Bruno Latours Ausführungen zur Akteur-Netzwerk-Theorie sind etablierte sozialwissenschaftliche Folien, um Covid-19 zu beobachten und zu verstehen. Latour macht sich zugleich schon jetzt Gedanken über das, was von der Pandemie einmal übrig bleibt bzw. bleiben sollte. In seinem Essay hat Bruno Arich-Gerz die Akteur-Netzwerk-Theorie von Bruno Latour ausprobiert.

Experiment mit Bruno Latours Akteur-Netzwerk-Theorie

SARS-CoV-2: Das moderne Netz

Gleich mehrfach lassen sich Bruno Latours Akteur-Netzwerk-Theorie, seine Laborstudien und Ausführungen zur Moderne auf das aktuelle Corona-Geschehen anwenden. Natur(wissenschaftler) und Gesellschaft(sregulierende Politiker und ihre in den Lockdown versetzte Bürger) greifen ineinander, geführt werden Diskurse über- und miteinander in einem Netzwerk oder Hybrid namens SARS-CoV-2, die bereits jetzt intensiv beforscht werden. Diese Forschungen mit ihren je spezifischen Designs, Methodologien und Vorannahmen sollten ihrerseits, so der Vorschlag, tunlichst symmetrisch beforscht werden. Unterschiedliche Aussagetypen lassen sich im wissenschaftlichen wie im (ver)öffentlich(t)en Diskurs ausmachen, und SARS-CoV-2 übersetzt und vermittelt sich nicht nur permanent, sondern leistet auch eine Reinigungsarbeit der anderen, unschönen Art. Es renationalisiert wieder, während transnational-europäischen Akteure förmlich durch sein Netz zu fallen scheinen.

Man kann sich auf eine klassische Betrachtung von SARS-CoV-2 als Phänomen mit global-gesellschaftlichen, politischen, diskursiven und wissenschaftlichen Auswirkungen, Anstrengungen, Effekten und Bewältigungsversuchen einlassen. Unterscheiden würde man dann zwischen Experten in Sachen Natur, denn SARS-CoV-2 lässt sich virologisch, chemisch und epidemiologisch fassen (es besteht aus Aminosäuren, deren exakte Zusammensetzung wie auch die Krankheitsbilder, die es hervorruft, Stand Mai 2020 noch unklar und unterforscht sind), und Regierungen, die in Demokratien vom Volkssouverän eingesetzt wurden und Lockdowns ausrufen. In beiden Bereichen, Natur(wissenschaft) und Gesellschaft(en und ihre das jeweilige Staatswesen anführende Politiker), finden je spezifische Sonder- und Fachdiskurse statt, die sich in Vorabstudien und doppelblind begutachteten Publikationen, Conference Proceedings oder Zoom-Meetings als Konferenzersatz, in Staatskanzleien und Ministerrunden, Präsidial- oder Kanzlerämtern und vor allem Kabinettssitzungen abspielen. Um die fachwissenschaftlichen und die mehr oder weniger protokollierten Diskurse der Politiker legen sich diejenigen der exekutierenden Einheiten (Verwaltungen auf Landes- bis herunter zu kommunalen Ebenen, Einrichtungen des Öffentlichen Diensts etc.). Und um die legt sich eine weitere Corona aus (medien-)öffentlichen und auf privater Ebene stattfindenden Diskursen, die sich zuletzt in Demonstrationen von Lockdown-Gegnern übersetzt haben, seit längerem in meinungsmachenden Organen (Zeitungen, Fernsehen) stattfinden und dort manifest werden, während sie im Fall der privaten Diskursbeiträge eher flüchtig bleiben: es sei denn, sie lagern sich privat-veröffentlicht ab auf Social Media Plattformen.

Marderhund
Marderhund

SARS-CoV-2 und seine Akteure: Natur, Gesellschaft, Diskurse – Marderhunde, Schutzmasken, Remdesivir

SARS-CoV-2 als ein Phänomen, das auf absehbare Zeit relevant bleiben dürfte wie kein zweites, lässt sich also in die „üblichen Kategorien dreiteilen“, die Analytiker und Wissenschaftler üblicherweise als Ellen zur Ausmessung anlegen: „Für sie handelt es sich entweder um Natur oder um Politik oder um Diskurs“.(1)

Diese Aufteilung ist, was ihre Bedeutung für den Umgang mit dem SARS-CoV-2-Geschehen angeht, so zutreffend wie sie ‚funktional ausdifferenziert‘ (Niklas Luhmann) und parzelliert – und damit voneinander säuberlich trennt oder ‚reinigt‘ –, was durch die Optik einer anderen Schablone als der systemtheoretischen nicht ohne weiteres separat zu halten ist.

Bruno Latours Akteur-Netzwerk-Theorie (ANT), seine mit Steve Woolgar durchgeführten Laborstudien(2) und vor allem sein „Versuch einer symmetrischen Anthropologie“(3) würden das Virus als Gegenstand einer Betrachtung anders zurichten. Sie sähen es als Quasi-Objekt, wie es genannt wird, oder Hybrid. Darin agieren im wahrsten Sinn des Wortes Virologen und SARS-CoV-2 nicht mehr als Subjekt und Objekt, sondern interferierend und einander involvierend, sogar inkludierend als Akteure eines Netzes. Weitere Akteure und Aktanten: Politikermenschen, neuerdings Verschwörungstheoretiker und das nicht-menschliche, sondern per Zoonose vom Pangulin(4), der Fledermaus(5) oder dem Enik (Marderhund)(6) übertragene Virus selbst. Mundschutze und PPT2-Masken, PEPP-PT (Pan-European Privacy Preserving Proximity Tracing) und DP-3T Corona-Apps, Desinfektionsmittel und Remdesivir. In Deutschland kommen noch das Paul Ehrlich-Institut dazu und die Laborgerätschaften der BioNTech, die seit dem 22. April 2020 als erste Impfstoffe auf ihre Wirksamkeit prüfen dürfen und damit system- und für viele überlebensrelevant, für andere zu Wechseln auf ihre gesundheitliche Zukunft werden oder zu Börsenspekulationen einladen. Es gibt Ordnungsämter und Ordnungen wie die „zur Bewältigung der durch die Coronavirus SARS-CoV-2-Epidemie an den Betrieb der Bergischen Universität Wuppertal gestellten Herausforderungen in Studium, Lehre und Prüfungen“. Neben diesen Dingen und Institutionen, Chancen und Verlautbarungen finden sich der Diskurs darüber, seine Teilnehmer und das von ihnen Diskursivierte, u.v.a.

Im Netz oder Hybrid SARS-CoV-2 herrschte zu Beginn eine beunruhigend schmale, vor allem für die medien-öffentlichen Diskursbeiträger herausfordernde Kenntnislage. „[N]och nie [zirkulierte] so viel Wissen über unser Unwissen […], wie es der Philosoph Jürgen Habermas treffend formulierte“.(7) Gemessen an dem, was in den Scientific Communities üblicherweise schnell vom Tisch geräumt wird und sich in rezenten Krisensituationen als politikberatender, die Entscheidungsträger informierender Standard herausgemendelt hat, liegt hier eine unerwartet asymmetrische Konstellation vor. Man weiß immer noch nicht, wie das Virus genau aussieht und wie es bei wem zuschlägt. Sukzessiv wird es sich verändern, es wird sich ‚vermitteln‘ oder ‚übersetzen‘, wie Latour es nennt, in ein anderes Hybrid mit anderen Vernetzungen der Akteure untereinander, mit neuen Akteuren – seiner genauen Zusammensetzung(8), einem Impfstoff, Afrikas neuer und eigener Modernität(9), anderen weiteren – und abgelegten alten. Zu letzteren gehören hoffentlich die zwischenzeitlich reaktivierten, sprich heruntergelassenen Grenzbäume und 3.003 Euro Bruttogehalt gemäß TVöD-P, Entgeltgruppe 7 (3. Stufe) oder 8 (2. Stufe) nach mehreren Berufsjahren in der Krankenpflege.

Die Erwähnung der Akteur-Netzwerk-Theorie und der Vorschlag, sie heranzuziehen als Betrachtungsschablone für das, was sich aktuell und in nächster Zukunft beobachten lassen wird rund um SARS-CoV-2, geschehen nicht aus Selbstzweck. Erst recht nicht soll der imposante Berg, den diese Theorie darstellt, zum Kreißen gebracht werden, um am Ende eine Maus zu gebären. Vielmehr regen die ANT und Latours eigene, zu ihr hinleitenden und von ihr abgeleiteten Arbeiten aus mehreren Gründen zum Weiterdenken über SARS-CoV-2 an.

Symmetrisches Vorgehen

1) Die Akteur-Netzwerk-Theorie ist nicht nur anschlussfähig durch ihr Rekurrieren auf Natur(wissenschaften), Politik(erentscheidungen) und Diskurse, die SARS-CoV-2 wesentlich ausmachen und auch die akademische Betrachtung durch Laborforschungen am Impfstoff, durch Begleitstudien und Policy Papers oder vergleichende Diskursanalysen anleiten werden. Sie ist es auch mit Blick auf andere, die Felder Virusforschung, Regulierung und öffentliche bzw. veröffentlichte Diskurse getrennt betrachtende Forschungsdesigns. Das eigene Vorgehen, in dem Natur und Gesellschaft „als ein Kontinuum von Netzwerken und Akteurskoalitionen“ erscheinen und „die prinzipielle Unterscheidung zwischen menschlichen und nicht-menschlichen Akteuren auf[ge]geben“ wird(10), und Ansätze, die der Unterscheidung in Subsysteme oder Objekte-und-Subjekte nach wie vor anhängen, lassen sich mit ihr symmetrisch – äquidistant – untersuchen. Symmetrisch heißt, sich „von den hegemonialen und normativen Vorgaben […] auch der jeweiligen Fachwissenschaften hinsichtlich dessen“ zu lösen, „was wahr oder falsch, selbsterklärend oder erklärungsbedürftig, universell oder partikular, normal oder abweichend sei“.(11)

SARS CoV-2, sein Labor und seine Semiotik

2) Die Akteur-Netzwerk-Theorie hat ihre eigenen, bisweilen gewöhnungsbedürftigen Vorstellungen davon, wie versprachlicht wird, was ihre Studien beobachten, und wie Verbalisierung erfährt, was die beobachteten Akteure, insbesondere die nicht-menschlichen, ‚tun‘. Latour nimmt Anleihen bei der Semiotik, um das Problem anzugehen, dass Gegenstände zu verbalsprachlichen Aussagen nicht in der Lage sind. Als Steigbügelhalter dient vor allem A.J. Greimas, dessen „Bedeutung für die ANT vor allem darin zu sehen [ist], dass er ihr mit dem Begriff des ‚Aktanten‘ ein wichtiges Analysemittel für die Laborstudien, aber auch darüber hinaus für alles gesellschaftliche Geschehen an die Hand gab. Mit dem Begriff ‚Aktant‘ bezeichnet Greimas alle diejenigen Einheiten, die in einer Erzählung als Handlungsträger auftauchen können“.(15) Damit artikulieren sich Mundschutze zwar nicht selbst, sie können aber als Dinge mit einer agency erscheinen, die eine simulierte Für-Sprache, eine quasi-figurale Stimme durch die ‚Erzählinstanz‘ des Beobachters geliehen bekommen.

So kann beispielsweise eine Schutzmaske das Thema eines Diskursstranges sein, den linguistische Diskursanalytiker untersuchen, oder ein Akteur eines Netzes wie der Diskurs selbst. Wesentlich ist ihre Beschreibung in „unabhängig von der Vorentscheidung ob die Wissenschaft [hier die Diskursanalyse und die ANT] die Wirklichkeit nun wirklich objektiv widerspiegelt oder nicht“ bzw. „ohne den Glauben an den Wahrheitsgehalt der Wissenschaften“.(12) Heraus kommen könnte eine Betrachtung der Maske als zunächst unzulässiger, weil zu durchlässiger Schutzgegenstand, der im Verlauf des pandemischen Geschehens eine Konnotationsänderung erfährt, also aufgewertet wird und sich übersetzt zu einem relevanten Akteur in SARS-CoV-2. Im April 2020 werden auch einfache textile Mund-Nase-Masken zunehmend zu einem zulässigen, weil für Viren zumindest teilweise undurchlässigen Gegenstand. Nachweisen lässt sich dies, gleich ob als Akteur ‚im Netz‘ oder ‚distinkt‘, im Diskursereignis SARS-CoV-2, wo die Maske zum Diskursunterthema für seine (Nicht-)Träger wird (die sie als Schutz für andere tragen, courtesy mask, oder die ihr Social Distancing-Verhalten wegen des vermeintlichen Selbstschutzes vernachlässigen, distancing disregard, oder die ihr Tragen generell ablehnen, desaster fatigue(13)). Auch für die regulierenden Entscheidungsträger und die Fachmediziner erfährt die Schutzmaske eine funktionale und damit symbolische Aufladung.(14)

Kurz: Durch das Einkopieren der für Latours Akteur-Netzwerk-Theorie zentralen, symmetrischen Perspektive auf die Praktiken und Erkenntnisgenerierungen naturwissenschaftlicher und anderer Disziplinen in das eigene methodische Vorgehen entstehen Anschlussmöglichkeiten zu sämtlichen anderen Projekten der Wissensproduktion über SARS-CoV-2.

Buchcover Latour/Woolgars
Buchcover Latour/Woolgars

Zielführend und umwegloser ist demgegenüber Latours (und Woolgars) fünfgliedrige Typologie von Aussagen (statement types), mit der sich bestimmen lässt, wann und wie in Laboren, also naturwissenschaftlichen Institutionen, und ihren etablierten Diskursplattformen (Fachzeitschriften, Tagungen) Faktizität hergestellt wird. Als ein für alle Male wahr geltendes, gesichertes Wissen und damit als selbstverständliches Faktum, dass man nicht mehr explizit erwähnen muss, gelten Aussagen vom Typ 5: „Statements corresponding to a taken-for-granted fact“.(16) Hiervon sind die SARS-CoV-2 Forschungen in den wichtigen Details noch meilenweit entfernt. Kennzeichnend für den State-of-the-Art ist angesichts des vielen Wissens über das Unwissen, was das Wesen und damit die Interventionsmöglichkeit gegen das Virus angeht, eher Typ 3, bei dem Modalpartikel, modalities, einfließen („It is still largely unknown“ oder „generally assumed to be produced by“(17)) oder Mutmaßungen, Behauptungen („claims“) und Annahmen (Typ 2) bzw. Spekulationen oder Konjekturen (Typ 1). Beispielhaft dafür ist eine Meldung vom 24. April 2020 in FOCUS online: „Laut Drosten sei es nicht auszuschließen, dass bestimmte Vorerkrankungen zu einer Immunität gegen das Coronavirus führen können […]. Sein Team untersuchte in einer Studie T-Zellen, also Blutzellen, die der Immunabwehr dienen. Unter die Lupe genommen wurden T-Zellen von bereits geheilten COVID-19-Patienten und von Patienten, die sich noch nicht infiziert haben“. Der Virologe ist vorsichtig, er betont das bestenfalls Spekulative, das sich aus seinen Beobachtung ableiten lässt, und bemüht damit Aussagetypen, mit denen er kaum in peer-reviewed Journalen Beiträge einreichen, geschweige denn mit ihnen reüssieren würde: „Weitere Erklärungen für milde oder symptomlose Verläufe seien auch, dass die Betroffenen anfangs weniger Viren abbekommen haben oder insgesamt in besserer Verfassung sind“.(18)

Zu erwarten ist die Reduzierung von virologisch-epidemiologischem Unwissen und damit die Art des sprachlichen Verfassens dessen, was in den Laboren von Geräten aufgezeichnet („inskribiert“) wird und dabei zu Daten gerinnt. Zu beobachten wären aktuell und in der näheren Zukunft also „operations by which statement types become transformed“(19), bis sie den Status von Fakten erlangen, die nicht weiter hinterfragt werden und dabei ihr zähes Zustandekommen sukzessiv verblackboxen.

Randbemerkung: Jetzt, in diesen Tagen wäre der richtige Zeitpunkt, um das Laboratory Life bei BioNtech oder Gilead Sciences zu begleiten und dabei dem Auswechseln der Aussagetypen hin zu immer stichfesteren Statements – hin zu Typ 5 – zu dokumentieren.

Gleiches gilt für die Aussagen der von fachmedizinischer Expertise abhängigen politischen Akteure und von nicht-menschlichen Aktanten, die sich selbst weder wissenschaftlich noch überhaupt verbalsprachlich artikulieren können. Die Akzeptabilität der Corona-App PEPP-PT ist beispielsweise eine, die – wenn sie sich und ihre Selbsteinschätzung artikulieren könnte – von Typ 4 herabgestuft fühlen dürfte: von anwendungswissenschaftlich abgesegnet (sprich: faktizitätsrobust) und gesundheitsministeriell favorisiert auf relativiert und bestenfalls eine „tentative suggestion“(20) („keine vollwertige App“ und allenfalls ein „Grundgerüst für nationale Corona-Tracing-Apps“(21)) wegen ihrer zentralisierten Speicherung von Daten. Umgekehrt klettert der Mundschutz für alle („Alltagsmaske“) im Echo der (fachwissenschaftlich beratenen) politischen Akteure und ihrer Meinung zu seiner Wirksamkeit im Index der Aussagetypen. Der Turnaround vollzog sich in den letzten März- und ersten Apriltagen 2020, als die Aussagen niedrigen Typs über die faktische Wirksamkeit der Mundschutze („vermittele eine trügerische Sicherheit, helfe aber so gut wie gar nicht“) einer zwar modalpartikelbewehrten, aber positiven Bewertung weichen („könne erheblich dazu beitragen, die Krankheit unter Kontrolle zu halten“, „auch ein selbstgebauter Schutz halte Tröpfchen zurück“(22)). Mit Verzug reagieren Politiker*innen und raten die Masken hoch.(23) Zum 27. April führen in Deutschland alle Bundesländer eine Maskenpflicht für Kunden von Einzelhandelsgeschäften ein.

Kurz: Die sprachliche Verfasstheit der fachwissenschaftlichen, politischen und auch öffentlich- bzw. veröffentlicht-diskursiven Aus- und Einlassungen im Rahmen von SARS-CoV-2 lässt sich über den Behelf semiotischer und aussagentypologischer Raster in die symmetrische Betrachtung des Geschehens im Sinn der Akteur-Netzwerk-Theorie einholen. ‚Behelf‘ heißt, dass es mutmaßlich geeignetere, etwa diskursanalytisch approbierte Verfahren gibt – nur bringen diese die nicht-menschlichen Akteure innerhalb des Netzes nicht zum Sprechen. Auch eine einfachere Auslotung ihrer Positionen innerhalb des Hybrid SARS-CoV-2 als die hier vorgeschlagene ermöglichen sie nicht.

Latour/Peter Weibel/ZKM
Latour/Peter Weibel/ZKM

Das moderne Virus, oder: Reinigungsarbeiten an Europa

3) Neben der symmetrischen Herangehensweise, die einem textanalytischen (hermeneutischen, diskursanalytischen) Vorgehen Anschlüsse zu wissens-und sozialwissenschaftlichen Ansätzen mit ihrem Interesse an (‚sprachlosen‘) Handlungen ermöglicht, und neben den Versuchen, die darin untersuchten Gegenstände trotz ihrer notorischen Stummheit in etablierte Raster sprach- und zeichentheoretischer Art (Semiotik) einzufügen, erlaubt die ANT eine dritte Bezugnahme auf SARS-CoV-2.

Bruno Latours Versuch einer symmetrischen Anthropologie beginnt mit einer Bestandsaufnahme dessen, was die westliche Moderne zu ihrem Programm erklärt hatte, ohne sich über die diesem Programm innewohnenden Widersprüche Rechenschaft abzulegen. Er behauptet, „daß das Wort ‚modern‘ zwei vollkommen verschiedene Ensembles von Praktiken bezeichnet, die, um [im Sinn des Projekt dieser Moderne] wirksam zu sein, deutlich geschieden bleiben müssen“. Das eine Ensemble „schafft durch ‚Übersetzung‘ vollkommen neue Mischungen zwischen Wesen: Hybriden, Mischwesen zwischen Natur und Kultur“(24) wie aktuell SARS-CoV-2. Das andere ‚reinigt‘ im Sinn von: es unterscheidet zum Zweck der Aufrechterhaltung seiner eigenen Legitimation das, was sich in der ersten Praktik ständig ‚übersetzt‘ und vermischt. Es scheidet in Natur hier und Kultur da, in menschliche Akteure hier und nicht-menschliche dort. So entstanden die Wissenschaftsdisziplinen, die in die „Two Cultures“ (C.P. Snow) der Soft und Hard Sciences (Geistes- und Naturwissenschaften) geschieden wurden, und viele weitere Leitunterscheidungen des westlichen Selbstverständnisses als ein zivilisiert-szientistisches.

Modern zu sein bzw. seit Anbruch der gemeinhin so bezeichneten Epoche gewesen zu sein bedeutet also, „die beiden Praktiken der Übersetzung und der Reinigung getrennt [zu] betrachten“.(25) Nur sei, so Latour weiter, dies tatsächlich nie der Fall gewesen. Zwar wurde differenziert und damit gereinigt, doch geschah dies nicht in Bezugsetzung zu den sich der Hand weiter und neu entstehenden Hybriden. Diese werden im Zug wissenschaftlicher Forschung zwar konstruiert (und manchmal aufgedeckt), setzen sich aber rekurrent zu einem neuen Netz zusammen: zum Beispiel, wenn in ihnen die Maske, Remdesivir oder die Laborgeräte der börsennotierten Impfstoffunternehmen plötzlich zu wichtigen Akteuren werden. Die Moderne(n) sei(en) also auf durchschlagend produktive Art einer Unvereinbarkeit zweier Praktiken aufgesessen. Sie habe(n) den Widerspruch nie aufgelöst, weil sie die Übersetzung bzw. die unter der Hand erfolgende Bildung neuer Hybride oder Netze nicht von ihren ‚Reinigungsarbeiten‘ unterschieden konnte(n). Deswegen ‚sind wir nie modern gewesen‘. Zugleich hätten sie es sehr erfolgreich als Legitimationsbasis des eigenen (westlichen) Tuns gegenüber der westlichen Vormoderne, aber auch den vermeintlich ‚primitiven‘ (nicht-westlichen) Kulturen der jüngeren Vergangenheit und Gegenwart perpetuiert. So wird jeder, der sich für modern hält, behaupten, es dennoch (gewesen) zu sein.

Für eine Übertragung auf SARS-CoV-2 sind solche komplexen, nicht unumstrittenen Gedankengebäude auf den ersten Blick kaum von Belang. Die ‚Reinigung‘, also disziplinäre Unterteilung in die Zuständigen für die Natur (das Virus: Virologen, Epidemiologen), die Gesellschaft (die Politakteure als Regulierer mit der licence to lock down) und die mehr oder minder ohnmächtigen Diskursteilnehmer um sie herum ist so naheliegend, dass es nicht schwerfällt, sie zu treffen. Gleichzeitig verändert sich das, worum es geht: SARS-CoV-2 vermittelt und übersetzt sich in einer seit spätestens Mitte März 2020 ausgesprochen „dynamischen Situation“(26) permanent neu.

Eine andere Betrachtung mit einer hiervon verschobenen Sichtweise ist – als Geste oder Konjektur, also als eine Maßnahme analog zum Aussagetyp 1 – von anderem Gewicht. Diese Betrachtung ersetzt den beobachtenden Blick auf SARS-CoV-2, wie er im letzten Absatz noch eingenommen wurde, durch einen, den das Hybrid selbst einnimmt und dabei auf Reinigungsarbeiten, genauer Parzellierungen und Partikulierungen stößt, die in Reaktion auf sein Auftreten erfolgt sind, während es sich selbst weiter entwickelt und verändert.
Ein ‚modernes‘ (und genau das wäre es nicht nur, oder wird es einmal gewesen sein, sondern ist es: modern) Netz stellt SARS-CoV-2 dar, das beide Praktiken vollzieht. Es reinigt, weil es zu Differenzierungs- und Autonomisierungsprozessen führt. Und es übersetzt sich derweil munter weiter. Die Ausdifferenzierungen, auf die es hier offenbar ankommt, mehr als auf die Übersetzungen, sind vor allem gesellschaftlich-politischer Art. Unter SARS-CoV-2 erlebt nationalstaatliches Denken und ein auf die föderalen Einheiten heruntergebrochenes Handeln eine fragwürdige Renaissance.
Zutreffend ist dieser Befund, dieser Rückschritt, zum Beispiel für afrikanische Staaten, die nach und nach ihre Grenzen dichtgemacht haben. Auch gilt er für die USA, wo ein Präsident aus vermutlich sehr speziellen Gründen am 17. April 2020 aufruft zur Befreiung von Minnesota, Virginia und Michigan.(27) Besonders relevant ist er jedoch für und in Europa, das sich unter SARS-CoV-2 erkennbar von Vereinbarungen (und Errungenschaften) wie dem Schengen-Abkommen entfernt und Grenzen wieder hochgezogen hat.
Die EU-Kommission in Brüssel scheint in diesem ebenfalls dynamischen, diskursiven Geschehen außen vor zu sein(28) und die regulierenden und öffentlich-veröffentlichenden Diskursteilnehmer (weniger die Fachwissenschaftler aus den einzelnen Ländern) bewerfen sich im Zuge dieser Reinigung gegenseitig mit neuem Schmutz – Österreichs Bundeskanzler Kurz sieht in der Stadt München einen Hotspot des Infektionsgeschehens, bundesdeutsche Talkshow-Hosts und auch bayerische Politiker schreiben ihm umgekehrt den Skiort Ischgl ins Lastenheft(29) und Schweden wird wegen seines vermeintlichen ‚Sonderwegs‘(30), den der Epidemiologe Anders Tegnell für die politischen Entscheidungsträger in Stockholm wesentlich mit gebahnt hat, besonders gedisst.(31) Zwischen- oder suprastaatliche Initiativen bringt bis zu einer Geberkonferenz Anfang Mai, deren „Ziel ist […], schnell Gegenmittel auf den Markt zu bringen und dann preiswert weltweit zugänglich zu machen“(32), seitens der EU niemand zustande.
Insbesondere auf den fragilen Staatenbund der Europäischen Union wirken sich die neueren Übersetzungen von SARS-CoV-2 nachteilig aus. Auch wenn es keine mit Bewusstsein, Intentionen und sonstigen Insignien des Menschen ausgestattete Entität ist, sondern ein Kompendium aus menschlichen und nicht-menschlichen Akteuren, kommt es unter dem Zeichen des Virus zu einem Re-Enactment jener Vermischungs- und Reinigungsarbeit, die auch die Moderne ausgezeichnet hatte. Die Aufteilung der politischen Errungenschaft Europas in seine sechsundzwanzig nationalstaatlichen Einzelteile hat als Geste einiges von der Trennung in Natur und Gesellschaft (und in menschliche und nicht-menschliche Akteure), während sich unter der Hand dasselbe Mischwesen SARS-CoV-2 immer weiter neu zusammensetzt, neue Akteure einschließt oder alte neu positioniert, und sich als Netz weiter entfaltet.

Auf dreifache Weise lassen sich Bruno Latours Akteur-Netzwerk-Theorie, seine Laborstudien und die Ausführungen zur Moderne so auf das aktuelle SARS-CoV-2 Geschehen und seine transdisziplinäre, komparatistische, biosemiotische und leitunterscheidungssensibel differenzierende wissenschaftliche Zurichtung anwenden. Ob diese Übertragungen zu einem höheren Erkenntnisgewinn führen, bleibt abzuwarten. Verstanden werden möchten sie als exemplarischer Versuch – Essai – der riskant sein will und mit der einen oder anderen Konjektur Widerspruch herausfordert.

Wo landen wir nach der Pandemie?

Gibt es ein Ziel, einen Konvergenzpunkt am Horizont, auf das sich die Überlegungen und auch das Geschehen selbst zubewegen können? Ist ein konsensfähiger Sammelpunkt denkbar, eine Position vom Aussagetyp 5, den jemand konstatiert und der dann als selbstverständlich vorausgesetzt werden darf? Auch darauf kann es momentan keine Antwort gegen, sondern nur Spekulationen. Auf die Gefahr hin, bei der Reise an die Orte einer möglichen Intervention endgültig als Latourist dazustehen, soll eine Intervention zum Schluss erwähnt sein: nämlich Bruno Latours eigene, der für die Zeit nach dem Ende der Pandemie eine gänzlich neue Reinigungsarbeit vorschlägt. Es ist die einer Selbstbefragung aller Zeit- und Augenzeugen der pandemischen Gegenwart, die vielleicht in eine mit Handlungsmacht und Interventionsbefugnis ausgestattete Bestandsaufnahme dessen führt, was bleiben sollte und was weg kann „to make sure things don’t restart after the lock out just as they were before”.(33)

(1) Latour, Bruno: Wir sind nie modern gewesen. Versuch einer symmetrischen Anthropologie. Frankfurt/M.: Suhrkamp 2008, S.10. Im französischen Original: Nous n‘avons jamais été modernes. Essai d’anthropologie symétrique. Paris: Éditions La Découverte 1991.
(2) Latour, Bruno/Woolgar, Steve: Laboratory Life. The Construction of Scientific Facts. Introduction by Jonas Salk. Princeton NJ: Princeton UP 1986.
(3) Latour, wie Anm. 1.
(4) Zhang, Tao / Wu, Qunfu / Zhang, Zhigang: “Probable Pangolin Origin of SARS-CoV-2 associated with the COVID-19 Outbreak”. In: Current Biology (30/7), 2020, 1346-1351.
(5) Lu, Hongzhou / Stratton, Charles W. / Tang, Yi-Wei: “Outbreak of pneumonia of unknown etiology in Wuhan, China: The mystery and the miracle”. In: J Med Virol . (92) 2020, 401–402 (https://doi.org/10.1002/jmv.25678, retr. 2.5 2020).
(6) Hennig, Korinna / Drosten, Christian: Coronavirus-Update. Folge 06, 4. März 2020, S. 5 https://www.ndr.de/nachrichten/info/coronaskript110.pdf (retr. 2. Mai 2020); Laura Spinney „Germany’s Covid-19 expert: For many, I’m the evil guy crippling the economy”. In: The Guardian, 26. April 2020 (https://www.theguardian.com/world/2020/apr/26/virologist-christian-drosten-germany-coronavirus-expert-interview, retr. 2. Mai 2020).
(7) Dalka, Karin: „Journalismus in Zeiten der Corona-Pandemie: unter Beschuss und vor neuen Herausforderungen“. In: Frankfurter Rundschau, 2. Mai 2020 (https://www.fr.de/meinung/journalismus-zeiten-corona-pandemie-unter-beschuss-neuen-herausforderungen-13746813.html).
(8) Die im Mai 2020 noch unbekannt ist, der aber Schwarmintelligenz und private Rechnerkapazitäten auf die Sprünge helfen können, so der Mathematiker Christian Hesse: „Auch wenn man die Aminosäuren eines Moleküls kennt, zum Beispiel die des Coronavirus, ist es noch ein weiter Weg dahin, die räumliche Struktur auszurechnen. Selbst die stärksten Supercomputer der Welt bräuchten auf sich allein gestellt Monate dafür. Wenn aber viele Menschen ein bisschen was von der Rechenleistung spenden, die sie selbst zur Verfügung haben, kann das so viel werden, dass es die Leistung der Supercomputer um ein Tausendfaches übersteigt. So könnten manche Berechnungen statt Monate nur noch einige Stunden dauern“ (Horchert, Judith / Hesse, Christian: „Fast jeder kann sich an der Corona-Forschung beteiligen“. In: SPIEGEL online, 2. Mai 2020 (https://www.spiegel.de/netzwelt/corona-fast-jeder-kann-sich-an-der-forschung-beteiligen-a-591e9017-a240-406e-a60b-8708c54bf260, retr. 3.5.2020)).
(9) Sarr, Felwine: „Wir sprechen uns nach der Krise!“. In: Süddeutsche Zeitung, 7. April 2020. (https://www.sueddeutsche.de/kultur/coronavirus-senegal-gesellschaft-1.4869649?reduced=true&fbclid=IwAR3svdJz2JYbpzVIs2PjoIUa16qxde6WXd4XITd1hE-4Crb6aVCBEs9Sqq4, retr. 3.5.2020).
(10) Bauer, Susanne / Heinemann, Torsten / Lemke, Thomas: „Einleitung“. In: Dies. (Hg.), Science and Technology Studies. Klassische Positionen und aktuelle Perspektiven. Berlin: Suhrkamp 2017, 7-40, S. 11.
(11) Wehling, Peter: „Die Soziologie wissenschaftlichen Wissens. Einführung“. In: Bauer / Heinemann / Lemke (Hg.), Science and Technology Studies, wie Anm. 10, 43-65, S. 54.
(12) Ruffing, Reiner: Bruno Latour. Paderborn: Wilhelm Fink 2009, S. 41.
(13) Grolle, Johann: „Gefährlicher Verdruss“. In: SPIEGEL online, 10. April 2020 (https://www.spiegel.de/wissenschaft/corona-krise-gefaehrliche-stimmungsumschwung-in-der-deutschen-bevoelkerung-a-1a24c2e2-58a9-4e6c-b9bd-64f73537a38b, retr. 3.5.2020).
(14) Politiker und die sie beratenden Fachmediziner – hier das Robert Koch-Institut – laden Masken am 2. April 2020 auf mit einer psychologischen Funktion: „Sie könnten ‚das Bewusstsein für ‚physical distancing' und gesundheitsbewusstes Verhalten unterstützen” (https://www.tagesschau.de/faktenfinder/spahn-corona-113.html, retr. 4. 5. 2020)
(15) Ruffing, Latour, wie Anm. 12, S. 35.
(16) Latour / Woolgar, wie Anm. 2, S. 76.
(17) Latour / Woolgar, wie Anm. 2, S. 77. Vgl. die deutsche Übersetzung Latour, Bruno / Woolgar, Steve: „Ein Anthropologe besucht das Labor“. In: Bauer / Heinemann / Lemke (Hg.), Science and Technology Studies, wie Anm. 10, 198-268, S. 246.
(18) „Forscherteam um Drosten findet heraus: Vorerkrankung könnte zu Corona-Immunität führen“. In: FOCUS online, 25. April 2020 (https://www.focus.de/gesundheit/news/kampf-gegen-virus-virologe-drosten-entscheidungsrhythmus-der-politik-im-kampf-gegen-corona-etwas-zu-kurz-in-der-bewertung_id_11921089.html, 3.5.2020), Hervorhebungen B. A.-G.
(19) Latour / Woolgar, wie Anm. 2, S. 83. Vgl. die deutsche Übersetzung in Latour / Woolgar: „Ein Anthropologe besucht das Labor“, wie Anm. 16, S. 253.
(20) Latour / Woolgar, wie Anm. 2, S. 79. Deutsch: „vorläufige Überlegungen“ (Latour / Woolgar: „Ein Anthropologe besucht das Labor“, wie Anm. 16, S. 248).
(21) Daab, Martin: Die Grundlage für die deutsche Corona-App. So funktioniert PEPP-PT. In: Chip 23. April 2020 (https://www.chip.de/news/Die-Grundlage-fuer-die-deutsche-Corona-App-So-funktioniert-PEPP-PT_182591674.html, retr. 4.5.2020). Hervorhebungen B. A.-G.
(22) „In der jetzigen Lage keine Notwendigkeit“. In: tagesschau.de 31. März 2020 (https://www.tagesschau.de/inland/corona-deutschland-mundschutz-101.html, retr. 4.5.2020). Die Bruchkante des Expertenstreits verläuft unter anderem zwischen dem Robert-Koch-Institut und dem Berliner Virologen Alexander Kekulé (Nienhaus, Lisa / Kekulé, Alexander / Fuest, Clemens: „Wir können nicht Wuhan kopieren“. In: Die Zeit, 1. April 2020 (https://www.zeit.de/2020/15/coronavirus-deutschland-finanzkrise-alexander-kekule-clemens-fuest, retr. 4.5.2020).
(23) Am 1. April 2020 zeigen sich Bundesgesundheitsminister Spahn, der Bayrische Ministerpräsident Söder („zwar geeignet, um sich gegen die Ausbreitung des Virus zu präparieren“) und SPD-Gesundheitsexperte Lauterbach noch skeptisch („Uneinigkeit bei Debatte über Maskenpflicht“. In: zdf.de, 1. April 2020 (https://www.zdf.de/nachrichten/politik/coronavirus-maskenpflicht-mundschutz-100.html, retr. 4.5.2020)). Lauterbach, selber Epidemiologe, forderte aber schon am 29. März eine „staatliche Agentur“ zur Beschaffung oder Koordination der Produktion von Schutzmasken (https://www.ndr.de/nachrichten/info/Karl-Lauterbach-Der-Bund-muss-fuer-Schutzmasken-sorgen,audio660542.html, retr. 4.5.2020). Am 8. April rät er zur Verwendung von Staubsaugerbeuteln als ultima ratio (https://www.zdf.de/gesellschaft/markus-lanz/markus-lanz-vom-8-april-2020-100.html, retr. 4.5.2020).
(24) Latour, Wir sind nie modern gewesen, wie Anm. 1, S. 19.
(25) Latour, Wir sind nie modern gewesen, wie Anm. 1, S. 20.
(26) „Es handelt sich weltweit und in Deutschland um eine sehr dynamische und ernst zu nehmende Situation“. In: Robert Koch-Institut, Täglicher Lagebericht des RKI zur Coronavirus-Krankheit-2019 (Covid-19), 14. März 2020, S. 5 (https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Situationsberichte/2020-03-13-de.pdf?__blob=publicationFile, retr. 5.5.2020).
(27) Donald J. Trump, „LIBERATE“. In: @realDonal-dTrump, 17. April 2020 (https://twitter.com/realDonaldTrump/status/1251169987110330372?s=20, retr. 5.5.2020).
(28) Moreno, Juan, „Hat Europa in der Coronakrise versagt?“. In: SPIEGEL online, 8. Mai 2020 (https://www.spiegel.de/politik/ausland/corona-krise-hat-europa-versagt-a-f3ba8a5b-66c4-4839-8b2f-48b03624b442, retr. 8. 5. 2020).
(29) Kanzler Sebastian Kurz „bezieht sich“ in seiner Retourkutsche auf Vorhaltungen von Sandra Maischberger, der stark frequentierte Tourismusort Ischgl sei im März zu einem Hotspots der Infektion (und ein Barmann aus dem Ort als Superspreader notorisch) geworden, „mutmaßlich auf den US-amerikanischen Virusgenetiker Trevor Bedford aus Seattle“ (Mayer, Patrick, „Corona: München als Brutstätte des Virus? Österreich-Kanzler Kurz überrascht in der ARD mit Theorie“. In: Merkur, 23. April 2020 (https://www.merkur.de/welt/coronavirus-ursprung-sebastian-kurz-muenchen-oesterreich-maischberger-ard-soeder-these-zr-13703811.html, retr. 6.5.2020)).
(30) Köppe, Julia, „Das Missverständnis vom schwedischen Sonderweg“. In: SPIEGEL online, 26. April 2020 (https://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/corona-in-schweden-das-missverstaendnis-vom-sonderweg-a-45f2c75f-6cad-4733-af01-9e48e89f7f93, retr. 6.5.2020).
(31) Ein Beispiel, noch milde, von vielen: Pieper, Dietmar, „Schweden wählt den Sonderweg“. In: SPIEGEL online, 28.3.2020 (https://www.spiegel.de/politik/ausland/corona-krise-schweden-verfolgt-sonderweg-im-kampf-gegen-die-pandemie-a-be9a5aef-8f7e-4d68-9448-58681f1d92f1, retr. 6.5.2020). Tegnell wird in dem Beitrag, diskursanalytisch interessant, lediglich extern fokalisiert („dürfte im Moment die einflussreichste Person in Schweden sein“), während Krankenhausmanager Jouko Vanhala direkt zu Wort kommt: „‚Stockholm ist inzwischen ein Hotspot der Infektionen‘, sagt er. ‚Ich verstehe nicht, warum die Behörden dort die Leute nicht vom Reisen abhalten.‘ In den ländlichen Regionen, etwa in den Skigebieten, sei die medizinische Versorgung nicht so gut wie in der Hauptstadt“.
(32) O. A., „Geberkonferenz weckt viele Hoffnungen“. In: ÄrzteZeitung, 4. Mai 2020 (https://www.aerztezeitung.de/Politik/Geberkonferenz-weckt-viele-Hoffnungen-409112.html, retr. 6.5.2020).
(33) Latour, Bruno, „Where to land after the pandemic? A paper and now a platform“. In: bruno-latour.fr, 29. März 2020 (http://www.bruno-latour.fr/node/852.html, retr. 6. Mai 2020). Vgl. Auch Latour, Bruno, „Welche Schutzmaßnahmen können wir uns vorstellen, damit wir nicht zum Produktionsmodell der Zeit vor der Krise zurückkehren?“, In: bruno-latour.fr, 29. März 2020 (http://www.bruno-latour.fr/sites/default/files/downloads/P-202-AOC-ROSEN-ALLEMAND_0.pdf, retr. 7.5.2020).

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erstellt am 12.5.2020
aktualisiert am 13.5.2020

Bruno Latour

Bruno Latour Foto: KOKUYO / CC BY-SA (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)

Bruno Latour, geboren 1947 in Beaune, Burgund. Studium der Philosophie und Anthropologie, von 1982 bis 2006 Professor am Centre de l'Innovation an der Ecole nationale supérieure de mine in Paris. Gastprofessor an der University of California San Diego, der London School of Economics und am historischen Seminar der Harvard University. Seit Juni 2007 ist Bruno Latour Professor am Sciences Politiques Paris und dem Centre de Sociologie des Organisations (CSO). Im Jahr 2015 besetzte Latour den Lehrstuhl der Albertus-Magnus-Professur der Universität zu Köln. 2018 wurde er in die British Academy gewählt. Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen, u. a. 2013 den Holberg-Preis. 2008 wurde er in Frankfurt am Main mit dem Siegfried-Unseld-Preis ausgezeichnet.