Zehn Fragen an Alban Nikolai Herbst

Was steht außer dem Computer, der Schreibmaschine, dem Schreibblock oder dem Diktiergerät noch auf Ihrem Schreibtisch?

Alban Nikolai Herbst: Extern regelbare Soundcard für Musik/Hörstück-Produktionen zum Einsatz der Studio-Musikanlage sowie zweite Tastatur für den Musikcomputer | iPad für Videotelefonie | (nicht stehend, sondern liegend:) Zur Zeit benötigte „Fremd“bücher | Typoskripthefter, schwarzes Notizbuch, Handskriptbuch für die Béart-Gedichte | aufgeschlagene Lexika | Erinnerungsstücke von Reisen (verschiedene Steine, kleine Figuren | meist ein mit Wasser und ähnlichem gefülltes Glas, morgens der Latte macchiato, ab 17 Uhr oft ein Tumbler mit Malt, danach das Weinglas | zwei Holzkästchen | viele Stifte rechts, Lineal, eCigarren, der Füllfederhalter | Aschenbecher | ein kleines Tablett mit USB-Sticks und dergleichen sowie Anspitzern | auf zwei Pflastersteinen die (zum Laptop) zusätzlichen Großbildschirme für Musik/Hörstückproduktionen (der Arbeitsplatz ähnelt ein wenig einem Cockpit) | eine Art déco-Schreibtischlampe, eine kleine Halogen-Schreibtischlampe | direkt als Aufbau vor dem Schreibtisch Konsole für zwei Jugendstilskulpturen sowie der schweren Gipsskulptur eines Odysseuskopfes, die mein Sohn selbst gefertigt und mir geschenkt hat; eine René-Magritte-Statuette (Meerjungfrau) | eine mir von meiner Lektorin Elvira M. Gross zugesandte Postkarte mit ausbrechendem Vulkan | eine Tusche von Phyllis Kiehl im Postkartenformat.

Was tun Sie am liebsten, wenn Sie nicht schreiben?

Musik hören, in die Oper und ins Konzert gehen, mit Frauen sein. Filme gucken. Joggen bzw. Krafttraining (mittags).

Gibt es ein Heilmittel gegen Schreibblockaden?

Gegen was?

Wo sammeln Sie Ideen für Ihre Texte?

Auf Reisen und im Kopf. In Opern- und Konzerthäusern. Im kleinen schwarzen Notizbuch. Bei intensiven Gesprächen, meist mit Frauen.

Welche fünf Bücher möchten Sie nicht missen in Ihrer Bibliothek?

Vladimir Nabokov, Alfred Döblin, Christopher Ecker, Daniela Danz, Ovids Metamorphosen. Aber eigentlich gar keine derer, die in meiner Buchwand stehen.

Welches Buch oder welchen Autor oder welche Autorin können Sie nicht ausstehen?

Bücher sogenannt realistischer Autorinnen und Autoren; da gibt’s nur wenige Ausnahmen. (Aber es gibt sie.)

Welchen Autor oder welche Autorin beneiden Sie und warum?

Z. Zt. Nabokov um seinen Stil bei gleichzeitigem, geradezu nicht faßbarem Genie des Konstruierens. Wobei „Neid“ kein Wort ist, mit dem ich wirklich etwas anfangen kann und das mir also entspräche. Ich neide nicht, sondern bewundere. Und liebe genau das – „gegen“über Frauen wie der Kunst. Ich bin ein admirador, weshalb mich der Zeitlauf derzeit nicht mag.

Wer oder was hat Sie zum Schreiben gezwungen?

Wieso „gezwungen“? Ich bin ein freier Mann.

Kann Bildende Kunst zum Schreiben anregen – wenn ja, an welche Künstler oder Künstlerin denken Sie dabei?

Emil Schumacher, Anselm Kiefer, Hermann Nitsch, Max Klinger, Arnulf Rainer, K. R. H. Sonderborg.

Mit welcher Autorin oder mit welchem Autor würden Sie gerne einen trinken gehen?

Die, mit denen es möglich ist, wissen es. Und die, mit denen es unmöglich ist, müssen es nicht wissen oder es wäre ihnen egal. Da ich Körbe nicht genießen kann, verschweige ich die Namen.

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erstellt am 21.6.2020
aktualisiert am 24.6.2020

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Alban Nikolai Herbst

Alban Nikolai Herbst (Foto: Kavita Chohan, 2020)
Foto: Kavita Chohan
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Die Durststrecke, die durch die Wüste führt, lässt Phantasiebilder entstehen, Paralleluniversen, die indirekt aus realen Verhältnissen hervorgehen: Alban Nikolai Herbst schreibt in seinem Blog „Die Dschungel. Anderswelt” ein groß angelegtes Poem über seine Krebserkrankung, das Krebstagebuch