Brandstiftern wird bei Max Frisch dramatisch, weil sie mit der Warnung vor den Menschenverächtern die Gastfreundschaft aufs Spiel setzt. Die Landungsbrücken Frankfurt, das offste Theater der Stadt, setzt damit die gegenwärtige Naivität aufs Spiel. Walter H. Krämer war dabei. mehr

Ausstellung Pieter Bruegel d. Ä. in Wien

Der »Bauernbruegel« komplett wie noch nie

Um Gemälde von Pieter Bruegel dem Älteren zu sehen, musste man schon immer nach Wien reisen. Das Kunsthistorische Museum besitzt die größte Sammlung seiner Werke. Jetzt hat es auch die übrigen zugänglichen Bilder des flämischen Meisters nach Wien geholt. Thomas Rothschild hat die Bruegel-Ausstellung besucht. mehr

80. GEBURTSTAG VON MICHAEL BUSELMEIER

Ein Indianerleben im Verborgenen

Michael Buselmeier hat Romane, Erzählungen, Gesprächs- und Sachbücher geschrieben und etwa zehn Bände mit Gedichten. Er hat die Heidelberger Stadtzeitung mitbegründet und macht literarische Stadtführungen durch Heidelberg. Zu seinem 80. Geburtstag ist nun eine Festschrift mit dem Titel »Nichts soll sich ändern« erschienen. Wir gratulieren mit einer Laudatio von Michael Braun und einem Gedicht von Harry Oberländer, die darin enthalten sind. mehr

Internationale Ferienkurse für Neue Musik

Mit Dionysos wider die Metaphysik des Klangs

Auch um Körperlichkeit und Sexualität ging es bei den Internationalen Ferienkursen für Neue Musik in Darmstadt 2018. Was die altgriechischen Götter Dionysos und Apollon damit zu tun haben, hat der Komponist Jakob Stillmark nicht nur bei Friedrich Nietzsche, sondern auch in der gegenwärtigen Kompositionspraxis gefunden. mehr

»KABALE UND LIEBE« AM STAATSTHEATER COTTBUS

Was Theater alles kann

Die Liebe in Zeiten der politischen Parteilichkeit wird schnell zum Skandal, wenn der oder die Falsche geliebt wird. Es sei denn, die Liebesbeziehung wird wieder zur Handelsbeziehung. Was hat das bürgerliche Trauerspiel, das sich in Schillers »Kabale und Liebe« darstellt, dem Publikum des Jahres 2018 zu sagen? Walter H. Krämer hat Jo Fabians Inszenierung in Cottbus gesehen. mehr

Neuinszenierung in Wien

Den Wurschtl kann keiner erschlagen

Albert Drach, 1902 in Wien geboren, 1995 in Mödling gestorben, hatte wegen seiner jüdischen Herkunft vor allem im französischen Exil während der deutschen Besetzung ein riskantes Leben, schrieb Romane, Erzählungen, Dramen, Essays und Gedichte. Jetzt hat das Wiener Theater Nestroyhof/Hamakom einen Drach-Schwerpunkt aufs Programm gesetzt. Elvira M. Gross hat sein »Kasperlspiel vom Meister Siebentot« gesehen. mehr

Calderóns Stück aus dem 17. Jahrhundert in Mainz

Ein Traum, im Theater gespielt

»Das Leben ein Traum« – Der Regisseur K. D. Schmidt hat sich dieser Einsicht gestellt. Am Staatstheater Mainz inszeniert er Calderóns gleichnamiges Stück aus dem Jahr 1635. Schmidt ist es gelungen, eine platte Aktualisierung und eine historistische Darstellung zu vermeiden, meint Martin Lüdke. mehr

REDE ZUR DEMOKRATIE

Wir alle können etwas tun

Zur Eröffnung der »Langen Nacht der Demokratie« in der Evangelischen Stadtakademie München hielt die Schriftstellern Lena Gorelik ein engagiertes Plädoyer, jeden Tag aufs Neue für Freiheit, Menschenwürde und Demokratie zu kämpfen. Faust-Kultur dokumentiert Goreliks Rede. mehr

Ballett »Shades of White«

Geordnete Welt

Zur Eröffnung der neuen Saison zeigt das Stuttgarter Ballett Choreographien von John Cranko, George Balanchine und Natalia Makarova nach Marius Petipa. Der mit »Shades of White« überschriebene Ballettabend steht im Zeichen von Tradition und Eleganz, berichtet Thomas Rothschild. mehr

Europoesie: Orsolya Kalasz

Hüterin der unbenannten Dinge

Die ungarische Lyrikerin Orsolya Kalász lebt in Budapest und Berlin, schreibt auf Ungarisch und auf Deutsch. Die Berührungspunkte, die beide Sprachen miteinander haben, sind beschränkt. Mit ihrer Verwandlungskunst findet die Poetin einen Ausweg aus dem Dilemma der Zweisprachigkeit. Bernd Leukert stellt Kalász’ zweisprachigen Band »alles, was wird, will seinen strauch« vor. mehr

Bodo Kirchhoff: Dämmer und Aufruhr

Wunden und Wunder

Bodo Kirchhoffs autobiographischer Roman »Dämmer und Aufruhr« ist ein Versuch, vor sich selbst Rechenschaft abzulegen, den Motiven der Rebellion eines Heranwachsenden der 68er-Generation auf den Grund zu gehen. Gudrun Braunsperger hat den »Roman der frühen Jahre« gelesen. mehr

Anne Reineckes Debüt »Leinsee«

Eine Beziehung mit Folgen

Anne Reineckes Debüt »Leinsee« erzählt vom Kunstbetrieb und von noch viel mehr. Die 1978 geborene Autorin führt ihre Leser durch eine ungewöhnliche Liebesgeschichte, die sich unbemerkt anbahnt und zusehends spektakulärer wird. »Leinsee« ist ein unterhaltsamer, fast märchenhaft anmutender Roman, meint Otto A. Böhmer. mehr

Lohengrin in Stuttgart

Rumpelstilzchen als Held

Mit Richard Wagners Oper »Lohengrin« stellt sich der neue Stuttgarter Generalmusikdirektor Cornelius Meister vor. Orchester und Chor sorgen für musikalischen Genuss, während der ungarische Regisseur Árpád Schilling beim Schlussapplaus auch Buhs erntet. Thomas Rothschild hat die „Lohengrin“-Premiere an der Staatsoper Stuttgart besucht. mehr

Marina Zwetajewas Prosa

»Die Wahrheit ist eine Überläuferin«

Marina Zwetajewa (1892-1941) gilt neben Anna Achmatowa als bedeutendste russische Dichterin des 20. Jahrhunderts. Dank einer neuen Übersetzung von Elke Erb, Ilma Rakusa, Margret Schubert und Marie-Luise Bott lässt sich jetzt ihre in den dreißiger Jahren entstandene Prosa entdecken. Gudrun Braunsperger empfiehlt den bei Suhrkamp erschienenen Band. mehr

Theater

Ionescos »Nashörner« trampeln durch Esslingen

Was als Komödie beginnt, wandelt sich zu einer Schreckensvision: »Die Nashörner«, Eugène Ionescos Parabel über Konformismus, Opportunismus und Massenhysterie, wurde 1959 uraufgeführt. Nun eröffnet der Dreiakter die neue Spielzeit an der Württembergischen Landesbühne Esslingen. Thomas Rothschild hat einen großen Theaterabend erlebt. mehr

»Der Theatermacher« in Dortmund

Geschichte einer Empörung

Kay Voges hat am Schauspiel Dortmund Thomas Bernhards Stück »Der Theatermacher« als Punk-Operette, Travestie, Splatter-Movie, Nummernrevue und Selbst-Zitat des Produktionsteams inszeniert. Walter H. Krämer spürt der Motivation des Dortmunder Regisseurs und Schauspieldirektors nach, das Stück auf die Bühne zu bringen. mehr

Günther Groissböck und Malcom Martineau

Wotan und Taschentücher

Es brauchte seine Zeit, bis der Bass Günther Groissböck sich in seine erkältete Stimme eingefunden hatte. Doch dann feuerte er beim Liederabend in der Frankfurter Oper zusammen mit seinem Klavierpartner Malcom Martineau ein Feuerwerk russischer Lieder ab, das es in sich hatte. Andrea Richter hat zugehört. mehr

Tri sestry / Drei Schwestern

Unerfüllte Katalogträume

20 Jahre nach der Uraufführung von »Tri sestry« in Lyon zeigt die Oper Frankfurt das zum modernen Klassiker avancierte Werk von Peter Eötvös erstmals wieder in der Urfassung. Regisseurin Dorothea Kirschbaum schlägt einen Katalog auf, der jeden der Protagonisten von seiner eigenen, neuen Lebens-Einrichtung träumen lässt. Alles andere als langweilig, meint Andrea Richter. mehr

Saint François d'Assise in Darmstadt

Hochamt in der Oper

Am Staatstheater Darmstadt beginnt die neue Saison mit einer Inszenierung der Oper »Saint François d’Assise« von Olivier Messiaen. Es ist ein Kraftakt, den Orchestermusiker und Sänger, vor allem der Bariton Georg Festl in der Titelpartie zum grandiosen Erfolg verwandeln, meint Stefana Sabin. mehr

Neue Spielzeit in Frankfurt

Wohin die Reise geht

Mit Eugene O’Neills Stück »Der haarige Affe«, übersetzt und bearbeitet von Clemens Meyer, und Ewald Palmetshofers »Räuber. Schuldenreich« startet das Schauspiel Frankfurt in die Spielzeit 2018/19. Beide Stücke kommentieren laut und deutlich die gegenwärtige politische Situation. Die zweite Spielzeit unter dem Intendanten Anselm Weber fängt gut an, findet Martin Lüdke. mehr

Irakische Schreibwerkstätten

Gedichte aus dem Arabischen

Schreiben kann in schwierigen Lebensphasen befreiend wirken. Gedichte, die von Suhad Issa, Zainab Aleani und Nidaa Hasan angeregt durch die Schreibwerkstätten der NGO elbarlament im Irak entstanden sind, werden in der Übersetzung von Leila Chammaa und Ilke S. Prick vorgestellt. mehr

Karin Bergmann an der Wiener Burg

Ein kleiner Sieg der Chancengleichheit

Seit 2014 leitet Karin Bergmann das Wiener Burgtheater. Der Tochter eines Bergarbeiters und einer gelernten Schneiderin aus dem Ruhrgebiet war eine Theaterdirektion nicht in die Wiege gelegt. Thomas Rothschild würdigt Bergmanns Werdegang und ihre erfolgreiche Arbeit. mehr

Schillers »Maria Stuart« in Mainz

Machtspiele am Königshof

Friedrich Schillers Drama um Maria Stuart, Königin von Schottland, wurde 1800 in Weimar uraufgeführt. Es erzählt vom Duell zweier Frauen im Kampf um Männer und Macht. Das betagte Trauerspiel erlebte nun am Staatstheater Mainz eine grandiose Wiedergeburt. Martin Lüdke sah die Premiere. mehr

Im Video

8. Hochstädter Lyriknacht

In dieser Hochstädter Kirche, deren Fundamente im 10. Jahrhundert gelegt wurden, bekommen Gedichte eine Aura. In der 8. Hochstädter Lyriknacht in Erinnerung an Horst Bingel lasen bekannte Autoren wie Jan Wagner und Guntram Vesper, aber auch noch zu entdeckende wie Julia Mantel, Jan Seibert u.a. Nina Werth hat in ihrem Video die besondere Wirkung der Lesungen eingefangen. mehr

CD-Box »9 Trajectoires«

Die dunklen Objekte

Neun internationale Komponisten bereichern das kreative Personal der »Groupe de Recherches Musicales«. Ihre akusmatische Arbeit wird nun mit der CD-Box »9 Trajectoires« vorgestellt. Bernd Leukert berichtet, was da vor sich geht. mehr

Kinder der Rückkehr

Nur bis zu einem gewissen Grad

Nach Kriegsende kehrten einige Juden, die man vertrieben hatte, nach Österreich zurück, um sich am Aufbau eines demokratischen Staates zu beteiligen. Ruth Wodak (Foto) und Ernst Berger haben Kinder von Rückkehrern und auch deren Kinder, also die dritte Generation der NS-Opfer, interviewt und daraus ein Buch gemacht. Thomas Rothschild stellt es vor. mehr

URAUFFÜHRUNG IN STUTTGART

Der Schoß ist fruchtbar noch

Zum Abschluss von sieben Jahren erfolgreicher Arbeit an der Oper Stuttgart zeigen Jossi Wieler und Sergio Morabito anspruchsvolles Musiktheater. Mit Toshio Hosokawas Oper »Erdbeben. Träume« setzen sie ein Zeichen für Menschlichkeit und eine offene Gesellschaft, meint Walter H. Krämer. mehr

Zum Tod von Aretha Franklin

Klingende Werte

Aretha Franklin war nicht nur die »Queen of Soul«, sondern eine wahre »Queen of Pop«, eine globale Ikone, gefeiert in Kritiker- und Musikliebhaberkreisen, aber auch von Rentnern und Teenies auf der ganzen Welt, nicht zuletzt von der Gay Community. Michael Behrendt erinnert an die Sängerin, Songwriterin, Pianistin und Entertainerin, die am 16. August 2018 gestorben ist. mehr

Biographie

Eine Erinnerung an Hugo Sinzheimer

Hugo Sinzheimer (1875–1945) vertrat als Anwalt streikende Arbeitnehmer und Gewerkschaften, als SPD-Politiker arbeitete er an der Weimarer Verfassung mit. Seine Vorstellungen des Koalitions- und Tarifrechts haben bis heute Bestand. Die Goethe-Universität Frankfurt und Otto Ernst Kempen widmen Sinzheimer eine Biographie. Peter Kern hat sie gelesen. mehr

Salzburger Festspiele: Kleists »PENTHESILEA« als pas de deux

Love is not a game, but I’m winning

Johan Simons hat Kleists »Penthesilea« in Salzburg als archaisch-modernes Beziehungsdrama inszeniert. Sandra Hüller spielt Penthesilea, während Jens Harzer die Rolle des Achilles übernommen hat. Trotz mancher Einwände ist es eine außerordentliche und fesselnde Produktion, meint Elvira M. Gross. mehr

Erzählung

»Vier Geschichten vom Rand der Tage«

Der 1967 geborene, in Berlin lebende Autor und Übersetzer Lothar Quinkenstein arbeitet gerade an einer Sammlung von kurzen Prosatexten. Faust-Kultur veröffentlicht daraus vier Geschichten. Der zweite Text trägt den Titel »1574«. mehr

»Stimmen einer Stadt«

Ein vielstimmiger Chor

Das Schauspiel Frankfurt startete unlängst das auf drei Spielzeiten angelegte Projekt »Stimmen einer Stadt«. Jeweils drei Autoren bekommen den Auftrag, nach ausführlichen Gesprächen mit einem Einwohner Frankfurts ein Monodrama für je einen Schauspieler zu schreiben. Walter H. Krämer blickt auf den ersten Teil des Projekts zurück. mehr

POLITIK IN FERNSEHSERIEN

Francis Underwood statt Trump

In den vergangenen Jahren wurden Fernsehserien mit erstklassigen Besetzungen, namhaften Regisseuren, raffinierter Dramaturgie und einer großen Nähe zur Politik produziert. Der Band »Politik in Fernsehserien« versammelt nun 18 Aufsätze und Analysen zu House of Cards, Borgen & Co. Thomas Rothschild kann den Band nicht uneingeschränkt empfehlen. mehr

ZUM TOD VON ROLF TIEDEMANN

Aus Persilkartons gezaubert

Rolf Tiedemann hat die Schriften, Nachlässe und Briefwechsel von Walter Benjamin und Theodor W. Adorno erschlossen und herausgegeben. Nun ist er im Alter von 85 Jahren gestorben. Volker Breidecker erinnert an das Werk des Philologen, Philosophen und Herausgebers. mehr

»STARS, STRIPES & SONGS«

Hey-ya!

Auf einer Musikgala in Würzburg präsentieren der Songschreiber Markus Rill und seine Gäste, wie der Rock’n’Roll-Urknall aus dem Gemisch von Blues und Country entstand, wie die Folkies und die Hippies gegen Vietnam protestierten und welche Lieder die Bürgerrechtsbewegung begleiteten. Faust-Kultur dokumentiert den lyrischen Essay von Martin Wimmer, der die Sozialgeschichte der US-Musik durchstreift. mehr

Harro Stammerjohann zum 80.Geburtstag

Im Spiegel der Sprache

Am 25. Juli 2018 feiert der in Frankfurt lebende Romanist Harro Stammerjohann seinen 80. Geburtstag. Aus diesem Anlass würdigt der Salzburger Romanistikprofessor Matthias Heinz, ein Schüler Stammerjohanns, dessen wissenschaftliches Werk. mehr

Ludwigsburger Schlossfestspiele 2018

Jazz auf der Gadulka

Mit einem umjubelten Konzert des Violinisten Pinchas Zukerman haben die Ludwigsburger Schlossfestspiele 2018 ein triumphales Ende genommen. Thomas Rothschild sah dort außerdem die Händel-Oper »Lucio Cornelio Silla«, einen von Igor Levit begleiteten Auftritt des Tenors Simon Bode und eine musikalische Balkanreise des Ensemble »L‘Arpeggiata«. mehr

ROMANAUSZUG: »FREI NACH SCHOPENHAUER«

Unglaublich sesshaft

Prof. Dr. Egidius Fitzroy ist ein Philosoph. Das ist kein Beruf, sondern ein denkwürdiger Zustand, – wenn er nicht mit den zweifelhaften Segnungen eines Lehrberufs behaftet ist. Ein qualifizierter, aber arbeitsloser Vertreter des Fachs heißt deshalb auch Privatgelehrter. Faust-Kultur veröffentlicht das erste Kapitel von Otto A. Böhmers vergnüglichem Roman »Frei nach Schopenhauer«. mehr

Ballettabend in Stuttgart

Goodbye Reid Anderson

Am Stuttgarter Ballett feiert Reid Anderson das Ende seiner langjährigen Intendanz. Unter dem Titel »Party Pieces« werden Höhepunkte der vergangenen Jahre rekapituliert, kleine »Gelegenheitsstücke« und zwei Ausschnitte aus größeren Balletten, Vorzeigestücke auch für die Solisten des Ensembles. Thomas Rothschild hat das Ballett-Varieté gesehen. mehr

Lucy Frickes Roman »Töchter«

Zum Heulen schön

Zwei Freundinnen um die vierzig und ein todgeweihter Vater, der es sich in den Kopf gesetzt hat, in der Schweiz zu sterben: Mit ihrem vierten Roman »Töchter« ist der 1974 geborenen, in Berlin lebenden Schriftstellerin Lucy Fricke eine furiose, an Volten reiche Road-Novel gelungen, findet Peter Henning. mehr

LÜDKES LIEDERLICHE LISTE: Enzensbergers Porträts

Ein Schelm, wer Böses denkt

Hans Magnus Enzensberger, der einst »zornige, junge Mann«, erreicht 2019 ein stattliches Alter: Neunzig. Er schreibt noch immer, wie er grinst: klug, funkelnd, verschmitzt. Sein neuestes Buch enthält 99 Porträts von Autoren des 20. Jahrhunderts. Das Buch lässt offen, warum es geschrieben wurde, macht aber klar, warum es Nicht-Leser lesen sollten, meint Martin Lüdke. mehr

CD-TIPP

Pop im Jazz-Duo

Der Kontrabassist Martin Wind und der Gitarrist Ulf Meyer haben ihr erstes Duo-Studioalbum seit 25 Jahren aufgenommen. Die Musik auf der CD mit dem Titel »Licorice & Beer« ist zugänglich, ohne niveaulos zu werden, meint Thomas Rothschild. mehr

Krimiautorinnen: Christine Lehmann

Das Aufbrechen von Herrschaftsstrukturen

Im vierten und letzten Teil der Serie über deutschsprachige Krimiautorinnen stellt Kirsten Reimers mit Christine Lehmann eine der profiliertesten deutschen Genreautorinnen vor. Ihre Kriminalromane rund um die fiktive Reporterin Lisa Nerz sprengen die Konventionen des Genres und spielen mit Leseerwartungen. mehr

Filme von James Benning auf DVD

Für eine Zigarrenlänge

Mit bewundernswerter Ausdauer veröffentlicht das Österreichische Filmmuseum seit Jahren die Arbeiten des US-amerikanischen Filmemachers James Benning. Die jüngste Doppel-DVD enthält die Filme »11 × 14« von 1977 sowie zwei der drei zwischen 1977 und 2012 entstandenen Varianten von »One Way Boogie Woogie«. Thomas Rothschild empfiehlt die DVD. mehr

Erzählung

Das Geheimversteck

Lothar Quinkenstein, 1967 geboren, ist Germanist, Übersetzer aus dem Polnischen und Schriftsteller. Der in Berlin lebende Autor arbeitet gerade an einer Sammlung von kurzen Prosatexten. Faust-Kultur veröffentlicht daraus vier Geschichten, »Das Geheimversteck« heißt die erste. mehr

GESPRÄCH MIT DER AUTORIN SABINE SCHOLL

Transnationale Weltliteratur

Die in Berlin lebende, österreichische Autorin Sabine Scholl hat seit vielen Jahren außergewöhnlich differenzierte Analysen zu Fragen der Transkulturalität publiziert. Für ihr Werk wurde sie jetzt in Wien mit dem Anton Wildgans Preis ausgezeichnet. Im Kontext des Internationalen Literaturpreis 2015 sprach sie mit Andrea Pollmeier über Kennzeichen einer transnationalen Weltliteratur. mehr

Die Künstlerin E. M. C. Collard

Mit Haut und Stengel

E.M.C. Collard widmet sich Pflanzenstudien, erstellt Modelle phantasievoller Organismen und untersucht und kreiert deren Lebensräume. In Zeiten von genveränderten Pflanzen entwickelt sie auf wunderbar spielerische Art und Weise Prototypen einer neuen Generation. Claudia Olbrych stellt das Werk der in Frankfurt lebenden und arbeitenden Künstlerin vor. mehr

Anne Wiazemsky: Paris, Mai '68

Mit Rollschuhen zur Revolte

2015 ist Anne Wiazemskys sympathisch unprätentiöser »Erinnerungsroman« im französischen Original erstmals erschienen. Fast fünfzig Jahre nach den Ereignissen: »Paris, Mai '68«, die von der Autorin naiv staunend und zugleich mit dem genauen Blick des unbestechlichen Beobachters wahrgenommen worden sind. Es ist sicher das schönste Buch über die Revolte von 1968 überhaupt geworden, meint Martin Lüdke. mehr

Europoesie: Pierre de Ronsards »Sonette für Hélène«

Gebildete Brüste

Ein alter Mann verliebt sich in eine junge schöne Frau. Das ist unmöglich und kommt immer wieder vor. Der französische Dichter Pierre de Ronsard hat diese Konstellation zur Basis seiner »Sonette für Hélène« und der »Verstreuten Amoren« gemacht. Und zwar meisterlich. Bernd Leukert empfiehlt das Buch nicht nur alten Männern und empfindsamen jungen Frauen. mehr

Pina Bausch

Die Suche hört nicht auf

Dass Pina Bausch sich nicht auf die Traditionen ihres Berufs verließ, sondern den Tanz neu ergründete, mit den Erfahrungen ihrer Compagnie begründete und dennoch die Verläufe neu montierte, brachte, wie gewöhnlich, Begeisterung und Ärger hervor. Walter H. Krämer beschreibt, warum die Arbeit der großen Choreographin bis heute sehenswert ist. mehr

Wiener Festwochen 2018

Remake urauf

Wer glaubt, etwas Neues zu machen, ist nicht genügend informiert. Noch hoffnungsloser stimmen die Versuche, »neue Publikumsschichten« mit Stroboskopen und Bühnennebel für das Theater zu »erschließen«. Elvira M. Gross hat sich die neuen Wiener Festwochen angeschaut und ist nicht begeistert. mehr

LÜDKES LIEDERLICHE LISTE: John Bergers letztes Buch

Sein Testament – ist ein Geschenk

Den größten Teil seines Lebens verbrachte John Berger abseits der Metropolen, in der Natur. Als Künstler, zeichnend, malend, schreibend. Er war Kunsthistoriker, Schriftsteller, Dichter – oft alles zugleich. Berger war in der europäischen Kunstgeschichte zu Hause, ein Europäer. Sein letztes Buch ist nun auf Deutsch erschienen. Martin Lüdke empfiehlt es. mehr

BUCH ZUM FILM »CASABLANCA«

Play It Again

Seit 1942 schafft es der Film »Casablanca« stets aufs Neue, Zuschauer zu faszinieren. Noah Isenberg, Professor an der New School in New York, hat dem unüberschaubaren Stapel von Büchern über »Casablanca« ein weiteres hinzugefügt, das die Tugenden und die Schattenseiten amerikanischer Filmliteratur in sich vereint. Thomas Rothschild hat es gelesen. mehr

Konferenz Writers and Translators in Sibiu

Zufriedenheit und Erfolg

Die Arbeit von Übersetzerinnen und Übersetzern ist keine einfache und wäre ohne Wissen aus der Linguistik unbefriedigend. Manuela Klenke, die soeben den Roman Null Komma Irgendwas aus dem Rumänischen ins Deutsche übersetzt hat, berichtet mit dem Blick einer Insiderin über die internationale Konferenz Writers und Translators 2018, die an der Lucian-Blaga-Universität in Sibiu (Rumänien) stattgefunden hat. mehr

Ausstellung: Helmuth Macke im Bonn

Der vergessene Cousin

Am 8. September 1936 kommt der Maler Helmuth Macke unter ungeklärten Umständen auf dem Bodensee zu Tode. Sieben Jahre später werden bei einem Bombenangriff auf seine Heimatstadt Krefeld gut zwei Drittel seiner Werke vernichtet. Nun zeigt das August Macke Haus in Bonn das Werk von Helmuth Macke im Kontext der expressionistischen Malerei. Stefana Sabin hat die Werkschau besucht. mehr

Theater: »Endstation Sehnsucht« in Berlin

Zauber statt Realismus

Wie bei der Fahrt zur Endhaltestelle einer Straßenbahn, die »Desire« heißt und dem Dramatiker Tennessee Williams zum Titel einer der erfolgreichsten Stücke der Nachkriegszeit verhalf, sind die dramaturgischen Gleise in »Endstation Sehnsucht« gelegt, wenn das Spiel beginnt. Über die aktuelle Inszenierung des über 70-jährigen Dramas am Berliner Ensemble berichtet Walter H. Krämer. mehr

Oper und Theater in Zürich

Charlotte durch die rosa Brille

Beim 5. Schweizer Theatertreffen konnten nur Karin Henkels »Beute Frauen Krieg« und »Grimmige Märchen« von Herbert Fritsch überzeugen. Da kann man gleich ins Zürcher Operhaus gehen: Dort sah Thomas Rothschild Tatjana Gürbacas kluge, aber keineswegs revolutionäre Inszenierung von Jules Massenets »Werther«. mehr

LYRIK

Gerd-Peter Eigners nachgelassenes Mammut

Möglicherweise verhält es sich mit Gerd-Peter Eigner wie mit dem Mammut in seinem gleichnamigen Gedicht: Es ist weiter da, das Tier, nur entzieht es sich aus Sanftmut und Diskretion den schwachen menschlichen Blicken. Alban Nikolai Herbst hat dem streitbaren Schriftsteller ein Epitaph geschrieben. mehr

Hans Pleschinski: Wiesenstein

Der Dichter geht am Stock

Im Deutschland und im Ausland galt er einst als Autor von Rang. 1912 erhielt Gerhart Hauptmann (1862-1946) den Literaturnobelpreis. Später verblasste sein Ruhm. Hans Pleschinski macht Hauptmann zum Protagonisten seines im letzten Kriegsjahr spielenden Romans »Wiesenstein«. Otto A. Böhmer empfiehlt das Buch. mehr

Gespräch mit dem Künstler und Filmemacher Jos Diegel

»Ist Kultur nur noch Zugpferd?«

»Der Herbst des Untergrunds« ist ein experimenteller Dokumentarfilm von Jos Diegel. Er basiert auf 16-mm-Filmaufnahmen einer inzwischen abgerissenen temporären Ausstellungshalle im Offenbacher Hafen. Eugen El hat mit Jos Diegel über die Entstehung des Films und die Rolle von Kunst und Kultur in der Stadtentwicklung gesprochen. mehr

Theater in Berlin

Echte und synthetische Menschen

Thomas Ostermeier machte mit dem Stück Furore: »Rückkehr nach Reims« (Foto) ist die massiv reduzierte Bühnenbearbeitung des gleichnamigen Buchs von Didier Eribon. Thomas Rothschild hat die erfolgreiche Inszenierung an der Berliner Schaubühne gesehen, ebenso Susanne Kennedys »Selbstmord-Schwestern« an der Volksbühne. mehr

Jean-Michel Basquiat in der Schirn

Basquiat: »Das Schwarze ist mein Protagonist«

Jean-Michel Basquiat gehört zu den bedeutendsten Künstlern der Gegenwart. Zugleich ist er der erste Maler mit afroamerikanischen Wurzeln, der sich im umkämpften Kunstmarkt New Yorks in den 80er Jahren behaupten konnte. Die Schirn gibt noch bis zum 27. Mai Einblick in Leben und Werk des Künstlers. Andrea Pollmeier hat eine Führung von Kurator Dieter Buchhart begleitet. mehr

LEONARD BERNSTEIN

Der Dirigent als Komponist

Der Dirigent, Komponist und Pianist Leonard Bernstein (1918-1990) war ein Ausnahmekünstler. Kürzlich sind sämtliche von seiner Meisterschülerin Marin Alsop dirigierten Aufnahmen von Bernstein-Kompositionen in einer Box auf 8 CDs erschienen, ergänzt um ein Beiheft und eine Film-DVD. Thomas Rothschild empfiehlt die Box. mehr

Oper King Arthur an der Staatsoper Unter den Linden

Merlin im Versehrtenheim

Ist es möglich, die Schaubühne als eine moralische Anstalt zu betrachten, ohne sie als eine didaktische zu missbrauchen? Jede Neuinszenierung alter Theaterstücke stellt diese Frage. Wenn dem Publikum die Übertragungsleistung nicht zuzutrauen ist, lautet die Antwort Nein. Alban Nikolai Herbst hat an der Berliner Staatsoper Unter den Linden kritisch Henry Purcells »King Arthur« gesehen. mehr

Theaterkollektiv RAUM+ZEIT

Die Suche nach Nähe

Im Jahr 2009 konnte man der wohl berühmtesten deutschen Prostituierten, Rosemarie Nitribitt, in ihrer Wohnung begegnen. Sie, die seit 1957 tot ist, wurde von Regisseur Bernhard Mikeska und den Dramaturgen Alexandra Althoff und Lothar Kittstein in einer szenischen Installation in Frankfurt am Main heraufbeschworen: Walter H. Krämer stellt das Kollektiv RAUM+ZEIT vor. mehr

Ekaterine Togonidze: Einsame Schwestern

Zweie, aber ach! doch eins.

Die 1981 geborene Schriftstellerin Ekaterine Togonidze hat mit ihrem Debütroman »Einsame Schwestern« das in Georgien bis heute verdrängte Thema Behinderung poetisch verarbeitet. Der Roman ist jüngst auf Deutsch erschienen, und Alban Nikolai Herbst hatte Freude an der Lektüre. mehr

WELTKRIEGSMUSIK

Zauber der Zweieinsamkeit

1915, Richard Strauss komponiert die Alpensinfonie, es ist Krieg, und selbst die meisten Komponisten sind davon begeistert. Und in Frankreich beziehen Claude Debussy und Reynaldo Hahn mit Hilfe von zwei Pianisten Stellung. Hans-Klaus Jungheinrich hat die vom Duo Tal & Groethuysen eingespielte und auf CD erschienene Weltkriegsmusik gehört. mehr

Zum Tod von Max Weinberg

Begegnungen mit Max Weinberg

Am 18. April 2018 ist der Maler Max Weinberg im Alter von 90 Jahren gestorben. In Kassel geboren, verbrachte er seine Jugend in Tel Aviv und kam 1959 nach Frankfurt. Vor allem dort wurde der stets bunt bekleidete und geschminkte Künstler zur Kultfigur. Detlef zum Winkel erinnert sich an seine Begegnungen mit Max Weinberg und würdigt dessen künstlerisches Werk. mehr

Kurzgeschichten von PH Gruner

In die Ferne

In dem jüngst erschienenen Band »Die extrem kurze Zeit der Seligkeit« versammelt der Darmstädter Wissenschaftler, Autor und Künstler PH Gruner zehn Kurzgeschichten und ein Hörspiel. Das Buch bedient extrem ansprechend die Bedürfnisse weit- und weltläufiger Seelen, findet Bruno Laberthier. mehr

THEATER: Juli Zehs Unterleuten

Solche Dramen braucht das Land

In ihrem 2016 erschienenen Roman »Unterleuten« zeichnet Juli Zeh ein Gesellschaftsporträt und erzählt vom Rückbau eines Dorfes in Brandenburg. Das Potsdamer Hans Otto Theater zeigt den Bestseller nun in eigener Bearbeitung. Walter H. Krämer hat die gelungene Inszenierung gesehen. mehr

Echo-Preis an die Rapper Kollegah und Farid Bang

Wie man in den Wald hineinruft …

Die Rapper Kollegah und Farid Bang haben trotz an Geschmacklosigkeit kaum zu überbietender Songverse den »Echo«-Musikpreis erhalten – und alle sind entrüstet. Michael Behrendt denkt aus diesem Anlass über den widersprüchlichen Umgang mit fragwürdigen Entertainern und die seltsame Kluft zwischen Verkaufs- und Radiocharts nach. mehr

Im Blickwinkel: Clare Langan

Im Meer von Unwägbarkeiten

Die Reihe »Im Blickwinkel« nähert sich erklärungsbedürftigen zeitgenössischen Kunstwerken. Diesmal stellt Sarah Leinweber die Videoarbeit »Flight from the City« der irischen Künstlerin Clare Langan vor. mehr

AUSSTELLUNG: William Kentridge im Liebieghaus

Gemischtes Doppel

Das Frankfurter Liebieghaus zeigt über 80 Arbeiten und Installationen des für seine Zeichnungen, Filme, Theater- und Opernproduktionen bekannten südafrikanischen Künstlers William Kentridge. Die Ausstellung nimmt nahezu alle Räume der Skulpturensammlung in der historistischen Villa Liebieg in Beschlag. Axel Dielmann hat sie besucht. mehr

Brad Mehldau und Keith Jarrett

Triumph der Tonalität

Der Jazzpianist Brad Mehldau nimmt die Musikgeschichte als Anregung für eigene, zeitgenössische Erfindungen. Diesmal hat er sich Johann Sebastian Bach als Modell gewählt. Thomas Rothschild hat sich die Mehldau-CD angehört, überdies eine erst nach zwanzig Jahren veröffentlichte Konzertaufnahme von Keith Jarrett. mehr

Theater in Wien

Dimensionen des Vergessens

In seinem Stück »Rosa oder Die barmherzige Erde« verknüpft der Regisseur Luk Perceval eine zeitgenössische Geschichte über Demenz mit William Shakespeares Liebesdrama »Romeo und Julia«. Elvira M. Gross hat die Aufführung im Wiener Akademietheater gesehen und erlebte eine Sternstunde des Schauspielers Tobias Moretti. mehr

Romanauszug

Das Geheimnis der Aale

In ihrem Debütroman »Das Geheimnis der Aale« erzählt die Kölner Autorin Verena Jütte einen Tag im Leben von drei Menschen, die ein lange verdrängtes Geheimnis nach 28 Jahren wieder einholt. Der Schriftsteller Peter Henning empfiehlt das Debüt, dessen Prolog Faust-Kultur hier dokumentiert. mehr

Vor sechzig Jahren: Flucht in Ketten

Lange vor Obama

1958 drehte Hollywood-Regisseur Stanley Kramer den Film »Flucht in Ketten«. Er bringt zwei sehr unterschiedliche Themen zusammen: die Flucht und den Rassismus in den USA. Nun ist der oscarprämierte Film auf DVD erschienen. Er hat nichts an Spannung verloren, meint Thomas Rothschild. mehr

Don Pasquale und Die fantastischen Fünf

Spott und Verehrung

Jossi Wieler und Sergio Morabito holen die Oper »Don Pasquale« aus der Welt der Commedia dell‘arte in unsere Gegenwart: Mehr noch als die Regie kann das hohe musikalische Niveau begeistern. Die Spannung zwischen Solotänzern und Ensemble prägt den Ballettabend »Die fantastischen Fünf«. Thomas Rothschild hat beide Stuttgarter Premieren besucht. mehr

Wer ist Blaze Foley?

Der Plastikpunk im Honkytonk

Im Januar 2018 stellte Ethan Hawke beim Sundance Film Festival seinen vierten Film vor: »Blaze«. Zeitgleich veröffentlichte das Rödermarker Ehepaar Carmen und Kai Nees ihr Buch »Blaze Foley. Ein Außenseiter, der zur Legende wurde.« Wer ist dieser Singer/Songwriter, von dem jetzt jeder spricht? Martin Wimmer geht der Frage nach. mehr

Handbook of Language and Politics

Nachhilfe aus Großbritannien

45 Aufsätze umfasst ein neues, englischsprachiges Handbuch über Sprache und Politik. Herausgeber sind die österreichische Linguistin Ruth Wodak und der um eine Generation jüngere Wissenschaftler Bernhard Forchtner. Die Fragestellung und der Fokus einiger Beiträge sind für den deutschsprachigen Raum von besonderem Belang, findet Thomas Rothschild. mehr

THEATER am Wiener Theater Nestroyhof

Reiner Guckkasten

»Verstehen Sie den Dschihadismus in acht Schritten / Zucken« heißt ein Stück von Sasha Marianna Salzmann, das Jana Vetten am Wiener Theater Nestroyhof / Hamakom inszeniert hat. Es erzählt von unterschiedlichen Arten der Radikalisierung. Das Stück wirkt wie eine Collage bloßer Versatzstücke und bleibt bis zum Schluss abstrakt, meint Elvira M. Gross. mehr

Jungheinrichs CD-Empfehlungen

Fußspuren in Südhessen

Das Seltene, fast schon Verschwundene und das Besondere wird von leidenschaftlichen Suchern entdeckt, von Musikern jenseits des Showbusiness realisiert und aufgenommen, von wenigen CD-Labels publiziert und von singulären Musikjournalisten an die Öffentlichkeit gebracht. Hans-Klaus Jungheinrich würdigt neu veröffentlichte Musik von Anton Urspruch, Georg Philipp Telemann, J.S. Bach und Bruno Maderna. mehr

DVD: Getanzte Live-Aufnahme Cosi fan tutte

So tanzen alle

»Così fan tutte« gilt mittlerweile als Mozarts schönste und reichste Oper. Das Bühnengeschehen ist allerdings schematisch. Die Choreografin Anne Teresa De Keersmaeker hat an der Pariser Oper den Sängern jeweils einen Tänzer zur Seite gestellt. Thomas Rothschild empfiehlt die DVD-Aufnahme der getanzten Inszenierung. mehr

Anna-Elisabeth Mayer: Am Himmel

Mordfall im kaiserlichen Wien

In ihrem Roman »Am Himmel« versucht Anna-Elisabeth Mayer, die Umstände des Mordes an einer Wiener Millionär im Jahr 1881 zu rekonstruieren. Der historische Kriminalfall bietet der Autorin reichlich Stoff. »Am Himmel« ist eine immer mal wieder langatmige Lektüre mit durchaus starken Passagen, findet Gudrun Braunsperger. mehr

Theater und Kabarett in Berlin

»Mensch! Das klingt… stolz!«

Menschen auf der Suche nach ihrem besseren Ich: Daniela Löffner inszeniert Maxim Gorkis »Sommergäste« am Deutschen Theater Berlin, das Kabarett »Distel« zeigt das Programm »Wenn Deutsche über Grenzen gehen« von Michael Frowin und Philipp Schaller. Thomas Rothschild hat beide Aufführungen besucht. mehr

Bilder und Zeichnungen von Odo Marquard

Von der Kunst zur Philosophie

Odo Marquard (1928-2015) war eine Institution in der deutschen Philosophie. Generationen von Studierenden hat er für sein Fach begeistern können. Unvergessen ist sein Aphorismus »Philosophie ist, wenn man trotzdem denkt«. Nun zeigt eine Ausstellung in Gießen erstmals Marquards zeichnerisches und malerisches Werk. Dagmar Klein hat die Schau besucht. mehr

Autorenprogramm am Berliner Ensemble

Neue Dramen braucht das Land

Oliver Reese, seit der Spielzeit 2017/18 Intendant des Berliner Ensemble, möchte die zeitgenössische Dramatik in der Tradition Bertolt Brechts und Heiner Müllers fördern. Unter Mithilfe von Moritz Rinke hat er ein Programm für Gegenwartsautoren aufgelegt, das zur Entstehung neuer Stücke beitragen soll. Walter H. Krämer stellt das Autoren-Programm des BE vor. mehr

Theater und Tanz

Stuttgarter Premieren

Claus Peymann kehrt mit »König Lear« an den Ort seiner größten Erfolge zurück, Eric Gauthier lässt Nadav Zelner sein erstes abendfüllendes Ballett choreographieren, während Schorsch Kamerun den »Sommernachtstraum« mit Kybernetik verbindet. Thomas Rothschild hat drei bemerkenswerte Premieren in Stuttgart besucht. mehr

Couragiert gegen den Strom

Literatur und Politik

Sahra Wagenknecht, 1969 in Jena geborene Politikerin der Partei »Die Linke«, gibt in einem Interviewband Auskunft über ihre intellektuelle Herkunft. Im Mittelpunkt steht der Einfluss der Literatur auf ihre politische Wahrnehmung. Das Buch liest sich wie ein Bildungsroman, findet Dominik Irtenkauf. mehr

Film: Die Pianistin Elly Ney

Klavierspiel und Gefolgschaft

Elly Ney (1882-1968) galt als eine der bedeutendsten Beethoven-Pianistinnen, sie war aber auch eine glühende Verehrerin Adolf Hitlers. In einem Dokumentarfilm geht Axel Fuhrmann der Dialektik von außergewöhnlichem Klavierspiel und NS-Gefolgschaft nach. Thomas Rothschild stellt die durch zwei CDs ergänzte DVD-Box vor. mehr

Gangster(-Rapper) in Kino und Serien

Verbrechen lohnt sich

Vom Rapper Bushido über die deutsche TV-Serie »4 Blocks« bis zum Kinothriller »Nur Gott kann mich richten«: Warum ist es plötzlich so schick, rappende Halbwelt-Machos zu Film- und Serienstars zu machen? Michael Behrendt geht dem Phänomen ausführlich nach. mehr

POETRY SLAM – Lautstärke ist weiblich

Poesie und Performanz

Lange galt Poetry Slam als ein von Männern dominiertes Format. Nun versammelt eine von Clara Nielsen und Nora Gomringer herausgegebene Anthologie Texte von fünfzig der besten deutschsprachigen Slampoetinnen. Der Sammelband ist eine schillernde Fundgrube und eröffnet neue Sichtweisen, meint Riccarda Gleichauf. mehr

LIEDERABEND: Damrau, Deutsch und Kaufmann

Dreifache Größe

Es ist nicht anzunehmen, dass sich 2.500 Menschen unter anderen Umständen in die Frankfurter Alte Oper gedrängt hätten. So populär ist das »Italienische Liederbuch« von Hugo Wolf nicht. Doch wenn ein Trio wie Damrau, Deutsch und Kaufmann sich ankündigt, ist das kein normaler Liederabend, sondern ein Event. Andrea Richter erlebte eine Lied-Show der besonderen Art. mehr

Krimiautorinnen: Simone Buchholz

Großstadtwesternkrimis

Im zweiten Teil der vierteiligen Serie über deutschsprachige Krimiautorinnen stellt Kirsten Reimers die 1972 geborene Wahlhamburgerin Simone Buchholz vor. Deren in St. Pauli angesiedelten Romane haben sich im Laufe der Zeit zu realitätsverankerten Großstadtkrimis mit erzählerischer Wucht entwickelt. mehr

Europoesie: Die Lyrikerin Rozalie Hirs

In Sprachen denken

Die Lyrikerin Rozalie Hirs ist in ihrer niederländischen Heimat mit fünf Gedichtbänden bekannt. Zwei Verlage in Deutschland haben ihre anspruchsvollen Gedichte in zwei und mehrsprachigen Ausgaben veröffentlicht. Bernd Leukert hat diese polyglotte Bibliothek staunend durchlesen. mehr

FRANZ SCHREKERS OPER »DIE GEZEICHNETEN«

Ach, Kinder zu begehren!

Franz Schrekers durch Symbolismus und Psychoanalyse inspirierte Oper »Die Gezeichneten« spielt im Genua der Renaissance-Zeit und wurde 1918 in Frankfurt uraufgeführt. Der als »Skandalregisseur« geltende Calixto Bieito hat »Die Gezeichneten« an der Komischen Oper Berlin inszeniert. Alban Nikolai Herbst hat sich das Lehrstück angesehen. mehr

Aktuelle Inszenierungen in Wien

Tanz nach rechts

Peter Turrinis geradlinige Absage an Chauvinismus und Fremdenhass am Theater in der Josefstadt, Georg Schmiedleitners Nestroy-Revision am Burgtheater und Christof Loys ideal besetzte Inszenierung der Oper »Maria Stuarda« im Theater an der Wien: Thomas Rothschild hat sich im Bühnenleben der österreichischen Hauptstadt umgesehen. mehr

Arundhati Roy, Das Ministerium des äußersten Glücks

Rettung auf der Endstation

Schonungslos beschreibt Arundhati Roy in ihrem Roman »Das Ministerium des äußersten Glücks« die Grausamkeiten im indischen Vielvölkerstaat. Doch im größten Leid lässt sie auch Zuneigung und Fürsorge entstehen. Das Geschehen gipfelt in einem Zentrum des Glücks und der Geborgenheit. Clair Lüdenbach hat Roys zweiten Roman gelesen. mehr

BALLETTABEND

Die Anmut des Flirts

Mit »Begegnungen« zeigt das Stuttgarter Ballett eine Wiederaufnahme von zwei einstündigen Stücken: John Crankos »Initialen R.B.M.E.« von 1972 und Jerome Robbins' »Dances at a Gathering« aus dem Jahr 1969. Die Musik von Brahms und Chopin verbindet die beiden Stücke im Zeichen der Romantik. Thomas Rothschild hat den Ballettabend besucht. mehr

Sasha Marianna Salzmann: »Außer sich«

Orte, Jahrzehnte, Gefühle

Die Theaterautorin, Essayistin und Dramaturgin Sasha Marianna Salzmann hat einen Roman geschrieben, der so ist wie sein Titel: »Außer sich«. Das Buch führt die Leser von der Sowjetunion über ein Asylheim in der westdeutschen Provinz bis ins heutige Istanbul. Es ist, als würde Salzmann einem mehrere Bücher in einem schenken, meint Lena Gorelik. mehr

Rodrigo Hasbuns Roman »Die Affekte«

Es könnte so gewesen sein

Die Familie Ertl emigrierte Anfang der fünfziger Jahre von München nach Bolivien, nachdem die Karriere des Bergsteigers und Dokumentarfilmers Hans Ertl in der Bundesrepublik ins Stocken geraten war. In seinem Roman »Die Affekte« unternimmt Rodrigo Hasbún den Versuch einer Annäherung an die Geschichte dieser Familie. Gudrun Braunsperger hat das Buch gelesen. mehr

PATRICK MODIANOS AUTOBIOGRAPHISCHE ROMANE

Stammbaum ohne Stamm

Wer ist Patrick Modiano und was ist über seine Biographie bekannt? Der Literaturnobelpreisträger von 2014 verlässt seinen Geburts- und Wohnort Paris nur ganz selten, mit Interviews ist er sparsam. Herbert Csef nähert sich dem Menschen Modiano über seine autobiographischen Romane »Familienstammbuch« und »Ein Stammbaum«. mehr

ZEICHNUNGEN VON JOZEF RICHTER IN MAJDANEK

Zeugnis ablegen

Eine Ausstellung im Staatlichen Museum Majdanek zeigt Zeichnungen von Józef Richter aus den frühen 1940er Jahren, welche die Verfolgung und Ermordung von Juden in der polnischen Region Lublin während der deutschen Besatzung schildern. Bruno Laberthier hat die Ausstellung besucht und wünscht ihr ein größeres Publikum. mehr

Bonnopoly am Theater Bonn

Der Ausverkauf der Stadt

Das Stück »Bonnopoly« bringt den Skandal um den Bau des Bonner World Conference Center (WCCB) auf die Bühne. Es prangert die Sparpolitik der Städte an, die sich mehr für die »schwarze Null« interessieren als für die Lebensqualität der Bewohner. Walter H. Krämer hat sich die Inszenierung angesehen. mehr

Salman Rushdie: Golden House

Die Tragödie des amerikanischen Traums

Die Gegenwart der Neuen Welt als epische Tragödie zu betrachten, das gelingt dem Märchenerzähler Salman Rushdie in seinem neuen Roman »Golden House«. Clair Lüdenbach hat die komplexe Geschichte, in der sich das heutige Amerika und die Geschichte und Gegenwart Indiens spiegeln, gelesen. mehr

Gespräch mit dem Kurator Fabian Schöneich

»In viele Richtungen denken«

Der 1985 geborene Kunsthistoriker Fabian Schöneich verlässt zum Jahresende die Frankfurter Kunsthalle Portikus. Als Kurator hat er dort seit Herbst 2014 etwa siebzehn Ausstellungen betreut. Eugen El hat mit Fabian Schöneich über seine Arbeit und über die aktuelle Ausstellung der kanadischen, in New York lebenden Künstlerin Moyra Davey gesprochen. mehr

Opern in Wiesbaden und Bern

Schöne Gefallene

Die tragischen Frauenfiguren in der Oper, an die Hans-Klaus Jungheinrich bei den Komponisten Jules Massenet und Jenö Hubay denkt, sind schön und gefallen als Gefallene. Jungheinrich hat sich die Inszenierungen von »Manon« in Wiesbaden und »Anna Karenina« in Bern angesehen. mehr

KAMMERKONZERT IN STUTTGART

Von wegen exotisch

Das Staatsorchester Stuttgart gab in einem Kammerkonzert unter dem Titel »Schlagzeug+« den zu wenig beachteten Musikern aus der hinteren Reihe Gelegenheit, ihr Können zu beglaubigen. Es wurden ausschließlich Werke russischer Komponisten des 20. Jahrhunderts gespielt. Das Publikum lauschte dem gesamten Abend gefesselt, berichtet Thomas Rothschild. mehr

Hedi Kaddour: Die Großmächtigen

Hollywood im Maghreb

Glaubt man heute eine gesellschaftspolitische Farce zu erleben, so vollzog sich in den 1920er Jahren die dazugehörige Tragödie. Hédi Kaddour beschreibt in seinem Roman »Die Großmächtigen« das nahende Ende einer kolonialen Großmacht und das politische Ränkespiel zwischen den Weltkriegen. Clair Lüdenbach hat das Buch gelesen. mehr

cresc. Biennale für Moderne Musik

Zwischen den Schwerpunkten

Musik und Politik – das ist ein heikles Verhältnis. Es gibt Musik, die ungewollt in politische Zusammenhänge gerät, und welche, die sich darein begibt und dann oft keine Musik mehr ist. Juliette Gruner hat die »cresc. Biennale für Moderne Musik Frankfurt Rhein Main« auf ihr Thema hin abgehört. mehr

URAUFFÜHRUNG IN Esslingen

Volkstheater auf Schwäbisch

Im Fernsehen hat sich Ulrike Grotes Film »Die Kirche bleibt im Dorf« zu einer 24-teiligen Serie erweitert. Nun reisen die Protagonisten mit der Württembergischen Landesbühne Esslingen in die schwäbische Provinz, wo ihre Geschichte spielt. Thomas Rothschild hat sich die Uraufführung angesehen und empfiehlt, nicht nach einem tieferen Sinn zu suchen. mehr

»Kukolka« von Lana Lux

Ein Kind ohne Kindheit

»Kukolka« bedeutet auf Russisch »Püppchen«. So wird Samira, die kindliche Protagonistin des gleichnamigen Romans von Lana Lux, genannt. Das Buch zeichnet ihren Weg ins soziale Milieu von Ausbeutung und Menschenhandel nach. Es ist die Geschichte des weiblichen Alter Egos von Oliver Twist, ins 21. Jahrhundert und in die Ukraine übertragen, meint Gudrun Braunsperger. mehr

Lüdkes liederliche Liste

Höhe gehalten, an Breite gewonnen

Die beiden großen Restaurantführer Gault&Millau und Guide Michelin für das Jahr 2018 sind erschienen. Der Michelin bewertet 1.700 Hotels und über 2.200 Restaurants. Im Gault&Millau werden 900 Adressen getestet, davon 749 mit einer »Kochmütze« ausgezeichnet. Martin Lüdke hat die Restaurantführer studiert und vergeblich nach Frankfurter Spitzenküche gesucht. mehr

Oper: Medea in Stuttgart und Maskenball in Venedig

Nicht immer einleuchtend

An der Stuttgarter Oper hat Peter Konwitschny Luigi Cherubinis »Medea« inszeniert. Dort stand ihm ein sängerisch hervorragendes Ensemble zur Verfügung. Am Teatro La Fenice in Venedig hat sich Gianmaria Aliverta mit Verdis »Maskenball« am Regietheater versucht. Thomas Rothschild hat beide Aufführungen gesehen. mehr

URAUFFÜHRUNG IN FRANKFURT

Das Ministerium der verlorenen Züge

»Das Ministerium der verlorenen Züge« des ungarischen Regisseurs Viktor Bodó handelt von einer Eisenbahnreise von Moskau nach Peking. Das Stück wurde im Bockenheimer Depot des Frankfurter Schauspiels uraufgeführt. Die Reise in die Phantasie, die das Programmheft verspricht, bleibt in der (banalen) Realität stecken. Sie lohnt sich trotzdem, meint Martin Lüdke. mehr

Lieder, Balladen und ein Melodram

Singen. Sprechen. Schweigen

Wer in Italien und Frankreich Stadtfestivals besucht, wird vielleicht bemerken, dass dort, anders als im deutschsprachigen Bereich, die Tradition des Melodrams fortlebt. Seltene Beispiele dieser losen Kunstgattung, aber auch der historisch gewordenen Ballade hat Hans-Klaus Jungheinrich anhand von CD-Neuerscheinungen mit Werken von Strauss, Schubert, Loewe und Schumann aufgegriffen. mehr

Warum läuft Kind C Amok?

Der Amokläufer in uns

»Warum läuft Kind C Amok?«: Der Titel des Debütromans von Kristina Nenninger stellt vordergründig eine Frage und enthält gleichzeitig eine Hoffnung. Er verspricht, Antwort(en) zu geben darauf, wieso Carla, ein pubertierendes, aber eigentlich liebenswertes Mädchen, irgendwann ihrem Hass freien Lauf lässt und tötet. Riccarda Gleichauf hat das Buch gelesen. mehr

DVD Verbotene Spiele

Kinder im Krieg

Der französische Regisseur René Clément hat mit »Verbotene Spiele« 1952 das Thema von Kindern im Krieg eindringlich gestaltet. Nun ist der oscarprämierte Film in restaurierter Fassung auf DVD erschienen. Thomas Rothschild hat ihn noch einmal gesehen. mehr

Die Krimiautorin Monika Geier

Subtilität und Subversion

Zum Auftakt ihrer vierteiligen Serie über deutschsprachige Krimiautorinnen stellt Kirsten Reimers die Pfälzerin Monika Geier vor. Bis heute hat die 1970 geborene Autorin acht Kriminalromane veröffentlicht. Reimers hebt Geiers unaufgeregte und pointierte Erzählweise, ihren schwarzen, trockenen Humor und ihre feine Ironie hervor. mehr

ERNEST JOUHY (1913-1988)

Ein Pädagoge, der Grenzen überschritt

Der Pädagoge Ernest Jouhy (1913-1988) sagte einmal, sein Zuhause sei »das gemeinsame öffentliche Engagement«. In der Provence gründete er eine deutsch-französische Begegnungsstätte, an der Uni Frankfurt den Fachbereich »Pädagogik in der Dritten Welt«. Johannes Winter stellt den weltgewandten Lehrer und Intellektuellen vor. Zwei Originaltexte ergänzen das Lebensbild. mehr

Beethoven-Streichquartette in Badenweiler

Musik, ein existentielles Abenteuer

Mit Klaus Lauer geht ein verdienstvoller Programmgestalter, ein Juwelenhändler klassischer und neuer Musik in Badenweiler, in den Ruhestand. Zu seinem Abschied führte das Quatuor Danel in sechs Konzerten an fünf Tagen alle Streichquartette Beethovens auf. Hans-Klaus Jungheinrich kam in ihren Genuss. mehr

Oper »Der Mieter« in Frankfurt

Psychothriller in Musik

So spannend wie in »Der Mieter« geht es auf Opernbühnen nur selten zu. Das, was man in der Oper Frankfurt erlebt, ist ein Gesamtkunstwerk vom Feinsten: Musik, Text, Regie und Bühnenbild aus einem selten gelungenen Guss. »Der Mieter« wird sich langfristig auf den Bühnen halten, auch wenn er schwere Kost ist. Davon ist Andrea Richter überzeugt. mehr

Philosophie Magazin – Die Existenzialisten

Die Möglichkeit, sich zu verhalten

Das seit November 2011 zweimonatlich erscheinende »Philosophie Magazin« möchte seinen Gegenstand einem breitem Publikum näherbringen. Nun ist eine Sonderausgabe des Magazins erschienen: »Die Existenzialisten. Lebe deine Freiheit«. Auf dem Umschlag sind Jean-Paul Sartre, Simone de Beauvoir und Albert Camus abgebildet. Riccarda Gleichauf empfiehlt das Heft. mehr

Sowjetischer Film

Der Traum vom neuen Menschen

In der filmedition suhrkamp sind zwei DVDs erschienen, die, in restaurierten Fassungen, einige Höhepunkte des frühen sowjetischen Films enthalten. Die Zusammenstellung trägt den Titel »Der Neue Mensch« und dokumentiert die filmischen Versuche, das nachrevolutionäre Streben nach einem neuen Menschentyps zu begleiten. Thomas Rothschild hat sich die Filme angesehen. mehr

Norbert Schwontkowski in Wilhelmshaven

Die ersten und die letzten Fragen

Norbert Schwontkowski (1949-2013) gehört zu den unbekanntesten deutschen Malern, die Beachtung verdienen. Fast sein gesamtes, ohnehin überschaubares Werk befindet sich in Privatbesitz. Die nun in Wilhelmshaven gezeigten Bilder gehören samt und sonders einem Sammler. Die Ausstellung ist eine Reise wert, meint Martin Lüdke. mehr

Ausstellung: Maria Sibylla Merian im Städel

Blumen und Schmetterlinge

Sie war Malerin und Naturforscherin, aber auch eine regelrecht selbstständige Frau – und als solche war Maria Sibylla Merian ihrer Zeit, der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts, voraus. Zu Merians 300. Todestag zeigt das Frankfurter Städel Museum ihre Blumenbilder und -bücher im Kontext der traditionellen Blumenmalerei. Stefana Sabin hat die Ausstellung besucht. mehr

Theater: Das siebte Kreuz

Entkernt und frisch aufgekocht

Anselm Weber inszeniert am Schauspiel Frankfurt das Hochamt des antifaschistischen Widerstands, die Theaterfassung von Anna Seghers einst berühmten Roman »Das siebte Kreuz«. Und er macht daraus, mit einigem Erfolg – eine Fluchtgeschichte. Der Beifall war nicht stürmisch, aber doch kräftig. So darf man von einem zwar klassisch abgefederten, nicht eben tollkühnen, aber doch gelungenen Neustart sprechen, meint Martin Lüdke. mehr

Das Verschwinden der Adèle Bedeau

Unter Beobachtung

Im Frühjahr 2017 erschien Graeme Macrae Burnets Thriller »Sein blutiges Projekt« in deutscher Übersetzung. Im Herbst folgte »Das Verschwinden der Adèle Bedeau«, ein intelligenter Kriminalroman und eine Hommage an den französischen psychologischen Krimi in Georges Simenons Tradition. Kirsten Reimers ist sehr angetan. mehr

Donaueschinger Musiktage 2017

Abgeschlagene Zöpfe, abgeschlagene Köpfe

Donaueschingen ist im Herbst die Pilgerstätte aller, die – unverbesserlich – an neuer Musik interessiert sind. Zwischen Konservativen, für die das Neue schon so klingen sollte wie das Alte, und den Stürmern und Drängern, die Musik überhaupt für gestrig halten, suchen die Neugierigen nach Klangkunst, die Zeitspannung reflektiert. Hans-Klaus Jungheinrich war unter ihnen und hat neue Tendenzen beobachtet. mehr

Premieren: Tanz und Oper

Das Fertige und das Fragment

Das Stück »Rosas danst Rosas«, das Anne Teresa De Keersmaeker 1983 entwarf, ist heute ebenso aufregend, wie es zur Zeit seiner Entstehung war. Die Wiederaufnahme ist im Wiener Odeon zu sehen. Die Stuttgarter Oper zeigt Kirill Serebrennikovs unvollendete Inszenierung von »Hänsel und Gretel«. Thomas Rothschild hat beide Aufführungen besucht. mehr

Aya Cissoko, Ma

Fremde Vertrautheit

In ihrem Roman »Ma« erzählt die 1978 geborene Autorin Aya Cissoko vom Aufwachsen in zwei Kulturen. Sie lässt den Leser in die teils fremden Welten einer Familie eintauchen, die aus Mali stammt und in Paris lebt. Das Buch zeigt, dass es eine Bereicherung ist, zweisprachig zu leben, meint Riccarda Gleichauf. mehr

Everly Brothers, Peggy Lee, Yves Montand

Vor sechzig Jahren

Rock‘n‘Roll und Jazz, Pop und Chanson: Thomas Rothschild stellt neu erschienene Aufnahmen von Peggy Lee, den Everly Brothers und Yves Montand vor, die ursprünglich zwischen 1956 und 1962 eingespielt wurden. mehr

Über die Notwendigkeit einer Zweiten Aufklärung

Fröhliche Wissenschaft der Weltverbesserung

Die bekannte Frage »Was tun?« wird so oft und so und so beantwortet, dass einem ganz schwindelig wird. Der Schwindel fliegt aber schnell auf, so dass ein paar seriöse Versuche, über die Zukunft nachzudenken, übrig bleiben. Einer davon ist Klaus Rolinskis »Über die Notwendigkeit einer Zweiten Aufklärung«, findet Hans-Klaus Jungheinrich. mehr

SAISONSTART IN STUTTGART

Bloß keine Klassik

Die neue Spielzeit eröffnet das Schauspiel Stuttgart mit Stephan Kimmigs Faust I. Am Stuttgarter Ballett präsentiert Reid Anderson den Abend Cranko pur – eine Reminiszenz an den Choreografen John Cranko. In einer Nebenspielstätte des Schauspiels ist zudem eine Bühnenfassung von Ágota Kristófs Roman Das große Heft zu sehen, berichtet Thomas Rothschild. mehr

Ria Endres’ Roman Roulett im Föhn

Die veruntreute Hölle

Das Glück, in einer Stadt am Lech zu wohnen, sich mit einem Spieler zu verbinden, in schweren Widerspruch zwischen Glauben und Kirche zu geraten, gemobbt und geächtet zu werden, dem Wunsch nach Selbsttötung und dem zu leben nachzugeben, ist endlich. Aber groteske Gegenkräfte führen Frieda in hohem Bogen aus dem Unglück: »Leben ist doch besser als tot sein.« Harry Oberländer begrüßt den Roman »Roulett im Föhn« von Ria Endres. mehr

Filmgeschichte

Letztes Jahr in Marienbad

Der 1961 entstandene Film »Letztes Jahr in Marienbad« ist ein singuläres Stück Kunst, das die Grenzen des Kinos sprengt. 2015 widmete die Kunsthalle Bremen diesem Film eine große Ausstellung. Thomas Rothschild stellt den aufwändig und liebevoll gestalteten Katalog vor. mehr

ZUM TOD DES KOMPONISTEN KLAUS HUBER

Polyphoner Feuerkopf

Klaus Huber, eine Institution der Neuen Musik, ist am 2. Oktober 2017 92-jährig in Perugia gestorben. Als engagierter Künstler, Hochschullehrer und spiritus rector einiger Musikergenerationen gehörte er zu den großen Persönlichkeiten einer zu Ende gehenden Epoche. Bernd Leukert erinnert an den Komponisten. mehr

Kunst im öffentlichen Raum, Teil 3

Vom Sockel geholt

»Es gibt nichts auf der Welt, was so unsichtbar wäre wie Denkmäler«, schrieb einmal Robert Musil. Ob seine These auch auf zeitgenössische Kunst im öffentlichen Raum zutrifft, wollte Eugen El herausfinden. Zum Abschluss der dreiteiligen Serie stellt er das Moritz-Daniel-Oppenheim-Denkmal in Hanau vor. mehr

JAZZ- UND KLASSIKLABEL ECM

Geister der Improvisation

Manfred Eicher ist mit seinem Label ECM eine ruhmreiche Institution der Musikproduktion geworden. Er hat nicht nur eine Vielzahl Jazzmusiker entdeckt, etabliert und immer wieder in sein Repertoire eingebunden, sondern auch die Kunstmusik vom Mittelalter bis heute auf überraschend sinnliche und ungewöhnliche Weise neu angeboten. Hans-Klaus Jungheinrich würdigt anhand letzthin erschienener CDs die Arbeit des eigenwilligen Produzenten. mehr

Erstaufführung: Händels Rinaldo in Frankfurt

Liebe auf der leeren Bühne

Als Deutschlanddebut inszeniert der amerikanische Regisseur Ted Huffman Händels Rinaldo in der Dépendance der Oper Frankfurt im Bockenheimer Depot und beschert dem gebeutelten Publikum einen wunderbaren Musikabend, findet Stefana Sabin. mehr

BRUNO MUNARI – Maschinen

Lob des Nutzlosen

Der Künstler und Designer Bruno Munari (1907-1998) bewegte er sich in seiner Jugend im Umfeld der Futuristen. 1942 veröffentlichte Munari ein schmales Buch, in dem er Fantasiemaschinen beschreibt und bebildert. Der Diaphanes Verlag hat das Buch jetzt in deutscher Übersetzung zugänglich gemacht. Thomas Rothschild stellt es vor. mehr

LÜDKES LIEDERLICHE LISTE

Der Nabel der Welt

Kall in der Eifel liegt nicht nur, wie Norbert Scheuers neuer Roman es im Titel verrät, »Am Grund des Universums«, sondern im Zentrum einer imaginär-realen Welt, die Scheuer mit seinen Romanen geschaffen hat: im Urftland. Das Buch hat keine Handlung, die man so einfach nacherzählen könnte. Dafür Spannung, die sich aus dem Personal entwickelt. Martin Lüdke empfiehlt es. mehr

KUNST IM ÖFFENTLICHEN RAUM, TEIL 2

Steine mit Symbolik

»Es gibt nichts auf der Welt, was so unsichtbar wäre wie Denkmäler«, schrieb einmal Robert Musil. Ob seine These auch auf zeitgenössische Kunst im öffentlichen Raum zutrifft, wollte Eugen El herausfinden. In einer dreiteiligen Serie stellt er jüngst eingeweihte Denkmäler vor. Diesmal hat sich El in Offenbach am Main umgesehen. mehr

Oper: Il Trovatore in Frankfurt

In Turnschuhen sterben

Mit Giuseppe Verdis »Troubadour« startet die Oper Frankfurt in die neue Saison. Regisseur David Bösch verlegte das Melodram über Grausamkeit und Rache vom 15. Jahrhundert in eine undefinierte moderne Kriegszone. Die geschmeidige Italinità des Dirigenten und die Brillanz der Sänger trösten über die unschlüssige Inszenierung hinweg, meint Stefana Sabin. mehr

Lucerne Festival 2017

Reichtum und Störfeuer

Mit repräsentativen Großwerken von Cerha, Ligeti, Kurtág und Holliger zeigt das Lucerne Festival nicht nur, dass es finanziell gut ausgestattet ist, sondern auch, dass die Neue Musik dort ernst genommen und optimal aufgeführt wird. Hans-Klaus Jungheinrich beschreibt die glücklichen Zustände und ihre Gefährdung. mehr

Hanns Eislers Filmmusiken

Immer noch unterschätzt

Der Komponist Hanns Eisler (1898-1962) schrieb im amerikanischen Exil die Musik zu Fritz Langs »Hangmen Also Die«. Weniger noch als diese Filmmusik sind sein Beitrag zum Dokumentarfilm »The 400 Million« von Joris Ivens und die Musik zu John Fords »The Grapes of Wrath« bekannt. Nun ist eine neue Aufnahme von Eislers Filmmusiken erschienen, und Thomas Rothschild hat sie sich angehört. mehr

Rufus Wainwright in Hamburg

Zufällige Songbekanntschaft

Am 25. August 2017 trat der Sänger, Komponist und Songwriter Rufus Wainwright in der Hamburger Elbphilharmonie auf. Michael Behrendt erhielt die Konzertkarten als Geschenk von Freunden, ohne mit Wainwrights Werk vertraut zu sein. Sowohl die »Elphi« als auch das Konzert konnten Behrendt überzeugen. mehr

EIN GESPRÄCH NACH VORN

Die Erotik des Lesens

Für den Fall, dass die nächsten sieben Jahre so verlaufen, wie die letzten sich zeigten, hat der Schriftsteller Lothar Schöne eine futuristische Aufklärungsrede für Nichtleser niedergeschrieben, die allerdings leider schon heute als Flugschrift unter die Leute zu bringen wäre. Oder über Twitter? mehr

KUNST IM ÖFFENTLICHEN RAUM, TEIL 1

Schreibtisch auf der Wiese

»Es gibt nichts auf der Welt, was so unsichtbar wäre wie Denkmäler«, schrieb einmal Robert Musil. Ob seine These auch auf zeitgenössische Kunst im öffentlichen Raum zutrifft, möchte Eugen El herausfinden. Er hat sich im Rhein-Main-Gebiet umgesehen und stellt in einer dreiteiligen Serie jüngst eingeweihte Denkmäler vor. Die Reise beginnt in Frankfurt. mehr

Rachel Cusks Roman Transit

Man bleibt unter sich

Von einer Selbstsuche, die keine sein will, erzählt Rachel Cusks jüngster Roman. Die Ich-Erzählerin Faye ist Schriftstellerin und hat eine Art Lebenskrise hinter sich. Mit ihren zwei Söhnen zieht sie vom Land zurück nach London, in ein Haus, das sich als Bruchbude erweist. »Transit« ist ein kluger wie unterhaltsamer Roman, meint Otto A. Böhmer. mehr

Kafka und der Stummfilm

Eine neue Perspektive

In einem Buch stellt Hanns Zischler Franz Kafka als leidenschaftlichen Kinogänger vor. Das Filmmuseum München hat nun die von Zischler recherchierten Stummfilme in restaurierter Fassung auf 4 DVDs zugänglich gemacht. Sie eröffnen dem Kafka-Liebhaber eine neue Perspektive auf den Jahrhundertschriftsteller, meint Thomas Rothschild. mehr

Indischer Film

Mehr als Bollywood

Im August 1947, vor genau siebzig Jahren, endete die britische Kolonialherrschaft auf dem indischen Subkontinent. Bei der Festigung der neuen Nation kam dem Film im postkolonialen Indien eine wichtige Rolle zu. Die filmische Darstellung nationaler Werte und Symbole wandelte sich stets. Heute ist ein Trend zu sozialkritischen Themen spürbar, berichtet Alexandra Schott. mehr

Salzburger Festspiele 2017, Letzter Teil

In Zeiten der Schlächter

In der Salzburger Felsenreitschule sah Thomas Rothschild eine gelungene Inszenierung der Oper »Lear« von Aribert Reimann, die dennoch von der Hälfte des Publikums ausgebuht wurde. Rothschild zieht außerdem eine ausführliche künstlerische Bilanz der diesjährigen Salzburger Festspiele. mehr

LÜDKES LIEDERLICHE LISTE

Reiten, reiten, reiten

Die kurze Erzählung »Das Pferd« des Literaturnobelpreisträgers Claude Simon ist kürzlich in deutscher Übersetzung erschienen. Sie handelt von Simons Zeit bei der französischen Kavallerie im Zweiten Weltkrieg. Die Erzählung kann als Keimzelle eines faszinierenden Werkes gesehen werden, meint Martin Lüdke. mehr

Musik AUS DEM 18. JAHRHUNDERT

Die Kunst der Informierten

Die Musen sind keine Totengöttinnen, sondern triebhafte Betreiberinnen der Künste. Jede Realisation einer Komposition verlangt ihre wirkungsmächtige Verlebendigung. Hans-Klaus Jungheinrich zeigt anhand von Mozarts »La clemenza di Tito« und Telemanns geistlicher Vokalmusik, wie weit dieses Verlangen greift. mehr

Emmanuel Carrère: Ein russischer Roman

Das Gespenst der Geschichte

Der Pariser Schriftsteller, Regisseur, Produzent und Drehbuchautor Emmanuel Carrère hat, von den russischen Wurzeln seiner Familie mütterlicherseits ausgehend, ein autobiographisches Buch geschrieben. Sein »russischer Roman« ist ein Bekenntnis und zugleich eine künstlerische Synthese, meint Gudrun Braunsperger. mehr

Festival für Zeitfragen

Musik als Zeitgenossin

Mit Musik geht alles besser, – wenn man sie als Kunstgattung nicht ernst nimmt, sie für andere Zwecke missbraucht und dem Zeitgeist opfert. Jim Igor Kallenberg zeigt in seinem Essay am Beispiel des Berliner MaerzMusik-Festivals für Zeitfragen, was mit Musik geschieht, wenn sie zeitgemäß angerichtet wird. mehr

LETTRE INTERNATIONALE

Eine einmalige Zeitschrift

Roman Léandre Schmidt hat der 1984 gegründeten Zeitschrift »Lettre internationale« eine umfangreiche und genaue Monographie gewidmet, die weit mehr ist als das Porträt eines Mediums. Sie spiegelt in der Geschichte eines Druckerzeugnisses die politische Geschichte der vergangenen Jahrzehnte, meint Thomas Rothschild. mehr

Larry Brown: Fay

Ein besseres Leben

2004 starb der US-amerikanische Autor Larry Brown im Alter von gerade einmal 53 Jahren. In den USA längst ein Klassiker des »Rough South«, der authentischen, ungeschönten Literatur der Südstaaten, ist er im deutschsprachigen Gebiet weitgehend unbekannt. Mit »Fay« erscheint erstmals eines seiner Werke in deutscher Sprache – eine Entdeckung, findet Kirsten Reimers. mehr

Kathy Zarnegin: Chaya

Abenteurerin der Sprachen

Als 14-Jährige wird Chaya, die in Teheran geborene Protagonistin des gleichnamigen Romans von Kathy Zarnegin, in die Schweiz geschickt. Dort lernt sie die deutsche Sprache, schreibt Gedichte, studiert Philosophie und bleibt dennoch eine Exotin. Riccarda Gleichauf hat den Roman mit Gewinn gelesen. mehr

Ludwigsburger Schlossfestspiele 2017, Teil III

Die Früchte der Geduld

Bei den Ludwigsburger Schlossfestspielen erlebte Thomas Rothschild Standing Ovations für den Pianisten Igor Levit, einen Auftritt der Violinistin Julia Fischer und ein grandioses Feuerwerk, das von einer Wagner-Gala übertrumpft wurde. In Stuttgart besuchte Rothschild zudem das internationale Tanzfestival »Colours«. mehr

Krimi

Die Unterschätzte

In Monika Geiers »Alles so hell da vorn« ermittelt die leicht chaotische Ludwigshafener Kriminalkommissarin Bettina Boll zum siebten Mal. Geier ist eine der besten deutschen Krimiautorinnen der Gegenwart, meint Kirsten Reimers. mehr

Documenta 14

Eine expansive Ausstellung

Die 14. Ausgabe der Documenta, eine der weltweit bedeutendsten Ausstellungen zeitgenössischer Kunst, findet erstmals an zwei Orten statt. In der griechischen Hauptstadt Athen ging die Schau am 16. Juli zu Ende, in Kassel läuft sie noch bis Mitte September. Eugen El hat sich an beiden Documenta-Spielorten umgesehen. mehr

Bregenzer Festspiele 2017

Tragisch, aber trocken

Der Hauptakt der Bregenzer Festspiele findet unter freiem Himmel statt. Kasper Holten setzt bei seiner »Carmen«-Inszenierung auf knallbunte Kostüme, Stunts und ein überdimensionales Bühnenbild. Neben dem Spektakel auf der Seebühne gibt es in Bregenz eine zweite Operninszenierung im Festspielhaus. Diesmal ist es Rossinis »Moses in Ägypten«, berichtet Thomas Rothschild. mehr

JUNGHEINRICHS CD-EMPFEHLUNGEN

Aus Frankfurt und der Welt

Anders als Nigel Kennedy oder David Garrett ist Alois Kottmann davon überzeugt, dass Musik kein Mittel zur Selbstdarstellung ist, sondern ein Medium der Kommunikation zwischen Menschen. Deshalb ist er auch kein Popstar, sondern ein Musiker mit höchstem Anspruch. Hans-Klaus Jungheinrich würdigt seine kürzlich erschienenen Einspielungen, sowie die Wiederentdeckung von Anton Urspruch und die Kammermusik von Juan Allende-Blin. mehr

Katja Kettu: Feuerherz

Ein genialer Roman

Die Finnin Verna, Protagonistin in Katja Kettus Roman »Feuerherz«, kommt ins nordrussische Dorf Lawra, um den Leichnam des Vaters zu identifizieren. Es ist das Jahr 2015, und Verna gerät in einen Politthriller, in dem sich die rätselhaften Lücken in ihrer Familiengeschichte schließen lassen. Gudrun Braunsperger empfiehlt das Buch. mehr

NACHRUF AUF WERNER HAMACHER

Es braucht Mut

Der Tod des Philosophen und Literaturwissenschaftlers Werner Hamacher (1948 – 2017), der für viele eine prägende Figur war, macht betroffen und traurig. Sein Schüler Ingo Ebener erinnert an die Faszination und den Mut, der von ihm ausging. mehr

Festspiele Reichenau 2017

Spiel im Sommerlüfterl

Thomas Rothschild ist ins niederösterreichische Reichenau an der Rax gereist. Das Repertoire der dortigen Sommerfestspiele ist wenig waghalsig: Ibsen, Schnitzler, Horváth und eine Romanadaption. Experimente sind in Reichenau verpönt, und so vermisste Rothschild das Regietheater eines Claus Peymann. mehr

Schauspiel Frankfurt

Aus und vorbei

Intendant Oliver Reese hat das Frankfurter Schauspiel in Richtung Berlin verlassen. Er wurde mit einem rauschenden Theaterfest verabschiedet. Reeses Nachfolger Anselm Weber könnte zum Konkursverwalter werden, meint Martin Lüdke im Hinblick auf die Diskussion um einen möglichen Neubau des Schauspielhauses. mehr

Mozart im Bockenheimer Depot

Opernfiktion und Straßenwirklichkeit

Im Bockenheimer Depot zeigt die Oper Frankfurt »Betulia liberata – Eine Kirchenbegehung« – eine unterhaltsame Inszenierung des Oratoriums, das Wolfgang Amadeus Mozart als Fünfzehnjähriger komponiert hat. Die Musiker des Opernorchesters, der Sopran Karen Vuong und der Mezzosopran Ezgi Kutlu verleihen der Aufführung große musikalische Intensität, berichtet Stefana Sabin. mehr

Theater: »Luther!« in Esslingen

Allein gegen die Macht

Die Württembergische Landesbühne Esslingen hat sich entschieden, anlässlich des 500. Jahrestags seit dem Anschlag der berühmten Thesen einen Auftrag für ein Luther-Stück zu vergeben. Verglichen mit Dieter Fortes großem Wurf von 1970 wirkt Jörg Ehnis »Luther!« in der Regie von Marcel Keller naiv, meint Thomas Rothschild. mehr

Kunstmessen in Basel 2017

Marktmacht in Basel

Wahrlich ist das ein Kunstsommer, Athen, Venedig, Kassel, Münster, Basel: Der Kunstreisende muss in diesem Jahr viel unterwegs sein. Den größten Kontrast boten nun innerhalb einer Woche die Vorbesichtigungen der documenta 14 in Kassel und die Messen in Basel. Isa Bickmann berichtet von ihrem Dauerlauf über die Schweizer Kunsthandelsplattformen. mehr

Fotografie

Die Bechers und ihre Folgen

Die Düsseldorfer Fotografieklasse von Bernd und Hilla Becher steht im Mittelpunkt mehrerer Ausstellungen. In Frankfurt zeigt das Städel rund 200 Haupt- und Frühwerke der Becher-Schüler und ihrer Lehrer. Das Münchner Haus der Kunst widmet Thomas Struth eine Einzelausstellung. Martin Lüdke stellt zwei aktuelle Publikationen vor, die sich der Becher-Klasse widmen. mehr

OPER: Pique Dame in Stuttgart

Ein Bühnenereignis

Als letzte Neuproduktion der Spielzeit 2016/17 feierte Peter Tschaikowskis Oper »Pique Dame« nach Alexander Puschkins Erzählung in Stuttgart Premiere. Jossi Wieler und Sergio Morabito haben den Stoff in die Gegenwart verlegt. Anna Viebrock hat eins ihrer charakteristischen Bühnenbilder entworfen. Mit dieser Produktion könnte sich jede führende Bühne der Welt schmücken, meint Thomas Rothschild. mehr

Opernpremiere in Frankfurt

Die Zerrissenheit der Welt

In Arthur Honeggers und Paul Claudels Werk »Jeanne d`Arc au bucher« stehen Wort und Musik, chorische Massenszenen sowie Soli von Schauspielern und Sängern absolut gleichberechtigt neben- und beieinander, um Klangkunst zu formen. Wer dieses Gesamtkunstwerk in der Oper Frankfurt verpasst, verpasst wirklich etwas, meint Andrea Richter. mehr

Erinnerungen an Ernst Bloch

Wir fühlten uns alt neben ihm

Gert Ueding, Literaturkritiker und Essayist, emeritierter Tübinger Rhetorik-Professor, erzählt in einem sehr persönlichen Buch von der Wirksamkeit, der Ausstrahlung und den Leistungen des Philosophen Ernst Bloch. Lothar Schöne hat die »Erinnerungen an Ernst Bloch« mit Gewinn gelesen. mehr

ZUM TOD VON TANKRED DORST

Einer, der immer fragte

Tankred Dorst gehörte zu den meistgespielten Theaterautoren. Unter den unzähligen Dramen, die er seit 1971 zusammen mit seiner Frau Ursula Ehler verfasste, ist das bekannteste »Merlin oder das wüste Land«. Am 1. Juni 2017 starb Tankred Dorst im Alter von 91 Jahren in Berlin. Ernst August Klötzke erinnert an den großen Dramatiker. mehr

Oper »La damnation de Faust« in Berlin

Ein Höllenzauber

Hector Berlioz' 1846 uraufgeführtes Werk »La damnation de Faust« gilt als eine der eigenwilligsten Faust-Adaptionen. Terry Gilliams radikale Inszenierung, die 2011 für die English National Opera entstand, wurde nun an der Berliner Staatsoper aufgeführt. Man darf diese Inszenierung nicht verpassen, rät Alban Nikolai Herbst. mehr

Nora Bossong: Rotlicht

Lust ohne Zauber

In ihrem Essayband »Rotlicht« erforscht die 1982 geborene Autorin Nora Bossong das Geschäft mit der Liebe. Sie möchte überdies die weibliche Sexualität besser kennenlernen. Bossong besucht Sexkinos und Table-Dance-Bars, Swingerclubs und eine Erotikmesse. Riccarda Gleichauf hat die Gesellschaftsstudie gelesen. mehr

CD: Wolfgang Dauner

Jazz-Giganten

Als Pianist, Komponist, Arrangeur und Organisator hat Wolfgang Dauner den deutschen Jazz mitgeprägt. Kurz nach Dauners 80. Geburtstag, im Januar 2016, fand im Stuttgarter Theaterhaus ein Konzert statt, dessen Mitschnitt jetzt auf CD erschienen ist. Thomas Rothschild stellt die Dauner-Aufnahme sowie eine neue CD des Klarinettisten Michel Portal vor. mehr

Theater

Hamburg und die Welt

Zum ersten Mal seit 1989 findet das Festival »Theater der Welt« wieder in Hamburg statt. Thomas Rothschild hat dort die ersten Inszenierungen besucht, unter anderem »Die Weber« nach Gerhart Hauptmann. Er berichtet außerdem von der Premiere des Stücks »Valentin« von Herbert Fritsch am Deutschen Schauspielhaus. mehr

Michael Fehr: »Glanz und Schatten«

Glänzende Schattengewächse

»Glanz und Schatten« ist die dritte Buchveröffentlichung des 1982 geborenen Berner Autors Michael Fehr. Die Erzählungen sind keine linearen Geschichten, sie verweigern sich ihrem Genre. Man liest Verse ohne Versmaß. Karin Betz hat sich auf Fehrs verlockend-schauerliche Bilderwelt eingelassen. mehr

Das Städel in Frankfurt

Museum als Avantgarde

Im Mai 1917, vor genau einhundert Jahren, wurde der Deutsche Museumsbund auf einer Tagung im Frankfurter Städelmuseum gegründet. Damit einher ging eine visionäre Debatte um die Demokratisierung des Kunstmuseums – und seine Öffnung hin zur Avantgarde. Jana Baumann blickt auf eine folgenreiche Phase der deutschen Kulturgeschichte zurück. mehr

Deutschland um 1900

Eine unzeitgemäße Betrachtung?

Gewichtig und groß stellt sich das neue Buch »Deutschland um 1900« dar. Der Taschen-Verlag präsentiert darin auf 612 Seiten rund 800 Farbbilder. Das sogenannte Photochromverfahren, Druckplatten auf Basis der Fotografie, machte es seinerzeit möglich, die wilhelminische Welt »in naturgetreuer Farbwiedergabe« zu dokumentieren. Christian J. Grothaus stellt das Buch vor. mehr

Ludwigsburger Schlossfestspiele 2017

Was einige Herren nicht leiden können

Das Programm der Ludwigsburger Schlossfestspiele erstreckt sich weit über Genre- und Nationalitätengrenzen hinweg und erfordert, um die Qualität der künstlerischen Angebote einigermaßen auszubalancieren, eine weise Planung, die es ohne Risiko nicht geben kann. Thomas Rothschild beschreibt, was daran gelungen ist. mehr

Daniel Wisser: Löwen in der Einöde

Die Zeit der Helden ist vorbei

Der 1971 geborene österreichische Autor Daniel Wisser ist ein genauer Beobachter seiner Zeitgenossen. Wie sein Protagonist Michael Braun hat auch er die Kindheit in den siebziger Jahren und die Jugend in den Achtzigern und Neunzigern verbracht. Wissers Roman »Löwen in der Einöde« handelt von Orientierungslosigkeit angesichts des gesellschaftlichen Wandels. Gudrun Braunsperger hat das Buch gelesen. mehr

Benjamin Britten: Der Tod in Venedig

Apollo oder Dionysos

Musik, die keine Tanzmusik ist, zu vertanzen, ist heikel, besonders, wenn es sich um Opernmusik handelt, die sich durch das gesungene Wort ausweist. Wenn aber der Intendant Jossi Wieler den jungen Choreografen Demis Volpi mit der Inszenierung von Benjamin Brittens letzter Oper »Der Tod in Venedig« betraut, kann sie auch, wie Thomas Rothschild berichtet, beglückend glücken. mehr

DIE KUNST DES WIDERSTANDS IN SYRIEN

Humor gegen den Tod

Kunst und Satire scheinen sechs Jahre nach Beginn des friedlichen Volksaufstands in Syrien nicht mehr zu existieren. In den Berichten westlicher Medien dominieren heute die militärische Lagebeurteilung oder Urteile darüber, wie »islamistisch« die Gegner des Regimes sind. Doch noch heute kämpfen syrische Künstler mit der Waffe der Satire für Freiheit und Pluralismus, berichtet Christin Lüttich. mehr

Szilard Borbely: Die Mittellosen

Eine abgestumpfte Welt

Aus der Perspektive eines Elfjährigen erzählt, ist Szilard Borbelys bitterböser Roman »Die Mittellosen« ein literarisches Dokument der menschlichen Niederungen. Der Autor, geboren 1963 im nordöstlichen Winkel Ungarns in dörflichen Verhältnissen, hat sich im Februar 2014 das Leben genommen. »Die Mittellosen« gehören zu den ganz wichtigen Büchern der Gegenwart, meint Ina Hartwig. mehr

Essay

Über die Lüge

Die Lüge ist ein wahrer Verwandlungskünstler, wie dieser Tage wieder deutlich wird. Wer mag noch news von fake news, echte Tatsachen von alternativen Fakten unterscheiden? In seinem Essay »Über die Lüge« spürt der Frankfurter Schriftsteller Pete Smith dem Wesen der Lüge nach, in der sich, wie die Erfahrung zeigt, nicht selten die Wahrheit entfaltet. mehr

Jubiläumsedition der Murnau-Stiftung

Jenseits des Heimatfilms

Zum 50-jährigen Bestehen der Murnau-Stiftung ist eine Edition mit sechs restaurierten Filmen erschienen. Sie enthält die Stummfilme »Zapatas Bande« von Urban Gad, »Als ich tot war« (Ernst Lubitsch) und »Asphalt« (Joe May). Auch die Komödie »Viktor und Viktoria« (Reinhold Schünzel), Helmut Käutners »Romanze in Moll« und »Madeleine und der Legionär« (Wolfgang Staudte) finden sich in der Edition, die Thomas Rothschild empfiehlt. mehr

Alissa Walsers Erzählungen

Lautes im Leisen

Alissa Walser hat einen neuen Erzählband vorgelegt: »Eindeutiger Versuch einer Verführung«. Walsers Texte sind Momentaufnahmen gescheiterter Kommunikation in zwischenmenschlichen Beziehungen. Riccarda Gleichauf hat das Buch mit Gewinn gelesen. mehr

Im Blickwinkel

Telmo & Miel

Die Reihe »Im Blickwinkel« nähert sich erklärungsbedürftigen zeitgenössischen Kunstwerken. Diesmal stellt Sarah Leinweber die Arbeit MY GLOVE IS GREAT des niederländischen Street-Art-Künstlerduos Telmo Pieper und Miel Krutzmann vor. mehr

Iman Humaidan: Fünfzig Gramm Paradies

Schwarze Flecken im Herzen

In ihrem Roman »Fünfzig Gramm Paradies« erzählt Iman Humaidan vom Leben während des libanesischen Bürgerkrieges und der Zeit danach. Es ist ein Buch der Grautöne in zahllosen Schattierungen, die den Kolorit der Gesellschaft des Nahen Ostens in einer dramatischen Epoche nachzeichnen, meint Gudrun Braunsperger. mehr

EUROPOESIE: ELS MOORS

Wein um die Lippen

Die flämische Lyrikerin Els Moors schlägt einen unbefangenen, leichten Ton an, der aber seinen dunklen Untergrund nicht verbirgt. Ihre »Lieder vom Pferd über Bord« sind in einer zweisprachigen Ausgabe erschienen. Moors kommt aus Belgien, das Buch aus Berlin. Bernd Leukert stellt die Lyrikerin in der Reihe »Europoesie« vor. mehr

Nora Gomringer: Moden

Kribbeln auf der Haut

Nora Gomringers jüngster Lyrikband »Moden« umfasst 25 Gedichte, dazu ebenso viele Collagen von Reimar Limmer, ein Umschlagbild, das an ein Modemagazin denken lässt, Schnittbögen als Vorsatzblatt und eine Audio-CD, auf der Gomringer ihre Gedichte selbst liest. Karin Betz empfiehlt den Band. mehr

CD von Werner Pirchner

Die Pflicht zum Ungehorsam

Werner Pirchner (1940-2001) galt als Komödiant der österreichischen Musikszene. Dabei wäre der Autodidakt gerne als seriöser Komponist wahrgenommen worden. Das Eggner Trio hat nun die drei Klaviertrios von Werner Pirchner aufgenommen. Thomas Rothschild stellt die CD vor. mehr

Anna Kim: »Die große Heimkehr«

Auf der Suche nach Wahrheit

Der autobiographisch motivierte Roman »Die große Heimkehr« von Anna Kim ist ein Versuch, der komplexen Geschichte Koreas im 20. Jahrhundert Gehör zu verschaffen. Es ist die Geschichte einer Region, die über Jahrzehnte hinweg zerrissen blieb im Kampf um die politische Einflussnahme durch die USA gegen die Sowjetunion. Gudrun Braunsperger hat Kims Roman gelesen. mehr

EUROPOESIE: ROBERTA DAPUNT

Bedürftig der Stille

Wer sich mit der europäischen Sprachenvielfalt beschäftigt, stößt nach den Staatssprachen schnell auf eine Vielzahl von Minderheitensprachen, die nicht dialektal, sondern eigenständig sind. Roberta Dapunt schreibt ihre Gedichte auf Italienisch und Ladinisch, wie es im Gadertal gesprochen wird. In ihrer konzentrierten Poesie geht es um Landleben, Glauben und Zugewandtheit. mehr

BALLETT UND KONZERT

Die Wahrheit des Elefanten

»Nachtstücke« heißt ein Ballettabend in Stuttgart, der drei Choreographien, darunter eine Uraufführung, vereint. Thomas Rothschild hat den mitunter keineswegs romantischen Abend besucht. Zudem berichtet Rothschild über ein Konzert des Klavierduos Katia und Marielle Labeque in Ludwigsburg. mehr

AMERICANA: Das Meer in Country und Folk

Cowboys von der Waterkant

Blaue Berge, Pferde, Colts, ja. Aber Strände, Boote und Angelhaken? In der amerikanischen Country- und Folkmusik geht es mehr ums Meer und weniger um die Wüste, als das Klischee vermuten lässt, stellt Martin Wimmer fest. Seine Betrachtungen ergänzt der Autor durch eine persönliche Liste der besten Countrysongs über Schiffe und Strände. mehr

Liederabend: Piotr Beczala

Kraft von Klavier und Stimme

Piotr Beczala kann für sich zu Recht in Anspruch nehmen, einer der besten und gefragtesten Tenöre der Welt zu sein. Derzeit tourt er gemeinsam mit dem Pianisten Helmut Deutsch durch Europa. Im Rahmen eines Liederabends in der Frankfurter Oper bewies Beczala einmal mehr, dass er wirklich ein ganz großer Opernsänger mit einer Riesenstimme ist, berichtet Andrea Richter. mehr

DVD: The Salvation Hunters

Der Geniestreich

Josef von Sternbergs »The Salvation Hunters« von 1925, das Debüt des damals 31jährigen genialen Regisseurs, zeigt den Stummfilm auf dem Höhepunkt seiner Möglichkeiten. Das Österreichische Filmmuseum hat »The Salvation Hunters« nun als DVD herausgebracht. Thomas Rothschild stellt den Film vor. mehr

Sibylle Berg: »Wunderbare Jahre«

»Ich wünsche Ihnen ein schönes Leben!«

In ihrem Buch »Wunderbare Jahre. Als wir noch die Welt bereisten« setzt Sibylle Berg auf kompromisslose Konfrontation mit der Gegenwart. An ihren neunzehn Reisezielen dominiert häufig die brutale Fratze der Welt, frei von Abenteuerlust, Romantik und Spaß. Reinhard Boos hat das Buch gelesen. mehr

Theater: »Schwarze Jungfrauen«

Abendkleid statt Schleier

Der Theatertext »Schwarze Jungfrauen« von Günter Senkel und Feridun Zaimoglu beruht auf Interviews mit radikalisierten Muslimas. Der Frankfurter Regisseur Jakub Gawlik hat den Text nun am Theater Trier inszeniert. Gawliks große Leistung besteht darin, Sympathie für die Figuren zu erzeugen und die Angst vor ihnen abzubauen, meint Andreas Engelmann. mehr

Gauthier Dance: Big Fat Ten

Wörter und Bewegung

Die Stuttgarter Kompanie Gauthier Dance feiert ihr zehnjähriges Bestehen mit sieben Stücken, die unter dem Titel »Big Fat Ten« zusammengefasst wurden. Das inklusive Pause zweieinhalbstündige Programm zeigt die ganze Spannbreite der Möglichkeiten der am Theaterhaus Stuttgart beheimateten Ballettgruppe, berichtet Thomas Rothschild. mehr

Premierenkritik: Über ein komisches Trauerspiel

Die Protagonisten schwitzen, die Zuschauer lachen

Die Vorlage stammt von dem russischen Schriftsteller Iwan Turgenjew. Patrick Marber hat Turgenjews Stück »Ein Monat auf dem Lande«, das in den 1840er Jahren spielt, entstaubt, deutlich gestrafft und frisch aufgeputzt: »Drei Tage auf dem Land«. Der Regisseur Andreas Kriegenburg hat jetzt die Übersetzung dieser Bearbeitung am Schauspiel Frankfurt – erfolgreich – auf die Bühne gebracht. Eine Premierenkritik von Martin Lüdke. mehr

Filmkritik: Elle

(K)ein Opfer

Paul Verhoevens jüngster Film »Elle« mit Isabelle Huppert in der Hauptrolle kreist um eine Vergewaltigung. Warum man »Elle« trotzdem als eine stellenweise erstaunlich feministische Produktion sehen kann, erklärt Riccarda Gleichauf. mehr

Eine Fallgeschichte: Akbar Abdullaev

Vor dem Gesetz

Akbar Abdullaev, Neffe des kürzlich verstorbenen usbekischen Präsidenten Islam Karimow, steht im Mittelpunkt eines Falls von politisch motivierter Verfolgung durch das usbekische Regime. Ihm droht derzeit aufgrund seiner Kriminalisierung durch den usbekischen Geheimdienst die Auslieferung durch die ukrainischen Behörden nach Usbekistan – zurück in die Folterhaft. Michele Sciurba hat den Fall von Beginn an verfolgt. mehr

Lüdkes liederliche Liste

Lorenz Jägers Benjamin-Biographie

Walter Benjamin gilt als eine der rätselhaftesten Figuren der neueren Geistesgeschichte. Wirklich entdeckt wurde er im Zuge der Protestbewegung der späten sechziger Jahre. Nun hat der langjährige F.A.Z.-Feuilletonredakteur Lorenz Jäger eine neue Biographie Benjamins vorgelegt, und Martin Lüdke hat sie studiert. mehr

Brigitte Kronauer: Der Scheik von Aachen

Immer nach Hause

Brigitte Kronauers neuer Roman »Der Scheik von Aachen« erzählt von den Zumutungen der Wirklichkeit, denen manchmal nur noch mit begründeten Träumen beizukommen ist. Im Mittelpunkt steht die nicht mehr ganz junge Anita Jannemann, die aus Zürich in ihre Heimatstadt Aachen zurückgekehrt ist. Am Ende dieses Romans feiert die Liebe eine Auferstehung, weiß Otto A. Böhmer. mehr

Theater

Dramaturgy in the Making

2015 ist in England die Monographie »Dramaturgy in the Making« erschienen. Es ist eine umfassende Darstellung der verschiedenen Aspekte der Dramaturgie, die für den Theaterliebhaber ebenso interessant sind wie für den Theaterpraktiker. Thomas Rothschild stellt das Buch im Vergleich mit einer jüngeren Veröffentlichung von Evelyn Deutsch-Schreiner vor. mehr

Videogespräch mit Abdennour Bidar

Offener Brief an die muslimische Welt

Abdennour Bidar ist ein französischer Philosoph und Essayist. Er ist Moslem und setzt sich kritisch mit dem Islam, aber auch mit dem säkularisierten Westen auseinander. Nach den Pariser Anschlägen schrieb Bidar einen »Offenen Brief an die muslimische Welt« Harald Ortlieb hat ein Video-Gespräch mit Bidar produziert. Darin stellt der Autor seine Thesen vor. mehr

Konzert und CD

Totengedenken

Mieczyslaw Weinberg, einer der beeindruckendsten Komponisten des 20. Jahrhunderts, wurde zu Lebzeiten kaum wahrgenommen. Nun hat das Staatsorchester Stuttgart unter der Leitung von Thomas Sanderling Weinbergs 21. und letzte Symphonie von 1991 mit dem Titel »Kaddish« vorgestellt. Man kann sich der ergreifenden Suggestivität dieser Musik kaum entziehen, meint Thomas Rothschild. mehr

DER DICHTER PAUL-HENRI CAMPBELL

Eine Kerze, die von beiden Seiten brennt

Der Dichter und Übersetzer Paul-Henri Campbell wurde sowohl in den USA als auch in Deutschland sozialisiert. 2015 erschien sein Gedichtband »space race«. Kurt Drawert sieht Campbells Stärke im Langgedicht mit seinen Motivketten und seriellen Ordnungssystemen. Drawert stellt den jungen Lyriker vor. mehr

Ballettpremiere

Krückstock des Narrativen

Der Stuttgarter Ballettintendant Reid Anderson pflegt den Wechsel von abendfüllenden Handlungsballetten mit gemischten Ballettabenden. Bei letzteren liebt er es, Neuzugänge ins Repertoire mit der Wiederaufnahme von Erfolgsstücken zu kombinieren. Der jüngste Ballettabend stand unter dem Motto »Verführung«, berichtet Thomas Rothschild. mehr

BETTINE UND ACHIM VON ARNIM

Eine große Liebesgeschichte

Der Gutsbesitzer und Schriftsteller Achim von Arnim heiratete 1811 die kapriziöse Bettine Brentano. In dem Buch »Bettine und Achim von Arnim« erzählt Hildegard Baumgart nun »die Geschichte einer ungewöhnlichen Ehe«. Es ist ein reichhaltiges Buch, das zu Herzen geht und sogar Romantikkenner mit Neuigkeiten versorgt, meint Otto A. Böhmer. mehr

ÖSTERREICHISCHE LITERATUR

Bloß nicht in Fraktur

Der Schriftsteller und Journalist Helmut Rizy hat kürzlich eine Studie über die österreichische Nachkriegsliteraturgeschichte vorgelegt. Darin lässt er Autoren des Exils, des inneren Widerstands und der Nachkriegsjahre zu Wort kommen, ohne die Namen der NS-Kollaborateure zu verschweigen. Thomas Rothschild hat Rizys Studie gelesen. mehr

LÜDKES LIEDERLICHE LISTE: Erich Kästner

Seinesgleichen mag er nicht

Eine Sammlung von Erich Kästners Berliner Beobachtungen ist unter dem Titel »Sonderbares vom Kurfürstendamm« erschienen. In Kästners Texten und Gedichten machen sich oft die Kleinbürger über Kleinbürger lustig. Dahinter steckt häufig das Ressentiment, meint Martin Lüdke. mehr

ILSE AICHINGER: Die grössere Hoffnung

»Ergib dich in das Ungewisse, damit du gewiss wirst«

1948 publizierte die österreichische Schriftstellerin Ilse Aichinger (1921-2016) den Roman »Die größere Hoffnung«. Aichinger erzählt darin von einem jüdischen Mädchen inmitten von Krieg und Totalitarismus. »Die größere Hoffnung« ist ein Bekenntnis des Vertrauens in die Kraft der Sprache. Das Buch verdient unsere Aufmerksamkeit, meint Gudrun Braunsperger. mehr

Gösweiners Roman »Traurige Freiheit«

Emanzipiert einsam

Friederike Gösweiners Roman »Traurige Freiheit« thematisiert die prekären Lebensumstände der »Generation Praktikum«. Hannah, die 30-jährige Protagonistin, zieht für ein journalistisches Volontariat nach Berlin und jobbt dort als Kellnerin. Ihre neue Freiheit wird zu einem Fall in die Tiefe. Riccarda Gleichauf hat das Buch gelesen. mehr

Dokumentation: DVD erscheint am 20.1.

Alternative Geschichtsschreibung

Die Finnin Kirsi Marie Liimatainen ist in einer kommunistischen Familie aufgewachsen. Zwei Jahrzehnte nach dem Ende des Ostblocks geht sie, inzwischen Schauspielerin und Filmemacherin, auf die Suche nach ihren Kameraden von damals. Liimatainens Film »Comrade, Where Are You Today?« ist nun auf DVD erschienen, berichtet Thomas Rothschild. mehr

Studientag zu Otto Dix in Colmar

Ein Meister der Moderne

Anlässlich der Ausstellung »Otto Dix – der Isenheimer Altar« veranstaltete das Musée Unterlinden Colmar in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Forum für Kunstgeschichte Paris einen Studientag zu Otto Dix (1891-1969). Sarah Leinweber berichtet von den dort präsentierten wissenschaftlichen Erkenntnissen. mehr

Beisl-Kultur

Typisch Wienerisch

In »Golden Days Before They End« haben Klaus Pichler und Clemens Marschall mit Fotos und mit kurzen Textzitaten die plebejische Wiener Beisl-Kultur dokumentiert, die bereits verschwunden oder im Verschwinden begriffen ist. Thomas Rothschild stellt den Band vor. mehr

Zum Tod von Günter Haese

Eine Ausnahmeerscheinung

Spät wurde bekannt, dass am 30. November 2016 der Düsseldorfer Bildhauer Günter Haese im Alter von 92 Jahren in Hannover verstarb. In den 1960er Jahren war Haese auf der documenta und der Biennale von Venedig vertreten. Isa Bickmann erinnert an den Künstler und seine feinen Gebilde aus Uhrmaterialien. mehr

DANCE ON ENSEMBLE BEI DEN EUROPÄISCHEN KULTURTAGEN

Klang, der bewegt

Nachhaltig einprägsam war der Abschluss der diesjährigen Kulturtage der Europäischen Zentralbank mit dem Programm »Water Between Three Hands« des DANCE ON ENSEMBLES, bestehend aus sechs Tänzern – drei Frauen, drei Männern. Mit akustischen und rhythmischen Effekten wurden im Schauspiel Frankfurt Spannung und unterhaltende Nachdenklichkeit auf die Bühne gebracht, berichtet Petra Kammann. mehr

Kurt Drawerts Gedichtband »Der Körper meiner Zeit«

Sehr gerne fremd

Mutig und übermütig geht er mit der Form um, mit melancholischem Witz und enormer Erfahrung balanciert er seine Poesie über den aktuellen und ewigen Abgründen. Kurt Drawert hat sich mit seinem Großgedicht »Der Körper meiner Zeit« als empfindsames Medium unserer Gegenwart gezeigt. Bernd Leukert schätzt seine Kunst der lyrischen Reflexion. mehr

LÜDKES LIEDERLICHE LISTE

Michael Krüger: »Hellwach gehe ich schlafen«

Michael Krügers Gedichte aus vierzig Jahren versammelt der kürzlich erschienene Band »Hellwach gehe ich schlafen«. Eine »Elegie auf die verschwindende Sichtbarkeit der Welt« nannte Friedmar Apel einmal die Gedichte Krügers. Besser kann man diesen Abgesang auf eine sich verflüchtigende Kultur nicht beschreiben, meint Martin Lüdke. mehr

KATJA LANGE-MÜLLERS ROMAN »DREHTÜR«

Was vom Helfen übrig bleibt

»Drehtür« heißt der jüngste Roman von Katja Lange-Müller. Darin geht es um teils groteske und komische, aber auch ganz und gar übliche, gewohnte Katastrophen. Katja Lange-Müller hat die Fähigkeit erworben, dem Grauen so zu begegnen, dass es uns Lachen macht, meint Harry Oberländer. mehr

DAS PHÄNOMEN BOB DYLAN

»Es ist noch nicht alles zu Ende, aber bald«

Bob Dylan ist ein Künstlername. Robert Zimmerman hat ihn sich von dem walisischen Poeten Dylan Thomas geliehen. Er sah sich also in einer Tradition, in der literarische Ehrungen nicht ganz ausgeschlossen sind, Nobelpreise aber eher wie Blitzeinschläge wirken. Was also ist an diesem Bob Dylan dran, dass er als erster Folk- und Rockmusiker den großen Literaturnobelpreis bekommt? Ria Endres hat bei einem Konzertbesuch das Phänomen Dylan zu fassen versucht. mehr

Armin Petras in der Opernwelt

Es hätte schlimmer kommen können

Armin Petras hat in Stuttgart Jacques Offenbachs Operette »Orpheus in der Unterwelt« in deutscher Sprache inszeniert. Petras outete sich dabei als eher konventioneller Regisseur. Er hielt sich ziemlich eng an das Libretto, berichtet Thomas Rothschild. mehr

OPER UND THEATER IN MÜNCHEN

Grausamkeiten aus zwei Jahrhunderten

Die Bayerische Staatsoper zeigt Dmitrij Schostakowitschs »Lady Macbeth von Mzensk«. Die Regie führt Harry Kupfer. In der Titelrolle brilliert Anja Kampe. Der Generalmusikdirektor der Staatsoper Kirill Petrenko bewegt sich bei Schostakowitsch in seinem Element. Zudem berichtet Thomas Rothschild über eine Inszenierung von Pier Paolo Pasolinis »Schweinestall« im Münchener Residenztheater. mehr

NEUE BÜCHER ZU HERMANN HESSE

Der Selbstsucher mit dem grünen Daumen

Noch immer ist Hermann Hesse ein Bestsellerautor. Sein Leben und sein Lebensstil sind eine Quelle für fiktionale und wissenschaftliche Erkundungen. Thomas Lang durchleuchtet in seinem neuesten Roman Hesses erste Ehe, und ein prächtiger Bildband präsentiert Hesses Garten am Bodensee, wo sich diese Ehe abspielte. Stefana Sabin hält beide Bücher für schöne Ergänzungen zur Hesse-Philologie. mehr

Amos Oz-Verfilmung von Natalie Portman

Immer die Mutter

Die Schauspielerin Natalie Portman hat Amos Oz‘ Roman »Eine Geschichte von Liebe und Finsternis« verfilmt. Aus dem engmaschigen Gewebe aus Ereignissen, in das Oz eine Geschichte von Liebe, Entfremdung, Verzweiflung und Tod einbettet, ist eine fragmentarische Film-Erzählung geworden, die eine Mutter-Sohn-Beziehung bebildert, berichtet Stefana Sabin. mehr

Oper: Eugen Onegin in Frankfurt

Wir werden gehen, uns küssen, altern

Kein Baum, keine Wiese, keine Naturidylle. Nichts von alledem, was man von einer Eugen-Onegin-Inszenierung erwartet, bekommt man in der Neuproduktion der Oper Frankfurt zu sehen. Dafür Bilder Post-Sowjet-Russlands zwischen Tradition und Aufbruch. Verstörte Menschen in einer Phase des Umbruchs, plastisch dargestellt und ergreifend musiziert. Eine äußerst gelungene Ensemblearbeit, meint Andrea Richter. mehr

Neuer Film von Ken Loach

Armut und Würde

Für »Ich, Daniel Blake« erhielt der britische Regisseur Ken Loach 2016 die Goldene Palme des Filmfestspiele in Cannes. Das Thema des Films ist die Entwürdigung des Menschen durch Armut. Erzählt wird die Geschichte einer Freundschaft zwischen einem kranken Mann, der um seine Sozialhilfe kämpfen muss, und einer alleinerziehenden Mutter. Thomas Rothschild hat sich den Film angesehen. mehr

ALBERT BREIERS »ZAHL UND MORAL«

Der fachgelehrte Teufel

Auf den ersten Blick haben Zahl und Moral nichts miteinander zu tun. Albert Breier hat sich viele Jahre mit dem Einfluss der Mathematik auf unser Selbstverständnis in Geschichte und Gegenwart beschäftigt und ein imposantes Buch darüber geschrieben. Bernd Leukert hat es gelesen. mehr

Der Philosoph Augustinus

Zu leicht befunden

Augustinus wurde als Heide im römischen Nordafrika geboren, begann lebenslustig sein Studium, ließ sich bekehren und schrieb schließlich als Bischof von Hippo Regius reuig seine Bekenntnisse auf. Als einer der Kirchenväter und streitbarer Philosoph verteidigte er die christliche Staatsreligion gegen Andersdenkende und Heiden. Gegen Ende seines Lebens hatte er, wie Otto A. Böhmer weiß, sogar ein ›Gesicht‹. mehr

Buchbesprechung

Ein erzähltes Stück Leben

Die Schriftstellerin Christine Lavant (1915-1973) ist in den 1950er Jahren durch ihre Lyrik bekannt geworden. Ihre »Aufzeichnungen aus dem Irrenhaus« wurden erst 2001 publiziert. Darin erzählt Lavant von ihrem Aufenthalt in der Landes-Irrenanstalt Klagenfurt im Jahr 1935. Das Buch liest sich stellenweise wie ein phantastisches Stück Prosa, meint Riccarda Gleichauf. mehr

THEATER

Genau wie der demente Onkel

In seinem Stück »Vater« widmet sich der französische Boulevardautor Florian Zeller der Altersdemenz. Verglichen mit anderen Dramen über das Altern wirkt das Stück platt und unbeleckt von dramaturgischem Raffinement. Das Stuttgarter Publikum spendete dennoch großherzig Applaus, berichtet Thomas Rothschild. mehr

Reportage, Teil II

Der amerikanische Monarch

Kurz vor der Präsidentschaftswahl ist Michael Eberth an die Westküste der USA gereist. Im zweiten Teil seiner Reportage berichtet Eberth von einer Begegnung mit Anhängern Donald Trumps. mehr

Romanauszug

Ruhe auf der Flucht

Faust-Kultur veröffentlicht einen Auszug aus Joachim Geils neuen Roman »Ruhe auf der Flucht«. Darin geht es um die Erinnerung an Schorsch, einen Jugendfreund des Protagonisten Hubert, eine nicht ganz erwiderte Jugendliebe, um Schorschs Tod und Auferstehung. mehr

Oper in Stuttgart

Castorfs Faust

In Stuttgart inszeniert Frank Castorf die von Charles Gounod 1859 komponierte Faust-Oper. Doktor Faust und das Gretchen werden darin zu glaubwürdigen Bewohnern von Paris, das Castorfs Bühnenbildner Aleksandar Deni? gebaut hat. Der lang anhaltende Premierenapplaus galt dem Ensemble und auch dem Regisseur, berichtet Thomas Rothschild. mehr

WIE EIN KRIEGSRICHTER NACH 1945 KARRIERE MACHTE

Der »ehrenwerte« Herr aus Marburg

NS-Täter konnten in der frühen Bundesrepublik mit Rücksicht und Verständnis rechnen – sie wurden selten verfolgt und verurteilt. Nicht wenige konnten Karrieren als Richter, Hochschulprofessoren und Politiker machen. Eine solche Karriere, diejenige des NS-Kriegsrichters Erich Schwinge, zeichnet Helmut Ortner in seinem Essay nach. mehr

Friedrich von Flotow: Martha

Her die Bauernmieder!

Noch in den 1960er Jahren war »Martha oder Der Markt zu Richmond« von Friedrich von Flotow eine beliebte Oper auf den deutschen Bühnen, dann wurde sie eingemottet. Nun wird eine neue »Martha«-Inszenierung an der Oper Frankfurt vom Generalmusikdirektor Sebastian Weigle dirigiert. Das Orchester und vor allem die Sänger sorgten für einen geradezu fulminanten Premierenabend, berichtet Stefana Sabin. mehr

Lesung im Video

Han Kang: »Die Vegetarierin«

»Die Vegetarierin« ist der dritte Roman der südkoreanischen Autorin Han Kang. Er wurde im vergangenen Jahr mit dem Man Booker International Prize ausgezeichnet. Auch im deutschsprachigen Feuilleton wurde der bizarr anmutende Text mit Respekt aufgenommen. Andrea Pollmeier hat Han Kangs Frankfurter Lesung gefilmt. mehr

DER FOTOGRAF ROBERT LEBECK

Blicke und Begegnungen

Dem Fotografen und Fotoreporter Robert Lebeck (1929-2014) gelang es stets, den richtigen Moment zu treffen. Lebeck bezeichnete diese Fähigkeit als »unverschämtes Glück«. Ein neuer Fotoband zeigt nun bekannte und zumeist unveröffentlichte Fotos in einer höchst sehenswerten Zusammenstellung, berichtet Isa Bickmann. mehr

LÜDKES LIEDERLICHE LISTE

Marcel Proust: Briefe 1879–1922

Das literarische Werk von Marcel Proust begleitet unseren Autor Martin Lüdke schon seit Jahrzehnten. Nun sind im Suhrkamp Verlag Prousts Briefe von 1879 bis 1922 erschienen. Die Bände sind liebevoll gestaltet. Man spürt, dass Menschen am Werk waren, die noch einen Zusammenhang zwischen Leben und Lesen sehen, meint Lüdke. mehr

»PAUL BUNYAN« IN FRANKFURT

Brittens amerikanische Operette

Die letzte Zusammenarbeit zwischen Benjamin Britten und W.H. Auden war eine Operette um die Märchenfigur Paul Bunyan. Erzählt wird in ironischer Brechung von der Besiedlung der amerikanischen Wildnis, vom Leben in einer Holzfällersiedlung. Brigitte Fassbaender hat »Paul Bunyan« an der Oper Frankfurt inszeniert. Stefana Sabin findet die Inszenierung rundum gelungen. mehr

Silke Scheuermann: Wovon wir lebten

Der Ernst des Lebens hat begonnen

Der Protagonist in Silke Scheuermanns neuem Roman »Wovon wir lebten« heißt Marten und lebt in Offenbach – einem lästigen Vorort von Frankfurt, wie die Frankfurter meinen. Scheuermann erzählt von Martens Erwachsenwerden, von seinem Weg vom Drogenkurier zum Spitzenkoch. »Wovon wir lebten« ist ein Roman, der sehr zu loben ist, meint Otto A. Böhmer. mehr

Theater: Safe Places in Frankfurt

»Wir schaffen das!« – Nicht?

Der Regisseur Falk Richter und die Choreographin Anouk van Dijk haben für ihr Projekt »Safe Places« vier Sprecher und eine Gruppe von sieben Tänzern aus aller Welt auf die Bühne des Frankfurter Schauspiels geholt. Unser kulinarisches Theater wird so wieder politisch, meint Martin Lüdke. mehr

PINA BAUSCH IM DIALOG

Über das Tanzen reden

Anlässlich einer Ausstellung in Berlin ist das Buch »O-Ton Pina Bausch. Interviews und Reden« erschienen. Die Sammlung von Interviews aus der gesamten Schaffenszeit der Choreographin wird durch durch den programmatischen Text zu Bauschs ersten Wuppertaler Spielzeit 1973/74 und durch ihre Kyoto-Preisrede ergänzt. Christian J. Grothaus empfiehlt den Band. mehr

Debussys »Nachmittag eines Fauns«

Musikfest mit Überraschungen

Die Alte Oper Frankfurt hat ihr diesjähriges Musikfest einem kanonischen Werk der musikalischen Moderne gewidmet, Claude Debussys »Prélude à l’après-midi d’un faune«. In verschiedenen Bearbeitungen, in Installationen und Inszenierungen wurde das Werk interpretiert und gedeutet und dabei immer wieder neu kontextualisiert. Stefana Sabin hat sich einen Eindruck von dem Musikfest, das am 8. Oktober 2016 endet, verschafft. mehr

DER PHILOSOPH LUDWIG FEUERBACH

»Grüß Gott, Herr Oberforstrat!«

Seine erste Publikation, »Gedanken über Tod und Unsterblichkeit« wurde sofort verboten, und gegen ihren Verfasser, Ludwig Feuerbach, wurde wegen Religionskritik polizeilich ermittelt. Die Kritik an Religion und Christentümelei hat der Philosoph lebenslang betrieben und selbst im Wald, wo Otto A. Böhmer ihn sah, musste er sich Revierkämpfen stellen. mehr

AUSSTELLUNG: Die Kunst des Zufalls in Stuttgart

Gott würfelt doch

Der Zufall hat in den modernen Künsten eine zentrale Rolle erlangt. Er ist das Gegenprinzip zur absichtsvollen Planung. Eine Ausstellung im Kunstmuseum Stuttgart zeigt nun unterschiedliche Aspekte des Themas, und zwar über die bildende Kunst hinaus, berichtet Thomas Rothschild. mehr

Gedichte – Text und Audio

Nach der Flut

Man greift gern nach Christa Wißkirchens Versen. Sie sind – im Wortsinn – phänomenal, ohne sensationell zu sein; sie verbergen, ohne zu verstecken; sie offenbaren uns, was wir, ungesagt, schon kennen. Sie erschließen uns die verschwiegenen Stellen unserer Wahrnehmung. Die Autorin liest Gedichte aus ihrem neuem Band »Nach der Flut«. mehr

Oper: »Der Sandmann« in Frankfurt

Clara, Clarissa, Clarissima

Mit »Der Sandmann« von Andrea Lorenzo Scartazzini eröffnete die Oper Frankfurt den Premierenreigen der Spielzeit 2016/17. Die Oper nach Motiven der gleichnamigen Erzählung von E.T.A. Hoffmann erlebt in Deutschland ihre Erstaufführung. Uraufgeführt wurde sie 2012 in Basel. »Der Sandmann« ist unbedingt sehenswert, meint Andrea Richter. mehr

Essay aus Design und Krieg

Fashiondesign als Waffe

In seinem Essay untersucht der Kunsthistoriker und Kulturwissenschaftler Friedrich Weltzien zeitgenössische Design-Strategien, die sich als ziviler Ungehorsam definieren lassen. Weltzien möchte zeigen, dass es eine Schnittmenge von Gestaltung und politischem Aktivismus gibt, die sich designtheoretisch fruchtbar machen lässt. mehr

THEATER: Harold und Maude in Stuttgart

Ein Lob der Anarchie

Die Komödie »Harold und Maude« handelt von der Liebe zwischen dem 18-jährigen Harold, dem es Vergnügen bereitet, seine Umgebung mit makabren Späßchen zu erschrecken, und der 80-jährigen Maude. Manfred Langner hat die Komödie in Stuttgart auf die Bühne gebracht. Sehenswert ist die Inszenierung wegen Anita Kupsch, einer idealen Besetzung für Maude, meint Thomas Rothschild. mehr

Der Philosoph Jean-Jacques Rousseau

Man kennt mich

Ein wilder Edler war Jean-Jacques Rousseau eher als der edle Wilde, den er als Gegenstück der durch Zivilisation und Kultur verdorbenen Zeitgenossen imaginierte. Mit intellektuellen Freunden wie d’Alambert und Diderot, die ihm halfen, hat er sich gewöhnlich zerstritten. Voltaire aber hat ihn gleich verspottet. Otto A. Böhmer hat den Schweizer Philosophen bei einem Spaziergang beobachtet. mehr

Veza Canetti: Die gelbe Straße

Abgründe in heller Farbe

Elias Canetti ist ein bekannter Name der Weltliteratur, seine Frau Veza Canetti kennen hingegen nur wenige. Ihr Roman »Die gelbe Straße« spielt im Wien der 1930er Jahre und wurde erst 1990 veröffentlicht. Darin geht es um Individuen, deren moralisches und unmoralisches Handeln im Mikrokosmos unter die Lupe genommen wird. Riccarda Gleichauf hat das Buch gelesen. mehr

REISEBERICHT

Die Eintracht zwischen Mensch und Berg

Der Chimborazo in den ecuadorianischen Anden ist mit seinem schneebedeckten Gipfel nicht nur ein imposant schöner Berg, sondern durch den Bericht Alexander von Humboldts auch in der deutschen Kulturgeschichte eine feste Größe. Heute ist der Chimborazo-Gipfel Herausforderung und Ziel zahlreicher Bergsteigergruppen. Auch Andreas Knebel war im April 2016 mit dabei. mehr

Kontrapunkt: Persönliche Bilanz

Geirrt und recht behalten

Aufgeklärte Menschen neigen dazu, im fortgeschrittenen Alter Bilanz zu ziehen. Nun kommt auch Thomas Rothschild allmählich in dieses Alter. In einem persönlichen Essay bekennt Rothschild, sich mehrfach im Lauf seines Lebens gründlich geirrt zu haben. Er sieht sich aber auch im Recht mit manchen Vorhersagen, für die er seinerzeit Prügel erhielt. mehr

Ewart Reder: »Reise zum Anfang der Erde«

Den Eurozentrismus zu Grabe getragen

Ewart Reders Roman »Reise zum Anfang der Erde« spielt im Jahr 2029. Darin kämpft die Selbsthilfe-Kommune »Zusammen=Arbeit« gegen die Abholzung eines Waldes und zugleich gegen das Gefühl, überflüssig zu sein. Reder hat eine komplexe und grenzüberschreitende Erzählung für das 21. Jahrhundert geschaffen, meint Matthias Abel. mehr

Filmkritik

Tierische Projektionsfläche

Wer sich, angesprochen durch den Trailer, auf einen durchweg amüsanten Filmabend einstellt, wird enttäuscht. Die lustigsten Szenen sind, wie so oft, schon im Vorfilm enthalten. Trotzdem lohnt es sich unbedingt, Todd Solondz' »Wiener Dog« anzusehen, meint Riccarda Gleichauf. mehr

Der Philosoph David Hume

Ein dicker Engländer

David Hume warf gern einen nüchternen Blick auf die irdischen Verhältnisse. So sah er den freien Willen nur im Rahmen der äußeren Bedingungen walten. Und doch gab es für den schottischen Philosophen in Frankreich eine Situation – so berichtet Otto A. Böhmer – in der er es selbst wagte, die äußeren Bedingungen zu verändern. mehr

ALBERT MANGELSDORFF (1928-2005)

Der Solist

In ihrem 1980 entstandenen, einstündigen Porträt des Jazzmusikers Albert Mangelsdorff lässt Lucie Herrmann ausschließlich Mangelsdorff und seine Musik sprechen. Das Filmporträt ist nun auf DVD erschienen. Es gibt posthum Auskunft über Mangelsdorff Spiel- und Arbeitsweise, aber auch über seine Biographie, berichtet Thomas Rothschild. mehr

Christoph Meckels »für Clarisse«

Ein Hund mit neunzig Zähnen

Christoph Meckel hat einen Band mit Gedichten und Radierungen, »für Clarisse«, veröffentlicht. Wer ist Clarisse? Das ist ein Traumkind unbestimmten Alters, dem man gerne Verse schenkt. Bernd Leukert hat sie mit Gewinn gelesen. mehr

Harnoncourts Mozart-Opern auf DVD

Die Referenz

Der Dirigent Nikolaus Harnoncourt und der Regisseur Jürgen Flimm führten am Opernhaus Zürich zwischen 1996 und 2001 drei Mozart-Opern auf, die der Komponist einst mit Lorenzo da Ponte schuf. Die Aufzeichnungen von »Don Giovanni«, »Così fan tutte« und »Le nozze di Figaro« sind nun auf DVD und Blu-ray erschienen, und Thomas Rothschild hat sie sich angesehen. mehr

Reihe Vorhang auf!

Undine Gruenter: Epiphanien

Die Schriftstellerin Undine Gruenter (1952-2002) ist heute praktisch in Vergessenheit geraten. In ihrem Schreiben hat Gruenter versucht, die Welt über die Beschreibung ihrer Reste zu verstehen. Faust-Kultur veröffentlicht einen Auszug aus ihrem Prosaband »Epiphanien, abgeblendet«. mehr

Kate Tempests Großstadtroman

Die Großstadt, ein pulsierendes Monster

Kate Tempest ist eine erfolgreiche Rapperin und Spoken-Word-Artistin. In ihrem Roman »Worauf du dich verlassen kannst« erzählt sie von jungen Menschen in London, die sich in Zeiten der Wirtschaftskrise eine Existenz aufbauen möchten und nach Sinn suchen. Tempests Figuren rappeln sich trotz der Krise immer wieder unbeirrt auf, berichtet Riccarda Gleichauf. mehr

Günter Kunert, Vertrackte Affären

Aus Gewissheit wird Verstörung

Das Unerwartete lässt sich am besten beschreiben, wenn man dafür die knappe Form wählt. Ein Virtuose sparsam bestückter Überraschungsprosa ist Günter Kunert. Kunerts neues Buch »Vertrackte Affären« bietet vergnügliche Geschichten für Leute, die sich gern irritieren lassen, meint Otto A. Böhmer. mehr

Danticat, Kein anderes Meer

Claire im Meereslicht

Edwidge Danticat gehört zu der Generation junger SchriftstellerInnen, die als Heranwachsende ihre Heimat verlassen mussten. In den USA gelingt es ihr mit großem Erfolg, Themen ihrer haitianischen Herkunft literarisch zu bearbeiten. In dem Roman »Kein anderes Meer« richtet sie den Blick auf den Ort Léogane, an dem sich 2010 das Epizentrum des Erdbebens befunden hat. Uli Aumann hat den Roman von Edwidge Danticat gelesen. mehr

Neuübersetzung von »Tewje, der Milchmann«

»Je mehr Habenichts, desto mehr Hoffnung.«

In Kiew 1859 geboren und in New York 1916 gestorben, war Scholem Alejchem ein jiddischer Volksschriftsteller, dessen Roman »Tewje, der Milchmann« nicht zuletzt dank der Umwandlung zum Broadway-Musical ein Welterfolg wurde. Der österreichische Jiddist Armin Eidherr hat den Roman neu übersetzt und Tewjes Alltagsweisheit in neuer Form gegossen, berichtet Stefana Sabin. mehr

Amy Sillman in Frankfurt

Nach Rosa kommt Grün

Die Frankfurter Kunsthalle Portikus zeigt die bundesweit erste institutionelle Einzelausstellung der 1955 geborenen, in New York lebenden Malerin Amy Sillman. Unter dem Titel »The All-Over« präsentiert sie eine malerische Serie, ein Künstlerheft und einen Animationsfilm. Eugen El hat sich Sillmans Ausstellung angesehen. mehr

Zum Tod von Ben Patterson

Ästhetik der Unbestimmtheit

Benjamin Patterson organisierte 1962 mit George Maciunas die »Wiesbadener Festspiele Neuester Musik«, die als das erste Fluxus-Festival in die Geschichte eingegangen sind. Nun ist Patterson 82-jährig in Wiesbaden gestorben. Stefan Fricke erinnert an den vielseitigen Künstler. mehr

DIE TAGE MIT ABBAS KIAROSTAMI

Wie Aprilwetter

Zweimal, in Berlin und in Frankfurt, traf die Schriftstellerin und Übersetzerin Shirin Kumm mit dem iranischen Drehbuchautor, Regisseur und Lyriker Abbas Kiarostami zusammen, der jetzt in Paris gestorben ist. Aus ihren Notizen tritt die Persönlichkeit des großen Filmkünstlers hervor. mehr

DVD: Hoffmanns Erzählungen

Romantik als Gender-Spektakel

Bei den Bregenzer Festspielen 2015 inszenierte Stefan Herheim Jacques Offenbachs Oper »Hoffmanns Erzählungen« als Zwischending zwischen Revue und Vexierbild. Nun liegt die Aufzeichnung als DVD und Blu-ray vor. Während man über die Inszenierung geteilter Meinung sein kann, verdienen die sängerischen Leistungen uneingeschränktes Lob, meint Thomas Rothschild. mehr

Internationaler Hermann-Hesse-Preis 2016

Gewinnerduo: Luiz Ruffato und Michael Kegler

Der brasilianische Schriftsteller Luiz Ruffato und sein Übersetzer Michael Kegler erhielten am 2. Juli den Internationalen Hermann-Hesse-Preis 2016. Dies ist der bisherige Höhepunkt einer Zusammenarbeit, die zu einer Zeit begann, als Luiz Ruffato im deutschen Sprachraum noch völlig unbekannt war. Ein in dieser Zeit entstandenes Gespräch zwischen Autor und Übersetzer ist von Faust-Kultur dokumentiert worden und Teil einer Reihe über die zeitgenössische lusophone Literatur. mehr

Wozzeck in Frankfurt

»Das stöhnt, als stürbe ein Mensch.«

Die Premiere markierte das Halbfinale der Saison an der Oper Frankfurt: Alban Bergs Oper »Wozzeck« in einer Inszenierung von Christof Loy mit Sebastian Weigle am Dirigentenpult und mit Audun Iversen in der Hauptrolle. Weigle ließ sein Orchester zu Höchstform aufspielen, und Iversen gab einen schauspielerisch und musikalisch beeindruckenden Wozzeck, berichtet Stefana Sabin. mehr

GEDICHTE

Augen auf – Augen zu

Rasch nach ihrem Lyrik-Debüt »Froher Wahnsinn« hat Ria Endres ihren zweiten Gedichtband mit dem Titel »Augen auf – Augen zu« veröffentlicht. Er ist durchzogen von Namen, Themen und Titeln der bildenden Kunst. Natürlich gibt es in diesem Buch auch ganz anders geartete Gedichte, von denen wir drei kürzere vorstellen. mehr

CDs: Strawinsky, Reger und Braunfels

Übersetzung als Kunstform

In der Musik sind Noten Notate. Die Musiker müssen die Idee des Gelesenen erfassen und in Klang umsetzen. Darum heißen sie auch Interpreten. Die Grenze von der Interpretation zur Bearbeitung ist fließend. Es gibt aber auch freiwillige Bearbeitungen, deren Reiz Hans-Klaus Jungheinrich anhand von CD-Neuerscheinungen mit Musik von Strawinsky, Reger und Braunfels beschreibt. mehr

THEATER: Die Nervensäge

Ein Heidenspaß

Ein Auftragskiller bereitet sich darauf vor, von einem Hotelzimmer aus sein Geschäft zu erledigen. Da kommt ihm die »Nervensäge« in die Quere. Sie hat ihr eigenes Problem, sie will Selbstmord begehen. Wie die beiden mit einander zurecht oder vielmehr nicht zurecht kommen – davon erzählt Francis Vebers Komödie »Nervensäge«, die nun am Stuttgarter Studio Theater Premiere hatte. mehr

Frankfurter Poetikvorlesung

Die Sehnsucht des Schreibens

Die Schriftstellerin Katja Lange-Müller hält unter dem Titel »Das Problem als Katalysator« die Frankfurter Poetikvorlesungen im Sommersemester 2016. Riccarda Gleichauf war bei der ersten Vorlesung dabei und berichtet von ihren Eindrücken. mehr

Maxim Billers Roman »Biografie«

Keine Langeweile

Maxim Billers fast 900-seitiger Roman »Biografie« spaltet die Kritiker. Beim Frankfurter Festival »LiteraTurm« stellte Biller das Buch im Gespräch mit Daniel Cohn-Bendit vor. Eugen El hat den Roman gelesen und war bei der Buchvorstellung in Frankfurt dabei. mehr

Theater: »Oshi-Deutsch« in Osnabrück

Zwischen Deutschland und Namibia

Im Rahmen des Osnabrücker »Africa is rising«-Festivals hatte ein Stück über afrikanische Flüchtlingskinder in der DDR Uraufführung. Eine große Bühne bietet »Oshi-Deutsch« dabei namibischen Teenagern, die an der Seite von Profischauspieler/innen agieren. Das gelingt – trotz einiger wohlfeiler Passagen – sehenswert, meint Bruno Laberthier. mehr

Theater: »Struwwelpeter« in Frankfurt

Und die Mutter blicket stumm auf dem ganzen Tisch herum

Rainald Grebe, Liedermacher, Schauspieler, Kabarettist, Autor und Regisseur, hat Heinrich Hoffmanns Kinderbuch-Klassiker »Struwwelpeter« in Frankfurt auf die Bühne gebracht. Die Premierenbesucher hatten sich amüsiert und wussten nur nicht so recht, auf welchem Niveau, berichtet Martin Lüdke. mehr

DVD: Matthäus-Passion

John Neumeiers großer Wurf

Die 1981 uraufgeführte »Matthäus-Passion« ist der große, längst in die Ballettgeschichte eingegangene Wurf des Hamburger Ballett-Chefs John Neumeier. Die kürzlich erschienene DVD oder Blu-ray konserviert eine Aufzeichnung von 2005 aus Baden-Baden. John Neumeier ist hier Tanztheater im engsten Verständnis gelungen, meint Thomas Rothschild. mehr

Buchkritik

Unicorns don't swim

Erfrischend alternative weibliche Wirklichkeiten werden in der Anthologie »Unicorns don't swim« von der Herausgeberin und Mitautorin Antje Wagner vorgestellt. Die darin versammelten Texte teilweise sehr junger Autorinnen erzählen mit einer Selbstverständlichkeit von gesellschaftlich immer noch wenig etablierten Verhaltens- und Lebensweisen. Riccarda Gleichauf hat das Buch gelesen. mehr

DIE MACHT DER STIMMEN

Gesungen – großformatig oder mit Fragment-Hintergrund

Dass die Sieger die Geschichte schreiben, gilt auch für die Künste, selbst wenn es dabei um Pyrrhussiege geht. Wie heißen denn die Sieger, die sich gegen die Komponisten Franz Schmidt und Carl Goldmark durchgesetzt haben? Hans-Klaus Jungheinrich stellt deren und Claude Debussys+ Werke auf neuen CDs vor. mehr

Zum aktiven Gedenken

Über eine Idee, die Jürgen Lentes gehabt haben könnte

Jürgen Lentes, Buchhändler und Buchliebhaber, Herausgeber und Literaturjournalist, ist im Mai 2016 in Frankfurt am Main verstorben. In Gedenken an ihn, wünscht sich Heiner Boehncke wieder eine schöne, richtige, gut sortierte Buchhandlung in der Frankfurter Innenstadt. mehr

»Junges Licht« von Adolf Winkelmann

Ruhrpottromantik

Adolf Winkelmann hat den Roman »Junges Licht« von Ralf Rothmann aus dem Jahr 2004 verfilmt. Der Stoff ist im Bergbaumilieu des Ruhrgebiets angesiedelt und erzählt die Geschichte eines Heranwachsenden in den begrenzten Verhältnissen einer Kleinfamilie der 60er Jahre. Riccarda Gleichauf hat sich von dem Film berühren lassen. mehr

Euthanasie-Opfer im Nationalsozialismus

Geschichtsschreibung und Moral

Euthanasie ist ein Euphemismus. Wofür dieser Begriff bei den Nationalsozialisten stand, ist Massenmord. Sie haben der Ärzteschaft nicht nur die Lizenz zum Töten der Menschen, die sie für geistig oder psychisch behindert hielten, erteilt, sondern sie dazu beauftragt. Thomas Rothschild stellt zwei Bücher zu diesem Thema von Carola S. Rudnick vor. mehr

Guntram Vesper, Frohburg

Erinnerungsbilder

Von verdichteter Gegenwart, in der so viel Vergangenheit mitspielt, dass es schon mal wehtun kann, berichtet Guntram Vespers Roman »Frohburg«, der mit dem Preis der Leipziger Buchmesse 2016 ausgezeichnet wurde. »Frohburg« ist ein ungemein reichhaltiges Buch, das den Leser in seinen Bann zieht, meint Otto A. Böhmer. mehr

Alexandru Bulucz, Gedichte

Aus sein auf uns

Es geht um Teufel und Engel, um Hasenscharten, Magengeschwüre und den goldenen Schnitt. In den Gedichten von Alexandru Bulucz springen die Gedanken hoch, und über den Abgründen reimt sich alles aus den ungereimten Versen zusammen. In seinem Debütband »AUS SEIN AUF UNS« ist zu lesen, in welcher Tradition sich der Lyriker sieht und was vom UNS zu halten ist. mehr

DEBATTE

Lyrik braucht Inhalt

Allmählich nehmen auch die etablierten Medien Notiz von der gegenwärtig laufenden Lyrikkritik-Debatte, welche Tristan Marquardts Text »Zur prekären Lage der Lyrikkritik« auslöste und insbesondere in einigen Online-Zeitungen ausgetragen wird. Daran anknüpfend plädiert Ioana Orleanu in ihrem polemischen Debatten-Beitrag für mehr Einfachheit und Inhalt in der Lyrik und für eine persönliche Art des Rezensierens. mehr

Oper: »Reigen« von Philippe Boesmans

Es muss nicht Aida sein

In Stuttgart hat Nicola Hümpel die Oper »Reigen« des Belgiers Philippe Boesmans inszeniert. Das Libretto stammt von Luc Bondy. Er hält sich sehr eng an das skandalumwitterte Stück von Arthur Schnitzler. Am Premierenabend gab es anhaltenden Beifall für das gesamte Ensemble und den angereistendemnächst achtzigjährigen Boesmans, berichtet Thomas Rothschild. mehr

Liebesgrüße aus Minsk

In einem unbekannten Land

Ein Praktikum führte Nadine Lashuk im Jahr 2006 in die belarussische Hauptstadt Minsk. Daraus wurde weit mehr als eine Zwischenstation, wovon Lashuk nun in einem Buch erzählt: »Liebesgrüße aus Minsk«. Das Buch zeichnet trotz seiner Schwächen ein persönliches und plastisches Bild des Alltags und der Menschen in Belarus, meint Eugen El. mehr

Pop-Splitter: Jan Böhmermann

Vom Ich abgekoppelt

Ein Fernsehbeitrag des Satirikers Jan Böhmermann wird wohl, wie vom türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan gefordert, ein Strafverfahren nach sich ziehen. In seinem Kommentar macht Michael Behrendt auf die ästhetische Dimension von Böhmermanns umstrittenem Beitrag aufmerksam und ordnet ihn im popkulturellen Kontext ein. mehr

AUSSTELLUNG IN MADRID

Das Fenster, die Straße, die Stadt

In einer großen Ausstellung präsentiert das Museum Thyssen-Bornemisza in Madrid die Künstlergruppe, die unter dem Namen »Realistas de Madrid« bekannt ist. Die gezeigten Interieurs, Gärten und Stadtlandschaften sind auf fast melancholische Weise menschenleer und erinnern zugleich durch kleine Details an die menschliche Allgegenwart, berichtet Stefana Sabin. mehr

Zarzuela in Madrid

Schlicht und volkstümlich

In Spanien erfreut sich die Zarzuela, eine der Operette vergleichbare Variante des Musiktheaters, das mit gesprochenen Passagen durchsetzt ist, großer Beliebtheit. In Madrid wird die Zarzuela in einem prunkvollen Logentheater mitten in der Stadt gepflegt. Außerhalb Spaniens ist sie aber so gut wie unbekannt. Thomas Rothschild hat eine Zarzuela-Aufführung besucht. mehr

Zum Tod von Udo Riechmann

Der Champion des Zwischenrufs

Udo Riechmann glaubte, dass sich das falsche Bewusstsein in ein richtiges konvertieren lässt. Zwischen Adorno und Spontis agierte er und empörte sich darüber, wie jemand gegen seine eigenen Interessen handeln konnte. Bernd Leineweber gedenkt seiner mit einem Nachruf. mehr

Zum Tod von Josef Anton Riedl

Sonderfall im Arsenal der Klänge

Josef Anton Riedl war der bekannteste deutsche Klangaktionist der Nachkriegsära. Riedl befasste sich mit fast allem, was nicht etabliert war, mit Lautpoesie, mit visualisierter Musik, mit dem experimentellen Film. Er schrieb Stücke für Papier, Karton, Glas oder andere handelsübliche Materialien. Am Karfreitag 2016 ist er in Murnau gestorben. Der Komponist und Schauspieler Michael Hirsch erinnert an den ungewöhnlichen Künstler. mehr

GEHEIMDIENSTE: Die Starek-Akten

Spitzel gibt es überall

Jirí Starek, vor 1968 Kulturattaché an der Botschaft der CSSR in Wien, war Informant für den tschechoslowakischen Staatssicherheitsdienst. Später versorgte er den Bundesnachrichtendienst mit Informationen. Thomas Rothschild hat im Archiv der Hoover Institution Stareks Aufzeichnungen studiert und ist dabei auf einige überraschende Daten gestoßen. mehr

DVD: Erinnerungen an Österreich

Im Exil geblieben

Der Journalist Rudolf Stoiber (1925–2013) hat 1978 elf Österreicher, die im amerikanischen Exil lebten, interviewt und aus den Gesprächen einen Film montiert, der nun auf DVD verfügbar ist. Interviewt werden unter anderen der Politiker und Publizist Joseph Buttinger, Gustav und Alma Mahlers Tochter Anna Mahler (Foto) und der Schriftsteller Frederic Morton, berichtet Thomas Rothschild. mehr

Hass und Hetze im Internet

Gerüchte und Gewalt

Eine Tagung in Frankfurt beschäftigte sich kürzlich mit der digitalen Verbreitung von extremistischer Propaganda und Hasskommentaren. Nicht zuletzt seit der Kölner Silvesternacht brodeln auf den Social-Media-Plattformen allerlei Gerüchte über Geflüchtete. Auch islamistische Propaganda findet sich im Netz. Der Ton ist rauer geworden, berichtet Doris Stickler. mehr

VIRGINIA WOOLFS BLICK AUF DIE PSYCHOANALYSE

Krankheit und Kreativität

Die Psychoanalytikerin Rotraut De Clerck hat sich mit Leben und Werk Virginia Woolfs auseinandergesetzt und auch ihre Nähe zu den Schriften Sigmund Freuds neu bewertet. Zur Bedeutung der Psychoanalyse für Virginia Woolf und über Einflüsse auf ihr kreatives Schaffen äußert sie sich in einem ausführlichen Essay (zum Download auch in Englisch und Französisch). mehr

DVD: Der Sohn der Anderen

Die Stimme des Blutes

Ein junger Mann, der als israelischer Jude aufgezogen wurde, erfährt mit 18 Jahren, dass seine leiblichen Eltern Palästinenser sind. Die Identitätsfrage wird zu einer politischen Problematik. Interessant ist am nun auf DVD vorliegenden Film »Der Sohn der Anderen« das Thema. Künstlerisch ist er allenfalls Mittelmaß, meint Thomas Rothschild. mehr

Musik

Um 1960

Buddy Rich zählt zu den Superstars des Jazz-Schlagzeugs. Zu den Stars des Rock'n'Roll gehörte Eddie Cochran. Zur gleichen Zeit, in der Rich und Cochran ihre Erfolge feierten, reüssierte in Frankreich Georges Brassens, der bis heute als einer der größten Schöpfer und Interpreten des Chansons gilt. Thomas Rothschild hat sich neu aufgelegte Aufnahmen der drei Musiker angehört. mehr

Hofstede: Der Himmel über Paris

Eine unmögliche Liebe

In »Der Himmel über Paris«, dem Debütroman der jungen niederländischen Autorin Bregje Hofstede, geht es um die Liebe in all ihrer wundersamen Eigenmächtigkeit. Der Roman ist durchweg gut erzählt, vorzüglich übersetzt und spart nicht mit feiner Ironie, meint Otto A. Böhmer. mehr

»I'm searching for I.N.R.I« in Stuttgart

Katerstimmung

Jossi Wieler hat am Schauspiel Stuttgart ein Stück des Kollegen Fritz Kater inszeniert. »I'm searching for I.N.R.I« spielt in der Zeit von 1941 bis 1989. Im Mittelpunkt stehen zwei Menschen, die einander fremder nicht sein könnten und sich doch lieben. Wielers Regie kann man am ehesten als minimalistisch kennzeichnen, meint Thomas Rothschild. mehr

ORIGINALTEXT

Living in the blllckk glasss

Bekannt geworden in Rumänien ist Bogdan Cosa (geb. 1989) mit seiner Romantrilogie »Poker«, deren letzter Teil sich in Vorbereitung befindet. 2014 erhielt er einen zweimonatigen Stipendiaten-Aufenthalt im Literaturhaus Villa Clementine in Wiesbaden. Alexandru Bulucz hat einem Auszug aus dem ersten Teil der Trilogie übersetzt. mehr

Empathie-Tests von Leslie Jamison

Erzählungen über den Schmerz

In ihrer Essaysammlung »Die Empathie-Tests« thematisiert die 1983 geborene Autorin Leslie Jamison die schmerzhafte Körperlichkeit. Zunächst wird man mit dem Leiden der Autorin konfrontiert. Von Essay zu Essay werden die Leser immer stärker in den Sog fremder Emotionen hineingezogen, berichtet Riccarda Gleichauf. mehr

Theater tri-bühne

Die Enten auf der Autobahn

Das Stuttgarter Kleintheater tri-bühne hat den Nachwuchs eines renommierten ungarischen Theaters eingeladen, unter dem Titel »Fernweh« eine Revue in losem Zusammenhang mit Märchen der Brüder Grimm zu schreiben und zu inszenieren. Thomas Rothschild erinnert daran, dass noch immer das Leben die schönsten Märchen schreibt. mehr

»THE WASTE LAND« VON T. S. ELIOT

Ein Urort der modernen Poesie

T. S. Eliots Langgedicht »The Waste Land« gehört zu den Marksteinen der literarischen Moderne. Es zu übersetzen zählt zu den schwierigsten Vorhaben. Der Lyriker und Essayist Norbert Hummelt hat das Gedicht sprachlich in die Gegenwart transponiert und dabei verflacht, meint Stefana Sabin. mehr

THEATER UND BALLETT

Die Sprache der Körper

Am Zürcher Opernhaus inszeniert Herbert Fritsch Henry Purcells »King Arthur«. Fritsch konzentriert sich auf die gesprochenen Teile mehr als auf die gesungenen. Für die jüngsten Stuttgarter Kammerballette ist auf der Bühne die Körpersprache zumindest ebenso bedeutsam wie das Wort. Thomas Rothschild berichtet aus Zürich und Stuttgart. mehr

Vorhang auf!

Gerlind Reinshagen: nachts

Gerlind Reinshagen, bedeutende Schriftstellerin der Nachkriegszeit, ist vor allem durch ihre gesellschaftskritischen Theaterstücke bekannt geworden, die u. a. von Claus Peymann inszeniert worden sind. In ihrem 2011 erschienenen Roman »nachts« bringt sie noch einmal große Themen wie Jugend, Alter und Tod auf die Bewusstseinsbühne des 21. Jahrhunderts. Faust-Kultur veröffentlicht einen Auszug aus dem Roman. mehr

Handke, Bernhard und Grieg in Wien

Die Macht der Kunst

Die beiden Kontrahenten der österreichischen Gegenwartsliteratur, Peter Handke und Thomas Bernhard, stießen unmittelbar aufeinander. Die Premieren von Handkes neuestem Stück in einer Inszenierung von Claus Peymann und Oliver Reeses Dramatisierung von Bernhards »Auslöschung« fanden im Abstand von einem Tag statt. Thomas Rothschild berichtet aus Wien. mehr

BUCHKRITIK: Ott, Die Auferstehung

Heile Familien und ihre Abgründe

Ein Familienvater stirbt, und die erwachsenen Kinder versammeln sich am Totenbett. Die Ausgangssituation des neuen Romans von Karl-Heinz Ott ist nicht ganz ungewöhnlich. »Die Auferstehung« ist ein kluger, manchmal auch witziger Roman, der die Freunde philosophischer Höhenflüge ebenso bedient wie die Verehrer salopper Streitkultur, meint Otto A. Böhmer. mehr

Film-DVD-Reihe

Vor Castorf

Vlado Kristl hat in seinen Filmen bereits alles verwirklicht, was heute auf den Bühnen als zeitgenössisch gefeiert wird. Nun kümmert sich eine DVD-Reihe des Münchner Filmmuseums um sein Werk. Auf der jüngsten Doppel-DVD findet man neben »Der Brief« von 1966 auch den »Obrigkeitsfilm« von 1971 sowie mehrere Kurzfilme, berichtet Thomas Rothschild. mehr

Der Revisor in Frankfurt

Ins Leere gelaufen

1836 wurde Nikolai Gogols Komödie »Der Revisor« in fünf Akten in St. Petersburg uraufgeführt. Nun wurde Gogols Prunkstück von Sebastian Hartmann am Schauspiel Frankfurt kleingehackt. Martin Lüdke berichtet von seinem Leiden an einer unausgegorenen Aufführung. mehr

Novitäten in der NEUEN MUSIK

Theologie und dicht daneben

Dass religiöse Menschen versuchen, ihren Gott vor der Kirche zu retten, indem sie sich künstlerisch radikalisieren, ist nicht überraschend; eher schon, dass glaubensferne Künstler allmählich der Gravitation geistlicher Rituale zuneigen. Hans-Klaus Jungheinrich hat in seiner CD-Novitätenempfehlung einige metaphysische Varianten untergebracht und nebenbei noch eine Ehrenrettung einst heftig geschmähter Komponisten. mehr

Sowjetische Literatur: Ilf und Petrow

Die Banalität des Absurden

Die wichtigsten Werke des legendären sowjetischen Autorenpaars Ilja Ilf und Jewgeni Petrow sind nun auch der deutschsprachigen Leserschaft zugänglich. Ilf und Petrow schufen eine Art sozialistischen Surrealismus. Stefana Sabin stellt die aufwendig gestalteten Bände vor. mehr

Film: Heimat – Eine deutsche Chronik

Nicht ohne Klischees

Den ersten Teil seiner Fernsehtrilogie »Heimat – Eine deutsche Chronik«, der in den Jahren 1919 bis 1982 spielt, hat der Regisseur Edgar Reitz zu einem digital restaurierten Kinofilm bearbeitet. Nun liegt er auf sieben DVDs und fünf Blu-rays vor. Reitz bleibt der historischen Wahrhaftigkeit verpflichtet, kann sich aber nicht ganz von Klischees freimachen, meint Thomas Rothschild. mehr

LEDERMUSEUM IN OFFENBACH

Vor dem großen Schritt

Seit dem in den siebziger Jahren einsetzenden Strukturwandel ist das Deutsche Ledermuseum eines der wenigen verbliebenen Wahrzeichen der früheren Industriestadt Offenbach. Dem Museum steht ein Jahr vor dem hundertsten Jubiläum ein Wandel bevor. Eugen El hat die seit November 2014 amtierende Direktorin Inez Florschütz nach ihren Plänen befragt. mehr

Axel Honneth: Die Idee des Sozialismus

Ein toter Hund

Um den im 20. Jahrhundert gründlich diskreditierten Sozialismus steht es nicht gut. Der Frankfurter Philosoph Axel Honneth geht in seinem Buch »Die Idee des Sozialismus« der Frage nach, wie die sozialistischen Ideen wiederbelebt werden könnten. Es ist ein informatives und nützliches, allerdings auch weitgehend spannungsfreies Buch, meint Otto A. Böhmer. mehr

Köhlmeier, Das Lied von den Riesen

Deftiges Honorar

In vierzeiligen Strophen erzählt Michael Köhlmeier die Geschichte eines Riesen, den er »Kristall« nennt und der in den einzelnen Abschnitten Figuren aus Mythen und Märchen unterschiedlicher Herkunft begegnet. Köhlmeier hat schon literarisch und auch thematisch bedeutendere Werke geschrieben, meint Thomas Rothschild. mehr

Flüchtlinge in Darmstadt

Das schnellste Buch

Der Fotoband »Willkommen in Darmstadt«, den die südhessische Stadt im Herbst 2015 herausgab, dokumentiert exemplarisch die Willkommenskultur und das bürgerschaftliche Engagement für Flüchtlinge. Das Engagement hält zwar unvermindert an, doch dominieren mittlerweile Ängste und Vorbehalte die öffentliche Debatte. Bruno Laberthier stellt das Buch vor. mehr

Film: Men & Chicken

Tierische Jungs

In der schwarzen Komödie Men & Chicken lässt der dänische Regisseur Anders Thomas Jensen fünf seltsame Wesen, Menschen mit tierischen Elementen, auf die Zuschauer los. Die düstere, kunstvolle Kulisse, kluge Dialoge und ein tolles Schauspielteam machen aus dem Film etwas Besonderes, meint Riccarda Gleichauf. mehr

FILMMUSIK

Die Melodie des Marlboro-Mannes

Eine der bekanntesten Musiken zu einem Western ist die von Elmer Bernstein für »Die glorreichen Sieben«. Sie ist im Film ständig präsent und hat sich über ihn hinaus verselbständigt. Sie kann als Filmmusik für den Western schlechthin gelten, meint Thomas Rothschild. mehr

ERINNERUNG AN EDUARDO GALEANO

Ein Werk voller Geschichten

»Die offenen Adern Lateinamerikas« machten Eduardo Galeano vor mehr als vierzig Jahren weltberühmt. Das Buch wurde zur meistgelesenen Analyse der Unterentwicklung Lateinamerikas. Auch wenn Galeano sich als Linker verstand, verschonte er seine politischen Freunde nicht mit Kritik. Galeanos langjähriger Verleger Hermann Schulz erinnert sich an den Autor. mehr

Buchkritik: Ani, Der namenlose Tag

Jenseits der Regelaltersgrenze

Der Schriftsteller Friedrich Ani ist ein Krimiautor von Format. In seinem neuen Roman „Der namenlose Tag“ schickt er den Kriminalkommissar Jakob Franck ins Rennen. Der frisch gebackene Ruheständler wird in einen älteren Fall hineingezogen. Anis Roman gewinnt seine Spannung aus einer beharrlichen Langsamkeit, meint Otto A. Böhmer. mehr

Buchkritik: Mounk, Echt, du bist Jude?

Sehnsucht nach Normalität

In seinem Buch »Echt, du bist Jude?« erzählt Yascha Mounk von seiner allmählichen Entfremdung von Deutschland und der Auswanderung nach New York. Autobiografische Skizzen wechseln sich darin mit politischen Essays ab. Trotz einiger Ungereimtheiten ist Mounks Buch ein durchweg liberales Plädoyer für gesellschaftliche Pluralität, meint Eugen El. mehr

Theater: Hexenjagd in Zürich

Kein Anlass zur Heiterkeit

Arthur Millers Drama »Hexenjagd« von 1953 basiert auf einem realen Vorfall aus dem 17. Jahrhundert, zielt aber auf den McCarthyismus, zu dessen Opfern Miller gehörte. Am Schauspielhaus Zürich verlässt sich Jan Bosse ganz auf Arthur Millers Text. Er will nicht klüger sein als der Autor, und er nimmt ihn im wörtlichen Sinne ernst, berichtet Thomas Rothschild. mehr

Buchkritik: Doris Knecht, Wald

Neuanfang in der Natur

Im neuen Roman »Wald« der österreichischen Autorin und Kolumnistin Doris Knecht ist der Wald für die Protagonistin die einzige verbliebene Rückzugsmöglichkeit. Dort versucht sie einen Neuanfang. In Knechts provokantem Roman geht es nicht zuletzt um den Wunsch nach mehr Wärme in partnerschaftlichen Beziehungen, meint Riccarda Gleichauf. mehr

Lyrik: Moya Cannon

Die Geschichte der Alice Licht

In ihrem Gedicht »Alice Licht« setzt sich die irische Dichterin Moya Cannon mit der Schoah auseinander. Der Entstehung des Gedichts spürt Eric Giebel nach. Er besuchte das Berliner Museum Blindenwerkstatt Otto Weidt und traf dort die Übersetzerin Eva Bourke. Faust-Kultur veröffentlicht Bourkes und Giebels Übersetzung von »Alice Licht«. mehr

POLITISCHES KABARETT: Christoph Sieber

Der nette Junge von nebenan

Was der Kabarettist Christoph Sieber anbietet, ist nicht so weit entfernt vom Agitprop der sechziger und siebziger Jahre, als das Genre in Deutschland seine letzte Blütezeit erlebt hat. Was ihn unterscheidet, ist die Form: Schnellsprechen und eine gespielte Tollpatschigkeit anstelle stilisiert vorgetragener Ensemblearrangements. Thomas Rothschild stellt Sieber vor. mehr

Ausstellung in Wien

Konfessionelle Rücksichten

Die Geschichte der Juden an der Wiener Universität ist weitgehend eine Geschichte der Diskriminierung. Die Ausstellung »Die Universität. Eine Kampfzone« im Jüdischen Museum Wien konterkariert Zeugnisse des Antisemitismus mit Bildern und Dokumenten über den Beitrag jüdischer Wissenschaftler zur Lehre und Forschung, berichtet Thomas Rothschild. mehr

Theater

Tanzen in Kafkas »Bau«

In München inszeniert Jakub Gawlik Franz Kafkas Erzählung »Der Bau« mit Valéry Tscheplanowa. Die Premiere fand am 4. November 2015 im Marstall des Residenztheaters statt. In einer minuziösen Konzentration auf den Text trifft Gawlik das Stück und den Spielort erstaunlich präzise, meint Andreas Engelmann. mehr

Zwei Gastspiele

Tauberbach und Kirschgarten

Armin Petras, der Intendant des Stuttgarter Schauspiels, bringt immer wieder hochkarätige Gastspiele in sein Haus. Mit »tauberbach« zeigt das Ensemble von Alain Platel ein unorthodoxes Tanzstück. Thorsten Lensings Theater T1 spielt Tschechows »Kirschgarten«. So viele hervorragende Darsteller sieht man selten zusammen auf der Bühne, meint Thomas Rothschild. mehr

POP-SPLITTER

Sugar Man

Erst der späte Ruhm, dann der preisgekrönte Dokumentarfilm »Searching for Sugar Man«. Nun ist auch ein Buch über die Suche nach dem legendären Seventies-Songwriter Rodriguez erschienen. Hat der »Sugar Man« das verdient? Michael Behrendt fragt sich, ob nicht vielmehr einige Selbstdarsteller ihren selbst kreierten Mythos befeuern. mehr

Architektur und Wahrnehmung

Himmelsdächer

Der Band »Raum_atmosphärische Informationen. Architektur und Wahrnehmung« untersucht die Wechselwirkungen von Nutzer, Raum, Material und Licht. Dieses Geflecht bestimmt die Atmosphären, in die Bauwerke gehüllt sind. Kurze theoretische Aufsätze wechseln sich mit anschaulich bebilderten Praxisbeispielen ab, berichtet Christian J. Grothaus. mehr

Don Carlo in Frankfurt

Don Carlo oder der katholische Daisch

Die Oper Frankfurt zeigt Verdis Don Carlo. Auch ohne explizite Verweise werden dort Parallelen zwischen der Gegenwart des fundamentalistischen Islams und der europäischen Geschichte sichtbar. Die Stärke der Frankfurter Inszenierung liegt darin, Tyrannen nicht als Monster, sondern als Menschen zu zeigen, meint Alban Nikolai Herbst. mehr

Buchkritik

Kassandras Fluch

Anke Stellings Roman »Bodentiefe Fenster« fragt, wie es möglich ist, dass Mütter zu Kindsmörderinnen werden. Wie die Psyche einer solchen Person aussehen könnte, wird durch die Lektüre des Romans deutlich. Stark wird der Text vor allem in den Beschreibungen der Fragilität des Daseins der Protagonistin, meint Riccarda Gleichauf. mehr

Musik: DVD

Strehlers Mailänder Figaro

Im Jahr 1980 hat Giorgio Strehler an der Mailänder Scala Mozarts Oper »Hochzeit des Figaro« einstudiert. Seine Interpretation war so überzeugend, dass man sie auch nach Strehlers Tod im Jahr 1997 auf dem Spielplan beließ. Nun ist eine Aufzeichnung von 2006 auf Blu-ray und als Doppel-DVD neu erschienen, berichtet Thomas Rothschild. mehr

Nathan der Weise in Mainz

Die Umarmung bleibt aus

Lessings Prunkstück der deutschen Aufklärung, »Nathan der Weise«, wurde in letzter Zeit selten gespielt. Nun zeigt das Staatstheater Mainz die berühmte Ringparabel. Die Mainzer Inszenierung von »Nathan der Weise« demonstriert, wie man Klassiker entstauben und Kunstfiguren lebendig machen kann, meint Martin Lüdke. mehr

Ballett

Béjarts Erbe

In Stuttgart zeigte das Béjart Ballet Lausanne drei Klassiker des Choreographen Maurice Béjart sowie ein Stück des aktuellen Leiters der Compagnie, Gil Roman. Die Choreographien kosten die Dialektik von Eigensinn und Konformismus aus, von Eleganz und Groteske, von Stillstand und Bewegung, meint Thomas Rothschild. mehr

Gelebte Willkommenskultur

Neue Heimat?

Marina Naprushkinas Buch »Neue Heimat?« dokumentiert die Arbeit einer 2013 in Berlin gegründeten Nachbarschaftsinitiative für Flüchtlinge. Naprushkina zeigt, dass gelebte Willkommenskultur vor allem harte Arbeit ist, die viel Ausdauer, Menschenkenntnis, aber auch juristisches Geschick verlangt. Faust-Kultur veröffentlicht einen Auszug. mehr

Neue Klassik-CDs

Von der Revolution zum Weltkrieg

Dass es einen Zusammenhang zwischen einem Kunstwerk und der Zeit, in der es entstand, gibt, ist offensichtlich. Wie aber nehmen wir den wahr? Hans-Klaus Jungheinrich hat anhand von neuerschienenen CDs mit Musik von Mehul, Schumann, Richard Strauss und Wolf-Ferrari Entdeckungen gemacht. mehr

Heike Geißler: Saisonarbeit

Wir Leiharbeiter

Die freischaffende Übersetzerin und Autorin Heike Geißler beschreibt in »Saisonarbeit« ihre Erfahrungen als Leiharbeiterin bei Amazon in Leipzig. Geißler balanciert meisterhaft zwischen literarischem Erzählen und politischem Inhalt, meint Riccarda Gleichauf. mehr

Die Künstlerin Sarah Schoderer

Brückenschläge

Die Malerin Sarah Schoderer war schon mehrfach in Kenia. Eine Auswahl von dort entstandenen Zeichnungen sowie sechs neue Gemälde sind nun in der Frankfurter Galerie Perpétuel zu sehen. Eugen El stellt die junge Künstlerin vor. mehr

Buchkritik

Vernarbte Seelen

Der amerikanische Autor Atticus Lisch kann auf Einsätze als Irak-Kämpfer zurückblicken und geht lieber ins Fitnessstudio als in Buchläden. Sein Roman »Vorbereitung auf das nächste Leben« erzählt davon, was es heißt, in den Weiten Amerikas auf eine verwandte, verständnisvolle Seele zu treffen. Das Buch ist anstrengend und höchst befriedigend zugleich, meint Peter Henning. mehr

Elfter Reisebericht

Wilhelm von Rubruk: Reise zu den Mongolen

Nach seiner Rückkehr von einer zweijährigen Mongolei-Reise 1256 schrieb der Franziskaner Wilhelm von Rubruk einen detaillierten Bericht und übergab ihn dem französischen König. In den folgenden zwei Ausschnitten wird aus den Gebieten am Don und Nordchina berichtet. mehr

Pete Smith: Endspiel

Sommer der Erinnerungen

Der Historiker Lionel, Ich-Erzähler des Romans »Endspiel« von Pete Smith, lernt in einem Seniorenheim Elena Morgenstern kennen. Ihre Geschichte, die um Schuld und Aufarbeitung kreist, schreibt Lionel auf. »Endspiel« ist ein komplexer, akribisch recherchierter Roman, meint Maria Knissel. Faust-Kultur veröffentlicht einen Auszug daraus. mehr

100. Jahrestag des Genozids an den Armeniern

Nicht vergessen, sondern vertuscht

Seit den politischen Stellungnahmen dieses Frühjahrs ist klar: Der Massenraubmord von 1915 an den Armeniern war ein Völkermord. Doch wer war eigentlich auf welche Weise beteiligt? Und wer genau waren die Opfer? Valentin Schönherr stellt zwei Bücher zu diesem Thema vor. mehr

»Kinder der Sonne« in Basel

Theater statt Effekt

Maxim Gorkis Stück »Kinder der Sonne« wurde 1905 uraufgeführt. Wie in »Nachtasyl« gibt es ein Panorama unterschiedlicher Typen, die aber diffuser, weniger konturiert erscheinen als in Gorkis bekanntestem Drama. Nora Schlocker hat nun »Kinder der Sonne« am Theater Basel inszeniert. Ein großer Abend, meint Thomas Rothschild. mehr

Doris Dörries Roman »Diebe und Vampire«

Helden haben keine Ladehemmung

Die Autorin, Regisseurin und Filmemacherin Doris Dörrie hat einen Roman über die von Schriftstellern gefürchtete Volkskrankheit Schreibblockade vorgelegt. »Diebe und Vampire« ist ein schönes Buch, das unterhaltsam ist, nachdenklich stimmt und am Schluss mit einer fein gewebten Pointe aufwartet, meint Otto A. Böhmer. mehr

CD-Kritik

Musikalische Aufklärung

Der Verdienst de CD »alla czeca« ist die Wiederentdeckung zu Unrecht vergessener Komponisten wie Josef Suk und Erwin Schulhoff, meint Stefana Sabin. mehr

Erinnerungskultur

Stationen und Meilensteine

Der Verein »Jugend für Dora« engagiert sich seit nunmehr zwanzig Jahren für KZ-Überlebende. In Nordhausen präsentiert sich der Verein mit einer sehenswerten kleinen Ausstellung, berichtet Bruno Laberthier. mehr

Adam Soboczynskis Roman »Fabelhafte Eigenschaften«

Neues aus dem Betrieb

Adam Soboczynski, Co-Leiter des ZEIT-Feuilletons, hat mit »Fabelhafte Eigenschaften« seinen ersten Roman vorgelegt. Darin wimmelt es von Vertretern der urbanen Kultur- und Kreativelite mittleren Alters, die sich auf hohem Niveau zu langweilen scheinen. Nicht zuletzt daran scheitert Soboczynskis Roman, meint Eugen El. mehr

Der Film »Der Staat gegen Fritz Bauer«

Ein starker Charakter

Im neuen Film »Der Staat gegen Fritz Bauer« spielt Burghart Klaußner den Generalstaatsanwalt, der 1963 den Frankfurter Auschwitz-Prozess auf den Weg brachte. Regisseur Lars Kraume macht ihn zu einer wütenden, einsamen Figur, der es um die Sache geht, berichtet Riccarda Gleichauf. mehr

Festival für elektronische Musik und Klangkunst

Ungewollte Ähnlichkeiten

KONTAKTE 2015 ist kein Partnervermittlungsunternehmen, sondern ein internationales Festival für elektronische Musik und Klangkunst in der Akademie der Künste in Berlin. Bernd Leukert hat es auszugsweise besucht und beschreibt, was zu hören war. mehr

Musik: Der Mannheimer Ring

Hinter den Kulissen

Rudij Bergmann hat die Produktion des Mannheimer »Rings des Nibelungen« von Achim Freyer filmisch begleitet. Bergmann beobachtet, stellt aber auch Fragen. Nicht nur die Sänger, der Regisseur und der Dirigent kommen zu Wort, sondern auch die Repräsentanten der vielen Berufe, die der Zuschauer sonst nicht zu Gesicht bekommt, berichtet Thomas Rothschild. mehr

Originaltext

Ludwig Emil Grimm: Italienreise

Der Ruhm der Brüder Jacob und Wilhelm Grimm hat den jüngeren Bruder Ludwig Emil, Maler und Kunstprofessor, überschattet. Nun erscheinen seine Erinnerungen in einer Prachtausgabe der Anderen Bibliothek. Wie es sich für einen Künstler seiner Zeit gehörte, unternahm auch Ludwig Emil Grimm eine Italienreise, die er detailgenau festhielt – und die Faust-Kultur hier vorstellt. mehr

Gedicht

Ach die Tiere der Sprache

Ursprünglich geschrieben für den Film »Ming of Harlem: Twenty-One Stories (2014)« handelt Jean-Luc Nancys Gedicht »Ach die Tiere der Sprache« von der makellosen Wildheit des Tigers und des Alligators und den damit verbundenen abendländischen Konnotationen. mehr

»Gurre-Lieder« und Zwölfton-Paganinismus

Schönberg – was sonst!

64 Jahre nach Arnold Schönbergs Tod ist das Publikum reifer geworden und betrachtet Schönberg mittlerweile als raren Klassiker. Dem tragen neue Aufnahmen seiner »Gurre-Lieder« und der sinfonischen Dichtung »Pelleas und Melisande« Rechnung, die auf CD erschienen sind und von Hans-Klaus Jungheinrich ins Bewusstsein gehoben werden. mehr

DVD: Ein Gespür für den Frieden!

Tag der Befreiung

Eine DVD versammelt Filmbeiträge von Alexander Kluge und von der TV-Produktion der Neuen Zürcher Zeitung. Sie liefern Eindrücke zum 8. Mai 1945 aus Deutschland und der Schweiz. Kluge bleibt sich und seiner Handschrift treu, meint Thomas Rothschild. mehr

Being German – Deutsch sein

Wahlheimat Deutschland

Was bedeutet »Deutschsein« heute, 25 Jahre nach der Wiedervereinigung? Vier Autoren gehen dieser Frage bei Faust-Kultur aus eigener, biographischer Sicht nach. IsiL Yönter begriff erst mit der Zeit, dass sie sich nicht zwischen ihrer türkischen und ihrer deutschen Identität entscheiden muss, sondern beide leben kann. mehr

Tagebuch eines Philosophen

Die Maske »Kojève«

Ingo Ebener liest Alexandre Kojevès nun auf Deutsch erschienenes »Tagebuch eines Philosophen« und erkennt in den frühen Notizen des einflussreichen Hegel-Interpreten mehr als bloße Formsuche und Stilübung, nämlich die Freude an dem Spiel mit der Maske. mehr

Text und Audio

Anneke Brassinga liest Gedichte

Die orphischen Gedichte der niederländischen Dichterin Anneke Brassinga handeln von Verstorbenen, aber sie sind keine Grabsteine. Sie wirken wie dem Leben entnommene Clips, die das Erinnerte verwandelt vergegenwärtigen. mehr

Architektonisches Erbe

Martin Elsaesser: Akteur der »neuen Sachlichkeit«

Dass er als Kirchenarchitekt bekannt war, ist beinahe vergessen. Dass er, zusammen mit dem Stadtbaurat Ernst May, zu den prägenden Architekten des ›Neuen Frankfurt‹ gehörte, noch nicht. Martin Elsaesser hat Gebäude entworfen, die selbst im neuesten Frankfurt Aufmerksamkeit erregen. Petra Kammann schreibt über einen kurzen, aber bedeutenden Abschnitt der Architekturgeschichte. mehr

Babelsprech.International

Zeitgenössische brasilianische Dichtung

Im dritten Teil seines Brasilien-Beitrags kommt Ricardo Domeneck in der Gegenwart an und bereitet auf diese Weise eine Neufassung des Kanons brasilianischer Lyrikgeschichte vor. Damit setzt Domeneck die Reihe Babelsprech.International unter der Betreuung von Max Czollek und Max Oravin fort. mehr

Albert Breier über Walter Zimmermann

Der Tonmetz

Der Komponist Walter Zimmermann hat, indem er die Impulse der New York School aufnahm, ein großes und vielfältiges OEuvre geschaffen, das wiederum dem kulturellen Kosmos Europas verbunden ist. Der Schriftsteller und Komponist Albert Breier legt nun eine überraschende Zimmermann-Monographie vor, die dem Geflecht der Werkbezüge nachspürt. Bernd Leukert hat sie gelesen. mehr

Maschen der Kunst

Verdichtungsverdichtung

Die in der Kunst seit der Moderne auftretenden Versuche, bildliche Ereignisverdichtung zu sabotieren, ändern wenig daran, dass jedes Bild im Hinblick auf gestaltete Visualität eine Oase in der Wüste des Nichtbildes ist. Zuweilen verdichten Künstler bereits Verdichtetes nochmals, wie Christian Janecke an diversen Beispielen zeigt. mehr

Slavoj Zizeks Opus magnum

Unwegsames Gelände

Slavoj Žižeks Hausheilige sind Hegel und Lacan, er hat aber auch Marx, Lenin und Mao im Angebot, ferner Platon und Aristoteles, Descartes und den Deutschen Idealismus. Um Hegel geht es auch in Žižeks neuem Buch, »Weniger als nichts«. Es ist, ungeachtet seiner Opulenz, ein wichtiges, hochpolitisches und vorbildlich übersetztes Buch, meint Otto A. Böhmer. mehr

Gespräch mit dem Autor Adam Zagajewski

Ein Gedicht ist das Gegenteil von Routine

Heute wird der polnische Schriftsteller Adam Zagajewski mit dem Heinrich-Mann-Preis der Akademie der Künste ausgezeichnet. Im Gespräch mit Jakub Gawlik und Philipp Stadelmaier sprach Zagajewski über die Intuition des Dichters, den Elan vital des Gedichts und die Augenblicke poetischer Erhebung. mehr

Der Philosoph Georg Simmel

Mit Seufzern behängte Träume

Der Stadtmensch Georg Simmel ist gerade dem raschen und ununterbrochenen Wechsel äußerer und innerer Eindrücke, die sein Nervenleben steigerte, aufs Land entrückt. Dort beeindrucken ihn, wie Otto A. Böhmer berichtet, nicht nur nächtliche Illuminationen, sondern auch ein Geist, den er einst beschwor. mehr