Der in Darmstadt ansässige Deutsche Literaturfonds e.V vergibt Stipendien und Preise an Autoren, fördert literarische Initiativen und Modellvorhaben, die Sicherung wichtiger literarischer Traditionen sowie Übersetzungen ins Deutsche. Geschäftsführender Vorstand Wend Kässens gibt Auskunft über die Arbeit der 1980 gegründeten Institution.

Deutscher Literaturfonds

Qualität entscheidet

Im Juni 1980 setzten sieben literarische Organisationen der Bundesrepublik Deutschland – das Kulturwerk des VS, das PEN-Zentrum Deutschland, die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung, der Börsenverein des Deutschen Buchhandels, der Freie Deutsche Autorenverband, der Deutsche Bibliotheksverband und die VG Wort – ihre Unterschrift unter das Gründungsprotokoll. So entstand am 7. Oktober 1980 der Deutsche Literaturfonds e.V, als gemeinnützige „Einrichtung zur Förderung der zeitgenössischen deutschen Literatur“. Er hat seinen Sitz in der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt und wurde von Beginn an vom Bund unterstützt, seit einer erheblichen Erhöhung 2018 mit 2 Mio. Euro im Jahr.

Mit diesen Mitteln fördert der Literaturfonds Autorinnen und Autoren mit Stipendien und Preisen, bundesweit wirksame literarische Initiativen und Modellvorhaben, die Sicherung wichtiger literarischer Traditionen, aber auch qualifizierte Übersetzungen literarisch herausragender Werke der internationalen Gegenwartsliteratur ins Deutsche. Es werden Literaturzeitschriften gefördert und solche, die zeitgenössische literarische Entwicklungen abbilden und begleiten. Unterstützung bekommen auch Initiativen, die das Interesse an Literatur bei Jugendlichen und Erwachsenen zu wecken vermögen. In Zusammenarbeit mit dem AKJ wird seit zehn Jahren kontinuierlich die Jugendliteratur gefördert. Mit Projektzuschüssen und Kooperationen macht der Literaturfonds zudem die Realisierung herausragender künstlerischer und literarischer Projekte möglich. Ein jährliches New York- und ein London-Stipendium runden das Spektrum ab.

Der Deutsche Literaturfonds e.V. fördert die deutschsprachige Gegenwartsliteratur überregional, marktunabhängig und jenseits politischer Vorgaben. Er versteht sich als Spitzenförderung der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur. Damit verbunden ist ein hoher Qualitätsanspruch. Für die rund 320 Anträge pro Jahr sind befristet engagierte Jurys und das Kuratorium zuständig. Es tagte bisher zweimal, ab 2020 dann dreimal jährlich, um über die Anträge und die Verteilung der Fördermittel zu entscheiden. Bisher konnten gut 10 % der Anträge positiv beschieden werden.

Der Paul-Celan-Preis für her­aus­ragen­de Literaturübersetzungen ins Deutsche ging 2019 an Annette Kopetzki. Foto: Deutscher Literaturfonds

Der Paul-Celan-Preis ging 2019 an Annette Kopetzki. Foto: Deutscher Literaturfonds

Die Mitglieder des Kuratoriums werden von der Mitgliederversammlung der Trägervereine für jeweils drei Jahre gewählt. Mitgliederversammlung, Vorstand, Geschäftsführer und Kuratorium bestimmen die Arbeit des Deutschen Literaturfonds. Das Büro besteht aus lediglich drei Festangestellten – dem Lektor und zwei Mitarbeiterinnen für Organisation und Verwaltung. So können die Kosten für den „Apparat“ sehr gering gehalten werden.

Die Aufstockung des Etats 2018 hat die Möglichkeiten der Arbeit deutlich erweitert. So konnte eine Agentur beauftragt werden, uns bei der Öffentlichkeitsarbeit für das Jubiläumsjahr 2020 zu helfen. Die Stipendien für längstens ein Jahr wurden den gestiegenen Lebenshaltungskosten angepaßt und auf € 3000.- im Monat angehoben. Der Kranichsteiner Literaturpreis als Hauptpreis ist fortan mit € 30000.- dotiert, der Paul-Celan-Preis für Übersetzung mit € 20000.-

Die Aufstockung hat aber auch zur Erweiterung des literarischen Terrains geführt. So konnten wir über schon vorhandene Kooperationen – mit Schauspiel Graz und Drama Forum Graz für die Förderung von „DramatikerInnen“ und mit dem Kinder- und Jugendtheaterzentrum der Bundesrepublik Deutschland in Frankfurt für das Projekt „Nah Dran!“ – zwei weitere Kooperationen eingehen: Mit der Deutscher Akademie für Sprache und Dichtung, der Stiftung Lyrik Kabinett, dem Haus für Poesie und dem Deutschen Bibliotheksverband für die jährlich erscheinenden „Lyrik-Empfehlungen“ mit dem Ziel die Stimmenvielfalt der zeitgenössischen Lyrik stärker ins Licht der öffentlichen Aufmerksamkeit zu rücken. Und jüngst mit dem in Berlin angesiedelten Projekt „Weiter Schreiben“, dem Portal für Literatur aus Kriegs- und Krisengebieten.

40 Jahre Deutscher Literaturfonds – man darf gespannt darauf sein, was er im Jubiläumsjahr zu bieten hat. Zum Auftakt am 30. und 31. Januar 2020 in Leipzig zunächst mal eine öffentliche Tagung über erzählerische Freiheit, Political Correctness, die Sache mit dem Geld und das Urheberrecht…

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erstellt am 04.11.2019

Nora Bossong ist die Trägerin des Kranichsteiner Literaturpreises 2019. Foto: Heike Huslage-Koch [CC BY-SA 4.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)]

Nora Bossong ist die Trägerin des Kranichsteiner Literaturpreises 2019. Foto: Heike Huslage-Koch [CC BY-SA 4.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)]

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