Der letzte Bau von Le Corbusier war ein Pavillon, den die Galeristin und Mäzenin Heidi Weber auf der Blatterwiese am Zürcher See 1967 errichten ließ. Nach einer umfangreichen Renovierung ist der Pavillon, der zum Museum für Gestaltung Zürich gehört, wieder eröffnet und dokumentiert in der Ausstellung „Mon univers“ die Sammelleidenschaft und die gestalterischen Vorbilder von Le Corbusier. Stefana Sabin war im Zürcher Pavillon.

Architektur

Rot, Gelb, Grün auf der Wiese

Am rechten Ufer des Zürcher Sees, nördlich vom Zürichhorn, gibt es eine große Spiel- und Liegewiese, die Teil der Schweizerischen Landesausstellung war und die spätestens seitdem ein besonders beliebter städtischer Erholungsort ist. Dort beschloss Heidi Weber, Galeristin und Mäzenin, einen Ausstellungsort zu errichten. Sie erhielt von der Stadt Zürich nicht nur die Baugenehmigung, sondern auch den Bauplatz gestellt – wie im Baurecht vorgesehen für fünfzig Jahre – und engagierte dafür den wohl berühmtesten Schweizer Architekten, Le Corbusier. Dessen Tod während des Baus verlangsamte die Fertigstellung, aber schließlich wurde das Gebäude 1967 eingeweiht. Inzwischen ist das kleine, feine Gebäude, der letzte Entwurf von Le Corbusier, ins Eigentum der Stadt Zürich übergegangen und nach einer umfangreichen Renovierung gerade wiedereröffnet.

Die Eröffnungsausstellung unter dem Titel „Mon univers“ ist eine Hommage an Le Corbusier. Historische Fotos dokumentieren sein Leben; Meeresschnecken, Strandgut oder Industrieglas aus seiner Privatsammlung geben einen Eindruck von seiner Sammelleidenschaft; Malereien und Objekte fremder Kulturen lassen erkennen, unter welchen Einflüssen sich seine gestalterische Fantasie entfaltete; Gemälde, Zeichnungen und Assemblagen führen die Synthese der Künste, die er angestrebt hat, vor. Die Ausstellung ist von Arthur Rüegg und Christian Brändle vorzüglich kuratiert – und dennoch: das Hauptexponat ist der Pavillon selbst.

Es ist eine filigrane schiffsähnliche Konstruktion, die auf Modulor basiert, jenem Proportionssystem, das Le Corbusier zwischen 1942 und 1955 als Versuch entwickelt hatte, um der Architektur eine mathematische und zugleich menschenfreundliche Ordnung zu geben. Auch die Verwendung von vorgefertigten Teilen und das Einsetzen von wiederkehrenden Elementen wie der Erschliessungsrampe, ebenso wie die „promenade architecturale“, die genau konzipierte Wegführung durch das Gebäude machen den Pavillon zu einem eigenständigen Kunstwerk. Und so wirkt die Eröffnungsausstellung besonders passend, denn sie stellt die gestalterische Vision von Le Corbusier in den Kontext seines beruflichen Lebens.

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erstellt am 02.7.2019

Der Pavillon Le Corbusier in Zürich

Offizielle Website

Pavillon Le Corbusier