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Prof. Dr. Egidius Fitzroy ist ein Philosoph. Das ist kein Beruf, sondern ein denkwürdiger Zustand, – wenn er nicht mit den zweifelhaften Segnungen eines Lehrberufs behaftet ist. Ein qualifizierter, aber arbeitsloser Vertreter des Fachs heißt deshalb auch Privatgelehrter. Faust-Kultur veröffentlicht das erste Kapitel von Otto A. Böhmers vergnüglichem Roman „Frei nach Schopenhauer“.

Romanauszug: »Frei nach Schopenhauer«

Unglaublich sesshaft

Erster Teil: Schöne Aussicht

Als Prof. Dr. Egidius Fitzroy häufiger von dunklen, wenngleich wohl eher unbehaglichen als unerträglichen Gedankenbildern heimgesucht wurde, machte er sich Sorgen. Er tat dies, seiner Physiognomie und seinen sonstigen Verrichtungen entsprechend, gemessenen Schrittes, wenn man das so sagen darf. Auch in seinen Überlegungen nämlich, die zum Pflichtprogramm des über ihn verhängten Lebens gehörten, bewegte sich Fitzroy am liebsten langsam, er verweilte gern hier und dort, ließ ganz einfach kommen, was kommen sollte. Der Mensch, war seine Überzeugung, ist ein Empfänger, kein Sendbote, er hat im Rahmen insgesamt bescheidener Möglichkeiten hellhörig zu sein, weil ihm sonst etwas entgehen könnte, das wichtig für ihn ist. Entgeht ihm dann aber tatsächlich etwas, weil er z.B. ein Tagesschläfchen zuviel hält oder sich anderweitig ablenken lässt – auch nicht schlimm; in seiner persönlichen Vorratshaltung, die er bis zum Ende mit durchzuschleppen hat, wird von geheimer Hand für Ausgleich und Ordnung gesorgt. Tatsächlich hatten Fitzroys private Visionen aber mit seinem Ende zu tun, an das er zuvor kaum einen Gedanken verschwendet hatte. Warum auch; schließlich gibt es ja kein unergiebigeres Thema als den Tod, der sich auch deshalb auf keine Diskussionen einlassen kann, weil er gar nicht so viele Lebenslichter ausblasen kann, wie anderswo angesteckt werden. Auch der Tod steht unter Rationalisierungsdruck, er muß liefern, stößt dabei als Kleinunternehmer aber immer mehr an seine Grenzen. Um das Bevölkerungswachstum einigermaßen in Grenzen zu halten, sind ergänzende, großflächig aufgezogene Maßnahmen gefragt wie Kriege, Klimakatastrophen oder Seuchen. Fitzroy, der bei solchen Überlegungen immer ein wenig in sich zusammensackte und ein schiefes Lächeln aufsetzte, war allein, er durfte so etwas denken, politische Korrektheit war in seiner Praxis nicht gefragt, zumal sie auch seinem philosophischen Hauptsponsor Dr. Arthur Schopenhauer, nach dessen Lehre sich die Beratungsgespräche in diesen Räumlichkeiten richteten, nicht in den Sinn gekommen wäre.

Prof. Dr. Egidius Fitzroy verspürte vage Beklemmungen, wenn er an sein Ende dachte, sein massiger Körper sandte vorsichtige Warnsignale aus, kleine Übelkeitswellen etwa, die von unten nach oben rollten und sich bevorzugt in der Brustmitte festsetzten, unweit jenes Bereichs, in dem auch der unermüdlichste aller Dienstleister, das Herz, seinen Pflichten nachkam. Vor vielen Jahren, als er, für seine Verhältnisse, noch deutlich lebensfroher gewesen war, hat er sich für die zweite Hälfte seines Lebens eine fast einfältig zu nennende Privatvision zurechtgelegt: Er war unglaublich sesshaft geworden, hatte eine Familie gegründet, die Tage vergingen in stiller Hurtigkeit, in den Nächten schlief er wie ein Sack. So verging die Zeit, was anderes sollte sie tun. Er wurde alt und älter, seine Frau, die ihm ein oder zwei anmutige Töchter geschenkt hatte, alterte mit ihm, was sich, in zusätzlich beruhigender Weise, auf ihr eheliches Geschlechtsleben auswirkte, dem die Leidenschaftlichkeit abhanden kam. Die gemeinsame Existenzführung wird dadurch jedoch nicht eingeschränkt, sondern kann noch geordneter ablaufen; Überraschungen sind immer noch möglich. Keine Überraschung war, dass Fitzroy dabei zusehends dicker wurde, er hatte dazu schon immer Talent gehabt, dem er in jüngeren Jahren noch Beschränkungen auferlegt hatte, die nun nicht mehr nötig waren, er durfte sich gehen lassen, was seine Frau, die insgesamt merkwürdig drahtig blieb, zunächst noch mit unfreundlichen Bemerkungen kommentierte, in der Folge aber nur noch gleichgültig zur Kenntnis nahm – auch ein dicker Philosoph ist ein Philosoph, sagte sie, damit war dieses Thema für sie durch. Man kann nicht sagen, dass Fitzroy gerne dick war; glücklich fühlte er sich nicht dabei, aber wann hatte einer wie er sich schon glücklich gefühlt. Letztlich ging es nur darum, das Leben, dieses „Pensum zum Abarbeiten“, wie es sein philosophischer Einflüsterer Schopenhauer nannte, einigermaßen unbeschadet zu durchstehen, also gesund zu bleiben, was man auch mit beträchtlicher Leibesfülle konnte. Daraus wiederum ließ sich, bei wohlwollendem Bedenken, eine Art Hausmacher Frömmigkeit beziehen, für die man keinen Gott benötigte, sondern nur ein Gefühl wohliger Sicherheit, das einem sagte: Es ist alles in Ordnung, du bekommst, was du verdienst, und danach sehen wir weiter, was dich aber dann nicht mehr interessieren muß. Er hatte sozusagen immer ein Licht am Ende des Tunnels vor Augen, durch den zu zwängen allerdings zunehmend mühsamer wurde; – wäre er selbst nicht so zunehmend gewesen, hätte er es vermutlich leichter gehabt. Aber wer weiß.

So in etwa hatte sich Prof. Dr. Egidius Fitzroy die zweite Hälfte seines Lebens vorgestellt, die auch in etwa so eintraf, wie er sie sich ausmalte; zwar war ihm nicht vergönnt gewesen, eine Familie zu gründen, er hatte keine drahtige Frau, auch nicht ein oder zwei anmutige Töchter, aber sonst stimmte fast alles: Er wurde älter und dicker, die Leidenschaftlichkeit kam ihm abhanden, und er sah das tröstliche Licht am Ende des Tunnels. Nein. Er sah es eben nicht mehr, da war auf einmal nur noch das Dunkel am Ende des Tunnels. Obwohl dieser Umstand an sich kein Anlaß zur Beängstigung sein konnte, schließlich ist alles, fast alles eine Frage der Wahrnehmung, und manche sehen, je nach Getränkezufuhr, nicht nur ein Licht und einen Tunnel, sondern deren vier oder fünf, fing Fitzroy, wie gesagt, an, sich Sorgen zu machen. Nicht um Gott, um den schon gar nicht, nicht um die Welt, um die es bekanntlich nicht gut steht, sondern um sich selbst; so viel Eigennutz muss sein. Ein Verdacht war in ihm aufgekommen und wurde zur Gewissheit: Er war eben doch nicht gesund, sondern krank, der Druck in seiner Brust deutete auf ein geheimes Leiden hin, dem vermutlich nicht mehr beizukommen war. Fitzroy erhob sich schnaufend von seiner Tagesliegestatt, absolvierte ein paar wacklige Schritte in seinen Praxisräumen, von denen es am Ende der Wohntrasse in seine Privatgemächer überging; eigentlich kein Unterschied, er war hier wie dort zu Haus und unbehaust. Zugegeben, es war ein Privileg, auf so unkomfortable Weise wie er unglücklich zu sein, so luxuriös und abgeschirmt, aber gerade das erhöhte auch den in ihm aufgestauten Leidensdruck. Er seufzte, wischte sich zwei, drei dekorative Tränchen aus den Augen, die mit den Jahren kleine Sichtkrater um sich versammelt hatten. Nochmal die Praxisräume abgeschritten, keine Kunden, am Montag hatte er, nach dem Vorbild anständiger Friseure, Ruhetag. Gutes Stichwort, Ruhe, man soll es, gerade als denkender Mensch, mit der Bewegung nicht übertreiben, das untergräbt die Gesundheit, auch wenn die, wie in seinem Fall, ohnehin schon untergraben, ja womöglich längst in ihr bedrohliches Gegenteil umgeschlagen war. Er setzte sich an seinen Schreibtisch; der Bürostuhl mit flexibler Rückenlehne und variabler Sitzfläche war, musste man zugeben, für ihn inzwischen zu klein und zu eng geworden. Wieder holte er tief Luft, rasselte sein Atem nicht schon, wurde sein Herz nicht gerade von inwendig angreifenden Feinstichattacken heimgesucht. „Nein“, sagte er. „Keine Panik“. Mit zunehmendem Alter gönnte er sich inzwischen auch eine Gepflogenheit, die ansonsten im Repertoire seines philosophischen Ratgeberprogramms unter der Rubrik Beginnende Demenz, Warnzeichen geführt wurde: er sprach mit sich selbst, besonders montags, wenn er Ruhetag hatte. „Nein“, wiederholte er. „Seien wir doch ehrlich. Es geht uns gut. Und besonders, dass ich diese Praxis führen darf, habe ich gefälligst als Geschenk anzunehmen. Man kennt mich, man kommt zu mir, man hört auf mich. Kann man nicht sogar sagen, dass man mich schätzt und liebt?“ Nein, konnte man nicht sagen, denn an dieser Stelle hatte er einen Frosch im Hals und krächzte nur noch. „Also, sagen wir so: Ich werde mehr geschätzt als geliebt, und dabei ist man gar nicht mal auf Praxisbesuche bei mir angewiesen, die im übrigen leider immer noch nicht von der Kasse bezahlt werden, sondern kann sich schriftlich Rat von mir einholen, denn ich betreibe, wie Sie alle wissen (?), die Kolumne Fragen Sie Fitzroy die bevorzugt Antwort auf Fragen gibt, die gar nicht gestellt wurden.“

Tatsächlich war Prof. Dr. Egidius Fitzroy vor Jahren zum philosophischen Lebensberater befördert worden, ohne dass er sich gegen diese, wie er fand: immer noch zweifelhafte Ehre länger als unbedingt nötig gewehrt hätte. Ihm war es damals geglückt, ein halbwegs erfolgreiches kleines Buch zu schreiben, dessen Titel Praxis Dr. Schopenhauer – Was wirklich zählt im Leben, ausgeheckt in der Marketingabteilung des Verlages, sich als so eingängig erwies, dass der Autor Fitzroy mit einemmal bekannter wurde, als er sich fühlte, und mit Leuten in Kontakt kam, denen er bislang erfolgreich aus dem Weg gegangen war. So trat denn auch ein Beauftragter der Internationalen Schopenhauer-Gesellschaft an ihn heran, der nach der Lektüre von Fitzroys Buch der naheliegenden Meinung war, dass es sich bei dem Verfasser um einen eingefleischten Schopenhauerianer handeln müsse, was aber nicht ganz stimmte, denn Fitzroy hatte sein Philosophiestudium absolviert, ohne sich dezidiert zu einem einzelnen Philosophen zu bekennen oder gar die Mitgliedschaft in einer der dazugehörigen Verwertungs- und Bekennergesellschaften anzustreben. Dass er dann sozusagen bei Schopenhauer hängengeblieben war, verdankte sich nüchterner Prüfung der Materiallage; von allen Philosophen, die er gelesen hatte, was, musste er zugeben, dann letztlich doch nicht so ganz viele waren, wirkte der Frankfurter Einzelgänger am überzeugendsten: Schopenhauer, persönlich wohl eher ein Unsympath, wie Fitzroy fand, blieb nahe dran an den Dingen des Lebens, mit denen sich auch Nichtphilosophen auseinanderzusetzen haben. Die Weltsicht, die daraus zu beziehen ist, bleibt alltagstauglich, hält sich von Illusionen weitgehend frei und setzt stattdessen auf das Menschenmögliche, dem dabei allerdings etwas die Begeisterungsfähigkeit abhanden kommt. So oder ähnlich hatte Fitzroy in seinem Buch Praxis Dr. Schopenhauer argumentiert; es reichte, um die Aufmerksamkeit der Internationalen Schopenhauer-Gesellschaft auf sich zu ziehen, die nicht nur über die Lehre des Meisters wacht, sondern auch an gesteigerter, über die Einverständigkeit in Fachkreisen hinausreichende Verbreitung interessiert ist. Man unterbreitete ihm ein Angebot, das, trotz der in den Satzungen festgehaltenen Verpflichtung zum sparsamen Umgang mit den Geldern der Gesellschaft, für die sich Schopenhauers eigene, gelegentlich etwas knauserig anmutende Haushaltsführung als Vorbild benennen ließ, auf die diskrete Finanzierung einer philosophischen Praxis hinauslief, die Prof. Dr. Egidius Fitzroy im Namen der Gesellschaft betreiben sollte. Gesagt, getan. Das Angebot kam Fitzroy gerade recht. Er, der von Haus aus ein kleines Erbteil sein eigen nannte, mit dem er pfleglich umgegangen war, so dass er nicht auf die Zwänge hektischer Erwerbstätigkeit angewiesen war, wollte sich ohnehin als Privatgelehrter und freier Autor niederlassen; dass ihm dafür nun eine Art Anschubfinanzierung nebst Unterhaltsbeihilfe zuteil wurde, konnte nur begrüßt werden.

„Schopenhauers später Ruhm setzte, zögerlich zunächst, aber dann doch nahezu gradlinig verlaufend, mit der Veröffentlichung seines Buches Parerga und Paralipomena im Jahre 1851 ein. Dieses Werk, dessen Titel (in deutscher Übersetzung: Nebenarbeiten und Nachgebliebenes) eher auf eine komische Oper als auf ein philosophisches Erfolgsbuch, das auch ein größeres Lesepublikum ansprechen konnte, schließen läßt, berichtet aus des Garten des Menschlichen im Stile eines großartigen Reiseschriftstellers. ‚Ja, das ist es’, befand schon Leo Tolstoj, ‚das ist die Welt in einer unglaublich schönen und hellen Spiegelung!’ Gespiegelt wurden in der Tat alle Bereiche des Lebens, die von jeher Menschengedanken in Beschlag genommen haben. Das Inhaltsverzeichnis der Parerga und Paralipomena liest sich denn auch wie eine poetische Phänomenologie des Daseins: Über die anscheinende Absichtlichkeit im Schicksale des einzelnen; Über Urteil, Kritik, Beifall und Ruhm; Über Selbstdenken; Über Sprache und Worte; Über die Weiber; Über die Erziehung; Über Lärm und Geräusch; Von dem, was einer ist; Von dem, was einer hat; Von dem, was einer vorstellt und anderes mehr.
Die Parerga und Paralipomena wurden als wahrhaftige Aphorismen zur Lebensweisheit aufgenommen (so auch der Titel des Hauptstücks der Sammlung, das – mit ungezählten Nachdrucken und Separateditionen – als Schopenhauers erfolgreichstes Buch in die Literaturgeschichte der Philosophie eingehen sollte). Das Publikum fand sich darin tatsächlich mit Einsichten belohnt, die den unverrückbaren Kern menschlichen Existierens betrafen.“

„Schopenhauer hatte nun seine Leser, und die ‚Komödie’ seines ‚Ruhmes’, wie er die Aufmerksamkeit, die ihm noch zuteil wurde, selber nannte, beglänzte ihm – er nahm es gelassen und mit wachsender Genugtuung zur Kenntnis – die letzten Jahre seines Lebens. Schon zuvor war er, auch das erfreute ihn, zu einem Original, ja zu einer Art lebenden Legende geworden, die man später in diversen Karikaturen verewigte: In Frankfurt am Main, wo er sich 1833 niedergelassen hatte und bis zu seinem Tod (1860) in der Schönen Aussicht lebte, unternahm er mit seinem Pudel regelmäßige Spaziergänge. Sein Schüler Gwinner berichtet: ‚Nach Tisch … hielt er eine Stunde Siesta. Den ersten Teil des Nachmittags füllte dann leichtere Lektüre aus. Gegen Abend ging er, von seinem Pudel begleitet, ins Freie … Sein Schritt war bis ins letzte Jahr seines Lebens voll jugendlicher Spannkraft und Geschwindigkeit. Dabei war sein Körper in beständiger Aktion, und er pflegte mit seinem Stock, einem kurzen dicken Bambusrohr, von Zeit zu Zeit heftig auf den Boden zu stoßen. Vor der Stadt zündete er sich eine leichte Zigarre an, die er aber nur zur Hälfte rauchte, da er den feuchten Rest für schädlich hielt. Zuweilen bleib er stehen, sah sich um und eilte dann wieder, einige unartikulierte Laute ausstoßend, weiter. Diese seine Gewohnheit, sein überaus sanguinisches Temperament dann und wann laut werden zu lassen, … brachte ihn wohl bei Vorübergehenden in Verdacht, als mokierte er sich über sie …’“

„Schopenhauer wußte, wie nichtssagend und bedeutungsleer, von außen gesehn, und wie dumpf und besinnungslos, von innen empfunden, das Leben der allermeisten Menschen dahinfließt. Es ist ein mattes Sehnen und Quälen, ein träumerisches Taumeln durch die vier Lebensalter hindurch zum Tode, unter Begleitung einer Reihe trivialer Gedanken. Sie gleichen Uhrwerken, welche aufgezogen werden und gehen, ohne zu wissen, warum; und jedes Mal, daß ein Mensch gezeugt und geboren worden, ist die Uhr des Menschenlebens aufs neue aufgezogen, um jetzt ihr schon zahlreiche Male abgespieltes Leierstück abermals zu wiederholen, Satz vor Satz und Takt vor Takt, mit unbedeutenden Variationen.’ Schopenhauer aber wußte auch: ‚Solange der Ausgang einer gefährlichen Sache nur noch zweifelhaft ist, solange nur noch die Möglichkeit, daß er ein glücklicher werde, vorhanden ist, darf an kein Zagen gedacht werden, sondern bloß an Widerstand – wie man am Wetter nicht verzweifeln darf, solange noch ein blauer Fleck am Himmel ist.’ Wobei es, nicht zu vergessen, eine Sache gibt, die wichtiger ist als jede Philosophie und jedes Wetter: ‚Überhaupt aber beruhen neun Zehntel unseres Glücks allein auf der Gesundheit.’“

„Arthur Schopenhauer steht nahezu unverrückbar im Strom philosophischer Meinungsbildung. Er hat seine Anhänger, und es werden immer mehr. Schopenhauer ist ein Mann für alle Fälle, von ihm lassen sich Einsichten beziehen, die nicht unbedingt glücklich(er) machen, wohl aber das herbeireden können, was der heutige Mensch, in ungemütlichen Zeiten und von Vergreisung bedroht, anscheinend am nötigsten braucht: Gelassenheit.“

„Schopenhauer hat sein gut bewachtes Weltanschauungsgebäude immer mal wieder gern verlassen, um sich ins Freie zu begeben. Dort befiel ihn, wenn er sich nicht zur Ordnung rief und seine Philosophie unbeaufsichtigt ließ, eine Stimmung, die wenig von sich hermacht, dafür jedoch um so wertvoller ist: ‚Der Heiterkeit, wann immer sie sich einstellt, sollen wir Tür und Tor öffnen: denn sie kommt nie zur unrechten Zeit, weil nur sie unmittelbar in der Gegenwart beglückt; weshalb sie das höchste Gut ist für Wesen, deren Wirklichkeit die Form einer unteilbaren Gegenwart zwischen zwei unendlichen Zeiten hat …’“ **
(** Zitate aus: Fitzroy, Praxis Dr. Schopenhauer – Was wirklich zählt im Leben. 4. Aufl., München 2009 f.)

Auszug aus: Otto A. Böhmer, Frei nach Schopenhauer, Philosophischer Roman.
Mit freundlicher Genehmigung © Verlag Karl Alber, 2018

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erstellt am 22.7.2018

Otto A. Böhmer, Foto: privat
Otto A. Böhmer, Foto: privat
Erscheint am 16. Juli 2018

Otto A. Böhmer
Frei nach Schopenhauer
Philosophischer Roman
Gebunden mit Schutzumschlag, 320 Seiten
ISBN: 978-3-495-49000-6
Verlag Karl Alber, 2018

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