Zehn Fragen an Jamal Tuschick

Was steht außer dem Computer, der Schreibmaschine, dem Schreibblock oder dem Diktiergerät noch auf Ihrem Schreibtisch?

Jamal Tuschick: Ungefähr fünfzig Bücher, aus denen ich gerade schöpfe.

Was tun Sie am liebsten, wenn Sie nicht schreiben?

Sport treiben, mit dem Fahrrad im Wald spazieren.

Gibt es ein Heilmittel gegen Schreibblockaden?

Waldluft.

Wo sammeln Sie Ideen für Ihre Texte?

In Büchern und in den laufenden Debatten.

Welche fünf Bücher möchten Sie nicht missen in Ihrer Bibliothek?

„Sandmeere“ von Isabelle Eberhardt, „Ulysses“ von James Joyce, „Das Blau des Himmels“ von Georges Bataille, „Mehr Feminismus“ von Chimamanda Ngozi Adichie, „Abschaffel“ von Wilhelm Genazino.

Welches Buch oder welchen Autor oder welche Autorin können Sie nicht ausstehen?

Mich Vraa, „Die Hoffnung“.

Welchen Autor oder welche Autorin beneiden Sie und warum?

Peter Kurzeck wegen seiner Unerschöpflichkeit im Hessischen und der Fähigkeit, Zuspruch zu ernten.

Wer oder was hat Sie zum Schreiben gezwungen?

Ich stehe fast mein ganzes Leben unter Schreibzwang. Das ist so sehr mein Zustand, dass ich nichts mehr fürchte als eine Unterbrechung der Produktion. Es zieht mich mit aller Macht an den Schreibtisch.

Kann Bildende Kunst zum Schreiben anregen – wenn ja, an welche Künstler oder Künstlerin denken Sie dabei?

Ja, zum Glück habe ich einen Zugang zu Bildern. Ich sehe mit Gewinn regionale, kleinstädtische, ländliche Kunst wenig bedeutender Maler*innen. Zuletzt hatte ich ein großes Erlebnis in einem kleinen Museum in der Bretagne. Da drehte sich alles um die Küstenlinie und das Orange der Kürbisse.

Mit welcher Autorin oder mit welchem Autor würden Sie gerne einen trinken gehen?

Mit Antonio Munoz Molina, der ein schönes Buch über den Martin Luther King-Mörder James Earl Ray geschrieben hat. Wichtig war für mich ein Nachmittag mit Wilhelm Genazino in einer schattig-ungemütlichen Wohnung an der Rohrbachstraße. Ich sagte: Ich kann mir nicht vorstellen, allein zu leben. Daraufhin beschwor Genazino das Glück des Alleinwohnens. Für ausgeschlossen hielt ich, dass sich Genazino lebend je aus dem Nordend entfernen ließe. Kurz darauf ließ er ganz Frankfurt hinter sich und zog wohl auch mit einer Frau zusammen.

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erstellt am 18.3.2020

Faust-Kultur wird zehn Jahre alt! Mit ihren breitgefächerten Beiträgen auf hohem Niveau wird die „Weltbühne für Autoren und Künstler“ zu den deutschen Qualitätsmedien gezählt. Ohne die Autoren und Autorinnen wäre dies nicht möglich gewesen.

Nun ist es Zeit, die Schreibenden vorzustellen, sie hinter ihren Texten sichtbar werden zu lassen. In einem Fragebogen verraten unsere Autorinnen und Autoren, was sie zum Schreiben bringt, nennen uns ihre Lieblingsbücher und lassen einen Blick auf ihren Arbeitsplatz zu.

Jamal Tuschick