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Für ihren Kriminalroman „Krokodilstränen“ wurde die uruguayische Schriftstellerin Mercedes Rosende mit dem LiBeraturpreis 2019 ausgezeichnet. Riccarda Gleichauf hat aufgeschrieben, was Rosende und ihr deutscher Übersetzer auf der Preisverleihung in Frankfurt sagten.

LiBeraturpreis 2019

Weibliche Wirklichkeiten

Der LiBeraturpreis, 1987 gegründet, ist einzigartig in der Literaturlandschaft. Dabei, so Litprom-Geschäftsführerin Anita Djafari in ihrer Begrüßungsrede, sei die „kleine Schwester des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels“ auch deswegen besonders, weil sie ein Publikumspreis sei. Warum die „kleine Schwester“ auch nach über 30 Jahren noch nicht richtig groß geworden ist, kann nur bedauert werden, denn sie geht „beherzt gegen Diskriminierung“ vor. Und das im doppelten Sinn: Sie fördert nicht nur die immer noch marginalisierten Stimmen von Frauen in der Literatur, sondern präsentiert Bücher außerhalb der westlichen Welt und erweitert Perspektiven eurozentristisch geprägter Leserinnen und Leser.

Mercedes Rosende, Foto: Dirk Skiba
Mercedes Rosende, Foto: Dirk Skiba

Dieses Jahr ging der mit 3000 € dotierte Preis an Mercedes Rosende aus Uruguay. Mit ihrem originellen Kriminalroman „Krokodilstränen“ schreibe sich Rosende ein in ein vom amerikanischen Modell besetzten Genre, ohne es zu kopieren, so die lobenden Worte des Krimi-Experten und Laudators Thomas Wörtche. Das gelingt der Autorin insbesondere durch die gegenderten Figuren, in denen keine an männliche Erwartungen angepassten „dümmlichen Weibchen“ (Rosende) mehr vorkommen, sondern Frauen wie Ursula, die dick, kinderlos und gewalttätig sind.

Weibliche Überlegenheit, so betont die Preisträgerin in ihrer Dankesrede optimistisch, werde in den Gesellschaften zum Glück immer seltener tabuisiert. Frauen, die nicht gehorchen, sich dem Patriarchat widersetzen, treten immer öfter in Erscheinung. Damit sich diese positive Tendenz fortsetzt, brauchen wir mehr Stimmen wie die von Mercedes Rosende und mehr Übersetzer wie Peter Kultzen, der die Autorin nicht nur übersetzt, sondern auch vor zwei Jahren auf der Buchmesse entdeckt hat.

Auf die Frage der Moderatorin in der Abschlussrunde, ob es nicht unpassend wäre, wenn ein Mann das Buch einer Frau übersetze, das dann einen Preis bekommt, der ausschließlich für Frauen ausgeschrieben sei, antwortete er ungerührt, dass er bis jetzt nur Frauen übersetzt habe. Bei Rosende gefiel ihm damals direkt der ironische Ton, der mehrere Wahrheiten zulässt. Humor ist überhaupt das Mittel, mit dem die Autorin, frei nach Umberto Eco, die Leserinnen und Leser dazu bringt, sich mit der Figur, die leidet, emotional zu verbünden. Das funktioniert wie wir sehen über Geschlechtergrenzen hinweg und macht aus den „weiblichen Wirklichkeiten“ (Rosende) in „Krokodilstränen“, menschliche Wirklichkeiten.

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erstellt am 21.10.2019

Mercedes Rosende
Krokodilstränen
Kriminalroman
Aus dem Spanischen von Peter Kultzen
Gebunden, 224 Seiten
ISBN 978-3-293-00536-5
Unionsverlag, Zürich 2018

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