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Makkabi (der Hammergleiche) ist der Name deutsch-jüdischer Sportvereine, deren größter sich in Frankfurt befindet. Seine Mitglieder stammen aus allen Kulturen und Religionen. Vor allem der 1965 gegründete Makkabi Fußballverein hat sich zunehmend antisemitischer Angriffe zu erwehren. Doris Stickler skizziert die Situation.

Sportverein Makkabi

Fußball unter Polizeischutz

Als Mohamed zu Makkabi wechselte, blieb das bei seinen muslimischen Freunden nicht unkommentiert. Manche reagierten mit Frotzeleien, andere fragten erstaunt, warum er jetzt in einem jüdischen Verein Fußball spielt. Das weiß der Sechzehnjährige sehr genau: „Makkabi ist wie eine Familie, ich fühle mich dort wohl, werde angenommen und finde immer jemanden zum reden“. Außerdem stehe er manchmal sogar schon für die A-Jugend auf dem Platz und habe angefangen, andere zu trainieren.

So sehr sich Mohamed über seine Makkabi-Zugehörigkeit freut, so sehr betrüben ihn die antisemitischen Ausfälle, die er nun bei Spielen erlebt. „Ich fühle mich davon doppelt betroffen, weil sie oft von muslimischer Seite kommen.“ Wie er bei der Diskussion „Über die präventive Kraft des Fußballs! Gegen Rassismus und Antisemitismus“ erzählte, werde er selbst mit dem Vorwurf „Du hast deine Seele verkauft“ angegangen. Solche Reaktionen bestätigen dem Fachoberschüler nur: „Die meisten, die Vorurteile gegen Juden haben, kennen gar keine Juden.“

Dass Unkenntnis abstrusen Vorstellungen und Antisemitismus Vorschub leistet, beobachtet der Präsident von Makkabi Deutschland und Makkabi Frankfurt, Alon Meyer, seit einigen Jahren verstärkt. Obwohl in Frankfurt die 1.700 Mitglieder des Turn- und Sportvereins aus allen Kulturen und Religionen stammen – nur knapp 30 Prozent seien Juden – verzeichne er „bei Fußballspielen eine so hasserfüllte und aggressive Stimmung wie nie zuvor“.

Die Übergriffe erstreckten sich von verbalen Ausfällen, wo Sätze wie „Euch Scheiß Juden hat man vergessen zu vergasen“ fallen, über Handgreiflichkeiten bis hin zu Messerattacken. Wenngleich er jeden antisemitischen Vorfall meldet, hält der mit dem Integrationspreis seiner Geburtsstadt Frankfurt bedachte 47-Jährige von Bestrafung wenig. Makkabi versuche vielmehr, im Vorfeld auf problematische Vereine zuzugehen. Dass es sich lohnt, führte Alon Meyer am Beispiel einer Mannschaft vom Frankfurter Berg vor Augen, mit der es bei Spielen früher immer Zusammenstöße gab.

„Wir mussten oft unter Polizeischutz nach Hause fahren, heute sind wir Freunde.“ Das führt er vor allem auf ein Workshop-Projekt mit der Bildungsstätte Anne Frank zurück. Die Makkabi-Mitglieder werden hier im angemessenen Umgang mit Antisemitismus trainiert und können dadurch Situationen frühzeitig entschärfen, so Alon Meyer. Zudem habe man „ein Netzwerk von Vereinen aufgebaut, die sich gegen rassistische und antisemitische Übergriffe stellen“.

Die Eintracht Frankfurt ist natürlich mit von der Partie. Eintracht-Museums-Leiter Matthias Thoma arbeitet ohnehin seit langem eng mit Alon Meyer und der Bildungsstätte Anne Frank zusammen und kann der Mehrheit der Eintracht-Fans ein „großes Bewusstsein für Rassismus“ und eine entsprechend deutliche Positionierung“ bescheinigen. Bereits in den 1990er Jahren hätten sie ein T-Shirt mit dem Aufdruck „United Coulors of Bembeltown“ in Umlauf gebracht, vor einigen Jahren mit einem Denkmal jener Fans gedacht, die nach der Machtergreifung Hitlers keine Spiele mehr besuchen konnten.

Dass in Frankfurt eine „sehr politische Fan-Szene“ existiert, dürfte nicht zuletzt auch ihm zu verdanken sein.

So hat Matthias Thoma in seinem 2007 erschienenen Buch „Wir waren die Juddebuben“ die Schicksale der jüdischen Eintracht-Mitglieder dokumentiert und dargelegt, wie die Nationalsozialisten der traditionellen Weltoffenheit des Vereins den Garaus machten. Außerdem war er an der Errichtung des Eintracht-Museums beteiligt, das er auch als Bildungseinrichtung versteht. Erinnerungsarbeit, Stolpersteinverlegungen oder Reisen ins Konzentrationslager Theresienstadt stehen hier ebenso auf dem Programm wie regelmäßige Workshops mit der Bildungsstätte Anne Frank oder die jährliche Verleihung eines Preises für antirassistisches Engagement.

Auch Eintracht-Präsident Peter Fischer stellt sich antisemitischen und rassistischen Umtrieben entgegen. 2018 bezog er etwa mit dem Satz „Es gibt für die braune Brut keinen Platz. Solange ich da bin, wird es keine Nazis bei Eintracht Frankfurt geben“ gegen die AfD Position. Diese klaren Worte rechnet ihm Matthias Thoma sehr hoch an. Er geht zwar davon aus, dass bei Spielen weiterhin rechtspopulistisch und rassistisch gesinnte Leute im Stadion sitzen werden. „Sie trauen sich aber nicht, etwas zu sagen.“ Wenn er sehe, welch massive Probleme die Hetze von rechts manchen Fußballvereinen bereiteten, sei er heilfroh, dass man sich ihr in Frankfurt und in einigen anderen Städten ausdrücklich entgegen stellt.

Siehe auch:

Makkabi Frankfurt

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erstellt am 13.6.2021
aktualisiert am 18.6.2021

Makkabi Frankfurt
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