TEXTLAND AM 23. UND 24. OKTOBER 2020 IN FRANKFURT AM MAIN

Textland 2020

»Wehrhafte Poesie und poetische Wehrhaftigkeit«

Das diesjährige Textland Literaturfestival gilt es anzukündigen, ein Projekt der Faust-Kultur-Stiftung, Herausgeberin der Online-Zeitschrift Faust-Kultur.

Der Lyriker und Publizist Max Czollek ist in diesem Jahr Ko-Kurator des Festivals. Czollek sei, gibt Jamal Tuschik als dessen Berufsbezeichnung an, „Chefingenieur einer jüdisch-muslimisch-feministisch-queeren Leitkultur, mithin einer von jenen, die der Mehrheitsgesellschaft die Marginalisierungswerkzeuge ganz einfach aus der Hand nehmen wollen. Er möchte die Idee einer Gesellschaft, in die man hineingeboren werden muss, um sie mitprägen zu dürfen, am Boden liegen sehen – vom Ringrichter unter tobenden Jubelschreien angezählt.“

Boing. Der Gong ertönt, die erste Runde der Veranstaltung kann beginnen. Und alles deutet darauf hin, dass das Publikum ein spannendes Vergnügen erwartet, selbst wenn es still genießend am Ring steht.

Mit politischen Kampfbegriffen wie „Heimat“ oder „Leitkultur“ hat sich Max Czollek schon in seiner Polemik „Desintegriert euch!“ (2018) auseinandergesetzt. Diese kritische Reflexion schreibt er in seiner neuerlichen Streitschrift „Gegenwartsbewältigung“ (2020) fort. Ganz in diesem Sinne versteht er das diesjährige Festival als „Ort des Widerstands“ und erwartet von Textland 2020 eine „explorative Studie in Sachen wehrhafter Kunst“. Womit der Takt vorgegeben ist. Die Noten liefert das Programm. Im Jahr der Seuche nimmt es sich die Freiheit, den Zeitläuften ‒ „eine seit 1945 beispiellose Bedrohungslage für die Kunstfreiheit“ ‒ mit der Klangfülle seiner Solisten den Marsch zu blasen. In radikaler Vielfalt.

Im Salon geht es am ersten Abend um den ebenso aktuellen wie ewigen Rassismus hierzulande. „Macht.Worte.Widerworte“ sind Stichworte, mit denen Max Czollek, Kübra Gümüsay, Zoe Hagen, Sharon Dodua Otoo, Jamal Tuschik und Deniz Utlu im Historischen Museum die bundesdeutsche Realität unter die Lupe nehmen. Um „die Verletzbarkeit der sogenannten ,Anderen‘ sichtbar zu machen und wahrzunehmen“. Die Frankfurter Politikwissenschaftlerin Hadija Haruna-Oelker kuratiert und moderiert den Abend.

Das Literaturfest unter dem Titel „Wehrhafte Kunst“, am Tag darauf im Schauspiel und in der Naxoshalle – in Zusammenarbeit von Schauspiel und Max Czollek, der den einleitenden Vortrag hält – will den thematischen Fokus über Prosa und Lyrik hinaus auf das Theater erweitern. Nuran David Calis, Daniela Seel und Senthuran Varatharajah debattieren. Lesungen und szenische Darstellungen schließen sich an, gefolgt von Gesprächen der Autorinnen und Autoren Necati Öziri, Tucké Royale und Gerhild Steinbuch, die sich den Texten widmen. Darunter auch der Frage, ob wir derzeit eine „Politisierung des Theaters“ erleben.

Fortsetzung am Nachmittag, der um erinnerndes Erzählen kreist, unter dem Titel „Vielfalt ohne Einheit“, der auf Angela Merkels März-Rede zum Ausbruch der Corona-Seuche und ihre Beschwörung allgemeiner Solidarität anspielt – „als erzeuge die Pandemie das denkbar allgemeinste Wir“ (Jamal Tuschik). Teilnehmende sind Marina Frenk, Deniz Utlu und Olivia Wenzel. Das Festival beschließt eine Runde der Lyrikerinnen und Lyriker Alexandru Bulucz, Max Czollek, Sandra Gugic, Ronya Othmann und Lea Schneider, die aus ihren Werken lesen. Sie legen Spuren, servieren Nahrung fürs Nachdenken über „wehrhafte Poesie und poetische Wehrhaftigkeit“.
Johannes Winter

Textland Salon, 23.10.20:
ZUM PROGRAMM

Textland Literaturfest, 24.10.20:
ZUM PROGRAMM

Textland-Programmprospekt 2020:
Hier zum Download

Siehe auch:
3.10. bis 9.11.2020
Die Tage der Jüdisch-Muslimischen Leitkultur

Der Faust-Kultur-Newsletter

Jeden Donnerstag neu: Mit aktuellen Themen und Beiträgen zu Literatur, Kunst, Bühne, Musik, Film und Gesellschaft.

Der Faust-Kultur-Newsletter ist kostenlos. Jetzt anmelden!
Tragen Sie bitte hier Ihre E-Mail-Adresse ein.

erstellt am 03.9.2020
aktualisiert am 22.9.2020

Das Textland-Plakat 2020