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Um Gemälde von Pieter Bruegel dem Älteren zu sehen, musste man schon immer nach Wien reisen. Das Kunsthistorische Museum besitzt die größte Sammlung seiner Werke. Jetzt hat es auch die übrigen zugänglichen Bilder des flämischen Meisters nach Wien geholt. Thomas Rothschild hat die Bruegel-Ausstellung besucht.

Ausstellung

Der »Bauernbruegel« komplett wie noch nie

Man muss noch nie ein Museum besucht haben, um Bilder von Pieter Bruegel dem Älteren zu kennen. Reproduktionen seiner „Bauernhochzeit“, seiner „Jäger im Schnee“ oder seines „Turmbaus zu Babel“ oder auch von Ausschnitten daraus wurden über Kunstkalender und Poster zur internationalen Folklore. Wahrscheinlich verdankt sich die einzigartige Popularität dieser Bilder der Tatsache, dass sie farblich und formal unmittelbar ansprechen und zugleich Geschichten erzählen, und zwar größtenteils nicht, wie im 16. Jahrhundert erwartbar, die bekannten, wenig überraschenden Geschichten aus dem biblischen Kanon, sondern aus dem Alltag der sogenannten einfachen Menschen. Je fremder uns dieser Alltag einer vorindustriellen Welt wurde, umso mehr Auskünfte können wir Nachgeborenen aus Bruegels Bildern erhalten. Sie machen, etwa in den berühmten „Kinderspielen“ von 1560, in zahllosen minutiösen Details die Vergangenheit, Menschen und Vorgänge, im wörtlichen Sinne anschaulich.

Geschichten aus dem Alltag: Pieter Bruegel der Ältere: Die Jäger im Schnee, 1565, Kunsthistorisches Museum Wien © KHM-Museumsverband

Das Kunsthistorische Museum in Wien war für Bruegel-Fans immer schon eine Pilgerstätte, weil es die größte Sammlung seiner Werke besitzt. Nun aber hat es in einer eindrucksvollen Kraftanstrengung auch die übrigen zugänglichen Bilder des Meisters nach Wien geholt – alles in allem rund 90 Stück –, um sie, bis zum 13. Januar 2019, in einer spektakulären Ausstellung zu zeigen. Die knapp drei Viertel der erhaltenen Gemälde, die man zu einem großen Teil wohl kennen mag, die aber in ihrer originalen Größe eine neue Wirkung entfalten, sowie die Zeichnungen und Grafiken werden ergänzt durch kommentierte Illustrationen von Bruegels Arbeitsweise und Techniken.

Großausstellungen dieser Art sind dem gleichen Widerspruch ausgesetzt wie der moderne Tourismus. Einerseits ist es erfreulich und eine demokratische Errungenschaft, dass grundsätzlich jeder in ihren Genuss kommen kann. Andererseits verhindern die Besuchermassen eine konzentrierte Betrachtung der Werke. Sie drängeln sich, quatschend und mit dem unvermeidlichen Smartphone in der Hand, vor den Bildern in den abgedunkelten Räumen und verdecken die viel zu klein auf den Barrieren aufgetragenen Angaben über Inhalt, Entstehungszeit, Leihgeber. Ausstellungstechnisch steht die Wiener Schau, für die man sich immerhin vorweg anmelden soll und dann 20 bis 30 Euro Eintritt bezahlen muss, nur dort auf der Höhe der Zeit, wo sie über Hintergründe belehrt.

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erstellt am 08.11.2018

Pieter Bruegel d. Ä.: Der Turmbau zu Babel, 1563, Kunsthistorisches Museum Wien © KHM-Museumsverband

Ausstellung in Wien

Pieter Bruegel d. Ä.

Bis 13. Januar 2019

Kunsthistorisches Museum Wien