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An den Athenaeum-Fragmenten waren 1798 Wilhelm und Friedrich Schlegel, vielleicht Wilhelms Frau, Caroline Schlegel, Novalis und Friedrich Schleiermacher beteiligt. Der Charakter des Fragments „Idee zu einem Katechismus der Vernunft für edle Frauen“ spielt – unernst und doch ernst – recht unzeitgemäß in die gegenwärtige Diskussion um die Frauenemanzipation hinein.

RÜCK-BLICK: Vor 220 Jahren

Idee zu einem Katechismus der Vernunft für edle Frauen

Von August Wilhelm und Friedrich Schlegel

Die zehn Gebote

1) Du sollst keinen Geliebten haben neben ihm: aber du sollst Freundin sein können, ohne in das Kolorit der Liebe zu spielen und zu kokettiren oder anzubeten.

2) Du sollst dir kein Ideal machen, weder eines Engels im Himmel, noch eines Helden aus einem Gedicht oder Roman, noch eines selbstgeträumten oder fantasirten; sondern du sollst einen Mann lieben, wie er ist. Denn sie die Natur, deine Herrin, ist eine strenge Gottheit, welche die Schwärmerey der Mädchen heimsucht an den Frauen bis ins dritte und vierte Zeitalter ihrer Gefühle.

3) Du sollst von den Heiligthümern der Liebe auch nicht das kleinste mißbrauchen: denn die wird ihr zartes Gefühl verlieren, die ihre Gunst entweiht und sich hingiebt für Geschenke und Gaben, oder um nur in Ruhe und Frieden Mutter zu werden.

4) Merke auf den Sabbath deines Herzens, daß du ihn feyerst, und wenn sie dich halten, so mache dich frey oder gehe zu Grunde.

5) Ehre die Eigenthümlichkeit und die Willkühr deiner Kinder, auf daß es ihnen wohlgehe, und sie kräftig leben auf Erden.

6) Du sollst nicht absichtlich lebendig machen.

7) Du sollst keine Ehe schließen, die gebrochen werden müßte.

8) Du sollst nicht geliebt seyn wollen, wo du nicht liebst.

9) Du sollst nicht falsch Zeugniß ablegen für die Männer; du sollst ihre Barbarey nicht beschönigen mit Worten und Werken.

10) Laß dich gelüsten nach der Männer Bildung, Kunst, Weisheit und Ehre. –

 
Der Glaube

1) Ich glaube an die unendliche Menschheit, die da war, ehe sie die Hülle der Männlichkeit und der Weiblichkeit annahm.

2) Ich glaube, daß ich nicht lebe, um zu gehorchen oder um mich zu zerstreuen, sondern um zu seyn und zu werden; und ich glaube an die Macht des Willens und der Bildung, um mich dem Unendlichen wieder zu nähern, mich aus den Fesseln der Mißbildung zu erlösen, und mich von den Schranken des Geschlechts unabhängig zu machen.

3) Ich glaube an Begeisterung und Tugend, an die Würde der Kunst und den Reiz der Wissenschaft, an Freundschaft der Männer und Liebe zum Vaterlande, an vergangene Größe und künftige Veredlung.

Titel der Zeitschrift „Athenaeum“, 1798 . Bild: Scan, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=40587467

aus:
Athenaeum. Eine Zeitschrift von August Wilhelm Schlegel und Friedrich Schlegel. Ersten Bandes Zweytes Stück. I. Fragmente. S. 109 ff. Berlin 1798 bey Friedrich Vieweg dem älteren.
Reprint in der Harenberg Edition. Die bibliophilen Taschenbücher Nr.575, Dortmund 1989.

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Kommentare


Dr. rer. nt. Harald Wenk - ( 05-06-2021 07:21:19 )
Die Leutze wissen heutre noch nicht, das dqa ORTGINASL; de VEBOTEN UND VEGFEMNMTE tödliche KIRCHENkrtike und ASBSLUTE RATINASLIST in ETHIK Teil IV iun HAUPTsätzen ein viuel biel besse und villständgere 2Motal und aufgedtellr hat, Dpr wtzderwähntm dasda GEokid aps mass alöe dinf"duie Phaste dr Menfew ammeistenN einneghmebn muss. ZUm TGhma Liewb warhnt e vore "Obeöocdr Leginär artige Wirkunge de Fraurenschänheu un ds duieFat an WAhsoin gebzewd Loieb scvhnel in Hass übregeht. Spinzis Goethre WZS da unagze zundsvghuie aucvh demdebnspö3echn AUCH IM FAUST

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erstellt am 30.5.2021
aktualisiert am 31.5.2021

Die Bücher in Bibliotheken können sehr lange stehen. Sie sind unser kulturelles Gedächtnis, das weit hinter und über unsere Erinnerung hinausgeht. Sie können nichts vergessen und ermöglichen, was Alexander Kluge einmal das Gespräch über die Jahrhunderte genannt hat.

Hier sammeln sich Berichte, Kommentare, Erzählungen, Essays – Fundstücke aus einer zurückliegenden Zeit, die möglicherweise gar nicht vergangen ist und so in unsere Gegenwart hineingreift..

August Wilhelm Schlegel

August Wilhelm Schlegel (1767–1845). Bild: Ursprung unbekannt, etwa 1800, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1758423

August Wilhelm Schlegel (1767–1845)
Bild: Ursprung unbekannt, etwa 1800, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1758423

Friedrich Schlegel

Friedrich Schlegel (1772–1829). Bild: Gemälde von Franz Gareis, 1801 - http://www.zeno.org/Literatur/I/sclefpor, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=16150266

Friedrich Schlegel (1772–1829)
Gemälde von Franz Gareis, 1801 – http://www.zeno.org/Literatur/I/sclefpor, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=16150266