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Bei S. Fischer, einem Verlag, der mit seinen jüdischen Autoren sich in besonderer Weise der Aufklärung widmete, wurde 1976 Walter H. Pehle Lektor. Dort gab er die legendäre „Schwarze Reihe“ heraus, die die Zeit des Nationalsozialismus dokumentiert. Thedel von Wallmoden, der Verleger des Jahres 2020, hat in seiner Laudatio die Verdienste des beharrlichen Aufklärers zusammengetragen. Pehle starb im März 2021 im Alter von 80 Jahren.

Laudatio

Für Walter H. Pehle

„… über Ihren Herrn Großvater würde ich mir ab sofort keine Illusionen mehr machen.“

Von Thedel von Wallmoden

Meine sehr geehrten Damen und Herren,
lieber Walter Pehle,

„… über Ihren Herrn Großvater würde ich mir ab sofort keine Illusionen mehr machen.“

Anne Weber, die im vergangenen Jahr für ihr Buch „Annette, ein Heldinnenepos“ mit dem deutschen Buchpreis ausgezeichnet wurde, zitiert diesen Satz in ihrem Buch „Ahnen“. Es ist ein Zitat aus einem Brief von Walter Pehle. (Anne Weber, Ahnen. Ein Zeitreisetagebuch, Frankfurt am Main 2015, S. 103ff.)

Wegen einer Auskunft über eine SS-Einheit, der ihr Großvater angehörte, hatte sich Anne Weber an Pehle gewendet und er hat ihr die Auskunft erteilt, dass ihr Großvater nach Lage der Dinge „rückhaltlos“ „verstrickt“ gewesen sei.

Die Wörter „rückhaltlos“ und „verstrickt“, so notiert Anne Weber im Buch, habe der Briefschreiber Pehle in Anführungszeichen gesetzt, um deutlich zu machen, dass diese „abgedroschenen Wörter“ nur ungenügend bezeichnen können, was gemeint ist. Und dann folgt der schon zitierte Satz.

Dieser Satz könnte als Motto vor oder über dem Werk und der Lebensleistung des heutigen Redners stehen, den ich Ihnen nun vorstellen darf: Der Historiker, Lektor und programmatische Ideengeber wichtiger und wichtigster Buchreihen – Walter Pehle.

„… über Ihren Herrn Großvater würde ich mir ab sofort keine Illusionen mehr machen.“

Dieser Satz meint in einem weiteren Kontext Folgendes: Nur die rückhaltlose Aufklärung als eine kollektive und zugleich individuelle Bemühung um Erkenntnis kann davor schützen, falsche, also illusionär geschönte Geschichtsbilder in uns entstehen oder fortwirken zu lassen.

Die sarkastisch intonierte Anrede in der überzogenen Höflichkeitsform macht deutlich, dass der „Herr“ Großvater für einen Familienzusammenhang steht, der für eine jüngere Generation die Großväter meint und für die noch im Krieg oder kurz danach Geborenen die Väter.

Vergegenwärtigen wir uns kurz eine Ausgangskonstellation: Anfang Februar 1941 hat Erwin Rommel den Oberbefehl des deutschen Afrikakorps übernommen. Mitte Februar 1941 rollt der erste Deportationszug mit 1.000 jüdischen Bürgern Wiens in Richtung eines Sammellagers im besetzten Polen.
Das sind zwei Ereignisse, die das Geburtsdatum Walter Pehles am 8. Februar 1941 – also heute vor 80 Jahren – rahmen.

Walter Pehles Vater, ein Düsseldorfer Regierungs(bau)rat, bei Kriegsende im Majorsrang, mag dann nach dem Krieg für den Sohn wohl Anlass zu Nachfragen und Überlegungen gegeben haben: Was und wo hast Du gebaut, Vater?

1966 hat Walter Pehle zunächst in Köln und dann an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf Geschichte studiert.

Bei Wolfgang J. Mommsen, der selbst kein Zeithistoriker war, entstand die Dissertation „Die nationalsozialistische Machtergreifung im Regierungsbezirk Aachen unter besonderer Berücksichtigung der staatlichen und kommunalen Verwaltung“. Über diese Arbeit hat Walter Pehle später einmal gesagt, dass ihn eigentlich Aachen gar nicht sonderlich interessiert habe, sondern vielmehr „wollte ich die nationalsozialistische Machtergreifung im Regierungsbezirk Düsseldorf unter besonderer Berücksichtigung meines Vaters untersuchen“.

Das mag so gewesen sein, aber zugleich zeigt schon die Fragestellung der Dissertation, dass hier jemand Antworten auf die Fragen sucht, die doch im Kern eine einzige Frage sind. Die Antwort nämlich auf die eine einzige Frage, wie das alles geschehen konnte.

Diese Antwort wird aber schon in der Dissertation nicht in der Dämonie und den verbrecherischen Absichten Einzelner vermutet, sondern in Strukturen und Funktionen, die in größeren Zusammenhängen ihre Wirkung zu einem Mord- und Zerstörungswerk von derart unerhörtem Ausmaß entfaltet haben.

1976 tritt Walter Pehle als Lektor in den S. Fischer Verlag ein. Und wieder müssen wir uns ein paar Rahmenbedingungen vergegenwärtigen: Die Sozialwissenschaften und die Theoriepotenziale der Literaturwissenschaft verloren in diesen Jahren an Attraktivität. Von da an wurde die Geschichtswissenschaft zur Leitdisziplin und zur intellektuellen Stichwortgeberin der alten Bundesrepublik. Während die Verlage ihre Produktion der zuvor noch so populären Theoriereihen zusammenstrichen, stieg zugleich die Produktion von Büchern zur Zeitgeschichte an.

Und eine weitere Rahmenbedingung soll kurz erwähnt sein: Der S. Fischer Verlag verstand sich nach der Rückkehr aus dem Exil mit den Stationen in Wien, Stockholm und New York als Verlag, der seinen verfolgten und aus Deutschland vertriebenen jüdischen Autorinnen und Autoren verpflichtet war. S. Fischer engagierte sich deshalb im Sinne einer humanistisch-aufgeklärten Kultur. Einer Kultur, die dieser Verlag wie kein anderer während der Weimarer Republik repräsentiert hatte.

Gottfried Bermann Fischer, der Schwiegersohn des Verlagsgründers Samuel Fischer, hatte nach der Rückkehr aus dem Exil und nach der fehlgeschlagenen Rückabwicklung der unter Peter Suhrkamp zunächst einvernehmlich vollzogenen Arisierung einer Trennung der Verlage Suhrkamp und S. Fischer notgedrungen zugestimmt. Mehr als zehn Jahre später, also Mitte der sechziger Jahre, verkaufte Bermann Fischer an die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck.

1974, also gerade zwei Jahre vor dem Eintritt Walter Pehles als Lektor, hatte Monika Schoeller, die Tochter Georg von Holtzbrincks, die Leitung des S. Fischer Verlags übernommen. Was ich zuvor über die inhaltliche Ausrichtung des Verlags nach der Rückkehr aus dem Exil gesagt habe, galt für diese wunderbare Verlegerin mindestens ebenso.

Im Geiste Samuel Fischers und im Sinne Gottfried Bermann Fischers wollte Monika Schoeller den Verlag weiterentwickeln. Vor dem Hintergrund dieser verlegerischen Ausrichtung konnte der junge Lektor Walter Pehle, gerade fünfunddreißig Jahre alt, an die Arbeit gehen. Eine Arbeit, die durch Bücher der Frage nachgehen wollte, wie die Nationalsozialisten an die Macht gelangen und in nur zwölf Jahren all die Taten verüben konnten, deren Erforschung auch 75 Jahre nach Kriegsende noch immer nicht abgeschlossen ist.

Es gab 1976 beim Eintritt von Walter Pehle in den Verlag nur wenige Bücher, an die ein Geschichtsprogramm zum NS anknüpfen konnte: Man hatte das „Tagebuch der Anne Frank“ veröffentlicht, das als Hardcover zunächst ein Misserfolg war, hatte das „Nürnberger Tagebuch“ des amerikanischen Gerichtspsychologen Gustave M. Gilbert publiziert und man hatte die kommentierte Quellensammlung „Der Nationalsozialismus. Dokumente 1933-1945“ des Schweizer Historikers Walther Hofer im Programm.

Und wenn man es genau nimmt, war Walther Pehle, obwohl promovierter Historiker, auch gar nicht explizit als Geschichtslektor in den Verlag geholt worden, sondern er sollte sich um Psychologie und Pädagogik kümmern. Aber manchmal ergeben die Dinge erst in der Rückschau einen Sinn.

Ob es dann einfach so gekommen ist, dass Walter Pehle seinen Interessen und den ihm unter den Nägeln brennenden Fragen nachgegangen ist oder ob das Diskursklima und eine interessierte und experimentierfreudige Verlagsleitung ihn einfach hat machen lassen – das müssen wir nicht entscheiden. Wir können es vom Ergebnis her betrachten. Und dieses Ergebnis kann sich sehen lassen.

Es begann nämlich die Arbeit an einer Buchreihe, die für die Zeitgeschichte zu einem Meilenstein geworden ist. Die legendäre „Schwarze Reihe“. Den Namen, unter dem diese Taschenbuchreihe in der Wissenschaft und im breiten Publikum bekannt ist, verdankt sie ihrer schlichten und einheitlichen Gestaltung: Die Umschläge sind schwarz, darauf, im größtmöglichen Kontrast, in weißer Schrift Autorennamen und Titel und ebenfalls schwarz/weiß ein dokumentarisches Foto. Es versteht sich, dass diese Reihe nur „Schwarze Reihe“ genannt werden konnte. Bibliographisch heißt sie freilich „Die Zeit des Nationalsozialismus“ – „Eine Buchreihe, herausgegeben von Walter Pehle“.

Die Reihe präsentiert sich nüchtern, pointiert und zugleich mit enorm breitem thematischen Zuschnitt. Ich zögere keinen Moment, sie nun im Rückblick auf mehr als 250 Bände eine der großen verlegerischen Leistungen der letzten 40 Jahre zu nennen.

In der Konzeption, in der Qualität der einzelnen Titel, in ihrer Binnenstruktur und in ihrer fulminanten erinnerungskulturellen und geschichtspolitischen Wirkung ist die „Schwarze Reihe“ eine der großen verlegerischen Leistungen der letzten 40 Jahre.

Lassen Sie nur ein paar Titel auf sich wirken:
Dirk Blasius „Weimars Ende“; Wolfgang Benz „Wie wurde man Parteigenosse?“; Frank Bajohr „Unser Hotel ist judenfrei“; George L. Mosse „Die Geschichte des Rassismus in Europa“; Frank Bajohr und Michael Wildt „Volksgemeinschaft“; Wolfram Wette „Die Wehrmacht“; Jochen Böhler „Auftakt zum Vernichtungskrieg“; Götz Aly „Im Tunnel“; Rachel Margolis „Als Partisanin in Wilna“ … usw. usw.

Meine Damen und Herren, Sie müssen jetzt nicht befürchten, dass meine Einführung und Laudatio für Walter Pehle in eine Telefonbuchpolka seiner Autoren und Buchtitel ausartet. Aber sie werden mir zustimmen, dass allein schon eine Aufzählung dieser oft thesenhaft zugespitzten Titel unmissverständlich zeigt, worum es geht. Es wird nämlich deutlich, wie die Geschichte der nationalsozialistischen Herrschaft zugleich als Geschichte der Opfer und als Geschichte der Täter in den Blick kommt. Die Strukturen und Funktionen einer nationalsozialistisch aus- und zugerichteten Gesellschaft mit ihren Akteuren, Profiteuren und Mitläufern werden analysiert.

Ebenso wird die Perspektive der Opfer mal als Einzelschicksal wie unter einem Brennglas dargestellt und mal in der großen Perspektive „Die Vernichtung der europäischen Juden“ – das berühmte Werk von Raul Hilberg. Und natürlich kann auch die Sicht auf unsere Zeit und auf unsere Erinnerungskultur nicht fehlen, z. B. in dem Sammelband „Opa war kein Nazi“ von Harald Welzer u. a.

Da ist es wieder, dieses insistierende Monitum „… über Ihren Herrn Großvater würde ich mir ab sofort keine Illusionen mehr machen.“

Aber warum müssen wir darauf heute so bestehen? Vielleicht, weil sich vor unseren Augen gerade eine gespenstisch anmutende Entwicklung vollzieht, eine Entwicklung, dass die Erinnerungskultur wieder zur Kampfzone der Geschichtspolitik wird.
Da wird gefordert, es müsse nun endlich Schluss sein, mit dem „Schuldkult“.
Ja, was meinen diese Leute eigentlich damit? Soll das heißen, dass eine Bagatelle durch unsere Fragen und unser Wissenwollen kultisch überhöht und dadurch vergrößert wird?

Wenn die Rede geht vom „Schuldkult“, hat das eine andere Qualität als der dumpfbekannte Ruf nach dem „Schlussstrich“. Machen wir uns auch darüber keine Illusionen!

Aber genug davon. Ich möchte Ihr Augenmerk noch auf ein paar andere Aspekte lenken: Zunächst diesen: Sie haben schon an der Liste der Buchtitel bemerkt, dass es in der Konzeption von Buchreihen im Kern darum geht, Bücher miteinander ins Gespräch zu bringen. Bücher sollen sich gegenseitig einen Hallraum, einen Kontext ihrer Rezeption und Verbreitung verschaffen. Aus Büchern soll ein vernetztes System von Hypothesen und Forschungen, von einander ergänzenden und dadurch weiter aufschlüsselnden Erkenntnissen entstehen. Es geht nicht darum, nur von Buch zu Buch zu denken. Es geht darum, Bücher aus sehr unterschiedlichen Wissenschaftskulturen und Forschungskontexten, Bücher von Autorinnen und Autoren sehr unterschiedlicher Temperamente und Schreibstile zu einem Programmganzen zu formen.

Das – meine Damen und Herren – ist, wenn es gelingt, eine Kunst. Dass es gelingen kann, dafür steht die „Schwarze Reihe“.

Aber weiter: in unserem speziellen Fall kommt noch ein anderer, ein sehr persönlicher Aspekt hinzu:

Walter Pehle hat es sich zur Aufgabe gemacht, Autoren, von deren wissenschaftlichem Rang und von deren Werken er überzeugt ist, ohne jede Rücksicht zu verlegen und für ihre Durchsetzung zu kämpfen. Wie im Sport gibt es auch in der Wissenschaft Außenseiterpositionen. Habitus und Status der akademischen Zunft sind nicht dazu angetan, den Außenseitern einfach mal so Plätze einzuräumen.

Mag sein, dass Walter Pehle gegenüber jeder auf Status gegründeten Autorität skeptisch ist. Mag sein, dass er überhaupt jeder Autorität mit Widerwillen begegnet, einem Widerwillen, der ihn unbestechlich macht, in seinem Einsatz für die Außenseiter.

Denken Sie z. B. an Götz Aly. Aus Gründen der akademischen und beruflichen Vita, aus Gründen großer politischer Sympathien und ebenso herzlicher Antipathien ist Götz Aly nicht dauerhaft zu einer Hochschullaufbahn gelangt, die seinen Forschungen einen günstigen institutionellen Rückhalt geboten hätte. Auf die komplexen Gründe dieses Sachverhalts kann ich hier nicht eingehen. Mir geht es nur um die Feststellung, dass sich Walter Pehle von dem Aspekt, wer ein Außenseiter ist und wer akademisch dazu gehört, nie hat beeindrucken lassen.

Walter Pehle hat in Götz Alys These vom „Volksstaat“ die produktive Kraft und das Potential zu der Antwort auf die brennende Frage erkannt, warum alle mitgemacht haben. Alys Antwort ist so schlicht, wie überzeugend: Weil alle (zunächst) einen Vorteil davon hatten und sei es auch nur ein winziger Vorteil in Gestalt von etwas Geschirr oder einem Sofa, das den jüdischen Besitzern einfach weggenommen wurde.

Die Frage, wer in welcher Situation welchen auch noch so kleinen Vorteil ergattern konnte und sich deshalb im Rahmen seiner Handlungsoptionen so und nicht anders verhielt, diese Frage ist keineswegs trivial. Dass wir diese Frage heute so diskutieren, verdankt sich dem Umstand, dass Walter Pehle in und mit dem S. Fischer Verlag den Autor Götz Aly durchgesetzt hat.

Ein anderer Außenseiter war der bedeutende Historiker Raul Hilberg. Sein Werk sichtbar und zu der verdienten Geltung gebracht zu haben, ist Walter Pehles Verdienst. Lassen Sie mich das mit großem Ernst sagen: Auch nur einen Autor dieses Formats erkannt, gefördert und im Buchmarkt etabliert zu haben, das allein ist schon eine Lebensleistung für einen Verleger.

Dabei sprach zunächst scheinbar alles gegen das Werk von Raul Hilberg „Die Vernichtung der europäischen Juden“. Das voluminöse Manuskript war von keinem der renommierten amerikanischen Wissenschaftsverlage akzeptiert worden. In Deutschland hatten die Verlage davor zurückgeschreckt, weil Hilbergs zentrale These, dass die Vernichtung der europäischen Juden ein vornehmlich „bürokratischer Vorgang unter Einbeziehung zahlreicher Fachleute“ (Olaf Blaschke: Verleger machen Geschichte, Göttingen 2010, S. 478) gewesen sei, in den 60er Jahren noch nicht zur Geschichtserzählung des Völkermords passte.
Mehr noch: Indem Hilberg erstmals auch die Funktion der Judenräte in der Mordmaschinerie benannte, zog er sich einerseits die scharfe Kritik jüdischer Historiker zu und weckte andererseits die Befürchtung bei den Verlegern, dass das in Deutschland massive Reaktionen heraufbeschwören könnte.

Und schließlich schien es nahezu unausweichlich, dass der Verlag mit diesem umfangreichen Buch viel Geld verlieren würde. Alles sprach gegen einen Erfolg. Und hier kommt ein weiterer Aspekt des verlegerischen Handelns ins Spiel, der sich auf das Schönste mit der Tradition des Hauses S. Fischer verbindet.

Vom großen Samuel Fischer, der aus einer ungarischen Kleinstadt über Wien nach Berlin gekommen war und dort ohne Kapital und zunächst ohne literarische Kontakte 1886 sein Unternehmen gründet und in wenigen Jahren zu einem der führenden Verlage entwickelt hatte, von Samuel Fischer, der überragenden Verlegergestalt des gesamten 20. Jahrhunderts, von ihm ist der Satz überliefert: „Dem Publikum neue Werte aufzudrängen, die es nicht will, ist die wichtigste und schönste Mission des Verlegers.“ (Die Aktion, Wochenschrift für Politik, Literatur, Kunst. Hg. v. Franz Pfemfert, 4. Jahrgang, 11. Juli 1914, Sp. 603)

Dieser Satz stand auf einem Werbeplakat des S. Fischer Verlags. Es heißt, dass dieses Plakat auch noch in Walter Pehles Büro hing, als der Satz bereits von den Ökonomen des Verlags erbittert bekämpft wurde. Wie auch immer: Für Walter Pehle ging es in der Programmarbeit der „Schwarzen Reihe“ und in der ebenso visionär auf eine gemeinschaftliche europäische Geschichtserzählung jenseits der überholten Nationalgeschichten zielenden Reihe „Europäische Geschichte“ immer auch darum, „dem Publikum neue Werte aufzudrängen, die es nicht will, [denn das] ist die wichtigste und schönste Mission des Verlegers“.

Bevor Walter Pehle nun über seinen Autor, den Journalisten und einen der ebenfalls produktivsten Außenseiter der Zeitgeschichtsforschung, bevor nun Walter Pehle über Ernst Klee spricht, will ich mit herzlichen Glückwünschen schließen.

Lieber Walter, mit Glückwünschen zu Deinem heutigen hohen Geburtstag, mit Glückwünschen zu einem verlegerischen Lebenswerk, das nicht seinesgleichen hat.

Und neben allen Glückwünschen danke ich Dir für Bücher, die ich schon las und aus denen ich schon lernen durfte, als ich Dich noch gar nicht kannte. Bekanntlich steht der Lektor, der Autor, der nicht schreibt, im Hintergrund.

Seit wir uns kennen, danke ich für Gespräche und die produktiven Anregungen, die Du in dem Dir eigenen unnachahmlichen, nörgelnden Ton des Rheinländers so produktiv und so amüsant vorbringst, wie sonst niemand.

Ich danke Dir, dass Du Maßstäbe gesetzt hast, in einer Bücherwelt, die in ihrer Gigantomanie manchmal maßlos ist und die dann wiederum in ihrer Verzagtheit ganz ohne Ziel und Richtung scheint.

Ein Ziel hast Du vor Jahren formuliert: Wir wollen möglichst nur solche Bücher machen, die wir selbst noch in zwanzig Jahren im Antiquariat kaufen würden. So soll es sein!
Ich gratuliere Dir!

Mit freundlicher Genehmigung der Frankfurter Bürgerstiftung im Holzhausenschlösschen.

Thedel von Wallmoden: Laudatio zum 80. Geburtstag von Walter H. Pehle.
Am 8. Februar 2021 bei der Vortragsreihe „Eine Region und die Schuld“ der Frankfurter Bürgerstiftung im Holzhausenschlösschen Frankfurt am Main.

Thedel von Wallmoden, 2016. Foto: Bernd Schwabe in Hannover - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=53378845
Thedel von Wallmoden

Der Verleger Thedel von Wallmoden studierte Germanistik, Geschichte und Philosophie und gründete 1986 den Wallstein-Verlag. Zudem ist er Mitbegründer des Literarischen Zentrums Göttingen, gründete 1994 die Versandbuchhandlung Velbrück GmbH, die mit dem Verlag Velbrück Wissenschaft, Dittrich Verlag und Barton Verlag erweitert wurde. Thedel von Wallmoden ist aktuell Vorsitzender der Historischen Kommission des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels und Verleger des Jahres 2020.

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Kommentare


Thomas Rode - ( 17-02-2021 08:45:01 )
Ja, Walter Pehle hat seine aufklärerische Mission unbeirrt durchgezogen, ohne je verbissen zu sein. Ein Missionar ist Walter Pehle allerdings nicht!

Thomas Rode - ( 17-02-2021 08:45:18 )
Ja, Walter Pehle hat seine aufklärerische Mission unbeirrt durchgezogen, ohne je verbissen zu sein. Ein Missionar ist Walter Pehle allerdings nicht!

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erstellt am 14.2.2021
aktualisiert am 31.3.2021

Walter H. Pehle

Walter H. Pehle