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Auf einer fünfwöchigen Reise mit dem Kajak hat die Frankfurter Künstlerin Petra Johanna Barfs den Rhein erkundet. Von Mainz bis nach Hoek van Holland/Rotterdam verlief die Reise über 530 Kilometer, während der sie „alle Arten von Materialien, die sich mit den Besonderheiten des Flusses beschäftigen“ sammelte und „Eindrücke, Fotos und Texte oder auch Gespräche mit den Bewohnern rund um den Rhein“ im Nachgang künstlerisch verarbeiten will.
Faust-Kultur folgte Petra Barfs Reise den geschichtsträchtigen, mythischen Fluss entlang. Dies ist ihr Logbuch.

Petra Barfs Logbuch

Der Rhein mit dem Kajak von Mainz bis an die Nordsee

Ziel erreicht! 17. August 2018, Foto © Petra Barfs
Ziel erreicht! 17. August 2018, Foto © Petra Barfs
Hoek van Holland, 17. August 2018, Foto © Petra Barfs
Hoek van Holland, 17. August 2018, Foto © Petra Barfs
17. August 2018

Hoek van Holland
Rheinkilometer 1033

Die letzte Etappe. Kim holt mich um 10 Uhr bei strahlendem Sonnenschein ab, und wir fahren wieder zum Rijnhaven. Dort treffe ich Tie, einen Mitarbeiter vom Port of Rotterdam, der mir mit Rat und Tat in den vergangenen Tagen zur Seite gestanden hat. Wir besprechen noch einmal Details über die Route und die Wetterverhältnisse und wässern mein Kajak ein.
Einen großen Teil meiner Ausrüstung konnte ich schon im Goetheinstitut deponieren. Einige Sachen habe ich als Gewicht eingepackt, damit das Boot tiefer im Wasser liegt. So ist es kippstabiler.
Ich fahre los. Leider kann mich das Dienstschiff nicht auf die andere Seite begleiten. Die Mitarbeiter des Port of Rotterdam haben heute alle Hände voll zu tun. So ruft Tie kurzerhand die Wache an: Die vorbeifahrenden Schiffe werden infomiert, dass ich mit meinem Kajak den Fluss kreuze. Und tatsächlich scheint kein Schiff während der Überfahrt meinen Weg zu passieren.
Kaum auf der anderen Seite angekommen, fährt gerade ein Hochseeschiff am Kai los, so dass ich einen Moment warten muss. Wassertaxis umfahren mich links und rechts, wühlen das jetzt schon unruhige Wasser noch weiter auf.
Die Strömung ist hier enorm. Ich fahre an den riesigen Hafeneinfahrten vorbei und beobachte, wie die Frachter be- und entladen werden. Mit jedem Kilometer Richtung Nordsee werden die Schiffe größer. Ich staune mit einer naiven Neugierde, die mich die Gefahren beinahe vergessen lässt.
Ein Industriehafen folgt dem nächsten, manchmal sind die Einfahrten so groß, dass ich überlegen muss, wie es weitergeht. Der Fluss wird immer breiter, so dass ich nicht einmal die Kilometerangaben entziffern kann, wenn sie auf der anderen Flussseite stehen.
Ich passiere die Oude Maas und lasse die großen Hafenanlagen hinter mir. Es folgt eine fast idyllische Landschaft, wären da nicht die großen Hochseetanker, die an mir vorbeifahren und mich in die Realität zurückholen.
Die Nieuwe Maas wird nun zum Nieuwe Waterweg. Ich habe mich an den starken Wellengang gewöhnt und kann die großen Wellen sehr gut ausbalancieren.
Ich passiere ein gigantisches Wasserwerk und fahre den Kanal Kilometer für Kilometer weiter. Das aufgespritzte Wasser ist salzig geworden, mein Ziel kann nicht mehr weit sein. Rechts liegen die großen Fährschiffe, links fahren die Hochseefrachter, der Fluss wirkt durch die großen Schiffe kleiner, als er wirklich ist. In der Ferne kann ich schon die Nordsee sehen, denn die Schiffe scheinen am Horizont vornüber zu fahren. Ich erinnere mich an die vielen Seeräuberfilme, die mich als Kind fasziniert haben und komme aus dem Staunen nicht mehr raus.
Auf der rechten Seite erreiche ich endlich die Promenade von Hoek van Holland. Ich sehe den Leuchtturm mit der Pilskappe und mein Herz schlägt schneller. Ich kämpfe mich durch den Wind und das aufgewühlte Wasser und fahre entlang der mit Betonwürfeln aufgeschütteten Buhne meinem Ziel entgegen. Die Gefühle sind unbeschreiblich.
Ich erreiche die äußerste Spitze und setze zur Umrundung an. Auf einmal gibt es keinen Wind und keine Wellen mehr. Alles ist ganz ruhig und still.

Letzte Etappe, 17. August 2018, Foto © Petra Barfs
Letzte Etappe, 17. August 2018, Foto © Petra Barfs
Letzte Etappe, 17. August 2018, Foto © Petra Barfs
Letzte Etappe, 17. August 2018, Foto © Petra Barfs
Port of Rotterdam, 16. August 2018, Foto © Petra Barfs
Port of Rotterdam, 16. August 2018, Foto © Petra Barfs
Port of Rotterdam, 16. August 2018, Foto © Petra Barfs
Port of Rotterdam, 16. August 2018, Foto © Petra Barfs
16. August 2018

Rotterdam
Nieuwe Maas/Rheinkilometer 1001

Am Morgen ziehe ich mein Kajak über den Deich und blicke auf die Lek. Ich bin ein wenig zu früh, die Flut hat noch nicht ihren höchsten Punkt erreicht. Ich setze mich an den kleinen Strand neben mein Kajak und gehe zum wiederholten Male den Streckenverlauf durch. Manchmal werfe ich einen Ast ins Wasser, um zu schauen, ob das Wasser schon abfließt.
Nach einer halben Stunde kann ich endlich starten. Ich bin hellwach, obwohl ich vor lauter Aufregung kaum geschlafen habe.
Die ersten Kilometer auf der Lek sind leicht zu fahren. Das ablaufende Wasser lässt mich zügig vorankommen. Auf der linken Seite fließt die Noord in die Lek, die nun zur Nieuwe Maas wird.
Die ersten Wasserbusse fahren in einem schnellen Tempo an mir vorbei.
Am rechten Maasufer liegt eine riesige nachgebaute Arche Noah, eine künstliche Giraffe blickt auf mich herunter. Was für ein Kitsch, denke ich noch, da erreiche ich schon die Mündung der Ijssel. Der Schiffsverkehr ist gewaltig, ich muss mich unglaublich konzentrieren. Auf einmal sehe ich das gelbe Dienstschiff der Port of Rotterdam, das sich zügig vor die Einfahrt stellt. Nun kann ich die breite Mündung sicher passieren. Ich bin beeindruckt von der großartigen Unterstützung des Rotterdamer Hafens.
Ich fahre unter der ersten Brücke hindurch, die Van Brienenoordbrug, und zu dem normalen Betrieb auf dem Wasser kommen jetzt auch noch die PS-starken Wassertaxies. Es ist der reinste Bienenschwarm. Mittendrin fahre ich mit meiner kleinen Nussschale durch Rotterdam und blicke auf die imposante Skyline von Noordereiland.
Der Fluss ist an dieser Stelle zu einem reißenden Wildwasserfluss geworden, links und rechts hohe Spundwände und kreuz- und querlaufende Wellen.
Auf der linken Seite sehe ich den Rijnhaven und überquere zügig bei der Erasmusbrücke den Fluss. Das alles geschieht unter Beobachtung des Schiffes des Port of Rotterdam. Ich fahre zum Steg, den wir als Treffpunkt vereinbart haben. Auch das Dienstschiff legt nun an. Drei Männer in Uniform helfen mir aus dem Wasser. Ich fühle mich geehrt und mit ihrem niederländischen Humor gratulieren sie mir zu meiner Ankunft. Der Kapitän rät mir von meiner morgigen Etappe ab, er fragt mich, wann ich Geburtstag habe und sagt, wenn ich den nächsten noch erleben möchte, solle ich hier bleiben.
Wir lachen beide, denn er weiß, niemand kann mich davon abhalten, mein Ziel zu erreichen.
An der Promenade steht schon Kim Zieschang vom Goetheinstitut und heißt mich herzlich willkommen. Wir fahren zum “Kunstpavilliion an het Water”.
Dort werde ich heute Nacht schlafen und auch mein Projekt präsentieren.
Morgen werde ich wieder um 11 Uhr mit Beginn der Ebbe im Rijnhaven einwässern und meine Reise zuende bringen.

16. August 2018, Foto © Petra Barfs
16. August 2018, Foto © Petra Barfs
Nieuwe Lekkerland, 14. August 2018, Foto © Petra Barfs
Nieuwe Lekkerland, 14. August 2018, Foto © Petra Barfs
14. August 2018

Nieuwe Lekkerland
Lek/Rheinkilometer 982

Die Zeit verbringe ich mit Warten. Seit 5 Tagen bin ich in Schoonhoven, telefoniere und schreibe Mails an das Büro des Hafenmeisters. Ich will es genau wissen, denn ich habe keine Informationen über die Fahrt durch Rotterdam finden können. Zu gefährlich, höre ich häufig, das darf man nicht. Eine Herausforderung, denke ich, und gucken wir mal, ob man das darf.
Endlich bekomme ich die Zusage des Hafenmeisters. Darüberhinaus wird mir am Donnerstag Begleitung bei Überquerung in den Maashaven angeboten, und die Presseabteilung des Hafenbüros schickt sogar eine Mitteilung an die Medien raus. Ich freue mich sehr über die Unterstützung.
Heute fahre ich nochmal 11 km Richtung Rotterdam, um die Strecke zu verkürzen. Diesmal nutze ich die Gezeiten richtig. Ich habe zwar starken Gegenwind, komme aber gut mit der Strömung voran.
In Nieuwe Lekkerland an einem Bauernhof ist der letzte auffindbare Campingplatz vor Rotterdam. Ich hieve mein Kajak über den Deich und werde hier die Zeit bis Donnerstag verbringen. Nochmal alles durch den Kopf gehen lassen.
Die Gefühle, die ich nun habe, lassen sich schwer in Worte fassen. Aufregung, Unruhe und gleichzeitig Vorfreude auf die letzten zwei Etappen, die vor mir liegen. Ich komme meinem Ziel, Hoek van Holland, immer näher.

14. August 2018, Foto © Petra Barfs
14. August 2018, Foto © Petra Barfs
Im Uhrenmuseum Schoonhoven, 10. August 2018, Foto © Petra Barfs
Im Uhrenmuseum Schoonhoven, 10. August 2018, Foto © Petra Barfs
8. bis 10. Juli 2018

Lek/Rheinkilometer 971
Schoonhoven

Ebbe und Flut. Ich stehe um 6 Uhr in Lexmond auf, um die Gezeiten optimal zu nutzen. Gestern habe ich noch schnell einen Blick ins Internet geworfen, wie das mit den Gezeiten funktioniert. Alles ganz einfach, denke ich mir.
Ich frühstücke gemütlich und packe alles in Ruhe in mein Kajak. Ich möchte gegen 8 Uhr auf dem Wasser sein, laut meiner Berechnung der optimale Zeitpunkt.
In der ersten Stunde auf der Lek läuft alles rund. Ein wenig Gegenwind, aber die Strömung wird mir schon behilflich sein.
Der Wind frischt auf und nach einer halben Stunde habe ich extremen Gegenwind mit Böen um die 55km/h. Die Strömung wird immer stärker, auf einmal merke ich, dass das Wasser nicht in die gewünschte Richtung läuft. Ich paddele gegen die Strömung! Keinen Meter komme ich voran.
Da habe ich etwas verwechselt. Ich muss natürlich paddeln, wenn die Ebbe beginnt und nicht wenn sie ihren niedrigsten Punkt erreicht hat. Denn dann kommt das Wasser zurück. Die Flut.
Was habe ich mir dabei gedacht?
Ich kämpfe um jeden Meter, höre ich auf zu paddeln, falle ich zurück. Es ist zum Verzweifeln. Ich bin ein paar Mal kurz davor auszusteigen und mein Kajak auf den Transportwagen zu spannen und dann zu schieben. Das würde schneller gehen. Es ist ein Kampf mit mir und den Gezeiten.
Nach 6 Stunden und 15 km erreiche ich endlich Schoonhoven. Völlig erschöpft steige ich aus. Mir tut alles weh.
Ich bin froh, dass ich so gut in der Zeit liege und nehme mir vor, mich in den nächsten Tagen sehr genau mit den Gezeiten zu beschäftigen und das Ganze deutlich ernster zu nehmen.

Nichts geht mehr. Ich bin müde und gereizt durch die gestrige Anstrengung und während ich auf meiner kleinen Isomatte liege, träume ich von einem riesigen weichen Bett und einer Badewanne. Ich beschließe den ganzen Tag im Zelt zu bleiben und nichts zu tun. Zudem habe ich einen Bärenhunger und denke unentwegt ans Essen.
Am späten Vormittag kommt der Hafenmeister auf mich zu und erzählt, dass es heute Nacht ein Unwetter mit starken Sturm geben soll. Er empfiehlt mir und den anderen Campern unsere Zelte abzubauen und für die Nacht eine andere Übernachtungsmöglichkeit zu suchen. Das Kajak kann ich auf dem Campingplatz stehenlassen.
Ich habe Glück. Direkt in Schoonhoven finde ich eine kleine Pension.
Seit 4 Wochen schlafe ich im Zelt. Am Abend trete in das aufgeräumte und für mich hergerichtete Zimmer und weiß nicht so recht, wo ich mich niederlassen soll. Ich lege die Matratze auf den Boden und öffne trotz Sturmwarnung das Fenster. Ich falle in einen tiefen und traumlosen Schlaf.

Am nächsten Morgen bin ich kaum ausgeruhter. Die letzten Wochen, die Hitze und die Anstrengung der letzten Tage spüre ich deutlich.
Ich liege sehr gut in der Zeit, denn Rotterdam ist gerade einmal 30 km von hier entfernt. Am 16. August möchte ich am Kunstpavillon am Hafen sein.
Genug Zeit um sich zu regenerieren. Zudem muss ich für die letzte Etappe vom Pavillon nach Hoek van Holland den Hafenmeister von Rotterdam informieren. Der Schiffsverkehr am Hafen ist gewaltig, und es ist gut, wenn die anderen Schiffe informiert werden, dass dort jemand mit den Kajak unterwegs ist.
Ich warte also auf eine Antwort des Hafenmeisters und sehe mir in der Zwischenzeit Schoonhoven an. Schnell habe ich das kleine Städtchen durchlaufen, und nachdem ich den besten Kaffee der Stadt getrunken habe, wie mir vorher berichtet wurde, will ich schon ein wenig enttäuscht zum Campingplatz zurückgehen. Auf dem Weg dorthin komme ich per Zufall bei einem privaten Uhrenmuseum in einem Hinterhof vorbei. Neugierig betrete ich die offene Tür. Liebevoll und aufwendig verarbeitet hängen und stehen in den fabrikähnlichen Räumen Uhren-Unikate, die aufwendig restauriert sind. Leo, der Uhrmacher und Betreiber dieser Werkstatt mit Museum, erzählt mir von seiner Leidenschaft. Die Zeit spielt für ihn in der Gegenwart, erzählt er mir und führt mich in den hintersten Winkel seiner Räume, um mir seine Sammlung und eigenen Entwürfe zu zeigen. Fasziniert entdecke ich immer wieder neue Details an diesen Schätzen und freue mich über diese Begegnung.

Ebbe und Flut, 8. August 2018, Foto © Petra Barfs
Ebbe und Flut, 8. August 2018, Foto © Petra Barfs
Hinter Culemborg, Foto © Petra Barfs
Hinter Culemborg, Foto © Petra Barfs
6. August 2018

Lexmond
Lek/Rheinkilometer 956

Nach Culemborg passiere ich die letzte Schleuse auf dem Fluss, die mich von ihrer Architektur her an zweibeinige Kampfroboter aus einem Science-Fiction-Film erinnern. Ich bin froh, sie hinter mir zu lassen, denn das Einfahren mit dem Kajak und das Schließen der Schleusentore löst bei mir beengende Gefühle aus.
Ab jetzt muss ich meine Reise mit den Gezeiten abstimmen. Der Wasserspiegel steigt bei Flut bis zu einem Meter, und das Meer drückt gewaltige Wassermassen bergauf. Bei Ebbe dagegen kann ich das Abfliessen des Wassers kräftesparend nutzen.
Zahlreiche große Frachter und Hochseetanker fahren nun auf dem Fluss. Die Schiffe wirken auf der viel kleineren Lek gigantisch. Ich komme ihnen sehr nahe, manchmal trennen uns nur zehn Meter voneinander. Ich höre die dröhnenden Dieselmaschinen der Schiffe, dann kommen die Bugwellen und nach wenigen Sekunden schon die Heckwellen auf mich zu. Manchmal begegnen sich auf- und abfahrende Schiffe auf gleicher Höhe, dann kreuzen sich die Wellen und gleichzeitig wird Wasser gestaut und abgezogen. Das ist dann ein schönes und zugleich heftiges Geschaukel.
Ich passiere einige Strände, die aussehen, als wären sie für die Postkarte eines Urlaubparadieses entworfen.
Es ist ein sehr bizarres Vergnügen, dass ich einerseits meine Achtsamkeit auf die Hochseeschiffe und Sportboote lenke und gleichzeitig die entspannte Urlaubsatmosphäre am Ufer wahrnehme.

Hinter Culemborg, 6. August 2018, Foto © Petra Barfs
Hinter Culemborg, 6. August 2018, Foto © Petra Barfs
Kreuzung bei Wijk bij Duurstede, 4. August 2018, Foto © Petra Barfs
Kreuzung bei Wijk bij Duurstede, 4. August 2018, Foto © Petra Barfs
4. und 5. August 2018

Culemborg
Lek/Rheinkilometer 938

Ich fahre in die Flusskreuzung bei Wijk bij Duurstede. Hier fließt der Nederrijn in die Lek und kreuzt den Amsterdam Rijnkanaal. Vier Türme markieren die Eckpunkte der Kreuzung.
Es ist nicht leicht, die richtigen Worte für dieses gigantische Bauwerk zu finden. Von weitem sehe ich im Westen und Osten die riesigen Schleusentore und die ersten Hochseeschiffe. Gerne wäre ich noch eine Weile mitten auf der Kreuzung stehengeblieben, doch der enorme Schiffsverkehr innerhalb dieses Knotenpunktes zwingt mich, zügig die Kreuzung zu passieren.
Ich fahre in die Lek, die ähnlich gemütlich verläuft wie der Nederrijn. Nur ab und zu überholt mich ein riesiger Frachter und lässt die Nähe des Rotterdamer Hafens erahnen.
Ich erreiche Culemborg und fahre in einen Jachthafen ein. Ich möchte mir morgen die Stadt anschauen und mich vor allem mit den Gezeiten beschäftigen, denn ab jetzt werden Ebbe und Flut eine große Rolle spielen.
Culemborg entpuppt sich als kleine Stadt ohne prägendes Gesicht. Ich laufe durch die Straßen und jedes zweite Geschäft steht leer. Am Rathaus auf dem Marktplatz bleibt mein Blick hängen. Das spätgotische Gebäude ist schön und reich verziert und erinnert an eine vergangene Zeit. “Culemborg galt einmal als Zufluchtsort für Kriminelle, da es ein Freistaat war”, erzählt mir ein alter Mann schelmisch, der auf einer Bank im Hafen sitzt, “deswegen fühlen wir uns hier so wohl.”

2. August 2018, Foto © Petra Barfs
2. August 2018, Foto © Petra Barfs
1. und 2. August 2018

Eck en Wiel
Rheinkilometer 918

Einen Kilometer hinter Oosterbeek erreiche ich die erste Schleuse. Vor mir fährt ein großer Tanker mit 1200 Tonnen ein. Dahinter kommen drei Segelboote, ein Boot von der Verkehrswacht (Rijkswaterstaat) und etwa 500 m dahinter ein weiterer großer Frachter. Ich überlege, wie die ganzen Schiffe und mein kleines Kajak in die enge Schleuse passen.
Ich paddel zum Verkehrswachtboot und frage die Polizisten, wie man sich als Kajakfahrer verhält. Hendrik, ein Duisburger, der seit 20 Jahren bei der Verkehrswacht arbeitet, erklärt mir sehr freundlich die Regeln. Der Ablauf ist sehr einfach, erst die großen Frachter, dann die Segelboote und zuletzt mein Kajak. Hendrik sagt, ich soll ihnen folgen. Nicht ohne Stolz fahre ich an den großen Schiffen vorbei. Jetzt sind wir in der Schleusenkammer. Die Polizisten bieten mir an, mich an einem Tau festzuhalten, denn der große Frachter vor mir wird Heckwellen auslösen, wenn er weiterfährt.
Ich stehe keine zwei Meter vor den Propellern des Frachters und mir wird ziemlich unbehaglich zumute. In der Schleuse ist es zudem laut, eng, und es riecht nach Diesel. Ein richtiger Hexenkessel.
Hendrik, der Polizist sieht mein Unbehagen und beruhigt mich. Wir kommen erneut ins Gespräch, und er erzählt mir von seinem Alltag. Die Verkehrswacht ist unter anderem für die Überprüfung der Beschilderung und der Pegelstände auf dem Niederrhein zuständig. Es soll verhindert werden, dass die großen Frachter überladen und auf Grund laufen.
Wir warten über eine halbe Stunde. Endlich öffnen sich die Schleusentore, und ich fahre weiter. Vor mir liegt eine ruhige und beschauliche Strecke.

Schleuse hinter Oosterbeek, 1. August 2018, Foto © Petra Barfs
Schleuse hinter Oosterbeek, 1. August 2018, Foto © Petra Barfs
Arnheim, Foto © Petra Barfs
Arnheim, Foto © Petra Barfs
29. Juli und 30. Juli 2018

Arnheim/Oosterbeek
Rheinkilometer 888

Durch die langanhaltende Trockenheit haben die Frachter nur noch die halbe Ladung. Dicht fahren die Schiffe auf dem Rhein. Die Strömung ist enorm. Nach ein paar Kilometern teilt sich der Rhein links in die Waal und rechts in den Pannerdenschkanaal. Ich biege rechts ab, denn ich möchte weiter auf dem Niederrhein/Neder rijn fahren.
Ab jetzt hat der Fluss nur noch eine Fließgeschwindigkeit von 1-2 km/h und ist um zwei Drittel seiner Größe geschrumpft. Der starke Wind macht das Paddeln zur Schwerstarbeit, ich ringe um jeden Meter. Belohnt werde ich jedoch mit einer idyllischen Landschaft, die mich an meine ostfriesische Heimat erinnert.
Ich fahre durch Arnheim. Viele Bootshäuser liegen verankert am rechten Ufer, die Stadt möchte ich mir morgen in Ruhe anschauen.
Ich erreiche Oosterbeek und gehe ans Ufer. Meine gesamten Nahrungvorräte haben mir heute früh die Ameisen geklaut, nur zwei Äpfel, Nüsse und Trockenobst könnte ich vor den gefräßigen Biestern retten. Es hat gerade für die heutige Tour gereicht.
Abends fahre ich nochmal in den kleinen Vorort von Arnheim und gehe für mein Abendessen und für das Frühstück einkaufen. Gut, dass in den Niederlanden die Lebensmittelläden auch am Sonntag geöffnet haben.

Am nächsten Morgen treffe ich am Rheinufer in Oosterbeek einen Polizisten von der niederländischen Wasserpolizei. Er ermahnt gerade einen Mann, der mitten auf dem Fluss schwimmt und bittet ihn ans Ufer zu kommen.
Ich frage ihn, warum das gefährlich ist, wo doch der Rhein hier fast keine Strömung hat und auch nicht besonders breit ist.
“Die Menschen unterschätzen den Fluss. Auch hier gibt es Strudel, und die vorbeifahrenden Schiffe können die Schwimmer nicht sehen. Es ist gefährlich!” Wir kommen ins Gespräch und er erzählt mir von seinem Alltag. Jahr für Jahr gibt es Ertrinkende, die erst Wochen später in einem entsetzlichen Zustand gefunden werden. Manchmal treiben sie wochenlang auf oder unter dem Wasser, verfangen sich in Schiffsschrauben oder Pflanzen, bis sie irgendwann an Land gespült werden.
“Es ist die Leichtsinnigkeit der Menschen, die keinen Respekt vor dem Rhein haben”, sagt er. “Wir Polizisten sehen regelmäßig die entstellten Leichen, und glauben Sie mir, diese Bilder werden Sie nicht mehr los.”

An der holländischen Grenze, Foto © Petra Barfs
An der holländischen Grenze, Foto © Petra Barfs
28. Juli 2018

Millingen am Rhein/Niederlande
Rheinkilometer 865

Orkanartige Windböen reißen mich um 5 Uhr aus dem Schlaf. Mein Zelt flattert und die Befestigungen lösen sich. Ich muss mit aller Kraft alles neu abspannen, damit es mir nicht davonfliegt. Von Osten her ziehen dichte Regenwolken auf, und ich entscheide mich, mein Zelt und meine Ausrüstung schnell im Boot zu verstauen, damit alles trocken bleibt.
Kaum bin ich auf dem Wasser, fängt es schon an zu regnen. Der Rhein hat bei Emmerich eine starke Strömung, der Gegenwind und der Regen zwingen mich jedoch kurz an Land zu gehen. Nachdem der Sturm etwas nachgelassen hat, fahre ich weiter.
Auf der rechten Rheinseite sehe ich die ersten niederländischen Flussmarkierungen. Der Schiffsverkehr ist enorm. Die großen Reedereien fahren hier bereits im Konvoi, die Schiffe haben eine Gesamtlänge von bis zu 300 Meter.
Gegen diese Riesen wirke ich in meinem Kajak winzig klein und doch ist es faszinierend neben den Schiffen zu fahren.
Ein kleiner Seitenarm öffnet sich auf der rechten Rheinseite, mein Etappenziel kurz vor Millingen ist erreicht.

Bei Emmerich, Foto © Petra Barfs
Bei Emmerich, Foto © Petra Barfs
Schifffahrtsmuseum Emmerich, 27. Juli 2018, Foto © Petra Barfs
Schifffahrtsmuseum Emmerich, 27. Juli 2018, Foto © Petra Barfs
26. und 27. Juli 2018

Grieterbusch/Emmerich
Rheinkilometer 845

Das Niemandsland. Ich blicke auf den Rhein und die umgebende Landschaft und kann nichts entdecken, was mich fesselt. Einöde. Ausgedörrte Felder. Selbst der Campingplatz wirkt vergessen. Ich sehe mir die zahlreichen vorbeifahrenden Schiffe an und vergleiche sie miteinander.
Ich stehe still, denn die Hitze ist unerträglich. Morgen möchte ich in das Schifffahrtsmuseum in Emmerich. Ich hoffe, es gelingt mir, denn das Wetter macht mir zu schaffen.
Ich stehe früh auf und entdecke auf meinem Weg nach Emmerich ein Forschungsinstitut des Kölner Zoos. Neugierig gehe ich hinein und kann die Leiterin und Forscherin Dr. Katja Heubel für ein Gespräch gewinnen. Frau Heubel ist Biologin und untersucht am Niederrhein eine neue Population, die aus dem Schwarzen Meer mit den großen Schiffstankern in deren Abwässern an den Niederrhein gekommen sind. Die Fische heißen Grundeln und vermehren sich rasant. Erst als Gefahr von den hiesigen Fischern und auch für die im Rhein lebenden Fische gesehen, dienen sie mittlerweile als Futterquelle für die Raubfische. Anschaulich steigen wir immer tiefer in das Fachgebiet ein, und ich bin fasziniert von dem immensen Fachwissen dieser Wissenschaftlerin, die mir alles geduldig und mit sehr viel Hingabe erklärt. Frau Heubel zeigt mir im Anschluss das Institut und auch die Grundeln, die sehr scheu sind und nur durch einen Sehschlitz im Vorhang beobachtet werden können.
Der Rhein ist durch die Begradigung und extreme Schifffahrt eine ökologische Katastrophe. Die vielen kleinen Seitenarme des Rheines, die den Fischen als Laichplatz dienten, sind durch die Kanalisierung des Flusses verschwunden.
Gegen Ende zeigt sie mir zwei alte Landkarten mit dem ursprünglichen Verlauf des Rheines. Jetzt, wo ich die Veränderungen im Vergleich mit dem heutigen Rheinverlauf sehe, kann ich nur bestätigen, dass der heutige Fluss, besonders am Niederrhein, nichts mehr mit der ursprünglichen Natur zu tun hat.

Im Schifffahrtsmuseum bin ich mit Frau Selter, der Archivarin, verabredet. Die Räume des Archives sind im Keller des Museums untergebracht. Frau Selter ist sehr hilfsbereit und zeigt mir geduldig altes Buch- und Kartenmaterial über den Niederrhein. Das Archiv ist angenehm kühl, endlich kann ich mich wieder konzentrieren. Frau Selter erzählt mir zugleich ein paar Geschichten über die Niederrheiner. Ich höre gespannt zu. Von Matrosen, die auf der Durchreise uneheliche Kinder gezeugt haben, und Emmericher, die im Archiv auf blaues Blut hoffen oder einfach ihre Wurzeln suchen. Emmerich ist eine Stadt ohne Gesicht und sehr stark auf der Suche nach seiner Identität bemerkt sie lakonisch. Die Hochwasser und vor allem der zweite Weltkrieg haben vieles zerstört und die Emmericher immer vor sehr nüchterne und existenzielle Probleme gestellt.
Ihre Beziehung zum Rhein hat nichts verklärtes oder verträumtes.

Meine romantischen Gedanken über den Mittelrhein gehören nun endgültig der Vergangenheit an. Der idealisierte Ort existiert hier nicht.
Die Gespräche des heutigen Tages haben mich sehr nachdenklich gemacht.

Im Archiv  des Schifffahrsmuseums Emmerich, Foto © Petra Barfs
Im Archiv des Schifffahrsmuseums Emmerich, Foto © Petra Barfs
Dr. Katja Heubel, Biologin, Foto © Petra Barfs
Dr. Katja Heubel, Biologin, Foto © Petra Barfs
25. Juli 2018

Kalkar
Rheinkilometer 845

Nichts ist planbar. Das Unvorhersehbare wird zu meinem ständigen Begleiter.
Um der Hitze zu entfliehen, fahre ich früh morgens los. Weit komme ich nicht. Nach ca. 5 km merke ich plötzlich, dass ich auf der linken Seite nicht mehr steuern kann. Auf einmal bricht die Pedale, lose liegt sie im Kajak. Ich bin manövrierunfähig. Mit Mühe erreiche ich das Ufer.
Ich habe Glück. Der Kajakhersteller Lettmann hat seinen Firmensitz in der Nähe. Mir ist es ein wenig unangenehm, aber ich fasse mir ein Herz und rufe an. Es war die richtige Entscheidung. Sofort wird mir Hilfe zugesagt. Allerdings muss ich dafür 2 km gegen die Strömung fahren, ohne links steuern zu können, und die Rheinseite wechseln. Denn dort, wo ich stehe, gibt es keine Möglichkeit mich zu erreichen.
Ich fahre also zurück. Mir wird erneut die starke Strömung des Rheines bewusst und zum ersten Mal verfluche ich ihn. Jetzt noch die Seite wechseln. Mit aller Kraft und mit konzentrierten Blick auf den enormen Schiffsverkehr, der mich seit Duisburg begleitet, erreiche ich das andere Ufer. Geschafft!
Ich muss mich ausruhen und bin beinahe froh, dass die Hilfe erst in ein paar Stunden kommt.
Die Steuerung wird rasch repariert, am späten Nachmittag fahre ich ein wenig unmutig und von der Hitze angestrengt weiter. Ich lande in Kalkar auf einem kleinen ruhig gelegenen Campingplatz und kann mein Zelt direkt am Rheinufer aufstellen.
Nachdem ich etwas gegessen habe, setze ich mich an das Ufer und blicke auf den Fluss. Die Sonne geht gerade unter, der Rhein zeigt sich von seiner schönsten Seite. Ich versöhne mich mit der Welt.

25. Juli 2018, Foto © Petra Barfs
25. Juli 2018, Foto © Petra Barfs
23. Juli 2018

Wesel
Rheinkilometer 820

Der Esel aus Wesel. Die Weseler nehmen es mit Humor, denn es gibt kaum eine Straße in der nicht eine Eselsstatue steht. Die Stadt hat einen gemütlichen Charme trotz ihrer Geschichte. Denn sie ist geprägt von den Hugenotten, besetzt worden von den Franzosen und Niederländern und bis auf die Fundamente im zweiten Weltkrieg niedergebrannt.
Ich gehe zur Zitadelle, eine beeindruckende Festung und treffe dort den Archivleiter der Stadt. Herr Roelen erzählt mir viel über Wesel, und natürlich frage ich auch nach der Bedeutung des Rheines für die Rheinländer.
Für den Rheinländer bedeute der Rhein eine Gefahr, und das liege vor allem an der Strömung und den großen Häfen, wie mir der gebürtige Duisburger erzählt. Kurz nach dem Krieg gab es durch die Fliegerbomben im Rhein überall Phosphorteile, ein beliebtes Mitbringsel der Kinder, die sich der Gefahr nicht bewusst waren, erinnert er sich. Fasziniert von dem Glitzern der Steine steckten die Kinder sie sich in die Tasche, ohne zu wissen, dass diese mit Sauerstoff reagieren und sich dann erhitzen.
Danach zeigt er mir eine alte historische Fotografie von 1950, die er behutsam auf den Reproduktionstisch des Archivs legt.
Darüberhinaus gibt er mir noch zahlreiche Hefte und Bücher aus den 50er Jahren bis in die Gegenwart mit. Ich freue mich sehr über die Schätze und schicke gleich alles mit der Post nach Frankfurt.
Wir verabschieden uns, und ich gehe zurück zu meinem Zeltplatz, denn morgen möchte ich die kühlen Morgenstunden nutzen, um zu meinem nächsten Ziel Emmerich zu kommen.

Wesel nach dem 2. Weltkrieg
Wesel nach dem 2. Weltkrieg
Duisburg, 21.7.2018, Foto © Petra Barfs
Duisburg, 21.7.2018, Foto © Petra Barfs
21. Juli 2018

Voerde
Rheinkilometer 800

Früh morgens fahre ich los. Ich habe mir heute eine lange Distanz vorgenommen. Durch das felsige Ufer und die Industrieanlagen bei Duisburg gibt es kaum Möglichkeiten auszusteigen.
Nach kurzer Zeit erreiche ich den Duisburger Hafen. Rechts und links am Ufer stehen gewaltige Be- und Entladestationen für die Frachter. Der Schiffsverkehr ist enorm, beinahe minütlich passieren große Containerschiffe meine Fahrt und fahren in die Häfen.
Die Hafenanlage wirkt menschenleer. Alles scheint automatisch abzulaufen. Ich fahre in einen der Häfen, um mir alles genauer anzuschauen.
Auf einmal kommt ein Frachter auf mich zu. Ich weiche aus, er folgt meinen Bewegungen und kommt mir immer näher. Ich habe Angst. Sieht er mich denn nicht?
Gleich fahre ich gegen die Kaimauer. Da kommt ein Mann an den Bug des Schiffes, lacht und ruft mir zu: Die Hafenanlagen sind für Euch verboten!
Der Denkzettel hat gesessen! Ich rufe ein wenig verlegen, dass ich mich verfahren habe und fahre schnell weiter.
Die Anlagen ziehen sich kilometerlang. Zum Glück weichen den felsigen Ufern irgendwann Sandbänke. Gegenüber von Voerde fahre ich eine Sandbank an und beschließe hier mein Nachtlager aufzustellen.
Ich denke an den Mittelrhein mit seiner romantisch verklärten Burgenlandschaft. Diese Gegend besitzt von alldem nichts. Die imposanten Industrieanlagen wirken sachlich und funktional. Eine von Menschen geschaffene Landschaft, die trotz seiner Nüchternheit eine Faszination ausstrahlt, die sich kaum in Worte fassen lässt.
Vielleicht werden diese Monumente, wenn sie später zu Ruinen zerfallen, die gleiche romantische Ausstrahlung haben die Burgen im Mittelrheintal.

Duisburg, 21.7.2018, Foto © Petra Barfs
Duisburg, 21.7.2018, Foto © Petra Barfs
19. und 20. Juli

Düsseldorf
Rheinkilometer 749

Am Morgen erwache ich aus einem tiefen und traumlosen Schlaf, ausgeruht fühle ich mich aber nicht. Ich ziehe mein Frühstück in die Länge in der Hoffnung, wieder zu Kräften zu kommen. Es folgt die übliche Zeremonie: Zelt abbauen, alles im Kajak verstauen und einwässern.
Die ersten Paddelschläge schmerzen ein wenig, aber schon nach kurzer Zeit ist von den gestrigen Strapazen nichts mehr zu spüren. Der Rhein zieht große Schleifen, mal nach rechts, mal nach links. Ich muss öfter die Seite wechseln, um die Strömung gut zu nutzen.
Von weitem ist der Düsseldorfer Fernsehturm zu sehen, durch die vielen Windungen des Flusses scheint er unendlich weit weg.
Dann sehe ich plötzlich nach einer langen Schlaufe die Düsseldorfer Altstadt. Auf der linken Seite findet gerade der jährliche Kirmes statt. Alles wirkt ein wenig surreal.
Plötzlich kommen zwei Ausflugsschiffe auf mich zu und von hinten ein großer Frachter und ein Motorboot. Die Wellen werden gegen die Kaimauern geworfen und kreuzen sich. Ich bin hellwach. Zügig und mit aller Kraft wechsele ich die Seite und gehe den Ausflugsschiffen großräumig aus dem Weg.
Ich fahre an das Ufer, um durchzuatmen. Nur noch ein paar Kilometer, dann kann ich mein Zelt aufschlagen. Die Fahrt und die Hitze haben mich mehr mitgenommen, als ich dachte. Meine weiteren Aktivitäten streiche ich komplett. Hauptsache ich lebe noch.

Düsseldorf, Rheinkilometer 749, Foto © Petra Barfs
Düsseldorf, Rheinkilometer 749, Foto © Petra Barfs
Düsseldorf, Rheinkilometer 749, Foto © Petra Barfs
Düsseldorf, Rheinkilometer 749, Foto © Petra Barfs
Beim Dreh, 18. Juli, Foto © Petra Barfs
Beim Dreh, 18. Juli, Foto © Petra Barfs
18. Juli, Foto © Petra Barfs
18. Juli, Foto © Petra Barfs
18. Juli 2018

Rheinkilometer 685
Köln

Heute wird ein Film über mich und mein Projekt gedreht. Ich treffe mich morgens um 10 Uhr mit Norleon Graff und seinem Team bei den pollerwiesen in Köln. Während ich mit dem Kajak zu dem vereinbarten Ort fahre hat Norleon schon alles vorbereitet. An einem Kran ist die Kamera befestigt um möglichst dicht das Geschehen aufzunehmen. Wir drehen die verschiedensten Einstellungen und sind froh im und am Wasser zu sein, denn die Hitze macht uns allen zu schaffen. Gegen Ende des Tages wird noch ein Interview mit mir aufgenommen. Nun merke ich die Anstrengungen der letzten Tage, mir fällt es schwer einen klaren Gedanken zu fassen. Mir merke erst jetzt wieviel in den Tagen seit meiner Abreise passiert ist – ich habe jegliches Zeitgefühl verloren und hoffe etwas halbwegs sinnvolles zu sagen.
Gegen halb fünf sind wir fertig. Es war schön mit so einem professionellen Team zu arbeiten und ich verabschiede mich schweren Herzens und fahre los nach Baumberg, meinem nächsten Etappenziel.
Ich fahre durch Köln. Ich habe Glück es gibt kaum Schiffsverkehr. Die wenigen Schiffe aber wühlen den Rhein gewaltig auf, so dass ich aufpassen muss nicht zu kentern. Die Wellen kommen gleichzeitig von vorne und von der Seite, es ist ein ständiges ausbalancieren.
Gegen 21 Uhr und nach 32 km erreiche den Campingplatz. Ich bin sehr erschöpft . Ich esse noch schnell etwas und gehe dann schlafen.
Das war ein aufregender Tag.

Auf dem Campingplatz, 17. Juli, Foto © Petra Barfs
Auf dem Campingplatz, 17. Juli, Foto © Petra Barfs
16. Juli, Foto © Petra Barfs
16. Juli, Foto © Petra Barfs
Mohndorf, 16. Juli 2018; Foto © Petra Barfs
Mohndorf, 16. Juli 2018; Foto © Petra Barfs
16. und 17. Juli 2018

Köln
Rheinkilometer 684

Mein nächstes Etappenziel heißt Köln. Das Wetter ist optimal, ich habe sogar Rückenwind. Ich fahre manchmal mitten in der Fahrrinne, um die Strömung optimal auszunutzen. Wenige Frachtschiffe passieren meinen Weg. Der Rhein wird immer lieblicher, die Enge des Mittelrheintals verschwindet, die Landschaft wird flach.
Bei Mohndorf steht mitten auf dem Rhein ein großes Baggerschiff. Rechts am Ufer steht ein Mann, der aufmerksam das Geschehen beobachtet. Ich bin neugierig, drehe um und fahre ein kurzes Stück gegen die Strömung zurück. Ich frage den Mann, ob er weiß, welche Arbeiten hier durchgeführt werden.
Aufgeschlossen und freundlich erklärt er mir, was gemacht wird. Er ist Binnenschiffer und überwacht den Vorgang. Durch die große Trockenheit der letzten Wochen hat der Rhein hier nur eine Tiefe von 80 cm. Damit die Schiffe nicht auf Grund laufen, trägt das Baggerschiff Sand vom Boden des Flusses ab. Der Rhein soll hier eine Tiefe von 180 cm haben. Täglich werden bis zu 1800 Tonnen Sand und Kies abgetragen und an einer anderen Stelle, stromaufwärts an tieferen Stellen des Rheines wieder ausgeschüttet.
Ich bin beeindruckt und möchte noch wissen wie er zu seinem Beruf gekommen ist. Er erzählt mir, daß es in seiner Familie seit Generationen Binnenschiffer gibt und er selbst früher Kapitän eines Tankschiffes gewesen sei und europaweit unterwegs war. Er hat einen ganz anderen Blickwinkel auf den Rhein. Seine Kollegen und er arbeiten bis zu 12 Stunden täglich, und so ist der Rhein sein Arbeitsplatz, den er abends gerne verlässt, um nach Hause zu fahren.
Am frühen Nachmittag erreiche ich Köln und bin froh der Hitze zu entfliehen.
Der Campingplatz ist maßlos überfüllt. Ich bekomme einen Platz zugewiesen und baue mein Zelt neben einer englischen Motorradgang auf. Mein Kajak steht neben einer Harley Davidson.

Petra Johanna Barfs, CEH, Collage/Projektbuch, Auf der Rheinreise/Bonn, 2018, 21 x 14.8 cm
Petra Johanna Barfs, CEH, Collage/Projektbuch, Auf der Rheinreise/Bonn, 2018, 21 x 14.8 cm
14. Juli 2018

Bonn
Rheinkilometer 655

Ich besuche das Haus der Geschichte nach 1945 in Bonn. Ich bin voller Zuversicht, als ich den Eingang betrete. “Deutschlands Mythen”, ein vielversprechender Titel. Ich gehe entlang der Trümmerfrauen, der Nürnberger Prozesse, der Aufteilung Deutschlands und den Flüchtlingen nach Kriegsende. Detailliert geschildert und bildgewaltig dokumentiert: Die Stunde Null.
Danach schaue ich mir die anderen Ausstellungsräume an.
Mit jedem Stockwerk steigt meine Wut. Werbeplakate von Helmut Kohl, das Waldsterben vor 30 Jahren, eine nachgebaute Bar aus den 50ern.
1965 gab es die Eigenheimzulage, dann deutsche Barbiepuppen und einen rosa VW Bus. Zum Ende der Ausstellung ein Flüchlingsboot und ein Hinweis auf die Silvesternacht 2015 in Köln.
Imposant präsentiert.
Ich blättere noch den dazu erschienen Ausstellungskatalog durch und finde keinen Zugang.

Foto: Petra Barfs
Am Rhein, 13. Juli 2018; Foto: Petra Barfs
12./13. Juli

Rheinkilometer 648
Königswinter

Über mich zu schreiben, heißt in den Ring steigen.
Heute Morgen regnete es, danach dichter Nebel, dann wieder Nordwind. Der ständige Gegenwind zerrt an meinen Nerven und nimmt mir jede Motivation. 42 km will ich heute mit dem Kajak zurücklegen, mein Ziel ist Bad Hönningen bei Rheinkilometer 624.
Am Vormittag fahre ich durch Koblenz. Die vielen Passagierschiffe, Fähren und Frachter fordern meine ganze Aufmerksamkeit. Am *Moseleck *wird es für einen Augenblick still, der Wind scheint stehen zu bleiben. Ich freue mich über die Atempause und habe Zeit das imposante Kaiser-Wilhelm-Denkmal zu betrachten.
Nach Koblenz verändert sich alles. Aus dem engen Mittelrheintal wird eine weitläufige offene Landschaft, ich lasse meinen Blick in die Ferne schweifen.
Urbane Industrieanlagen stehen zu beiden Seiten des Rheines. Schließlich fahre ich an einem stillgelegten Atomkraftwerk bei Mühlheim-Kärlich vorbei. Deutlicher kann das romantische Mittelrheintal nicht abgeschlossen werden.
Am frühen Abend komme ich müde und ausgehungert in Bad Hönningen an.
Nach tagelangen zermürbenden Kämpfen gegen den Wind fahre ich am nächsten Morgen beinahe ohne Anstrengung den Rhein hinab. Ich nutze die günstige Strömung und halte mich nahe der Fahrrinne. Manchmal komme ich den Frachtschiffen so nah, dass ich den Matrosen in die Augen blicken kann.
Der Rhein ist gutmütiger geworden. Nur kurz vor *Remagen *wird das Wasser aufwühlend, so dass ich kaum über die Wellen hinausblicken kann. Belohnt werde ich mit einem fantastischen Blick auf das Siebengebirge. Es gibt dem nichts hinzuzudenken, da alles zu sehen ist.

Foto: Petra Barfs
Mühlheim-Kärlich, 12. Juli 2018, Foto: Petra Barfs
Foto: Petra Barfs
Die Marksburg in Braubach, Bauskizze aus dem 17. Jahrhundert. Foto: Petra Barfs
 Im Europäischen Burgeninstitut auf Schloss Philipsburg. Foto: Petra Barfs
Im Europäischen Burgeninstitut auf Schloss Philipsburg am 11. Juli. Foto: Petra Barfs
10. und 11. Juli

Braubach
Rheinkilometer 581

Vor meiner Abreise in Sankt Goarshausen komme ich mit einem Bewohner des kleinen Ortes ins Gespräch. Er erzählt mir von seinem Leben am Rhein und seinen besonderen Erfahrungen mit den hiesigen Behörden. Sie lassen mich ein wenig tiefer in die Seele von Sankt Goarshausen blicken. Jenseits der Rheinromantik gibt es hier eine andere Welt. Roh, dörflich und unberechenbar. Ein Wilder Westen kombiniert mit engstirnigen Strukturen. Ich weiß nicht warum, aber ich erinnere mich auf einmal an die Heimatfilme der 50er Jahre die mich als Kind so sehr fasziniert haben.
Wir verabschieden uns, und ich fahre los nach Braubach.

Mühsam komme ich voran. Der Rhein ist aufgewühlt. Windböen bis zu 50 Km/Stunde und kein Ende in Sicht. In Bad Salzig türmen sich bis zu einem Meter hohe Wellen auf. Ich habe großen Spaß, und es lässt mich ein wenig die Qualen des Gegenwindes vergessen.
Kurz vor meinem Tagesziel Braubach lässt der Wind nach. Wie von selbst geht es nun voran, und ich werde mir der enormen Fließgeschwindigkeit des Rheines bewusst.

Am nächsten Morgen besuche ich in Braubach das Europäische Burgeninstitut auf Schloss Philipsburg. Der private Verein kümmert sich um den Erhalt der Burgen.
Herzlich werde ich von Frau Holdorf, der wissenschaftlichen Mitarbeiterin des Vereins empfangen. Sie führt mich durch die geschichtsträchtigen Räume und gibt mir exklusiv Einblick in das Archiv. Ich bestaune alte Landkarten und Bücher, schließlich kommen wir in den Raum, wo die alten Baupläne zu den Burgen aufbewahrt werden. Frau Holdorf zeigt mir eine Bauskizze aus dem 17. Jahrhundert, die Marksburg in Braubach.
Die Skizzen werden außerdem benötigt, um die Burgen originalgetreu zu erhalten und zu restaurieren. Ich bin beeindruckt und spüre den Geist der vergangenen Zeit in diesen alten Räumen.

Auf dem Rhein am 10. Juli. Foto: Petra Barfs
Auf dem Rhein am 10. Juli. Foto: Petra Barfs
9. Juli 2018

St. Goarshausen

Ich bleibe noch einen Tag in St. Goarshausen und beschließe, mir heute den Rhein von oben anzusehen.
Ich gehe zu Fuß vom Campingplatz Isolde zu den 400 Treppenstufen, um zur Loreley Aussichtsplattform “Rheinblick” zu gelangen. Mein Weg führt mich durch die Altstadt dieses verschlafenen Ortes. Die Zeit ist hier stehengeblieben. Selbst der Tourismus scheint aus einer vergangenen Zeit. Ich laufe vorbei an der Bundesstraße neben dem Rhein und blicke auf den Fluss, der mir gestern so viel abverlangt hat.
Nun geht es bergauf. Kaum bin ich oben, stehe ich vor einer riesigen Baustelle. Hier soll ein Erlebnispfad mit Eventcharakter entstehen. Ich komme mit einem älteren Herrn in Gespräch, der mir von den Sportwettkämpfen erzählt, die hier früher stattgefunden haben. Wir plaudern noch ein wenig über das Vergangene und die Verheißung des Neuen, dann mache ich mich weiter auf dem Weg zur Kanzel, einer der schönsten Aussichtsplattformen am Rhein wie es heißt.
Nach einer halbstündigen Wanderung entdecke ich sie endlich: die lang ersehnte Rheinromantik. Ich blicke in die Ferne und denke an die Arbeit “Der Wanderer” von Caspar David Friedrich.

Foto: Petra Barfs
9. Juli 2018, Rheinkilometer 557, St. Goarshausen (© Petra Johanna Barfs)
8. Juli – 9. Juli 2018

St. Goarshausen, Rheinkilometer 557

Es gibt eine innere Welt, ich nenne sie den Rhein. Ich mache Erfahrungen, die jede Grenze überschreiten. Vor allem Grenzen, von denen ich nicht die geringste Ahnung hatte, das sie existieren.
Bingen, der Mäuseturm, Kaub und Die Loreley, vier markante Orte am Mittelrhein.
Extremer Gegenwind, Strömung und hohe Wellen, aufgewühlt durch die vielen Frachtschiffe und Fähren, die sich scheinbar wahllos auf dem Wasser kreuzen. Die starke Strömung, die einen sonst übers Wasser gleiten lässt, ist kaum zu spüren. Ein reiner Kraftakt mit höchster Konzentration und nur mit Mühe zu bewältigen.
Dann gibt es noch eine äußere Welt, die ist etwas einfacher zu verstehen: Burgen, Weinberge und Täler, die sich im tiefen Wald verlieren und Orte, die ich rechts und links hinter mir lasse. Schemenhaft nehme ich meine Umgebung wahr, der Rhein verlangt heute meine volle Hingabe. Von der Rheinromantik ist auf dem Fluss nichts zu spüren.

Foto: Petra Barfs
Auf dem Rhein, 8. Juli 2018 (© Petra Johanna Barfs)
Foto: Petra Barfs
Rheinkilometer 524, Foto: Petra Barfs
7. Juli 2018, Rheinkilometer 497 (© Petra Johanna Barfs)
7. Juli 2018

Rüdesheim
Rheinkilometer 524

Nun stehe ich in *Gustavsburg *nur wenige hundert Meter, bevor der Main in den Rhein mündet. Ich fahre los, ein letzter Blick zurück. Am Ufer stehen meine Freunde und winken mir zum Abschied. Ein schönes Gefühl.
Rheinkilometer 497. Endlich, ich bin auf dem Rhein.
Erhaben und weit öffnet er sich, das Wasser wird lebhafter, Wellen schlagen auf und werfen mein Kajak auf und ab.
Rechts von mir gehen ein paar Spaziergänger am Rheinufer entlang. Ganz ohne körperliche Anstrengung fahre ich an ihnen vorbei und lasse sie hinter mir.
Auf einmal Gegenwind. Er begleitet mich die nächsten vier Stunden bis Rüdesheim.
Rheinkilometer 524. Ich bin angekommen. Auf dem Campingplatz schlage ich mein Zelt auf und bringe meinen Gleichgewichtssinn in Ordnung.

Rheinkilometer 496, Foto: Petra Barfs
7. Juli 2018, Rheinkilometer 524, Campingplatz (© Petra Johanna Barfs)
7. Juli 2018

START:
7. Juli 2018 um 10 Uhr
Rhein-Main Bootscenter Winkel & Rehorst
Am Mainufer 14b
65462 Gustavsburg
(Rheinkilometer 496)

ANKUNFT:
16./17. August 2018 in Rotterdam/Hoek van Holland
(Rheinkilometer 1035)

Petra Johanna Barfs: Triptychon „Über den Rhein“

Petra Johanna Barfs: Triptychon „Über den Rhein“,2018, Collage/Assemblage, 94.5 × 38.5 × 10 cm, ©Petra Barfs

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erstellt am 28.6.2018

Bezeichnung des Bildes

Ateliersituation, Foto: Petra Barfs

Natur und Heimat – das sind die großen Themen, die Petra Johanna Barfs (geb. 1974 in Emden) in ihrem künstlerischen Werk bewegen. Mit Collagen aus in Büchern und alter Graphik vorgefundenen Bildern und eigener malerischer Bearbeitung hat sie sich Fragen der Identität gewidmet, dabei es den Betrachtern und Betrachterinnen stets nicht leicht gemacht, ist manchen Grenzgang gegangen.
Nun verfolgt die an der Akademie Minerva in Groningen, Niederlande, an der Hochschule für Gestaltung Offenbach und als Gaststudentin in der Filmklasse bei Monika Schwitte an der Städelschule Frankfurt ausgebildete Künstlerin ein sowohl sportliches als auch künstlerisches Projekt: Sie setzt sich mit dem wohl deutschesten aller Flüsse, dem Rhein, auseinander.

Redaktion: Isa Bickmann

Die Künstlerin Petra Johanna Barfs

www.petrabarfs.de

Projektfilm gedreht am 18. Juli von dem Graff.ff-Team